Euer Herz lasse sich nicht verwirren

Im Evangelium des 5. Sonntags der Osterzeit stellt uns der Herr die entscheidende Verheißung vor Augen: das ewige Leben, die ewige Glückseligkeit.

Der Herr will uns einen Platz und eine Wohnung beim Vater bereiten und uns dorthin holen. Das ist die große Verheißung, die unserem Leben Sinn und Ziel gibt. Auf dieser Erde sind wir nur Gäste, Pilger, wir sind nur auf Durchreise. Auch wenn wir uns noch so häuslich auf dieser Welt eingerichtet haben, am Ende müssen wir alles zurücklassen. Ein Tourist durfte einmal in einem Kloster bei Kartäusermönchen übernachten. Er war sehr erstaunt über die spartanische Einrichtung ihrer Zellen und fragt einen Bruder: “Warum habt ihr denn fast keine Möbel?” Schlagfertig fragt der Mönch zurück: “Ja, warum haben Sie denn keine Möbel dabei?” “Ich?” sagte darauf der Tourist, “Ich bin ja nur auf der Durchreise hier!” “Eben”, antwortet der Mönch, “das sind wir auch.”

Wir sind in dieser Welt nur auf Durchreise, unser eigentliches Ziel, unsere Heimat ist der Himmel. Das will uns der Herr klar machen. Es liegt ja im Herzen des Menschen begründet, dass wir uns nach Heimat und Geborgenheit sehnen. Wir sind nur dann glücklich, wenn unsere Seele ein Zuhause hat, wo sie leben kann, wo sie festen Halt findet. In dieser Welt lässt uns der Herr etwas von dieser Heimat und Geborgenheit spüren durch das natürliche Familienleben. Aber viele können heute ein solches gesundes Familienleben nicht mehr erfahren, viele sind heute geistig und seelisch haltlos und heimatlos geworden, sie irren umher und sind ein Spiel der Wellen geworden, der Modewellen und Zeitströmungen, sie sind hin- und hergeworfen von einer Seite zur anderen. Wir fragen uns: Was hat heute noch Gültigkeit? Woran können wir uns halten? Selbst viele gutgläubige Menschen geraten heute in Verwirrung. “Euer Herz lasse sich nicht verwirren. Glaubt an Gott und glaubt an mich! im Haus meines Vaters gibt es viele Wohnungen” (Joh 14,1). Das müssen wir heute umso mehr verkünden und bezeugen. Jesus sagt uns auch, wie wir zu dieser Heimat unserer Seele gelangen. Das ist eine weitere Verheißung, die der Herr uns gibt: “Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater außer durch mich.”

In seiner Person finden wir alles was wir brauchen: den Weg der Gebote, den uns die Kirche weist, die Fülle der Wahrheit unseres katholischen Glaubens und das wunderbare Leben der Gnade durch die Sakramente.

Aber der Herr kann seine Verheißungen an uns erfüllen nur unter einer Bedingung: Wenn wir an ihn glauben. Darum richtet er den eindringlichen Appell an seine Jünger: Glaubt an Gott und glaubt an mich! Der Glaube ist, diese vertrauende Hingabe an Christus ist es, die uns Heimat und Halt gibt.

 

Das Wunder des heiligen Feuers

Das Wunder des heiligen Feuers halten viele der orthodoxen Christen für das größte aller christlichen Wunder. Es findet jedes Jahr zur selben Zeit, auf die selbe Art und am selben Ort statt. Man kann über dieses Wunder bereits in Schriften aus dem achten Jahrhundert lesen. Es ereignet sich in der Grabeskirche (Auferstehungskirche) in Jerusalem, die über Golgatha, dem Ort der Kreuzigung Jesu, und dem Grab Jesu, dem Ort seiner Auferstehung von den Toten, errichtet ist.

Das Wunder geschieht jedes Jahr am orthodoxen Ostersamstag. Das orthodoxe Osterfest fällt auf ein anderes Datum als das protestantische und katholische.

Um 13:00 Uhr schiebt sich eine Delegation der lokalen israelischen Polizei durch die Menge. Obwohl sie keine Christen sind, sind sie Teil der Zeremonie. Sie repräsentieren die Römer zur Zeit Jesu, die das Grab Jesu versiegelten. Die Polizei durchsucht das Grab nach versteckten Feuerquellen, damit kein Betrug möglich ist und versiegelt die Tür mit Wachs. Um 13:45 Uhr betritt der Patriarch die Kirche. An der Spitze einer großen Prozession umkreist er dreimal das Grab. Dann legt er zum Zeichen der Demut seine liturgischen Kleider bis auf ein weißes Gewand ab und betritt mit zwei Kerzenbündeln zu je 33 Kerzen allein die Grabeskammer.

Der Patriarch von Jerusalem, Diodorus, berichtet in einem Interview, was nun im Grab Jesu geschieht:

“Ich suche meinen Weg bis in den Grabraum in der Dunkelheit und falle auf die Knie. Hier spreche ich bestimmte Gebete, die uns durch Jahrhunderte überliefert wurden und warte dann. Manchmal warte ich ein paar Minuten, aber meistens passiert das Wunder gleich, nachdem ich gebetet habe. Aus dem Innern des Steins, auf dem Jesus aufgebahrt wurde, entweicht ein unbeschreibbares Licht. Normalerweise hat es eine blaue Nuance, aber die Farbe kann sich ändern und kann viele Töne annehmen. Man kann es mit menschlichen Worten nicht beschreiben. Das Licht steigt aus dem Stein empor, sowie Nebel aus einem See.

An einem bestimmten Punkt steigt das Licht empor und bildet eine Säule, in der das Feuer sich anders verhält, so dass ich meine Kerzen anzünden kann. Nachdem ich das Feuer empfangen habe, gehe ich nach draußen und gebe das Feuer zuerst dem armenischen und dann dem koptischen Patriarchen und dann allen Menschen, die sich in der Kirche befinden.” Unter großem Jubel wird das heilige Feuer des Auferstandenen, das ohne menschliches Zutun im Grab entstanden war, an die Gläubigen weitergegeben. “Das Wunder bewegt mich jedes Jahr aufs Neue tief”, sagt der Patriarch. “Für mich persönlich ist es ein großer Trost, Christi Treue zu uns zu erleben, die Er dadurch beweist, dass Er uns das Licht jedes Jahr trotz unserer Schwächen und Versagen wieder sendet.”

 

Seht, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinwegnimmt

“Seht, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinwegnimmt” (Joh 1,29). Diese Worte Johannes des Täufers, die wir im Evangelium des 2. Sonntags im Jahreskreis (A) hören, sind uns vertraut. Sie werden bei jeder hl. Messe vor der hl. Kommunion wiederholt und sind eine Frage an uns, ob wir wirklich glauben, dass Jesus unser Retter ist und nur er uns den Frieden des Herzens und die Heilung der Seele schenken kann.

Der Glauben an die erlösende und heilende Macht Christi ist heute unter vielen Getauften in unsere Breiten weitgehend verschwunden. Das zeigt uns die geringe Zahl jener Gläubigen, die noch im Sakrament der Beichte die Vergebung ihrer Sünden empfangen wollen. Viele leben in der festen Überzeugung, dass sie keine nennenswerten Fehler hätten und gerecht seien. Deshalb brauchen sie auch keinen Erlöser.

Und doch, wenn wir tiefer in die menschlichen Schicksale hineinschauen, bietet sich uns ein anderes Bild. Die seelische Not ist oft sehr groß, man braucht z.B. nur an die vielen gescheiterten Ehen und Familien zu denken. Die seelischen Leiden und Wunden, die aus all diesen Sünden kommen, drücken die Menschen immer mehr nieder. Und da der Mensch mit der eigenen Schuld nicht fertig werden kann oder sie nicht wahrhaben will, so wird sie dann auf die anderen abgeschoben. Und so ist unsere Gesellschaft heute voll von Schuldzuweisungen. Wie traurig ist es, dass sie den nicht mehr kennen oder anerkennen wollen, der sie aus all dieser Not retten kann.

Jesus ist gekommen um die gebrochenen Herzen zu heilen und die Menschen von der Sünde, vom Bösen und vom seelischen Tod zu befreien. Er kann alles hinwegnehmen, was die Beziehung des Menschen zu Gott und den anderen behindert oder zerstört. Er will gerade heute seine barmherzige und heilende Liebe über die Menschen ausgießen.

Wir müssen uns darum bemühen, im Licht des Glaubens wieder klar zu sehen, was die Sünde ist und was sie bewirkt. Sie ist zuerst eine Beleidigung Gottes, aber damit auch ein großer Schaden für uns selbst. Jede Sünde hinterlässt Spuren in unserer Seele, die Leiden mit sich bringen. Sie wirkt wie eine negative geistliche Kraft, die den Menschen beherrscht. Wir können uns selber niemals von den Sünden und all ihren Folgen erlösen und befreien. Auch wenn man sie zugedeckt, verdrängt und vergessen hat, sie wirken mit ihrer zerstörerischen Macht weiter. Nur Christus ist das wahre Lamm Gottes, das die Sünden der Welt hinwegnehmen kann.

Es ist so, wie der Prophet Jesaia gesagt hat: “Er hat unsere Krankheiten getragen und unsere Schmerzen auf sich geladen, zu unserem Heil lag die Strafe auf ihm – wegen unserer Vergehen – durch seine Wunden sind wir geheilt.” Diese heilende Liebe Christi wird uns immer wieder neu im Sakrament der Versöhnung geschenkt.

 

Lasst euch nicht erschrecken!

Das Evangelium vom 33. Sonntag im Jahreskreis (C) stellt uns die Zeichen und Ereignisse vor der Wiederkunft Christi vor Augen. Wer mit gläubigem Sinn in die Welt schaut, der wird merken, dass heute vieles Wirklichkeit ist, was der Herr vorausgesagt hat. Wir hören immer wieder von schrecklichen Dingen, von Katastrophen, Gräueltaten und Kriegen, die überall in der Welt geschehen. Die Menschen gehen über viele dieser schlimmen Nachrichten meist leichtfertig hinweg mit dem Gedanken: Gott sei dank ist es nicht bei uns geschehen.

Trotzdem haben viele das unbestimmte Gefühl, dass diese gerechten Prüfungen Gottes auch in unsere eigene kleine Lebenswelt hereinbrechen können. Auch wir als Christen müssen uns fragen, wie wir in einer Umwelt, die immer antichristlicher und christenfeindlich wird, bestehen können. Jesus hat sehr wohl gewusst, dass diese Prüfungen und Verfolgungen auch seine Jünger in Verwirrung, Angst und Versuchung bringen werden. Darum hat er uns auch das Kommende vorausgesagt und uns auch einige Regeln gegeben, wie wir uns unter solchen Umständen verhalten sollen: Lauft den falschen Propheten nicht nach! Lasst euch nicht erschrecken! Nehmt euch fest vor, nicht im Voraus für eure Verteidigung zu sorgen! Es wird euch kein Haar gekrümmt werden. Wer ausharrt bis zum Ende, der wird das ewige Leben gewinnen (vgl. Lk 21,5-19).

Der Herr will uns damit die Wahrheit von der gütigen und weisen Vorsehung Gottes ins Herz prägen. Denn von den größten Ereignissen der Geschichte bis hin zu den kleinsten alltäglichen Umständen geschieht ja nichts ohne Gott, sondern alles geschieht auf die weise Anordnung oder Zulassung Gottes hin, und zwar nicht zu unserem Verderben, sondern zu unserem Heil. Auch wenn uns wirklich schwere Dinge treffen, niemals schickt er sie zu unserem Verderben, sondern immer zu unserem Heil, nicht zu einem vergänglichen, irdischen Wohlergehen, sondern zum ewigen Heil. Das ist auch sehr schön im Eröffnungsvers zur hl. Messe ausgedrückt: “So spricht der Herr: Ich sinne Gedanken des Friedens und nicht des Unheils.”

Aber was können wir tun, dass unser Vertrauen größer wird? Das erste und wichtigste Mittel ist sicherlich das Gebet, das Gebet um den Heiligen Geist. Ein und dasselbe Ereignis kann für den einen den Zusammenbruch seiner Welt bedeuten, der ihn in Verzweiflung stürzt, für den anderen, der betet, wird das Ereignis zum Anlass, sein Leben zu bessern, sich zu bekehren und in der Heiligkeit zu wachsen. Ein zweites wichtiges Mittel  ist die Reinigung des Herzens, die Umkehr und Vergebung, die wir vor allem durch die heilige Beichte erlangen. So werden wir trotz aller Stürme im Frieden sein.

 

Herr, stärke unseren Glauben!

The Lord’s Prayer (Le “Pater Noster”) James Tissot https://www.brooklynmuseum.org/opencollection/objects/4531

Im Evangelium von 27. Sonntag im Jahreskreis (C) richten die Apostel an Jesus die Bitte: “Herr stärke unseren Glauben.” Diese Bitte wird ihnen ganz spontan wie ein Hilferuf über die Lippen gekommen sein, da sie spürten, dass sie die Weisungen Jesu nicht aus eigener Kraft erfüllen können. Jesus antwortet auf diese Bitte mit dem Bild vom senfkorn-großen Glauben, der Berge versetzen kann, und stellt ihnen im Gleichnis vom Sklaven, der nur seine Schuldigkeit tut, den Weg vor Augen, wie ihr Glaube wachsen kann.

1) Unser Glaube wird gestärkt, indem wir Gott zu dienen suchen, wie ein Sklave, der alles tut, was ihm der Herr aufträgt. Auf Gott zu vertrauen bedeutet nicht, dass wir uns einfach hinsetzen und warten, bis Gott kommt und uns mit seiner Gnade bedient. Gott ist kein Lückenbüßer für unseren mangelnden Einsatz. Jesus hat ja auch von sich gesagt, dass er nicht gekommen ist, sich bedienen zu lassen, sondern um zu dienen, und sein Leben hinzugeben als Lösepreis für viele. Und genau diese Haltung soll auch den Jünger Christi kennzeichnen. Wir können es auch immer wieder feststellen, sei es in den Familien, in den Gemeinschaften und Pfarrgemeinden: Wo dieser Geist des selbstlosen Dienens um Gottes willen lebendig ist, da wächst der Glaube in jenen, die sich so einsetzen, da wirkt Gott seine Wunder, da wird das Reich Gottes und die Kirche aufgebaut.

2) Die Gnade des Glaubens wird in unseren Herzen auch durch die Demut, d.h. die rechte Selbsteinschätzung gestärkt. Mit dem Beispiel vom Sklaven zeigt uns Jesus, wie wir uns selbst vor Gott einschätzen sollen. “Wenn wir alles getan haben, sollen wir sagen: Wir sind unnütze Sklaven; wir haben nur unsere Schuldigkeit getan.”

Es gibt nämlich eine Versuchung gegen diese Demut, dass wir uns auf unsere Bemühungen im Glauben etwas einbilden und gewisse Ansprüche und Vorrechte bei Gott ableiten möchten. Gott müsste eigentlich froh sein, dass wenigstens wir uns so anstrengen im Glauben und so vieles tun. Weil wir im Grunde doch so rechtschaffen, gut und brav sind, da müsste uns Gott sozusagen als Gegenleistung auch ein gutes, angenehmes, sorgenfreies und leidfreies Leben verschaffen. Und insgeheim sind wir ein wenig enttäuscht vom Glauben, wenn wir sehen, dass es anderen, die sich um Gott und seine Gebote nicht kümmern, so gut zu gehen scheint, während wir uns mit allen möglichen Kreuzen und Mühen beladen sehen.

Aber hier ist eben diese Demut vor Gott das Heilmittel, die innere Befreiung und der Weg, auf dem unser Glaube gestärkt wird, weil wir dann nicht mehr auf unsere Leistung, sondern allein auf Gott blicken. Der hl. Petrus sagt: “Gott tritt den Stolzen entgegen, den Demütigen aber schenkt er seine Gnade. Beugt euch also in Demut unter die mächtige Hand Gottes, damit er euch erhöht, wenn die Zeit gekommen ist” (1 Petr 5,5f).

“Herr, stärke unseren Glauben!”, so sollen auch wir den Herrn immer wieder bitten.

 

Der treue und kluge Verwalter

Im Evangelium vom 19. Sonntag im Jahreskreis (C) spricht Jesus über die Wachsamkeit. Er stellt uns unter anderem das Bild vom treuen und klugen Verwalter vor Augen, der den Seinen zur rechten Zeit gibt, was sie brauchen (Lk 12,42ff). Die Eigenschaften, die Jesus hier nennt, sind für uns eine Einladung, die Wachsamkeit zu leben.

1) Die erste Tugend ist die Treue. Sie bedeutet, dass wir uns beständig an die Weisungen des Herrn halten.

Jedem von uns hat Gott große Güter anvertraut. Ob das nun die Kinder sind, der Ehepartner oder unser Mitmenschen, mit denen wir zusammenleben; ob das für den Priester die Pfarrgemeinde ist oder die Sakramente sind, die er zu verwalten hat: Nichts und niemand ist unser Besitz, über den wir willkürlich verfügen könnten, sondern alles gehört unserem Herrn und Gott, wir sind nur Verwalter. Er wird von uns einmal Rechenschaft fordern, ob wir treu in der Verwaltung waren, ob wir in seinem Sinne und nach seinen Anweisungen gehandelt haben.

2) Die zweite Eigenschaft ist die Klugheit. Der kluge Diener ist zuallererst ein Mensch, der die rechten Mittel zu finden weiß, damit man das Wahre und Gute bei sich und den anderen Menschen erreicht. Es ist ja im Umgang mit den Mitmenschen nicht immer leicht zu entscheiden, was das Klügere ist. Ist es z.B. besser zu reden oder zu schweigen, ist es besser gleich zu handeln oder noch zu warten. Im Nachhinein weiß man es oft besser. Ein wesentlicher Teil der Klugheit besteht darin, dass wir suchen, die Sünden zu meiden. Eine Sünde zu begehen, gegen die Gebote des Herrn zu verstoßen, ist immer eine Dummheit und kann nie das Klügere sein. Deshalb brauchen wir den Heiligen Geist, damit wir das Rechte erkennen und tun.

3) Die dritte Eigenschaft ist die Gerechtigkeit, mit der der treue und kluge Verwalter den Seinen zur rechten Zeit das gibt, was sie brauchen. Ein Sprichwort sagt zwar: “Allen Menschen Recht getan, ist eine Kunst, die niemand kann.” Aber wer sich von der Liebe zu Gott leiten lässt, wird immer wieder das erkennen, was er heute seinen Mitmenschen Gutes tun oder schenken soll: an Zeit, an Liebe, an Materiellem, an Hilfen und Diensten; und das ist immer das Rechte.

Der hl. Johannes Chrysostomus hat sehr schön zusammengefasst, was für uns im Leben so wichtig ist. “Nichts ist Gott so angenehm wie ein Leben im Dienst des Mitmenschen. Dazu hat uns Gott die Sprache, die Hände und Füße, Leibeskraft, Vernunft und Verstand gegeben, damit wir all diese Gaben zum eigenen Heil und zum Nutzen unserer Mitmenschen gebrauchen.” “Selig der Knecht, den der Herr damit beschäftigt findet, wenn er kommt! Amen, das sage ich euch: Er wird ihn zum Verwalter seines ganzen Vermögens machen.” So hat es der Herr verheißen.

 

Er wird in ihrer Mitte wohnen

Die erste Lesung zum 5. Sonntag der Osterzeit aus der Apostelgeschichte berichtet uns davon, wie Paulus und Barnabas  den Gemeinden, die von ihnen gegründet wurden, Mut zusprechen und sie ermahnen, treu am Glauben festzuhalten: “Durch viele Drangsale müssen wir in das Reich Gottes gelangen” (Apg 14,22). Denn das Leben der ersten Christen war von Anfang an durch Verfolgungen gekennzeichnet.

Der Glaube an Christus ist nicht ein Mittel, das uns von allen Mühen dieses Lebens befreit; er ist vielmehr eine Kraft, durch die wir die Leiden dieses Lebens fruchtbringend ertragen können, so dass wir durch all diese Drangsale in das Reich Gottes gelangen, das jetzt schon beginnt und sich in der ewigen Seligkeit vollendet.

Was mit dem Reich Gottes gemeint ist, wird uns in der zweiten Lesung dieses Sonntags aufgezeigt. Hier sieht der Apostel Johannes in einer Vision das neue, himmlische Jerusalem (Offb 21, 1-5a). Und da heißt es: “Er, Gott, wird alle Tränen von ihren Augen abwischen. Der Tod wird nicht mehr sein, keine Trauer, keine Klage, keine Mühsal.” Genau das hat Gott für uns vorbereitet. Es ist die ewige, glückselige Gemeinschaft mit ihm. Das ist unser Ziel, das wir nach diesem irdischen Leben erreichen können.

Aber es ist auch wichtig zu sehen in dieser Vision der Geheimen Offenbarung: Der Himmel ist nicht irgendwo in einem fernen Jenseits. Sondern Johannes hat in seiner Vision gesehen, wie das  neue Jerusalem auf die Erde herabkam. “Seht die Wohnung Gottes unter den Menschen! Er wird in ihrer Mitte wohnen, und sie werden sein Volk sein; und er, Gott, wird bei ihnen sein.” Die Wohnung Gottes ist schon jetzt unter den Menschen. Durch Jesus Christus ist ja Gott selbst in diese Welt gekommen. Deshalb ist der Himmel durch die heilige Kirche, vor allem durch die Sakramente, schon jetzt auf die Erde gekommen. Am deutlichsten können wir diese Gegenwart des Herrn unter uns in der heiligen Eucharistie erkennen. Im allerheiligsten Sakrament ist der Herr leibhaftig unter uns.

Aber diese Gegenwart des Herrn, diesen Himmel auf Erden, können wie jetzt nur im Glauben sehen und erfassen. Aber gerade dieser Glaube ist es, der uns durch diese irdische Welt auf Gott blicken lässt. Wer an Jesus Christus glaubt, hat einen Durchblick im Leben, wie ihn ein ungläubiger Mensch niemals haben kann. Der gläubige Mensch sieht den Sinn und das Ziel seines Lebens. Vor allem sieht er, dass wir im Glauben an Jesus Christus durch die Drangsale und Leiden dieser Zeit in das Reich Gottes eingehen. Er sieht in diesem Leben schon die Herrlichkeit des Himmels durchscheinen, und das gibt ihm Hoffnung, Kraft und Mut, alle Leiden und das Kreuz aus Liebe zu Gott und den Menschen auf sich zu nehmen. Denn sie bringen eine große Herrlichkeit mit sich, sie führen ihn in das ewige Reich Gottes hinein.

 

Vielleicht trägt er doch noch Früchte

Am 3. Fastensonntag hören wir im Evangelium das Gleichnis vom unfruchtbaren Feigenbaum (vgl. Lk 13,1-9).  Der Weingärtner bittet den Besitzer, diesen Baum noch ein Jahr lang stehen zu lassen. Er wird alles versuchen: den Boden umgraben und düngen. “Vielleicht trägt er doch noch Früchte.”

Es ist nicht schwierig, dieses Gleichnis Jesu auf unser Leben anzuwenden. Es geht darum, dass wir die Zeit der Gnade jetzt erkennen und sie zu unserem ewigen Heile nützen.

Gott hat uns geschaffen und er hat uns mit der Taufe in den Garten seiner Kirche gestellt, damit wir unter dem Einfluss der Gnade, die guten Früchte der Heiligkeit hervorbringen. Durch die Sakramente, vor allem durch die hl. Messe und die Beichte, dann durch die Gebote und Weisungen des Evangeliums und durch viele andere Gnadenmittel hat jeder von uns die besten Voraussetzungen mitbekommen, damit er an seinem Lebensbaum die Früchte der Heiligkeit und Tugend hervorbringt. Der hl. Paulus hat einmal die Früchte des Heiligen Geistes genannt, die wir als Getaufte hervorbringen sollen: Es sind dies Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut und Selbstbeherrschung (vgl. Gal 5,22f). Man könnte auch noch andere gute Eigenschaften nennen.

Gott kann also ganz zu Recht von uns diese Früchte erwarten. Für jeden von uns tut er mehr als genug, er schenkt uns immer wieder seine Gnadenhilfe. Und wir sehen auch, es sind im Weinberg der Kirche schon unzählige Menschen herangewachsen, die diese Früchte gebracht haben. Denken wir an die vielen großen Heiligen.

Mit dem Gleichnis vom unfruchtbaren Feigenbaum will uns Jesus bewusst machen, dass wir uns mit der Bekehrung nicht unbegrenzt Zeit lassen können. Der Feigenbaum begreift nicht, wozu er eigentlich im Weinberg steht. Ein langes Leben ist noch keine Garantie, dass es auch Früchte bringt.

Schauen wir noch einmal auf das Gleichnis. Hier offenbart uns Jesus die ganze Barmherzigkeit und Geduld Gottes. Der Gärtner, von dem die Rede ist, ist niemand anderer als Christus selbst. Er will alles tun, er gibt uns noch ein Jahr, das heißt, er gibt uns noch einmal eine Zeit der Gnade, und das ist nichts anderes als unsere Lebenszeit, die uns geschenkt ist. Dann aber, zur Zeit der Ernte, am Ende unseres Lebens, sollen die Früchte reif sein, die dann im ewigen Leben offenbar werden.

Wir müssen uns aber bewusst bleiben: Solange wir hier in diesem irdischen Leben sind, können wir selber die Früchte der Heiligkeit nicht unmittelbar an uns sehen, sie werden erst beim Gericht Gottes offenbar. Und wenn einer sich einbildet, er wäre schon ein Heiliger oder wie man heute gerne sagt ein ‘guter Mensch’, dann ist er eher nur ein Scheinheiliger. Denn die wahren Heiligen sehen, weil sie immer auf den Herrn schauen, vor allem ihre eigene Sündhaftigkeit und die Notwendigkeit ihrer Bekehrung, damit die guten Früchte reifen.

 

Die Einheit der Kirche

Vom 18. bis 25. Jänner begeht die Kirche die Gebetswoche für die Einheit der Christen. Diese Einheit der Kirche kann nur darin bestehen, dass die getrennten Christen zur Fülle des einen, heiligen, katholischen Glauben zurückkehren.  Ansonsten geschieht das, was die sel. Anna Katharina Emmerick geschaut hat:

“Ich sah eine Zeit kommen, die schrecklich war und ich bin froh, dies nicht erleben zu müssen. Ich sah die Peterskirche, als Symbol der katholischen Kirche. Um diese herum war ein tiefer Graben. Drüben standen die Protestanten. Da sah ich, wie katholische Priester, Ordensleute, usw. die Kirchen ausräumten. Altäre, Heiligenstatuen und Bilder in den Graben warfen, um diesen voll zu bringen, sich den Protestanten anzupassen, damit sie herüberkämen. Als der Graben voll war, kamen sie zwar herüber, blickten in die katholische Kirche, schlugen die Hände über dem Kopf zusammen und sagten entsetzt und enttäuscht, die können uns ja nichts mehr geben, die haben ja weniger als wir und liefen davon. Also, sie haben nur das Gegenteil erreicht.”

 

Er wird kommen, zu richten

Am Ende des Kirchenjahres und zu Beginn des Advents stellt uns die Kirche in den Evangelien immer wieder das zweite Kommen Christi am Ende der Zeit vor Augen. Christus wird “kommen, zu richten die Lebenden und die Toten”, heißt es im Glaubensbekenntnis. Wann das sein wird, weiß niemand. Aber wie sollen wir uns als gläubige Menschen verhalten?

Man könnte den Zustand der Welt mit einer Schulklasse bzw. einer Schulstunde vergleichen. Ein Priester erzählte aus seiner Schulzeit: Sie hatten einen Klassenlehrer, der sehr konsequent und gerecht war. Einmal hatte er dringend etwas in der Direktion zu erledigen. Er gab den Schülern eine Aufgabe, mit der sie sich still beschäftigen sollten. Er schärfte ihnen ein, dass er bald zurückkommen werde, und wenn er dann jemand nicht auf seinem Platz und bei der Arbeit findet, erhält er eine Strafe.

Am Anfang war alles ganz ruhig, jeder arbeitete. Aber nach einiger Zeit begannen die ersten zu blödeln. Die anderen mahnten noch zur Ruhe. Aber als der Lehrer immer noch nicht kam, wagten sich die ersten von ihren Plätzen. Bald war die Aufgabe vergessen und es ging drunter und drüber. Zur Sicherheit hatte man einen Aufpasser an die Tür gestellt, der sollte alle rechzeitig warnen, wenn der Lehrer komme. Doch dieser Wächter war noch der größere Spitzbub. Denn nach einiger Zeit schlug er Alarm. Alle liefen auf ihre Plätze, doch das war nur ein Fehlalarm. Dann ging das Gejohle erst richtig los. Und da die Pause nahte, meinten die meisten, der Lehrer würde sowieso nicht mehr kommen. Auch der Wächter hatte seinen Platz verlassen. Die an sich “Braveren”, die zuerst noch gearbeitet hatten, ließen sich mit der Zeit auch mitreißen. Nur einige wenige, die von den anderen als “Streber” verspottet wurden, waren noch auf den Plätzen und machten ihre Aufgabe.

Und dann plötzlich stand der Lehrer doch da. Niemand hatte sein Kommen bemerkt. Und weil er ein guter Lehrer war, teilte er auch konsequent und gerecht die Strafen aus, die er angedroht hatte. Die einen waren froh darüber, dass der Lehrer dem ganzen Durcheinander ein Ende bereitet hatte, die anderen nicht.

Diese Begebenheit aus dem Schulalltag kann uns ein Gleichnis sein für die Situation der Welt vor dem Kommen Christi. Wie die Kinder, so sind auch wir geneigt unsere Aufgaben zu vernachlässigen, da wir den Endruck haben, Gott sei nicht da, er würde nicht kommen, es gäbe kein Gericht. “Wachet und betet, damit  ihr nicht in Versuchung fallet”, hat Jesus gesagt. Wir dürfen uns nicht vom Treiben der Welt mitreißen lassen. Wir sollen wie der “treue und kluge Verwalter” jenen Auftrag erfüllen, den der Herr uns gegeben hat. Dann brauchen wir sein Kommen und sein Gericht nicht zu fürchten.