Jahr des heiligen Josef: 2020 -2021

Papst Franziskus hat für alle überraschend ein „Jahr des heiligen Josefs“ ausgerufen, das vom 8. Dez. 2020 bis 8. Dez. 2021 dauern soll. Dieses Datum wurde  bewusst gewählt, denn vor genau 150 Jahren hat der sel. Papst
Pius IX. am 8. Dez. 1870 den heiligen Josef zum Schutzpatron der gesamten katholischen Kirche erhoben.

Papst Franziskus hat dazu auch ein Apostolischen Schreiben „Patris corde“ („Mit väterlichem Herzen“) verfasst, in dem er die Bedeutung des hl. Josef für unsere gegenwärtige Situation darlegt und zu einem großen Vertrauen in seine Hilfe aufruft.

Er weist unter anderem darauf hin, dass in unserer schwierigen Zeit vor allem jene gewöhnlichen Menschen wichtig sind, die sich jenseits des Rampenlichts tagtäglich in Geduld üben und Hoffnung schenken, indem sie Mitverantwortung tragen; genau so, wie der heilige Josef es getan hat, „dieser unauffällige Mann, dieser Mensch der täglichen, diskreten und verborgenen Gegenwart“, so Franziskus.

Aber gerade deshalb ist der hl. Josef einer, „der in der Heilsgeschichte eine unvergleichliche Hauptrolle spielt.“ Der heilige Josef hat nämlich seine Vaterschaft tatsächlich ganz konkret gelebt, „indem er seine menschliche Berufung zur familiären Liebe in die übermenschliche Hingabe seiner selbst, seines Herzens und aller Fähigkeiten verwandelt hat, in die Liebe, die er in den Dienst des Erlösers gestellt hat“. Deshalb ist er „von den Christen seit jeher geliebt“.  Der hl. Josef übernimmt „mutig und stark“ eine tragende Rolle, welche der Stärke entspringt, die vom Heiligen Geist kommt. Es ist so, als ob uns Gott durch die Gestalt des heiligen Josefs wiederholt: „Fürchtet euch nicht!“, denn der Glaube gibt jedem glücklichen oder traurigen Ereignis einen Sinn.

In seinem Schreiben „Patris corde“ gibt der Papst auch eine persönliche Lebensgewohnheit preis: Seit mehr als vierzig Jahren bete er jeden Tag nach den Laudes ein altes Gebet zum heiligen Josef.

Es lautet:

„Heiliger Josef, glorreicher Patriarch, der du das Unmögliche möglich machen kannst, komm mir in meiner Not und Bedrängnis zu Hilfe. Gewähre in den ernsten und schwierigen Anliegen, die ich dir anvertraue, deinen Schutz, sodass alles ein glückliches Ende nimmt. Mein geliebter Vater, ich setze mein ganzes Vertrauen in dich. Niemand soll sagen können, er habe dich vergeblich angerufen, und da du bei Jesus und Maria alles erwirken kannst, lass mich erfahren, dass deine Güte ebenso groß ist wie deine Macht. Amen. “

 

 

Ich werde alle an mich ziehen

Der letzte Sonntag im Kirchenjahr ist der Christkönigssonntag. Jesus Christus ist als König in diese Welt gekommen, um das Reich Gottes aufzurichten. Er will die Menschen in seine Macht bringen, damit sie seinen Gesetzen gehorchen und ihm folgen. Jesus sagt: “Mir ist alle Macht gegeben im Himmel und auf der Erde. Darum geht hinaus in die ganze Welt und macht alle Menschen zu meinen Jüngern.”

Aber nun ist die Frage: Welche Macht verwendet er, um seine Herrschaft auszubreiten? Hier stoßen wir auf etwas menschlich Widersprüchliches, auf das unfassbare Geheimnis seiner Macht.

Er, der wirklich alle Macht und Freiheit besitzt, um über die Menschen zu herrschen, da er selber Gott ist, hat während seines öffentlichen Wirkens nur einige armselige Fischer um sich gesammelt. Und der Tag, an dem er sich öffentlich als König bekannt hat, und an dem er auch von der Welt als König anerkannt wurde, war der Karfreitag, als er gefesselt und mit Dornen gekrönt vor Pilatus stand. Er hat allen Spott mit sich geschehen lassen bis ans Kreuz. Und doch sagt Jesus: “Wenn ich von der Erde erhöht bin, werde ich alle an mich ziehen.” Und gerade vom Kreuz her, an dem der Herr menschlich gesehen ganz ohnmächtig hängt, sehen wir, mit welcher Macht er die Menschen doch an sich zieht, nämlich durch die Macht der Wahrheit und Liebe. Gott regiert also die Welt nicht mit Gewalt, sondern mit seiner Autorität.

Wie Jesus die Herzen der Menschen mit seiner Liebe besiegt und an sich zieht, darüber gibt es viele wunderbare Zeugnisse: Ein Pfarrer berichtete, dass in seinem Ort eine junge Frau wohnte, die mit 25 Jahren von einer unheilbaren Krankheit befallen wurde, die eine körperliche Lähmung mit sich brachte. Der schlimmste Tag war für sie, als sie erfahren musste, dass es für sie keine ärztliche Hilfe mehr gab. Sie hat geweint und war am Boden zerstört. Am meisten quälte sie der Gedanke: „Ich werde immer hilfsbedürftig sein.“ Nach einem monatelangen Kampf in Auflehnung, Verzweiflung und Hadern mit Gott trat eine entscheidende Veränderung ein. Als der Pfarrer sie wieder einmal besuchte, merkte er, dass sie anders war. Sie sagte: “Ich habe mich endlich ergeben, ich kämpfe nicht mehr, ich habe mich vertrauensvoll in die Hände Jesu übergeben.” Von da an hatte sie den Frieden des Herzens, den sie trotz aller Mühen und Leiden nicht mehr verlor.

Christus breitet seine Herrschaft mit der Macht der Liebe und Wahrheit aus. Aber wer sich vor der Macht der Wahrheit beugt, der wird nicht unterdrückt, sondern vielmehr frei. Wer sich von der Macht der Liebe bezwingen lässt, der ist kein Verlierer, sonder er wird zum Sieger, der alle Mächte des Bösen überwindet. Der hl. Petrus sagt: “Beugt euch in Demut unter die mächtige Hand Gottes, damit er euch erhöht, wenn die Zeit gekommen ist.”

 

Gott hat seinen Engel gesandt

Am 2. Oktober begeht die Kirche den Gedenktag der hl. Schutzengel. Gott hat jedem von uns einen Engel zur Seite gestellt, der uns auf unserem Weg zum ewigen Leben begleitet. Eine Folge der Erbsünde ist es ja, dass wir in unserer Seele eine Neigung zum Bösen haben, die auch mit der Taufe nicht weggenommen wird. Darum hat Gott uns als Gegengewicht zu dieser Neigung einen Schutzengel gegeben, der uns beständig anleitet, diese falsche Begierlichkeit zu überwinden. Er ist ein treuer Verbündeter des göttlichen Lebens, das wir in der Taufe empfangen haben. Was seine Aufgaben sind, wird sehr schön in einem alten liturgischen Gebet zusammengefasst: „Erhöre uns, Herr, heiliger Vater, allmächtiger ewiger Gott, und sende uns vom Himmel deinen heiligen Engel herab, damit er alle, die an diesem Ort versammelt sind, bewache und unterstütze, beschütze, besuche und verteidige, durch Christus unseren Herrn.“ Hier werden fünf Tätigkeiten genannt, an die wir uns als gläubige Menschen immer erinnern sollten.

1) Der hl. Schutzengel bewacht in unserer Seele die Erinnerung an unsere ursprüngliche Ähnlichkeit mit Gott. Wir sind nach dem Bild Gottes geschaffen, aber wir vergessen oft, dass wir uns auch wie Gott verhalten sollen, in unserem Denken, Fühlen, Sprechen und Handeln. Jesus sagt ja: „Seid vollkommen, wie eurer himmlischer Vater vollkommen ist.“ Der Schutzengel wacht darüber, dass wir das nicht vergessen.

2) Der Schutzengel unterstützt in unserer Seele den guten Willen, auf dem Weg der Heiligkeit voranzuschreiten. Aber er ersetzt niemals unseren Willen durch seinen Willen. Unser Wille bleibt immer und überall frei. Er gewährt uns sofort seine Hilfe, wenn unsere Entscheidung oder unsere Wahl dem Willen Gottes entspricht, oder er betet für uns, wenn unsere Wahl nicht Gott entspricht.

3) Der Schutzengel besucht uns, das heißt, er steigt von seiner höheren Position in den Bereich unserer menschlichen Aktivitäten herunter, um uns seine Gegenwart erfahren zu lassen. Manchmal ist er ja gezwungen, sich nicht an der Aktivität der Seele zu beteiligen, da sie im Widerspruch zum göttlichen Bild der Seele steht.

4) Aber unaufhörlich schützt  der Schutzengel den Menschen, indem er das Versagen der menschlichen Sinne ausgleicht, die durch die Erbsünde ihrer Voraussicht beraubt wurden. Er ist der „Hellseher“, der uns in Versuchungen und bei seelischen und leiblichen Gefahren hilft und rettet, weil er sie voraussieht. Er warnt, informiert und hilft uns, recht zu urteilen. Was er jedoch nie tut, ist, die Gelegenheiten zur Versuchung selbst zu beseitigen, denn ohne Versuchungen und Prüfung gibt es keinen geistlichen Fortschritt.

5) Schließlich verteidigt er seinen Schützling, wie eine Mutter ihr Kind immer verteidigt, ob es nun gut oder schlecht ist. Das ist das Geheimnis der Liebe, die im Herzen des Schutzengels lebt. Es ist eine „mütterliche Liebe“, die er für uns hat, um uns vor dem Teufel, dem großen Ankläger, zu verteidigen.

 

 

Der Schatz im Acker des Lebens

Das Gleichnis vom Schatz im Acker und von der kostbaren Perle, das wir am 17. Sonntag im Jahreskreis (A) hören, erinnert uns vielleicht an die Kinderzeit. Wir haben damals davon geträumt, einmal einen großen Schatz zu finden? Viele Erwachsene träumen diesen Traum weiter, z.B. in der Form des Lottospielens … Irgendwie hofft man, den großen Gewinn im Leben zu machen.

Jesus möchte uns deutlich machen, dass es diesen unendlich wertvollen Schatz gibt.

Der hl. Paulus z.B. hat diesen Schatz entdeckt: Alles, was er vorher als gut und erstrebenswert angesehen hat, sieht er als Verlust an, weil die Erkenntnis Christi Jesu, seines Herrn, alles übertrifft. „Seinetwegen habe ich alles aufgegeben und halte es für Unrat, um Christus zu gewinnen.“

Wenn wir es genau bedenken: Eigentlich müssen wir uns gar nicht mehr auf die Suche nach dieser kostbaren Perle machen, wir haben den Glauben an Jesus Christus schon empfangen und zwar in der Taufe. Viele Christen erkennen nicht die Kostbarkeit des Schatzes, der ihnen mit der Taufe, in den Sakramenten, in den Geboten, in der Kirche gegeben ist. Viele gehen an diesem Reichtum vorbei, und laufen im Grunde als arme Bettler durchs Leben, die sich an den wenigen irdischen Habseligkeiten festhalten, die sie am Ende des Lebens doch zurücklassen müssen.

Es ist wichtig zu überlegen, wie wir diesen Schatz finden ausgraben und bewahren können.

1) Das Erste ist, Christus in unseren alltäglichen Aufgaben zu entdecken. Der eine Mann im Gleichnis ist ein Taglöhner, der auf einem Feld arbeitet. Aber während seiner mühsamen Arbeit entdeckt er den Schatz. Das dürfen wir in unserem Leben auch so sehen. Wir alle müssen unseren Aufgaben nachgehen. Aber gerade darin können wir Christus begegnen, können wir Gott und den Himmel finden.

2) Das Zweite ist das aufrichtige Verlangen und die Sehnsucht nach Gott. Der Mann hat nach einer kostbaren Perle ausdrücklich gesucht. Das heißt, wir sollen die Wahrheit suchen. Das inständige und treue Gebet darum. Hier stellt uns die Lesung im König Salomo ein schönes Beispiel vor Augen. Er hat Gott um ein hörendes Herz gebeten.

3) Um den Schatz im Acker und die kostbare Perle zu erwerben, hat der Kaufmann alles andere verkauft. Es geht um die Loslösung von dieser Welt. Wir sind leider oft wie der reiche Jüngling, der traurig weggegangen ist, weil er nicht auf seinen Besitz verzichten wollte. Der heilige Johannes Chrysostomus sagt: „Jesus Christus ist alles, was du dir wünschen kannst und sollst. Verlange und suche nach ihm! Denn er ist die einzigartig kostbare Perle, die du erwerben sollst, selbst wenn du alles dafür verkaufen musst, was du besitzt.“

 

Euer Herz lasse sich nicht verwirren

Im Evangelium des 5. Sonntags der Osterzeit stellt uns der Herr die entscheidende Verheißung vor Augen: das ewige Leben, die ewige Glückseligkeit.

Der Herr will uns einen Platz und eine Wohnung beim Vater bereiten und uns dorthin holen. Das ist die große Verheißung, die unserem Leben Sinn und Ziel gibt. Auf dieser Erde sind wir nur Gäste, Pilger, wir sind nur auf Durchreise. Auch wenn wir uns noch so häuslich auf dieser Welt eingerichtet haben, am Ende müssen wir alles zurücklassen. Ein Tourist durfte einmal in einem Kloster bei Kartäusermönchen übernachten. Er war sehr erstaunt über die spartanische Einrichtung ihrer Zellen und fragt einen Bruder: „Warum habt ihr denn fast keine Möbel?“ Schlagfertig fragt der Mönch zurück: „Ja, warum haben Sie denn keine Möbel dabei?“ „Ich?“ sagte darauf der Tourist, „Ich bin ja nur auf der Durchreise hier!“ „Eben“, antwortet der Mönch, „das sind wir auch.“

Wir sind in dieser Welt nur auf Durchreise, unser eigentliches Ziel, unsere Heimat ist der Himmel. Das will uns der Herr klar machen. Es liegt ja im Herzen des Menschen begründet, dass wir uns nach Heimat und Geborgenheit sehnen. Wir sind nur dann glücklich, wenn unsere Seele ein Zuhause hat, wo sie leben kann, wo sie festen Halt findet. In dieser Welt lässt uns der Herr etwas von dieser Heimat und Geborgenheit spüren durch das natürliche Familienleben. Aber viele können heute ein solches gesundes Familienleben nicht mehr erfahren, viele sind heute geistig und seelisch haltlos und heimatlos geworden, sie irren umher und sind ein Spiel der Wellen geworden, der Modewellen und Zeitströmungen, sie sind hin- und hergeworfen von einer Seite zur anderen. Wir fragen uns: Was hat heute noch Gültigkeit? Woran können wir uns halten? Selbst viele gutgläubige Menschen geraten heute in Verwirrung. „Euer Herz lasse sich nicht verwirren. Glaubt an Gott und glaubt an mich! im Haus meines Vaters gibt es viele Wohnungen“ (Joh 14,1). Das müssen wir heute umso mehr verkünden und bezeugen. Jesus sagt uns auch, wie wir zu dieser Heimat unserer Seele gelangen. Das ist eine weitere Verheißung, die der Herr uns gibt: „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater außer durch mich.“

In seiner Person finden wir alles was wir brauchen: den Weg der Gebote, den uns die Kirche weist, die Fülle der Wahrheit unseres katholischen Glaubens und das wunderbare Leben der Gnade durch die Sakramente.

Aber der Herr kann seine Verheißungen an uns erfüllen nur unter einer Bedingung: Wenn wir an ihn glauben. Darum richtet er den eindringlichen Appell an seine Jünger: Glaubt an Gott und glaubt an mich! Der Glaube ist, diese vertrauende Hingabe an Christus ist es, die uns Heimat und Halt gibt.

 

Das Wunder des heiligen Feuers

Das Wunder des heiligen Feuers halten viele der orthodoxen Christen für das größte aller christlichen Wunder. Es findet jedes Jahr zur selben Zeit, auf die selbe Art und am selben Ort statt. Man kann über dieses Wunder bereits in Schriften aus dem achten Jahrhundert lesen. Es ereignet sich in der Grabeskirche (Auferstehungskirche) in Jerusalem, die über Golgatha, dem Ort der Kreuzigung Jesu, und dem Grab Jesu, dem Ort seiner Auferstehung von den Toten, errichtet ist.

Das Wunder geschieht jedes Jahr am orthodoxen Ostersamstag. Das orthodoxe Osterfest fällt auf ein anderes Datum als das protestantische und katholische.

Um 13:00 Uhr schiebt sich eine Delegation der lokalen israelischen Polizei durch die Menge. Obwohl sie keine Christen sind, sind sie Teil der Zeremonie. Sie repräsentieren die Römer zur Zeit Jesu, die das Grab Jesu versiegelten. Die Polizei durchsucht das Grab nach versteckten Feuerquellen, damit kein Betrug möglich ist und versiegelt die Tür mit Wachs. Um 13:45 Uhr betritt der Patriarch die Kirche. An der Spitze einer großen Prozession umkreist er dreimal das Grab. Dann legt er zum Zeichen der Demut seine liturgischen Kleider bis auf ein weißes Gewand ab und betritt mit zwei Kerzenbündeln zu je 33 Kerzen allein die Grabeskammer.

Der Patriarch von Jerusalem, Diodorus, berichtet in einem Interview, was nun im Grab Jesu geschieht:

„Ich suche meinen Weg bis in den Grabraum in der Dunkelheit und falle auf die Knie. Hier spreche ich bestimmte Gebete, die uns durch Jahrhunderte überliefert wurden und warte dann. Manchmal warte ich ein paar Minuten, aber meistens passiert das Wunder gleich, nachdem ich gebetet habe. Aus dem Innern des Steins, auf dem Jesus aufgebahrt wurde, entweicht ein unbeschreibbares Licht. Normalerweise hat es eine blaue Nuance, aber die Farbe kann sich ändern und kann viele Töne annehmen. Man kann es mit menschlichen Worten nicht beschreiben. Das Licht steigt aus dem Stein empor, sowie Nebel aus einem See.

An einem bestimmten Punkt steigt das Licht empor und bildet eine Säule, in der das Feuer sich anders verhält, so dass ich meine Kerzen anzünden kann. Nachdem ich das Feuer empfangen habe, gehe ich nach draußen und gebe das Feuer zuerst dem armenischen und dann dem koptischen Patriarchen und dann allen Menschen, die sich in der Kirche befinden.“ Unter großem Jubel wird das heilige Feuer des Auferstandenen, das ohne menschliches Zutun im Grab entstanden war, an die Gläubigen weitergegeben. „Das Wunder bewegt mich jedes Jahr aufs Neue tief“, sagt der Patriarch. „Für mich persönlich ist es ein großer Trost, Christi Treue zu uns zu erleben, die Er dadurch beweist, dass Er uns das Licht jedes Jahr trotz unserer Schwächen und Versagen wieder sendet.“

 

Seht, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinwegnimmt

„Seht, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinwegnimmt“ (Joh 1,29). Diese Worte Johannes des Täufers, die wir im Evangelium des 2. Sonntags im Jahreskreis (A) hören, sind uns vertraut. Sie werden bei jeder hl. Messe vor der hl. Kommunion wiederholt und sind eine Frage an uns, ob wir wirklich glauben, dass Jesus unser Retter ist und nur er uns den Frieden des Herzens und die Heilung der Seele schenken kann.

Der Glauben an die erlösende und heilende Macht Christi ist heute unter vielen Getauften in unsere Breiten weitgehend verschwunden. Das zeigt uns die geringe Zahl jener Gläubigen, die noch im Sakrament der Beichte die Vergebung ihrer Sünden empfangen wollen. Viele leben in der festen Überzeugung, dass sie keine nennenswerten Fehler hätten und gerecht seien. Deshalb brauchen sie auch keinen Erlöser.

Und doch, wenn wir tiefer in die menschlichen Schicksale hineinschauen, bietet sich uns ein anderes Bild. Die seelische Not ist oft sehr groß, man braucht z.B. nur an die vielen gescheiterten Ehen und Familien zu denken. Die seelischen Leiden und Wunden, die aus all diesen Sünden kommen, drücken die Menschen immer mehr nieder. Und da der Mensch mit der eigenen Schuld nicht fertig werden kann oder sie nicht wahrhaben will, so wird sie dann auf die anderen abgeschoben. Und so ist unsere Gesellschaft heute voll von Schuldzuweisungen. Wie traurig ist es, dass sie den nicht mehr kennen oder anerkennen wollen, der sie aus all dieser Not retten kann.

Jesus ist gekommen um die gebrochenen Herzen zu heilen und die Menschen von der Sünde, vom Bösen und vom seelischen Tod zu befreien. Er kann alles hinwegnehmen, was die Beziehung des Menschen zu Gott und den anderen behindert oder zerstört. Er will gerade heute seine barmherzige und heilende Liebe über die Menschen ausgießen.

Wir müssen uns darum bemühen, im Licht des Glaubens wieder klar zu sehen, was die Sünde ist und was sie bewirkt. Sie ist zuerst eine Beleidigung Gottes, aber damit auch ein großer Schaden für uns selbst. Jede Sünde hinterlässt Spuren in unserer Seele, die Leiden mit sich bringen. Sie wirkt wie eine negative geistliche Kraft, die den Menschen beherrscht. Wir können uns selber niemals von den Sünden und all ihren Folgen erlösen und befreien. Auch wenn man sie zugedeckt, verdrängt und vergessen hat, sie wirken mit ihrer zerstörerischen Macht weiter. Nur Christus ist das wahre Lamm Gottes, das die Sünden der Welt hinwegnehmen kann.

Es ist so, wie der Prophet Jesaia gesagt hat: „Er hat unsere Krankheiten getragen und unsere Schmerzen auf sich geladen, zu unserem Heil lag die Strafe auf ihm – wegen unserer Vergehen – durch seine Wunden sind wir geheilt.“ Diese heilende Liebe Christi wird uns immer wieder neu im Sakrament der Versöhnung geschenkt.

 

Lasst euch nicht erschrecken!

Das Evangelium vom 33. Sonntag im Jahreskreis (C) stellt uns die Zeichen und Ereignisse vor der Wiederkunft Christi vor Augen. Wer mit gläubigem Sinn in die Welt schaut, der wird merken, dass heute vieles Wirklichkeit ist, was der Herr vorausgesagt hat. Wir hören immer wieder von schrecklichen Dingen, von Katastrophen, Gräueltaten und Kriegen, die überall in der Welt geschehen. Die Menschen gehen über viele dieser schlimmen Nachrichten meist leichtfertig hinweg mit dem Gedanken: Gott sei dank ist es nicht bei uns geschehen.

Trotzdem haben viele das unbestimmte Gefühl, dass diese gerechten Prüfungen Gottes auch in unsere eigene kleine Lebenswelt hereinbrechen können. Auch wir als Christen müssen uns fragen, wie wir in einer Umwelt, die immer antichristlicher und christenfeindlich wird, bestehen können. Jesus hat sehr wohl gewusst, dass diese Prüfungen und Verfolgungen auch seine Jünger in Verwirrung, Angst und Versuchung bringen werden. Darum hat er uns auch das Kommende vorausgesagt und uns auch einige Regeln gegeben, wie wir uns unter solchen Umständen verhalten sollen: Lauft den falschen Propheten nicht nach! Lasst euch nicht erschrecken! Nehmt euch fest vor, nicht im Voraus für eure Verteidigung zu sorgen! Es wird euch kein Haar gekrümmt werden. Wer ausharrt bis zum Ende, der wird das ewige Leben gewinnen (vgl. Lk 21,5-19).

Der Herr will uns damit die Wahrheit von der gütigen und weisen Vorsehung Gottes ins Herz prägen. Denn von den größten Ereignissen der Geschichte bis hin zu den kleinsten alltäglichen Umständen geschieht ja nichts ohne Gott, sondern alles geschieht auf die weise Anordnung oder Zulassung Gottes hin, und zwar nicht zu unserem Verderben, sondern zu unserem Heil. Auch wenn uns wirklich schwere Dinge treffen, niemals schickt er sie zu unserem Verderben, sondern immer zu unserem Heil, nicht zu einem vergänglichen, irdischen Wohlergehen, sondern zum ewigen Heil. Das ist auch sehr schön im Eröffnungsvers zur hl. Messe ausgedrückt: „So spricht der Herr: Ich sinne Gedanken des Friedens und nicht des Unheils.“

Aber was können wir tun, dass unser Vertrauen größer wird? Das erste und wichtigste Mittel ist sicherlich das Gebet, das Gebet um den Heiligen Geist. Ein und dasselbe Ereignis kann für den einen den Zusammenbruch seiner Welt bedeuten, der ihn in Verzweiflung stürzt, für den anderen, der betet, wird das Ereignis zum Anlass, sein Leben zu bessern, sich zu bekehren und in der Heiligkeit zu wachsen. Ein zweites wichtiges Mittel  ist die Reinigung des Herzens, die Umkehr und Vergebung, die wir vor allem durch die heilige Beichte erlangen. So werden wir trotz aller Stürme im Frieden sein.

 

Herr, stärke unseren Glauben!

The Lord’s Prayer (Le „Pater Noster“) James Tissot https://www.brooklynmuseum.org/opencollection/objects/4531

Im Evangelium von 27. Sonntag im Jahreskreis (C) richten die Apostel an Jesus die Bitte: „Herr stärke unseren Glauben.“ Diese Bitte wird ihnen ganz spontan wie ein Hilferuf über die Lippen gekommen sein, da sie spürten, dass sie die Weisungen Jesu nicht aus eigener Kraft erfüllen können. Jesus antwortet auf diese Bitte mit dem Bild vom senfkorn-großen Glauben, der Berge versetzen kann, und stellt ihnen im Gleichnis vom Sklaven, der nur seine Schuldigkeit tut, den Weg vor Augen, wie ihr Glaube wachsen kann.

1) Unser Glaube wird gestärkt, indem wir Gott zu dienen suchen, wie ein Sklave, der alles tut, was ihm der Herr aufträgt. Auf Gott zu vertrauen bedeutet nicht, dass wir uns einfach hinsetzen und warten, bis Gott kommt und uns mit seiner Gnade bedient. Gott ist kein Lückenbüßer für unseren mangelnden Einsatz. Jesus hat ja auch von sich gesagt, dass er nicht gekommen ist, sich bedienen zu lassen, sondern um zu dienen, und sein Leben hinzugeben als Lösepreis für viele. Und genau diese Haltung soll auch den Jünger Christi kennzeichnen. Wir können es auch immer wieder feststellen, sei es in den Familien, in den Gemeinschaften und Pfarrgemeinden: Wo dieser Geist des selbstlosen Dienens um Gottes willen lebendig ist, da wächst der Glaube in jenen, die sich so einsetzen, da wirkt Gott seine Wunder, da wird das Reich Gottes und die Kirche aufgebaut.

2) Die Gnade des Glaubens wird in unseren Herzen auch durch die Demut, d.h. die rechte Selbsteinschätzung gestärkt. Mit dem Beispiel vom Sklaven zeigt uns Jesus, wie wir uns selbst vor Gott einschätzen sollen. „Wenn wir alles getan haben, sollen wir sagen: Wir sind unnütze Sklaven; wir haben nur unsere Schuldigkeit getan.“

Es gibt nämlich eine Versuchung gegen diese Demut, dass wir uns auf unsere Bemühungen im Glauben etwas einbilden und gewisse Ansprüche und Vorrechte bei Gott ableiten möchten. Gott müsste eigentlich froh sein, dass wenigstens wir uns so anstrengen im Glauben und so vieles tun. Weil wir im Grunde doch so rechtschaffen, gut und brav sind, da müsste uns Gott sozusagen als Gegenleistung auch ein gutes, angenehmes, sorgenfreies und leidfreies Leben verschaffen. Und insgeheim sind wir ein wenig enttäuscht vom Glauben, wenn wir sehen, dass es anderen, die sich um Gott und seine Gebote nicht kümmern, so gut zu gehen scheint, während wir uns mit allen möglichen Kreuzen und Mühen beladen sehen.

Aber hier ist eben diese Demut vor Gott das Heilmittel, die innere Befreiung und der Weg, auf dem unser Glaube gestärkt wird, weil wir dann nicht mehr auf unsere Leistung, sondern allein auf Gott blicken. Der hl. Petrus sagt: „Gott tritt den Stolzen entgegen, den Demütigen aber schenkt er seine Gnade. Beugt euch also in Demut unter die mächtige Hand Gottes, damit er euch erhöht, wenn die Zeit gekommen ist“ (1 Petr 5,5f).

„Herr, stärke unseren Glauben!“, so sollen auch wir den Herrn immer wieder bitten.

 

Der treue und kluge Verwalter

Im Evangelium vom 19. Sonntag im Jahreskreis (C) spricht Jesus über die Wachsamkeit. Er stellt uns unter anderem das Bild vom treuen und klugen Verwalter vor Augen, der den Seinen zur rechten Zeit gibt, was sie brauchen (Lk 12,42ff). Die Eigenschaften, die Jesus hier nennt, sind für uns eine Einladung, die Wachsamkeit zu leben.

1) Die erste Tugend ist die Treue. Sie bedeutet, dass wir uns beständig an die Weisungen des Herrn halten.

Jedem von uns hat Gott große Güter anvertraut. Ob das nun die Kinder sind, der Ehepartner oder unser Mitmenschen, mit denen wir zusammenleben; ob das für den Priester die Pfarrgemeinde ist oder die Sakramente sind, die er zu verwalten hat: Nichts und niemand ist unser Besitz, über den wir willkürlich verfügen könnten, sondern alles gehört unserem Herrn und Gott, wir sind nur Verwalter. Er wird von uns einmal Rechenschaft fordern, ob wir treu in der Verwaltung waren, ob wir in seinem Sinne und nach seinen Anweisungen gehandelt haben.

2) Die zweite Eigenschaft ist die Klugheit. Der kluge Diener ist zuallererst ein Mensch, der die rechten Mittel zu finden weiß, damit man das Wahre und Gute bei sich und den anderen Menschen erreicht. Es ist ja im Umgang mit den Mitmenschen nicht immer leicht zu entscheiden, was das Klügere ist. Ist es z.B. besser zu reden oder zu schweigen, ist es besser gleich zu handeln oder noch zu warten. Im Nachhinein weiß man es oft besser. Ein wesentlicher Teil der Klugheit besteht darin, dass wir suchen, die Sünden zu meiden. Eine Sünde zu begehen, gegen die Gebote des Herrn zu verstoßen, ist immer eine Dummheit und kann nie das Klügere sein. Deshalb brauchen wir den Heiligen Geist, damit wir das Rechte erkennen und tun.

3) Die dritte Eigenschaft ist die Gerechtigkeit, mit der der treue und kluge Verwalter den Seinen zur rechten Zeit das gibt, was sie brauchen. Ein Sprichwort sagt zwar: „Allen Menschen Recht getan, ist eine Kunst, die niemand kann.“ Aber wer sich von der Liebe zu Gott leiten lässt, wird immer wieder das erkennen, was er heute seinen Mitmenschen Gutes tun oder schenken soll: an Zeit, an Liebe, an Materiellem, an Hilfen und Diensten; und das ist immer das Rechte.

Der hl. Johannes Chrysostomus hat sehr schön zusammengefasst, was für uns im Leben so wichtig ist. „Nichts ist Gott so angenehm wie ein Leben im Dienst des Mitmenschen. Dazu hat uns Gott die Sprache, die Hände und Füße, Leibeskraft, Vernunft und Verstand gegeben, damit wir all diese Gaben zum eigenen Heil und zum Nutzen unserer Mitmenschen gebrauchen.“ „Selig der Knecht, den der Herr damit beschäftigt findet, wenn er kommt! Amen, das sage ich euch: Er wird ihn zum Verwalter seines ganzen Vermögens machen.“ So hat es der Herr verheißen.