Seelenschau

Von vielen Heiligen wird berichtet, dass sie die Gabe der Seelenschau hatten.  Der hl. Don Bosco z.B. sagte einmal: „Gebt mir einen Jungen, den ich nie zuvor gesehen habe; ich brauche nur seine Stirn zu sehen, um ihm all seine Fehltaten bis in die frühesten Kinderjahre aufzuzählen.“

Agostino Auffray schreibt in seiner Biographie über Don Bosco: „Die Kunde davon, dass Don Bosco alle Herzensgeheimnisse von der Stirne ablesen konnte, war so verbreitet, dass im Oratorium all jene, die ein nicht ganz sauberes Gewissen hatten, sich instinktiv von ihm fern hielten und ihm möglichst auszuweichen suchten … Doch nicht immer gelang es ihnen; dann bedeckten sich die Buben mit einer Kappe und mit der flachen Hand die Augen, um der beunruhigenden Prüfung zu entgehen. Nach der Rückkehr aus den Ferien konnte man beobachten, wie sich einige, die sich noch nicht von den begangenen Streichen durch die Beichte gereinigt hatten,  beim Erscheinen Don Boscos eiligst aus dem Staub machten aus Furcht, er könne alles aus ihrem Blick lesen.“

Auch vom hl. Pater Pio wird berichtet, dass er diese Seelenschau hatte. Häufig  insbesondere während der Beichte  half er seinem Gegenüber, die Kastanien aus dem Feuer zu holen, wie man so sagt, indem er die Vergehen des Beichtenden aufzählte und zudem die näheren Umstände beschrieb, in denen die Sünden begangen wurden. Hatte der Beichtende etwas vergessen, rief Pater Pio es ihm nicht selten wieder in Erinnerung.

Diese Heiligen rufen uns auf, mit lauterem Herzen vor Gott zu leben und das Gericht der Barmherzigkeit in der hl. Beichte immer wieder zu suchen, damit wir dann im Letzten Gericht vor dem Herrn bestehen können. Der Hl. Johannes vom Kreuz sagt: „Gott liebt an dir den geringsten Grad der Gewissensreinheit weit mehr als alle Werke, die du vollführen kannst.“

 

Denn er hat seinen Engeln befohlen

Der deutsche Fernsehmoderator, Journalist und Bestsellerautor Peter Hahne erzählt eine Geschichte, die eigentlich zu schön ist, um wahr zu sein, aber die tatsächlich so geschehen ist:

„Ein Autofahrer startet seinen Wagen. Da klopft jemand an die Scheibe mit den Worten: ‚Wissen Sie eigentlich nicht, dass Gott seinen Engeln befohlen hat, dass sie über Ihnen seien und Sie auf allen Wegen behüten sollen?‘ Kopfschüttelnd über solchen Unsinn fährt er auf die Autobahn. Nach wenigen Kilometern schert mitten im Überholvorgang ein Lastwagen nach links aus und fährt den Pkw zu Schrott. Übrig bleiben von dem Auto ein paar zerstreute Trümmer, aus denen wie durch ein Wunder der Fahrer fast unverletzt herauskriecht. Trotz Schockzustand hört er, wie ein Polizist zum anderen sagt:’Der muss aber einen Schutzengel gehabt haben.‘ Ein Lkw-Fahrer nimmt den Mann bis zum nächsten Ort mit. Worüber soll man sich mit einem so unter Schock stehenden schon unterhalten? So schaltet er das Autoradio an, wo genau in dieser Sekunde Mendelsohn-Bartholdys achtstimmige Motette beginnt: ‚Denn er hat seinen Engeln befohlen über dir, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen‘ (Ps 91).“

 

Ich habe keine Bessere gefunden als dich

Mutter Makaria (1927 – 1993) war eine der großen Sühneseelen, die Gott berufen hatte, Fürsprecherin für Russland zu sein. Sie war behindert, konnte nicht gehen, lag meist elend zusammengekrümmt auf ihrem Bett, führte ein Leben in erbärmlichsten Verhältnissen. Sie hat dieses Kreuz in größter Geduld getragen, unablässig gebetet und wurde so zur Trösterin tausender Menschen, die rat-, hilfe- und heilungsuchend zu ihr kamen.

Mutter Makaria (ihr Ordensname) wurde am 13. Juni 1926 im Dorf Karpovo geboren und auf den Namen Feodosia, „die von Gott Gegebene“ getauft.

Die Großfamilie Artemev, zu der insgesamt 20 Personen gehörten, bemerkte, dass es mit diesem Kind etwas Besonderes auf sich hatte. Eine Kerze, die über ihrer Wiege war, entzündete sich jeweils zu Mittag auf unerklärliche Weise von selbst und brannte bis drei Uhr nachmittags.

Die Kleine begann früh zu laufen, doch plötzlich mit eineinhalb Jahren konnte sie ihre Beine nicht mehr strecken. „Ab meinem dritten Lebensjahr konnte ich keinen Zentimeter mehr gehen und wurde für meine Familie zu einer einzigen Last.“ Kein Arzt konnte ihr helfen und in der Familie kümmerte sich kaum jemand um sie. „Sie hatten kein Mitleid mit mir und gaben mir nichts zu essen, in der Hoffnung, ich würde bald sterben. Ich wurde so schwach, dass ich kaum noch kriechen konnte. Ich weiß nicht, wie ich überlebte.“

Feodosias einziger äußerer Trost war es, wenn ihr Vater sie auf den Schoß nahm, während er aus der Heiligen Schrift vorlas. So wurde die innere, geistliche Welt, der vertraute Umgang mit Engeln und Heiligen, von dem niemand etwas ahnte, zu ihrer einzigen Freude.

Eines Morgens wachte die achtjährige Feodosia nicht auf. Sie war kalt und leblos. Rasch brachte der Vater sie ins Krankenhaus, wo die Ärzte nach der Untersuchung erklärten: „Wenn das Kind in 14 Tagen nicht aus dem komaartigen Schlaf erwacht, ist es wirklich tot.“ In dieser Zeit wurde sie aber in den Himmel entrückt. „Mir wurde auch eine riesige durchsichtige, goldene Kirche gezeigt. ‚Warum gibt es denn in dieser Kirche keine Ikonen?‘, fragte ich, worauf die Heiligen antworteten: ‚Weshalb Ikonen? Wir sind doch hier alle lebendig gegenwärtig!‘ Die Schönste unter allen war die Gottesmutter. Weinend flehte ich sie an: ‚Bitte heile meine Beine oder lass mich hierbleiben.‘ Doch die himmlische Zarin erwiderte: ‚Du kannst jetzt noch nicht bleiben, denn du wirst auf Erden noch gebraucht. Ich werde dich nie verlassen‘, versprach sie mir.“ Dann beschenkte die Gottesmutter sie mit dem Charisma der Heilung. Zum Schrecken aller kroch sie nach 14 Tagen aus der Totenkammer heraus.

In den Kriegswirren war ihre Familie und viele andere aus dem Dorf geflüchtet. Sie blieb allein zurück. Und als fremde Leute das Haus der Artemevs übernahmen, wurde Feodosia mitleidslos angewiesen: „Kriech ins Nachbardorf und bitte dort um ein Dach über dem Kopf!“ Aber auch in den anderen Dörfern gab es niemanden, der das verkrüppelte Mädchen mit dem zerrissenen Kleid und den blutenden Beinen aufnahm. Sie musste 700 Tage! im Freien verbringen. „So schleppte ich mich weinend in einen Schuppen und legte mich ins Heu. Im Winter grub ich mir manchmal ein Loch in den Schnee und verkroch mich zum Schlafen wie ein Tier darin. Ich trank schmutziges Wasser, aß eine Handvoll Schnee und Birkenbast oder im Sommer Beeren, Kräuter und Feldblumen, da mir nur selten jemand ein Stück Brot gab. Bei allem betete ich ununterbrochen zu Gott.“ 1943 sagte ihr die Gottesmutter dann: „Nun hast du lange genug auf der Straße gelebt. Jetzt sollst du ein Zuhause bekommen. Du wirst heute jemanden treffen.“ Tatsächlich nahm die 72-jährige Nonne Natalia, die von den Kommunisten aus ihrem Kloster vertrieben worden war, das Mädchen noch am selben Tag in ihr Haus in Tjomkino auf. Bis zum Tod Mutter Natalias hatte Feodosia es über 30 Jahre lang gut bei ihr. Ihr Charisma der Heilung und Seelenschau wurde immer mehr bekannt. Mit Autos, per Bus oder Zug kamen Russen, Ukrainer, Tataren und Zigeuner. Metropoliten suchten ebenso Hilfe wie einfache Gläubige, Juden, Atheisten und selbst Besessene.

Einmal fragte Makaria die Gottesmutter, die ihr oft erschien: „Mutter, warum hast du dir einen Krüppel wie mich ausgesucht?“ Da antwortete diese: „Ich habe mich überall umgesehen und keine Bessere gefunden als dich. Du bist die Auserwählte.“ ‑ „Ach, was für eine Auserwählte könnte ich schon sein? Mein Lebtag verbringe ich im Bett!“ ‑ „Ja, du bist meine Vollkommene.“ ‑ „Was du mit vollkommen meinst, verstehe ich nicht“, erwiderte Makaria, während sie sich ehrfürchtig vor der Gottesmutter verneigte, „aber die Leiden nehme ich gerne an. Leiden, das kann ich.“ Ein geistiger Sohn sagte: „Sie umfing mit ihren Leiden ganz Russland“, und Makaria vertraute diesem geistigen Sohn an: „Gott hat eine so nutzlose Person wie mich zum Leiden erschaffen. Man darf Ihn nicht beleidigen. Ich habe außer Ihm und meinem Bett nichts anderes gekannt. Noch lange werde ich hier liegen, Ihn anschauen und für alle leiden, so kann man hundert Jahre verbringen.“

 

Die Fürsprache des hl. Josef

Im Monat März und am 19. März ehren wir besonders den hl. Josef, den wir in dieser bedrängten Zeit als Fürsprecher brauchen.

Im 17. Jahrhundert schrieb die Mystikerin Maria von Agreda über die außergewöhnlichen Gnaden, die Gott denen schenkt, die den hl. Josef verehren.
„Ich wurde über bestimmte Privilegien informiert, die der Höchste dem hl. Josef aufgrund seiner großen Heiligkeit gewährt hat, die besonders wichtig für diejenigen sind, die in angemessener Weise um seine Fürsprache bitten. Kraft dieser besonderen Privilegien ist die Fürsprache des hl. Josef sehr machtvoll:
1. Auf seine Fürbitte erlangt man die Tugend der Keuschheit und den Sieg in den Gefahren sinnlicher Versuchung.
2. Durch ihn erhält man mächtige Gnadenhilfen, um den Stand der Sünde zu verlassen und zur Freundschaft Gottes zurückzukehren.
3. Durch seine Vermittlung erhält man die Gunst der allerseligsten Jungfrau Maria und eine wahre Andacht zu ihr.
4. Durch ihn erlangen wir die Gnade eines guten Todes und Schutz gegen den Satan in der Todesstunde.
5. Die bösen Geister zittern, wenn sie den Namen Josefs hören.
6. Durch ihn kann man Gesundheit des Leibes und Hilfe in den verschiedenen Nöten erhalten.
7. Seine Fürbitte erlangt den Segen der Nachkommenschaft in den Familien.
Diese und viele andere Vorzüge gewährt Gott denen, die angemessen und mit guter Gesinnung die Fürsprache des Bräutigams unserer Königin, des hl. Josef, suchen. Ich möchte alle Kinder der heiligen Kirche bitten, große Verehrer des hl. Josef zu sein. Sie werden diese Gnaden an sich selber erfahren, wenn sie auf deren Empfang sich würdig vorbereiten.“

Wenn Menschen Gott schauen und Macht über die Finsternis haben wollen, müssen sie sich bemühen, ein keusches und liebevolles Herz wie das des hl. Josef zu bekommen.

 

Ich habe mich entschieden das Gute zu sehen

Die hl. Mutter Teresa besuchte in Kalkutta des Öfteren eine Familie, mit der sie sehr freundschaftlich verbunden war und die ihr in den Anfangszeiten viel geholfen hatte.

Bei einem dieser Besuche, so wird berichtet, war auch die erwachsen gewordene Tochter des Hauses anwesend, die plötzlich begann, sich bei Mutter Theresa über die Korruption in der Verwaltung Kalkuttas zu beklagen. Die junge Frau meinte: „Mutter Teresa, können Sie uns nicht helfen? Kalkutta ist so korrupt. Man bekommt nichts, ohne die Menschen zu bestechen.“

Mutter Teresa reagierte so wie meist, wenn Menschen, wie sie es nannte, Dunkelheit sprachen oder wenn jemand Dunkelheit verbreitete: „Ja, es sind wunderbare Leute. Sie haben uns so viele Hilfen für unsere Kinder gegeben.“

Damit wollte sich die junge Dame nicht zufriedengeben und erwiderte: „Mutter Teresa, die große Mehrheit in Kalkutta rennt doch nur dem Geld hinterher.“ Zum zweiten Mal versuchte Mutter Teresa eine Spur Hoffnung zu bringen und erzählte von einer hinduistischen Sitte, nach der immer eine Handvoll Reis für die Armen an die Tür gelegt wird.

Die junge Dame war frustriert und sagte: „Mutter Teresa, wann werden Sie aufwachen? Kalkutta ist eine Hölle von Korruption.“ Ein paar Sekunden herrschte peinliche Stille. Mutter Teresa blieb ganz ruhig, sah ihr direkt in die Augen und sagte: „Ich weiß sehr genau, dass es in Kalkutta Korruption gibt, aber ich weiß auch, dass es Gutes gibt und ich habe mich entschieden, das Gute zu sehen.“

 

Tut, was ich euch sage!

Am 31. Jänner feiern wir den Gedenktag des hl. Johannes Bosco, (1815-1888) der seine Berufung zum Jugendapostel durch Maria empfing und ein unerschütterliches Vertrauen in die Hilfe der Gottesmutter hatte. Er verehrte deshalb Maria besonders unter dem Titel „Maria, Hilfe der Christen“. Papst Pius XI. sagte über ihn: „In seinem Leben war das Übernatürliche fast natürlich und das Außergewöhnliche gewöhnlich“. Es gibt viele Berichte über seine Wunder, die uns ermutigen, immer auf die Hilfe Mariens zu vertrauen:

Die kleine Margarete aus Paris lag mit Lungentuberkulose im Sterben. „Sie wird gesund werden!“ verspricht Don Bosco ihrer weinenden Mutter. „Betet jeden Tag ein Vater Unser, Ave Maria und Ehre sei dem Vater und anschließend ein Salve Regina, damit die Muttergottes euch erhört. Betet so bis zum 15. August …“ „Zweieinhalb Monate, mein Pater,“ jammert die Mutter; wenn ich denke, Sie könnten meine Tochter einfach an der Hand nehmen und sie wäre gesund …“ Da wird Don Bosco streng: „Tut, was ich euch sage! …“ befiehlt er.

Die Krankheit setzt ihren Lauf fort. Das Blutspucken verstärkt sich, das Fieber beruhigt sich nicht und das Kind ist nur noch ein Skelett … Wie schwierig ist der Glaube unter diesen Umständen! Aber die Mutter hält durch: Sie betet, sie hofft. Am 15. August kleidet sie sich an, um zur hl. Messe zu gehen. Da holt sie ein Schrei an die Seite ihres Kindes: „Mama! Mama! Ich bin geheilt!“ Und tatsächlich, die Kranke strahlt, ihre Wangen sind rosig, ihr Blick ist fieberfrei. Sie zieht sich unverzüglich an und geht mit ihrer Mutter zur hl. Messe …

Sie war so vollkommen geheilt, dass ihre Geschichte wie ein Märchen aus alter Zeit endet: „Sie heiratete, war glücklich und bekam viele Kinder …“

 

Der hl. Josef hat nun doch geholfen

Das Jahr zu Ehren des hl. Josef lädt uns ein, auf die Fürsprache und Hilfe dieses großen Heiligen zu vertrauen. Ein gläubiges Ehepaar berichtet:

Nach ihrer Hochzeit mussten sie erfahren, dass ihre Ehe kinderlos blieb. In der Kirche, in der sie fast täglich die hl. Messe besuchten, sind sie immer zu einer Josefsstatue gegangen, um dem hl. Josef ihren Kinderwunsch anzuvertrauen. Aber es hat sich nichts geändert, es schien ihnen, dass er ihre Bitte nicht hörte. Aus beruflichen Gründen sind sie dann in eine andere Stadt gezogen. Nach einiger Zeit bekamen sie Anfang März ganz unerwartet einen Anruf von Bekannten mit der Frage, ob sie bereit wären, ein Kind zu adoptieren. Sie haben dieses Angebot mit großer Freude und großherzig angenommen.

An dem Tag als sie diese Nachricht erhielten, riss die Frau das Kalenderblatt eines Heiligenkalenders ab. Und sie staunte nicht wenig: Auf dem nächsten Blatt war jene Josefsstatue abgebildet, vor der sie so lange gebetet hatten. Das war ein überwältigendes Zeichen für sie, dass der hl. Josef nun doch geholfen hat. Als sie den Namen des Kindes erfuhren, das sie zur Adoption annahmen, durften sie noch einmal ein Zeichen Gottes erkennen, denn es hatte den Namen des Patrons jener Kirche, in der sie so viel gebetet hatten.

 

Jahr des heiligen Josef

Das „Josefs-Jahr“ und auch der Josefs-Monat März sind eine Einladung, im Vertrauen auf diesen großen Schutzpatron der Kirche zu wachsen. Die hl. Kirchenlehrerin Terese von Avila gibt uns hier ein Vorbild. In ihren Briefen und andern Schriften finden wir eine Reihe von Zeugnissen für ihre Verehrung des hl. Josef.

Zu Beginn ihrer Ordenszeit wurde sie fast vier Jahre lang von einer schweren Krankheit gequält. In innigem Gebet wandte sie sich an den Pflegevater Jesu. Nach einer völligen, der Todesstarre ähnlichen Lähmung, die sie fast lebendig ins Grab gebracht hätte, wurde sie plötzlich gesund. Sie war damals 26 Jahre alt und schrieb in ihrer Biografie über den hl. Josef:

„Er ließ seine Macht und Güte hell aufstrahlen. Ihm sei gedankt. Ich fühlte meine Kraft zurückkehren und konnte aufstehen… Seine Hilfe offenbarte sich auf ganz greifbare Weise… Um das Glück voll zu machen, erhörte er mich jederzeit und über alle meine Erwartungen hinaus.“

Die hl. Teresa setzte später ihre ganze Kraft ein, die Andacht zum hl. Josef zu fördern. Bis dahin gab es nur einige wenige Josefs-Kapellen. Die hl. Teresa scheint die erste gewesen zu sein, die Kirchen zu seiner Ehre erbauen ließ. Von den 17 Kirchen ihrer Ordensgründungen sind 12 dem hl. Josef geweiht. Mit eigener Hand brachte sie bei jeder Klosterpforte das Bild der Flucht nach Ägypten an, denn jedes Kloster, bzw. jedes Eingangstor des Klosters wurde ihm geweiht. Die hl. Theresa sagt: „Andern Heiligen scheint der Herr die Gnade gegeben zu haben, nur in bestimmten Anliegen helfen zu können. Diesen glorreichen Heiligen aber habe ich in allen Bereichen als Nothelfer kennengelernt.“

 

Pater Paul von Moll – Ich gewähre dir alles, was du für andere von Mir erbitten wirst

Einer der größten Wundertäter unserer Zeit war der belgische Benediktinerpater Paul von Moll (1824-1896). 1848 trat er bei den Benediktinern in Termonde in Belgien ein. Er wurde bald schwer lungenkrank und war dem Tode nahe. „Die Ärzte hatten mich aufgegeben. Da erschien mir Jesus in Begleitung der allerseligsten Jungfrau, des hl. Josef und des hl. Benedikt. Während Maria mich bei der Hand nahm, legte der Heiland Seine Rechte auf mein Haupt und sagte zu mir: ‚Sei geheilt! Von nun an sollst du zum Trost einer großen Zahl von Menschen leben. Ich gewähre dir alles, was du für andere von Mir erbitten wirst.‘ Und augenblicklich war ich gesund.“

Der Herr hatte ihm die Charismen des Wunderwirkens, des Heilens, der Seelenschau und der Prophetie geschenkt, die er bis zu seinem Lebensende fast 40 Jahre lang treu ausübte. Graf v. Ségur schrieb: „In der Erfüllung seines göttlichen Auftrages trat seine Person gänzlich zurück, so als ob er nur der Zeuge, nur das gehorsame Werkzeug wäre. In seiner Demut schrieb er seine Wundertätigkeit oft dem hl. Benedikt zu, doch auf seine flämischen Landsleute machte er den Eindruck großer Heiligkeit.“ Zu jeder Tages und Nachtzeit konnte man auf P. Paul zählen, zumal er nur wenig schlief, oft sogar im Stehen, mit dem Rücken an die Wand gelehnt. Ab 5.00 Uhr morgens belagerten ihn Scharen von Menschen im Kloster, selbst aus Amerika kamen die Kranken zu ihm. Graf v. Ségur schrieb: „Das Tiefbewegende und Anziehende an diesem Mann Gottes war seine Güte, seine Barmherzigkeit, sein menschlichzartes Mitfühlen, gepaart mit seinem übernatürlichen Scharfblick. Allen gab er durch stets schnelle, bestimmte Antworten die Ursache ihrer Krankheit oder ihrer inneren Prüfungen zu verstehen, wie auch die sicheren Mittel und Bedingungen, um die gewünschten Gnaden zu erlangen. Manchmal offenbarte er ihnen die geheimsten Taten und verborgensten Gedanken ihrer Seele, in der er las wie in einem offenen Buch.“

Kranke, Lahme, Blinde wurden augenblicklich geheilt oder nachdem sie den Auftrag, ein Gebet oder eine Novene zum hl. Benedikt zu verrichten, ausgeführt hatten. Hunderte in der Klosterkirche zurückgelassene Krücken sind stumme Zeugen dafür. Einen Schwerbehinderten ermutigte er:  „Junge, häng deine Krücke an den Sockel des hl. Benedikt, dann wirst du gehen können!“ Er tat es und lief im nächsten Augenblick vor Freude weinend aus der Kirche. Einer hungrigen armen Frau, die ihn anbettelte, gab er eine Tasse zu trinken und ein Brot; die Tasse blieb daraufhin niemals leer, das Brot wurde nie mehr altbacken und ging nie wieder zu Ende. Er sagte voraus, dass eines Tages der unverweste Leichnam des hl. Joseph gefunden werde. Durch P. Pauls Priesterhände geschahen derart viele Wunder, dass jemand treffend bemerkte: „Man möchte fast glauben, dieser Pater wirkt aus Gewohnheit und zum Zeitvertreib Wunder.“ Auf über eine Million wird die Zahl derer geschätzt, die Hilfe bei P. Paul fanden. Auch nach seinem Tod geschahen und geschehen bis heute noch Gebetserhörungen und Wunder. P. Paul sagte: „Die Demut ist es, welche die Menschen in den Augen Gottes groß macht.“

 

Sel. Carlo Acutis – Die Eucharistie ist meine Autobahn zum Himmel

Am 10. Okt. 2020 wurde in Assisi Carlo Acutis von Papst Franziskus selig gesprochen. Der sel. Carlo Acutis ist am 12. Oktober 2006 mit 15 Jahren in Monza gestorben und in Assisi begraben. Gott hat an seinem Leichnam ein besonderes Zeichen gewirkt; er ist unverwest (siehe Bild), denn der sel. Carlo hat uns und besonders der Jugend ein außergewöhnliches Zeugnis gegeben, dass es auch heute möglich ist, den Weg der Heiligkeit zu gehen.

Carlo wurde am 3. Mai 1991 in London geboren. In ihm finden wir die Züge eines Jugendlichen unserer Tage. Er war aus gutem Haus, freundlich, gut erzogen; seine Hobbys waren Photographie, Computer, Informatik; er war bei seinen Mitschülern sehr beliebt und hilfsbereit. Er liebte die Tiere. Aber aus all dem leuchtet seine innige Beziehung zu Jesus Christus in der Eucharistie hervor. Denn von Kindheit an wollte er jeden Tag die heilige Messe mitfeiern und den Rosenkranz vor dem Tabernakel beten. Schon als Kind war seine Sehnsucht nach der hl. Kommunion so groß, dass sein Pfarrer ihm erlaubte, früher als üblich die hl. Kommunion zu empfangen. „Carlo war dabei wie verwandelt: Sein Blick war klar, sein Lächeln umwerfend. Er zeigte eine Tiefe und Reife, die ungewöhnlich war“, berichtet eine Ordensfrau über die Erstkommunion.

In einem längeren Interview mit der Zeitung „National catholic Register“ erzählt die Mutter von Carlo am 27.2.2020 über sein Leben: „Carlo hat besondere Gnaden erhalten. Ich war nicht besonders fromm, aber Carlo wollte schon als Kind immer in die Kirche gehen. Er wollte immer hineingehen und Jesus besuchen, ihn grüßen.“ „Carlo hat mich Gott näher gebracht. Er stellte Fragen, auf die ich keine Antwort wusste – vor allem aufgrund meiner mangelnden Katechismuskenntnisse. So begann ich, mehr über meinen Glauben zu lernen, und das war aufgrund von Carlo. Viele weitere Menschen können dies bezeugen: Menschen, die sich durch sein Beispiel und durch seine Worte bekehrt haben. Er lebte wirklich das, was er sagte. Er war ein Zeuge.“

„Er hatte einige Unvollkommenheiten. Er war in vielerlei Hinsicht ein normaler Junge. Er war also nicht perfekt, aber er hatte einen sehr starken Willen – und mit diesem Willen verbesserte er sich in vielerlei Hinsicht. Er sagte immer: ‚Was macht es schon aus, wenn man tausend Schlachten gewinnen kann, wenn man gegen seine eigenen korrupten Leidenschaften nicht gewinnen kann? Das spielt keine Rolle. Der wahre Kampf ist der mit uns selbst.'“

Die Mutter erzählte auch, dass Carlo eine Vision seines Großvaters hatte, der ihn bat, für ihn zu beten, da er im Fegefeuer sei. „Von da an begann Carlo für alle armen Seelen im Fegefeuer zu beten. Immer, immer, immer betete er für diese Seelen und versuchte, Ablässe für sie zu gewinnen. Er sagte immer, dass wir für die armen Seelen im Fegefeuer beten müssen, dass wir sie nicht vergessen dürfen und dass sie uns sehr helfen werden.“
„Bevor er starb, sagte er zu mir: ‚Mama, ich würde dieses Krankenhaus gerne verlassen, aber ich weiß, dass ich das nicht lebend tun werde. Aber ich werde dir Zeichen geben, dass ich bei Gott bin.‘ Carlo war sich bewusst, dass sein Leben vollendet war. Er sagte: ‚Ich sterbe glücklich, denn ich habe mein Leben nicht damit verbracht, meine Zeit mit Dingen zu vergeuden, die Gott nicht gefallen haben.'“

„Wenn ich den Tod meines Sohnes nur auf irdische Weise betrachtet hätte, hätte niemand mich trösten können. Carlo hat mich gelehrt, ihn mit den Augen des Glaubens zu sehen.“