Selbstgespräch?

In einer Realschule in einer mittelenglischen Großstadt sollten Schüler im Religionsunterricht auf einen Zettel schreiben, was für sie das Schlimmste wäre, das passieren könnte. Atomkrieg und unheilbare Krankheiten wurden hauptsächlich genannt. Doch auf einem Zettel stand eine sehr ungewöhnliche Antwort: „Wenn alle Gebete nur Selbstgespräche wären.“

Ein leerer Himmel wäre wirklich die größte Katastrophe. Doch als Christen wissen wir um die Gegenwart Gottes, der uns hört und erhört; auch all seine Engel und Heiligen hören uns und sind unsere Fürsprecher bei Gott. Unser Gebet ist kein Selbstgespräch. In den Bedrängnissen dieser Welt sind wir nicht allein, auch wenn es uns manchmal so erscheinen mag. Jesus hat uns ausdrücklich aufgefordert, uns mit allen Bitten an unseren Vater im Himmel zu wenden. „Bittet, dann wird euch gegeben; sucht, dann werdet ihr finden; klopft an, dann wird euch geöffnet. … Wenn nun schon ihr, die ihr böse seid, euren Kindern gebt, was gut ist, wie viel mehr wird der Vater im Himmel den Heiligen Geist denen geben, die ihn bitten“ (Lk 11,13).

 

Das Wirken des Heiligen Geistes

Wir haben in der Taufe und in der Firmung den Heiligen Geist empfangen. Wir können ihn erkennen an den guten Wirkungen, die er in uns hervorbringt, und so von den bösen Geistern unterscheiden, die uns in irreführen wollen:
+ Der Heilige Geist treibt uns immer zur Nachfolge Christi an, zur Liebe zu Gott und den Menschen und zu den Sakramenten.
+ Er inspiriert uns zu guten Handlungen, er erleuchtet den Verstand, damit wir das erkennen, was Gott von uns verlangt, er bewegt den Willen, damit wir das Erkannte auch ausführen können.
+ Er schenkt uns den wahren Trost und die Freude am Glauben.
+ Er macht die Seele empfänglich für die Wahrheit, für jeden guten Rat und er macht uns gehorsam gegenüber den Anweisungen der rechtmäßigen Autorität.
+ Er spornt uns an zur Geduld in Leiden und Schwierigkeiten, er lehrt uns die Liebe zum Kreuz.
+ Er regt uns zu guten Eigenschaften an, die den irdisch gesinnten Menschen ganz fremd sind, die aber ganz der Nachfolge Christi entsprechen, wie z.B. Demut, Sanftmut, Aufrichtigkeit, Einfachheit des Herzens, Wahrhaftigkeit, Verzeihen und Versöhnung.
+ Er befreit uns von der Anhänglichkeit an die Sünden, an die Welt und allen Dingen, die nicht von Gott sind.
+ Er schafft die wahre Geistesverwandtschaft unter Gleichgesinnten. Er hilft uns, dass wir die geistlichen Dinge verstehen und dass wir auch von den anderen in Glaubensdingen verstanden werden.
+ Er bewirkt auch, dass wir jene Berufung oder Aufgabe, die uns Gott gegeben hat, lieben und die Treue halten können durch alle Schwierigkeiten und Prüfungen hindurch und nicht unzufrieden nach Anderem suchen. …
Man kann sich zu dem Gesagten das Gegenteil denken, dann weiß man, wie die bösen Geister wirken. Sie setzen alles daran, uns vom Willen Gottes abzubringen.

Der Heilsplan Gottes

Warum gibt es das Böse in der Welt? Der hl. Pater Pio hat diese Fragen mit einem schönen Gleichnis beantwortet:

„Da sitzt eine Mutter und stickt. Ihr kleiner Junge sitzt auf einem Schemel zu ihren Füßen und sieht ihr bei der Arbeit zu. Er sieht aber nur die Rückseite: ein Gewirr von Knoten und Fäden. Er fragt die Mutter: Mama, kannst du mir sagen, was das wird? Ich kann nicht sehen, was es sein soll. Jetzt beugt sich die Mutter zu ihrem Kind und zeigt ihm die Oberseite des Stickrahmens. Jede Farbe hat ihren rechten Platz, und die verschiedenen Fäden formen ein schönes Ganzes. Wir sehen nur die Rückseite der Handarbeit. Wir sitzen auf einem niedrigen Schemel.“

Wenn wir das Leiden Christi und seine Auferstehung betrachten, dürfen wir schon etwas von diesem Bild und Plan Gottes erkennen.

 

Fegefeuer

Natuzza Evolo (1924-2009) aus Kalabrien ist eine italienische Mystikerin, für die ein Seligsprechungsverfahren eröffnet wurde. Seit ihrer Kindheit hatte sie Erscheinungen von Jesus, Maria, ihrem Schutzengel… Später erschienen ihr auch Verstorbene, um ihr Botschaften für die Lebenden zu übermitteln.

1944 verlangte sie nach einer Vision den Bau „eines großen Hauses, um denen Linderung zu verschaffen, die in Not sind, und einer großen Kirche, die Unbeflecktes Herz Mariä, Zuflucht der Seelen‘ genannt werden soll“. Dreiundvierzig Jahre später, am 13. Mai 1987, willigte der Ortsbischof ein, eine Vereinigung mit diesem Namen zu gründen, die das Werk in die Tat umsetzen soll.

Natuzza betete viel für die Seelen im Fegefeuer und lud die Menschen ein, es ihr gleich zu tun und besonders die hl. Messe für sie aufzuopfern. Sie sagt: „Ihr, die ihr oberflächlich denkt, dass alle Seelen ins Paradies kommen, sollt wissen, dass es die Hölle und das Fegefeuer auch gibt, und dass eine einzige Todsünde, bösgläubig begangen und nicht eingestanden oder eingestanden ohne echte Reue, euch darin hindert, ins heilige Paradies einzutreten. Wenn ihr Todsünden begangen habt, müsst ihr sie unbedingt einem Priester beichten und echte Reue erwecken.“

 

Die Prüfung

Der 2014 heilig gesprochene Papst Johannes Paul II. hat sich unermüdlich durch seine vielen Reisen für die Neuevangelisierung hingegeben, damit die Menschen im Glauben an Jesus Christus gestärkt werden. Durch seine Erfahrungen mit dem Kommunismus in Polen war er sich bewusst, dass dieser atheistische Geist eine große Gefahr für die Kirche ist. Noch als Kardinal hat er beim eucharistischen Kongress in Philadelphia 1976 gesagt:

„Wir stehen jetzt vor der größten Konfrontation, die die Menschheit in ihrer Geschichte jemals erlebt hat. Ich denke nicht, dass der Großteil der amerikanischen Gesellschaft oder die gesamte Christenheit dies in vollem Umfang realisiert. Wir stehen jetzt vor dem Endkampf zwischen der Kirche und der Anti-Kirche, zwischen dem Evangelium und dem Anti-Evangelium, zwischen Christus und dem Antichrist. Diese Konfrontation liegt in den Plänen der göttlichen Vorsehung. Deshalb ist sie in Gottes Plan, und es muss ein Kampf sein, den die Kirche aufnimmt und tapfer bestreitet.“

Auch als Papst hat er auf diese Prüfung, die die Kirche zu bestehen hat, hingewiesen. Im Blick auf die Botschaft von Fatima und das dritte Geheimnis hat er 1980 bei seinem Deutschlandbesuch in Fulda gesagt:

„Wir müssen uns wohl in Bälde auf große Prüfungen gefasst machen. Ja, die sogar den Einsatz unseres Lebens fordern können und die Ganzhingabe an Christus und für Christus! Es kann gemildert werden durch euer und unser Gebet, aber nicht mehr abgewendet werden. Nur so kann die wirkliche Erneuerung der Kirche kommen. Wie oft schon wurde im Blut die Erneuerung der Kirche geboren. Nicht anders wird es auch diesmal geschehen. Seien wir stark und bereiten wir uns vor und vertrauen wir auf Christus und seine heilige Mutter! Beten wir sehr viel und oft den Rosenkranz!“ .

 

Das Kreuz, ein Zeichen des Sieges

Ein Junge fragt seinen Vater auf einer Bergwanderung: „Vater, sind auf den Bergen, wo die Kreuze stehen, Menschen abgestürzt?“ „Nein“, erklärt der Vater, „ein Kreuz auf einem Gipfel bedeutet, Menschen haben den Berg mit seinen Gefahren besiegt und bezwungen. Hier ist das Kreuz ein Zeichen des Sieges, nicht des Todes.“

Wie viele Berge gibt es in unserem Leben, Berge von Schwierigkeiten, Berge der Sorge und Not, Berge von Leid und Schuld, Berge von Mühsal und Einsamkeit! Jesus hat alle diese Berge besiegt und bezwungen. Auf all diesen Bergen steht sein Kreuz, das Zeichen des Sieges. Wenn wir uns an Jesus halten, werden wir auf diesen Bergen nicht abstürzen, sondern sie mit ihm überwinden und meistern.

In der Taufe hat uns Jesus sein Zeichen eingeprägt. Wir sind von ihm „handsigniert“. Wer mit der Liebe und Vergebung Jesu signiert ist, lebt auf einen großen Sieg hin. Wer mit dem Kreuz Jesu nicht signiert ist, wird resigniert sein, traurig und ohne Hoffnung, denn er lebt auf die große Niederlage des Sterbens und Verlierens hin. Darum wollen wir uns bewusst unter den Sieg Jesu stellen und ihn bitten, dass er uns zeichnet, segnet, signiert.

 

Vertrauen auf Gottes Vorsehung

Am 24. Jän. feiert die Kirche den Gedenktag des hl. Franz von Sales, der Anfang des 18. Jhs. Bischof von Genf war. In der gegenwärtigen Zeit, in der viele Menschen von Unsicherheit und Ängsten erfüllt sind, sollten wir auf das Zeugnis seines Vertrauens in die Vorsehung Gottes hören: Er sagt:

„Der Herr hat mich von Jugend auf gelehrt, der Vorsehung zu vertrauen. Und wenn ich noch einmal zur Welt käme, ließe ich mich von vornherein – auch in den geringfügigsten Dingen – von dieser göttlichen Vorsehung mit der Einfalt eines Kindes und mit der Verachtung aller menschlichen Klugheit leiten. Es ist für meine ganz Gott hingegebene Seele ein wahres Vergnügen, mit geschlossenen Augen dahin zu wandeln, wohin Gottes Vorsehung mich führen mag. Ihre Absichten sind unerforschlich, aber immer wunderbar und liebreich denen, die sich ihr anvertrauen.“

 

Warum ist Gott Mensch geworden?

Warum ist Gott Mensch geworden? Was war der Grund, dass er sich so zu seinen Geschöpfen erniedrigt hat? Eine treffende Erklärung gibt uns der hl. Bernhard von Clairvaux. Er sagt:

„Gerade deshalb ist der Sohn Gottes auf die Erde herabgestiegen, um uns den Weg zur wahren Größe und Gottähnlichkeit zu zeigen. Er sah, dass die Engel gefallen waren, weil sie in stolzer Selbstüberhebung Gott gleich sein wollten. Er sah, dass die Stammeltern, Adam und Eva, sündigten, weil ihnen der Teufel zuflüsterte, sie würden sein wie Gott. Da sprach der Sohn Gottes: Nun will ich selber kommen und mich in jener Weise offenbaren, dass einem jeden, der mir gleich sein will, diese Nachahmung zum Heile gereiche und nicht zum Verderben. Preisen wir deshalb die Güte und Erbarmung, durch die Gott unserem sehnlichen Verlangen nach Ähnlichkeit mit ihm entgegengekommen ist, so dass wir jetzt in Wahrheit sein können wie Gott, und dies nicht mehr Hochmut und Bosheit ist, sondern tiefste Demut und höchste Heiligkeit.“

 

Die Wahrheit suchen

Der Philosoph Valentin Tomberg (1900-1973), der auf seiner Suche nach der Wahrheit zum katholischen Glauben fand, beschreibt seine Erfahrung in folgender Weise:

„Der Weg des Hermetismus (=Thomberg versteht darunter das aufrichtige Suchen nach Wahrheit und Weisheit), so einsam und intim er auch ist, umfasst authentische Erfahrungen, aus denen folgt, dass die römischkatholische Kirche in der Tat ein Verwahrer der christlichen geistlichen Wahrheit ist, und je mehr man auf dem Weg der freien Erforschung dieser Wahrheit voranschreitet, desto mehr nähert man sich der Kirche. Früher oder später erfährt man unweigerlich, dass die spirituelle Realität  mit einer erstaunlichen Genauigkeit  dem entspricht, was die Kirche lehrt: dass es Schutzengel gibt; dass es Heilige gibt, die aktiv an unserem Leben teilnehmen; dass die Heilige Jungfrau Maria real ist und dass sie fast genau so ist, wie sie von der Kirche verstanden, verehrt und dargestellt wird; dass die Sakramente wirksam sind und dass es sieben  und nicht zwei, drei oder gar acht  davon gibt; dass die drei heiligen Gelübde  Gehorsam, Keuschheit und Armut  in der Tat das Wesen aller authentischen Spiritualität ausmachen; dass das Gebet ein mächtiges Mittel der Nächstenliebe ist, sowohl im Jenseits als auch hier unten; dass die kirchliche Hierarchie die himmlische hierarchische Ordnung widerspiegelt; dass der Heilige Stuhl und das Papsttum ein Geheimnis göttlichen Wirkens darstellen; dass Hölle, Fegefeuer und Himmel Realitäten sind; dass schließlich der Meister selbst  obwohl er alle liebt, Christen aller Konfessionen wie auch alle Nichtchristen  seiner Kirche treu bleibt, da er dort immer präsent ist, da er die Gläubigen dort besucht und seine Jünger dort unterweist. Der Meister ist dort immer auffindbar und zugänglich.“

Für den aufrichtigen Sucher der Wahrheit erfüllt sich immer, was der Herr gesagt hat:  „Jeder, der aus der Wahrheit ist, hört auf meine Stimme“(Joh18,37).

 

Aus der Wahrheit sein

„Seit unserer frühesten Jugend sind wir daran gewöhnt, verfälschte Berichte zu hören, und unser Geist ist seit Jahrhunderten so sehr mit Vorurteilen durchtränkt, dass er die fantastischsten Lügen wie einen Schatz hütet, so dass schließlich die Wahrheit als unglaubwürdig und die Lüge als wahr erscheint.“ Dieses Zitat stammt von Sanchuniaton, einem phönizischen Geschichtsschreiber um das Jahr 1250 vor Christus. Es hat auch heute noch seine Gültigkeit.

Ja, durch das Konzept der „großen Lüge“, das ein Autor einmal sehr treffend beschrieben hat, wird dies noch gesteigert. „In der großen Lüge liegt immer eine gewisse Glaubwürdigkeit; weil die breite Masse von Menschen … viel leichter der großen Lüge zum Opfer fällt, als der kleinen, da sie oft selbst kleine Lügen in kleineren Angelegenheiten benutzt. In großem Maßstab zu Unwahrheiten zu greifen, darüber würde sie sich jedoch schämen. Es würde der breiten Masse von Menschen nie in den Sinn kommen, gigantische Unwahrheiten aufzubauen, und sie würde nicht glauben, dass andere die Frechheit haben könnten, die Wahrheit so schändlich zu verzerren. Selbst wenn ihnen die Tatsachen, die es beweisen, klar gezeigt würden, würden sie trotzdem immer noch daran zweifeln und würden auch weiterhin denken, dass es möglicherweise eine andere Erklärung gibt. Denn die grobe, unverschämte Lüge hinterlässt immer Spuren, auch nachdem sie aufgedeckt wurde. Dies ist eine Tatsache, die allen Lügenexperten der Welt bekannt ist und all denen, die sich in der Kunst der Lüge verschworen haben.“

Der Philosoph Nicolás Gómez Dávila sagt treffend: „Es gibt keine Dummheit, an die der moderne Mensch nicht imstande wäre zu glauben, sofern er damit nur dem Glauben an Christus ausweicht.“

Es gibt nur einen, der uns die Wahrheit gebracht hat, und das ist Jesus Christus. „Ich bin dazu geboren und dazu in die Welt gekommen, dass ich für die Wahrheit Zeugnis ablege. Jeder, der aus der Wahrheit ist, hört auf meine Stimme“ (Joh 18,37).