Gestärkt zum guten Kampf durch den Heiligen Geist

Wir haben den Heiligen Geist in der Taufe und Firmung empfangen. Sein Kommen führt uns aber in einen geistlichen guten Kampf, da das Herz zwischen Gut und Böse hin und hergerissen ist. Wir lernen dabei, unsere innere Gespaltenheit zu überwinden, damit der Friede Gottes in uns wohne. Die wichtigsten  Hilfsmittel sind das Gebet und die heiligen Sakramente, durch die unsere Seele im Guten gestärkt wird. Vielleicht inspiriert vom Heiligen Geist, ohne es zu wissen, erzählte ein alter Cherokee  Indianer seinem Enkel die Geschichte des inneren Kampfes, der sich in der Seele der Menschen abspielt: “Mein Sohn, es gibt einen Kampf zwischen zwei Wölfen in uns allen. Einer ist Böse: Es ist Wut, Neid, Eifersucht, Traurigkeit, Gier, Unzufriedenheit, Lügen, Stolz, Eitelkeit, Hass, Egoismus … . Der andere ist gut: Es ist Freude, Liebe, Hoffnung, Demut, Freundlichkeit, Wohlwollen, Geduld, Wahrheit, Mitgefühl … .” Der Enkel dachte einen Moment lang über diese Geschichte nach und fragte seinen Großvater: “Welcher der beiden Wölfe gewinnt?” Der alte Indianer antwortete einfach: “Der, den du fütterst.”

 

Güterzug oder Personenzug

Zwei junge Menschen verlieben sich und beschließen zu heiraten. Das Mädchen kommt aus einem sehr reichen Elternhaus. Dort wird der junge Mann zum Abendessen eingeladen und will, wie es früher so üblich war, um die Hand der Tochter bitten. Verlegen steht er den zukünftigen Schwiegereltern gegenüber. Die wohlüberlegten Sätze sind wie weggeblasen. Schließlich spricht er von einem ungeheuren Zug, der ihn zu dem Mädchen zieht, dass der Zug immer stärker geworden ist, dass er jetzt um die Hand der Tochter bitten möchte. Der zukünftige Schwiegervater legt ihm gütig lächelnd die Hand auf die Schulter und fragt: “Dieser Zug von dem Sie da sprechen, ist das ein ‘Güterzug’ oder ein ‘Personenzug’?”

Das ist auch eine Frage, die unsere Beziehung zu Gott betrifft. Haben wir zu ihm eher einen ‘Güterzug’, weil wir uns von ihm seine Güter und Hilfen erwarten, weil er für uns ein Wünscheerfüller ist? Oder ist Gott für uns unser Herr und Vater, Freund und Vertrauter und unsere Beziehung zu ihm ein ‘Personenzug’? Gott beschenkt uns wahrlich überreich mit seinen Gaben und Gnaden. “Und was hast du, das du nicht empfangen hättest?”, sagt der hl. Paulus (1Kor 4,7). Aber haben wir auch eine ganz persönliche Beziehung zu ihm? Lieben wir ihn um seiner selbst willen, auch dann, wenn er uns seine Güter und Hilfen nicht in dem Maß und in der Weise gewährt, wie wir es wünschten? Der Sohn Gottes ist in Jesus Christus Mensch geworden und hat aus Liebe zu jedem von uns unsere Schuld getragen und Leiden und Tod auf sich genommen. Darum fragt er uns, wie damals den Petrus: “Liebst du mich mehr als diese?”

 

Jesus aber schwieg

Alle Evangelien berichten von dem Schweigen des Herrn, als er vor den Gerichten dieser Welt stand. Reinhold Schneider schreibt darüber:

»Im Schweigen ist eine große Macht. Vorwürfe, Verleumdungen, Verdächtigungen, die unbeantwortet bleiben, fallen auf den Sprecher zurück. Die Worte der Verfolger an den Herrn bleiben gleichsam in der Luft, in der unheimlichen Leere, in der sie das Schweigen Christi festgebannt hat. Sie werden immer fragwürdiger, immer belastender, untragbarer für ihre Urheber. Mit dem, an den sie gerichtet sind, haben sie, wie all die törichten oder feindseligen Fragen, nichts zu tun. Sie sind Selbstenthüllungen derer, die sie vorbrachten. Sie sind wesenlos für den, auf den sie gezielt waren. Es ist eine seltsame Erfahrung, dass dem in Geduld Schweigenden das Recht sich zuneigt, während der andere den Worten überlassen bleibt, die er sprach. Thomas à Kempis bemerkt einmal: “Keiner tritt sicher in die Öffentlichkeit, der nicht die Verborgenheit liebt.” Diese Sicherheit war Christus in hohem Maße eigen. Sie muss in einem gewissen Maß einem jeden eigen werden. Sie wird es freilich nur dann, “wenn wir,” wie Thomas à Kempis sagt, “ohne Befleckung des Gewissens zum Schweigen zurückkehren können.” Im Schweigen liegt eine die Persönlichkeit in sich selber bildende, zugleich eine die andern formende Kraft. Das Schweigen ist sehr oft die Antwort der Wahrheit.«

 

Wir kleben fest an unserem alten Ich

Der sel. Kardinal Newman sagt:

“Was ist es also, das uns, die wir religiös sind, fehlt? Ich wiederhole, es ist folgendes: eine Bereitschaft, uns ändern zu lassen, eine Bereitschaft, es hinzunehmen, dass Gott uns ändert. Wir geben das alte Ich nicht gerne auf; denn ganz oder teilweise kleben wir fest an unserem alten Ich, obwohl uns alles frei angeboten ist. Auch wenn wir die Zusicherung hätten, dass die Änderung überhaupt keine Mühe miteinschließt, auch wenn es keine Selbstverleugnung, keine Anstrengung dabei gäbe, es würde sich nichts daran ändern. Wir möchten nicht neugeschaffen werden; wir schrecken davor zurück; es wirft uns aus allen unseren natürlichen Bahnen, aus allem, was uns vertraut ist. Wir verspüren, dass wir nicht mehr wir selbst bleiben, wenn wir nicht einen Teil dessen bewahren, was wir bisher gewesen sind; und wie sehr wir auch in allgemeinen Worten vorgeben, dass wir geändert werden möchten: wenn es darauf ankommt, wenn die Einzelheiten der Änderung uns vor Augen gestellt werden, schrecken wir vor ihnen zurück und sind es zufrieden, zu bleiben wie bisher.”

 

Sel. John Henry Newman – Die Zugänge der Seele nicht versperren

Der sel. Kardinal Newman hat in einer Predigt, die er als anglikanischer Geistlicher gehalten hat, auf die Gefahren hingewiesen, die unser Herz für den Ruf und die Gnade Gottes unzugänglich machen können. Was er sag, ist immer aktuell und bedenkenswert:

“Ich muss offen sagen, mag diese Äußerung auf den ersten Blick auch unbegründet erscheinen, dass die Annehmlichkeiten des Lebens die Hauptschuld an unserem Mangel an Gottesliebe tragen. Solange wir nicht lernen, auf jene Annehmlichkeiten bis zu einem gewissen Grad zu verzichten, wird unser Geist nicht in der Lage sein, göttliche Eindrücke aufzunehmen und das Streben nach himmlischen Dingen wach zu halten. Ein behagliches und leichtes Leben, ein ununterbrochener Genuss der Güter der Vorsehung, reiche Mahlzeiten, weiche Kleidung, bequem eingerichtete Wohnungen, sinnliche Freuden, das Gefühl der Sicherheit, das Bewusstsein der Wohlhabenheit, diese und ähnliche Dinge versperren, wenn wir nicht achtsam sind, alle Zugänge der Seele, durch die das Licht und der Atem des Himmels zu uns dringen können.”

 

Resignation

Der französische Maler Louis Dechamps (1846 – 1902) hat seinem warmherzigen Bild der Rosenkranz betenden Frau und des Mädchens den Titel “Résignation” gegeben.

Im Deutschen ist Resignation ein eher negativ besetztes Wort, bei dem Hoffnungslosigkeit, Verzweiflung, Depression mitklingen. Aber die Bildaussage widerspricht vollkommen dieser Auffassung. Das Wort Resignation kommt aus dem Lateinischen und bedeutet ursprünglich nach verlorener Schlacht die Feldzeichen zu senken, sich zu ergeben.

In der christlichen Mystik hat es die Bedeutung, dass der Mensch nicht mehr eigenwillig kämpft, sondern sich gelassen in den Willen Gottes ergibt. Wer den Rosenkranz demütig betet wie diese Frau, der kann getrost in die Zukunft blicken wie das Mädchen, denn alles ist in Gottes Hand.

 

Jahreszeiten der Seele

Der hl. Pater Pio sagt: Ich stelle fest, dass sich in unserer Seele alle Jahreszeiten widerspiegeln. Manchmal spürt ihr den Winter in seiner ganzen Unwirtlichkeit, Öde, Freudlosigkeit und Langeweile. Dann den Tau des Maimonats mit dem Duft der Blumengewinde. Dann den heißen Wunsch, unserem göttlichen Bräutigam zu gefallen. Nun bleibt nur noch der Herbst, in dem ihr wenig Früchte ernten könnt. Freilich geschieht es mehr als einmal, dass der Getreideacker und der Weingarten mehr einbrachte, als Korn und Traube vor der Reife versprachen. Ihr möchtet gern, dass alles im Frühling und Sommer geschehen solle. Nein meine lieben Kinder! Der Wechsel ist notwendig bei den Dingen in der Natur und den Ereignissen in unserem Innern. Im Himmel ist alles Frühling und damit ist seine Schönheit gemeint. Im Himmel ist alles Herbst und redet so von seiner unaufhörlichen Freude. Im Himmel ist alles Sommer, weil er die herrliche Liebe besitzt und verkündet. Aber im Himmel wird es niemals einen Winter geben. Doch hier auf Erden ist der Winter notwendig, dass wir die Selbstverleugnung lernen und üben und die tausend kleinen Tugenden.

 

Mit Liebe lesen

Als im Jahre 1993 der Katechismus der katholischen Kirche veröffentlicht wurde, gab es in München an der Universität eine Tagung, die sich mit dem neuen Katechismus befasste. Ein Teilnehmer hat davon erzählt, dass in verschiedenen Referaten und Diskussionen nur negative Kritiken und alle mögliche Einwände gegen den Katechismus vor gebracht wurden.

Während der ganzen Tagung gab es nur eine einzige positive Wortmeldung, die aber den Nagel auf den Kopf getroffen hat. Bei einer Diskussion meldete sich eine Studentin zu Wort und sagte mit großer Einfachheit: “Den Katechismus kann man nur richtig verstehen, wenn man ihn mit Liebe liest.” Es war einige Augenblicke still im Saal, niemand wusste darauf etwas zu sagen.

Darauf kommt es also an: Nur wer Gott liebt, wird immer tiefer verstehen, was die Bibel, sie Sakramente und die Kirche für ihn bedeuten. Der Heilige Geist führt ihn in die ganze Wahrheit.

 

Worauf freust du dich?

Die Mutter eines Erstkommunikanten berichtete folgende Begebenheit: Sie ging mit ihrem Sohn Michael in ein Kleidergeschäft, um für ihn einen neuen Anzug für die Erstkommunion zu kaufen. Die Verkäuferin wollte mit Michael ins Gespräch kommen und fragte: “Worauf freust du dich bei deiner Erstkommunion?” Er antwortete: “Auf die Kommunion.” Darauf sagte die Verkäuferin: “Ich meine, worauf du dich wirklich freust.” Michael sagte noch einmal: “Auf die Kommunion!” Darauf sagte sie: “Das weiß ich schon. Aber ich meine, worauf du dich ganz besonders freust.” Da schaute der Bub seine Mutter fragend an und sagte zu ihr: “Ich glaube, die checkt das nicht.”

Können wir das “checken”, wer es ist, der zu uns kommt, wenn wir die hl. Kommunion empfangen. Es ist Jesus Christus selbst mit Leib und Blut, der uns in sich verwandeln möchte.

Alles Gott übergeben

Eine Mutter erzählt: »Mein kleiner Leonhard ist in Tränen aufgelöst. Fest drückt er die Teile seines geliebten Lastwagens an sich. “Bitte, Mama, mach ihn wieder heil!”, schluchzt er. Es sind lediglich die Räder abgegangen. “Ich kann ihn wieder reparieren, aber du musst mir die Teile geben”, sagte ich ihm.

Der Kleine streckt mir den Wagenoberbau entgegen, will aber die Räder nicht aus der Hand geben. “Du musst mir schon alle Teile geben. Wie soll ich sie sonst wieder zusammensetzen?” Widerstrebend öffnet er seine Händchen und gibt mir die Räder. Schnell sind sie wieder eingesetzt, und Leonhards Tränen versiegen.

Während Leonhard an sein Spiel zurückkehrt, muss ich an meine Beziehung zum Herrn denken. Ich will ja, dass Er mein Leben heil macht, dass Er meine Fehler in Ordnung bringt. Und ich habe ihn auch darum gebeten. Aber bisher hatte ich meine eigenen Vorstellungen über die Art und Weise, wie diese Probleme geregelt werden sollten. Und wie ich meinem Jungen nicht helfen konnte, solange er mir nicht völlig vertraute und mir alle Teile seines Lastwagens auslieferte, so konnte auch Gott mich wegen meines Eigenwillens nicht erhören. Ich hatte Ihm noch nicht alle Teile meines Lebens übergeben; ich hatte sie auf meine Weise organisiert und dann gebetet: “Dein Wille geschehe!” Wie widersinnig! Ich musste aufhören, mich an die Trümmer einer Vergangenheit zu klammern, die ich nicht selbst in Ordnung bringen konnte. Ich musste lernen, auf meine fruchtlosen Bemühungen und Ideen zu verzichten, um mich mit ganzem Vertrauen Gott in die Hände zu geben. Er will ja denen, die Ihn lieben, alle Dinge zum Guten mitwirken lassen.«  Immer wieder dürfen wir vertrauensvoll die zerbrochenen Teile unseres Leben, unsere Sünden und Verfehlungen,  hinbringen zum Herrn. Das können wir so heilbringend tun in der hl. Beichte.