Sogleich öffneten sich seine Ohren

Mit den Wort “Effata” – öffne dich – hat Jesus die Ohren und den Mund eines Taubstummen berührt und geheilt. Davon hören wir im Evangelium zum 23. Sonntag im Jahreskreis (B). Bei der Feier der Taufe gibt es den sogenannten Effata-Ritus, der uns daran erinnert, dass Gott uns durch die Taufe die Ohren und den Mund geöffnet hat, damit wir auf sein Wort hören und uns zu ihm bekennen. Aber was im Sakrament an uns geschehen ist, soll auch im Leben verwirklicht werden.

Leider gibt es in unserer Zeit so viele Getaufte, die geistlich gesehen taubstumm geblieben oder geworden sind, wie der Prophet Jesaia schon zu seiner Zeit gesagt hat: die hören können und doch nicht hören, die reden können und doch stumm sind.

Die geistliche Taubheit besteht darin, dass man die Wahrheit des Glaubens und die Stimme Gottes, die zu uns im Gewissen und im Herzen spricht, nicht mehr hören kann, dass man das geistige Ohr verschließt.

Diese Art der Taubheit hat gewöhnlich auch das Stummsein zur Folge: Es besteht in der Vernachlässigung des Gebetes. Aus dem Mund des Stummen kommt keine Bitte um die Hilfe Gottes und kein Dank für empfangene Wohltaten.  Er ist auch nicht mehr imstande oder nicht mehr gewillt, sein Sünden in der heiligen Beichte zu bekennen, um die Verzeihung zu erlangen. Wer sein geistliches Ohr für den den Glauben verschließt, wird also die Sprache des Gebetes nicht gebrauchen, der kann auch nicht wirklich richtig erlösend reden und bekennen, was in seinem Herzen an Schuld verborgen ist. Es ist ein schlimmer geistlicher Zustand, wenn also ein Mensch in seiner Seele taubstumm ist. Gläubige Eltern machen oft die Erfahrung, dass ihre Kinder, die sich vom Glauben abgewendet haben, einfach nicht mehr auf das hören, was sie über den Glauben sagen. Sie sind einfach taub. Das Wort Gottes kann nicht mehr in ihre Seele eindringen.

Aber was können wir tun? Das heutige Evangelium zeigt uns hier den Weg. Dieser Taubstumme wäre damals wohl nie von selber zu Jesus gekommen, um ihn um Hilfe zu bitten, er konnte ja nichts über Jesus hören. So mussten ihn die anderen zu Jesus bringen und Jesus um Hilfe und Heilung bitten.

Genau das ist auch unsere Aufgabe. Jene, die geistlich taub und stumm sind, bemerken ihr eigenes Elend nicht und es hilft nicht, ihnen zuzureden, ihnen etwas vom Glauben, von den Geboten Gottes  zu sagen, sie hören die Worte doch nicht.

Aber wenn wir sie einerseits durch unser inständiges Gebet zum Herrn bringen und sie andererseits voll Glauben vielleicht zu einer Wallfahrt, zu einer guten Glaubensveranstaltung, zu Exerzitien, zu einem Abend der Barmherzigkeit, zu einer hl. Messe, zur Anbetung … einladen und mitnehmen, dann bieten wir dem Herrn die Gelegenheit, dass er sie in ihrem Herzen berühre und ihnen die Ohren öffne  .

 

Der hl. Josef hat nun doch geholfen

Das Jahr zu Ehren des hl. Josef lädt uns ein, auf die Fürsprache und Hilfe dieses großen Heiligen zu vertrauen. Ein gläubiges Ehepaar berichtet:

Nach ihrer Hochzeit mussten sie erfahren, dass ihre Ehe kinderlos blieb. In der Kirche, in der sie fast täglich die hl. Messe besuchten, sind sie immer zu einer Josefsstatue gegangen, um dem hl. Josef ihren Kinderwunsch anzuvertrauen. Aber es hat sich nichts geändert, es schien ihnen, dass er ihre Bitte nicht hörte. Aus beruflichen Gründen sind sie dann in eine andere Stadt gezogen. Nach einiger Zeit bekamen sie Anfang März ganz unerwartet einen Anruf von Bekannten mit der Frage, ob sie bereit wären, ein Kind zu adoptieren. Sie haben dieses Angebot mit großer Freude und großherzig angenommen.

An dem Tag als sie diese Nachricht erhielten, riss die Frau das Kalenderblatt eines Heiligenkalenders ab. Und sie staunte nicht wenig: Auf dem nächsten Blatt war jene Josefsstatue abgebildet, vor der sie so lange gebetet hatten. Das war ein überwältigendes Zeichen für sie, dass der hl. Josef nun doch geholfen hat. Als sie den Namen des Kindes erfuhren, das sie zur Adoption annahmen, durften sie noch einmal ein Zeichen Gottes erkennen, denn es hatte den Namen des Patrons jener Kirche, in der sie so viel gebetet hatten.

 

Kreuzerhöhung

Am 14. September feiern wir das Fest Kreuzerhöhung, das uns an die Auffindung des Kreuzesholzes Jesu in Jerusalem erinnert. Der hl. Paulus hat sehr tief erkannt, dass das Kreuz Christi unsere Rettung ist: “Ich bin mit Christus gekreuzigt worden; nicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt in mir” (Gal 2). Eine Geschichte aus der griechischen Mythologie, die auch die Kirchenväter auf Christus hin gedeutet  haben, zeigt uns, warum wir uns an das Kreuz Christi binden sollen.

Der Dichter Homer hat in seinem Buch der “Odyssee” die zehnjährige Irrfahrt des Helden Odysseus auf der Heimreise noch Griechenland geschildert. Er kam auf seiner Fahrt auch zu den Inseln der Sirenen. Die Sirenen faszinierten mit ihren verführerischen Stimmen die Seeleute so sehr, dass diese ihren Kurs verließen, um jenen herrlichen Stimmen zu folgen. Aber der neue Kurs war tödlich, denn die Schiffe zerschellten dann an den Klippen. Um an der Gefahr der Sirenen vorbeizukommen, ließ Odysseus seinen Gefährten die Ohren mit Wachs verstopfen und er selbst ließ sich an den Mastbaum binden, damit er nicht von den verführerischen Stimmen weggelockt werden konnte. So entkamen er und seine Gefährten der unwiderstehlichen Versuchung und sie überlebten.

Auch wir sind auf der Fahrt unseres Lebens von manchen Stimmen und Verführungen bedroht. In den gefährlichen Fahrwassern unserer Zeit müssen wir den richtigen Kurs halten und dürfen nicht ins Verderben abweichen. Aber dazu müssen wir einerseits die Ohren verschließen gegen die verlockenden Lügen dieser Welt und uns auch anbinden lassen an das Kreuz Christi, indem wir der Berufung, die uns Gott gegeben hat, treu bleiben. Wenn wir uns an die Liebe Jesu Christi, an sein Kreuz, binden, sind wir wirklich frei und unabhängig von allen anderen Stimmen. An den gekreuzigten Herrn gebunden zu sein, das ist die Freiheit des Lebens.

 

Die Vorsehung führte uns über das sturmweiße Meer

Der Polarforscher und Expeditionsleiter Sir Ernest Shackleton wurde durch seine Antarktis-Expedition (1914-1917) weltberühmt. Nicht etwa, weil er den Südpol erreichte, sondern weil er nach dem Untergang des Expeditionsschiffes im Packeis und nach einer abenteuerlichen Odyssee im Eismeer seine gesamte Mannschaft (27 Männer) lebend zurückbrachte.

Im Dez. 1914 brach Shackleton mit seinem Schiff von der Walfängerstation auf der Insel Südgeorgien nach Süden auf. Als er sah, dass sie hoffnungslos im Eis gefangen waren und das Schiff unterging, hatte er nur mehr ein Ziel, nämlich alles zu tun, um seine Mannschaft wieder heil nach Haus zu bringen. Er führte seine Leute mit viel Verantwortungsbewusstsein, Einfühlungsvermögen, Moral und strahlte im Vertrauen auf die Vorsehung einen Optimismus aus, mit dem er in jedem Rückschlag eine neue Chance sah. Er hat von seinen Leuten viel verlangt, aber war auch selber bereit, mit großer Selbstlosigkeit, alles zu geben. Als z.B. einer aus der Crew bei einer Bootsfahrt seine Handschuhe verlor, gab ihm Shackleton die seinen und hatte als Konsequenz unter Erfrierungen seiner Finger zu leiden.

Sie haben fast zwei Jahre festgesessen in dieser unwirtlichen Welt. Mit den Rettungsbooten konnten sie Elephant Island erreichen. Shackleton beschloss dann, mit fünf Männern in einem der Rettungsboote die über tausend Kilometer entfernte Walfangstation auf der Insel Südgeorgien zu erreichen, von der sie aufgebrochen waren. 15 Tage lang waren sie unterwegs auf einer Nussschale in einem riesigen Ozean. Völlig erschöpft kamen die sechs Männer in Südgeorgien an, aber auf der falschen Seite. Die Station war auf der anderen Seite der Insel, die mit hohen verschneiten Bergketten durchzogen war.

Shackleton machte sich mit zwei Gefährten auf den Weg über die Berge. Es war ein Gewaltmarsch von 36 Stunden mit nur kurzen Pausen.  Bei einer dieser Pausen waren seine Gefährten vor völliger Erschöpfung sofort eingeschlafen. Shackleton wusste natürlich, wenn sie ein paar Minuten zu lange schlafen, werden sie an Erfrierung sterben. Er hat sie nach 5 Minuten geweckt. Und als sie ihn fragten, wie lange sie geschlafen haben, sagte er, eine halbe Stunde, um ihnen den Mut zu vermitteln, dass sie ausgeruht sind und genug Kraft haben, um die Berge zu überwinden. Und sie hatten es geschafft, die Station erreicht. Nach vielen vergeblichen Versuchen gelang es Shackleton auch, die gesamte zurückgelassene Mannschaft auf Elephant Island zu retten.

Es war wie ein Wunder, denn viele andere Expeditionen, die in dieser Zeit unternommen wurden, verzeichneten eine Reihe von Todesopfern.

Es wurde später viel über den weisen und klugen Führungsstil von Shackleton geschrieben. Kennzeichnend war für ihn vor allem die Selbstlosigkeit, mit der er sich immer um das Wohl seiner Gefährten sorgte. Er war kein besonders religiöser Mann, aber er war sich dessen bewusst, dass Gottes Vorsehung ihn auch in allen Rückschlägen begleitet. In sein Tagebuch schrieb er:

“Wenn ich auf diese Tage zurückblicke, habe ich keinen Zweifel daran, dass die Vorsehung uns nicht nur über diese Schneefelder, sondern auch über das sturmweiße Meer führte, das Elephant Island von unserem Landeplatz auf Südgeorgien trennte. Ich weiß, dass es mir während dieses langen und quälenden Marsches von sechsunddreißig Stunden über die namenlosen Berge und Gletscher Südgeorgiens oft vorkam, als wären wir vier und nicht drei. Ich habe meinen Kameraden gegenüber nichts dazu gesagt, aber später sagte Worsley zu mir: ‘Boss, ich hatte auf dem Marsch das seltsame Gefühl, dass noch eine weitere Person bei uns war.’ Crean gestand, dass er denselben Gedanken hatte.”

Gott ist bei denen, die sich selbstlos hingeben zum Heil und zur Rettung der andern.

 

Der weinende Engel

Der russische Dichter Fjordor Dostojewski hat in einer eindrucksvollen Geschichte die Wahrheit veranschaulicht, dass die Liebe zu Gott und den Menschen – auch wenn sie nur ein kleiner Funke ist – uns retten kann für das ewige Leben. Auf der anderen Seite besteht die Hölle darin, dass der Mensch sich im Egoismus verschließt und die andern mit Füßen tritt.

»Es war einmal eine Frau, die war böse, sehr böse und starb. Sie hinterließ nicht eine einzige Spur einer guten Tat. Sie wurde von den Teufeln ergriffen und in den Feuersee geworfen. Aber ihr Schutzengel stand da und dachte darüber nach: Könnte ich mich nur dessen erinnern, dass sie irgend etwas Gutes getan hat, so dass ich es Gott sagen könnte. Es fiel ihm etwas ein, und er sprach zu Gott: “Sie hat in ihrem Gemüsegarten eine kleine Zwiebelpflanze ausgerissen und sie einer Bettlerin geschenkt.” Und Gott antwortete ihm: “Nimm diese kleine Zwiebelpflanze und reiche sie ihr zum See hinab, die mag sie anpacken und sich daran herausziehen. Und wenn du sie aus dem See herauszuziehen vermagst, so mag sie ins Paradies eingehen. Wenn aber das Zwiebelkraut abreißt, so soll die Frau bleiben, wo sie sich jetzt befindet.” – Der Engel lief zu der Frau, reichte ihr die kleine Zwiebelpflanze hin und sagte: “Da, Frau, fass an und zieh dich daran heraus.” Und er fing an, sie vorsichtig an sich heranzuziehen. Und beinahe hätte er sie herausgezogen. Aber als die übrigen Sünder in dem See sahen, dass man jene herauszog, da hängten sich alle an sie, damit sie zugleich mit ihr herausgezogen würden. Die Frau aber wurde böse und begann mit den Füßen nach ihnen zu treten. “Ich soll herausgezogen werden und nicht ihr, es ist mein Zwiebelchen und nicht eures.” So wie sie das ausgesprochen hatte, riss das Zwiebelkraut ab. Die Frau fiel in den See zurück, und da brennt sie bis auf den heutigen Tag. Der Engel aber fing an zu weinen und ging fort.«

 

Ich entdeckte die Perle, nach der ich suchte

“Gott will, dass alle Menschen gerettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit gelangen” (1Tim 2,4), sagt der hl. Paulus. Auch heute, in einer so verwirrenden Zeit, führt der Herr die Menschen durch seine weise Vorsehung zu dieser Erkenntnis der rettenden Wahrheit. Auf der Internetseite “The Coming Home Network International” kann man viele wunderbare Zeugnisse finden, wie Menschen aus verschiedensten Richtungen im katholischen Glauben die Erfüllung ihrer Sehnsucht des Herzens gefunden haben.  Hier einige Abschnitte aus dem Zeugnis von Kira Cuipek aus Kansas (USA):

“Ich war kein Weltenbummler, aber ich war ein Kirchenhüpfer. Die meiste Zeit meines Lebens trieb ich mich in den verschiedenen Konfessionen herum, bewunderte ihre Schönheit und rätselte über ihre Unterschiede. Ich schloss mich einer Kirche nach der anderen an, zog von Texas nach Tennessee, dann nach Kalifornien und zurück nach Texas und probierte konfessionslose, presbyterianische, evangelikal-freikirchliche, amerikanisch-baptistische und südbaptistische Denominationen aus. Schließlich, im Alter von 49 Jahren, fand ich das, wonach ich mein ganzes Leben lang gesucht hatte: die katholische Kirche. Seltsamerweise war es die Bibel, die mich dorthin geführt hat.

Ich begann mit einer methodischen Überprüfung aller Kirchen, denen wir angehörten, und fragte: “Wie konnte der Heilige Geist den verschiedenen Gruppen unterschiedliche Auslegungen der Schrift geben, wenn Jesus doch wollte, dass wir ‘eins’ sind” (Joh 17,11)? Meine Nachforschungen brachten mich zu dieser verblüffenden Erkenntnis: Ohne Einigkeit über die Wahrheit – und eine anerkannte Autorität, die sie auslegt – würde es niemals die von Jesus versprochene Einheit geben.

Schließlich betete ich eines Tages beim Abwaschen am Spülbecken das drastischste und gefährlichste Gebet meines ganzen Lebens.

“Herr”, sagte ich, “ich kann keine Kirche finden, die die Einheit zeigt, die du in der Bibel versprochen hast.

Dann flüsterte ich voller Angst und Bangen und unter Tränen diese Worte: ‘Herr, ich trete aus der heutigen Kirche aus. Ich gehöre zu keiner von ihnen; ich gehöre nur zu Jesus Christus.’

Im Moment meiner tiefsten Verzweiflung begann Gott auf wundersame Weise zu handeln. Es war fast so, als hätte er darauf gewartet, dass ich diese Worte ausspreche.” Kira lernt einige katholische Freunde kennen, die ihre vielen Fragen über die Berufung, den Willen Gottes und vor allem über das Sakrament der Eucharistie beantworteten.

“Ihre Antworten spiegelten viele meiner eigenen Überzeugungen wider, die ich durch jahrelanges Lesen der Heiligen Schrift gewonnen hatte. Mein Herz füllte sich mit Hoffnung. … Ich glaube, ich hatte schon immer ein katholisch geformtes Herz!

Ostern 2010 wurde ich freudig in die eine, heilige, katholische und apostolische Kirche aufgenommen und empfing die Eucharistie. … Ich hoffte und betete, dass mein Mann sich mir bei diesem Glaubenssprung anschließen würde. Aber das tat er nicht. Im Jahr 2011 beantragte er die Scheidung.

Ich verlor meinen Mann, mein Zuhause und viele Freunde, um katholisch zu werden. Dennoch habe ich mich entschieden, katholisch zu bleiben und meinem Eheversprechen treu zu sein, in der Hoffnung, dass mein Mann eines Tages zurückkehrt. Ich trage meinen Ehering, um unseren Kindern ein Beispiel für die Treue Christi zu geben, der uns nie verlässt. Ich wachse weiter in meinem Glauben durch die Sakramente und besuche eine nahe gelegene Pfarre. Zum Glück haben meine Eltern meinen Übertritt zum Katholizismus akzeptiert … Die streitbare Beziehung, die mein Vater und ich viele Jahre lang hatten, wurde geheilt, nachdem ich katholisch geworden war, und in den letzten acht Jahren seines Lebens waren wir füreinander die besten Freunde. Ich bin dankbar für die Jahre, in denen ich zwischen den Kirchen hin und her gewechselt bin, denn es waren diese Pastoren und Lehrer in verschiedenen Konfessionen, die mir den Zugang zur Heiligen Schrift eröffneten. Sie gaben mir ein solides christliches Fundament. Und ich habe immer noch ein paar protestantische Freunde. Dennoch war es mein tiefes Bibelstudium, das mich schließlich zur “Fülle” führte. Ich entdeckte die katholische Kirche und die Eucharistie, die Perle von großem Wert, nach der ich mein ganzes Leben lang gesucht hatte.”

 

Der gute Hirte rettet die Schafe

Ein schottischer Schafhirte berichtet über seine Erfahrung: Auf seinen Wanderungen durch das Hochland können sich die Schafe leicht verirren. Sie gelangen dabei an Orte, aus denen sie nicht mehr herauskommen. Das Gras auf diesen Bergen ist sehr süß und die Schafe mögen es. Sie springen dann auch auf gefährliche Klippen und Felsvorsprünge von drei bis vier Meter hinab und können dann nicht mehr zurück. Der Hirte hört sie dann in ihrer Not blöken. Tagelang lässt er sie dort sein, bis das ganze Gras aufgefressen ist. Er wartet, bis das Schaf so schwach ist, dass es nicht mehr stehen kann. Dann erst steigt er hinab und legt einen Strick um das Schaf, um es dann heraufzuziehen.

Auf die Frage, warum er nicht gleich zu diesem verirrten Schaf hinabsteige, sagt er, weil die Schafe so dumm sind; wenn man ihnen in dieser Situation zu früh nahe kommt, besteht die Gefahr, dass sie sich vor Scheu und Schreck direkt in den Abgrund hinabstürzen, und das wäre tödlich für sie. Nicht umsonst hat Jesus sich als der “Gute Hirt” geoffenbart. Er kennt seine Schafe und führt sie auf gute Weide. Wenn wir aber irgendwo anders unser Futter suchen, so weiß er auch, wie lange er uns “grasen” lässt, bis wir erkennen, in welche Not wir uns gebracht haben. Wenn wir dann aber zu ihm rufen, hört er uns, geht uns nach und holt uns zurück zur Herde.

 

Schmerzensmutter und Mittlerin aller Gnaden

Am 15. September feiert die Kirche den Gedenktag der Schmerzen Mariens. Der greise Simeon hat bei der Darstellung Jesu im Tempel der Gottesmutter angekündigt, dass ihre Seele ein Schwert durchdringen wird. Dies hat sich am Kalvarienberg erfüllt, als sie unter dem Kreuz stand und mit Jesus alle Leiden mitgetragen hat, die Jesus für uns auf sich nahm. Den Schmerz des Lanzenstiches, mit dem das Herz Jesu durchbohrt wurde, hat sie im Herzen verspürt, da Jesus ja schon tot war.

So ist Maria zur Miterlöserin und Vermittlerin aller Gnaden geworden. Papst Benedikt XV. (1918) begründet das: „So wie sie litt und fast mit ihrem leidenden und sterbenden Sohn starb, so verzichtete sie für die Rettung der Menschen auf ihre Rechte als Mutter auf diesen Sohn und opferte ihn auf, um die göttliche Gerechtigkeit zu besänftigen, sodass gerechterweise gesagt werden kann, dass sie zusammen mit Christus das Menschengeschlecht erlöst hat. Aus diesem Grund werden offensichtlich all die verschiedenen Gnaden des Schatzes der Erlösung auch durch die Hände der Schmerzensmutter verteilt” (Apostolisches Schreiben Inter sodalicia, 22. März 1918).

In diesen beunruhigenden Zeiten, die viele Leiden mit sich bringen, kann unser Vertrauen in die Hilfe der Gottesmutter nicht groß genug sein. Als Schmerzensmutter kennt sie unsere Nöte und kann uns trösten. Da sie als Miterlöserin und Mittlerin aller Gnaden auch unsere Königin ist, dürfen wir nicht vergessen, dass Gott ihr die Aufgabe übertragen hat, in die Geschichte einzugreifen und sich dem Handeln des Teufels zu widersetzen. Denken wir an die vielen Einladungen zu Gebet, Opfer, Bekehrung und zur Weihe an ihr unbeflecktes Herz, die sie in ihren Erscheinungen an uns gerichtet hat.

 

Die verklärende Kraft des Gebetes

Am 6. August feiern wir das Fest der Verklärung des Herrn. Jesus hat durch seine Verklärung auf dem Berg Tabor den Aposteln Petrus, Jakobus und Johannes seine verborgene Auferstehungsherrlichkeit geoffenbart. Er wollte sie damit auf sein Leiden und Sterben vorbereiten, damit sie, wenn sie Jesus am Kreuz sehen, nicht irre werden im Glauben an seine Macht und Gottheit.

Was Jesus damals mit diesen drei Jüngern getan hat, das will der Herr auch heute mit uns tun. Er möchte uns zu einer neuen Sichtweise führen, in der wir die herrliche Gegenwart Gottes erkennen, die hinter dieser sichtbaren Welt verborgen ist und an die Auferstehung glauben. Es kommt in unserem Leben sehr darauf an, wie wir die Dinge sehen, in welchem Licht wir vor allem die Kreuze und Leiden sehen, damit wir nicht im Glauben an die Liebe Gottes irre werden. Die Verklärung auf dem Berg zeigt uns, wie wir zu dieser geistlichen Schau der Herrlichkeit Christi gelangen.

Das Erste ist die Übung des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe. Das ist mit den drei Aposteln angedeutet, die Jesus auf den Berg mitgenommen hat. Petrus verkörpert den Glauben; Jakobus die Hoffnung, da er als erster der Apostel das Martyrium erlitten hat; Johannes stellt die Liebe dar.

Das Zweite ist die Sammlung des Herzens. Es heißt: “Jesus nahm sie beiseite und stieg mit ihnen auf einen Berg, um zu beten.” Wir müssen unsere Seele von Christus auf diesen einsamen Berg des Gebetes führen lassen. Die Welt gaukelt uns so vieles vor. Man muss immer wieder versuchen, sich von allen möglichen Ablenkungen loszulösen, um zum Gebet zu kommen. Ein Besuch beim Allerheiligsten in der Kirche könnte für uns dieser Taborberg sein.
Ein Drittes: Es heißt im Lukasevangelium ausdrücklich, dass die Verklärung des Herrn geschah, während er betete. Im Gebet liegt also die wesentliche Kraft, durch die wir zu einer tieferen Sicht des Lebens gelangen. Denn durch das Gebet wird uns die Gnade des Himmels mitgeteilt. Echtes Gebet ist in einer bestimmten Weise immer eine Verklärung des Geistes, eine Anteilnahme an der Auferstehung des Herrn. Der heilige Franz von Sales sagt: “Das Gebet stellt unseren Geist in die Helle des göttlichen Lichtes und unseren Willen in die Wärme der göttlichen Liebe. Darum gibt es nichts, was so geeignet wäre, den Geist von seiner Blindheit und den Willen von seinen schlechten Neigungen zu reinigen wie das Gebet. Menschen, die sich von Christus auf den Berg der Verklärung führen lassen, haben einen anderen Blick auf diese Welt, weil sie gelernt haben, alles im Lichte Gottes und in der Kraft seiner Auferstehung zu sehen. Und das verändert und wandelt vieles: zuerst sie selbst und dann auch die anderen.

 

Am 8. August ist der Gedenktag des hl. Dominikus (1175-1221). Er ist der Gründer des Dominikanerordens und hat durch seine Predigt und Verbreitung des Rosenkranzgebets viele Menschen wieder zum katholischen Glauben bekehrt. Über ihn wird berichtet, dass er einmal in Carcassonne (Südfrankreich) predigte. Die Leute brachten einen Mann zu ihm, der von Dämonen besessen war, weil er das Rosenkranzgebet verurteilt hatte.

Nachdem der heilige Dominikus den Dämonen befohlen hatte, zu sagen, ob alles, was er über den Rosenkranz predigte, wahr sei, schrien die Dämonen: “Was Dominikus, unser Feind, über Maria und den Rosenkranz sagt, ist vollkommen wahr.” Und sie fügten hinzu: “Maria, die Mutter Gottes, ist unser größter Feind; sie wirft alle unsere Pläne um; ohne sie hätten wir die ganze Kirche tausendmal erschüttert.”

Dann bekannten sie, dass sie nichts gegen die Diener Mariens tun konnten und dass es viele gab, die trotz ihrer Fehler dem ewigen Tod entkommen seien, indem sie den Namen Mariens anriefen. Sie schlossen mit den Worten: Wir sind gezwungen zu erklären, dass keiner von denen, die bei der Verehrung Mariens und des Rosenkranzes bleiben, in die Hölle kommt, weil die Muttergottes für die Sünder vor deren Tod eine wahre Umkehr erlangt.