Maria erbittet uns den Heiligen Geist

In der Apostelgeschichte wird uns berichtet, dass Maria mit den Jüngern im Abendmahlssaal vereint war, als sie auf das Kommen des Heiligen Geistes warteten: „Sie alle verharrten dort einmütig im Gebet, zusammen mit den Frauen und mit Maria, der Mutter Jesu, und mit seinen Brüdern“ (Apg 1,14).

Maria hat mit ihrer Fürbitte das Kommen des Heiligen Geistes für die junge Kirche erwirkt, da sie ja als Braut des Heiligen Geistes von Anfang an zutiefst mit ihm verbunden war. Er hat an ihr die größten Wunder gewirkt: ihre unbefleckte Empfängnis und die Menschwerdung des Gottessohnes in ihrem Schoß. Und jetzt, als das Pfingstfest kam, wurde Maria erneut erfüllt vom Heiligen Geist. Welche Bedeutung Pfingsten für Maria hatte, das hat Romano Guardini wunderbar dargestellt:

„Es muss etwas göttlich Großes gewesen sein, als ihr, die ‚alles im Herzen bewahrte‘, durch das Licht des Geistes alles klar wurde: der Zusammenhang des Daseins Jesu sich erschloss. Durch die Jahre von Jesu öffentlichem Leben hatte sie in heroischem Glauben die Zuversicht aufrechterhalten müssen; jetzt empfing sie die Antwort, leuchtend und alles lösend.

Man denkt leicht, sie müsse doch von jeher den Herrn verstanden haben, besser als irgend jemand. Menschlich – soweit hier von Menschlichem die Rede sein kann – ohne jeden Zweifel. Historisch gesprochen war niemand wie sie in der Lage, Auskunft über ihn zu geben.

Auf der andern Seite aber steht nicht umsonst im Evangelium, dass sie ‚das Wort nicht verstanden, das er ihnen sagte‘. Wahrscheinlich hätte sie ein wirkliches Verstehen gar nicht ertragen können. Der Gang echter Erfahrung des glaubenden und liebenden Lebens ist größer als die Vorwegnahme von Dingen, die in der Führung Gottes erst später ihren Platz haben. Zu erkennen, dass das Kind, der Knabe, der Jüngling, der Mann, der in ihrer Nähe lebte, Sohn Gottes in dem Sinne sei, wie er nach Pfingsten offenbar wurde, hätte sie wohl in einen unerträglichen Zustand versetzt. Jene Sicherheit, ohne die ein mütterliches Dasein nicht möglich ist, wäre verschwunden. Nun aber kann sich, soweit das auf Erden möglich ist, Gottes Geheimnis enthüllen. Sie braucht keinen Schutz gegen die Übergröße mehr. Sie vermag die beiden Sätze: ‚Er ist der Sohn des ewigen Vaters‘ und ‚er ist dein Sohn‘ zusammenzudenken, ohne daran zu vergehen oder auch nur verwirrt zu werden. Ja, sie erkennt in dieser Einheit den unsäglichen Inhalt ihrer Berufung.“

In einer Familie ist es meist die Mutter, die ihre Kinder daran erinnert, welche Termine sie haben und was zu tun ist, damit sie nichts vergessen. Das tut auch Maria als unsere Mutter in der Kirche. Wenn wir sie lieben, sie verehren, unser Leben ihr weihen und nach ihrem Wunsch den Rosenkranz treu beten, dann wird sie uns den Heilige Geist erbitten und tiefer einführen in die alles überragende Erkenntnis Jesu Christi. Sie wird uns an alles erinnern, was der Herr uns gesagt hat.

 

Selbstgespräch?

In einer Realschule in einer mittelenglischen Großstadt sollten Schüler im Religionsunterricht auf einen Zettel schreiben, was für sie das Schlimmste wäre, das passieren könnte. Atomkrieg und unheilbare Krankheiten wurden hauptsächlich genannt. Doch auf einem Zettel stand eine sehr ungewöhnliche Antwort: „Wenn alle Gebete nur Selbstgespräche wären.“

Ein leerer Himmel wäre wirklich die größte Katastrophe. Doch als Christen wissen wir um die Gegenwart Gottes, der uns hört und erhört; auch all seine Engel und Heiligen hören uns und sind unsere Fürsprecher bei Gott. Unser Gebet ist kein Selbstgespräch. In den Bedrängnissen dieser Welt sind wir nicht allein, auch wenn es uns manchmal so erscheinen mag. Jesus hat uns ausdrücklich aufgefordert, uns mit allen Bitten an unseren Vater im Himmel zu wenden. „Bittet, dann wird euch gegeben; sucht, dann werdet ihr finden; klopft an, dann wird euch geöffnet. … Wenn nun schon ihr, die ihr böse seid, euren Kindern gebt, was gut ist, wie viel mehr wird der Vater im Himmel den Heiligen Geist denen geben, die ihn bitten“ (Lk 11,13).

 

Verborgene Christen

Er wollte den Islam verteidigen und wurde dabei zum Christen. In einem Bericht schreibt er: „Mein Name ist Rachid, ich bin geboren und aufgewachsen in einer konservativen islamischen Familie in Marokko. Mein Vater war der Imam des Dorfes, in dem ich viele Jahre lebte. Von der christlichen Version von Jesus Christus hörte ich das erste Mal in einem Radioprogramm. Der Beitrag provozierte mich als Muslim. Ich wollte meinen muslimischen Glauben gegen den christlichen Glauben verteidigen und begann, über vier Jahre hinweg den Anbietern des Programms zu schreiben. Es endete damit, dass sie mich überzeugten und ich Ende 1989 zum Christentum übertrat.

Meine Familie erfuhr erst später von meinem neuen Glauben. Ich wurde von ihnen verstoßen und von den marokkanischen Behörden verfolgt. Unter diesem Druck musste ich nach Jahren des Kampfes mein Land verlassen. Dies ist nicht nur meine Geschichte, es ist die Geschichte von Tausenden Muslimen, die in der islamischen Welt zum Christentum konvertieren. Viele von ihnen leben sehr verborgen und wenn jemand ihr Geheimnis lüften würde, verwandelte sich ihr Leben in die Hölle auf Erden.

Als ich in Marokko lebte, lernte ich dortige muslimische Konvertiten über das Radioprogramm kennen, mit dem ich jahrelang korrespondiert hatte. Wir trafen uns heimlich bei uns zu Hause. Wir schmuggelten Bibeln über Spanien ins Land, weil Bibeln in arabischer Sprache hierzulande verboten sind. Wir schlossen die Fenster, um singen und beten zu können, ohne bemerkt zu werden. Einige von uns wurden verhaftet, andere bedroht, drangsaliert, befragt oder zu jahrelangen Gefängnisstrafen verurteilt. Tausende marokkanische Christen leben im Untergrund und fürchten Verfolgung und gesellschaftliche Ächtung. Nicht nur in Marokko leben christliche Konvertiten, sie finden sich überall in der muslimischen Welt, vor allem aber in Marokko, Algerien, Tunesien, Ägypten, Irak und Iran.“

 

Jesus – die Nummer eins in meinem Leben

Gordon Haupt (Jahrgang 1992) war erfolgreicher Profi-Kickboxer. Als „German Barbarian“ (so sein Kampfname) zerlegte er seine Gegner schnell und gnadenlos. Seinen wichtigsten Kampf gewann er, als er sich dem größten Champion ergab: Jesus Christus. In Zeugnissen und Interviews erzählt er über seinen Weg zum katholischen Glauben.

„Ich bin ja nicht christlich aufgewachsen. Ich habe erst ganz spät zum Glauben gefunden.“ Mit 16/17 Jahren hat Gordon mit dem Kick-Boxen angefangen. Von seinen Trainern wurde ihm bald ein großes Talent für diesen Sport zugesprochen, so dass er bald bei Kämpfen mitmachte und zur Profiweltklasse aufstieg. Aber inmitten dieser internationalen Kampf-Veranstaltungen begann er sich für Jesus zu interessieren und begann, sich mit der Bibel zu beschäftigen. Er suchte im Internet nach Predigten und saugte wie ein Schwamm alles auf, was er über den Glauben finden konnte. Bei einem Kampf in Russland begegnete er auch orthodoxen Priestern, die ihn sehr beeindruckten.

Er sagt: „Ich habe mich dann immer mehr dem Herrn zugewendet, und irgendwann kam der Punkt, an dem ich gesagt habe: ‚Man kann nicht zwei Herren dienen.‘ Wie der Herr sagt: ‚Man wird den einen hassen und den anderen lieben, man wird sich an den einen hängen und den anderen verstoßen‘. Und der Herr sagt auch: ‚Wer sein Leben retten will wird es verlieren, wer es um meinetwillen verliert, der wird es gewinnen.‘ Da wusste ich, okay, da Jesus für mich am Kreuz gestorben ist und meine Sünden auf sich genommen hat aus Gnade, da hat der Herr Jesus das Anrecht darauf, die Nummer eins in meinem Leben zu sein. Ja aber die Nummer eins in meinem Leben war zu diesem Zeitpunkt das Kick-Boxen. Zweimal am Tag Training, immer den Kämpfen entgegenfiebern … da wusste ich, ich kann nicht zwei Herren dienen, ich kann nicht Gott dienen und dem Mammon. Auf jeden Fall habe ich ganz kurzfristig entschieden, ich werde meine Karriere mit Kick-Boxen beenden, ich werde alles über den Haufen werfen und dem Herrn Jesus nachfolgen. Und das habe ich dann auch gemacht. Dann hat mich der Herr auch sehr gesegnet. Ich habe eine tolle Frau gefunden, geheiratet, eine Familie gegründet.“

Da Gordon nichts anderes kannte, schloss  er sich zuerst einer evangelikalen Freikirche an. Aber seine Suche nach der Wahrheit war damit noch nicht zu Ende. 2020 wurde er katholisch.

Er sagt: „Ausschlaggebend für mich, katholisch zu werden, war das Verständnis der hl. Eucharistie … Dieses Verständnis hat sich mit meinem gedeckt, aufgrund der Aussagen des Herrn: ‚Dies ist mein Leib‘ (Lk 22,19). … Ich war auch dem Irrtum verfallen, dass Katholiken Maria anbeten, wie man es oft aus protestantischen Kreisen hört. Dem wollte ich auf den Grund gehen, stimmt das wirklich? Dazu holte ich mir einige Bücher über Mariologie, welche mich wirklich fesselten. Ganz schnell erkannte ich, dass es nicht so ist. … Zuletzt, als ich mich immer noch dagegen wehrte, katholisch zu werden, wollte ich prüfen, was die Christen der ersten Jahrhunderte glaubten. … Dann begann ich, systematisch die Kirchenväter zu studieren. Ich begann bei den Schülern der Apostel und erkannte sehr schnell, dass diese durch und durch katholisch waren. Das Zentrum des Glaubenslebens war bei den ersten Christen die Eucharistie, welche wahrhaft Fleisch und Blut unseres Herrn Jesus Christus ist. … Das Beste daran, katholisch zu sein, ist die totale und uneingeschränkte Einheit mit dem Herrn Jesus Christus in der heiligen Eucharistie.“

 

Dieses Mädchen war heilig

Bischof Henry Joseph Kennedy (1915-2003) war 20 Jahre lang Bischof der Diözese Armidale in Australien. Er berichtet von einem Firmerlebnis, das er einst als Weihbischof von Brisbane Ende der 60er Jahre hatte. Es prägte sein weiteres Leben als Bischof maßgeblich.

An einem Sonntagmorgen sollte er in einer Pfarrei in Brisbane die Firmung spenden. Im Pfarrhaus begegnete er in der Küche einer Frau, die immer kam, um für den Pfarrer zu kochen. Als sie ins Gespräch kamen, bat ihn die Frau: „Herr Bischof, würden Sie Tammy segnen, die hier auf dem Stuhl sitzt?“ Und sie sagte weiter: „Herr Bischof, Tammy wird nicht mit Ihnen sprechen können, sie ist stumm, und, Herr Bischof, sie wird auch nicht hören können, was Sie sagen, sie ist taub … sie ist auch blind, und außerdem kann sie nicht auf eigenen Füßen stehen, weil sie Spastikerin ist.“ – „Da stand ich also vor einem Kind, das nie gesprochen, nie einen Laut gehört und nie einen Gegenstand gesehen hatte, das auch nicht aus eigener Kraft umhergehen konnte, und ich fragte mich: ‚Was hat das alles für einen Sinn und Zweck?‘ Und plötzlich kam mir der Gedanke: ‚Hier ist ein Mädchen, das noch nie eine Sünde mit den Augen, der Zunge und den Ohren begangen hat; das nie einen Ort betreten hat, an dem es eine Sünde hätte begehen können. Dieses Mädchen war heilig. … ‚“

„Als ich die Frau fragte: ‚Ist das Ihr Kind?‘, verneinte sie und erzählte mir ihre Geschichte: ‚Ich war gerade für sechs Monate im Krankenhaus, als dieses Kind geboren wurde. Eines Tages kam der Arzt in das Zimmer, in dem ich als Patientin lag, und sagte: ‚Unten auf der Kinderstation ist ein Kind und wenn es nicht bald von irgendjemandem ein wenig Zuneigung und Liebe bekommt, wird es für den Rest seines Lebens, ob kurz oder lang, nur dahinvegetieren.‘ Ich war so berührt davon, dass ich sagte: ‚Doktor, ich nehme dieses Kind! Ich werde mich nach besten Kräften um es kümmern, und unsere Nachbarin, mein Mann und meine fünf Kinder werden Tammy, dieses kleine Wesen, mit Liebe und Zuneigung überhäufen.'“

Die Frau vertraute dem Bischof auch an, dass ihre Ehe damals am Zerbrechen war. „Die Harmonie und die Liebe, die eine Familie zusammenhält, schienen dahingeschmolzen zu sein. Doch ab dem Moment, als Tammy zu uns kam und die Kinder anfingen, sie mit Zärtlichkeit und Liebe zu überschütten, stellten mein Mann und ich fest, dass dies auch der Wendepunkt, ein neues Zueinanderfinden in unserer Ehe war. Tammy hat sie gerettet, sie brachte uns wieder zusammen und seither herrschen Harmonie, Frieden, Liebe und Zuneigung unter den Kindern, meinem Mann und mir. Wir lieben Tammy über alles, und sie kennt uns. Sobald wir unsere Hand auf sie legen, weiß sie, dass sie in den Händen derer ist, die sich um sie kümmern und sie lieben.“

„Ich hatte das Privileg, Tammy an besagtem Sonntagmorgen zu firmen. Man musste sie zur Kirche bringen und zum Altar vortragen, damit sie das Sakrament der Firmung empfangen konnte. Tammy starb dann im Alter von 15½ Jahren.“

 

Wenn DU das für mich getan hast …

Der 4. Sonntag in der Osterzeit ist der Weltgebetstag um geistliche Berufungen. Er wird auch „Guthirtensonntag“ genannt. Die Kirche lädt uns ein, Christus, den Guten Hirten, inständig um geistliche Berufungen zum Priestertum und Ordensleben zu bitten. Er selbst hat uns diesen Auftrag gegeben. Dass dieses Gebet auch heute Frucht bringt und junge Menschen auf die Stimme des Guten Hirten hören und ihm folgen, zeigt uns das wunderbare Zeugnis von Schwester Maria Johanna Theresia vom Kreuz, die 2019 in das Karmelkloster in Aufkirchen eingetreten ist. Sie schreibt:

„Das Geschenk meiner Berufung begann mit der Gottesmutter unter dem Kreuz. An ihrem Festtag, dem 15. August, haben wir uns als Familie die Passionsspiele im Nachbarort angeschaut und dabei hat mich Jesus bei der Kreuzigungsszene tief berührt. Die Tränen, die äußerlich flossen, waren nur ein schwacher Ausdruck dessen, was IN mir vor sich ging. Mir war augenblicklich klar: ‚Wenn DU das für mich getan hast, mein Jesus, dann will ich dir mein GANZES Leben schenken.‘ Ab diesem Zeitpunkt (ich war damals 13 Jahre alt) war die hl. Messe und das Gebet (vor allem der tägliche Rosenkranz) nicht mehr nur Pflichterfüllung aus Gehorsam und Liebe meinen Eltern gegenüber, sondern meine persönliche Herzensangelegenheit. Das Ereignis hatte sich tief in mein Herz eingegraben, aber in meiner jugendlichen Leichtsinnigkeit hatte ich es vorübergehend schnell vergraben. Mit meiner unglaublich kontaktfreudigen und extrovertierten Art war das Nachtleben eine Versuchung, der ich nicht widerstehen konnte. Somit war ich über ein paar Jahre hindurch ziemlich zweigleisig unterwegs: Zum einen jagte eine Party die andere, zum anderen nahm ich an unzähligen religiösen Veranstaltungen verschiedenster Art teil. Darunter wurde die Jugendvigil in Heiligenkreuz während dieser turbulenten Zeit ein Fixpunkt, der mir sehr half und mich maßgeblich prägte.

Meine tiefe Sehnsucht nach Gott wurde immer stärker und so folgten Exerzitien und auch einige Klosterbesuche. Alles war immer toll, aber nichts konnte mich so richtig zufriedenstellen. Ich entschied mich, den LAK-Kurs zu machen, um meinen Glauben zu vertiefen und in der Hoffnung, in diesem Rahmen und Umfeld weiter Wegweisung für meinen Weg zu finden. Tatsächlich wurden die nächsten Schritte sichtbar: geistliche Begleitung und das Theologiestudium an der Hochschule Heiligenkreuz. Es folgte eine unvergleichlich schöne Studienzeit, bei der kein Tag ohne hl. Messe verstrich. Die Teilnahme am hl. Messopfer war für mich unverzichtbar geworden. Die Studienzeit endete jedoch schon nach vier Semestern; denn als der Herr endlich rief, war mir klar, dass es keinen Aufschub geben durfte: Meine ignatianischen Einzelexerzitien in dieser Zeit schlossen mit dem Ergebnis, dass ich mir den Karmel in Aufkirchen anschauen sollte. Was vorher durch ganze elf Jahre an Prüfungs-, Reinigungs- und Läuterungszeit (!) vorbereitet worden war, war nun mit einem Schlag klar: Schon beim Klingeln an der Klosterpforte war mir bewusst – das ist mein Zuhause.

Mittlerweile bin ich fast zwei Jahre hier; unglaublich glücklich und dankbar für das Geschenk meiner Berufung. Auszusprechen, was dieses Leben hier an Glück und Erfüllung bedeutet, ist (mir) unmöglich. Gott hat mich durch viele Höhen und Tiefen geführt, um die Sehnsucht nach ihm zu steigern und um mir zu zeigen: Alles, was die Welt dir bietet, kann dich letztlich nicht zufriedenstellen und glücklich machen. Unsere Seele ist so erhaben und groß, dass nur Gott sie ganz erfüllen kann. Oder mit den Worten unser hl. Mutter Theresa: Gott allein genügt.“

 

Weil ich mich für Gott ‚interessierte‘

Schwester Daniela: „Weil ich mich für Gott ‚interessierte‘, studierte ich Theologie. Während des Studiums verstand ich, dass Gott sich auch für mich ‚interessierte‘, und zwar so sehr, dass er mich einlud, IHM mein ganzes Leben zu schenken. Dieser Ruf brachte mich ziemlich durcheinander… Ich wollte doch niemals in ein Kloster gehen! Irgendwann verstand ich: Der Gott der Liebe muss mein Glück wollen. Sein Wille bedeutet Glück für mich!

Dieser Gedanke hat mir geholfen, meinem Glück auch wirklich zu folgen. So bin ich nun seit acht Jahren Schwester im ‚Werk‘. Hier möchte ich diesen ‚Glücks-Gedanken‘ an viele junge Menschen weitergeben. Es liegt mir am Herzen, dass sie Gottes Liebesplan, ihr Glück, für ihr Leben herausfinden. Nicht zuletzt habe ich dies zum Thema im Jugendmusical ‚Verso l’alto‘ gemacht (auf Youtube unter „Kloster Thalbach“). Im Kloster Thalbach (Bregenz) bin ich Sakristanin und kümmere mich sowohl um die spirituelle als auch um die musikalische Gestaltung der Gebetszeiten in unserer Anbetungs- und Wallfahrtskirche. Schauen auch Sie mal in dieser kleinen, feinen Klosterkirche vorbei! Ich würde mich darüber freuen.“

 

Das Wirken des Heiligen Geistes

Wir haben in der Taufe und in der Firmung den Heiligen Geist empfangen. Wir können ihn erkennen an den guten Wirkungen, die er in uns hervorbringt, und so von den bösen Geistern unterscheiden, die uns in irreführen wollen:
+ Der Heilige Geist treibt uns immer zur Nachfolge Christi an, zur Liebe zu Gott und den Menschen und zu den Sakramenten.
+ Er inspiriert uns zu guten Handlungen, er erleuchtet den Verstand, damit wir das erkennen, was Gott von uns verlangt, er bewegt den Willen, damit wir das Erkannte auch ausführen können.
+ Er schenkt uns den wahren Trost und die Freude am Glauben.
+ Er macht die Seele empfänglich für die Wahrheit, für jeden guten Rat und er macht uns gehorsam gegenüber den Anweisungen der rechtmäßigen Autorität.
+ Er spornt uns an zur Geduld in Leiden und Schwierigkeiten, er lehrt uns die Liebe zum Kreuz.
+ Er regt uns zu guten Eigenschaften an, die den irdisch gesinnten Menschen ganz fremd sind, die aber ganz der Nachfolge Christi entsprechen, wie z.B. Demut, Sanftmut, Aufrichtigkeit, Einfachheit des Herzens, Wahrhaftigkeit, Verzeihen und Versöhnung.
+ Er befreit uns von der Anhänglichkeit an die Sünden, an die Welt und allen Dingen, die nicht von Gott sind.
+ Er schafft die wahre Geistesverwandtschaft unter Gleichgesinnten. Er hilft uns, dass wir die geistlichen Dinge verstehen und dass wir auch von den anderen in Glaubensdingen verstanden werden.
+ Er bewirkt auch, dass wir jene Berufung oder Aufgabe, die uns Gott gegeben hat, lieben und die Treue halten können durch alle Schwierigkeiten und Prüfungen hindurch und nicht unzufrieden nach Anderem suchen. …
Man kann sich zu dem Gesagten das Gegenteil denken, dann weiß man, wie die bösen Geister wirken. Sie setzen alles daran, uns vom Willen Gottes abzubringen.

Geh und sündige nicht mehr!

Die Begegnung Jesu mit der Ehebrecherin (Joh 8), von der wir am 5. Fastensonntag (C) hören, ist ein Spiegelbild dessen, wie wir Menschen im Zustand der Sünde sind. Diese heuchlerische Einstellung der Pharisäer und Schriftgelehrten hat es nicht nur damals gegeben.

Wir haben die Neigung in uns, andere anzuklagen, bloßzustellen und zu beschuldigen. Es werden immer wieder irgendwelche Schuldige ausfindig gemacht und auf den Marktplatz der öffentlichen Meinung gestellt. Das geschieht heute hauptsächlich durch die Medien. Es treten Ankläger und selbsternannte Richter auf, und mit dem Schein von Gerechtigkeit werden diese so genannten Sünder der öffentlichen Kritik und der Verurteilung ausgeliefert. So werden die einen zu Sündenböcken, die an allem schuld sind, während die anderen als die Guten und Unschuldigen dastehen, die es nicht als nötig sehen, sich an die eigen Brust zu klopfen und um Gottes Erbarmen zu bitten.

Aber wie ist nun das Verhalten Gottes gegenüber dem Sünder, wie es Jesus uns offenbart? Zuerst sagt Jesus von sich: „Ich bin nicht gekommen, um zu richten, sondern um zu retten.“ Er ist gekommen, die verlorenen Sünder, die von Rechts wegen mit dem Tod bestraft werden müssten, noch zur Umkehr zu bewegen. Denn Gott will nicht den Tod des Schuldigen, sondern dass er umkehrt und lebt (Ez 33,11).

Denn wenn wir Jesus begegnen, werden wir mit der Wahrheit konfrontiert, da sehen wir, wie es wirklich um uns steht, wie wir vor Gott sind. Aber Jesus deckt die Wahrheit auf, nicht um die Menschen zu beschämen, sie bloßzustellen und zu verurteilen, sondern um sie zur Umkehr zu bewegen, zu heilen und zu erlösen.

Und so sehen wir es auch in der Begegnung Jesu mit der Frau, die man ihm vorgeführt hat. Jesus stellt keinen Moment lang in Frage, dass Ehebruch eine Sünde ist. Er stellt nicht einmal das Gesetz in Frage, das die Steinigung verlangt. Aber er sagt zu ihr: „Ich verurteile dich nicht.“ Und nach dieser Zusage spricht Jesus die Frau auf ihre Verfehlung an. „Geh, und sündige von jetzt an nicht mehr!“

Jesus zeigt uns deutlich, dass jetzt noch nicht die Zeit gekommen ist, da wir endgültig gerichtet werden, jetzt ist noch die Zeit der Gnade und der Barmherzigkeit. Ja, wie groß seine Barmherzigkeit mit uns ist, sehen wir noch daran: Er, der über das Vergehen dieser Frau wirklich richten hätte können, der wirklich den ersten Stein hätte werfen können, weil er sündenlos war, er nimmt es noch auf sich, dass er sich von dieser Welt richten und verurteilen lässt, dass er sich mit dem Tod bestrafen lässt, als hätte er alles verbrochen, was in dieser Welt an Bösem geschieht, als wäre er der schlimmste Übeltäter dieser Welt, der beseitigt werden muss. Der hl. Paulus sagt: Verachtest du etwa den Reichtum seiner Güte, Geduld und Langmut? Weißt du nicht, dass Gottes Güte dich zur Umkehr treibt? (Röm 2,4).

 

Der Heilsplan Gottes

Warum gibt es das Böse in der Welt? Der hl. Pater Pio hat diese Fragen mit einem schönen Gleichnis beantwortet:

„Da sitzt eine Mutter und stickt. Ihr kleiner Junge sitzt auf einem Schemel zu ihren Füßen und sieht ihr bei der Arbeit zu. Er sieht aber nur die Rückseite: ein Gewirr von Knoten und Fäden. Er fragt die Mutter: Mama, kannst du mir sagen, was das wird? Ich kann nicht sehen, was es sein soll. Jetzt beugt sich die Mutter zu ihrem Kind und zeigt ihm die Oberseite des Stickrahmens. Jede Farbe hat ihren rechten Platz, und die verschiedenen Fäden formen ein schönes Ganzes. Wir sehen nur die Rückseite der Handarbeit. Wir sitzen auf einem niedrigen Schemel.“

Wenn wir das Leiden Christi und seine Auferstehung betrachten, dürfen wir schon etwas von diesem Bild und Plan Gottes erkennen.