Die Vorsehung, die über allem waltet

Der heilige Lukas erwähnt im Evangelium, dass Jesus zur Zeit des Kaisers Augustus geboren wurde. Er will damit einerseits zeigen, dass die Geburt des Erlösers keine fromme Legende, sondern eine Tatsache ist, und andererseits, dass dieser  große Kaiser ohne es zu wissen zu einem Werkzeug in der Hand Gottes geworden ist.

Die Menschen haben Kaiser Augustus für ihren Retter und Messias gehalten. In einer Inschrift aus der damaligen Zeit, die sich in Priene, in der heutigen Türkei befindet, steht über Augustus geschrieben:

“Die Vorsehung, die über allem Leben waltet, hat diesen Mann zum Heil der Menschen mit solchen Gaben erfüllt, indem sie ihn uns und den kommenden Geschlechtern als Heiland (soter – Retter) gesandt hat. Allem Krieg wird er ein Ende setzen und alles herrlich ausgestalten. In seiner Erscheinung (Epiphanie) sind die Hoffnungen der Vorfahren erfüllt. Der Geburtstag des Kaisers war für die Welt der Anfang der Freudenbotschaft (Evangelium), die seinetwegen ergangen ist”.

Augustus und sein Reich sind wieder vergangen. Er war nicht der Retter der Welt. Aber die Worte dieser Inschrift haben sich in Jesus Christus erfüllt.

Der damals mächtigste Mann der Welt war durch Gottes Vorsehung letztlich nur ein Diener dieses Kindes, des wahren Retters der Welt, der in der Krippe lag. Durch die Steuereinhebung, die er veranlasste, hat Gott die Verheißungen der Propheten erfüllt. Der Erlöser sollte in der Königsstadt Davids, in Betlehem geboren werden.

Wir haben oft den Eindruck, dass die Welt ihren Lauf geht und die Menschen alles tun und treiben können, was sie wollen – vor allem das Böse. Es scheint, dass Gott den Lauf der Geschichte nicht in der Hand hat. Wir fragen uns in großen und kleinen Ereignissen: Wie kann Gott das nur zulassen?

Aber wie uns die Umstände der Geburt des Herrn zeigen: Gott wirkt seine Erlösung verborgen in Ereignissen, die in den Augen der Welt unbedeutend sind. Meist erkennen wir die Zusammenhänge und Fügungen seiner Vorsehung viel später.

Daraus folgt ein wichtiger Gedanke, den wir immer vor Augen haben sollten: Gott lenkt jeden von uns, jeden Menschen, ja die ganze Welt, durch seine gütige und weise Vorsehung. Und er verfolgt mit uns Menschen immer seine Heilspläne. Darum ist der Glaube an Jesus Christus das Wichtigste. Wenn wir auf ihn vertrauen, so wird uns alles, was uns widerfährt, zum Heil und zum Segen.

Aber wie das Evangelium zeigt, gebraucht Gott für die Verwirklichung seiner Pläne Menschen wie Maria und auch Josef; Menschen, die ein fügsames und formbares Herz haben, die sich vollständig und vorbehaltlos seinem Willen hingeben, die sich seiner weisen Vorsehung überlassen und den liebenden Glaubesgehorsam leben.

 

Die Königsherrschaft Christi

Das Christkönigsfest erinnert uns daran, dass Jesus Christus seine Königsherrschaft über alle Menschen ausbreiten will. Sein Reich ist aber nicht von der Art dieser Welt, sondern es ist ein Reich der Liebe und der Gnade, der Gerechtigkeit und des Friedens.

Aber wir müssen uns im Klaren sein: Die Ausbreitung seines Königreiches ist immer mit einem Kampf verbunden. Jesus hat dies auch ausdrücklich gesagt: „Ich bin nicht gekommen, den Frieden zu bringen sondern das Schwert.“

Aber dieses Schwert ist nicht zum Kampf gegen andere Menschen bestimmt, sondern es ist ein Zeichen für den geistlichen Kampf, den wir in unserem eigenen Herzen zu führen haben.

Dieser gute Kampf geht in zwei Richtungen und entspricht ganz unserem Taufversprechen: Es gilt einerseits Widerstand zu leisten gegen die Versuchungen zum Bösen. Der heilige Paulus sagt: “Vor allem greift zum Schild des Glaubens! Mit ihm könnt ihr alle feurigen Geschosse des Bösen auslöschen“ (Eph 6,16). Auf der anderen Seite geht es darum, dass wir den Kampf aufgeben, den wir gegen die Wahrheit führen. Wir müssen uns Christus im Glauben ergeben. Denn oft genug sind wir noch Widerstandskämpfer gegen seine Gnade. Aber wer sich von der Liebe Christi besiegen lässt, ist kein Verlierer.

Heimweh nach Gott

Jedes Jahr erinnert uns die Kirche mit dem Fest Allerheiligen an die Gemeinschaft der Heiligen. Dazu gehören auch die Armen Seelen im Fegefeuer, die ja früher oder später nach ihrer Läuterung zu den Heiligen im Himmel gehören werden. Es ist wichtig, dass wir uns die Glaubenslehre über die jenseitige Läuterung vor Augen halten. Im Katechismus steht:

“Wer in der Gnade und Freundschaft Gottes stirbt, aber noch nicht vollkommen geläutert ist, ist zwar seines ewigen Heiles sicher, macht aber nach dem Tod eine Läuterung durch, um die Heiligkeit zu erlangen, die notwendig ist, in die Freude des Himmels eingehen zu können. Die Kirche nennt diese abschließende Läuterung der Auserwählten, die von der Bestrafung der Verdammten völlig verschieden ist, Purgatorium, d.h. Fegefeuer. … Schon seit frühester Zeit hat die Kirche das Andenken an die Verstorbenen in Ehren gehalten und für sie Fürbitten und insbesondere das eucharistische Opfer dargebracht, damit sie geläutert werden und zur beseligenden Gottesschau gelangen können. Die Kirche empfiehlt auch Almosen, Ablässe und Bußwerke zugunsten der Verstorbenen“ (KKK 1030f).

Worin besteht diese Läuterung? Man könnte das Leiden der Armen Seelen mit dem “Heimweh” vergleichen, das für manche Kinder ein großer seelischer Schmerz ist, der fast nicht zu lindern ist, solange sie fern von zu Hause sind. Die Seelen im Fegefeuer werden durch dieses “Heimweh nach Gott” geläutert, damit ihre Liebe zu Gott vollkommen wird. Die Seelen werden in der Liebe Christi, durch sein Opfer am Kreuz, vollendet. Wir können ihr Heimweh lindern, indem wir ihnen diese Erlöserliebe Christi zuwenden, durch unser Gebet und Opfer, durch die Aufopferung der heiligen Messe und durch die Ablässe, die uns die Kirche gewährt. Vergessen wir die Armen Seelen nicht! Sie warten auf unsere Hilfe.

 

Die Marienweihe ist voll eingefahren bei mir

Christoph Weiss, der 2014 zum Priester geweiht wurde und heute Generalvikar der Diözese St. Pölten ist, erzählte in einer Predigt bei der 100-Jahrfeier (2021) der Legio Mariens in Wien, wie er unter anderem durch die Legio Mariens und durch die Weihe an Maria seinen Weg zum Priestertum gefunden hat.

“Bei einer Pro-Life-Veranstaltung 1999 hat mich eine junge Frau angesprochen und mich zum Treffen eines Jugendpräsidiums eingeladen. Ich kannte die Legion bereits ein bisschen.  Die junge Legionärin hat mir ihre Telefonnummer gegeben. Am Tag vor dem Treffen rief sie ganz sorgsam noch einmal bei mir zu Hause an. Damals besaß ich noch gar kein Handy. Und sie hat mir nur gesagt, ich brauche nichts mitzunehmen außer einen Rosenkranz, das genüge. … Damals war ich 14 Jahre alt, war ein Ministrant, in der Pfarre aktiv, vielleicht sogar ein bisschen hyperaktiv. …

Mit dem Beten war das ein bisschen eine schwierige Sache. … Nun lernte ich die Legion kennen und wuchs in sie hinein. Zuerst einmal in das, was mir gefehlt hatte, wo noch nichts da war, ins Gebet. Ich kann mich noch heute gut an das Muster der Tischdecke erinnern, die auf dem Tisch lag, an dem wir kniend den Rosenkranz beteten. 25 Minuten lang betrachtete ich jeweils dieses Muster – mehr als das Geheimnis … Meistens dachte ich mir während des Rosenkranzes: ‘Wann? Wann ist das endlich vorbei?’ …

Dabei merkte ich gar nicht, was sich in mir veränderte und in mir wandelte durch dieses Gebet, durch diesen Rhythmus des Gebetes. Das war das Erste, was ich gelernt habe. In der Legion habe ich beten gelernt und vom Gebet her habe ich arbeiten gelernt.

Nicht, dass ich vorher nichts gemacht hätte. Wie bereits erwähnt: 100.000 Aktivitäten und Aktionen, das muss man machen und da und dort. In der Legion fand ich vom Aktivismus zum Apostolat. Wer betet, wer im Gebet steht, wer in dieser geistlichen Verbindung steht, der arbeitet auch ganz anders, der denkt ganz anders, der plant ganz anders. Das schätze ich sehr an der Legion Mariens. Diese Verzahnung im Treffen zwischen Gebet und diesem Nachdenken, diesem Planen, dem Apostolat, beides gehört wesentlich zusammen. …

Für mich war ein wichtiges Ereignis in meinem Ringen der 8. Dez. 2009. … Mit einem Jugendpräsidium haben wir in den Wochen davor die Schritte der Vollkommenen Hingabe nach Ludwig Maria Grignion de Montfort gemacht und an diesem 8. Dez. die Vollkommene Hingabe vollzogen. Und das ist voll eingefahren bei mir. 4 Monate später war ich dann soweit, dass ich meiner damaligen Freundin gesagt habe: Ich gehe ins Priesterseminar.”

 

Elisabeth Leseur – Ich wünsche, nur für Gott zu leben

Elisabeth Leseur (1866-1914), die der Seligsprechungsprozess eingeleitet wurde,  ist als verheiratete Frau und Mystikerin ein überzeugendes Beispiel für gelebte Heiligkeit in der Ehe und in einer weltlichen Gesellschaft.

Elisabeth wuchs in einem wohlhabenden Pariser Haus auf und heiratete 1889, mit 22 Jahren, Felix Leseur, einen Journalisten und Diplomaten. Die ersten Jahre der Ehe waren sehr glücklich, aber sie konnten keine Kinder bekommen. Beide stammten aus einem katholischen Elternhaus, aber Felix hatte durch das Studium den Glauben verloren, während Elisabeth den Glauben praktizierte. Da Felix sich mit seiner Arbeit in einer antikatholischen Bewegung engagierte, begann er nach einigen Jahren Elisabeth wegen ihres Glaubens und ihrer Frömmigkeit zu kritisieren und mit spöttischen Bemerkungen zu verletzen. Er stellte ihr alle möglichen kleinen Hindernisse für die Ausübung ihres Glaubens in den Weg, worunter Elisabeth sehr litt. Zermürbt von Felix’ fortgesetzten Bemühungen und von den weltlichen Kreisen, in denen sie sich damals bewegten, gab Elisabeth 1898 ihren Glauben kurz auf.

Im Sommer desselben Jahres aber löste die Lektüre des ketzerischen Lebens Jesu von Ernest Renan, zu der ihr Mann sie nötigte, in Elisabeth eine tiefe Bekehrung aus. Sie kehrte zum Glauben zurück, vertiefte sich in die Bibel und andere christliche Literatur und begann in aller Stille für die Bekehrung ihres Mannes zu beten und zu opfern. Zusätzlich zu diesem emotionalen und spirituellen Leid litt Elisabeth an vielen körperlichen Beschwerden. Sie glaubte fest an den erlösenden Wert des Leidens und sagte: “Das Leiden, das angenommen und aufgeopfert wird, ist das beste aller Gebete.”

Zwischen ihren Krankheiten engagierte sich Elisabeth in einer Vielzahl von karitativen Werken. Elisabeth war für viele Menschen, mit denen sie zusammentraf und korrespondierte, eine Quelle des geistlichen Beistands. Ein vorherrschendes Thema ihres geistlichen Lebens war die völlige Hingabe an Gottes Willen. Sie schrieb: “Ich wünsche, nur für Gott zu leben, alles, was ich kann, großzügig in seinem Dienst zu tun, und mich vor allem ganz seinem Willen zu überlassen.” Elisabeth erkrankte an Brustkrebs und litt zehn Monate lang unter starken Schmerzen, bis sie am 3. Mai 1914 im Alter von 48 Jahren starb.

Nach ihrem Tod hat ihr Ehemann die Schriften  Elisabeths gefunden, darunter ihr Tagebuch, ein Buch der Vorsätze und die täglichen Gedanken. Er las diese Schriften seiner Frau und erfuhr, dass Elisabeth all ihre vielen Prüfungen für sein Seelenheil geopfert hatte. Er bekehrte sich 1915 gänzlich zum katholischen Glauben. Er veröffentlichte Elisabeths Tagebuch; es wurde zu einem Bestseller. Er trat bei den Dominikanern ein und wurde 1923 zum Priester geweiht. Felix schrieb: “Elisabeth, die in der Welt lebte, erfüllte alle Pflichten ihres Standes, und ihr Beispiel zeigt, wie es möglich ist, wenn man den Willen hat und die göttliche Gnade anruft, ein intensives geistliches Leben zu führen und die höchsten evangelischen Tugenden inmitten der äußeren Tätigkeit zu praktizieren.”

 

Jesus Christus ist alles für mich

Schwester Gloria Cecilia Narváez gehört zu den Franziskanerinnen der Unbefleckten Jungfrau Maria, die sich vor allem der Ausbildung von Mädchen und Frauen in den ärmeren Ländern widmen. Sie stammt aus Kolumbien und war sieben Jahre im Norden von Mali tätig als sie am 7. Feb. 2017 von islamischen Terroristen als Geisel entführt wurde und vier Jahre und acht Monate in Gefangenschaft verbrachte. Am 9. Okt. 2021wurde sie freigelassen. In Interviews und Vorträgen berichtet sie über ihre Erfahrungen und gibt Zeugnis über die Hilfe Gottes, die sie in ihrer Leidenszeit erfahren hat. Sie berichtet unter anderem:

“Vier bewaffnete Männer, die mit Al-Qaida in Verbindung stehen, kamen herein und wollten eine der jüngeren Schwestern mitnehmen, und ich sagte ihnen, dass ich verantwortlich sei und sie mich mitnehmen sollten. Sie legten mir eine Kette mit einem Sprengsatz um den Hals und wir gingen.” Der Anführer zeichnete ein Kreuz auf den Boden und sagte zu ihr: “Wir wissen, welche Arbeit Sie leisten, welche Mittel Sie für die Kinder, die Frauen und alle Muslime eingesetzt haben, aber das ist für Ihre Religion”.

“Wir kamen in einem Wüstenlager im Norden Malis an, wo ich drei weitere entführte Frauen traf. Sie forderten uns auf, zum Islam zu konvertieren.” Zwei von ihnen konvertierten zum Islam, die andere wurde getötet. Für Sr. Gloria war klar: “Jesus Christus ist alles für mich und ich würde ihn nie aufgeben”.

“Ich wurde von einer Gruppe zur anderen verkauft. Sie schlugen mich und bespuckten mich, drohten mich zu vergewaltigen und zu töten. Es war sehr schmerzhaft, aber inmitten der Verzweiflung hatte ich Vertrauen.” “Nicht alle waren so, und einige versuchten auf ihre Weise, mir zu helfen. Es gab immer einen guten Menschen. Auch sie lebten in Terror und wurden verfolgt. Ich habe für sie gebetet, ich wollte nicht, dass sie verloren gehen.”

Einmal entfernte sich Sr. Gloria etwas aus dem Lager, um laut zu beten und Gott zu loben. Als ihr Wächter dies bemerkte, brachte er sie zurück, schlug sie und beschimpfte sowohl sie als auch Gott: “Mal sehen, ob dieser Gott-Typ dich hier rausholen kann”. Sr. Glorias Stimme bricht bei der Erinnerung daran: “Er sagte es mit sehr starken, sehr hässlichen Worten zu mir. Meine Seele war erschüttert von dem, was diese Person sagte; die anderen Wachen lachten laut über diese Beleidigungen. Ich ging auf ihn zu und sagte ihm ernsthaft: ‘Hören Sie, Chef, bitte mehr Respekt vor unserem Gott; er ist der Schöpfer und es tut mir wirklich sehr weh, dass Sie so über ihn reden’. Die Entführer sahen sich an und einer von ihnen sagte: ‘Sie hat recht, redet nicht so über ihren Gott’, und sie verstummten.”

Es gab viele Momente, in denen sich Sr. Gloria des konkreten Eingreifens Gottes oder des Schutzes der Heiligen Jungfrau sicher war. Zum Beispiel, als eine große Schlange mehrmals um den Schlafplatz kreiste, ohne sich ihr zu nähern, oder als ein sehr großer und kräftiger Wachmann sich plötzlich vor einen anderen stellte, der ihr die Pulsadern aufschneiden wollte, oder als sie die ganze Nacht im heftigen Sandsturm betete und ihr Zelt stehen blieb, während alle anderen Zelte zerstört wurden.

“Ich habe gelernt, dass das Gebet die Kraft ist, die uns hilft, uns zu befreien, und dass wir niemals die Hoffnung, den Glauben, die Nächstenliebe und die Gottesliebe verlieren dürfen.” “Einige Leute sagten mir: ‘Gloria, lauf weg, sie werden dich töten’. Ich habe es fünfmal versucht, aber sie haben mich immer gefunden und die Repressalien waren schrecklich, aber ich spürte Gottes Hilfe. Sie haben sogar mein Grab neben mir ausgehoben. Das letzte Jahr unter den Taliban war das schlimmste, ich bekam kaum etwas zu essen, ich überlebte, weil mir ein junger Mann nachts, wenn niemand zusah, eine Brotkruste zuwarf.”

“Obwohl ich viel gebetet habe und aufschreibe, was ich erlebt habe, um meine Seele zu heilen, gibt es Dinge, die ich nicht einmal in Worte fassen kann. Ich kann über die schrecklichen Wüstenstürme, den Hunger und die Schläge sprechen, aber die Entführung lässt einen im Innern mit vielen Ängsten zurück.” – “Aber Gott ist groß und wir tun unsere Mission für ihn und die armen Menschen.”

 

Hl. Leopold Mandic – Es wird nicht an der Vorsehung fehlen

Der heilige Kapuzinerpater Leopold Mandic (1866 – 1942) wirkte als weithin gesuchter Beichtvater in Padua. Das höchste Geschenk war für ihn aber, dass er das hl. Messopfer darbringen konnte. Er sagte: “Ach, wenn wir doch sehen könnten, was auf dem Altar vollbracht wird! Unsere Augen könnten die Pracht dieser Geheimnisse nicht ertragen!” Und gerührt schrieb er: “Jeden Tag habe ich die unaussprechliche Gnade, das göttliche Opfer darzubringen!” Er war auch der Überzeugung, dass Gott den Menschen reiche Hilfe gewährt, wenn sie ihn durch die hl. Messe bitten.

Im Jahr 1940 geriet Giacomo Lampronti aus Udine, der jüdischer Herkunft war, aufgrund der Rassengesetze in eine tragische finanzielle Lage, wurde entlassen und konnte keinen neuen Arbeitsplatz finden. Dann ging er in seiner Verzweiflung zu Pater Leopold. Dieser sagte zu ihm: “Hab Vertrauen! Die Vorsehung wird dich niemals im Stich lassen! Da Sie im Moment keine beruflichen Verpflichtungen haben, besuchen Sie jeden Morgen die Heilige Messe und es wird Ihnen nicht an Vorsehung fehlen. Nicht ich bin es, der euch sagt, sondern Gott, der durch meinen Mund spricht. Vergiss nur nicht, jeden Morgen die Heilige Messe zu hören.”

Herr Lampronti glaubte Pater Leopold. Jeden Morgen besuchte er die Heilige Messe, und solange er arbeitslos war, fehlte es ihm nie am Nötigsten für die Familie, manchmal wurden sie sogar in großem Maße beschenkt. Was der hl. Leopold gesagt hat, gilt auch heute noch.

 

Mutter der Barmherzigkeit

Der heilige Alfons Maria von Liguori erklärt in seinem Werk Die Herrlichkeiten Mariens, warum wir uns mit unseren Bitten und Gebeten mit größtem Vertrauen an Maria wenden sollen. Er erklärt dazu einen Gedanken, den der hl. Anselm schon ausgesprochen hat.

»Der heilige Anselm fügt hinzu, dass wir, wenn wir uns an diese göttliche Mutter wenden, nicht nur ihres Schutzes sicher sein können, sondern dass “wir manchmal schneller erhört und gerettet werden, wenn wir den Namen Marias anrufen, als wenn wir den Namen Jesu, unseres Erlösers, anrufen”. Und er begründet: “Denn Christus als Richter gehört auch die Strafe, der Jungfrau aber als Fürsprecherin nur die Barmherzigkeit”.

Er meint damit, dass wir das Heil schneller finden, wenn wir uns an die Mutter als an den Sohn wenden, nicht weil Maria mächtiger ist als der Sohn, um uns zu retten, denn wir wissen, dass Jesus unser einziger Erlöser ist, der allein durch seine Verdienste das Heil für uns erlangt hat und erlangt; sondern weil wir, indem wir uns an Jesus wenden und ihn auch als unseren Richter betrachten, dessen Aufgabe es ist, die Sünder zu züchtigen, vielleicht nicht das nötige Vertrauen haben, um gehört zu werden. Indem wir uns stattdessen an Maria wenden, die als Mutter der Barmherzigkeit keine andere Aufgabe hat, als uns barmherzig zu sein, und als unsere Fürsprecherin die Absicht hat, uns zu verteidigen, ist unser Vertrauen sicherer und größer.«

Jesus gibt sich mit Sündern ab

Im Evangelium vom 24. Sonntag im Jahreskreis (C) nehmen die Pharisäer an Jesus Anstoß, weil er sich mit Sündern abgibt. Jesus erzählt als Antwort auf diesen Vorwurf die Gleichnisse vom verlorenen Schaf, von der verlorenen Drachme und vom verlorenen Sohn und offenbart uns eindrucksvoll, wie groß die barmherzige Liebe Gottes mit den reumütigen Sündern ist.

Das ist auch der Kernpunkt der Botschaft, die Jesus uns gebracht hat: Gottes Erbarmen wendet sich besonders denen zu, die ihn durch ihr Verhalten beleidigen, ihm weh tun mit ihren Sünden, die diese seine Liebe nicht verdient haben, die dieser Liebe gleichsam unfähig und unwürdig sind. Genau diese Menschen will er aus diesem Zustand der Trennung von ihm herausführen, damit sie wieder mit ihm vereint sind. So groß ist seine barmherzige Liebe.

Stellen wir uns einen Menschen vor, dem wir viele Wohltaten erwiesen und ihm viel geholfen haben. Aber er wendet sich dafür von uns ab, er beleidigt uns schwer, fügt uns noch großen Schaden zu und will mit uns nichts mehr zu tun haben. Würden wir einem solchen Menschen noch nachgehen und ihn suchen, damit er sich  doch wieder mit uns versöhnt. Und würden wir ihm dann, wenn er doch sein böses Verhalten einsieht und uns um Verzeihung bittet, von Herzen vergeben, ihm die Missetaten nicht mehr anrechnen und uns über seine Gesinnungsänderung riesig freuen?

So etwas wäre vom menschlichen Standpunkt aus gesehen fast unmöglich. Aber genauso ist Gott in seiner barmherzigen Liebe.

Er selbst ist in Jesus in die Welt gekommen, um den Menschen Gutes zu tun und sie zu retten. Aber was hat er dafür geerntet? Sie haben ihn dafür ans Kreuz geschlagen. Und was hat der Sohn Gottes getan? Hat er etwa zurückgeschlagen? Nein, er hat dies geduldig und aus Liebe zu uns ertragen, bis in den Tod und vom Kreuz aus für seine Feinde gebetet.

Angesichts der Offenbarung dieser barmherzigen Liebe Gottes können wir nicht gleichgültig gegenüber Gott sein, können wir nicht einfach so dahinleben mit unseren Sünden und Fehlern, oder was noch schlimmer ist, in der pharisäischen Meinung leben, wir seinen ohne nennenswerte Sünden. Der heilige Johannes sagt: “Wer sagt, er sei ohne Sünde, der ist ein Lügner.” Und Lügen ist auch eine Sünde.

Und wie traurig steht es um diese selbstgerechten Menschen, die mit einer solchen Lüge leben, die meinen, dass sie zu den Guten gehören, und deshalb auf die “Schlechten und Bösen” herabschauen. Gerade diesen Leuten hat Jesus die drei Gleichnisse erzählt, damit sie die Liebe Gottes begreifen.

 

Der Geist Gottes ist ein Geist des Friedens

Am 23. Sept. feiern wir den Gedenktag des hl. Pater Pio. Hier einige hilfreiche Worte zur Unterscheidung der Geister:

“Lasse dich nicht entmutigen, wenn du viel gearbeitet und wenig geerntet hast … Dächtest du daran, wie viel Jesus eine einzige Seele gekostet hat, dann würdest du dich nie mehr beklagen!”

“Der Geist Gottes ist ein Geist des Friedens, und selbst bei unserm größten Versagen erfüllt er uns mit ruhigem, demütigem und vertrauendem Schmerz, das ist die Wirkung seiner großen Barmherzigkeit!”

“Der Geist des Teufels dagegen regt uns auf, macht uns verzweifelt, und der Schmerz wird gewissermaßen zum Zorn gegen uns selbst, während wir gerade gegen uns selbst die erste Liebe haben sollen. Also, wenn dich einige Gedanken aufregen, so wisse, dass sie vom Teufel und niemals von Gott kommen, der Ruhe verleiht, da er ein Geist des Friedens ist!”

“Wenn wir ruhig und geduldig sind, finden wir nicht nur uns selbst, sondern auch unsere Seele und mit ihr Gott!”