Ich habe Angst, umarmst du mich?

Die italienische Ordensfrau Tosca Ferrante erzählt über ihren Berufungsweg.

Von klein auf hatte Sr. Tosca davon geträumt, entweder Krankenschwester oder Vollksschullehrerin zu werden; als sie groß war, träumte sie davon, Polizistin zu werden. Diesen Traum hat sie dann auch verwirklicht. Sie war fünf Jahre lang bis 1989 bei der italienischen Staatspolizei.

Über diese für sie so prägende Zeit bei der Polizei sagt sie: „In jenen Jahren spürte ich bei aller Freude eine gewisse Unruhe im Hinblick auf die Zukunft, und ich stellte mir unentwegt Fragen über den Sinn des Lebens und darüber, wie ich mein Leben mit Gott teilen wollte“.

Verschiedene Erlebnisse und Einsätze brachten sie immer wieder zum Nachdenken. Sie sagt: „Die Gesichter der ‚Armen‘, denen ich in jenen Jahren begegnet bin, waren vielfältiger Art: Straftäter, Drogenabhängige, junge Frauen, die Opfer der Prostitution geworden waren, Ausländer, die auf eine Aufenthaltsgenehmigung warteten, oft Opfer von Betrügereien durch selbsternannte Mittelsleute: kurz und gut viel Armut, viel Leere und auch viel Böses.“ Diese Lebensschicksale der Menschen waren ihr nicht gleichgültig. So kam für sie die endgültige Wende: „Eines Tages war ich im Kommissariat in Torpignattara in Rom und mir wurde aufgetragen, in Erwartung weiterer Dienstanweisungen auf einen minderjährigen Jugendlichen aufzupassen, der einen Diebstahl begangen hatte. Wir waren im selben Raum und ich habe angefangen, mich mit ihm darüber zu unterhalten, warum er den Diebstahl verübt hatte (es war sein erster Gesetzesverstoß). Ich erinnere mich an jedes Detail jenes Augenblicks: Er begann zu weinen und sagte er habe Angst, er schluchzte und war verängstigt. Ich hörte ihn an und gab ihm ein Taschentuch: er wirkte wirklich hilflos. An einem gewissen Punkt fragte er, während er weiter weinte: ‚Ich habe Angst, umarmst du mich?‘ Ich sagte ‚Nein‘. Ich konnte nicht, ich war in Uniform. Aber worum hatte er mich im Grunde gebeten? Um eine Umarmung! Eine Geste, die eine der allerersten Formen darstellt, mit der Welt zu kommunizieren: ein Kind wird, kaum geboren, seiner Mutter in die Arme gelegt: Sie steht für Wärme, für beständige Liebe, für Zärtlichkeit, für Obhut. Aber ich hatte ‚Nein‘ gesagt! Als ich wieder zuhause war, schaute ich mich im Spiegel an und sagte: ‚Aber in wen verwandelst du dich eigentlich gerade?'“

Das war der Beginn ihrer wahren Begegnung mit dem Auferstandenen Herrn Jesus Christus, es war ihr Weg nach Damaskus, der einen ernsthaften Unterscheidungsprozess auslöste: „Mir wurde klar, dass ich die Liebe riskieren musste!“ Einige Jahre später tratt sie in das Institut der „Schwestern der Königin der Apostel“ ein, wo sie sich weiterhin der „Armen“ annimmt, denen sie begegnet war, als sie noch als Polizistin die Pistole am Gürtel trug: „Der Übergang vom Polizeidienst zum Ordensleben war für mich nichts Aufregendes, es war ganz natürlich: Der Kontakt zu den oben genannten Menschen hatte mich verstehen lassen, was Gott mit mir vorhatte.“ „Ich bin Gott begegnet im Antlitz und in den Geschichten der Armen: Ich verneige mich vor ihnen! Und ich danke Gott!“

Wenn DU das für mich getan hast …

Der 4. Sonntag in der Osterzeit ist der Weltgebetstag um geistliche Berufungen. Er wird auch „Guthirtensonntag“ genannt. Die Kirche lädt uns ein, Christus, den Guten Hirten, inständig um geistliche Berufungen zum Priestertum und Ordensleben zu bitten. Er selbst hat uns diesen Auftrag gegeben. Dass dieses Gebet auch heute Frucht bringt und junge Menschen auf die Stimme des Guten Hirten hören und ihm folgen, zeigt uns das wunderbare Zeugnis von Schwester Maria Johanna Theresia vom Kreuz, die 2019 in das Karmelkloster in Aufkirchen eingetreten ist. Sie schreibt:

„Das Geschenk meiner Berufung begann mit der Gottesmutter unter dem Kreuz. An ihrem Festtag, dem 15. August, haben wir uns als Familie die Passionsspiele im Nachbarort angeschaut und dabei hat mich Jesus bei der Kreuzigungsszene tief berührt. Die Tränen, die äußerlich flossen, waren nur ein schwacher Ausdruck dessen, was IN mir vor sich ging. Mir war augenblicklich klar: ‚Wenn DU das für mich getan hast, mein Jesus, dann will ich dir mein GANZES Leben schenken.‘ Ab diesem Zeitpunkt (ich war damals 13 Jahre alt) war die hl. Messe und das Gebet (vor allem der tägliche Rosenkranz) nicht mehr nur Pflichterfüllung aus Gehorsam und Liebe meinen Eltern gegenüber, sondern meine persönliche Herzensangelegenheit. Das Ereignis hatte sich tief in mein Herz eingegraben, aber in meiner jugendlichen Leichtsinnigkeit hatte ich es vorübergehend schnell vergraben. Mit meiner unglaublich kontaktfreudigen und extrovertierten Art war das Nachtleben eine Versuchung, der ich nicht widerstehen konnte. Somit war ich über ein paar Jahre hindurch ziemlich zweigleisig unterwegs: Zum einen jagte eine Party die andere, zum anderen nahm ich an unzähligen religiösen Veranstaltungen verschiedenster Art teil. Darunter wurde die Jugendvigil in Heiligenkreuz während dieser turbulenten Zeit ein Fixpunkt, der mir sehr half und mich maßgeblich prägte.

Meine tiefe Sehnsucht nach Gott wurde immer stärker und so folgten Exerzitien und auch einige Klosterbesuche. Alles war immer toll, aber nichts konnte mich so richtig zufriedenstellen. Ich entschied mich, den LAK-Kurs zu machen, um meinen Glauben zu vertiefen und in der Hoffnung, in diesem Rahmen und Umfeld weiter Wegweisung für meinen Weg zu finden. Tatsächlich wurden die nächsten Schritte sichtbar: geistliche Begleitung und das Theologiestudium an der Hochschule Heiligenkreuz. Es folgte eine unvergleichlich schöne Studienzeit, bei der kein Tag ohne hl. Messe verstrich. Die Teilnahme am hl. Messopfer war für mich unverzichtbar geworden. Die Studienzeit endete jedoch schon nach vier Semestern; denn als der Herr endlich rief, war mir klar, dass es keinen Aufschub geben durfte: Meine ignatianischen Einzelexerzitien in dieser Zeit schlossen mit dem Ergebnis, dass ich mir den Karmel in Aufkirchen anschauen sollte. Was vorher durch ganze elf Jahre an Prüfungs-, Reinigungs- und Läuterungszeit (!) vorbereitet worden war, war nun mit einem Schlag klar: Schon beim Klingeln an der Klosterpforte war mir bewusst – das ist mein Zuhause.

Mittlerweile bin ich fast zwei Jahre hier; unglaublich glücklich und dankbar für das Geschenk meiner Berufung. Auszusprechen, was dieses Leben hier an Glück und Erfüllung bedeutet, ist (mir) unmöglich. Gott hat mich durch viele Höhen und Tiefen geführt, um die Sehnsucht nach ihm zu steigern und um mir zu zeigen: Alles, was die Welt dir bietet, kann dich letztlich nicht zufriedenstellen und glücklich machen. Unsere Seele ist so erhaben und groß, dass nur Gott sie ganz erfüllen kann. Oder mit den Worten unser hl. Mutter Theresa: Gott allein genügt.“

 

Weil ich mich für Gott ‚interessierte‘

Schwester Daniela: „Weil ich mich für Gott ‚interessierte‘, studierte ich Theologie. Während des Studiums verstand ich, dass Gott sich auch für mich ‚interessierte‘, und zwar so sehr, dass er mich einlud, IHM mein ganzes Leben zu schenken. Dieser Ruf brachte mich ziemlich durcheinander… Ich wollte doch niemals in ein Kloster gehen! Irgendwann verstand ich: Der Gott der Liebe muss mein Glück wollen. Sein Wille bedeutet Glück für mich!

Dieser Gedanke hat mir geholfen, meinem Glück auch wirklich zu folgen. So bin ich nun seit acht Jahren Schwester im ‚Werk‘. Hier möchte ich diesen ‚Glücks-Gedanken‘ an viele junge Menschen weitergeben. Es liegt mir am Herzen, dass sie Gottes Liebesplan, ihr Glück, für ihr Leben herausfinden. Nicht zuletzt habe ich dies zum Thema im Jugendmusical ‚Verso l’alto‘ gemacht (auf Youtube unter „Kloster Thalbach“). Im Kloster Thalbach (Bregenz) bin ich Sakristanin und kümmere mich sowohl um die spirituelle als auch um die musikalische Gestaltung der Gebetszeiten in unserer Anbetungs- und Wallfahrtskirche. Schauen auch Sie mal in dieser kleinen, feinen Klosterkirche vorbei! Ich würde mich darüber freuen.“

 

Der wunderbare Plan Gottes mit Mary Ginna

Es war am Morgen des 20. April 1999 an der Columbine High School in einem Vorort von Denver, Colorado. An diesem Tag erschossen zwei Studenten im Alter von 17 und 18 Jahren 13 Menschen und verwundeten mehr als 20 Personen, bevor sie sich selbst richteten.

Eine der Überlebenden dieses Massakers war Mary Gianna Thornby, die nach diesem traumatischen Ereignis ihr Leben neu auszurichten begann.
Weil in ihrem Elternhaus der christliche Glaube nicht praktiziert wurde, waren Gott, Glaube und Kirche kein Thema für sie: „Als ich aufwuchs, wusste ich wirklich nicht, ob es Gott tatsächlich gab oder nicht, und ich wusste schon gar nicht, dass er einen Plan für mich hatte“. Als Mary Gianna an jenem Morgen im April im Kunstunterricht saß, verspürte sie plötzlich einen überwältigenden Drang, sofort die Schule zu verlassen. Sie erinnert sich: „Ich dachte plötzlich, jetzt gehe ich sofort hier raus, und niemand wird mich davon abhalten.“

Ihre Freundin fragte sie nach dem Warum. Maria Gianna, die es selbst nicht richtig wusste, begründete ihre spontane Entscheidung damit, für eine der nächsten Prüfungen in einem ruhigen Restaurant lernen zu wollen. So verließen sie zusammen die Schule und stiegen in Marys Auto ein. Als sie wegfuhren, sah Mary im Rückspiegel Hunderte ihrer Klassenkameraden aus der Schule strömen. Sie und ihre Freundin hatten keine Ahnung, was los war, und fuhren weg. Erst im Restaurant hörten sie dann von dem Massaker an der Schule, dem sie eben entkommen waren. Die meisten Morde bei diesem Anschlag wurden in der Bibliothek verübt, genau an dem Ort, wo Mary Gianna kurz vor dem Angriff noch gesessen hatte. „Warum war ich nicht da? Ich war jeden Tag dort, aber an diesem Tag hatte ich den unbedingten Drang zu gehen“, fragte sie sich immer wieder und irgend jemand hatte einmal darauf geantwortet: „Gott muss einen Plan für dein Leben haben.“

Aber bedingt durch das ganze Geschehen fing Mary Gianna an, viel zu trinken, trieb sich auf Partys herum und suchte ihr Heil in vielerlei Dingen. Schließlich erreichte sie, wie sie heute sagt, „den Tiefpunkt“ und begann jede Hoffnung zu verlieren. „Zu dieser Zeit, als ich das Gefühl hatte, ich könnte einfach nicht weiterleben, lud mich einer meiner Freunde in die katholische Kirche in St. Francis Cabrini in Littleton, Colorado, ein“, erzählt die Schwester.

Die junge Frau folgte dem Vorschlag, eine Universität zu besuchen und beschloss, ihr Leben nach Gott auszurichten.
In der Osternacht am 30. März 2002 wurde sie dann ‑ 19‑jährig ‑ in die katholische Kirche aufgenommen. Und sechs Jahre später hatte sie ein Berufungserlebnis, als sie in der St. Paul’s Cathedral in Minnesota betete. Sie spürte dort während der heiligen Messe die Gegenwart Gottes so intensiv, dass sie die Kapelle als anderer Mensch verließ: Alles, was sie jetzt wollte, war, ihr Leben ganz Gott zu schenken.

„Ich denke oft an die Leiden und den Tod Jesu am Kreuz, und wie dies zu unserer Erlösung geführt hat. Und ich glaube, dass Gott auch aus der ‚Tragödie von Columbine‘ Gutes erwachsen lassen kann“, schlussfolgert Schwester Mary. „Ja, Gott bringt aus dem Tod Leben hervor. Wir haben das in vielerlei Hinsicht gesehen.“

Sie ließen alles zurück und folgten ihm

Der heilige Lukas berichtet uns im Evangelium, das wir am 5. Sonntag im Jahreskreis (C) hören, über die Berufung der ersten Jünger. Auf das Wort Jesu hin wirft Petrus die Netze aus und macht einen wunderbaren Fischfang. Petrus erkennt seine eigenen Sünden, aber der Herr beruft ihn dazu, Menschenfischer zu werden. Petrus, Jakobus und Johannes verlassen alles und folgen Jesus nach. Das ist bis heute nicht anders. Ein Priester und Missionar schildert eindrucksvoll den Weg seiner Berufung:

»Eine Berufung zum Priester ist kein Verdienst, sondern Geschenk. Es ist der Herr selbst, der ruft. Ich hatte keine gläubigen Eltern, meine Eltern waren aus der Kirche ausgetreten. Meine Kindheit verlebte ich in den Wirren der Kriegs- und Nachkriegszeit. Als ich siebzehn war und die Handelsschule besuchte, lernte ich einen Missionar kennen. Für mich wurde dieser Missionar eine Brücke zu Gott.

Ich begann mich für Kirche und Mission zu interessieren. Ich hatte viel nachzuholen. Ich war ja weder mit Kreuz, Weihwasser oder Tischgebeten aufgewachsen. Ich stellte mir selbst den Wecker, um morgens in die Messe gehen zu können. Ich las Heiligenlegenden und andere religiöse Bücher. „Seht den kleinen Pfarrer“, hänselten mich meine Geschwister. Meine Mutter meinte: „Du wirst auch noch hinter den Schwindel der Kirche kommen“. Mich beeindruckte das wenig. „Ich werde Missionar“, sagte ich eines Tages.

Das größte Problem war meine mangelnde Schulbildung. Wer Priester werden will, muss das Abitur haben, Latein und Griechisch können. Zusammen mit einem anderen Studenten erhielt ich Nachhilfestunden bei einem älteren Pfarrer. Als ich dann meine Koffer packte, fragte sich meine Mutter, was sie nur an meiner Erziehung falsch gemacht hatte. In langen Gesprächen versuchte sie, mich von diesem „Irrweg“ abzubringen. Ich könnte doch Arzt werden, Rechtsanwalt oder Architekt. Wie konnte ihr Jüngster nur auf so eine Idee kommen? Bis zur Stunde des Abschieds vom Elternhaus war ich immer noch der abenteuerliche Junge, den ein mehrjähriges Landschullager geprägt hatte. Missionar sein hatte in meinen Augen mit einem harten, entbehrungsreichen Leben zu tun. Ich sah mich auf dem Rücken eines Pferdes auf steilen Berghängen in Lateinamerika, sah mich mit dem Buschmesser einen Pfad durch den Urwald schlagen, oder als Seelsorger unter glühender Sonne im Sudan. Die vielen Bilder vor meinen Augen von damals lassen sich kaum wiedergeben.

Ich wurde wirklich Missionar, und ich bin es gern. Ich durfte den Alltag in Afrika, Peru und Brasilien kennenlernen. Meine Vorstellungen vom Leben in den Ortskirchen der Welt haben sich gewandelt. Ich durfte erleben, dass sich in meiner Mutter vor ihrem Tod eine Wandlung vollzog. Gott ist immer anwesend. Er bietet an. Er geht uns nach. Er zwingt niemanden. Aber wir sollten auf seinen Ruf hören.«

 

Macht alle Menschen zu meinen Jüngern!

Peter-Shekelton-3aAm 29. Juni feiert die Kirche das Hochfest der beiden Apostel Petrus und Paulus. Dieser Tag, der auch der traditionelle Weihetermin für Priester ist, erinnert uns daran, dass die Kirche apostolisch und missionarisch ist. Der Herr hat von Anfang an bis heute junge Männer in seine Nachfolge gerufen, die er als Priester und Apostel zu den Menschen senden will. „Geht zu allen Völkern und macht alle Menschen zu meinen Jüngern!“ (Mt 28,19).

Die Hilfsorganisation „Kirche in Not“ berichtet immer wieder über Priester, die mit heroischen Einsatz diesen Auftrag des Herrn zu erfüllen suchen. Einer von ihnen ist Pater Peter Sheketon LC (45 J.) aus England, der heute als Missionar bei den Indianern im Amazonasgebiet in Brasilien wirkt. Er erzählte über seine Berufung:

„Die Wahrheit ist: Ich wollte immer schon Feuerwehrmann werden! Von dieser Idee war ich fasziniert. Doch solange ich denken kann, hatte ich auch den Wunsch, einmal Priester zu sein.“ Beides sollte sich in seinem Leben verwirklichen. Als nämlich der 21-jährige Berufsfeuerwehrmann 1991 in der überfüllten Londoner Westminster-Kathedrale P. Werenfried van Straaten, den Gründer von „Kirche in Not“, bei seiner feurigen Predigt sagen hörte: „Ich würde die ganze Kollekte hergeben, wenn ein junger Mann unter euch bereit wäre, sein Leben in den Dienst des Herrgotts zu stellen, um als sein Priester das Reich Gottes zu verkünden!“, dachte er damals spontan: „Dieser junge Mann bin ich!“

So wurde Peter Shekelton Priester und begann 2001 als Missionar in den berüchtigten Favelas von São Paulo in Brasilien besonders unter Jugendlichen sein pastorales Wirken. Er brachte den jungen Leuten, die keine Perspektive hatten, die verstrickt waren in Kriminalität, Prostitution und Drogen, die hoffnungsvolle Botschaft: „Jeder von euch ist von Gott geliebt und geschätzt. Euer Leben hat einen Sinn, weil Jesus einen Plan mit euch hat.“ Und viele öffneten sich der Gnade! 20 von ihnen haben sich sogar zum Priestertum entschlossen.

Als P. Shekelton zwei Jahre später, im Sommer 2003, erstmals zu einem abenteuerlichen Missionseinsatz in das Amazonasgebiet aufbrach, begleiteten ihn schon einige der bekehrten junge Männer als Pastoralhelfer.
Fast dreitausend Kilometer legen sie zurück. Am Ufer des Arari-Flusses warten die Gläubigen in mehr als 30 Dörfern sehnsüchtig auf den Priester. Wenigstens einmal im Jahr die Heilige Messe mitzufeiern, die Sakramente zu empfangen war für diese Armen lange ein Traum.

Jetzt kommt Pater Peter jedes Jahr zu ihnen. Der Priester erzählt: „Wenn ich ein Jahr später wieder in die Dörfer komme, erfahre ich, dass viele der Gläubigen, denen ich die Sakramente gespendet hatte, bereits tot sind. Manche sind buchstäblich einen Tag später gestorben. Es scheint, als hätten sie mit dem Sterben gewartet, bis sie die Sakramente empfangen konnten.“

Diese Reisen in diese entlegenen Dörfer bringen viele Strapazen und Gefahren mit sich: „Dennoch komme ich oft glücklich von diesen Missionsreisen zurück, weil ich das getan habe, wovon ich glaube, dass es meine Pflicht als Priester ist.“ An das Hilfswerk „Kirche in Not“ schrieb er: „Damals habe ich mich nicht getraut, Pater Werenfried um die Kollekte zu bitten, aber heute bitte ich Euch um ein bisschen Geld aus dieser Kollekte von damals.“

Quelle: http://www.kirche-in-not.de

 

Gott, ich kenne Dich nicht, doch ich bitte Dich: Hilf mir!

Nars BeemsterDer niederländische Priester Nars (Bernardus) Beemster, der 2002 zum Priester geweiht wurde, und heute Rektor des Wallfahrtsortes „Unserer Lieben Frau zur Not“ in Heiloo ist, hat in einem eindrucksvollen Bericht seinen Berufungsweg geschildert. Hier eine Zusammenfassung:

Als Sohn eines Tulpenzwiebel-Bauern träumte er davon, Maschinenbauingenieur zu werden. Doch kurz bevor er zum Studium kam, passierte etwas, das allem eine neue Richtung gab. In der Nacht vom 19. auf den 20. Aug. 1990 – er wusste damals als 20-jähriger nicht, dass es der Gedenktag seines Namenspatrons, des hl. Bernhard, war – traf er sich mit seinen Freunden in der Kneipe des Nachbardorfes. Nach einem ausgiebigen Saufgelage geriet seine Gruppe vor dem Lokal mit einer anderen alkoholisierten Gruppe in Streit und es kam zu einer Massenschlägerei. Als geübter Boxer konnte er sich normalerweise kräftig wehren. Aber in dieser Nacht war es so betrunken, dass er von den anderen regelrecht ins Koma geprügelt wurde.

Erst nach eineinhalb Tagen erwachte er im Krankenhaus. Laut Polizeibericht hatte man ihn bewusstlos in einer großen Blutlache vor einer Kirchtür gefunden. Wie er dorthin gelangt war, blieb ihm unerklärlich. Sein Gesicht war total zerschlagen, und neben einem mehrfachen Nasenbeinbruch hatte er schwere Hirnschäden mit Gleichgewichtsstörungen und Lähmungen erlitten. Anfangs hoffte er, dass er bald wieder mit seinen Freunden so weitermachen konnte wie früher, doch der Heilungsprozess dauerte mehr als sechs Jahre.
Als er erfuhr, dass ein früherer Box-Kollege Selbstmord begangen hatte, und ein anderer Freund durch einen Motorradunfall gelähmt war, wurden seine Verzweiflung und seine Ängste über seinen eigenen Zustand so groß, „dass ich“, wie er sagt, „eines Nachts aus dem Bett stieg, niederkniete und mit meinen 21 Jahren das erste Herzensgebet sprach: ‚Gott, ich kenne Dich nicht, aber ich weiß, dass Du existierst. Ich wage es kaum zu sagen und verdiene es nicht, doch ich bitte Dich: Hilf mir!‘ Heute sehe ich, wie wunderbar mich Jesus erhört hat.“

Nars war zwar von Kindheit an immer zur Sonntagsmesse gegangen, auch wenn er nicht begriff, was da bei der hl. Messe vor sich ging. „Doch erst nach jener denkwürdigen Augustnacht … ging ich bewusst zur Kirche. … Mehr und mehr fasziniert vom Glauben, las ich viel darüber. Tief trafen mich 1995 in einem Fatima-Buch die Worte der Gottesmutter an die drei Hirtenkinder: ‚Viele Seelen kommen in die Hölle, weil sich niemand für sie opfert und für sie betet.‘ Entsetzt musste ich mit meinen 24 Jahren feststellen: ‚Es gibt eine Hölle, und wenn ich mein Leben nicht radikal ändere, werde ich wahrscheinlich dort enden.‘ Wie von selbst trugen mich meine Schuhe damals zum alten Dorfpfarrer, bei dem ich die hl. Beichte ablegte. Welch befreiender Moment!“

Nach fünf Jahren wollte Nars seinen früheren Freunden erstmals etwas von seinen Glaubenserfahrungen erzählen. „Die Jungs, fast alle ungläubig, meinten nur lachend: ‚Wenn’s dir was bringt und du das brauchst, okay. Aber lass uns damit in Ruhe. Hej, Ober, bitte zehn Bier für uns, und ein Glas Weihwasser für Nars!‘ Ich nahm es diesen ’starken Männern‘ nicht übel, dass es in ihrer Welt, die auch einmal die meine war, keinen Platz für Gott gab.“

„Mir hingegen bedeutete es viel, Jesus und Maria immer mehr den ersten Platz im Leben zu geben. Sogar meine Freundin verstand das leider nicht, und sie beendete 1995 unsere schöne Beziehung mit den Worten: ‚Du liebst ja Gott mehr als mich.‘ Und wenn es anfangs auch weh tat, so stellte sich doch heraus, dass sie recht hatte.“ „Mein Schmerz half mir indirekt zu meinem heutigen Glück.“

Quelle: Triumph des Herzens, 2013 Nr. 117 (Zusammenfassung) Foto: Screenshot

Er fragte mich, ob ich ihm folgen möchte

Olalla Oliveros1Die aus Spanien stammende Olalla Olivieros (36) hat einen ähnlichen Weg wie die Kolumbianerin Amanda Rosa Perez eingeschlagen. Sie war ein erfolgreiches Model und spielte auch in Filmen mit, aber als sie immer größere Popularität erlangte, wurde sie immer unglücklicher, sie hatte es satt, ständig über sich selbst zu sprechen. Das war nicht die Karriere, die sie machen wollte.
Bei einem Besuch in der Wallfahrtskirche von Fatima stand ihr plötzlich vor Augen, was Gott von ihr wollte. Sie sah sich selbst in einer Ordenstracht und verstand, dass sie ihr Leben Gott schenken sollte. Der Gedanke, alles aufzugeben, um Christus nachzufolgen, ließ sie nicht mehr los. „Der Herr irrt sich niemals. Er fragte mich, ob ich ihm folgen möchte und das konnte ich ihn nicht abschlagen.“
So hängte sie ihre schönen Designerkleider an den Nagel und tauschte sie gegen eine schlichte Ordenstracht ein. Sie trat 2010 in den St. Michael-Orden ein und trägt dort den Ordensnamen Olalla del Si de Maria (Olalla vom Jawort Mariens). Sie ist glücklich darüber, dass sie dem Ruf des Herrn gefolgt ist.

Werde ein rechter Pfarrer oder keiner!

Pfarrer-Hieber2Der 4. Sonntag in der Osterzeit, der „Guthirten-Sonntag“, ist der Weltgebetstag um geistliche Berufe. Berufungen zum Priestertum oder Ordensleben sind eine Gnade Gottes. An außergewöhnlichen Gestalten wie dem „Segenspriester“ Augustinus Hieber aus dem Algäu kann uns bewusst werden, welch großen Segen Gott in das Priestertum gelegt hat.
Etwa 40 km von Bregenz entfernt liegt bei Leutkirch der kleine Ort Merazhofen. Dort hat durch viele Jahre Pfarrer Augustinus Hieber gelebt und gewirkt. Er ist 1968 mit 82 Jahren verstorben. Zu seinem Grab pilgern heute noch viele Menschen und bezeugen, dass sie auf seine Fürsprache hin Gottes Trost und Hilfe empfangen haben.
Pfarrer Augustinus Hieber wurde 1886 als Sohn eines Bauern geboren. Er sollte den väterlichen Hof übernehmen. Aber schon als Kind spürte er den Ruf zum Priestertum. Als er seinem Vater diesen Wunsch offenbarte, sagte dieser zu ihm: „Bub, das eine sag ich dir: Wenn du Priester werden willst, dann werd a rechter Pfarrer oder keiner!“
Nach seiner Priesterweihe 1910 war er als Vikar in Stuttgart tätig. Ein Erlebnis aus dieser Zeit hat ihn besonders geprägt. Er erzählte: »Es war im Frühjahr 1919 beim Spartakus-Aufstand in Stuttgart. Da wurde ein Spartakist, d.h. Radikalsozialist, von Jugend an der Kirche fern, angeschossen und todverwundet ins Karl-Olga-Spital gebracht. Die Schwester sagte zu mir: „Herr Vikar, da können Sie nichts mehr machen, der weist jeden Priester zurück.“ Ich ging trotzdem hinein. Ich kniete an seinem Krankenbett nieder. Ich faltete die Hände und betete ein Vaterunser zum erbarmungsreichen Heiligsten Herzen Jesu. Da plötzlich schaute der Todkranke auf mich: „Herr Pfarrer, ist’s Ihnen so ernst?“ „Ja“, sprach ich, „so ernst ist mir, dass ich bereit wäre, mein Leben für Sie hinzugeben in Namen meines Herrn und Meisters.“ Da trat dem Verwundeten eine Träne ins Auge und er sagte: „Dann vertraue ich mich Ihnen an.“ Darauf legte er, so gut es eben ging, seine Beichte ab und empfing die heiligen Sterbesakramente. Am Abend war er schon tot. Aber seine Seele war gerettet. Nie werde ich diesen Tag in meinem Priesterleben vergessen.«
Sein ganzes Leben war ein echtes Priesterleben mit totalem Einsatz aller seiner leiblichen und seelischen Kräfte, um Seelen für Gott zu gewinnen. 1936 wurde er Pfarrer in Merazhofen. Sein Ruf als guter Beichtvater und Segenspriester verbreitet sich rasch. In das kleine Merazhofen kamen Besucher aus ganz Deutschland, aus Österreich, aus der Schweiz und aus dem Elsaß. Für jeden hatte er Zeit und einen guten Rat.
Als die Nationalsozialisten 1940 auch im Allgäu den Religionsunterricht verbieten und die Kreuze aus den Schulen entfernen wollten, betete Pfarrer Hieber nächtelang vor dem Tabernakel, um diese Gefahr um der Kinder willen abzuwenden. Und erstaunlicherweise blieben im Dekanat Leutkirch, dem er vorstand, die Kreuze in den Schulen und der Religionsunterricht durfte weitergehen. Auf sein Gebet und seinen Segen hin wurden viele Kranke geheilt. Es kam vor, dass Hieber die Sorgen seiner Besucher schon kannte, bevor diese sie ihm erzählen konnten. Seine Kraft lag im Beten und im Segnen. Die Marienverehrung, die Herz-Jesu-Verehrung und vor allem die Verehrung des Heiligen Geistes prägte die Persönlichkeit dieses Priesters. Er hatte auch die seltene Gabe, die Seelen Verstorbener zu sehen.
„Der Priester muss viel segnen … Ja, der Priester muss Segnungspriester sein; in seine Hand ist eine göttliche Segenskraft gelegt“, sagte er bei seinem Goldenen Priesterjubiläum 1960.
Eine Petition zur Seligsprechung von Pfarrer Hieber wurde von 22.000 Gläubigen unterschrieben.

Es ist mein Kind. Was Gott uns gesandt hat, das wollen wir auch annehmen.

CozzensJeder Mensch ist ein Geschenk Gottes, zu dem die Eltern unter allen Bedingungen ihr Ja sagen sollen, aber auch eine geistliche Berufung ist eine Gnade, die sich oft schon von Kindheit an entfalten kann. Ein schönes Zeugnis:

Am 11. Okt 2013 wurde der 45-jährige Priester Andrew Cozzens von Papst Franziskus zum Weihbischof von Minneapolis ernannt. Für die heute 69-jährige Mutter Judy ist die Weihe ihres Sohnes zum Bischof ein Tag besonderer Freude. Denn als sie damals ihren Sohn empfing und im 5. Monat schwanger war, hat ihr der Arzt nach einer Untersuchung gesagt, das Kind sei behindert, sie würde eine Missgeburt zur Welt bringen und sie solle es abtreiben lassen. Judy hat dem Arzt entschieden geantwortet: „Es ist mein Kind. Und was Gott uns gesandt hat, das wollen wir auch annehmen.“

Sie ging zu einem anderen Arzt, der ihr sagte, dass das Kind nicht behindert sei. Er ging mit dem anderen Arzt sogar eine Wette ein, die er auch gewonnen hatte, denn am 3. Aug 1968 brachte die Mutter Andrew zur Welt, der zwar an einigen Krankheiten litt, aber ansonsten ein ganz normales Kind war.

Sehr früh spürten die Eltern, dass Andrew eine Berufung zum Priestertum hatte. Seine Mutter weiß einige Begebenheiten zu erzählen:

Als Andrew mit vier Jahren wegen eines schweren Asthma-Anfalles im Spital war, sagte ein Arzt, dass er die ganze Nacht bei ihm am Bett bleiben wolle, um ihn zu überwachen. Darauf sagte der kleine Andrew: „Sie können ruhig schlafen gehen, mit mir wird alles o.k. sein. Denn wenn ich einmal erwachsen bin, muss ich das Werk des Herrn tun, d.h. Priester werden.“

Als Andrew fünf Jahre alt war, hatte seiner Mutter immer wieder im Altersheim zu tun. Andrew wollte auch immer dabei sein: „Ich möchte gerne üben, zu den alten Leuten nett zu sein, damit ich weiß, wie man das als Priester einmal machen muss.“ Und so redete er mit den Heimbewohnern und hielt ihnen die Hand.

Quelle: Vgl.:  http://thecatholicspirit.com/news/local-news/abort-child-way-says-bishop-elects-mom/