Herr, stärke unseren Glauben!

The Lord’s Prayer (Le “Pater Noster”) James Tissot https://www.brooklynmuseum.org/opencollection/objects/4531

Im Evangelium von 27. Sonntag im Jahreskreis (C) richten die Apostel an Jesus die Bitte: “Herr stärke unseren Glauben.” Diese Bitte wird ihnen ganz spontan wie ein Hilferuf über die Lippen gekommen sein, da sie spürten, dass sie die Weisungen Jesu nicht aus eigener Kraft erfüllen können. Jesus antwortet auf diese Bitte mit dem Bild vom senfkorn-großen Glauben, der Berge versetzen kann, und stellt ihnen im Gleichnis vom Sklaven, der nur seine Schuldigkeit tut, den Weg vor Augen, wie ihr Glaube wachsen kann.

1) Unser Glaube wird gestärkt, indem wir Gott zu dienen suchen, wie ein Sklave, der alles tut, was ihm der Herr aufträgt. Auf Gott zu vertrauen bedeutet nicht, dass wir uns einfach hinsetzen und warten, bis Gott kommt und uns mit seiner Gnade bedient. Gott ist kein Lückenbüßer für unseren mangelnden Einsatz. Jesus hat ja auch von sich gesagt, dass er nicht gekommen ist, sich bedienen zu lassen, sondern um zu dienen, und sein Leben hinzugeben als Lösepreis für viele. Und genau diese Haltung soll auch den Jünger Christi kennzeichnen. Wir können es auch immer wieder feststellen, sei es in den Familien, in den Gemeinschaften und Pfarrgemeinden: Wo dieser Geist des selbstlosen Dienens um Gottes willen lebendig ist, da wächst der Glaube in jenen, die sich so einsetzen, da wirkt Gott seine Wunder, da wird das Reich Gottes und die Kirche aufgebaut.

2) Die Gnade des Glaubens wird in unseren Herzen auch durch die Demut, d.h. die rechte Selbsteinschätzung gestärkt. Mit dem Beispiel vom Sklaven zeigt uns Jesus, wie wir uns selbst vor Gott einschätzen sollen. “Wenn wir alles getan haben, sollen wir sagen: Wir sind unnütze Sklaven; wir haben nur unsere Schuldigkeit getan.”

Es gibt nämlich eine Versuchung gegen diese Demut, dass wir uns auf unsere Bemühungen im Glauben etwas einbilden und gewisse Ansprüche und Vorrechte bei Gott ableiten möchten. Gott müsste eigentlich froh sein, dass wenigstens wir uns so anstrengen im Glauben und so vieles tun. Weil wir im Grunde doch so rechtschaffen, gut und brav sind, da müsste uns Gott sozusagen als Gegenleistung auch ein gutes, angenehmes, sorgenfreies und leidfreies Leben verschaffen. Und insgeheim sind wir ein wenig enttäuscht vom Glauben, wenn wir sehen, dass es anderen, die sich um Gott und seine Gebote nicht kümmern, so gut zu gehen scheint, während wir uns mit allen möglichen Kreuzen und Mühen beladen sehen.

Aber hier ist eben diese Demut vor Gott das Heilmittel, die innere Befreiung und der Weg, auf dem unser Glaube gestärkt wird, weil wir dann nicht mehr auf unsere Leistung, sondern allein auf Gott blicken. Der hl. Petrus sagt: “Gott tritt den Stolzen entgegen, den Demütigen aber schenkt er seine Gnade. Beugt euch also in Demut unter die mächtige Hand Gottes, damit er euch erhöht, wenn die Zeit gekommen ist” (1 Petr 5,5f).

“Herr, stärke unseren Glauben!”, so sollen auch wir den Herrn immer wieder bitten.

 

Der treue und kluge Verwalter

Im Evangelium vom 19. Sonntag im Jahreskreis (C) spricht Jesus über die Wachsamkeit. Er stellt uns unter anderem das Bild vom treuen und klugen Verwalter vor Augen, der den Seinen zur rechten Zeit gibt, was sie brauchen (Lk 12,42ff). Die Eigenschaften, die Jesus hier nennt, sind für uns eine Einladung, die Wachsamkeit zu leben.

1) Die erste Tugend ist die Treue. Sie bedeutet, dass wir uns beständig an die Weisungen des Herrn halten.

Jedem von uns hat Gott große Güter anvertraut. Ob das nun die Kinder sind, der Ehepartner oder unser Mitmenschen, mit denen wir zusammenleben; ob das für den Priester die Pfarrgemeinde ist oder die Sakramente sind, die er zu verwalten hat: Nichts und niemand ist unser Besitz, über den wir willkürlich verfügen könnten, sondern alles gehört unserem Herrn und Gott, wir sind nur Verwalter. Er wird von uns einmal Rechenschaft fordern, ob wir treu in der Verwaltung waren, ob wir in seinem Sinne und nach seinen Anweisungen gehandelt haben.

2) Die zweite Eigenschaft ist die Klugheit. Der kluge Diener ist zuallererst ein Mensch, der die rechten Mittel zu finden weiß, damit man das Wahre und Gute bei sich und den anderen Menschen erreicht. Es ist ja im Umgang mit den Mitmenschen nicht immer leicht zu entscheiden, was das Klügere ist. Ist es z.B. besser zu reden oder zu schweigen, ist es besser gleich zu handeln oder noch zu warten. Im Nachhinein weiß man es oft besser. Ein wesentlicher Teil der Klugheit besteht darin, dass wir suchen, die Sünden zu meiden. Eine Sünde zu begehen, gegen die Gebote des Herrn zu verstoßen, ist immer eine Dummheit und kann nie das Klügere sein. Deshalb brauchen wir den Heiligen Geist, damit wir das Rechte erkennen und tun.

3) Die dritte Eigenschaft ist die Gerechtigkeit, mit der der treue und kluge Verwalter den Seinen zur rechten Zeit das gibt, was sie brauchen. Ein Sprichwort sagt zwar: “Allen Menschen Recht getan, ist eine Kunst, die niemand kann.” Aber wer sich von der Liebe zu Gott leiten lässt, wird immer wieder das erkennen, was er heute seinen Mitmenschen Gutes tun oder schenken soll: an Zeit, an Liebe, an Materiellem, an Hilfen und Diensten; und das ist immer das Rechte.

Der hl. Johannes Chrysostomus hat sehr schön zusammengefasst, was für uns im Leben so wichtig ist. “Nichts ist Gott so angenehm wie ein Leben im Dienst des Mitmenschen. Dazu hat uns Gott die Sprache, die Hände und Füße, Leibeskraft, Vernunft und Verstand gegeben, damit wir all diese Gaben zum eigenen Heil und zum Nutzen unserer Mitmenschen gebrauchen.” “Selig der Knecht, den der Herr damit beschäftigt findet, wenn er kommt! Amen, das sage ich euch: Er wird ihn zum Verwalter seines ganzen Vermögens machen.” So hat es der Herr verheißen.

 

Er wird in ihrer Mitte wohnen

Die erste Lesung zum 5. Sonntag der Osterzeit aus der Apostelgeschichte berichtet uns davon, wie Paulus und Barnabas  den Gemeinden, die von ihnen gegründet wurden, Mut zusprechen und sie ermahnen, treu am Glauben festzuhalten: “Durch viele Drangsale müssen wir in das Reich Gottes gelangen” (Apg 14,22). Denn das Leben der ersten Christen war von Anfang an durch Verfolgungen gekennzeichnet.

Der Glaube an Christus ist nicht ein Mittel, das uns von allen Mühen dieses Lebens befreit; er ist vielmehr eine Kraft, durch die wir die Leiden dieses Lebens fruchtbringend ertragen können, so dass wir durch all diese Drangsale in das Reich Gottes gelangen, das jetzt schon beginnt und sich in der ewigen Seligkeit vollendet.

Was mit dem Reich Gottes gemeint ist, wird uns in der zweiten Lesung dieses Sonntags aufgezeigt. Hier sieht der Apostel Johannes in einer Vision das neue, himmlische Jerusalem (Offb 21, 1-5a). Und da heißt es: “Er, Gott, wird alle Tränen von ihren Augen abwischen. Der Tod wird nicht mehr sein, keine Trauer, keine Klage, keine Mühsal.” Genau das hat Gott für uns vorbereitet. Es ist die ewige, glückselige Gemeinschaft mit ihm. Das ist unser Ziel, das wir nach diesem irdischen Leben erreichen können.

Aber es ist auch wichtig zu sehen in dieser Vision der Geheimen Offenbarung: Der Himmel ist nicht irgendwo in einem fernen Jenseits. Sondern Johannes hat in seiner Vision gesehen, wie das  neue Jerusalem auf die Erde herabkam. “Seht die Wohnung Gottes unter den Menschen! Er wird in ihrer Mitte wohnen, und sie werden sein Volk sein; und er, Gott, wird bei ihnen sein.” Die Wohnung Gottes ist schon jetzt unter den Menschen. Durch Jesus Christus ist ja Gott selbst in diese Welt gekommen. Deshalb ist der Himmel durch die heilige Kirche, vor allem durch die Sakramente, schon jetzt auf die Erde gekommen. Am deutlichsten können wir diese Gegenwart des Herrn unter uns in der heiligen Eucharistie erkennen. Im allerheiligsten Sakrament ist der Herr leibhaftig unter uns.

Aber diese Gegenwart des Herrn, diesen Himmel auf Erden, können wie jetzt nur im Glauben sehen und erfassen. Aber gerade dieser Glaube ist es, der uns durch diese irdische Welt auf Gott blicken lässt. Wer an Jesus Christus glaubt, hat einen Durchblick im Leben, wie ihn ein ungläubiger Mensch niemals haben kann. Der gläubige Mensch sieht den Sinn und das Ziel seines Lebens. Vor allem sieht er, dass wir im Glauben an Jesus Christus durch die Drangsale und Leiden dieser Zeit in das Reich Gottes eingehen. Er sieht in diesem Leben schon die Herrlichkeit des Himmels durchscheinen, und das gibt ihm Hoffnung, Kraft und Mut, alle Leiden und das Kreuz aus Liebe zu Gott und den Menschen auf sich zu nehmen. Denn sie bringen eine große Herrlichkeit mit sich, sie führen ihn in das ewige Reich Gottes hinein.

 

Vielleicht trägt er doch noch Früchte

Am 3. Fastensonntag hören wir im Evangelium das Gleichnis vom unfruchtbaren Feigenbaum (vgl. Lk 13,1-9).  Der Weingärtner bittet den Besitzer, diesen Baum noch ein Jahr lang stehen zu lassen. Er wird alles versuchen: den Boden umgraben und düngen. “Vielleicht trägt er doch noch Früchte.”

Es ist nicht schwierig, dieses Gleichnis Jesu auf unser Leben anzuwenden. Es geht darum, dass wir die Zeit der Gnade jetzt erkennen und sie zu unserem ewigen Heile nützen.

Gott hat uns geschaffen und er hat uns mit der Taufe in den Garten seiner Kirche gestellt, damit wir unter dem Einfluss der Gnade, die guten Früchte der Heiligkeit hervorbringen. Durch die Sakramente, vor allem durch die hl. Messe und die Beichte, dann durch die Gebote und Weisungen des Evangeliums und durch viele andere Gnadenmittel hat jeder von uns die besten Voraussetzungen mitbekommen, damit er an seinem Lebensbaum die Früchte der Heiligkeit und Tugend hervorbringt. Der hl. Paulus hat einmal die Früchte des Heiligen Geistes genannt, die wir als Getaufte hervorbringen sollen: Es sind dies Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut und Selbstbeherrschung (vgl. Gal 5,22f). Man könnte auch noch andere gute Eigenschaften nennen.

Gott kann also ganz zu Recht von uns diese Früchte erwarten. Für jeden von uns tut er mehr als genug, er schenkt uns immer wieder seine Gnadenhilfe. Und wir sehen auch, es sind im Weinberg der Kirche schon unzählige Menschen herangewachsen, die diese Früchte gebracht haben. Denken wir an die vielen großen Heiligen.

Mit dem Gleichnis vom unfruchtbaren Feigenbaum will uns Jesus bewusst machen, dass wir uns mit der Bekehrung nicht unbegrenzt Zeit lassen können. Der Feigenbaum begreift nicht, wozu er eigentlich im Weinberg steht. Ein langes Leben ist noch keine Garantie, dass es auch Früchte bringt.

Schauen wir noch einmal auf das Gleichnis. Hier offenbart uns Jesus die ganze Barmherzigkeit und Geduld Gottes. Der Gärtner, von dem die Rede ist, ist niemand anderer als Christus selbst. Er will alles tun, er gibt uns noch ein Jahr, das heißt, er gibt uns noch einmal eine Zeit der Gnade, und das ist nichts anderes als unsere Lebenszeit, die uns geschenkt ist. Dann aber, zur Zeit der Ernte, am Ende unseres Lebens, sollen die Früchte reif sein, die dann im ewigen Leben offenbar werden.

Wir müssen uns aber bewusst bleiben: Solange wir hier in diesem irdischen Leben sind, können wir selber die Früchte der Heiligkeit nicht unmittelbar an uns sehen, sie werden erst beim Gericht Gottes offenbar. Und wenn einer sich einbildet, er wäre schon ein Heiliger oder wie man heute gerne sagt ein ‘guter Mensch’, dann ist er eher nur ein Scheinheiliger. Denn die wahren Heiligen sehen, weil sie immer auf den Herrn schauen, vor allem ihre eigene Sündhaftigkeit und die Notwendigkeit ihrer Bekehrung, damit die guten Früchte reifen.

 

Die Einheit der Kirche

Vom 18. bis 25. Jänner begeht die Kirche die Gebetswoche für die Einheit der Christen. Diese Einheit der Kirche kann nur darin bestehen, dass die getrennten Christen zur Fülle des einen, heiligen, katholischen Glauben zurückkehren.  Ansonsten geschieht das, was die sel. Anna Katharina Emmerick geschaut hat:

“Ich sah eine Zeit kommen, die schrecklich war und ich bin froh, dies nicht erleben zu müssen. Ich sah die Peterskirche, als Symbol der katholischen Kirche. Um diese herum war ein tiefer Graben. Drüben standen die Protestanten. Da sah ich, wie katholische Priester, Ordensleute, usw. die Kirchen ausräumten. Altäre, Heiligenstatuen und Bilder in den Graben warfen, um diesen voll zu bringen, sich den Protestanten anzupassen, damit sie herüberkämen. Als der Graben voll war, kamen sie zwar herüber, blickten in die katholische Kirche, schlugen die Hände über dem Kopf zusammen und sagten entsetzt und enttäuscht, die können uns ja nichts mehr geben, die haben ja weniger als wir und liefen davon. Also, sie haben nur das Gegenteil erreicht.”

 

Er wird kommen, zu richten

Am Ende des Kirchenjahres und zu Beginn des Advents stellt uns die Kirche in den Evangelien immer wieder das zweite Kommen Christi am Ende der Zeit vor Augen. Christus wird “kommen, zu richten die Lebenden und die Toten”, heißt es im Glaubensbekenntnis. Wann das sein wird, weiß niemand. Aber wie sollen wir uns als gläubige Menschen verhalten?

Man könnte den Zustand der Welt mit einer Schulklasse bzw. einer Schulstunde vergleichen. Ein Priester erzählte aus seiner Schulzeit: Sie hatten einen Klassenlehrer, der sehr konsequent und gerecht war. Einmal hatte er dringend etwas in der Direktion zu erledigen. Er gab den Schülern eine Aufgabe, mit der sie sich still beschäftigen sollten. Er schärfte ihnen ein, dass er bald zurückkommen werde, und wenn er dann jemand nicht auf seinem Platz und bei der Arbeit findet, erhält er eine Strafe.

Am Anfang war alles ganz ruhig, jeder arbeitete. Aber nach einiger Zeit begannen die ersten zu blödeln. Die anderen mahnten noch zur Ruhe. Aber als der Lehrer immer noch nicht kam, wagten sich die ersten von ihren Plätzen. Bald war die Aufgabe vergessen und es ging drunter und drüber. Zur Sicherheit hatte man einen Aufpasser an die Tür gestellt, der sollte alle rechzeitig warnen, wenn der Lehrer komme. Doch dieser Wächter war noch der größere Spitzbub. Denn nach einiger Zeit schlug er Alarm. Alle liefen auf ihre Plätze, doch das war nur ein Fehlalarm. Dann ging das Gejohle erst richtig los. Und da die Pause nahte, meinten die meisten, der Lehrer würde sowieso nicht mehr kommen. Auch der Wächter hatte seinen Platz verlassen. Die an sich “Braveren”, die zuerst noch gearbeitet hatten, ließen sich mit der Zeit auch mitreißen. Nur einige wenige, die von den anderen als “Streber” verspottet wurden, waren noch auf den Plätzen und machten ihre Aufgabe.

Und dann plötzlich stand der Lehrer doch da. Niemand hatte sein Kommen bemerkt. Und weil er ein guter Lehrer war, teilte er auch konsequent und gerecht die Strafen aus, die er angedroht hatte. Die einen waren froh darüber, dass der Lehrer dem ganzen Durcheinander ein Ende bereitet hatte, die anderen nicht.

Diese Begebenheit aus dem Schulalltag kann uns ein Gleichnis sein für die Situation der Welt vor dem Kommen Christi. Wie die Kinder, so sind auch wir geneigt unsere Aufgaben zu vernachlässigen, da wir den Endruck haben, Gott sei nicht da, er würde nicht kommen, es gäbe kein Gericht. “Wachet und betet, damit  ihr nicht in Versuchung fallet”, hat Jesus gesagt. Wir dürfen uns nicht vom Treiben der Welt mitreißen lassen. Wir sollen wie der “treue und kluge Verwalter” jenen Auftrag erfüllen, den der Herr uns gegeben hat. Dann brauchen wir sein Kommen und sein Gericht nicht zu fürchten.

 

Wer der Erste sein will

Am 25. Sonntag im Jahreskreis (B) spricht Jesus im Evangelium über ein wichtiges Prinzip des Reiches Gottes, über das Dienen. Die Apostel haben auf ihrer Wanderung darüber geredet, wer von ihnen der Größte sei. Sie dachten vielleicht, dass Jesus einmal wie ein weltlicher Herrscher die Macht ergreifen würde und sie selber durch ihn eine große Karriere machen könnten.

Das Reich Gottes aber, das Jesus verkündete, war etwas anderes. Hier gelten andere Maßstäbe. “Da setzte er sich, rief die Zwölf und sagte zu ihnen: Wer der Erste sein will, soll der Letzte von allen und der Diener aller sein“ (Mk 9,35). Damit gibt Jesus zu verstehen, worin die wahre Größe im Reich Gottes besteht.

“Wer der Erste sein will” heißt, dass es durchaus möglich ist, der Erste zu sein – das ist keineswegs verboten. Aber groß sein und der Erste sein bedeutet im Reich Gottes nicht, dass man ein Herrscher über die Mitmenschen ist, der sich von den anderen bedienen lässt und auf Kosten der anderen lebt, sondern groß ist der, der dient und zu Gunsten der anderen sein Leben hingibt.

Jesus selbst hat uns darin ein Beispiel gegeben: “Ihr sagt zu mir Meister und Herr, und ihr nennt mich mit Recht so; denn ich bin es. Wenn nun ich, der Herr und Meister, euch die Füße gewaschen habe, dann müsst auch ihr einander die Füße waschen. Ich habe euch ein Beispiel gegeben, damit auch ihr so handelt, wie ich an euch gehandelt habe”, sagt der Herr beim Letzten Abendmahl.
Darum bedeutet groß sein im Dienste des Reiches Gottes:

1. Den letzten Platz einnehmen: Der Apostel Paulus sagt: “Ich glaube nämlich, Gott hat uns Apostel auf den letzten Platz gestellt, wie Todgeweihte; denn wir sind zum Schauspiel geworden für die Welt, für Engel und Menschen.” Als Diener Gottes haben wir kein großes Ansehen ich den Augen der Welt.

2. Lastenträger sein: Der hl. Paulus sagt: “Einer trage des anderen Last; so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen.” “Wir müssen als die Starken die Schwäche derer tragen, die schwach sind, und dürfen nicht für uns selbst leben.”

3. Loskommen vom Ich: Der hl. Paulus sagt. “… nicht ich, sondern die Gnade Gottes mit mir”. Nicht mehr das Ich, sondern Jesus wird zum Mittelpunkt unseres Lebens, um den sich alles dreht.

Menschen also, die sich selbst um Christi willen zurückstellen, die bereit sind, die Lasten anderer zu tragen und die selbstlos dienen, die sind auch die eigentlich tragenden Säulen, sei es in den Familien, in der Kirche oder in der Gesellschaft. Sie stützen und halten zusammen, was durch den Egoismus schon lange zerbrechen würde.

 

Das Reich Gottes verkünden

Am 15. Sonntag Im Jahreskreis hören wir das Evangelium von der Aussendung der 12 Apostel. Sie bekommen von Jesus den Auftrag, das Reich Gottes zu verkünden und die Menschen zur Umkehr zu Gott zu rufen.

Jesus wollte uns damit zeigen, dass alle seine Jünger den Auftrag haben, missionarisch und apostolisch zu wirken. Jeder Christ ist berufen, ein “Prediger” zu sein, so wie der hl. Franz von Assisi es verstanden hat. Am Ende seines Lebens hat er zu seinen Brüdern gesagt: “Wir müssen ausziehen, um den Menschen Christus zu predigen, und wenn nötig auch mit Worten.” Der erste missionarische Dienst ist das Zeugnis eines christlichen Lebens. Aber damit unser Leben zu einem Zeugnis für Christus wird, müssen wir das befolgen, was der Herr den Aposteln gesagt hat:

  1.  Jesus sandte die Apostel zu zweit aus: Über das wichtigste Gebot der Gottes- und Nächstenliebe sollen wir nicht nur reden, sondern es durch Taten verkünden. Die Art und Weise wie wir als Christen miteinander umgehen ist das stärkste Zeugnis für das Reich Gottes.
  2. Jesus gibt seinen Aposteln einen Wanderstab in die Hand. Dieser Wanderstab ist unser katholischer Glaube, das heißt, die Gebote des Herrn, die Lehre der Kirche und die Sakramente des Herrn. Auf diesen Wanderstab müssen sich die Apostel stützen, dieser Stab ist der feste Halt für die Seele.
  3. Jesus trägt den Aposteln auf, kein Brot, keine Vorratstasche und kein Geld mitzunehmen. Das heißt, sie sollen sich in jeder Hinsicht auf die Vorsehung Gottes verlassen. Gott soll in allem den Vorrang haben. “Sucht zuerst das Reich Gottes und alles andere wird euch dazugegeben werden.” Wir sehen ja in unserer Gesellschaft, in der zwar so viele Menschen noch getauft sind, dass für die meisten “die Vorratstaschen und das Geld”, alles Irdische wichtiger geworden als Gott. Der Glaube kommen irgendwo als Anhängsel im Leben vor.
  4. Dann spricht Jesus davon, dass sie als Apostel kein zweites Hemd mitnehmen sollen. Diese Anweisung bedeutet im geistlichen Sinn, dass wir als Christen, wie der hl. Paulus sagt, Christus als Gewand angezogen haben. Und dieses Kleid – unser Taufkleid – sollen wir immer und überall tragen zum Zeugnis für ihn. Wir sind ja oft versucht, sozusagen schnelle das Hemd zu wechseln – je nach Umgebung, uns zu verstecken, uns anzupassen und damit wir nicht als Christen erkannt werden.

Wenn unser Leben also von der brüderlichen Liebe geprägt ist, wenn wir uns konsequent am katholischen Glauben festhalten, wenn wir Gott in allem den Vorrang geben, wenn wir uns in allen Lebenssituationen zu Christus bekennen, dann ist das schon eine machtvolle Verkündigung und Predigt des Reich Gottes.

 

Pfingsten – die Einheit in der Vielfalt

In der Apostelgeschichte schildert uns der hl. Lukas die Herabkunft des Heiligen Geistes auf die Apostel und Jünger, die mit Maria im Gebet verharrten. Der Hl. Geist bezeugte sein Wirken durch ein besonderes Wunder. Es heißt, dass die Leute aus den verschiedensten Nationen die Apostel in ihrer eigenen Muttersprache die Großtaten Gottes verkünden hörten.

Der Heilige Geist bewirkt, dass alle Menschen sich im Glauben verstehen und untereinander eins werden können. Dieses Pfingstwunder dauert eigentlich in der katholischen Kirche fort. Denn die verschiedenen Sprachen und Kulturen sind kein Hindernis, dass wir in der Kirche eine Familie Gottes sind.

Der Evangelist Lukas stellt das Pfingstfest in Jerusalem einem Ereignis gegenüber, das ganz am Anfang der Bibel im Buch Genesis steht: nämlich der Geschichte vom Turmbau zu Babel. Es heißt da: „Alle Menschen hatten die gleiche Sprache und gebrauchten die gleichen Worte.“ Sie waren eine Menschheitsfamilie. Aber sie haben ihre Einheit missbraucht. Sie sagten zueinander: „Auf, bauen wir uns eine Stadt und einen Turm mit einer Spitze bis zum Himmel …“. Das heißt, die Menschen wollten den Himmel aus eigener Kraft erreichen eine Stadt und eine Welt bauen ohne Gott. Gott sah ihre überheblichen Absichten und er verwirrte ihre Sprache, “so dass keiner mehr die Sprache des anderen versteht.” So kam es zur babylonischen Sprachverwirrung.

Babel und Pfingsten sind nun zwei gegenläufige Bewegungen in der Menschheitsgeschichte. Der Weg Babels ist der hochmütige, anmaßende Weg der Menschen, die glauben, alles aus eigener Macht und Kraft erreichen zu können. Babel will Einheit durch Macht und Zwang erreichen und alle Menschen gleich machen. Es darf keine Unterschiede mehr geben, alle müssen gleich denken. Und jeder, der nicht mitmacht, muss bekämpft und ausgetilgt werden. Aber genau dadurch gelangen die Menschen in eine schlimme Knechtschaft, werden zu Feinden und trennen sich voneinander, keiner kann dem anderen mehr vertrauen. So sind alle totalitären Systeme entstanden. Auch heute wird wieder versucht, unter der der Fahne der “Globalisierung” einen solchen babylonischen Turm zu errichten.

Pfingsten aber schafft Einheit in der Vielfalt, weil es den Heiligen Geist der Liebe schenkt, der die Menschen wahrhaft zusammenführt.

Pfingsten ist der Beginn der Sammlung jener, die an Christus glauben, in die Gemeinschaft der Kirche. Die katholische Kirche ist im Plan Gottes diese neu Stadt, die vom Himmel herabgekommen ist, um die Auserwählten durch den Heiligen Geist zu einer Familie Gottes zu machen.

 

Der Friede sei mit euch!

Das Evangelium des 3. Sonntags der Osterzeit (B) berichten uns über das Erscheinen des auferstandenen Herrn am ersten Tag der Woche. Die Herzen der Jünger waren durch die tragischen Ereignisse aufgewühlt. Und nun kommt der Auferstandene zu ihnen. Er macht ihnen keine Vorwürfe wegen ihres Versagens, sondern er spricht ihnen seinen göttlichen Frieden zu: “Friede sei mit euch!” Zu den größten Geschenken, die der Herr auch uns immer neu bereiten will, gehört sein Friede. Das Evangelium zeigt uns einen Weg, wie wir den Frieden erlangen.

1.) Es heißt, dass Jesus bei verschlossener Tür zu ihnen kam. Das ist ein Bild, dass er in unser Herz kommen will. Viele Menschen unserer Tage sind sozusagen draußen in der Welt unterwegs; das heißt, der Geist, die Seele, das Herz schweifen immer in der Welt umher. Die Menschen sind geplagt von einer gewissen Unersättlichkeit: immer mehr haben, mehr wissen, mehr Vergnügen, mehr Genuss. Und doch bleiben sie unzufrieden. Der hl. Augustinus sagt: “Unruhig ist unser Herz, o Gott, bis es Ruhe findet in dir.” Zum inneren Frieden gelangen wir, wenn wir unsere Wünsche mäßigen und uns in der Stille des Gebetes Gott zuwenden, z.B. in einer Kirche, in der Gegenwart des allerheiligsten Sakramentes. Wer im Gebet Gott in sein Herz kommen lässt, empfängt seinen Frieden.

2.) Es heißt im Evangelium: Jesus öffnete ihnen die Augen für das Verständnis der Schrift. In den Evangelien und in der Lehre des Glaubens wird uns vor allem die Erlösung und Vergebung geoffenbart, die Gott allen schenkt, die umkehren und an Jesus glauben. Das ist die Wahrheit, die uns frei macht. Und wenn wir uns gegen die Wahrheit und Liebe versündigt haben, dann erwartet uns der Herr im Bußsakrament. Dort könne wir jene Gnade erfahren, die uns den tiefen Frieden des Herzens und der Seele gewährt.

3.) Es heißt: Jesus zeigte ihnen seine Hände und Füße, die die verklärten Wunden der Kreuzigung trugen. Das heißt für uns: Das Kreuz bleibt ein Teil unseres irdischen Lebensweges. Seit Christus aber am Kreuz die Welt erlöst hat, ist das Kreuz zu einer Quelle des Segens geworden. Wenn wir uns innerlich nicht gegen das Kreuz wehren oder davor fliehen, wenn wir vereint mit Christus die Mühen des Lebens annehmen, im Glauben an den Herrn die Lasten des Lebens tragen und den Weg der Nachfolge gehen, dann wird der Herr uns seinen Frieden schenken.

Der heilige Paulus sagt: “Und der Friede Gottes, der alles Verstehen übersteigt, wird eure Herzen und eure Gedanken in der Gemeinschaft mit Christus Jesus bewahren” (Phil 4,7).