Jetzt ist sie da, die Zeit der Gnade

Im Evangelium des 3. und 4. Sonntags im Jahreskreis (C) hören wir vom ersten öffentlichen Auftreten Jesu in der Synagoge seiner Heimatstadt Nazaret. Jesus liest aus dem Buch Jesaja die Verheißung: „Der Geist des Herrn ruht auf mir … Er hat mich gesandt, damit ich den Armen eine gute Nachricht bringe … und ein Gnadenjahr des Herrn ausrufe.“ Und Jesus gibt den Leuten zu verstehen: „Heute hat sich das Schriftwort, das ihr eben gehört habt, erfüllt“ (Lk 4,21) Zuerst staunen die Menschen über seine Worte. Doch als er ihnen zu verstehen gibt, dass es für sie um den Glauben an ihn und die Bekehrung zu Gott geht, da werfen sie ihn aus der Stadt hinaus. Sie haben die Gnadenzeit, die jetzt für sie gekommen war, nicht angenommen.

Das war die große Herausforderung des Glaubens für die Leute damals, aber das ist sie auch für uns. Denn auch wir sind hier, jetzt und heute aufgerufen zum Glauben und zur Bekehrung.

Das Heute, das Jesus damals ausgesprochen hat, hat bleibende Gültigkeit. Das will der hl. Lukas uns besonders vor Augen stellen.
Mit diesem „Heute“ haben wir auch eine Eigentümlichkeit des Lukasevangeliums vor uns. Nur bei Lukas finden sich diese Heute-Aussagen, mit denen er die Gegenwart der Erlösung aufzeigen will:

Dieses Heute erklang zum ersten Mal auf den Fluren von Bethlehem aus dem Mund der Engel: „Heute ist euch in der Stadt Davids der Heiland geboren“ (Lk 2,11). Oder denken wir an die Bekehrung des Zöllners Zachäus in Jericho. Jesus sagte zu ihm: „Heute muss ich in deinem Hause Einkehr halten!“ (Lk 19,5).  „Heute ist diesem Haus Heil widerfahren!“ Im Gleichnis vom verlorenen Sohn sagt der Vater: „Heute müssen wir ein Fest feiern und uns freuen…“ Am Kreuz spricht Jesus zum rechten Schächer: „Heute noch wirst du mit mir im Paradiese sein!“ (Lk 23, 43). Dieses Heute gilt nun immer, tagtäglich neu wird uns die Gnade Gottes durch Jesus Christus und seine Kirche angeboten.

Jesus ist nicht gekommen, um zu richten, sondern um zu retten und ein Gnadenjahr auszurufen. Das Gericht wird erst zuletzt kommen am Ende unserer eigenen Zeit und am Ende der Weltzeit. Deshalb sagt der hl. Paulus: „Jetzt ist sie da, die Zeit der Gnade“ (2.Kor 6,2), die wir aus Gottes Hand annehmen dürfen und nützen sollen, denn irgendwann ist diese Zeit vorbei.

Die Bewohner von Nazaret haben dieses Heute der Gnade Gottes nicht angenommen und Jesus hinausgeworfen. Aber der hl. Lukas stellt uns die Hirten vor Augen, die nach Bethlehem geeilt sind, dann den Zachäus, der sich bekehrt hat, den verlorenen Sohn, der zum Vater zurückgekehrt ist, und den rechten Schächer, der in seinem Kreuzesleiden auf Jesus vertraut hat.

Der hl. Pater Pio gibt uns zu bedenken: „Auch für uns kommt einmal die letzte Stunde, wo unser Herz zu schlagen aufhört und alles für uns beendet ist: die Zeit, Verdienste zu erwerben und die Zeit zu sündigen. So wie der Tod uns finden wird, so wird er uns Christus dem Richter vorführen. Unser Schrei um Erbarmen, unsere Tränen, unser Reueschmerz, der uns in unserem Leben das Herz Gottes erobert und uns durch die Sakramente aus Sündern zu Heiligen gemacht hätte, kann uns nichts mehr nützen. Die Zeit der Barmherzigkeit ist vorüber, nun hat die Zeit der Gerechtigkeit begonnen.“

 

Bewahre uns vor Verwirrung und Sünde

Am 33. Sonntag im Jahreskreis und am 1. Adventsonntag hören wir im Evangelium Abschnitte aus den Reden Jesu über die Endzeit. Er spricht von seinem Wiederkommen in Herrlichkeit zum Gericht und von den apokalyptischen Ereignissen, die dem vorausgehen. Jesus will uns damit vor allem zwei Wahrheiten einprägen:
1) Es gibt ein Gericht, es gibt die Gerechtigkeit Gottes, die sich  endgültig gegen alle bösen Mächte durchsetzen wird, und
2) Gott ist es, der die Welt mit seiner gütigen und weisen Vorsehung lenkt und uns durch alle Nöte dieser Welt zur ewigen Vollendung führt.

Deshalb ist es für uns als gläubige Menschen wichtig, dass wir ganz im Glauben und im Vertrauen auf die Vorsehung Gottes leben, aber zugleich auch wachsam bleiben, damit wir die Zeichen der Zeit erkennen, nicht falschen Heilsversprechungen nachlaufen und uns durch das, was auf uns zukommt, nicht in Angst und Verwirrung bringen lassen.

Aber was können wir tun, damit unser Glaube größer wird? Das Wichtigste ist sicherlich das Gebet um den Heiligen Geist. Vieles liegt ja an der Sichtweise, wie wir die Dinge innerlich sehen.

Zur Zeit des hl. Gregors des Großen gingen die Stürme der Völkerwanderung und der Zerstörung der alten Kultur über das Abendland hinweg. Für die Menschen der damaligen Zeit war dies eine so große Katastrophe, dass viele in Verwirrung und Panik gerieten und schon den Weltuntergang erwarteten. Deshalb hat der hl. Gregor in das Gebet nach dem Vaterunser in der heiligen Messe ausdrücklich die Bitte um die Bewahrung vor Verwirrung hinzugefügt. „Bewahre uns vor Verwirrung und Sünde, damit wir voll Zuversicht das Kommen unseres Erlösers Jesus Christus erwarten.“

Der Heilige Geist hilft uns, die Augen unserer Seele nicht so sehr auf die Widerwärtigkeiten zu richten, die wir zu erdulden haben, sondern vielmehr auf das Gute, das die göttliche Vorsehung damit hervorbringen will. Natürlich werden wir nicht immer gleich einsehen, wozu es gut ist, aber wir können daran glauben, dass Gott es weiß.

Ein Kapitän erzählte, dass er mit seinem Schiff in der Nähe der Goldküste (Westafrika) vor Anker gehen wollte. Aber vom Hafen aus kam das Signal: Sofort in den Hafen einkehren! Gefahr! Der Kapitän ließ den Anker einziehen und suchte den schützenden Hafen auf. Dort angekommen, fragte er, warum er nicht draußen vor Anker bleiben durfte. Die Antwort war: Dort draußen ist fauler Grund. Wenn ein Sturm kommt, hält der Anker nicht. Das Schiff könnte leicht an den Felsen zerschellen.

Nicht die Welt kann uns mit ihren Versprechungen Schutz und festen Halt bieten. Wenn wir aber unser Herz immer wieder im Gebet beim Herrn verankert halten, dann geraten wir nicht in heillose Verwirrung, wenn die Stürme kommen. Der hl. Paulus sagt, dass Gott jenen, die ihn lieben, alles zum Guten gereichen lässt.

 

Sogleich öffneten sich seine Ohren

Mit den Wort „Effata“ – öffne dich – hat Jesus die Ohren und den Mund eines Taubstummen berührt und geheilt. Davon hören wir im Evangelium zum 23. Sonntag im Jahreskreis (B). Bei der Feier der Taufe gibt es den sogenannten Effata-Ritus, der uns daran erinnert, dass Gott uns durch die Taufe die Ohren und den Mund geöffnet hat, damit wir auf sein Wort hören und uns zu ihm bekennen. Aber was im Sakrament an uns geschehen ist, soll auch im Leben verwirklicht werden.

Leider gibt es in unserer Zeit so viele Getaufte, die geistlich gesehen taubstumm geblieben oder geworden sind, wie der Prophet Jesaia schon zu seiner Zeit gesagt hat: die hören können und doch nicht hören, die reden können und doch stumm sind.

Die geistliche Taubheit besteht darin, dass man die Wahrheit des Glaubens und die Stimme Gottes, die zu uns im Gewissen und im Herzen spricht, nicht mehr hören kann, dass man das geistige Ohr verschließt.

Diese Art der Taubheit hat gewöhnlich auch das Stummsein zur Folge: Es besteht in der Vernachlässigung des Gebetes. Aus dem Mund des Stummen kommt keine Bitte um die Hilfe Gottes und kein Dank für empfangene Wohltaten.  Er ist auch nicht mehr imstande oder nicht mehr gewillt, sein Sünden in der heiligen Beichte zu bekennen, um die Verzeihung zu erlangen. Wer sein geistliches Ohr für den den Glauben verschließt, wird also die Sprache des Gebetes nicht gebrauchen, der kann auch nicht wirklich richtig erlösend reden und bekennen, was in seinem Herzen an Schuld verborgen ist. Es ist ein schlimmer geistlicher Zustand, wenn also ein Mensch in seiner Seele taubstumm ist. Gläubige Eltern machen oft die Erfahrung, dass ihre Kinder, die sich vom Glauben abgewendet haben, einfach nicht mehr auf das hören, was sie über den Glauben sagen. Sie sind einfach taub. Das Wort Gottes kann nicht mehr in ihre Seele eindringen.

Aber was können wir tun? Das heutige Evangelium zeigt uns hier den Weg. Dieser Taubstumme wäre damals wohl nie von selber zu Jesus gekommen, um ihn um Hilfe zu bitten, er konnte ja nichts über Jesus hören. So mussten ihn die anderen zu Jesus bringen und Jesus um Hilfe und Heilung bitten.

Genau das ist auch unsere Aufgabe. Jene, die geistlich taub und stumm sind, bemerken ihr eigenes Elend nicht und es hilft nicht, ihnen zuzureden, ihnen etwas vom Glauben, von den Geboten Gottes  zu sagen, sie hören die Worte doch nicht.

Aber wenn wir sie einerseits durch unser inständiges Gebet zum Herrn bringen und sie andererseits voll Glauben vielleicht zu einer Wallfahrt, zu einer guten Glaubensveranstaltung, zu Exerzitien, zu einem Abend der Barmherzigkeit, zu einer hl. Messe, zur Anbetung … einladen und mitnehmen, dann bieten wir dem Herrn die Gelegenheit, dass er sie in ihrem Herzen berühre und ihnen die Ohren öffne  .

 

Kreuzerhöhung

Am 14. September feiern wir das Fest Kreuzerhöhung, das uns an die Auffindung des Kreuzesholzes Jesu in Jerusalem erinnert. Der hl. Paulus hat sehr tief erkannt, dass das Kreuz Christi unsere Rettung ist: „Ich bin mit Christus gekreuzigt worden; nicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt in mir“ (Gal 2). Eine Geschichte aus der griechischen Mythologie, die auch die Kirchenväter auf Christus hin gedeutet  haben, zeigt uns, warum wir uns an das Kreuz Christi binden sollen.

Der Dichter Homer hat in seinem Buch der „Odyssee“ die zehnjährige Irrfahrt des Helden Odysseus auf der Heimreise noch Griechenland geschildert. Er kam auf seiner Fahrt auch zu den Inseln der Sirenen. Die Sirenen faszinierten mit ihren verführerischen Stimmen die Seeleute so sehr, dass diese ihren Kurs verließen, um jenen herrlichen Stimmen zu folgen. Aber der neue Kurs war tödlich, denn die Schiffe zerschellten dann an den Klippen. Um an der Gefahr der Sirenen vorbeizukommen, ließ Odysseus seinen Gefährten die Ohren mit Wachs verstopfen und er selbst ließ sich an den Mastbaum binden, damit er nicht von den verführerischen Stimmen weggelockt werden konnte. So entkamen er und seine Gefährten der unwiderstehlichen Versuchung und sie überlebten.

Auch wir sind auf der Fahrt unseres Lebens von manchen Stimmen und Verführungen bedroht. In den gefährlichen Fahrwassern unserer Zeit müssen wir den richtigen Kurs halten und dürfen nicht ins Verderben abweichen. Aber dazu müssen wir einerseits die Ohren verschließen gegen die verlockenden Lügen dieser Welt und uns auch anbinden lassen an das Kreuz Christi, indem wir der Berufung, die uns Gott gegeben hat, treu bleiben. Wenn wir uns an die Liebe Jesu Christi, an sein Kreuz, binden, sind wir wirklich frei und unabhängig von allen anderen Stimmen. An den gekreuzigten Herrn gebunden zu sein, das ist die Freiheit des Lebens.

 

Die verklärende Kraft des Gebetes

Am 6. August feiern wir das Fest der Verklärung des Herrn. Jesus hat durch seine Verklärung auf dem Berg Tabor den Aposteln Petrus, Jakobus und Johannes seine verborgene Auferstehungsherrlichkeit geoffenbart. Er wollte sie damit auf sein Leiden und Sterben vorbereiten, damit sie, wenn sie Jesus am Kreuz sehen, nicht irre werden im Glauben an seine Macht und Gottheit.

Was Jesus damals mit diesen drei Jüngern getan hat, das will der Herr auch heute mit uns tun. Er möchte uns zu einer neuen Sichtweise führen, in der wir die herrliche Gegenwart Gottes erkennen, die hinter dieser sichtbaren Welt verborgen ist und an die Auferstehung glauben. Es kommt in unserem Leben sehr darauf an, wie wir die Dinge sehen, in welchem Licht wir vor allem die Kreuze und Leiden sehen, damit wir nicht im Glauben an die Liebe Gottes irre werden. Die Verklärung auf dem Berg zeigt uns, wie wir zu dieser geistlichen Schau der Herrlichkeit Christi gelangen.

Das Erste ist die Übung des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe. Das ist mit den drei Aposteln angedeutet, die Jesus auf den Berg mitgenommen hat. Petrus verkörpert den Glauben; Jakobus die Hoffnung, da er als erster der Apostel das Martyrium erlitten hat; Johannes stellt die Liebe dar.

Das Zweite ist die Sammlung des Herzens. Es heißt: „Jesus nahm sie beiseite und stieg mit ihnen auf einen Berg, um zu beten.“ Wir müssen unsere Seele von Christus auf diesen einsamen Berg des Gebetes führen lassen. Die Welt gaukelt uns so vieles vor. Man muss immer wieder versuchen, sich von allen möglichen Ablenkungen loszulösen, um zum Gebet zu kommen. Ein Besuch beim Allerheiligsten in der Kirche könnte für uns dieser Taborberg sein.
Ein Drittes: Es heißt im Lukasevangelium ausdrücklich, dass die Verklärung des Herrn geschah, während er betete. Im Gebet liegt also die wesentliche Kraft, durch die wir zu einer tieferen Sicht des Lebens gelangen. Denn durch das Gebet wird uns die Gnade des Himmels mitgeteilt. Echtes Gebet ist in einer bestimmten Weise immer eine Verklärung des Geistes, eine Anteilnahme an der Auferstehung des Herrn. Der heilige Franz von Sales sagt: „Das Gebet stellt unseren Geist in die Helle des göttlichen Lichtes und unseren Willen in die Wärme der göttlichen Liebe. Darum gibt es nichts, was so geeignet wäre, den Geist von seiner Blindheit und den Willen von seinen schlechten Neigungen zu reinigen wie das Gebet. Menschen, die sich von Christus auf den Berg der Verklärung führen lassen, haben einen anderen Blick auf diese Welt, weil sie gelernt haben, alles im Lichte Gottes und in der Kraft seiner Auferstehung zu sehen. Und das verändert und wandelt vieles: zuerst sie selbst und dann auch die anderen.

 

Sie verharrten einmütig im Gebet

Von der Zeit zwischen Christi Himmelfahrt und Pfingsten heißt es in der Apostelgeschichte: „Sie alle verharrten dort einmütig im Gebet, zusammen mit den Frauen und mit Maria, der Mutter Jesu und mit seinen Brüdern“ (Apg 1,14). Es war die erste Pfingstnovene, die die Kirche gebetet hat. Es war ein äußerst fruchtbares und wirkungsvolles Gebet, das den Lauf der Welt gänzlich verändert hat.

Der Heilige Geist ist an Pfingsten auf sie herabgekommen. Und schon am Pfingsttag haben sich auf die Predigt des Petrus hin tausende zum Glauben an Christus bekehrt. Und von da an hat sich die Kirche unaufhörlich ausgebreitet. Das Gebet der Jünger im Abendmahlssaal war nicht vergeblich. Es hat wahrhaft Großes bewirkt. Es hat die Welt verändert.

Wenn wir an unser Leben denken und den Lauf unserer Zeit, dann kommt uns vielleicht die Frage, ob der Heilige Geist auch heute solche Dinge bewirket, wie sie am Anfang der Kirche geschehen sind. Und es war für uns vielleicht fraglich, ob das Beten überhaupt etwas nützt, und ob man durch das Gebet etwas im Lauf der Welt verändern kann.

Aber wenn wir den Sinn und die Wirkung des Betens tiefer verstehen wollen, kann uns das Vorbild der Kirche im Abendmahlssaal helfen. Hier müssten wir einige Dinge betrachten.

1) Als erstes fällt uns auf, dass durch das Gebet die Welt nicht zuerst draußen verändert wurde, sondern drinnen im Herzen der Jünger, dort hat der Heilige Geist zuerst gewirkt. Wir möchten oft gerne haben, dass Gott die Menschen, die Situationen, die Welt ändert, aber wir selber möchten so bleiben wie wir sind. Der Heilige Geist möchte  aber bei uns selber anfangen, wenn wir ihn wirken lassen.

2) Diese Änderung der Welt ist aber nicht ein Werk das wir alleine schaffen. Deshalb war damals im Obergemach von Jerusalem auch die ganze junge Kirche versammelt und betete gemeinsam. Der heilige Lukas sagt sogar noch mehr: sie beteten „einmütig“. Das heißt, sie hatten untereinander alle Differenzen und Unstimmigkeiten ausgeräumt. Ohne die Gemeinschaft der Kirche, ohne die Einmütigkeit im Glauben und in der Liebe, wirkt der Heilige Geist nicht. Am Pfingsttag traten sie an die Öffentlichkeit als Menschen, die ganz von der Gnade Christi ergriffen sind, die aber auch untereinander eins geworden sind und so legen sie Zeugnis ab für das Gnadenwirken Gottes.

3) Und ein Drittes müssen wir beachten, damit das Gebet um den Heiligen Geist reiche Frucht bringt. Es ist die Einheit mit Maria. Die junge Kirche hat die Einheit mit ihr gesucht, weil sie dem Herrn und dem Wirken des Heiligsten Geistes am nächsten war und weil ihre Fürbitte die größte Macht bei Gott hat.

Das Gebet hat damals die Herzen der Jünger verändert und damit den Lauf der Welt. Auch unser Gebet um den Heiligen Geist wird nicht fruchtlos bleiben.

 

Wenn das Weizenkorn nicht stirbt

Im Evangelium des 5. Fastensonntags (B) sagt Jesus die bedeutsamen Worte: „Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein; wenn es aber stirbt, bringt es reiche Frucht.“

Diesen Vorgang aus der Natur hat Jesus zuerst auf sich bezogen. Mit seinem Leidensweg, den er gegangen ist, indem er sich kreuzigen ließ, gestorben ist und begraben wurde, hat er als Weizenkorn die reiche Frucht der Auferstehung und des ewigen Lebens hervorgebracht.

Dieses Bild vom Weizenkorn ist aber auch für uns ein anschauliches Bild für den Sinn und das Ziel unseres christlichen Lebens. Denn jeder Mensch, der mit Christus durch den Glauben verbunden ist, wird auch diese Frucht des ewigen Lebens hervorbringen. Jesus hat uns dies verheißen: „Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt, und jeder, der lebt und an mich glaubt, wird auf ewig nicht sterben“ (Joh 11,25f).

Doch hier müssen wir weiter betrachten: Dieses Sterben, von dem Jesus spricht, meint nicht nur den Augenblick unseres leiblichen Todes. Denn schon vor diesem letzten  entscheidenden Augenblick wird von uns immer wieder einmal ein Sterben, ein Loslassen und Abschiednehmen verlangt. Wir müssen durch verschiedenste Prüfungen in unserem Leben gehen, die Gott in seiner weisen Vorsehung zulässt oder verfügt.

Es kann sein, dass wir einen lieben Menschen verlieren, eine gute Stellung, unsere Gesundheit, unser leibliches Wohlergehen. Wir erfahren, dass vieles ganz anders kommt, als wir es erhofft und erwartet haben.

Alle Momente des Loslassens, die das irdische Leben mit sich bringt, haben für uns oft etwas Schmerzliches an sich. Aber der Herr will uns zur Einsicht führen, dass uns nicht diese Welt die große Erfüllung schenken kann, sondern nur er. Er will uns zur Erkenntnis verhelfen, die die heilige Teresa von Avila einmal treffend in die Worte gefasst hat: „Wer Gott hat, der hat alles. Gott allein genügt.“

Darum ist es für uns wichtig, dass wir den Rat befolgen, den wir in einem Weisheitsbuch des Alten Testamentes lesen: „Nimm alles an, was über dich kommen mag, halte aus in vielfacher Bedrängnis. Denn im Feuer wird das Gold geprüft und jeder der Gott gefällt im Schmelzofen der Bedrängnis. Hänge am Herrn, und weiche nicht ab, damit du am Ende erhöht wirst“ (Sir 2,3-6).

Ja, wenn wir dieses irdische Sterben und Loslassen immer wieder bereitwillig, im Vertrauen auf Gott und aus Liebe zu ihm annehmen, dann werden wir erfahren, dass diese Auferstehung und das ewige Leben schon jetzt beginnen. Wir werden immer wieder neu den Trost des Heiligen Geistes empfangen und zur inneren Überzeugung gelangen, „dass die Leiden der gegenwärtigen Zeit nichts bedeuten im Vergleich zu der Herrlichkeit, die an uns offenbar werden soll“ (Röm 8,18).

 

Kehrt um, und glaubt an das Evangelium!

Am 3. Sonntag im Jahreskreis (B) hören wir in der Lesung einen Abschnitt aus dem alttestamentlichen Buch Jona. Dieses Buch erzählt uns vom Propheten Jona, der im Auftrag Gottes der Stadt Ninive den Untergang ankündigen musste. Die Einwohner von Ninive haben das Wort des Propheten ernst genommen. Sie haben in Sack und Asche Buße getan und sich von ihren bösen Wegen abgewendet. Deshalb hat Gott Ninive vor der Strafe des Untergangs verschont.

Diese Begebenheit offenbart uns einerseits, dass Gott das sündhafte Leben, das Leben gegen seine Gesetze und Gebote niemals gutheißt. Ja, dass eine Missachtung seiner Gebote unausweichlich ihre negative Folgen hat.  „Denn so hast du’s (o Gott) angeordnet und so geschieht es auch, dass jeder Geist, der aus deiner Ordnung fällt, sich selbst zur Strafe werden muss“ sagt der hl. Augustinus. Aber die Geschichte von Jona offenbart uns auch die Barmherzigkeit Gottes. Gott will nicht den Untergang des Sünders, sondern dass er umkehrt und lebt.

So können wir für unsere Zeit die Frage stellen: Kann das Ninive unserer Tage, das heißt unsere Kultur und Gesellschaft, die sich so schwerwiegend von Gott und seinen Geboten abgewendet hat, noch gerettet werden?

Die einfachen, gläubigen Leute, die sich über den Zustand unserer Welt ihre Gedanken machen, sagen. „Es muss etwas kommen. So kann es nicht mehr lange weitergehen!“ Das sagt ihnen der nüchterne Hausverstand. Das Schwert hängt bedrohlich über unseren Häuptern.

Wird es noch vierzig Tage dauern oder beginnt der Zusammenbruch schon morgen? Allen sitzt irgendwie die Angst im Nacken. Aber diese Angst führt nicht wirklich zur Bekehrung der Herzen. Es sind kaum Zeichen der Umkehr zu sehen. Die Gleichgültigkeit gegen Gott und die Ablehnung des christlichen Glaubens und der Gebote Gottes wird eher größer. Die Kirchen werden leerer, nicht nur wegen Corona, wenige gehen noch zur Beichte. Wie soll es weitergehen?

Am Beginn des öffentlichen Wirkens hat Jesus die Menschen zur Umkehr gerufen: „Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahe. Kehrt um, und glaubt an das Evangelium!“ (Mk 1,15).  Er ist gekommen die Barmherzigkeit und Liebe Gottes zu offenbaren und eine Zeit der Gnade auszurufen. Wer an ihn glaubt, sich von seinen Sünden abwendet, der wird bei Gott Rettung und Heilung finden.

Das ist die Botschaft unserer Erlösung, die bis heute ihre Gültigkeit behält. Die Umkehr des Herzens ist auf jeden Fall unsere Rettung, gleich was auch sonst über uns kommen mag. Denn an Jesus Christus zu glauben auf ihn zu hoffen und ihn zu lieben bringt uns das ewige Leben. Die treue Nachfolge Christi bleibt für uns eine beständige Lebensaufgabe. Keiner ist so schlecht, dass er nicht umkehren könnte. Aber auch keiner ist so gut, dass er nicht in der Liebe wachsen könnte.

 

Jahr des heiligen Josef: 2020 -2021

Papst Franziskus hat für alle überraschend ein „Jahr des heiligen Josefs“ ausgerufen, das vom 8. Dez. 2020 bis 8. Dez. 2021 dauern soll. Dieses Datum wurde  bewusst gewählt, denn vor genau 150 Jahren hat der sel. Papst
Pius IX. am 8. Dez. 1870 den heiligen Josef zum Schutzpatron der gesamten katholischen Kirche erhoben.

Papst Franziskus hat dazu auch ein Apostolischen Schreiben „Patris corde“ („Mit väterlichem Herzen“) verfasst, in dem er die Bedeutung des hl. Josef für unsere gegenwärtige Situation darlegt und zu einem großen Vertrauen in seine Hilfe aufruft.

Er weist unter anderem darauf hin, dass in unserer schwierigen Zeit vor allem jene gewöhnlichen Menschen wichtig sind, die sich jenseits des Rampenlichts tagtäglich in Geduld üben und Hoffnung schenken, indem sie Mitverantwortung tragen; genau so, wie der heilige Josef es getan hat, „dieser unauffällige Mann, dieser Mensch der täglichen, diskreten und verborgenen Gegenwart“, so Franziskus.

Aber gerade deshalb ist der hl. Josef einer, „der in der Heilsgeschichte eine unvergleichliche Hauptrolle spielt.“ Der heilige Josef hat nämlich seine Vaterschaft tatsächlich ganz konkret gelebt, „indem er seine menschliche Berufung zur familiären Liebe in die übermenschliche Hingabe seiner selbst, seines Herzens und aller Fähigkeiten verwandelt hat, in die Liebe, die er in den Dienst des Erlösers gestellt hat“. Deshalb ist er „von den Christen seit jeher geliebt“.  Der hl. Josef übernimmt „mutig und stark“ eine tragende Rolle, welche der Stärke entspringt, die vom Heiligen Geist kommt. Es ist so, als ob uns Gott durch die Gestalt des heiligen Josefs wiederholt: „Fürchtet euch nicht!“, denn der Glaube gibt jedem glücklichen oder traurigen Ereignis einen Sinn.

In seinem Schreiben „Patris corde“ gibt der Papst auch eine persönliche Lebensgewohnheit preis: Seit mehr als vierzig Jahren bete er jeden Tag nach den Laudes ein altes Gebet zum heiligen Josef.

Es lautet:

„Heiliger Josef, glorreicher Patriarch, der du das Unmögliche möglich machen kannst, komm mir in meiner Not und Bedrängnis zu Hilfe. Gewähre in den ernsten und schwierigen Anliegen, die ich dir anvertraue, deinen Schutz, sodass alles ein glückliches Ende nimmt. Mein geliebter Vater, ich setze mein ganzes Vertrauen in dich. Niemand soll sagen können, er habe dich vergeblich angerufen, und da du bei Jesus und Maria alles erwirken kannst, lass mich erfahren, dass deine Güte ebenso groß ist wie deine Macht. Amen. “

 

 

Ich werde alle an mich ziehen

Der letzte Sonntag im Kirchenjahr ist der Christkönigssonntag. Jesus Christus ist als König in diese Welt gekommen, um das Reich Gottes aufzurichten. Er will die Menschen in seine Macht bringen, damit sie seinen Gesetzen gehorchen und ihm folgen. Jesus sagt: “Mir ist alle Macht gegeben im Himmel und auf der Erde. Darum geht hinaus in die ganze Welt und macht alle Menschen zu meinen Jüngern.”

Aber nun ist die Frage: Welche Macht verwendet er, um seine Herrschaft auszubreiten? Hier stoßen wir auf etwas menschlich Widersprüchliches, auf das unfassbare Geheimnis seiner Macht.

Er, der wirklich alle Macht und Freiheit besitzt, um über die Menschen zu herrschen, da er selber Gott ist, hat während seines öffentlichen Wirkens nur einige armselige Fischer um sich gesammelt. Und der Tag, an dem er sich öffentlich als König bekannt hat, und an dem er auch von der Welt als König anerkannt wurde, war der Karfreitag, als er gefesselt und mit Dornen gekrönt vor Pilatus stand. Er hat allen Spott mit sich geschehen lassen bis ans Kreuz. Und doch sagt Jesus: “Wenn ich von der Erde erhöht bin, werde ich alle an mich ziehen.” Und gerade vom Kreuz her, an dem der Herr menschlich gesehen ganz ohnmächtig hängt, sehen wir, mit welcher Macht er die Menschen doch an sich zieht, nämlich durch die Macht der Wahrheit und Liebe. Gott regiert also die Welt nicht mit Gewalt, sondern mit seiner Autorität.

Wie Jesus die Herzen der Menschen mit seiner Liebe besiegt und an sich zieht, darüber gibt es viele wunderbare Zeugnisse: Ein Pfarrer berichtete, dass in seinem Ort eine junge Frau wohnte, die mit 25 Jahren von einer unheilbaren Krankheit befallen wurde, die eine körperliche Lähmung mit sich brachte. Der schlimmste Tag war für sie, als sie erfahren musste, dass es für sie keine ärztliche Hilfe mehr gab. Sie hat geweint und war am Boden zerstört. Am meisten quälte sie der Gedanke: „Ich werde immer hilfsbedürftig sein.“ Nach einem monatelangen Kampf in Auflehnung, Verzweiflung und Hadern mit Gott trat eine entscheidende Veränderung ein. Als der Pfarrer sie wieder einmal besuchte, merkte er, dass sie anders war. Sie sagte: “Ich habe mich endlich ergeben, ich kämpfe nicht mehr, ich habe mich vertrauensvoll in die Hände Jesu übergeben.” Von da an hatte sie den Frieden des Herzens, den sie trotz aller Mühen und Leiden nicht mehr verlor.

Christus breitet seine Herrschaft mit der Macht der Liebe und Wahrheit aus. Aber wer sich vor der Macht der Wahrheit beugt, der wird nicht unterdrückt, sondern vielmehr frei. Wer sich von der Macht der Liebe bezwingen lässt, der ist kein Verlierer, sonder er wird zum Sieger, der alle Mächte des Bösen überwindet. Der hl. Petrus sagt: “Beugt euch in Demut unter die mächtige Hand Gottes, damit er euch erhöht, wenn die Zeit gekommen ist.”