Maria erbittet uns den Heiligen Geist

In der Apostelgeschichte wird uns berichtet, dass Maria mit den Jüngern im Abendmahlssaal vereint war, als sie auf das Kommen des Heiligen Geistes warteten: „Sie alle verharrten dort einmütig im Gebet, zusammen mit den Frauen und mit Maria, der Mutter Jesu, und mit seinen Brüdern“ (Apg 1,14).

Maria hat mit ihrer Fürbitte das Kommen des Heiligen Geistes für die junge Kirche erwirkt, da sie ja als Braut des Heiligen Geistes von Anfang an zutiefst mit ihm verbunden war. Er hat an ihr die größten Wunder gewirkt: ihre unbefleckte Empfängnis und die Menschwerdung des Gottessohnes in ihrem Schoß. Und jetzt, als das Pfingstfest kam, wurde Maria erneut erfüllt vom Heiligen Geist. Welche Bedeutung Pfingsten für Maria hatte, das hat Romano Guardini wunderbar dargestellt:

„Es muss etwas göttlich Großes gewesen sein, als ihr, die ‚alles im Herzen bewahrte‘, durch das Licht des Geistes alles klar wurde: der Zusammenhang des Daseins Jesu sich erschloss. Durch die Jahre von Jesu öffentlichem Leben hatte sie in heroischem Glauben die Zuversicht aufrechterhalten müssen; jetzt empfing sie die Antwort, leuchtend und alles lösend.

Man denkt leicht, sie müsse doch von jeher den Herrn verstanden haben, besser als irgend jemand. Menschlich – soweit hier von Menschlichem die Rede sein kann – ohne jeden Zweifel. Historisch gesprochen war niemand wie sie in der Lage, Auskunft über ihn zu geben.

Auf der andern Seite aber steht nicht umsonst im Evangelium, dass sie ‚das Wort nicht verstanden, das er ihnen sagte‘. Wahrscheinlich hätte sie ein wirkliches Verstehen gar nicht ertragen können. Der Gang echter Erfahrung des glaubenden und liebenden Lebens ist größer als die Vorwegnahme von Dingen, die in der Führung Gottes erst später ihren Platz haben. Zu erkennen, dass das Kind, der Knabe, der Jüngling, der Mann, der in ihrer Nähe lebte, Sohn Gottes in dem Sinne sei, wie er nach Pfingsten offenbar wurde, hätte sie wohl in einen unerträglichen Zustand versetzt. Jene Sicherheit, ohne die ein mütterliches Dasein nicht möglich ist, wäre verschwunden. Nun aber kann sich, soweit das auf Erden möglich ist, Gottes Geheimnis enthüllen. Sie braucht keinen Schutz gegen die Übergröße mehr. Sie vermag die beiden Sätze: ‚Er ist der Sohn des ewigen Vaters‘ und ‚er ist dein Sohn‘ zusammenzudenken, ohne daran zu vergehen oder auch nur verwirrt zu werden. Ja, sie erkennt in dieser Einheit den unsäglichen Inhalt ihrer Berufung.“

In einer Familie ist es meist die Mutter, die ihre Kinder daran erinnert, welche Termine sie haben und was zu tun ist, damit sie nichts vergessen. Das tut auch Maria als unsere Mutter in der Kirche. Wenn wir sie lieben, sie verehren, unser Leben ihr weihen und nach ihrem Wunsch den Rosenkranz treu beten, dann wird sie uns den Heilige Geist erbitten und tiefer einführen in die alles überragende Erkenntnis Jesu Christi. Sie wird uns an alles erinnern, was der Herr uns gesagt hat.

 

Geh und sündige nicht mehr!

Die Begegnung Jesu mit der Ehebrecherin (Joh 8), von der wir am 5. Fastensonntag (C) hören, ist ein Spiegelbild dessen, wie wir Menschen im Zustand der Sünde sind. Diese heuchlerische Einstellung der Pharisäer und Schriftgelehrten hat es nicht nur damals gegeben.

Wir haben die Neigung in uns, andere anzuklagen, bloßzustellen und zu beschuldigen. Es werden immer wieder irgendwelche Schuldige ausfindig gemacht und auf den Marktplatz der öffentlichen Meinung gestellt. Das geschieht heute hauptsächlich durch die Medien. Es treten Ankläger und selbsternannte Richter auf, und mit dem Schein von Gerechtigkeit werden diese so genannten Sünder der öffentlichen Kritik und der Verurteilung ausgeliefert. So werden die einen zu Sündenböcken, die an allem schuld sind, während die anderen als die Guten und Unschuldigen dastehen, die es nicht als nötig sehen, sich an die eigen Brust zu klopfen und um Gottes Erbarmen zu bitten.

Aber wie ist nun das Verhalten Gottes gegenüber dem Sünder, wie es Jesus uns offenbart? Zuerst sagt Jesus von sich: „Ich bin nicht gekommen, um zu richten, sondern um zu retten.“ Er ist gekommen, die verlorenen Sünder, die von Rechts wegen mit dem Tod bestraft werden müssten, noch zur Umkehr zu bewegen. Denn Gott will nicht den Tod des Schuldigen, sondern dass er umkehrt und lebt (Ez 33,11).

Denn wenn wir Jesus begegnen, werden wir mit der Wahrheit konfrontiert, da sehen wir, wie es wirklich um uns steht, wie wir vor Gott sind. Aber Jesus deckt die Wahrheit auf, nicht um die Menschen zu beschämen, sie bloßzustellen und zu verurteilen, sondern um sie zur Umkehr zu bewegen, zu heilen und zu erlösen.

Und so sehen wir es auch in der Begegnung Jesu mit der Frau, die man ihm vorgeführt hat. Jesus stellt keinen Moment lang in Frage, dass Ehebruch eine Sünde ist. Er stellt nicht einmal das Gesetz in Frage, das die Steinigung verlangt. Aber er sagt zu ihr: „Ich verurteile dich nicht.“ Und nach dieser Zusage spricht Jesus die Frau auf ihre Verfehlung an. „Geh, und sündige von jetzt an nicht mehr!“

Jesus zeigt uns deutlich, dass jetzt noch nicht die Zeit gekommen ist, da wir endgültig gerichtet werden, jetzt ist noch die Zeit der Gnade und der Barmherzigkeit. Ja, wie groß seine Barmherzigkeit mit uns ist, sehen wir noch daran: Er, der über das Vergehen dieser Frau wirklich richten hätte können, der wirklich den ersten Stein hätte werfen können, weil er sündenlos war, er nimmt es noch auf sich, dass er sich von dieser Welt richten und verurteilen lässt, dass er sich mit dem Tod bestrafen lässt, als hätte er alles verbrochen, was in dieser Welt an Bösem geschieht, als wäre er der schlimmste Übeltäter dieser Welt, der beseitigt werden muss. Der hl. Paulus sagt: Verachtest du etwa den Reichtum seiner Güte, Geduld und Langmut? Weißt du nicht, dass Gottes Güte dich zur Umkehr treibt? (Röm 2,4).

 

Jetzt ist sie da, die Zeit der Gnade

Im Evangelium des 3. und 4. Sonntags im Jahreskreis (C) hören wir vom ersten öffentlichen Auftreten Jesu in der Synagoge seiner Heimatstadt Nazaret. Jesus liest aus dem Buch Jesaja die Verheißung: „Der Geist des Herrn ruht auf mir … Er hat mich gesandt, damit ich den Armen eine gute Nachricht bringe … und ein Gnadenjahr des Herrn ausrufe.“ Und Jesus gibt den Leuten zu verstehen: „Heute hat sich das Schriftwort, das ihr eben gehört habt, erfüllt“ (Lk 4,21) Zuerst staunen die Menschen über seine Worte. Doch als er ihnen zu verstehen gibt, dass es für sie um den Glauben an ihn und die Bekehrung zu Gott geht, da werfen sie ihn aus der Stadt hinaus. Sie haben die Gnadenzeit, die jetzt für sie gekommen war, nicht angenommen.

Das war die große Herausforderung des Glaubens für die Leute damals, aber das ist sie auch für uns. Denn auch wir sind hier, jetzt und heute aufgerufen zum Glauben und zur Bekehrung.

Das Heute, das Jesus damals ausgesprochen hat, hat bleibende Gültigkeit. Das will der hl. Lukas uns besonders vor Augen stellen.
Mit diesem „Heute“ haben wir auch eine Eigentümlichkeit des Lukasevangeliums vor uns. Nur bei Lukas finden sich diese Heute-Aussagen, mit denen er die Gegenwart der Erlösung aufzeigen will:

Dieses Heute erklang zum ersten Mal auf den Fluren von Bethlehem aus dem Mund der Engel: „Heute ist euch in der Stadt Davids der Heiland geboren“ (Lk 2,11). Oder denken wir an die Bekehrung des Zöllners Zachäus in Jericho. Jesus sagte zu ihm: „Heute muss ich in deinem Hause Einkehr halten!“ (Lk 19,5).  „Heute ist diesem Haus Heil widerfahren!“ Im Gleichnis vom verlorenen Sohn sagt der Vater: „Heute müssen wir ein Fest feiern und uns freuen…“ Am Kreuz spricht Jesus zum rechten Schächer: „Heute noch wirst du mit mir im Paradiese sein!“ (Lk 23, 43). Dieses Heute gilt nun immer, tagtäglich neu wird uns die Gnade Gottes durch Jesus Christus und seine Kirche angeboten.

Jesus ist nicht gekommen, um zu richten, sondern um zu retten und ein Gnadenjahr auszurufen. Das Gericht wird erst zuletzt kommen am Ende unserer eigenen Zeit und am Ende der Weltzeit. Deshalb sagt der hl. Paulus: „Jetzt ist sie da, die Zeit der Gnade“ (2.Kor 6,2), die wir aus Gottes Hand annehmen dürfen und nützen sollen, denn irgendwann ist diese Zeit vorbei.

Die Bewohner von Nazaret haben dieses Heute der Gnade Gottes nicht angenommen und Jesus hinausgeworfen. Aber der hl. Lukas stellt uns die Hirten vor Augen, die nach Bethlehem geeilt sind, dann den Zachäus, der sich bekehrt hat, den verlorenen Sohn, der zum Vater zurückgekehrt ist, und den rechten Schächer, der in seinem Kreuzesleiden auf Jesus vertraut hat.

Der hl. Pater Pio gibt uns zu bedenken: „Auch für uns kommt einmal die letzte Stunde, wo unser Herz zu schlagen aufhört und alles für uns beendet ist: die Zeit, Verdienste zu erwerben und die Zeit zu sündigen. So wie der Tod uns finden wird, so wird er uns Christus dem Richter vorführen. Unser Schrei um Erbarmen, unsere Tränen, unser Reueschmerz, der uns in unserem Leben das Herz Gottes erobert und uns durch die Sakramente aus Sündern zu Heiligen gemacht hätte, kann uns nichts mehr nützen. Die Zeit der Barmherzigkeit ist vorüber, nun hat die Zeit der Gerechtigkeit begonnen.“

 

Bewahre uns vor Verwirrung und Sünde

Am 33. Sonntag im Jahreskreis und am 1. Adventsonntag hören wir im Evangelium Abschnitte aus den Reden Jesu über die Endzeit. Er spricht von seinem Wiederkommen in Herrlichkeit zum Gericht und von den apokalyptischen Ereignissen, die dem vorausgehen. Jesus will uns damit vor allem zwei Wahrheiten einprägen:
1) Es gibt ein Gericht, es gibt die Gerechtigkeit Gottes, die sich  endgültig gegen alle bösen Mächte durchsetzen wird, und
2) Gott ist es, der die Welt mit seiner gütigen und weisen Vorsehung lenkt und uns durch alle Nöte dieser Welt zur ewigen Vollendung führt.

Deshalb ist es für uns als gläubige Menschen wichtig, dass wir ganz im Glauben und im Vertrauen auf die Vorsehung Gottes leben, aber zugleich auch wachsam bleiben, damit wir die Zeichen der Zeit erkennen, nicht falschen Heilsversprechungen nachlaufen und uns durch das, was auf uns zukommt, nicht in Angst und Verwirrung bringen lassen.

Aber was können wir tun, damit unser Glaube größer wird? Das Wichtigste ist sicherlich das Gebet um den Heiligen Geist. Vieles liegt ja an der Sichtweise, wie wir die Dinge innerlich sehen.

Zur Zeit des hl. Gregors des Großen gingen die Stürme der Völkerwanderung und der Zerstörung der alten Kultur über das Abendland hinweg. Für die Menschen der damaligen Zeit war dies eine so große Katastrophe, dass viele in Verwirrung und Panik gerieten und schon den Weltuntergang erwarteten. Deshalb hat der hl. Gregor in das Gebet nach dem Vaterunser in der heiligen Messe ausdrücklich die Bitte um die Bewahrung vor Verwirrung hinzugefügt. „Bewahre uns vor Verwirrung und Sünde, damit wir voll Zuversicht das Kommen unseres Erlösers Jesus Christus erwarten.“

Der Heilige Geist hilft uns, die Augen unserer Seele nicht so sehr auf die Widerwärtigkeiten zu richten, die wir zu erdulden haben, sondern vielmehr auf das Gute, das die göttliche Vorsehung damit hervorbringen will. Natürlich werden wir nicht immer gleich einsehen, wozu es gut ist, aber wir können daran glauben, dass Gott es weiß.

Ein Kapitän erzählte, dass er mit seinem Schiff in der Nähe der Goldküste (Westafrika) vor Anker gehen wollte. Aber vom Hafen aus kam das Signal: Sofort in den Hafen einkehren! Gefahr! Der Kapitän ließ den Anker einziehen und suchte den schützenden Hafen auf. Dort angekommen, fragte er, warum er nicht draußen vor Anker bleiben durfte. Die Antwort war: Dort draußen ist fauler Grund. Wenn ein Sturm kommt, hält der Anker nicht. Das Schiff könnte leicht an den Felsen zerschellen.

Nicht die Welt kann uns mit ihren Versprechungen Schutz und festen Halt bieten. Wenn wir aber unser Herz immer wieder im Gebet beim Herrn verankert halten, dann geraten wir nicht in heillose Verwirrung, wenn die Stürme kommen. Der hl. Paulus sagt, dass Gott jenen, die ihn lieben, alles zum Guten gereichen lässt.

 

Sogleich öffneten sich seine Ohren

Mit den Wort „Effata“ – öffne dich – hat Jesus die Ohren und den Mund eines Taubstummen berührt und geheilt. Davon hören wir im Evangelium zum 23. Sonntag im Jahreskreis (B). Bei der Feier der Taufe gibt es den sogenannten Effata-Ritus, der uns daran erinnert, dass Gott uns durch die Taufe die Ohren und den Mund geöffnet hat, damit wir auf sein Wort hören und uns zu ihm bekennen. Aber was im Sakrament an uns geschehen ist, soll auch im Leben verwirklicht werden.

Leider gibt es in unserer Zeit so viele Getaufte, die geistlich gesehen taubstumm geblieben oder geworden sind, wie der Prophet Jesaia schon zu seiner Zeit gesagt hat: die hören können und doch nicht hören, die reden können und doch stumm sind.

Die geistliche Taubheit besteht darin, dass man die Wahrheit des Glaubens und die Stimme Gottes, die zu uns im Gewissen und im Herzen spricht, nicht mehr hören kann, dass man das geistige Ohr verschließt.

Diese Art der Taubheit hat gewöhnlich auch das Stummsein zur Folge: Es besteht in der Vernachlässigung des Gebetes. Aus dem Mund des Stummen kommt keine Bitte um die Hilfe Gottes und kein Dank für empfangene Wohltaten.  Er ist auch nicht mehr imstande oder nicht mehr gewillt, sein Sünden in der heiligen Beichte zu bekennen, um die Verzeihung zu erlangen. Wer sein geistliches Ohr für den den Glauben verschließt, wird also die Sprache des Gebetes nicht gebrauchen, der kann auch nicht wirklich richtig erlösend reden und bekennen, was in seinem Herzen an Schuld verborgen ist. Es ist ein schlimmer geistlicher Zustand, wenn also ein Mensch in seiner Seele taubstumm ist. Gläubige Eltern machen oft die Erfahrung, dass ihre Kinder, die sich vom Glauben abgewendet haben, einfach nicht mehr auf das hören, was sie über den Glauben sagen. Sie sind einfach taub. Das Wort Gottes kann nicht mehr in ihre Seele eindringen.

Aber was können wir tun? Das heutige Evangelium zeigt uns hier den Weg. Dieser Taubstumme wäre damals wohl nie von selber zu Jesus gekommen, um ihn um Hilfe zu bitten, er konnte ja nichts über Jesus hören. So mussten ihn die anderen zu Jesus bringen und Jesus um Hilfe und Heilung bitten.

Genau das ist auch unsere Aufgabe. Jene, die geistlich taub und stumm sind, bemerken ihr eigenes Elend nicht und es hilft nicht, ihnen zuzureden, ihnen etwas vom Glauben, von den Geboten Gottes  zu sagen, sie hören die Worte doch nicht.

Aber wenn wir sie einerseits durch unser inständiges Gebet zum Herrn bringen und sie andererseits voll Glauben vielleicht zu einer Wallfahrt, zu einer guten Glaubensveranstaltung, zu Exerzitien, zu einem Abend der Barmherzigkeit, zu einer hl. Messe, zur Anbetung … einladen und mitnehmen, dann bieten wir dem Herrn die Gelegenheit, dass er sie in ihrem Herzen berühre und ihnen die Ohren öffne  .

 

Kreuzerhöhung

Am 14. September feiern wir das Fest Kreuzerhöhung, das uns an die Auffindung des Kreuzesholzes Jesu in Jerusalem erinnert. Der hl. Paulus hat sehr tief erkannt, dass das Kreuz Christi unsere Rettung ist: „Ich bin mit Christus gekreuzigt worden; nicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt in mir“ (Gal 2). Eine Geschichte aus der griechischen Mythologie, die auch die Kirchenväter auf Christus hin gedeutet  haben, zeigt uns, warum wir uns an das Kreuz Christi binden sollen.

Der Dichter Homer hat in seinem Buch der „Odyssee“ die zehnjährige Irrfahrt des Helden Odysseus auf der Heimreise noch Griechenland geschildert. Er kam auf seiner Fahrt auch zu den Inseln der Sirenen. Die Sirenen faszinierten mit ihren verführerischen Stimmen die Seeleute so sehr, dass diese ihren Kurs verließen, um jenen herrlichen Stimmen zu folgen. Aber der neue Kurs war tödlich, denn die Schiffe zerschellten dann an den Klippen. Um an der Gefahr der Sirenen vorbeizukommen, ließ Odysseus seinen Gefährten die Ohren mit Wachs verstopfen und er selbst ließ sich an den Mastbaum binden, damit er nicht von den verführerischen Stimmen weggelockt werden konnte. So entkamen er und seine Gefährten der unwiderstehlichen Versuchung und sie überlebten.

Auch wir sind auf der Fahrt unseres Lebens von manchen Stimmen und Verführungen bedroht. In den gefährlichen Fahrwassern unserer Zeit müssen wir den richtigen Kurs halten und dürfen nicht ins Verderben abweichen. Aber dazu müssen wir einerseits die Ohren verschließen gegen die verlockenden Lügen dieser Welt und uns auch anbinden lassen an das Kreuz Christi, indem wir der Berufung, die uns Gott gegeben hat, treu bleiben. Wenn wir uns an die Liebe Jesu Christi, an sein Kreuz, binden, sind wir wirklich frei und unabhängig von allen anderen Stimmen. An den gekreuzigten Herrn gebunden zu sein, das ist die Freiheit des Lebens.

 

Die verklärende Kraft des Gebetes

Am 6. August feiern wir das Fest der Verklärung des Herrn. Jesus hat durch seine Verklärung auf dem Berg Tabor den Aposteln Petrus, Jakobus und Johannes seine verborgene Auferstehungsherrlichkeit geoffenbart. Er wollte sie damit auf sein Leiden und Sterben vorbereiten, damit sie, wenn sie Jesus am Kreuz sehen, nicht irre werden im Glauben an seine Macht und Gottheit.

Was Jesus damals mit diesen drei Jüngern getan hat, das will der Herr auch heute mit uns tun. Er möchte uns zu einer neuen Sichtweise führen, in der wir die herrliche Gegenwart Gottes erkennen, die hinter dieser sichtbaren Welt verborgen ist und an die Auferstehung glauben. Es kommt in unserem Leben sehr darauf an, wie wir die Dinge sehen, in welchem Licht wir vor allem die Kreuze und Leiden sehen, damit wir nicht im Glauben an die Liebe Gottes irre werden. Die Verklärung auf dem Berg zeigt uns, wie wir zu dieser geistlichen Schau der Herrlichkeit Christi gelangen.

Das Erste ist die Übung des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe. Das ist mit den drei Aposteln angedeutet, die Jesus auf den Berg mitgenommen hat. Petrus verkörpert den Glauben; Jakobus die Hoffnung, da er als erster der Apostel das Martyrium erlitten hat; Johannes stellt die Liebe dar.

Das Zweite ist die Sammlung des Herzens. Es heißt: „Jesus nahm sie beiseite und stieg mit ihnen auf einen Berg, um zu beten.“ Wir müssen unsere Seele von Christus auf diesen einsamen Berg des Gebetes führen lassen. Die Welt gaukelt uns so vieles vor. Man muss immer wieder versuchen, sich von allen möglichen Ablenkungen loszulösen, um zum Gebet zu kommen. Ein Besuch beim Allerheiligsten in der Kirche könnte für uns dieser Taborberg sein.
Ein Drittes: Es heißt im Lukasevangelium ausdrücklich, dass die Verklärung des Herrn geschah, während er betete. Im Gebet liegt also die wesentliche Kraft, durch die wir zu einer tieferen Sicht des Lebens gelangen. Denn durch das Gebet wird uns die Gnade des Himmels mitgeteilt. Echtes Gebet ist in einer bestimmten Weise immer eine Verklärung des Geistes, eine Anteilnahme an der Auferstehung des Herrn. Der heilige Franz von Sales sagt: „Das Gebet stellt unseren Geist in die Helle des göttlichen Lichtes und unseren Willen in die Wärme der göttlichen Liebe. Darum gibt es nichts, was so geeignet wäre, den Geist von seiner Blindheit und den Willen von seinen schlechten Neigungen zu reinigen wie das Gebet. Menschen, die sich von Christus auf den Berg der Verklärung führen lassen, haben einen anderen Blick auf diese Welt, weil sie gelernt haben, alles im Lichte Gottes und in der Kraft seiner Auferstehung zu sehen. Und das verändert und wandelt vieles: zuerst sie selbst und dann auch die anderen.

 

Sie verharrten einmütig im Gebet

Von der Zeit zwischen Christi Himmelfahrt und Pfingsten heißt es in der Apostelgeschichte: „Sie alle verharrten dort einmütig im Gebet, zusammen mit den Frauen und mit Maria, der Mutter Jesu und mit seinen Brüdern“ (Apg 1,14). Es war die erste Pfingstnovene, die die Kirche gebetet hat. Es war ein äußerst fruchtbares und wirkungsvolles Gebet, das den Lauf der Welt gänzlich verändert hat.

Der Heilige Geist ist an Pfingsten auf sie herabgekommen. Und schon am Pfingsttag haben sich auf die Predigt des Petrus hin tausende zum Glauben an Christus bekehrt. Und von da an hat sich die Kirche unaufhörlich ausgebreitet. Das Gebet der Jünger im Abendmahlssaal war nicht vergeblich. Es hat wahrhaft Großes bewirkt. Es hat die Welt verändert.

Wenn wir an unser Leben denken und den Lauf unserer Zeit, dann kommt uns vielleicht die Frage, ob der Heilige Geist auch heute solche Dinge bewirket, wie sie am Anfang der Kirche geschehen sind. Und es war für uns vielleicht fraglich, ob das Beten überhaupt etwas nützt, und ob man durch das Gebet etwas im Lauf der Welt verändern kann.

Aber wenn wir den Sinn und die Wirkung des Betens tiefer verstehen wollen, kann uns das Vorbild der Kirche im Abendmahlssaal helfen. Hier müssten wir einige Dinge betrachten.

1) Als erstes fällt uns auf, dass durch das Gebet die Welt nicht zuerst draußen verändert wurde, sondern drinnen im Herzen der Jünger, dort hat der Heilige Geist zuerst gewirkt. Wir möchten oft gerne haben, dass Gott die Menschen, die Situationen, die Welt ändert, aber wir selber möchten so bleiben wie wir sind. Der Heilige Geist möchte  aber bei uns selber anfangen, wenn wir ihn wirken lassen.

2) Diese Änderung der Welt ist aber nicht ein Werk das wir alleine schaffen. Deshalb war damals im Obergemach von Jerusalem auch die ganze junge Kirche versammelt und betete gemeinsam. Der heilige Lukas sagt sogar noch mehr: sie beteten „einmütig“. Das heißt, sie hatten untereinander alle Differenzen und Unstimmigkeiten ausgeräumt. Ohne die Gemeinschaft der Kirche, ohne die Einmütigkeit im Glauben und in der Liebe, wirkt der Heilige Geist nicht. Am Pfingsttag traten sie an die Öffentlichkeit als Menschen, die ganz von der Gnade Christi ergriffen sind, die aber auch untereinander eins geworden sind und so legen sie Zeugnis ab für das Gnadenwirken Gottes.

3) Und ein Drittes müssen wir beachten, damit das Gebet um den Heiligen Geist reiche Frucht bringt. Es ist die Einheit mit Maria. Die junge Kirche hat die Einheit mit ihr gesucht, weil sie dem Herrn und dem Wirken des Heiligsten Geistes am nächsten war und weil ihre Fürbitte die größte Macht bei Gott hat.

Das Gebet hat damals die Herzen der Jünger verändert und damit den Lauf der Welt. Auch unser Gebet um den Heiligen Geist wird nicht fruchtlos bleiben.

 

Wenn das Weizenkorn nicht stirbt

Im Evangelium des 5. Fastensonntags (B) sagt Jesus die bedeutsamen Worte: „Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein; wenn es aber stirbt, bringt es reiche Frucht.“

Diesen Vorgang aus der Natur hat Jesus zuerst auf sich bezogen. Mit seinem Leidensweg, den er gegangen ist, indem er sich kreuzigen ließ, gestorben ist und begraben wurde, hat er als Weizenkorn die reiche Frucht der Auferstehung und des ewigen Lebens hervorgebracht.

Dieses Bild vom Weizenkorn ist aber auch für uns ein anschauliches Bild für den Sinn und das Ziel unseres christlichen Lebens. Denn jeder Mensch, der mit Christus durch den Glauben verbunden ist, wird auch diese Frucht des ewigen Lebens hervorbringen. Jesus hat uns dies verheißen: „Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt, und jeder, der lebt und an mich glaubt, wird auf ewig nicht sterben“ (Joh 11,25f).

Doch hier müssen wir weiter betrachten: Dieses Sterben, von dem Jesus spricht, meint nicht nur den Augenblick unseres leiblichen Todes. Denn schon vor diesem letzten  entscheidenden Augenblick wird von uns immer wieder einmal ein Sterben, ein Loslassen und Abschiednehmen verlangt. Wir müssen durch verschiedenste Prüfungen in unserem Leben gehen, die Gott in seiner weisen Vorsehung zulässt oder verfügt.

Es kann sein, dass wir einen lieben Menschen verlieren, eine gute Stellung, unsere Gesundheit, unser leibliches Wohlergehen. Wir erfahren, dass vieles ganz anders kommt, als wir es erhofft und erwartet haben.

Alle Momente des Loslassens, die das irdische Leben mit sich bringt, haben für uns oft etwas Schmerzliches an sich. Aber der Herr will uns zur Einsicht führen, dass uns nicht diese Welt die große Erfüllung schenken kann, sondern nur er. Er will uns zur Erkenntnis verhelfen, die die heilige Teresa von Avila einmal treffend in die Worte gefasst hat: „Wer Gott hat, der hat alles. Gott allein genügt.“

Darum ist es für uns wichtig, dass wir den Rat befolgen, den wir in einem Weisheitsbuch des Alten Testamentes lesen: „Nimm alles an, was über dich kommen mag, halte aus in vielfacher Bedrängnis. Denn im Feuer wird das Gold geprüft und jeder der Gott gefällt im Schmelzofen der Bedrängnis. Hänge am Herrn, und weiche nicht ab, damit du am Ende erhöht wirst“ (Sir 2,3-6).

Ja, wenn wir dieses irdische Sterben und Loslassen immer wieder bereitwillig, im Vertrauen auf Gott und aus Liebe zu ihm annehmen, dann werden wir erfahren, dass diese Auferstehung und das ewige Leben schon jetzt beginnen. Wir werden immer wieder neu den Trost des Heiligen Geistes empfangen und zur inneren Überzeugung gelangen, „dass die Leiden der gegenwärtigen Zeit nichts bedeuten im Vergleich zu der Herrlichkeit, die an uns offenbar werden soll“ (Röm 8,18).

 

Kehrt um, und glaubt an das Evangelium!

Am 3. Sonntag im Jahreskreis (B) hören wir in der Lesung einen Abschnitt aus dem alttestamentlichen Buch Jona. Dieses Buch erzählt uns vom Propheten Jona, der im Auftrag Gottes der Stadt Ninive den Untergang ankündigen musste. Die Einwohner von Ninive haben das Wort des Propheten ernst genommen. Sie haben in Sack und Asche Buße getan und sich von ihren bösen Wegen abgewendet. Deshalb hat Gott Ninive vor der Strafe des Untergangs verschont.

Diese Begebenheit offenbart uns einerseits, dass Gott das sündhafte Leben, das Leben gegen seine Gesetze und Gebote niemals gutheißt. Ja, dass eine Missachtung seiner Gebote unausweichlich ihre negative Folgen hat.  „Denn so hast du’s (o Gott) angeordnet und so geschieht es auch, dass jeder Geist, der aus deiner Ordnung fällt, sich selbst zur Strafe werden muss“ sagt der hl. Augustinus. Aber die Geschichte von Jona offenbart uns auch die Barmherzigkeit Gottes. Gott will nicht den Untergang des Sünders, sondern dass er umkehrt und lebt.

So können wir für unsere Zeit die Frage stellen: Kann das Ninive unserer Tage, das heißt unsere Kultur und Gesellschaft, die sich so schwerwiegend von Gott und seinen Geboten abgewendet hat, noch gerettet werden?

Die einfachen, gläubigen Leute, die sich über den Zustand unserer Welt ihre Gedanken machen, sagen. „Es muss etwas kommen. So kann es nicht mehr lange weitergehen!“ Das sagt ihnen der nüchterne Hausverstand. Das Schwert hängt bedrohlich über unseren Häuptern.

Wird es noch vierzig Tage dauern oder beginnt der Zusammenbruch schon morgen? Allen sitzt irgendwie die Angst im Nacken. Aber diese Angst führt nicht wirklich zur Bekehrung der Herzen. Es sind kaum Zeichen der Umkehr zu sehen. Die Gleichgültigkeit gegen Gott und die Ablehnung des christlichen Glaubens und der Gebote Gottes wird eher größer. Die Kirchen werden leerer, nicht nur wegen Corona, wenige gehen noch zur Beichte. Wie soll es weitergehen?

Am Beginn des öffentlichen Wirkens hat Jesus die Menschen zur Umkehr gerufen: „Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahe. Kehrt um, und glaubt an das Evangelium!“ (Mk 1,15).  Er ist gekommen die Barmherzigkeit und Liebe Gottes zu offenbaren und eine Zeit der Gnade auszurufen. Wer an ihn glaubt, sich von seinen Sünden abwendet, der wird bei Gott Rettung und Heilung finden.

Das ist die Botschaft unserer Erlösung, die bis heute ihre Gültigkeit behält. Die Umkehr des Herzens ist auf jeden Fall unsere Rettung, gleich was auch sonst über uns kommen mag. Denn an Jesus Christus zu glauben auf ihn zu hoffen und ihn zu lieben bringt uns das ewige Leben. Die treue Nachfolge Christi bleibt für uns eine beständige Lebensaufgabe. Keiner ist so schlecht, dass er nicht umkehren könnte. Aber auch keiner ist so gut, dass er nicht in der Liebe wachsen könnte.