Lügen ist komplizierter

Nie wird so viel gelogen wie vor einer Wahl, während eines Krieges und nach einer Jagd! Otto von Bismarck

„Euer Ja sei ein Ja, euer Nein ein Nein; alles andere stammt vom Bösen (Mt 5,37),“ sagt Jesus in der Bergpredigt und ruft uns damit zur Wahrhaftigkeit und Geradheit des Denkens und zur Lauterkeit des Herzens auf. Der Mensch ist auf die Wahrheit hin geschaffen. Bei der Wahrheit zu bleiben ist für ihn immer das Einfachste. Das kann man auch an den Gehirnzellen messen.

Nach einem Bericht des Wissenschaftsmagazins Nature haben Wissenschaftler der University of Pennsylvania eine Methode entwickelt (funktionelle Magnetresonanztomographie =fMRT), mit der sie die Aktivitäten des Gehirns beim Denken genau lokalisieren und messen können.

Sie haben in einer Arbeit versucht nachzuweisen, dass man diese Methode zu einer Art Lügendetektor-Test nutzen könne. Sie hatten Testpersonen dazu aufgefordert bei der Erkennung von Spielkarten zu lügen. Gelang es den Testpersonen erfolgreich zu lügen, sollten sie jeweils 20 USDollar gewinnen. Aber durch die Messung der Gehirnströme konnte man die Lügen gut erkennen. Die Auswertung zeigte im Fall einer Lüge eine erhöhte Aktivitäten in den Frontal-Lappen des Gehirns. „Eine Lüge ist immer komplizierter als die Wahrheit“, kommentiert der an der Studie beteiligte Rugen Gur gegenüber der Zeitschrift Nature. „Man muss ein bisschen mehr denken  und das kann man mit der fMRT nachweisen.“

Gott ist der Herr der Geschichte und unserer Zukunft

"Blinde führen Blinde und stürzen in die Grube ", Bild des niederländischen Malers Pieter Bruegel des Älteren (1568). Unsere Vergangenheit gehört der Barmherzigkeit Gottes, unsere Zukunft der Vorsehung Gottes, unsere Gegenwart der Liebe Gottes.

Ein tief im Herzen verankertes Verlangen des Menschen ist es, etwas über die Zukunft zu erfahren. Was wird kommen für uns persönlich, für die Gesellschaft, für die Welt? Die Menschen haben seit jeher versucht, mit allen möglichen Mitteln in die Zukunft zu schauen. Aber Gott ist der Herr der Geschichte und unserer Zukunft. Er lässt sich nicht so einfach in die Karten schauen. Das zeigt auch der folgende Bericht:

Der Mainzer Mathematiker Michael Kunkel hat von 27 Wahrsagern 110 Prognosen gesammelt und ausgewertet, die für das Jahr 2005 gemacht wurden. Seine Bilanz fällt vernichtend aus: „Auch dieses Jahr muss man den Wahrsagern insgesamt ein ungenügendes Zeugnis ausstellen.“ Überwiegend hätten sie „Banales, Unverständliches oder gänzlich Absurdes“ vorausgesagt, findet Kunkel. Und wo sie konkret geworden seien, hätten sie sich abgesehen von Zufallstreffern geirrt.

Mit Prophezeiungen zum Tod des Papstes, die in den achtziger und neunziger Jahren zu ihrem Standardrepertoire gehörten, hielten sich die Wahrsager für 2005 erstaunlich zurück. Erst als Johannes Paul II. im Februar bereits zum zweiten Mal im Krankenhaus lag und nicht mehr sprechen konnte, wagte Martin Schmid, den Tod des Heiligen Vaters für Ende April oder Anfang Mai anzukündigen. Dieser kam dem Deuter dann aber am 2. April zuvor. Zu den weiteren FehlProphezeiungen für 2005 gehörten ein Anschlag auf USPräsident George W. Bush und ein Zusammenbruch des USDollars. Dankbar für die mangelnde Aussagekraft der Prognosen dürfte Fernsehmoderator Frank Elster sein. Die Berliner Astrologin Monika Transier hatte ihm ebenso wie dem italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi, der Schauspielerin Doris Day und dem britischen Prinz Philip ein baldiges Ableben mit konkretem Termin vorausgesagt. Trotz mehrerer Terminkorrekturen sind alle vier wohlauf. Kein einziger Astrologe, Wahrsager oder Numerologe hatte das Großereignis der Neuwahl in Deutschland vorausgesagt.

Im Katechismus der Katholischen Kirche wird uns die recht christliche Haltung zur Wahrsagerei gezeigt. Da heißt es bei der Nr. 2116: „Sämtliche Formen der Wahrsagerei sind zu verwerfen: die Indienstnahme von Satan und Dämonen, die Totenbeschwörung oder andere Handlungen, von denen man zu Unrecht annimmt, sie könnten die Zukunft „entschleiern“. Hinter Horoskopen, Astrologie, Handlesen, Deuten von Vorzeichen und Orakeln, Hellseherei und dem Befragen eines Mediums verbirgt sich der Wille zur Macht über die Zeit, die Geschichte und letztlich über die Menschen, sowie der Wunsch, sich die geheimen Mächte geneigt zu machen. Dies widerspricht der mit liebender Ehrfurcht erfüllten Hochachtung, die wir allein Gott schulden.“

Von den Wahrsagern können wir also nichts wirklich Wahres und Heilsames erfahren. Das heißt aber nicht, dass uns Gott völlig im Dunkeln belässt, was die Zukunft angeht. Im Katechismus heißt es bei der Nummer 2115: „Gott kann seinen Propheten und anderen Heiligen die Zukunft offenbaren. Die christliche Haltung besteht jedoch darin, die Zukunft vertrauensvoll der Vorsehung anheim zu stellen und sich jeglicher ungesunder Neugier zu enthalten. Wer es an notwendiger Voraussicht fehlen lässt, handelt verantwortungslos.“

In der gegenwärtigen Situation braucht man kein Hellseher zu sein, um zu erkennen was bald auf uns zukommt. Maria hat in Fatima den Kindern die prophetischen Botschaft gegeben: “ … mehrere Nationen werden vernichtet werden …“, wenn wir nicht umkehren und beten. Wenn wir nun bedenken, dass sich im Atomstreit um den Iran die großen westlichen Industrienationen einig geworden sind, nötigenfalls sogar mit „Atomwaffen!“ gegen den Iran vorzugehen und alle davon reden, dass dies alles nur der „Sicherung des Friedens!“ dient, dann kann uns klar werden, dass die Erfüllung dieses Wortes der Gottesmutter nicht mehr fern ist. Der Dichter Reinhold Schneider hat angesichts des 2. Weltkriegs geschrieben: „Allein den Betern kann es noch gelingen, das Schwert ob unsren Häuptern aufzuhalten, und diese Welt den richtenden Gewalten durch ein geheiligt Leben abzuringen.“

Nicht perfekt – aber vollkommen

Jesus hat uns in der Bergpredigt zur Heiligkeit aufgerufen: „Ihr sollt vollkommen sein, wie es auch euer himmlischer Vater ist“ (Mt 5,48). Wir haben vielleicht den Eindruck, dass er etwas Unmögliches von uns verlangt. Aber dieser Eindruck kommt davon, dass wir die christliche Vollkommenheit mit einem menschlich gedachten „Perfektionismus“ verwechseln. Diese Vollkommenheit besteht nicht darin, dass wir keine Fehler machen und keine Schwächen mehr haben, sie zeigt sich vielmehr darin, dass wir danach trachten, Christus nachzufolgen und so wie er zu denken, zu lieben, zu fühlen und zu handeln. Aus eigener Kraft vermögen wir nichts Gutes zu tun. Aber mit dem hl. Paulus können wir sagen: „Alles vermag ich durch ihn, der mir Kraft gibt“ (Phil 4, 13). Diese Erkenntnis bewahrt uns in der Demut und macht uns nachsichtig mit den Fehlern anderer.

In der Haltung des Perfektionismus aber, schaut der Mensch nur auf sich selbst und ist mit sich selbst beschäftigt. Er kann es nicht annehmen
oder er will es nicht sehen, dass er selber Fehler und Schwächen hat. Zugleich stellt er auch zu große Erwartungen an seine Mitmenschen. Und wenn etwas nicht gelingt, wird er mutlos oder schiebt die Schuld auf andere. Der Perfektionismus ist letztlich eine Form des Stolzes, mit dem man sich selbst und den anderen das Leben schwer macht und sein eigenes Glück verbaut. Eine kleine, heitere Geschichte soll uns zeigen, wie es den Perfektionisten ergeht:
Ein Schüler fragte Nasrudin eines Tages, warum er nie geheiratet habe. „Ach,“ antwortete Nasrudin „ich hatte mir vorgenommen, nur dann zu heiraten, wenn ich die perfekte Frau gefunden habe. So suchte ich lange Jahre und begegnete vielen Frauen, die nett und schön und intelligent waren. Aber keine war perfekt.“ Nach einer kleinen Pause fuhr er fort: „Eines Tages sah ich sie. Ich wusste sofort, dass sie in jeder Hinsicht perfekt war. Und als ich sie dann kennen lernte, stellte sich heraus, dass sie tatsächlich in jeder Hinsicht ein makelloses Juwel war.“ „Und, warum hast du sie dann nicht geheiratet?“ fragte der Schüler. Nasrudin seufzte tief: „Das Problem war, dass sie den perfekten Mann suchte.“

Als Jesus die vielen Menschen sah, hatte er Mitleid mit ihnen

Der Heilige Vater richtet an uns eine Botschaft für die Fastenzeit. In seiner Betrachtung geht er vom Wort des Evangeliums aus: „Als Jesus die vielen Menschen sah, hatte er Mitleid mit ihnen” (Mt 9,36). Im Blick auf die soziale Entwicklung unserer Gesellschaft muss die Kirche und jeder Christ an Christus das Maß nehmen. Jeder von uns ist zur tätigen Nächstenliebe aufgerufen. Hier einige wichtige Aussagen aus seiner Botschaft:

Die Antwort auf die materiellen und sozialen Bedürfnisse der Menschen kann nämlich keineswegs von der Erfüllung der tiefen Sehnsucht ihrer Herzen getrennt werden. Darum ist der erste Beitrag der Kirche zur Entwicklung des Menschen und der Völker nicht die Bereitstellung materieller Mittel oder technischer Lösungen, sondern die Verkündigung der Wahrheit Christi, welche die Gewissen erzieht und die authentische Würde der menschlichen Person wie der Arbeit lehrt, und zudem eine Kultur fördert, die auf alle echten Fragen der Menschen antwortet. …

Angesichts der schrecklichen Herausforderungen der Armut vieler Menschen stehen die Gleichgültigkeit und die Verschlossenheit im eigenen Egoismus in unerträglichem Gegensatz zum „Blick” Christi. Fasten und Almosen, welche die Kirche zusammen mit dem Gebet in besonderer Weise in der Fastenzeit empfiehlt, sind eine günstige Gelegenheit, eins zu werden mit dem „Blick” Christi. …
Die Hingabe seiner selbst an den anderen, in der sich die Liebe ausdrückt, kann durch kein ökonomisches, soziales oder politisches Projekt ersetzt werden Wer nach dieser Logik des Evangeliums tätig ist, lebt den Glauben als Freundschaft mit dem menschgewordenen Gott und nimmt sich – wie ER – der materiellen und geistlichen Nöte des Nächsten an. Er weiß, wer nicht Gott gibt, gibt zu wenig – wie die selige Theresa von Kalkutta sagte: „Die erste Armut der Völker ist es, dass sie Christus nicht kennen”. Darum gilt es, Gott im barmherzigen Antlitz Christi zu finden; ohne diese Perspektive baut eine Völkergemeinschaft nicht auf festen Grund.

Ich bin Christ – Zeugnis der Märtyrer

Aus dem 3. Jahrhundert sind uns verschiedene Protokolle von Prozessen erhalten, die in der Verfolgungszeit gegen Christen geführt wurden. Von einem Märtyrer mit Namen Sanctus wird uns berichtet, dass er vom Richter nach seinem Namen, nach seiner Abstammung und seiner Heimat gefragt wurde. Auf jede dieser Fragen hat er nur die Antwort gegeben: „Ich bin ein Christ!“ Das feste Bekenntnis dieses Christen im Angesicht des Todes hat sogar seine Verfolger in Erstaunen versetzt.

Am Zeugnis dieses Märtyrers kann uns bewusst werden, was es heißt, getauft zu sein. Denn in der Taufe sind wir zu einem neuen Leben geboren worden.
Durch die Taufe tragen wir den Namen Christi, so wie ein Kind bei seiner Geburt den Familiennamen seiner Eltern erhält. „Ich bin Christ!“ Das schließt ein, dass ich mich zu Christus, aber auch zu seiner Familie, zur katholischen Kirche bekenne. Das ist auch in unserer Zeit nicht immer leicht.

Durch die Taufe haben wir auch eine neue Abstammung, d.h. neue „Eltern“ erhalten. Gott hat mich als sein Kind angenommen, er ist mein Vater und die Kirche ist meine Mutter. Es ist eine der beglückendsten Einsichten im Glauben, wenn wir das begreifen.

Durch die Taufe haben wir eine neue Heimat erhalten. Der hl. Paulus sagt: „Unsere Heimat ist im Himmel.“

Fest der Taufe des Herrn – „Das ist mein geliebter Sohn!“

Am Beginn seines öffentlichen Wirkens lässt sich Jesus von Johannes im Jordan taufen. Nach seiner Taufe öffnet sich der Himmel. Der Heilige Geist kommt auf ihn herab und die Stimme des Vater sagt: “Das ist mein geliebter Sohn, an dem ich Gefallen gefunden habe.” Wir könnten fragen: Was gefällt dem himmlischen Vater so sehr an seinem menschgewordenen Sohn?

Der Vater hat sein besonders Wohlgefallen daran, dass Jesus sein Erlösungswerk mit einem Akt der Demut, des Gehorsams und der Buße beginnt. Denn mit dieser Haltung will er für uns wieder den Himmel öffnen, den die Menschen durch den Ungehorsam und Hochmut verschlossen haben.

Jesus tritt nicht in die Reihe derer, die sich selbst für gerecht halten; er tritt in die Reihe der bußwilligen Sünder. Er selbst hatte sich keine Sünde vorzuwerfen, aber er will Buße tun für die Sünden der Menschen und die Strafen und Leiden, die eine Folge der Sünden sind, zur Sühne auf sich zu nehmen. Er will durch seinen Gehorsam gegen seinen Vater den Ungehorsam der Menschen wieder gut zu machen. Und daran hat sein Vater sein Wohlgefallen.

Darum ist auch das einzige, zu dem Jesus uns auffordert, dass wir es von ihm lernen sollen, die Demut. “Lernt von mir, denn ich bin sanftmütig und demütig von Herzen”.

Der heilige Augustinus sagt zu dieser Stelle: “Jesus sagte nicht: Lernt von mir ein Welt zu bauen, die Toten aufzuwecken und noch größere Wunderwerke zu tun, als es sie in der Welt schon gibt, sondern lernt von mir, denn ich bin sanft und demütig von Herzen. Es ist weit besser in aller Demut und Furcht Gott zu dienen, als Wunder zu wirken.” Die Demut soll das Fundament sein für unser Leben als Kinder Gottes. Die Demut besteht in der Liebe zur Wahrheit und in der rechten Selbsteinschätzung vor Gott und den Mitmenschen. In Demut schätze der eine den anderen höher ein als sich selbst. Wenn diese Grundlage fehlt, wird unser christliches Leben unchristlich.

Im Lateinischen heißt das Wort Demut “Humilitas”. Da steckt das Wort “humus” drinnen, das heißt Boden. Wir sollen schön „auf dem Boden bleiben“. Wir sind nur Geschöpfe und nicht Gott.

Kardinal Scheffczyk hat den Reichtum Christi verkündet

Am 8. Dez. 2005, dem Fest der Unbefleckten Empfängnis Mariens starb in München Leo Kardinal Scheffczyk im Alter von 85 Jahren. Er war einer der bedeutendsten Theologen der Gegenwart, der in seiner Lehrtätigkeit als Professor in viele theologischen Veröffentlichungen und in der Seelsorge mit Klarheit und Geistestiefe den katholischen Glauben dargelegt und verkündet hat. Er war, so wurde es in Nachrufen charakterisiert, ein liebenswürdiger Mensch und frommer Priester, ganz und gar katholisch, in Leben und Denken, inmitten einer Zeit der Verunsicherung und des Relativismus.

Kardinal Scheffczyk war durch viele Jahre Mitglied der Geistlichen Familie „das Werk“. Deshalb wurde er auf seinen Wunsch hin auch im Friedhof des Klosters Thalbach in Bregenz beerdigt. Beim feierliche Requiem in der Pfarrkirche St. Gallus am 15. Dez., an dem viele Bischöfe und Priester teilnahmen, würdigte Kardinal Meisner aus Köln in der Predigt, die besondere Beziehung des Verstorbenen zu Gottesmutter Maria:

„Leo Scheffczyk hat in der treuen Nachfolge Mariens die Menschen an die Quellen des Glaubens zu Christus geführt. Nun hat ihn Maria gleichsam selbst heimgeleitet zu diesen Quellen des Lebens. Einige Tage vor seinem Sterben sagte er noch, dass er jetzt ganz arm sei. Was er besessen hat, habe er verschenkt, die Gesundheit sei ihm genommen, nun habe er nur noch Jesus Christus. Und das machte seinen ganzen Reichtum aus, der sein Herz erfüllt.“

Veronika – das wahre Antlitz Christi

Wie sah Jesus aus? Etwa wie der Schauspieler im Film „Passion“? Oder wie auf den Porträts von Albrecht Dürer oder El Greco. Sie alle haben Jesus nie gesehen. Wie also sah er aus?  Auf diese Frage gibt es eine sehr alte Antwort: es ist das Tuch mit dem „wahren Bild“ Christi.

Im Gebet des Kreuzwegs heißt es an der 5. Station: Veronika reicht Jesus ein Schweißtuch dar und er prägt als Dank für ihre Liebe in dieses Tuch sein Bild ein. Aber es gibt noch andere Tradition über die Entstehung dieses Tuches. Jedenfalls geht es um dieses kleine Tuch, das ein nicht von Menschenhand gemaltes Bild des Antlitzes Jesus Christi zeigt. Es ist eine der wertvollsten Reliquien der Christenheit. Es ist die „Vera Ikona“, die wahre Ikone. Daraus ist später der Name Veronika entstanden. Der Weg des Tuches der Veronika lässt sich in den ersten Jahrhunderten geschichtlich verfolge von Jerusalem aus, wo es im Jahre 30 entstanden ist, über Edessa nach Konstantinopel bis es im Jahre 705 nach Rom kam. Bis zum Jahr 1600 wurde es in der alten Petersbasilika Kaiser Konstantins verwahrt und ausgestellt. Millionen sind nach Rom gepilgert, um diesen Schleier zu sehen.

Papst Julius II. wollte dem Christusbild im neuen Petersdoms einen würdigen Platz geben. Aber während der Bauzeit verschwand das Bild auf mysteriöse Weise aus der Stadt. Nur der Rahmen mit dem zerbrochenem altem Glas ist davon übrig und in der Schatzkammer von Sankt Peter noch heute zu sehen. Seit damals galt es als verschollen.

Aber die wertvollste Reliquie der Christenheit hängt seit 400 Jahren zwischen zwei Kristallscheiben in einem Kirchlein der Kapuziner in Manoppello, einem Bergstädtchen in den Abruzzen. Durch genaue wissenschaftliche Untersuchungen konnte nun nachgewiesen werden, dass es sich um dieses verloren geglaubte Bild handelt.

Dieses Schleierbild hat vollkommen rätselhafte Eigenschaften, die alle jene ratlos machen, die es untersuchten. Das Bild ist ca. 20 mal 40 cm groß. Es ist hauchdünn und durchsichtig wie ein Seidenstrumpf. Aus der Nähe gleicht es einem großen Diapositiv. Professor Vittori von der Universität in Bari und Professor Fanti von der Universität in Bologna haben auf mikroskopischen Aufnahmen entdeckt, dass das gesamte Gewebe keinerlei Farbspuren aufweist. Weder auf den Gewebefäden noch zwischen ihnen wurde die geringste Spur eines Farbstoffes gefunden, auch nicht bei extremer Vergrösserung. Es gibt keine materiell ermittelbaren Farbstoffe, die das Bild erklären könnten.

Professor Pfeiffer von der Universität Gregoriana in Rom ist vor Jahren der Sache im Licht der Kunstgeschichte und früher Quellen der Christenheit erstmals wissenschaftlich nachgegangen und konnte nachweisen, dass das Bild aus Manoppello Bezugspunkt für ältesten Christusbilder zuerst im Osten und dann im Westen. Die Künstler haben dieses Bild nachgemalt.

Eine deutsche Trappistin, Schwester Blandina Paschalis Schlömer, hat nachgewiesen, dass das Gesicht auf dem Tuch von Manoppello millimetergenau deckungsgleich ist mit dem schattenhaften Gesicht Jesu auf dem Grabtuch von Turin, mit den realen Maßen und Proportionen ebenso wie mit allen Verletzungen, von denen der Gekreuzigte in jenem Tuch gezeichnet ist  nur ohne die dort noch sichtbaren offenen Wunden.

Wenn wir dieses Bild des Herrn betrachten, ein “Foto“, das er uns von sich selbst auf wunderbare Weise geschenkt hat: Er zeigt uns sein Antlitz, mit den Zeichen, die ihm unsere Sünden geschlagen haben: Die rechte Wange ist geschwollen, der Bart teilweise ausgerissen, die Nase angeschlagen. Stirn und Lippen haben beim nahen Hinsehen das Rosa frisch verheilter Wunden. Und wie blickt er uns an? Nicht in Verzweiflung, nicht schmerzerfüllt, nicht zornig, sondern unerklärliche Ruhe liegt im seinem Blick, aus seinen weit geöffneten Augen kommt uns mildes Erbarmen entgegen – ein Erbarmen, das uns einlädt, die Sünden zu bereuen und das Herzen zu Gott zu bekehren.

Ziele der Berichterstattung kirchenkritischer Medien

Ein aufschlussreicher Artikel aus der „Tagespost“ vom 15. Juli 2004 von Klaus Berger, einem bekannten Professor für Exegese, kann uns helfen, die Geister zu unterscheiden. Der Berichterstattung vieler Medien geht es nicht zuerst um Darstellung objektiver Tatsachen. Hier klärt uns der Chefredakteur einer einflussreichen Zeitung darüber auf, welche Ziele seine Zeitung gegenüber der katholischen Kirche hat. Wir dürfen nicht naiv sein. Klaus Berger schreibt:

Zusammen mit einer Gruppe junger Priester hatte der Verfasser dieses Artikels Ende Juni dieses Jahres Gelegenheit, den Chefredakteur der OnlineAusgabe des „Spiegel“ in Hamburg zu besuchen und zu befragen. Im Mittelpunkt stand naturgemäß die Frage, warum „Der Spiegel“ so über die Kirchen, speziell die katholische, berichtet, wie er es tut.

Die Antwort des Redakteurs: Berichtet wird nur über Skandale, Abweichler und Negativtrends. Das Publikum erwartet es so, und zwar aus vier Gründen: Erstens sei die Kirche eine machtvolle kulturelle Institution. Die Berichterstattung versuche, diese Macht zu „knacken“ und gehe jedem Haarriss nach, aus dem beim nächsten Frost ein Absprengsel werden könnte. Denn Macht brauche eine kritische Begleitung. Zweitens müsse die Kirche kritisiert werden, weil sie viele Dinge hochhalte, die nicht mehr in die heutige Zeit passten. Es kamen dann ausschließlich Gesichtspunkte aus dem sexueller Bereich. Zölibat, Verbot der Verhütung, Verbot des vor und außerehelichen Verkehrs, Verbot der Scheidung, Verbot des Frauenpriestertums, sexuelle Übergriffe von Priestern, Stellung zur Homosexualität. Drittens: Kirche und Theologie muteten dem Menschen Dinge zu, die voraufklärerisch und vorwissenschaftlich seien, wie zum Beispiel Wunder. Und Viertens: Kirche sei vordemokratisch. Insofern müsse sie bekämpft werden.

Auch das Instrument des Kampfes gegen die Kirche wurde den Besuchern verraten: Es sei das Prinzip „Teile und herrsche“. Man müsse die Kirche nicht von außen her angreifen; wer genau beobachte, stelle fest, dass sie das schon selbst besorgt. Man sehe nur auf die Rebellen, Ketzer und Abweichler, die sie immer wieder selbst produziert und publikumswirksam ächtet. Zu den kirchenzerstörerischen Elementen, die die Kirche selbst produziere, gehöre natürlich besonders die Bibelexegese. Es genüge, zu jedem christlichen Hochfest eine Handvoll Exegeten zu zitieren. So der Bericht des Spiegel – Redakteurs.

Sind Sie Kommunisten?

Christliche Nächstenliebe schaut immer auf den Menschen und seine konkreten Nöte und nicht auf die politische Überzeugung. Pinchas Lapide erzählt ein schönes Beispiel dieser Art der Liebe, die allen zu Hilfe kommt.

Ich war israelischer Konsul in Mailand (1956/58), als Italien das zehnjährige Jubiläum seiner Befreiung feierte. Eines Tages bekomme ich einen Brief, unterschrieben von 27 Israelis ganz verschiedener Herkunft und Berufe, die ein gemeinsamer Nenner eint: Sie haben 25 Monate ihres Lebens im Keller eines Franziskanerinnenklosters verbracht und verdanken dieser Tatsache ihr Überleben. Und nun, zehn Jahre später, wollen sie auf eigene Kosten zurückkehren, um den Nonnen einen Dankbesuch abzustatten. Sie schreiben mir, damit ich die Massenmedien alarmiere, mitkomme und dem ganzen Besuch einen offiziellen Charakter verleihe.

Selbstverständlich, gesagt – getan. Eines Tages fährt ein Konvoi hinunter in dieses Kloster in der Kleinstadt … vorn stehen 30 Nonnen schwarz gekleidet, in ihrer Mitte die Mutter Oberin, eine Dame von über 70, die schlecht sieht, nicht gut hört und die von zwei Schwestern gestützt wird. Es beginnen die Dankreden … Und nachdem das zwei Stunden gedauert hat, gehe ich zu der Oberin hin und sage: “signora, entschuldigen Sie das Getöse, aber die Welt hat schlechte Nachrichten zur Genüge; vielleicht sollten die Menschen auch einmal etwas gutes hören. Und daher mußten alle diese Menschen da sein, die da knipsen, Lärm machen und schreiben.“

Nach diesen Worten sagte sie einen Satz, den ich nie vergessen werde: “Sagen Sie, Herr Konsul, seid ihr Kommunisten oder seid Ihr Faschisten?“ Darauf bin ich das erste Mal in meinem Leben die Antwort schuldig geblieben. Ich sage: “Signora, seit zwei Stunden reden wir von der Bergpredigt, von der Nächstenliebe, vom Heiligen Land, von Jerusalem und der Bibel, und Sie stellen mir eine solche Frage?!“

Hierauf wird die alte Dame rot im Gesicht, stottert und sagt folgendes: “Sie wissen, Herr Konsul, ich bin eine alte Frau. Sie müssen etwas Rücksicht nehmen. Aber in dem Keller dort unten, den wir ihnen gezeigt haben – wo die Nonnen apropos zweimal auf ihrem Hostienofen Matzen gebacken haben, damit die Juden im Keller nicht nur leben, sondern ein Pessach feiern konnten -, in demselben Keller, 600 Meter vom Gestapobüro entfernt, da haben wir 1942 Kommunisten versteckt, 1943-1945 Juden und 1946-1947 Faschisten. Jetzt bin ich ein bißchen durcheinandergekommen.“

Aus: P. Lapide/Viktor Frankl, Gottsuche und Sinnfrage, Gütersloh 2005, aus dem Nachlaß von V.E. Frankl)