Die Gottesmutter hat geholfen

60 Jahre Kriegsende – 50 Jahre österreichischer Staatsvertrag

Unser katholischer Glaube hält wesentlich daran fest, dass Gott mit seiner weisen Vorsehung dieser Welt und jeden Menschen regiert und lenkt. Er ist der Herr der Geschichte. Maria hatte in Gottes Heilsplan immer eine besondere Aufgabe. Das dürfen wir auch bei der Betrachtung der Geschichte des 20. Jahrhunderts nicht übersehen.

Am 13. Juli 1917 sagte Maria in Fatima zu den Kindern: “Ihr habt (in einer Vision) die Hölle gesehen, auf welche die armen Sünder zugehen. Um sie zu retten, will der Herr die Andacht zu meinem Unbefleckten Herzen in der Welt einführen. Wenn man das tut, was ich sage, werden viele gerettet und der Friede wird kommen. Der Krieg geht seinem Ende entgegen; aber wenn man nicht aufhört, den Herrn zu beleidigen, wird nicht lange Zeit vergehen, bis ein neuer, noch schlimmerer beginnt. Wenn ihr in einer Nacht ein unbekanntes Licht sehen werdet, so wisset, es ist das Zeichen von Gott, dass die Bestrafung der Welt für ihre vielen Verbrechen nahe ist: Krieg, Hungersnot, Verfolgung der Kirche und des Heiligen Vaters … “

Der Ruf der Gottesmutter in Fatima wurde offensichtlich weitgehend überhört und so trat auch ein, was sie vorausgesagt hatte.

25./26. Jänner 1938: Am Abend dieses Tages bemerkt man über ganz Europa am nächtlichen Himmel ein außergewöhnliches Nordlicht. Sr. Lucia, die Seherin von Fatima, erklärt diese Lichterscheinung als das von Maria prophezeite Zeichen vom Himmel.

Bald darauf bricht der von den Nationalsozialisten Deutschlands angezettelte Krieg aus, der mit einem unvergleichlichen Siegeszug beginnt. Ein Land um das andere wird erobert, und nichts scheint diese antichristliche nationalsozialistische Macht aufhalten zu können. Der gesamte europäische Kontinent stand direkt oder indirekt unter der Macht jenes Mannes, der im Hinblick auf den sicher zu erwartenden erfolgreichen Ausgang des Krieges seinen Parteifunktionären zum voraus die Weisung erteilt hatte, als ersten Teil der Siegesfeier jeden katholischen Geistlichen auf dem Dorfplatz aufzuhängen.
Wie kam es aber zur Wende in diesem Krieg?

Hier tritt ein heilsgeschichtlicher Zusammenhang zutage, den man in den Geschichtsbüchern nicht findet. Papst Pius XII. hat sich in der äußersten Not des Krieges an das erinnert, was Maria in Fatima gesagt hat und weihte am 31. Okt. 1942 die Welt dem Unbefleckten Herzen Mariä. Dieser Tag wird nun tatsächlich zum Wendepunkt im Kriegsgeschehen. Ein französischer Militärkritiker schrieb damals: “Auf allen Schlachtfeldern, in der Wüste Afrikas wie auf den vereisten Ebenen Rußlands treten die deutschen Armeen seit dem November 1942 den Rückzug an. Die Umkehr der Lage erfolgte plötzlich und fast gleichzeitig, von einem Ende der ungeheuren Schlachtlinie zum anderen. Dieser Charakter der Ereignisse hat alle Beobachter verblüfft.”

Es lässt sich aufzeigen, dass die entscheidenden Siege der Alliierten meist an Muttergottesfesten errungen wurden. So wurde durch die Hilfe Mariens die Zeit des Nationalsozialismus abgekürzt, jener Wahnideologie, die 50 Millionen Todesopfer gefordert hat.

Im Licht von Fatima müssen wir auch den Staatsvertrag und die Freiheit Österreichs sehen. Noch bis zum Februar 1955, 10 Jahre nach Kriegsende, schien es völlig aussichtslos, dass es einmal ein besatzungsfreies Österreich geben könnte. Nach der 268. Verhandlung zum Staatsvertrag sagte der sowjetische Außenminister Molotow in Berlin: „Herr Figl, machen sie sich keine Hoffnungen. Was wir Russen einmal haben, das geben wir nicht her.“

Und doch geschah das Wunder, dass Österreich aus dem Machtbereich des sowjetischen Kommunismus freikam. Und das war nicht nur das Ergebnis geduldiger Verhandlungen sondern auch eine Erfüllung der Verheißung Mariens in Fatima.

„Tut, was ich euch sage und ihr werdet Frieden haben!“ Diese Worte, die Pater Petrus Pavlicek in seinem Herzen vernahm, stam¬men aus der Botschaft von Fatima. Öfters betonte P. Petrus: „Was wäre geworden, wenn ich damals in Mariazell nicht auf diese Eingebung gehört hätte?“ Sein Gehorsam gegenüber der Einladung Mariens war offensichtlich grundlegend für die Entwicklung Österreichs zur Freiheit.

Der Fanziskanerpater Petrus Pavlicek hatte im Krieg eine Broschüre über die Erscheinungen in Fatima gelesen. Im Februar 1946 kam er nach Mariazell, um Maria für die glückliche Heimkehr aus dem Krieg zu danken. Er vertraute Maria auch die Not Österreichs an, und da hörte er in seinem Inneren die Antwort:
„Tut, was ich euch sage, und ihr werdet Frieden haben.“ Im Februar 1947 gründete den Rosenkranz-Sühnekreuzzug (RSK). Er zog mit einer Fatimastatue durch ganz Österreich, um für diese Gebetsgemeinschaft zu werben.

1955 gehörten ihr 500.000 Mitglieder an, die den Rosenkranz beteten 1. zur Sühne für die vielen Beleidigungen Gottes, 2. um die Bekehrung der Sünder und 3. um Frieden und Rettung der Welt und die Freiheit Österreichs. Er rief auch zu monatlichen Sühnewallfahrten in der Franzisanerkirche in Wien auf, weiters wurden jährlich große Lichterprozessionen auf der Wiener Ringstraße abgehalten.

Mitte des Marienmonats, am Sonntag, 15. Mai 1955, wurde der Österreichische Staatsvertrag – nach 354 Verhandlungen – im Schloss Belvedere in Wien unterzeichnet. An diesem Tag fand in der Wiener Franziskanerkirche die 81. der monatlich abgehaltenen Sühneandachten des RSK statt. Das waren 9 x 9 (!) Sühneandachten oder neun Gebetsnovenen; ein offensichtliches Zeichen der Hilfe Mariens.

Durch das Kreuz zur Herrlichkeit

Die Auferstehung Christi ist das Zentrum unseres katholischen Glaubens

Vom Glauben an die Auferstehung Jesu Christi von den Toten hängt unser ganzes Christsein ab. Der hl. Paulus hat dies sehr tief empfunden: “Wenn aber Christus nicht auferweckt worden ist, dann ist euer Glaube nutzlos, und ihr seid immer noch in euren Sünden … Wenn wir unsere Hoffnung nur in diesem Leben auf Christus gesetzt haben, sind wir erbärmlicher daran als alle anderen Menschen” (1 Kor 15,17-19).

Warum wären wir erbärmlicher dran? Weil wir wegen der Auferstehung Christi natürlich auch an das Kreuz glauben. Wir glauben daran, dass in den Leiden, die wir in dieser Welt zu tragen haben, für uns Segen und Heil liegt und dass wir durch das Kreuz zur Herrlichkeit gelangen.

Mutter Julia Verhaeghe schreibt: „Das Kreuz des Herrn, im Glauben getragen, bricht nicht, sondern richtet auf. Der Glaube verwandelt die irdischen Dinge nicht an sich. Das Leiden bleibt schmerzlich, aber der Glaube gibt ihm einen tieferen Sinn, der uns aufruft, zur Gleichförmigkeit mit dem Herrn zu gelangen. Auch Jesus kannte die Angst vor dem Leiden. Der blutige Schweiß in Getsemani gibt Zeugnis davon, in welchem Maß er selbst gelitten hat. Dies bezeugt auch seine Bitte: ‚Mein Vater, wenn es möglich ist, gehe dieser Kelch an mir vorüber‘ (Mt 26,39). Doch Jesus hat in der vollen Hingabe an den Willen des Vaters gelitten. So konnte er auch beten: ‚Aber nicht mein, sondern dein Wille soll geschehen‘ (Lk 22,42).“

Die tiefste Erfahrung dessen, was es heißt, durch das Kreuz zur Auferstehung zu gelangen, können wir jetzt schon machen durch das Sakrament der Beichte. Unsere Sünden, auch die lässlichen, sind ein Kreuz, das unser Leben schwer belastet. Die Beichte selbst hat mit diesem Kreuz zu tun. Aber wer dieses Kreuz auf sich nimmt und seine Sünden in einer guten Osterbeichte bekennt, der wird eine geistliche Auferstehung erfahren.

Dokument der Auferstehung

Das Turiner Grabtuch wird seit Jahrhunderten als Leichentuch Christi verehrt. Auf dem Tuch sind zwei schwache Abbilder eines menschliche Körpers in natürlicher Größe zu sehen, die deutlich die Spuren des Kreuzweges des Herrn tragen: die Geißelung (100 Hiebe), die Dornenkrönung, das Kreuztragen, die Wundmale an Händen und Füßen und an der Brust. Aber das Tuch gibt auch Hinweise darauf, dass mit diesem Leib etwas geschehen ist, das nicht mehr zu dieser Welt gehört. Wir nennen es Auferstehung. Die Wissenschaft hat hier beeindruckende Details zutage gebracht, die auf die Echtheit dieses Tuches hinweisen. Doch alle wissenschaftliche Tatsachen können niemanden zum Glauben an die Auferstehung Christi zwingen. Denn immer bleibt die Möglichkeit, alle Tatsachen zu bezweifeln.
Der Glaube an die Auferstehung Christi ist und bleibt eine Gnade, ein unverdientes Geschenk. Für den Glaubenden aber kann das Grabtuch ein eindrucksvolles Dokument sein, das ihn im Glauben stärkt.

Vater und Mutter meines Glaubens

Der Vater (meines Glaubens) redete nicht über den Glauben, er lebte ihn als Bauer. Er ging voran, er war der Vorbeter der Familie und dieses Vorrecht hätte er sich nie nehmen lassen. Das tägliche dreimalige Tischgebet, der Samstagrosenkranz, der Sonntagsgottesdienst. Immer ging er uns voran. Sein Glaube war stark, herb, männlich. Der Vater steht mir auch als Zeuge des Glaubens noch deutlich vor Augen. Es war „in jener Zeit..“ (der Herrschaft Hitlers). Wir saßen gerade beim Mittagessen, da kommt der Ortsgruppenleiter (Voll-Nazi, natürlich aus der Kirche ausgetreten). Das Essen ist zu Ende. Wir Kinder saßen auf Nadeln. Wird nun der Vater aufstehen und den Engel des Herrn vorbeten oder nicht – wegen der Gegenwart des (nicht ganz ungefährlichen) Nazibosses? Aber der Vater stand auf und betete mit fester und ruhiger Stimme den Angelus. Dieses offene Bekenntnis hat die Achtung vor meinem Vater und meinem eigenen Glauben ungemein gestärkt.

Die Mutter (meines Glaubens) hat die Liebe zu Gott, zur Eucharistie, zum heiligsten Herzen Jesu und zu unserer himmlischen Mutter in unsere Herzen gelegt, nein hineingeboren. Der Glaube braucht auch Wärme. Die kam von der Mutter. Ja, man kann den Glauben wie die Muttermilch einsaugen. Die Herz-Jesu-Freitage (bzw. die Sonntage danach) mit der heiligen Beichte und Kommunion schrieben sich tief in unsere Herzen. Im Mai nahm uns die Mutter in das „Obergemach“, die Elternkammer, hinauf und hielt mit uns vor einer einfachen Lourdesstatue kleine Maiandachten. Die Blumen für den kleinen Maialtar brachten wir. Meiner Mutter schrieb ich (mit 18 Jahren) meinen Herzenswunsch: Ich möchte Priester werden! So wurde mein Beruf „geboren“. Und woher hatte die Mutter ihren Glauben und das nötige Glaubenswissen? Die Mutter ging – mit wenigen Ausnahmen – jeden Sonntag zur Frühmesse um 6 Uhr. Da gab es keine Predigt und die heilige Messe war natürlich in Latein, eine Stillmesse. Ein Gebetbuch gab es und den Rosenkranz. Damit hat man ja den ganzen Glauben in der Hand (Kardinal Meisner).

Noch ein vielsagendes Ereignis. Als ich junger Priester war, kam ich im Urlaub heim und feierte in der Frührnesskapelle die heilige Messe. Mit großer Freude war die Mutter dabei. Ich, der ich „liturgisch bewegt“ war, schenkte ihr einen Volksschott. Einige Zeit benützte sie diesen (aus Liebe zu mir), dann gab sie ihn wieder zurück. „Ach, ich bleibe doch lieber beim Rosenkranz. Mit dem schmerzhaften Rosenkranz kann ich das Messopfer am besten verstehen und mitfeiern …“

Alterzbischof Dr. Georg Eder

Weitergabe des Glaubens in der Familie

Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm

Dieses Sprichwort hat seine Gültigkeit auch in der Weitergabe des Glaubens. Wenn wir heute bei den Kindern und Jugendlichen einen starken Rückgang in der Glaubenspraxis erleben – es sind nur mehr wenige, die an Sonntag zur Kirche gehen – dann liegt das nicht an den Kindern und Jugendlichen, weil sie anders oder schlechter wären als früher, sondern am Glauben der Eltern und Erwachsenen. Wenn die Eltern (oder oft auch die Großeltern) echte, überzeugende Vorbilder sind, dann werden die Kinder in den meisten Fällen in den Glauben ihrer Eltern hineinwachsen und ihn auch später praktizieren.

Ein Familienvater hat seine Erfahrung einmal so ausgedrückt: „Man kann die Kinder erziehen wie man will, am Ende machen sie uns doch alles nach.“ Das entspricht genau dem was der heilige Ignatius von Antiochien (+ 117) schon gesagt hat:„Du erziehst durch das, was du sagst, noch mehr erziehst du durch das, was du tust; am meisten erziehst du durch das was du bist.“

Es ist und bleibt eine Tatsache, dass die Eltern (oder auch Großeltern) für die Kinder immer die Erstverkünder des Glaubens sind. Was sie in der Familie tun oder auch nicht tun, das kann durch keinen Religionsunterricht, durch keine Kinder- und Jugendarbeit der Kirche ersetzt werden. Diese Verantwortung können die Eltern nicht abschieben.

Aber jene Eltern, die sich dieser Verantwortung bewusst werden, empfinden oft eine gewisse Ratlosigkeit, was soll sie tun und wie sie diese Weitergabe des Glaubens angehen sollten. Aus den guten Erfahrungen, die gläubige Eltern in unserer schwierigen Zeit gemacht haben (sie arbeiten mit dem Referat für Ehe und Familie der Erzdiözese Salzburg zusammenarbeiten), seine nur einige Elemente aufgezählt:

Familiengebet: Den kleinen Kindern das „Jesukindlein“ beizubringen ist gut, aber noch zu wenig. Sie sollen persönlich beten lernen. Es bereitet selbst den Kleinsten keine Schwierigkeit, auch die Grundgebet zu lernen, (sie sind alle im Rosenkranz enthalten). Wichtig ist, dass die Kinder erleben: die Eltern beten selber miteinander, auch ohne die Kinder.

Hausaltar: Wichtig ist ein Ort in der Wohnung, wo sich das Kreuz, Marienbild usw. befinden; der auch gemäß der Festzeiten (z.B. Weihnachten, Ostern …) geschmückt wird, und wo man sich zum gemeinsamen Gebet versammelt.
Sonntagskultur: Der Tag des Herrn mit der Feier der Sonntagsmesse soll sich von den Wochentagen unterscheiden: z.B. am Samstag Abend schon beginnen mit dem gemeinsamen Lesen der Lesungen der Sonntagsmesse (zu finden im Schott-Messbuch), Ordnung machen, Tischschmuck, Sonntagskleidung, gemeinsames Essen, gemeinsamer Ausflug …

Glaubensunterweisung: Die natürlichen Gelegenheiten aufgreifen (bei Tisch, beim Abwaschen, wenn sie von der Schule kommen …), um mit ihnen zu sprechen: Drei wichtige Themen, sollten immer wieder einmal vorkommen: der Glaube, die Politik und auch die Sexualität, damit sie von den Eltern das Richtige erfahren. Die Kinderbibel vorlesen und erklären; regelmäßige Besuche in der Kirche (außer den Gottesdiensten) zum Gebet vor dem Allerheiligsten, zum Erklären wichtiger Elemente (die Sakramente, Ehrfurcht …).

„Stille Post“ – oder Neuanfang im Glauben?

Die Kinder spielen “Stille Post”. Thomas denkt sich ein Wort und sagt es dem Nächsten leise ins Ohr. So geht das Wort reihum. Die Spannung steigt. Nun sagt Michaela, die Letzte in der Runde, das Wort, das sie gehört hat, und Thomas spricht das ursprüngliche Wort aus. Und dann lachen alle. Es ist etwas ganz anderes geworden. Wie ist es aber mit dem Wort Gottes? Wie ist das mit unserem Glauben? “In meiner Jugend sind wir jeden Sonntag in die Kirche gegangen, da hat es nichts anderes gegeben; und zu Hause wurde jeden Samstag am Abend der Rosenkranz gebetet”, erzählt eine ältere Frau und Mutter. „Aber die Zeiten haben sich geändert. Wegen der vielen Arbeit hatte ich oft keine Zeit mehr, doch meine Kinder habe ich immer zur Kirche geschickt. Seit sie groß sind und selber Kinder haben, kümmern sie sich aber kaum mehr darum.“ Hier ist auch eine „Stille Post“ abgegangen – innerhalb von wenigen Generationen. Man wundert sich, was am Ende herauskommt. Doch jede Generation kennt auch die Mutigen, die die Kette dieser Stillen Post unterbrechen. Für diese Mutigen, die die Fülle des katholischen Glaubens hören wollen, hier ein Hinweis, wo sie ausgezeichnete Hilfen für die Glaubensweitergabe in der Familie finden:

Referat für Ehe und Familie – Erzdiözese Salzburg, 5020 Salzburg, Dreifaltigkeitsg. 12, Tel.: 0662/ 879613 , Internet: www.kirchen.net/familie

Der hl. Josef, Patron der Sterbenden – ein außergewöhnlicher Bericht

„Den kenne ich, er hat mich besucht!“

Die beiden Stayler Missionare Bruder Gervasius und Pater Götsch waren von Kaotai aus zu einer Schwerkranken unterwegs. Nach dreitägigem Ritt von mehr als 200 Kilometern sind sie am Ziel, doch die Frau war bereits gestorben.

Bedrückt treten sie den Heimweg an. Etwa nach der Hälfte des Bergrittes treffen sie einen Jungen, der sie bittet, zu seiner Mutter mitzukommen. Der Junge führt sie etwa 15 km abseits in eine kleine Ortschaft. In einer Lehmhütte wartet eine Sterbende. Sie stellt den beiden ganz unvermittelt sonderbare Fragen: „Fremder, willst du mir in der Wahrheit antworten?“ „Aber gewiss.“ „Gibt es einen Gott, in dem drei Gestalten sind? Gibt es im anderen Leben einen Ort der Freude für die Guten und einen Ort des Schreckens für die Bösen? Stimmt es, dass Gott auf diese Erde gekommen ist, um für die Menschen zu sterben und ihnen den Ort der Freude zu öffnen? Ausländer ist das alles wahr?“ Der Priester bejaht staunend all diese Fragen. Woher kannte die Kranke diese Glaubenswahrheiten? „Du hast Wasser bei dir“, fährt die Kranke fort, “wasche mich, damit ich an den Ort der Freude komme!“ Woher weiß sie, dass Pater Götsch Taufwasser bei sich hat?

Nach einem kurzen Gespräch spendet der Missionar der Kranken die Taufe. Voll Freude äußert die Mutter einen neuen Wunsch: „Du hast Brot bei dir. Kein gewöhnliches Brot, sondern Gott selbst. Gib mir auch davon.“ Die Sterbende weiß auch das, dass der Priester das Allerheiligste bei sich hat. Pater Götsch reicht ihr die Kommunion und spendet ihr die Krankenölung. Dann sagt er: „Bisher hast Du Fragen gestellt, jetzt stelle ich einige Fragen. Woher kennst Du die Glaubenswahrheiten? Haben Dir katholische oder evangelische Christen erzählt?“ „Ich kenne keine Christen, Fremder!“ „Hast Du das alles in Büchern gelesen?“ „Ich kann nicht lesen. Ich weiß auch nicht, dass es christliche Literatur in meiner Sprache gibt.“
„Aber woher hast Du denn deine Glaubenskenntnisse?“

„Ich dachte ganz einfach, es müsse so sein. Seit 10 Jahren lebe ich nach diesem Glauben. Ich habe auch meine Kinder unterrichtet. Du kannst sie alle waschen (sie meint taufen).“ „Wusstest Du, dass wir heute vorbeikommen?“

„Ja, ich hatte einen Traum und sah einen älteren Mann. Der sagte mir, ich solle meinen Jungen zum Weg schicken und die beiden Ausländer rufen. Sie würden mich waschen für den guten Ort nach dem Tod.“

Die Missionare sind tief getroffen. Das Wesen der Kranken ist im Angesicht des Todes so einfach, dass kein Raum für Zweifel bleibt. Zum Abschied schenken sie ihr ein kleines Bild vorn hl. Josef, dem Patron der Sterbenden. Da ist die Kranke außer sich vor Freude: „Den kenne ich, der hat mich ja besucht. Er war schon des öfteren bei mir und ließ mich meinen Sohn auf den Weg, schicken, um euch zu rufen.“

Ist er im Traum oder in Wirklichkeit bei ihr gewesen? Sie weiß es nicht und es ist ihr auch nicht wichtig. Wichtig ist, was sie durch ihn erfahren hat. Die Frau starb noch in der gleichen Nacht.

Nach einem Bericht von Ludwig Lenzen aus “Weite Welt”, Nr. 1, Jänner 1976

Ewiges Heil allein durch die Kirche

Die außergewöhnliche Begebenheit, die in diesem Bericht geschildert wird, weist uns auf eine wichtige Wahrheit des Glaubens hin. Die Gnade des ewigen Heiles wird allein durch die Kirche vermittelt. Auch der Himmel hält sich an diese Regelung. Diese chinesische Frau hat durch ihr reines Herz ein außergewöhnlich tiefe Einsicht in die Wahrheit Gottes erlangt.

Jesus sagt ja: „Selig, die ein reines Herz haben, denn sie werden Gott schauen.“ Gott hat ihr in schattenhaften Umrissen die tiefsten Wahrheiten unseres Glaubens geoffenbart. Aber damit sie die ganze Fülle des Heiles empfangen konnte, die volle Gemeinschaft mit ihm in der Taufe, hat Gott sie durch eine besondere Führung in die Kirche eingefügt. Die Eingliederung in die Kirche ist heilsnotwendig. Und wenn jemand außerhalb der Kirche zum Heil gelangt, dann nur durch Gnadenmittlerschaft der Kirche, ob dies nun für uns sichtbar ist oder nicht. Dass Gott selber die Menschen in die Kirche führt, das sehen wir schon in der Heiligen Schrift: Der Engel, der dem frommen Hauptmann Kornelius erschienen ist, hat ihn nicht selber über das Heilsnotwendige belehrt, sondern gesagt er solle Petrus holen, der ihm das Evangelium bringen wird (Apg 10).

Einheit mit dem Leib Christi

Bei seiner Bekehrung durfte der hl. Paulus Jesus Christus als seinen Erlöser erkennen, aber zugleich auch das Geheimnis des Leibes Christi, der Kirche. Denn Jesus hat zu ihm gesagt: „Saulus, Saulus, warum verfolgst du mich?“ Jesus hat sich hier ganz mit seinen Jüngern identifiziert. Diese Wahrheit hat der hl. Paulus tief verstanden: Wer an Jesus Christus glaubt, der wird ein Leib und ein Geist mit ihm. Die Einheit mit dem Leibe Christi wird aber besiegelt in der Feier der Eucharistie.

Paulus sagt: „Ist das Brot, das wir brechen, nicht Teilhabe am Leib Christi? Ein Brot ist es. Darum sind wir viele ein Leib; denn wir alle haben teil an dem einen Brot“ (1 Kor 10,17). Aber wer sich in der Eucharistie mit dem Leib Christi vereinen und die Kommunion empfangen möchte, der darf sich nicht vorher durch schwere Sünden und Vergehen vom Leib Christi getrennt haben. Nur wer durch Umkehr, Reue, Beichte die Gemeinschaft mit Jesus hat, der hat sie auch beim Empfang der Kommunion.

Darum sagt der hl. Paulus: „Wer also unwürdig von dem Brot isst und aus dem Kelch des Herrn trinkt, macht sich schuldig am Leib und am Blut des Herrn. Jeder soll sich selbst prüfen; erst dann soll er von dem Brot essen und aus dem Kelch trinken. Denn wer davon isst und trinkt, ohne zu bedenken, dass es der Leib des Herrn ist, der zieht sich das Gericht zu, indem er isst und trinkt. (1 Kor 11,27-29).

Wie zur Zeit Noachs

Die schreckliche Flutkatastrophe in Ostasien stellt uns die Worte Jesu lebendig vor Augen: “Wie die Menschen in den Tagen vor der Flut aßen und tranken und heirateten, bis zu dem Tag, an dem Noach in die Arche ging, und nichts ahnten, bis die Flut hereinbrach und alle wegraffte, so wird es auch bei der Ankunft des Menschensohnes sein. Dann wird von zwei Männern, die auf dem Feld arbeiten, einer mitgenommen und einer zurückgelassen. … Seid also wachsam! Denn ihr wißt nicht, an welchem Tag euer Herr kommt (Mat 24,37f).

Vielleicht denken manche: “Gott sei Dank war das nicht bei uns!” und sie gehen zur Tagesordnung über. Aber wir dürfen diese gewaltige Zeichen Gottes nicht ignorieren! Es ruft uns zur Umkehr der Herzen, zur Buße und Demut, zum Gebet und zu Taten der Liebe. Mit dem neuen Jahr schenkt uns Gott die Zeit dazu.

Carl Lampert – Glaubenszeuge in gnadenloser Zeit

Provikar Dr. Carl Lampert aus Göfis in Vorarlberg, auf dessen Seligsprechung wir in absehbarer Zeit hoffen dürfen, starb als Märtyrer für den katholischen Glauben. Er wurde am 13. Nov. 1944 in Halle durch das Fallbeil getötet. In einem vier Jahre langen Leidensweg hat er seine Glaubenstreue bewiesen.

Bei den zermürbenden Verhören im Gestapogefängnis in Stettin brüllte ihn der Vorsitzende Trettin an: „Herr Lampert, sind Sie doch vernünftig, verlassen Sie die Kirche und das Priestertum. Das ist doch alles nur Hokuspokus. Zeugen Sie Kinder für den Führer Adolf Hitler. Ich werden Ihnen einen guten Posten verschaffen!“ Und die Antwort des Provikars: „Herr Kommissar, ich liebe meine Kirche. Ich bleibe meiner Kirche treu und auch dem Priesteramt: Ich stehe für Christus und liebe seine Kirche!“ Dafür wurde er mehrmals zusammengeschlagen, verlor das Bewusstsein und konnte tagelang kaum noch gehen, stehen und sitzen.

Einmal wurde er bei einem Verhör gefragt: „Was schätzen Sie höher: das Evangelium oder Hitlers ,Mein Kampf‘?“ Dr. Lampert antwortete: „Das Evangelium ist Gottes Wort und verkündet die Liebe. Das Buch des Herrn Hitler ist das Werk eines Menschen und predigt den Hass!“

Er war ein Zeuge des Glaubens, ein Märtyrer, dem Jesus mehr bedeutet als jeder irdische Vorzug. „Mein Leben für Christus und die Kirche!“ schrieb er in einem Briefe. Mit den Worten „Jesus, Maria“ auf seinen Lippen starb er.