Herr, stärke unseren Glauben!

The Lord’s Prayer (Le “Pater Noster”) James Tissot https://www.brooklynmuseum.org/opencollection/objects/4531

Im Evangelium von 27. Sonntag im Jahreskreis (C) richten die Apostel an Jesus die Bitte: “Herr stärke unseren Glauben.” Diese Bitte wird ihnen ganz spontan wie ein Hilferuf über die Lippen gekommen sein, da sie spürten, dass sie die Weisungen Jesu nicht aus eigener Kraft erfüllen können. Jesus antwortet auf diese Bitte mit dem Bild vom senfkorn-großen Glauben, der Berge versetzen kann, und stellt ihnen im Gleichnis vom Sklaven, der nur seine Schuldigkeit tut, den Weg vor Augen, wie ihr Glaube wachsen kann.

1) Unser Glaube wird gestärkt, indem wir Gott zu dienen suchen, wie ein Sklave, der alles tut, was ihm der Herr aufträgt. Auf Gott zu vertrauen bedeutet nicht, dass wir uns einfach hinsetzen und warten, bis Gott kommt und uns mit seiner Gnade bedient. Gott ist kein Lückenbüßer für unseren mangelnden Einsatz. Jesus hat ja auch von sich gesagt, dass er nicht gekommen ist, sich bedienen zu lassen, sondern um zu dienen, und sein Leben hinzugeben als Lösepreis für viele. Und genau diese Haltung soll auch den Jünger Christi kennzeichnen. Wir können es auch immer wieder feststellen, sei es in den Familien, in den Gemeinschaften und Pfarrgemeinden: Wo dieser Geist des selbstlosen Dienens um Gottes willen lebendig ist, da wächst der Glaube in jenen, die sich so einsetzen, da wirkt Gott seine Wunder, da wird das Reich Gottes und die Kirche aufgebaut.

2) Die Gnade des Glaubens wird in unseren Herzen auch durch die Demut, d.h. die rechte Selbsteinschätzung gestärkt. Mit dem Beispiel vom Sklaven zeigt uns Jesus, wie wir uns selbst vor Gott einschätzen sollen. “Wenn wir alles getan haben, sollen wir sagen: Wir sind unnütze Sklaven; wir haben nur unsere Schuldigkeit getan.”

Es gibt nämlich eine Versuchung gegen diese Demut, dass wir uns auf unsere Bemühungen im Glauben etwas einbilden und gewisse Ansprüche und Vorrechte bei Gott ableiten möchten. Gott müsste eigentlich froh sein, dass wenigstens wir uns so anstrengen im Glauben und so vieles tun. Weil wir im Grunde doch so rechtschaffen, gut und brav sind, da müsste uns Gott sozusagen als Gegenleistung auch ein gutes, angenehmes, sorgenfreies und leidfreies Leben verschaffen. Und insgeheim sind wir ein wenig enttäuscht vom Glauben, wenn wir sehen, dass es anderen, die sich um Gott und seine Gebote nicht kümmern, so gut zu gehen scheint, während wir uns mit allen möglichen Kreuzen und Mühen beladen sehen.

Aber hier ist eben diese Demut vor Gott das Heilmittel, die innere Befreiung und der Weg, auf dem unser Glaube gestärkt wird, weil wir dann nicht mehr auf unsere Leistung, sondern allein auf Gott blicken. Der hl. Petrus sagt: “Gott tritt den Stolzen entgegen, den Demütigen aber schenkt er seine Gnade. Beugt euch also in Demut unter die mächtige Hand Gottes, damit er euch erhöht, wenn die Zeit gekommen ist” (1 Petr 5,5f).

“Herr, stärke unseren Glauben!”, so sollen auch wir den Herrn immer wieder bitten.

 

Erzengel Raphael

Am 29. September feiert die Kirche das Fest der drei Erzengel Michael, Gabriel und Raphael. Über das Wirken des hl. Raphael wird uns im Buch Tobit berichtet. Er ist der Engel der Heilung. Der hl. Bonaventura gibt uns eine treffende Erklärung, wie wir durch das “Verbrennen des Herzens des Fisches” die bösen Geister vertreiben können (vgl. Tob 6ff):

“Raphael führt uns heraus aus der Knechtschaft des Teufels, indem er uns das Leiden Christi ins Gedächtnis ruft. Als Beispiel hierfür heißt es im 6. Kapitel des Buches Tobit: ‘Wenn du ein Stücklein vom Herz des Fisches auf die Kohle legst, verscheucht der Rauch davon alle Arten von bösen Geistern.’ Was soll das bedeuten? … Dadurch wird uns zu verstehen gegeben, dass es nichts gibt, was uns heute derartig aus der Knechtschaft des Todes befreit als der Tod Christi, der dem Grunde seines Herzens, das heißt der Liebe, entsprang. Das Herz ist nämlich die Quelle aller Lebenswärme. Wenn du also das Herz Christi, d.h. den Tod, den er erlitten hat, als den Grund seiner Liebe, als die Quelle seines Lebens, auf Kohle legst, d.h. mit liebeglühendem Herzen dir ins Gedächtnis rufst, dann wird der böse Geist zugleich gebannt und kann dir nicht mehr schaden.”

 

Er kennt den Herrn

Dieser Hund auf dem Bild wurde dazu ausgebildet, vermisste Menschen in Naturkatastrophen zu suchen und wenn er einen Lebenden unter den Trümmern oder in der Lawine gefunden hat, soll er ruhig an diesem Ort sitzen bleiben.

Als er einmal in eine Kirche kam, lief er gleich zum Tabernakel und setzte sich in dieser Position vor diesen, um anzuzeigen, dass hier ein Lebender verborgen ist. Offensichtlich hat dieser Hund die lebendige Gegenwart Jesus Christus in der Eucharistie wahrgenommen, an die heute so viele nicht mehr glauben.

 

Lebensretter

Wie Gottes liebevolle und weise Vorsehung wirkt, zeigt uns die folgende Begebenheit:

Im Jahr 1981 rettete ein Kinderarzt (Bild rechts) das Leben eines zu früh geborenen Kindes, das nur 1,5 kg gewogen hat. Er arbeitete nach Feierabend und machte alles erdenklich Mögliche um sein Leben zu retten.

Im Jahr 2011 war derselbe Kinderarzt nach einem Autounfall in einem brennenden Auto gefangen. Er wurde von einem Rettungsassistenten rausgeholt. Es stellte sich heraus, dass der Mann jenes Kind war, dem der Arzt vor 30 Jahren das Leben gerettet hat.

 

Vergiss nicht, Silvija: Gott schaut auf dich.

Der spanische Autor José Miguel Cejas hat in seinem Buch “Der Tanz nach dem Sturm” viele “Lebenszeugnisse von Christen in baltischen Ländern und Russland” zusammengefasst. Eines dieser Zeugnisse ist der Bekehrungsweg des Ärze-Ehepaares Silvija und Gints aus Lettland. Beide nahmen über viele Jahre Abtreibungen vor; doch heute setzen sie sich als überzeugte Katholiken aktiv in Lettland für eine Bewegung für das Leben ein.

Silvija erzählte 2013 über ihren gemeinsamen Bekehrungsweg und sie fragt sich, warum Gott gerade ihnen diese unermessliche Gnade gewährt hat: “Wir wussten gar nichts von Gott, obwohl ich als kleines Kind katholisch getauft worden war. Sowohl in der Schule als auch auf der Universität hatte man uns den Marxismus- Leninismus beigebracht und eine radikal atheistische Bildung. Ich hatte nur meine Großmutter über Gott reden hören. Als ich klein war, sagte sie zu mir: ‘Vergiss nicht, Silvija: Gott schaut auf dich. Er sieht dich immer. Handle so, dass du ihm gefällst.’ Meine Großmutter war sehr lieb zu mir. Aber sie hatte etwas, was mich verwirrte: Wenn sie in ihrem Lehnstuhl sitzend mir zulächelte und den Rosenkranz zu beten begann und ich sie bat, mit mir zu spielen, musste ich dann warten, bis sie fertig war. Immer wieder versuchte ich es: ‘Großmutter, schau dir das an!’ ‘Wart ein paar Minuten, Silvija’, sagte sie dann leise, ‘jetzt bete ich zur Muttergottes für dich.'”

Als Gynäkologin hatte sie bald Abtreibungen vorgenommen: “Zuerst fühlt man sich abgestoßen, so etwas zu tun; aber im gleichen Maß, in dem man Abtreibungen vornimmt, verhärtet sich das Herz immer mehr, bis man schließlich zynisch wird. Wir machten oft Witze nach einer Abtreibung: Später werden wir dann im Höllenfeuer schmoren!” “Mein Mann Gints war der Chef der Abteilung … wir verdienten ziemlich gut und erfreuten uns einer gewissen Position.” Wie kam es zur Wende? “Die ganze Welt brach in mir zusammen, als ich merkte, dass Gints mich mit einer anderen Frau betrog. Ich litt sehr. Ich konnte es nicht verstehen. Wir hatten doch zwei kleine Kinder! Es kam der Moment, in dem ich dachte, dass die einzige Lösung in der Scheidung bestünde.

Er bat mich um Verzeihung und sagte, es sei nur ein vorübergehendes Abenteuer gewesen. Ich glaubte ihm nicht. Vor allem war ich nicht bereit, ihm zu verzeihen. Ich kann ihm das nicht verzeihen, dachte ich. Wir stritten unaufhörlich, und wenn wir uns in Rage geredet hatten, warfen wir uns schreckliche Dinge an den Kopf. … Zum ersten Mal befanden wir uns in einer Situation, die uns überstieg und die wir aus eigener Kraft nicht zu kontrollieren vermochten.”

Auch mit ihrer Arbeit waren beide seit der Geburt ihres ersten Sohnes in eine Krise geraten. Sie konnten es nicht mehr glauben, dass es nur ein Stückchen Fleisch war, das sie da abtrieben. “Es war sehr hart, denn es ist für niemanden leicht, zuzugeben, dass er sich jahrelang in einem schwerwiegenden Irrtum befunden hat.”

“Als wir uns in vollster Ehekrise befanden, geschah etwas menschlich Unerklärliches. Ich muss Gott finden, dachte ich. Gott trat plötzlich in mein Leben und in das Leben von Gints.” Gints nahm Kontakt mit einem evangelischen Pastor auf, der ihm zu Lesen der Bibel riet und ihm eines Tages klar machte, dass er definitiv mit den Abtreibungen aufhören müsse. “Gint sagte es mir und ich war einverstanden.”

“Inzwischen war in meiner Seele ein Wunsch entstanden, der mir wenige Jahre zuvor absurd, eigenartig und unverständlich vorgekommen wäre: das Verlangen, zu kommunizieren. …  Ich hatte diese klare Idee: Ich könnte nur dann mir selber und Gints verzeihen, wenn ich in der Eucharistie Zuflucht zum Herrn nehmen könnte, durch seine Kraft. Wir begannen, uns darauf vorzubereiten.”

“Gints machte die Professio fidei und wir empfingen das Sakrament der Ehe. Jetzt, dank der Kommunion und des Sakramentes der Beichte hat sich unser Leben vollständig verändert.”

Silvija bekennt: “Als für uns alles in die eigene und fremde Zerstörung zu münden schien, griff plötzlich eine Hand ein, die uns rettete. Wem gehört diese Hand? Jedes Mal, wenn ich mich an meine Großmutter erinnere, wie sie lächelnd die Perlen des Rosenkranzes durch die Finger gleiten ließ, ahne ich es. Es ist eine Mutterhand, die heilt und lindert, die Leben spendet und es beschützt.”

 

Gott hat einfach mein Herz erobert

Kevin Whitt war zwanzig Jahre lang ein Transvestit und Prostituierter für Homosexuelle, bevor er sich vor fünf Jahren bekehrte. Jetzt setzt er sich  im Widerstand gegen Homo-Propaganda ein. Darüber berichtet ChristianHeadlines.com. Kevin Whitt wurde homosexuell, nachdem er als Kind sexuell missbraucht worden war. Ein Therapeut diagnostizierte bei ihm eine geschlechtsspezifische Spaltung und sagte ihm, dass er “eher eine Frau sein sollte”. Er hat an viele Paraden mitgewirkt und auch eigene Shows veranstaltet. Aber er bemerkte: “Immer wenn ich in diesem Lebensstil war, war ich sehr depressiv. Ich musste die ganze Zeit betrunken sein. Ich habe mit allen möglichen Männern geschlafen. Ich meine, ich habe mit wahrscheinlich fünf Leuten an einem Tag geschlafen. Ich war sexuell sehr pervers.” Kevin sagt, dass er “nicht nach Gott suchte”. Aber Gott erregte seine Aufmerksamkeit durch “eine Reihe von Umständen”. “Ich war nicht auf der Suche nach einer Veränderung…  ich dachte, ich würde es lieben, in diesem Lebensstil zu sein. Aber Gott hat einfach mein Herz erobert und ich habe mein Leben Gott hingegeben. Ich wurde befreit und kam zu Jesus. Und seitdem wurde mein Leben um so viel besser als je zuvor. Ich bin so viel glücklicher als je zuvor.” Whitt bekämpft “pro-homosexuelle Theologen”, die behaupten, die Bibel unterstütze Homosexualität. “Es ist sehr, sehr klar geschrieben”, dass sie sündig ist. “Es gibt keine Möglichkeit, die Schrift zu verdrehen.”

 

Durch Kardinal Newman katholisch geworden

Bildquelle: Screenshot aus einem Interview https://www.youtube.com/watch?v=L8Q6iUAx15Q

Am 13. Oktober wurde Kardinal John Henry Newman (1801-1890) heiliggesprochen. Durch seine Konversion von der anglikanischen zur katholischen Kirche, durch seine Schriften und sein Lebensbeispiel ist er für viele Menschen, die nach der Fülle des Glaubens und nach der wahren, von Christus gegründeten Kirche suchen, ein großes Licht geworden. Eine von den vielen, die durch Kardinal Newman den Weg in die katholische Kirche gefunden haben, ist Linda Poindexter.

Sie war in der protestantischen Episkopalkirche aufgewachsen, sie hat in ihrer Glaubensgemeinschaft hochrangige Ämter bekleidet, war 13 Jahre lang als “Priesterin” (Presbyterin) tätig und hat bei ihrem Übertritt (Aug. 2001) angesehenes Amt aufgegeben und dadurch auch viele Bekannte und Freunde verloren, die ihren Schritt nicht verstehen konnten. Aber sie bekennt, dass sie nach diesem Schritt das Gefühl hat, endlich in die katholische Kirche “nach Hause gekommen zu sein”.

Linde Poindexter erzählt, wie sie durch die Gnade Gottes zur Kirche geführt wurde: “Als ich aufwuchs, dachte ich immer, meine katholischen Freunde hätten die ordentlichste Kirche der Welt. ‘Katholische Kinder müssen wirklich etwas tun’, und das fand ich sehr ansprechend. Von ihnen wurde etwas verlangt.”

“Das erste, was ich tat, als ich mich von der Kirche angezogen fühlte, war Newmans ‘Apologia’ zu kaufen. Ich denke, er ist der Standard für Anglikaner, die katholisch werden. Ich hatte die Stelle unterstrichen, an der er über Autorität spricht.” In den Schriften von Kardinal Newman hat sie auf Fragen zur Autorität und zu den Dogmen der Kirche jene Antworten gefunden, die dann ausschlaggebend waren, dass sie den katholischen Glauben annahm.

Aber auch die Beziehung zur Gottesmutter spielte eine wichtige Rolle: “In der streng protestantischen Kirchengemeinde, in der ich aufgewachsen bin, gab es eine kleine Kapelle, und sie hieß ‘Madonna-Kapelle’ – eine protestantische Kapelle namens Madonna-Kapelle!!!

Ich kann mich erinnern, dass sich an dieser kleinen Kapelle ein Gemälde der Gottesmutter befand. Jemand muss es gespendet und dort angebracht  haben, aber ich fand das ungewöhnlich. Es war schon immer ein protestantisches Vorurteil, dass Katholiken Maria ‘anbeten’, was nicht stimmt. Aber dass wir diese Kapelle dort hatten, das brachte mich stark zum Nachdenken.” “Es hat mich immer sehr angezogen, mehr über Maria zu lernen. Was ich dann tat, war, dass ich viele Bücher kaufte, für die ich keine Zeit hatte, sie zu lesen. Ich dachte, ich könnte einen Kurs über das episkopale Verständnis Mariens entwickeln. Viele in der episkopalen Kirche sind sehr ablehnend gegenüber der katholischen Marienverehrung. Viele Leute denken jetzt so: Das Kind wurde mit dem Bad ausgeschüttet, dass sie sich selbst beraubt haben, weil sie die Mutter nicht verstanden und nicht verehrt haben.”

Auch zum Gebet in der eucharistischen Gegenwart des Herrn fühlte sie sich immer wieder hingezogen. Sie erzählt: “Als ich in einer Pfarrei gedient habe, fiel es mir schwer, an dem Ort zu beten, an dem ich gearbeitet habe. Nur ein paar Minuten entfernt befand sich eine katholische Kirche, sodass ich dort zum stillen Gebet vorbeigeschaut habe. Ich hatte einen Schal um meinen Hals gelegt, um den Priesterkragen zu verbergen. Ich erinnere mich an einen Wunsch: Vielleicht könnte ich eines Tages hier sein.” Ihren Freunden in der episkopalen Gemeinschaft schrieb sie: “Obwohl ich ihren Kummer verstehen kann, wünsche ich ihnen doch, dass sie wirklich und wahrhaftig die Freude erfahren können, die ich dabei empfand, schließlich zuhause zu sein.”

 

Wenn auch nur ein katholischer Christ noch übrig sei

Die große Mystikerin Anna Katharina Emmerich beschreibt in einer ihrer Visionen vom 20.10.1820 anschaulich den traurigen Zustand der Kirche, wie wir ihn auch heute erleben können. Aber durch Gebet, Leiden und Opfer in Einheit mit dem Herrn wird die Kirche auferbaut:

“Als ich die Peterskirche in ihrem abgebrochenen Zustande sah und wie so viele Geistliche auch an dem Werk der Zerstörung arbeiteten, ohne dass es einer vor dem andern öffentlich wollte getan haben, da empfand ich solche Betrübnis darüber, dass ich heftig zu Jesus schrie, er solle sich erbarmen. Und ich sah meinen himmlischen Bräutigam vor mir wie einen Jüngling, und er sprach lange mit mir. Er sagte auch, dieses Wegtragen der Kirche bedeute, dass sie scheinbar ganz sinken werde; dass sie aber auf diesen Trägern ruhe und aus ihnen wieder hervorgehen werde; wenn auch nur ein katholischer Christ noch übrig sei, könne die Kirche wieder siegen, denn sie sei nicht im Verstande und Rate der Menschen gegründet. Er zeigte mir nun, wie es nie an Betern und Leidenden für die Kirche gefehlt.

Er zeigte mir alles, was er für die Kirche gelitten, und wie er den Verdiensten und Arbeiten der Märtyrer Kraft gegeben und wie er nochmals alles leiden würde, so er noch leiden könnte.Er zeigte mir auch in unzähligen Bildern das ganze elende Treiben der Christen und Geistlichen in immer weiteren und weiteren Kreisen durch die ganze Welt bis zu meiner Heimat und ermahnte mich zu ausharrendem Gebet und Leiden. Es war dieses ein unbeschreiblich großes, trauriges Bild, das nicht auszusprechen ist. Es wurde mir auch gezeigt, dass schier keine Christen im alten Sinne mehr da sind. Ich bin sehr betrübt durch dieses Bild.”

 

Beständig auf Gottes Wegen bleiben

Der französischer Priester und Theologe Louis Lallemant S.J. (1578 – 1635), der die ignatianische Lehre von der Unterscheidung der Geister vertieft und entfaltet hat, schreibt über den geistlichen Fortschritt, zu dem wir berufen sind, und über die innere Führung des Heiligen Geistes, der wir uns anvertrauen sollten:

“Auf dem Weg zu Gott geht der zurück, der nicht voranschreitet. Wie das Kind, das nicht wächst, nicht ein Kind bleibt, sondern ein Zwerg wird, so bleibt der Anfänger, der nicht rechtzeitig auf den Weg der Fortschreitenden gelangt, kein Anfänger, sondern eine zurückgebliebene Seele.
Ach, es scheint fast so, dass die große Mehrzahl der Menschen sich in der Gruppe der zurückgebliebenen Seelen befindet.”

“Man kann wahrhaftig sagen, dass es nur sehr wenig Menschen gibt, die beständig auf Gottes Wegen bleiben. Manche weichen in einem fort davon ab; der Hl. Geist ruft sie zurück in seinen Einsprechungen; da sie aber unfolgsam sind, von sich selber erfüllt, an ihre Meinung gekettet, von ihrer eigenen Weisheit aufgeblasen, lassen sie sich nicht leicht führen, betreten nur selten den Weg des göttlichen Willens und bleiben kaum darauf, sondern kehren zu ihren eignen Erfindungen und Gedanken zurück, die ihnen Ersatz bieten. So schreiten sie nicht viel voran und werden vom Tod überrascht, bevor sie zwanzig Schritte getan haben, wo sie doch zehntausend hätten tun können, wenn sie sich der Führung des Hl. Geistes überlassen hätten.

Wahrhaft innerliche Menschen dagegen, die sich vom Licht des Geistes Gottes leiten lassen, für das sie sich in der Reinigung des Herzens bereit gemacht haben und dem sie mit vollkommener Ergebung folgen, schreiten mit Riesenschritten voran und fliegen sozusagen auf den Wegen der Gnade.”

 

Der treue und kluge Verwalter

Im Evangelium vom 19. Sonntag im Jahreskreis (C) spricht Jesus über die Wachsamkeit. Er stellt uns unter anderem das Bild vom treuen und klugen Verwalter vor Augen, der den Seinen zur rechten Zeit gibt, was sie brauchen (Lk 12,42ff). Die Eigenschaften, die Jesus hier nennt, sind für uns eine Einladung, die Wachsamkeit zu leben.

1) Die erste Tugend ist die Treue. Sie bedeutet, dass wir uns beständig an die Weisungen des Herrn halten.

Jedem von uns hat Gott große Güter anvertraut. Ob das nun die Kinder sind, der Ehepartner oder unser Mitmenschen, mit denen wir zusammenleben; ob das für den Priester die Pfarrgemeinde ist oder die Sakramente sind, die er zu verwalten hat: Nichts und niemand ist unser Besitz, über den wir willkürlich verfügen könnten, sondern alles gehört unserem Herrn und Gott, wir sind nur Verwalter. Er wird von uns einmal Rechenschaft fordern, ob wir treu in der Verwaltung waren, ob wir in seinem Sinne und nach seinen Anweisungen gehandelt haben.

2) Die zweite Eigenschaft ist die Klugheit. Der kluge Diener ist zuallererst ein Mensch, der die rechten Mittel zu finden weiß, damit man das Wahre und Gute bei sich und den anderen Menschen erreicht. Es ist ja im Umgang mit den Mitmenschen nicht immer leicht zu entscheiden, was das Klügere ist. Ist es z.B. besser zu reden oder zu schweigen, ist es besser gleich zu handeln oder noch zu warten. Im Nachhinein weiß man es oft besser. Ein wesentlicher Teil der Klugheit besteht darin, dass wir suchen, die Sünden zu meiden. Eine Sünde zu begehen, gegen die Gebote des Herrn zu verstoßen, ist immer eine Dummheit und kann nie das Klügere sein. Deshalb brauchen wir den Heiligen Geist, damit wir das Rechte erkennen und tun.

3) Die dritte Eigenschaft ist die Gerechtigkeit, mit der der treue und kluge Verwalter den Seinen zur rechten Zeit das gibt, was sie brauchen. Ein Sprichwort sagt zwar: “Allen Menschen Recht getan, ist eine Kunst, die niemand kann.” Aber wer sich von der Liebe zu Gott leiten lässt, wird immer wieder das erkennen, was er heute seinen Mitmenschen Gutes tun oder schenken soll: an Zeit, an Liebe, an Materiellem, an Hilfen und Diensten; und das ist immer das Rechte.

Der hl. Johannes Chrysostomus hat sehr schön zusammengefasst, was für uns im Leben so wichtig ist. “Nichts ist Gott so angenehm wie ein Leben im Dienst des Mitmenschen. Dazu hat uns Gott die Sprache, die Hände und Füße, Leibeskraft, Vernunft und Verstand gegeben, damit wir all diese Gaben zum eigenen Heil und zum Nutzen unserer Mitmenschen gebrauchen.” “Selig der Knecht, den der Herr damit beschäftigt findet, wenn er kommt! Amen, das sage ich euch: Er wird ihn zum Verwalter seines ganzen Vermögens machen.” So hat es der Herr verheißen.