Geh und sündige nicht mehr!

Die Begegnung Jesu mit der Ehebrecherin (Joh 8), von der wir am 5. Fastensonntag (C) hören, ist ein Spiegelbild dessen, wie wir Menschen im Zustand der Sünde sind. Diese heuchlerische Einstellung der Pharisäer und Schriftgelehrten hat es nicht nur damals gegeben.

Wir haben die Neigung in uns, andere anzuklagen, bloßzustellen und zu beschuldigen. Es werden immer wieder irgendwelche Schuldige ausfindig gemacht und auf den Marktplatz der öffentlichen Meinung gestellt. Das geschieht heute hauptsächlich durch die Medien. Es treten Ankläger und selbsternannte Richter auf, und mit dem Schein von Gerechtigkeit werden diese so genannten Sünder der öffentlichen Kritik und der Verurteilung ausgeliefert. So werden die einen zu Sündenböcken, die an allem schuld sind, während die anderen als die Guten und Unschuldigen dastehen, die es nicht als nötig sehen, sich an die eigen Brust zu klopfen und um Gottes Erbarmen zu bitten.

Aber wie ist nun das Verhalten Gottes gegenüber dem Sünder, wie es Jesus uns offenbart? Zuerst sagt Jesus von sich: „Ich bin nicht gekommen, um zu richten, sondern um zu retten.“ Er ist gekommen, die verlorenen Sünder, die von Rechts wegen mit dem Tod bestraft werden müssten, noch zur Umkehr zu bewegen. Denn Gott will nicht den Tod des Schuldigen, sondern dass er umkehrt und lebt (Ez 33,11).

Denn wenn wir Jesus begegnen, werden wir mit der Wahrheit konfrontiert, da sehen wir, wie es wirklich um uns steht, wie wir vor Gott sind. Aber Jesus deckt die Wahrheit auf, nicht um die Menschen zu beschämen, sie bloßzustellen und zu verurteilen, sondern um sie zur Umkehr zu bewegen, zu heilen und zu erlösen.

Und so sehen wir es auch in der Begegnung Jesu mit der Frau, die man ihm vorgeführt hat. Jesus stellt keinen Moment lang in Frage, dass Ehebruch eine Sünde ist. Er stellt nicht einmal das Gesetz in Frage, das die Steinigung verlangt. Aber er sagt zu ihr: „Ich verurteile dich nicht.“ Und nach dieser Zusage spricht Jesus die Frau auf ihre Verfehlung an. „Geh, und sündige von jetzt an nicht mehr!“

Jesus zeigt uns deutlich, dass jetzt noch nicht die Zeit gekommen ist, da wir endgültig gerichtet werden, jetzt ist noch die Zeit der Gnade und der Barmherzigkeit. Ja, wie groß seine Barmherzigkeit mit uns ist, sehen wir noch daran: Er, der über das Vergehen dieser Frau wirklich richten hätte können, der wirklich den ersten Stein hätte werfen können, weil er sündenlos war, er nimmt es noch auf sich, dass er sich von dieser Welt richten und verurteilen lässt, dass er sich mit dem Tod bestrafen lässt, als hätte er alles verbrochen, was in dieser Welt an Bösem geschieht, als wäre er der schlimmste Übeltäter dieser Welt, der beseitigt werden muss. Der hl. Paulus sagt: Verachtest du etwa den Reichtum seiner Güte, Geduld und Langmut? Weißt du nicht, dass Gottes Güte dich zur Umkehr treibt? (Röm 2,4).

 

Der Heilsplan Gottes

Warum gibt es das Böse in der Welt? Der hl. Pater Pio hat diese Fragen mit einem schönen Gleichnis beantwortet:

„Da sitzt eine Mutter und stickt. Ihr kleiner Junge sitzt auf einem Schemel zu ihren Füßen und sieht ihr bei der Arbeit zu. Er sieht aber nur die Rückseite: ein Gewirr von Knoten und Fäden. Er fragt die Mutter: Mama, kannst du mir sagen, was das wird? Ich kann nicht sehen, was es sein soll. Jetzt beugt sich die Mutter zu ihrem Kind und zeigt ihm die Oberseite des Stickrahmens. Jede Farbe hat ihren rechten Platz, und die verschiedenen Fäden formen ein schönes Ganzes. Wir sehen nur die Rückseite der Handarbeit. Wir sitzen auf einem niedrigen Schemel.“

Wenn wir das Leiden Christi und seine Auferstehung betrachten, dürfen wir schon etwas von diesem Bild und Plan Gottes erkennen.

 

Das Kreuzzeichen an der Mauer

Ein gläubiger Mann erzählt:

„Vor einigen Jahren war ich Schwimmlehrer für eine große Männergruppe. Eines Nachts konnte ich nicht einschlafen. Als Kursleiter besaß ich einen Schlüssel zum Schwimmbad. So beschloss ich, ein wenig zu schwimmen, um danach besser schlafen zu können. – Ich machte kein Licht, denn ich kannte den Raum genau. Das Dach war aus Glas, und der Mond schien hindurch. Als ich auf dem Sprungturm stand, sah ich den Schatten meines Körpers an der gegenüberliegenden Mauer. Durch meine ausgestreckten Arme bildete meine Silhouette ein prächtiges Kreuz. Anstatt zu springen, blieb ich stehen und betrachtete dieses Bild. Während ich regungslos so stand, kam mir der Gedanke an das Kreuz Christi und seine Bedeutung. Ich war kein Christ, hatte aber als Junge einmal ein Lied gelernt, dessen Worte mir plötzlich in den Sinn kamen: ‚Er starb, damit wir könnten leben, … ‚

Ich weiß nicht, wie lange ich dort mit ausgestreckten Armen auf dem Sprungbrett stand und warum ich nicht ins Wasser sprang. Auf jeden Fall ging ich schließlich auf dem Brett zurück und stieg vom Turm hinunter. Ich ging am Rand des Schwimmbeckens entlang zur Treppe, um dort ins Wasser zu steigen.

Ich erreichte den Grund des Beckens – aber meine Füße berührten den harten, glatten Fußboden … Am Abend zuvor hatte man das Wasser aus dem Becken abgelassen, ohne dass ich davon erfahren hatte!

Ein kalter Schauer lief mir den Rücken hinunter. Wäre ich gesprungen, würde es mein letzter Sprung gewesen sein. Das Kreuzzeichen an der Mauer rettete mich in dieser Nacht. Ich war so dankbar, dass Gott mir in seiner Gnade das Leben erhalten hatte, dass ich am Rand des Beckens niederkniete.

Mir wurde bewusst, dass außer meinem natürlichen Leben auch meine Seele gerettet werden musste. Dafür war ein anderes Kreuz nötig gewesen, das Kreuz, an dem Jesus Christus starb, um Sie und mich zu retten.“

 

Wenn wir unsere Sünden bekennen

Ein außergewöhnliches Zeugnis darüber, wie die Güte und Barmherzigkeit Gottes das Herz eines Menschen völlig umwandeln kann, gibt uns Wilhelm Buntz. Er hat seine Erfahrungen in seinem Buch „Der Bibelraucher“ zusammenfasst.

Er wurde 1954 in Ulm geboren. Seine Mutter, die dieses dritte Kind nicht wollte, setzte Willi in der freien Natur aus. Sein Vater verjagt seine Mutter und war sehr streng mit ihm, was ihn schon von klein auf sehr aggressiv machte. Schon im Kindergarten bekam er den Namen ‚Blutbad-Willi‘. „Alle hassten mich und hatten Angst vor mir.“ Mit 17 Jahren verursachte er mit einem gestohlenen Auto einen Unfall, bei dem ein Polizist starb und der andere querschnittgelähmt wurde. Nach seiner Entlassung aus der Jugendstrafanstalt begann er eine schlimme, kriminelle Karriere: Raubüberfälle, Juwelenraub, Waffen- und Menschenhandel … Mit 23 Jahren wurde er geschnappt, und er bekam eine Haftstrafe von insgesamt 25 Jahren!

Die Zeit im Gefängnis wurde ihm aber zur Gnadenzeit. Zuerst hat aus Protest und Langeweile aus Seiten der Bibel Zigaretten gemacht. „In den sechs Jahren der Haft in dieser Zelle habe ich das gesamte Alte Testament geraucht. Und ich las jede einzelne Seite ganz durch, manchmal sogar mehrmals.“ Doch als er zur Bergpredigt kam, begannen diese Worte seine Seele zu berühren. „Wenn es dich wirklich gibt und du einen Plan für mein Leben hast, dann musst du mich ändern. Aber ich lasse mich nicht verändern. Wenn du wirklich stärker bist und mich überwindest, dann mach etwas Vernünftiges aus mir.“ Von da an begann Gott sein Herz grundlegend zu wandeln.

Im ersten Johannesbrief (1,9) las er: „Wenn wir unsere Sünden bekennen, ist Gott treu und gerecht; er vergibt uns die Sünden und reinigt uns von allem Unrecht.“ Das wollte er wörtlich befolgen. So schrieb er an den Staatsanwalt einen Brief, in dem er sich zu allen Verbrechen bekannte, die man ihm nicht beweisen konnte. Doch der Staatanwalt stellte das Verfahren gegen ihn ein. Einige Monate später, im Alter von 31 Jahren, war Willi frei.

Das ganze folgende Jahr über besuchte Willi die vielen Menschen, denen er Unrecht getan hatte, und bat sie um Vergebung. „Ich habe in Innsbruck die Witwe des Polizisten besucht. Ich sagte: Sie sind doch diese Frau, die1971 ihren Mann verloren hat. Sie sagte: Mir ist das Herz gebrochen. Ich lag im Krankenhaus im Kreißsaal und habe gerade mein fünftes Kind zur Welt gebracht. Da kommt die Nachricht: Mein Mann kommt nie wieder nach Hause. Aber wissen sie, mein Mann war gläubig. Und wir wissen, wir sehen eines Tages den Papa im Himmel wieder. Und seit dem Tag beten wir für diesen Jungen, der damals den Wagen gefahren hat, dass Jesus seine Seele rettet. Mir war, als hätte Gott mit einem Vorschlaghammer gegen den Panzer geschlagen, der um mein Herz war. Ich habe geweint und geweint und habe gesagt, ich bin dieser Junge. Und da kommt sie um den Tisch und nimmt mich in den Arm, und sagt: Oh, Sie sind die größte Gebetserhörung, die wir jemals erlebt haben.“

 

Nachhaltiger als jede Bestrafung

Konstantin Mascher, der Leiter der ökumenischen Gemeinschaft Offensive Junger Christen (OJC), erzählt in der Zeitschrift Salzkorn (21/1), wie das Gleichnis vom Verlorenen Sohn und barmherzigen Vater in seinem Leben Wirklichkeit geworden ist:
„Ich war 17 oder 18 Jahre alt. Als Jugendlicher braucht man immer Geld, und wen zapft man als erstes an? Seine Eltern. Mein Taschengeld reichte mir nicht, doch mehr konnte ich meinen Eltern nicht auf ‚legale Weise‘ abluchsen. So schwindelte ich meiner Mutter vor, ich bräuchte Nachhilfe und dafür Geld. Das nahm sie mir ab und gab bereitwillig monatlich einen Betrag, den ich natürlich für andere Dinge ausgab, fast ein ganzes Jahr lang. Nach dem Abi kam ich nach Deutschland zur OJC. Mein Leben wandelte sich komplett und ich fand neu zum Glauben.
Beim nächsten Besuch bei meinen Eltern in Südafrika fiel mir wieder ein, was ich getan hatte. Mein Gewissen drückte mich schwer. Ich wusste, ich muss es meiner Mutter sagen! Doch ich fürchtete die Konsequenzen. Was würde sie tun? Das Geld zurückfordern (wäre nur gerecht), alle weiteren Zuwendungen kappen (wäre gerechtfertigt), ausrasten, verletzt reagieren, für längere Zeit nicht mehr mit mir reden? – Ich wusste es nicht, doch ich fasste mir ein Herz und bat um ein Gespräch. Meine Mutter hörte sich alles ruhig an, kam an meine Seite, umarmte mich und sagte, dass sie mir verzeihe. Sie wollte nicht wissen, wie viel, wie lange und warum. Ich musste mich nicht rechtfertigen.
Nur die Zusage: Ich verzeihe dir! Und zum Schluss sagte sie fröhlich: Ist doch gut, dass das jetzt raus ist – oder? Mir ist in diesem Gespräch Barmherzigkeit widerfahren. Und diese Barmherzigkeit war viel nachhaltiger, als jede Bestrafung oder pädagogische Maßnahme es hätte sein können. War das gerecht? Nein und Ja. Es war nicht gerecht im Sinne eines Strafkataloges und meiner schuldbewussten Erwartungen, sondern in einem viel umfassenderen Sinne: Meine Mutter ist ihrer Liebe zu mir gerecht geworden. Das ist Barmherzigkeit.“

Unser Gebets- und Glaubensleben explodierte förmlich

Bei der theologischen Sommerakademie 2011 legte Jenö Zeltner zum Thema „Mein Weg zum Glauben“ ein bemerkenswert Zeugnis über seine Bekehrung ab.

Er war 1995 aus der Kirche ausgetreten, weil er nicht einsah, für etwas, das ihm damals zuwider war, auch noch Geld zu bezahlen. Familiär war seine Ausgangsposition eine sog. Patchwork Familie. „Ich selbst hatte eine Tochter aus einer früheren Beziehung, die nicht bei mir lebte, die ich aber regelmäßig sah. Zivil verheiratet war ich mit einer geschiedenen Frau, die ihrerseits zwei Töchter mit in die Zivilehe brachte.“

Zum Glauben hatte er keine Beziehung. „Ich konnte ja nicht einmal das ‚Vater Unser‘ auswendig.“ Aber durch verschiedene Begegnungen und dann vor allem durch das Lesen der Bücher von Maria Valtorta über den Gottmenschen gelangte er zu einer tiefen Beziehung zu Christus.

Ein Pater aus Österreich, den er auf Empfehlung eines Freundes aufsuchte, bereitete ihn auf den Eintritt in die Kirche und die Firmung vor. „Nach einem langen Gespräch, bei dem er erkannte, wie groß meine Sehnsucht nach dem Empfang der hl. Kommunion war, ‚erlaubte‘ er mir nach einer ersten Lebensbeichte, die ich bei ihm ablegte, und nach der Zusage, bis zum Firmtermin enthaltsam zu leben, im Rahmen der hl. Messe, bei der ich gefirmt werden sollte, ein einziges Mal die hl. Kommunion zu empfangen. Diese hl. Kommunion war ein großes Erlebnis. Meine Frau sagte mir danach, ich hätte gestrahlt wie ein Honigkuchenpferd und ich hätte regelrecht geleuchtet zwischen all den jugendlichen Firmlingen. Der einmalige Empfang der heiligen Kommunion zeigte mir ganz klar, dass meine Lebenssituation nicht so bleiben konnte, wie sie war.

So begaben meine Frau und ich uns auf den langen steinigen Weg eines Eheverfahrens, in dessen Verlauf die vor 30 Jahren geschlossene und nach relativ kurzer Zeit wieder gescheiterte Ehe meiner Frau auf ihre Gültigkeit untersucht werden sollte. Auf die näheren Umstände des Verfahrens möchte ich hier nicht weiter eingehen.

Erzählen möchte ich nur davon, dass wir uns kurz nach Beginn des Verfahrens (wir ahnten damals nicht, wie lang es dauern würde) auf Anraten eines sehr gläubigen Mannes, dem wir unser Leiden über den Verzicht auf den Sakramentenempfang geschildert hatten, entschlossen, bis zum endgültigen Urteil wie Bruder und Schwester zu leben, das heißt enthaltsam.

Nach Rücksprache mit dem Ordinariat durften wir dann auch die Sakramente empfangen. Es war der erste große Schritt, Ordnung in unser Leben zu bringen. Der Verzicht, den wir übten, und der regelmäßige Sakramentenempfang führten dazu, dass uns große Gnaden zuteil wurden, unser Gebets- und Glaubensleben explodierte förmlich.“ „Viele Priester hatten uns bei unseren Beichten immer wieder darauf hingewiesen, dass die Enthaltsamkeit nur schwierig zu leben sei, wenn man nicht in getrennten Zimmern schlafe, aber das war nicht unser Weg. Wir hatten die letzten drei Monate, zumindest was das Thema Enthaltsamkeit anging, keinen Grund mehr gehabt, etwas zur Beichte zu tragen, ganz im Gegenteil, wir schliefen abends Hand in Hand wie Geschwister ein, jede Versuchung war verschwunden.“

„Nach dreieinhalb Jahren Enthaltsamkeit und Verfahrensdauer waren wir dann soweit, dass wir zum ersten Mal vorbehaltlos sagen konnten, dass wir bereit waren, jedes Urteil anzunehmen und unser Leben auch nach dem Urteil auszurichten, eine Rückkehr zur Unordnung war für uns nicht mehr denkbar. Kurz darauf durften wir trotz vieler abwartender oder auch negativer Prognosen verschiedenster Seelsorger ein positives Urteil entgegennehmen. Bereits wenige Monate später konnten wir in der Loreto-Kapelle in Birkenstein heiraten und eine unglaubliche Hochzeit feiern.“

 

Der Schutzmantel Mariens

In der Festoktav von Weihnachten 1819 hatte Anna Katarina Emmerick eine Schau der Kirche, die für uns sehr tröstlich ist:

«Ich sah die Peterskirche und eine ungeheure Menge Menschen, welche beschäftigt waren, sie niederzureißen; aber auch andere, welche wieder an ihr herstellten. Es zogen sich Linien von handlangenden Arbeitern durch die ganze Welt, und ich wunderte mich über den Zusammenhang. Die Abbrechenden rissen ganze Stücke hinweg, und es waren besonders viele Sektierer und Abtrünnige dabei. Schon war der ganze Vorderteil der Kirche herunter, und nur das Allerheiligste stand noch …

Da erblickte ich aber eine majestätische Frau über den großen Platz vor der Kirche wandeln. Ihren weiten Mantel hatte sie mit beiden Armen gefasst und schwebte leise in die Höhe. Sie stand auf der Kuppel und breitete weit über den ganzen Raum der Kirche ihren Mantel, der wie von Gold strahlte. Die Abbrechenden hatten eben ein wenig Ruhe gegeben. Nun wollten sie wieder heran, konnten sich aber auf keine Weise dem Mantelraume nähern. Aber von der andern Seite entstand eine ungeheure Tätigkeit der Aufbauenden. Es kamen ganz alte, krüppelige, vergessene Männer und viele kräftige, junge Leute, Weiber und Kinder, Geistliche und Weltliche, und der Bau war bald wieder ganz hergestellt …»

 

Die Fürsprache des hl. Josef

Im Monat März und am 19. März ehren wir besonders den hl. Josef, den wir in dieser bedrängten Zeit als Fürsprecher brauchen.

Im 17. Jahrhundert schrieb die Mystikerin Maria von Agreda über die außergewöhnlichen Gnaden, die Gott denen schenkt, die den hl. Josef verehren.
„Ich wurde über bestimmte Privilegien informiert, die der Höchste dem hl. Josef aufgrund seiner großen Heiligkeit gewährt hat, die besonders wichtig für diejenigen sind, die in angemessener Weise um seine Fürsprache bitten. Kraft dieser besonderen Privilegien ist die Fürsprache des hl. Josef sehr machtvoll:
1. Auf seine Fürbitte erlangt man die Tugend der Keuschheit und den Sieg in den Gefahren sinnlicher Versuchung.
2. Durch ihn erhält man mächtige Gnadenhilfen, um den Stand der Sünde zu verlassen und zur Freundschaft Gottes zurückzukehren.
3. Durch seine Vermittlung erhält man die Gunst der allerseligsten Jungfrau Maria und eine wahre Andacht zu ihr.
4. Durch ihn erlangen wir die Gnade eines guten Todes und Schutz gegen den Satan in der Todesstunde.
5. Die bösen Geister zittern, wenn sie den Namen Josefs hören.
6. Durch ihn kann man Gesundheit des Leibes und Hilfe in den verschiedenen Nöten erhalten.
7. Seine Fürbitte erlangt den Segen der Nachkommenschaft in den Familien.
Diese und viele andere Vorzüge gewährt Gott denen, die angemessen und mit guter Gesinnung die Fürsprache des Bräutigams unserer Königin, des hl. Josef, suchen. Ich möchte alle Kinder der heiligen Kirche bitten, große Verehrer des hl. Josef zu sein. Sie werden diese Gnaden an sich selber erfahren, wenn sie auf deren Empfang sich würdig vorbereiten.“

Wenn Menschen Gott schauen und Macht über die Finsternis haben wollen, müssen sie sich bemühen, ein keusches und liebevolles Herz wie das des hl. Josef zu bekommen.

 

Jetzt ist sie da, die Zeit der Gnade

Im Evangelium des 3. und 4. Sonntags im Jahreskreis (C) hören wir vom ersten öffentlichen Auftreten Jesu in der Synagoge seiner Heimatstadt Nazaret. Jesus liest aus dem Buch Jesaja die Verheißung: „Der Geist des Herrn ruht auf mir … Er hat mich gesandt, damit ich den Armen eine gute Nachricht bringe … und ein Gnadenjahr des Herrn ausrufe.“ Und Jesus gibt den Leuten zu verstehen: „Heute hat sich das Schriftwort, das ihr eben gehört habt, erfüllt“ (Lk 4,21) Zuerst staunen die Menschen über seine Worte. Doch als er ihnen zu verstehen gibt, dass es für sie um den Glauben an ihn und die Bekehrung zu Gott geht, da werfen sie ihn aus der Stadt hinaus. Sie haben die Gnadenzeit, die jetzt für sie gekommen war, nicht angenommen.

Das war die große Herausforderung des Glaubens für die Leute damals, aber das ist sie auch für uns. Denn auch wir sind hier, jetzt und heute aufgerufen zum Glauben und zur Bekehrung.

Das Heute, das Jesus damals ausgesprochen hat, hat bleibende Gültigkeit. Das will der hl. Lukas uns besonders vor Augen stellen.
Mit diesem „Heute“ haben wir auch eine Eigentümlichkeit des Lukasevangeliums vor uns. Nur bei Lukas finden sich diese Heute-Aussagen, mit denen er die Gegenwart der Erlösung aufzeigen will:

Dieses Heute erklang zum ersten Mal auf den Fluren von Bethlehem aus dem Mund der Engel: „Heute ist euch in der Stadt Davids der Heiland geboren“ (Lk 2,11). Oder denken wir an die Bekehrung des Zöllners Zachäus in Jericho. Jesus sagte zu ihm: „Heute muss ich in deinem Hause Einkehr halten!“ (Lk 19,5).  „Heute ist diesem Haus Heil widerfahren!“ Im Gleichnis vom verlorenen Sohn sagt der Vater: „Heute müssen wir ein Fest feiern und uns freuen…“ Am Kreuz spricht Jesus zum rechten Schächer: „Heute noch wirst du mit mir im Paradiese sein!“ (Lk 23, 43). Dieses Heute gilt nun immer, tagtäglich neu wird uns die Gnade Gottes durch Jesus Christus und seine Kirche angeboten.

Jesus ist nicht gekommen, um zu richten, sondern um zu retten und ein Gnadenjahr auszurufen. Das Gericht wird erst zuletzt kommen am Ende unserer eigenen Zeit und am Ende der Weltzeit. Deshalb sagt der hl. Paulus: „Jetzt ist sie da, die Zeit der Gnade“ (2.Kor 6,2), die wir aus Gottes Hand annehmen dürfen und nützen sollen, denn irgendwann ist diese Zeit vorbei.

Die Bewohner von Nazaret haben dieses Heute der Gnade Gottes nicht angenommen und Jesus hinausgeworfen. Aber der hl. Lukas stellt uns die Hirten vor Augen, die nach Bethlehem geeilt sind, dann den Zachäus, der sich bekehrt hat, den verlorenen Sohn, der zum Vater zurückgekehrt ist, und den rechten Schächer, der in seinem Kreuzesleiden auf Jesus vertraut hat.

Der hl. Pater Pio gibt uns zu bedenken: „Auch für uns kommt einmal die letzte Stunde, wo unser Herz zu schlagen aufhört und alles für uns beendet ist: die Zeit, Verdienste zu erwerben und die Zeit zu sündigen. So wie der Tod uns finden wird, so wird er uns Christus dem Richter vorführen. Unser Schrei um Erbarmen, unsere Tränen, unser Reueschmerz, der uns in unserem Leben das Herz Gottes erobert und uns durch die Sakramente aus Sündern zu Heiligen gemacht hätte, kann uns nichts mehr nützen. Die Zeit der Barmherzigkeit ist vorüber, nun hat die Zeit der Gerechtigkeit begonnen.“

 

Ich bin die Unbefleckte Empfängnis

Am 11. Feb. feiern wir das Fest unserer lieben Frau von Lourdes und das Patrozinium der Lourdesgrotte in Bregenz. Maria hat sich damals als die Unbefleckte Empfängnis geoffenbart. Die hl. Bernadette hat ergreifend darüber berichtet:

„Bei allen meinen Fragen, die ich an sie richtete, neigte die Dame ohne zu antworten lächelnd den Kopf. Ich weiß nicht woher ich plötzlichen den Mut fand, sie noch einmal nach ihrem Namen zu fragen. Und wieder lächelte sie, neigte anmutig den Kopf aber verharrte weiterhin im Schweigen. Ein drittes Mal wiederholte ich, mich der Gunst, um die ich bat, für unwürdig haltend, mit gefalteten Händen die Bitte. Sie schwebte aufrecht stehend über dem Rosenstrauch. Da wurde ihr Gesicht von Ernst überschattet und wie demütig  entfaltete sie die Hände, breitete die Arme aus und hob sie in die Nähe ihres Herzens empor. Sie blickte zum Himmel und mit bebender Stimme sagte sie zu mir: ‚Ich bin die Unbefleckte Empfängnis‘.“

Eilig lief Bernadette zu ihrem Pfarrer, um vor ihm diesen Satz, den sie nicht verstand, zu wiederholen. Tief erschüttert rief er aus: „Es ist die Heilige Jungfrau!“ und glaubte nun an die Realität der Erscheinungen. Denn vier Jahre vor diesen Erscheinungen hatte Papst Pius IX. das unfehlbare Dogma der Unbefleckten Empfängnis der Heilige Jungfrau Maria verkündet.