Dieses Mädchen war heilig

Bischof Henry Joseph Kennedy (1915-2003) war 20 Jahre lang Bischof der Diözese Armidale in Australien. Er berichtet von einem Firmerlebnis, das er einst als Weihbischof von Brisbane Ende der 60er Jahre hatte. Es prägte sein weiteres Leben als Bischof maßgeblich.

An einem Sonntagmorgen sollte er in einer Pfarrei in Brisbane die Firmung spenden. Im Pfarrhaus begegnete er in der Küche einer Frau, die immer kam, um für den Pfarrer zu kochen. Als sie ins Gespräch kamen, bat ihn die Frau: „Herr Bischof, würden Sie Tammy segnen, die hier auf dem Stuhl sitzt?“ Und sie sagte weiter: „Herr Bischof, Tammy wird nicht mit Ihnen sprechen können, sie ist stumm, und, Herr Bischof, sie wird auch nicht hören können, was Sie sagen, sie ist taub … sie ist auch blind, und außerdem kann sie nicht auf eigenen Füßen stehen, weil sie Spastikerin ist.“ – „Da stand ich also vor einem Kind, das nie gesprochen, nie einen Laut gehört und nie einen Gegenstand gesehen hatte, das auch nicht aus eigener Kraft umhergehen konnte, und ich fragte mich: ‚Was hat das alles für einen Sinn und Zweck?‘ Und plötzlich kam mir der Gedanke: ‚Hier ist ein Mädchen, das noch nie eine Sünde mit den Augen, der Zunge und den Ohren begangen hat; das nie einen Ort betreten hat, an dem es eine Sünde hätte begehen können. Dieses Mädchen war heilig. … ‚“

„Als ich die Frau fragte: ‚Ist das Ihr Kind?‘, verneinte sie und erzählte mir ihre Geschichte: ‚Ich war gerade für sechs Monate im Krankenhaus, als dieses Kind geboren wurde. Eines Tages kam der Arzt in das Zimmer, in dem ich als Patientin lag, und sagte: ‚Unten auf der Kinderstation ist ein Kind und wenn es nicht bald von irgendjemandem ein wenig Zuneigung und Liebe bekommt, wird es für den Rest seines Lebens, ob kurz oder lang, nur dahinvegetieren.‘ Ich war so berührt davon, dass ich sagte: ‚Doktor, ich nehme dieses Kind! Ich werde mich nach besten Kräften um es kümmern, und unsere Nachbarin, mein Mann und meine fünf Kinder werden Tammy, dieses kleine Wesen, mit Liebe und Zuneigung überhäufen.'“

Die Frau vertraute dem Bischof auch an, dass ihre Ehe damals am Zerbrechen war. „Die Harmonie und die Liebe, die eine Familie zusammenhält, schienen dahingeschmolzen zu sein. Doch ab dem Moment, als Tammy zu uns kam und die Kinder anfingen, sie mit Zärtlichkeit und Liebe zu überschütten, stellten mein Mann und ich fest, dass dies auch der Wendepunkt, ein neues Zueinanderfinden in unserer Ehe war. Tammy hat sie gerettet, sie brachte uns wieder zusammen und seither herrschen Harmonie, Frieden, Liebe und Zuneigung unter den Kindern, meinem Mann und mir. Wir lieben Tammy über alles, und sie kennt uns. Sobald wir unsere Hand auf sie legen, weiß sie, dass sie in den Händen derer ist, die sich um sie kümmern und sie lieben.“

„Ich hatte das Privileg, Tammy an besagtem Sonntagmorgen zu firmen. Man musste sie zur Kirche bringen und zum Altar vortragen, damit sie das Sakrament der Firmung empfangen konnte. Tammy starb dann im Alter von 15½ Jahren.“

 

Wenn DU das für mich getan hast …

Der 4. Sonntag in der Osterzeit ist der Weltgebetstag um geistliche Berufungen. Er wird auch „Guthirtensonntag“ genannt. Die Kirche lädt uns ein, Christus, den Guten Hirten, inständig um geistliche Berufungen zum Priestertum und Ordensleben zu bitten. Er selbst hat uns diesen Auftrag gegeben. Dass dieses Gebet auch heute Frucht bringt und junge Menschen auf die Stimme des Guten Hirten hören und ihm folgen, zeigt uns das wunderbare Zeugnis von Schwester Maria Johanna Theresia vom Kreuz, die 2019 in das Karmelkloster in Aufkirchen eingetreten ist. Sie schreibt:

„Das Geschenk meiner Berufung begann mit der Gottesmutter unter dem Kreuz. An ihrem Festtag, dem 15. August, haben wir uns als Familie die Passionsspiele im Nachbarort angeschaut und dabei hat mich Jesus bei der Kreuzigungsszene tief berührt. Die Tränen, die äußerlich flossen, waren nur ein schwacher Ausdruck dessen, was IN mir vor sich ging. Mir war augenblicklich klar: ‚Wenn DU das für mich getan hast, mein Jesus, dann will ich dir mein GANZES Leben schenken.‘ Ab diesem Zeitpunkt (ich war damals 13 Jahre alt) war die hl. Messe und das Gebet (vor allem der tägliche Rosenkranz) nicht mehr nur Pflichterfüllung aus Gehorsam und Liebe meinen Eltern gegenüber, sondern meine persönliche Herzensangelegenheit. Das Ereignis hatte sich tief in mein Herz eingegraben, aber in meiner jugendlichen Leichtsinnigkeit hatte ich es vorübergehend schnell vergraben. Mit meiner unglaublich kontaktfreudigen und extrovertierten Art war das Nachtleben eine Versuchung, der ich nicht widerstehen konnte. Somit war ich über ein paar Jahre hindurch ziemlich zweigleisig unterwegs: Zum einen jagte eine Party die andere, zum anderen nahm ich an unzähligen religiösen Veranstaltungen verschiedenster Art teil. Darunter wurde die Jugendvigil in Heiligenkreuz während dieser turbulenten Zeit ein Fixpunkt, der mir sehr half und mich maßgeblich prägte.

Meine tiefe Sehnsucht nach Gott wurde immer stärker und so folgten Exerzitien und auch einige Klosterbesuche. Alles war immer toll, aber nichts konnte mich so richtig zufriedenstellen. Ich entschied mich, den LAK-Kurs zu machen, um meinen Glauben zu vertiefen und in der Hoffnung, in diesem Rahmen und Umfeld weiter Wegweisung für meinen Weg zu finden. Tatsächlich wurden die nächsten Schritte sichtbar: geistliche Begleitung und das Theologiestudium an der Hochschule Heiligenkreuz. Es folgte eine unvergleichlich schöne Studienzeit, bei der kein Tag ohne hl. Messe verstrich. Die Teilnahme am hl. Messopfer war für mich unverzichtbar geworden. Die Studienzeit endete jedoch schon nach vier Semestern; denn als der Herr endlich rief, war mir klar, dass es keinen Aufschub geben durfte: Meine ignatianischen Einzelexerzitien in dieser Zeit schlossen mit dem Ergebnis, dass ich mir den Karmel in Aufkirchen anschauen sollte. Was vorher durch ganze elf Jahre an Prüfungs-, Reinigungs- und Läuterungszeit (!) vorbereitet worden war, war nun mit einem Schlag klar: Schon beim Klingeln an der Klosterpforte war mir bewusst – das ist mein Zuhause.

Mittlerweile bin ich fast zwei Jahre hier; unglaublich glücklich und dankbar für das Geschenk meiner Berufung. Auszusprechen, was dieses Leben hier an Glück und Erfüllung bedeutet, ist (mir) unmöglich. Gott hat mich durch viele Höhen und Tiefen geführt, um die Sehnsucht nach ihm zu steigern und um mir zu zeigen: Alles, was die Welt dir bietet, kann dich letztlich nicht zufriedenstellen und glücklich machen. Unsere Seele ist so erhaben und groß, dass nur Gott sie ganz erfüllen kann. Oder mit den Worten unser hl. Mutter Theresa: Gott allein genügt.“

 

Weil ich mich für Gott ‚interessierte‘

Schwester Daniela: „Weil ich mich für Gott ‚interessierte‘, studierte ich Theologie. Während des Studiums verstand ich, dass Gott sich auch für mich ‚interessierte‘, und zwar so sehr, dass er mich einlud, IHM mein ganzes Leben zu schenken. Dieser Ruf brachte mich ziemlich durcheinander… Ich wollte doch niemals in ein Kloster gehen! Irgendwann verstand ich: Der Gott der Liebe muss mein Glück wollen. Sein Wille bedeutet Glück für mich!

Dieser Gedanke hat mir geholfen, meinem Glück auch wirklich zu folgen. So bin ich nun seit acht Jahren Schwester im ‚Werk‘. Hier möchte ich diesen ‚Glücks-Gedanken‘ an viele junge Menschen weitergeben. Es liegt mir am Herzen, dass sie Gottes Liebesplan, ihr Glück, für ihr Leben herausfinden. Nicht zuletzt habe ich dies zum Thema im Jugendmusical ‚Verso l’alto‘ gemacht (auf Youtube unter „Kloster Thalbach“). Im Kloster Thalbach (Bregenz) bin ich Sakristanin und kümmere mich sowohl um die spirituelle als auch um die musikalische Gestaltung der Gebetszeiten in unserer Anbetungs- und Wallfahrtskirche. Schauen auch Sie mal in dieser kleinen, feinen Klosterkirche vorbei! Ich würde mich darüber freuen.“

 

Das Wirken des Heiligen Geistes

Wir haben in der Taufe und in der Firmung den Heiligen Geist empfangen. Wir können ihn erkennen an den guten Wirkungen, die er in uns hervorbringt, und so von den bösen Geistern unterscheiden, die uns in irreführen wollen:
+ Der Heilige Geist treibt uns immer zur Nachfolge Christi an, zur Liebe zu Gott und den Menschen und zu den Sakramenten.
+ Er inspiriert uns zu guten Handlungen, er erleuchtet den Verstand, damit wir das erkennen, was Gott von uns verlangt, er bewegt den Willen, damit wir das Erkannte auch ausführen können.
+ Er schenkt uns den wahren Trost und die Freude am Glauben.
+ Er macht die Seele empfänglich für die Wahrheit, für jeden guten Rat und er macht uns gehorsam gegenüber den Anweisungen der rechtmäßigen Autorität.
+ Er spornt uns an zur Geduld in Leiden und Schwierigkeiten, er lehrt uns die Liebe zum Kreuz.
+ Er regt uns zu guten Eigenschaften an, die den irdisch gesinnten Menschen ganz fremd sind, die aber ganz der Nachfolge Christi entsprechen, wie z.B. Demut, Sanftmut, Aufrichtigkeit, Einfachheit des Herzens, Wahrhaftigkeit, Verzeihen und Versöhnung.
+ Er befreit uns von der Anhänglichkeit an die Sünden, an die Welt und allen Dingen, die nicht von Gott sind.
+ Er schafft die wahre Geistesverwandtschaft unter Gleichgesinnten. Er hilft uns, dass wir die geistlichen Dinge verstehen und dass wir auch von den anderen in Glaubensdingen verstanden werden.
+ Er bewirkt auch, dass wir jene Berufung oder Aufgabe, die uns Gott gegeben hat, lieben und die Treue halten können durch alle Schwierigkeiten und Prüfungen hindurch und nicht unzufrieden nach Anderem suchen. …
Man kann sich zu dem Gesagten das Gegenteil denken, dann weiß man, wie die bösen Geister wirken. Sie setzen alles daran, uns vom Willen Gottes abzubringen.

Geh und sündige nicht mehr!

Die Begegnung Jesu mit der Ehebrecherin (Joh 8), von der wir am 5. Fastensonntag (C) hören, ist ein Spiegelbild dessen, wie wir Menschen im Zustand der Sünde sind. Diese heuchlerische Einstellung der Pharisäer und Schriftgelehrten hat es nicht nur damals gegeben.

Wir haben die Neigung in uns, andere anzuklagen, bloßzustellen und zu beschuldigen. Es werden immer wieder irgendwelche Schuldige ausfindig gemacht und auf den Marktplatz der öffentlichen Meinung gestellt. Das geschieht heute hauptsächlich durch die Medien. Es treten Ankläger und selbsternannte Richter auf, und mit dem Schein von Gerechtigkeit werden diese so genannten Sünder der öffentlichen Kritik und der Verurteilung ausgeliefert. So werden die einen zu Sündenböcken, die an allem schuld sind, während die anderen als die Guten und Unschuldigen dastehen, die es nicht als nötig sehen, sich an die eigen Brust zu klopfen und um Gottes Erbarmen zu bitten.

Aber wie ist nun das Verhalten Gottes gegenüber dem Sünder, wie es Jesus uns offenbart? Zuerst sagt Jesus von sich: „Ich bin nicht gekommen, um zu richten, sondern um zu retten.“ Er ist gekommen, die verlorenen Sünder, die von Rechts wegen mit dem Tod bestraft werden müssten, noch zur Umkehr zu bewegen. Denn Gott will nicht den Tod des Schuldigen, sondern dass er umkehrt und lebt (Ez 33,11).

Denn wenn wir Jesus begegnen, werden wir mit der Wahrheit konfrontiert, da sehen wir, wie es wirklich um uns steht, wie wir vor Gott sind. Aber Jesus deckt die Wahrheit auf, nicht um die Menschen zu beschämen, sie bloßzustellen und zu verurteilen, sondern um sie zur Umkehr zu bewegen, zu heilen und zu erlösen.

Und so sehen wir es auch in der Begegnung Jesu mit der Frau, die man ihm vorgeführt hat. Jesus stellt keinen Moment lang in Frage, dass Ehebruch eine Sünde ist. Er stellt nicht einmal das Gesetz in Frage, das die Steinigung verlangt. Aber er sagt zu ihr: „Ich verurteile dich nicht.“ Und nach dieser Zusage spricht Jesus die Frau auf ihre Verfehlung an. „Geh, und sündige von jetzt an nicht mehr!“

Jesus zeigt uns deutlich, dass jetzt noch nicht die Zeit gekommen ist, da wir endgültig gerichtet werden, jetzt ist noch die Zeit der Gnade und der Barmherzigkeit. Ja, wie groß seine Barmherzigkeit mit uns ist, sehen wir noch daran: Er, der über das Vergehen dieser Frau wirklich richten hätte können, der wirklich den ersten Stein hätte werfen können, weil er sündenlos war, er nimmt es noch auf sich, dass er sich von dieser Welt richten und verurteilen lässt, dass er sich mit dem Tod bestrafen lässt, als hätte er alles verbrochen, was in dieser Welt an Bösem geschieht, als wäre er der schlimmste Übeltäter dieser Welt, der beseitigt werden muss. Der hl. Paulus sagt: Verachtest du etwa den Reichtum seiner Güte, Geduld und Langmut? Weißt du nicht, dass Gottes Güte dich zur Umkehr treibt? (Röm 2,4).

 

Der Heilsplan Gottes

Warum gibt es das Böse in der Welt? Der hl. Pater Pio hat diese Fragen mit einem schönen Gleichnis beantwortet:

„Da sitzt eine Mutter und stickt. Ihr kleiner Junge sitzt auf einem Schemel zu ihren Füßen und sieht ihr bei der Arbeit zu. Er sieht aber nur die Rückseite: ein Gewirr von Knoten und Fäden. Er fragt die Mutter: Mama, kannst du mir sagen, was das wird? Ich kann nicht sehen, was es sein soll. Jetzt beugt sich die Mutter zu ihrem Kind und zeigt ihm die Oberseite des Stickrahmens. Jede Farbe hat ihren rechten Platz, und die verschiedenen Fäden formen ein schönes Ganzes. Wir sehen nur die Rückseite der Handarbeit. Wir sitzen auf einem niedrigen Schemel.“

Wenn wir das Leiden Christi und seine Auferstehung betrachten, dürfen wir schon etwas von diesem Bild und Plan Gottes erkennen.

 

Das Kreuzzeichen an der Mauer

Ein gläubiger Mann erzählt:

„Vor einigen Jahren war ich Schwimmlehrer für eine große Männergruppe. Eines Nachts konnte ich nicht einschlafen. Als Kursleiter besaß ich einen Schlüssel zum Schwimmbad. So beschloss ich, ein wenig zu schwimmen, um danach besser schlafen zu können. – Ich machte kein Licht, denn ich kannte den Raum genau. Das Dach war aus Glas, und der Mond schien hindurch. Als ich auf dem Sprungturm stand, sah ich den Schatten meines Körpers an der gegenüberliegenden Mauer. Durch meine ausgestreckten Arme bildete meine Silhouette ein prächtiges Kreuz. Anstatt zu springen, blieb ich stehen und betrachtete dieses Bild. Während ich regungslos so stand, kam mir der Gedanke an das Kreuz Christi und seine Bedeutung. Ich war kein Christ, hatte aber als Junge einmal ein Lied gelernt, dessen Worte mir plötzlich in den Sinn kamen: ‚Er starb, damit wir könnten leben, … ‚

Ich weiß nicht, wie lange ich dort mit ausgestreckten Armen auf dem Sprungbrett stand und warum ich nicht ins Wasser sprang. Auf jeden Fall ging ich schließlich auf dem Brett zurück und stieg vom Turm hinunter. Ich ging am Rand des Schwimmbeckens entlang zur Treppe, um dort ins Wasser zu steigen.

Ich erreichte den Grund des Beckens – aber meine Füße berührten den harten, glatten Fußboden … Am Abend zuvor hatte man das Wasser aus dem Becken abgelassen, ohne dass ich davon erfahren hatte!

Ein kalter Schauer lief mir den Rücken hinunter. Wäre ich gesprungen, würde es mein letzter Sprung gewesen sein. Das Kreuzzeichen an der Mauer rettete mich in dieser Nacht. Ich war so dankbar, dass Gott mir in seiner Gnade das Leben erhalten hatte, dass ich am Rand des Beckens niederkniete.

Mir wurde bewusst, dass außer meinem natürlichen Leben auch meine Seele gerettet werden musste. Dafür war ein anderes Kreuz nötig gewesen, das Kreuz, an dem Jesus Christus starb, um Sie und mich zu retten.“

 

Wenn wir unsere Sünden bekennen

Ein außergewöhnliches Zeugnis darüber, wie die Güte und Barmherzigkeit Gottes das Herz eines Menschen völlig umwandeln kann, gibt uns Wilhelm Buntz. Er hat seine Erfahrungen in seinem Buch „Der Bibelraucher“ zusammenfasst.

Er wurde 1954 in Ulm geboren. Seine Mutter, die dieses dritte Kind nicht wollte, setzte Willi in der freien Natur aus. Sein Vater verjagt seine Mutter und war sehr streng mit ihm, was ihn schon von klein auf sehr aggressiv machte. Schon im Kindergarten bekam er den Namen ‚Blutbad-Willi‘. „Alle hassten mich und hatten Angst vor mir.“ Mit 17 Jahren verursachte er mit einem gestohlenen Auto einen Unfall, bei dem ein Polizist starb und der andere querschnittgelähmt wurde. Nach seiner Entlassung aus der Jugendstrafanstalt begann er eine schlimme, kriminelle Karriere: Raubüberfälle, Juwelenraub, Waffen- und Menschenhandel … Mit 23 Jahren wurde er geschnappt, und er bekam eine Haftstrafe von insgesamt 25 Jahren!

Die Zeit im Gefängnis wurde ihm aber zur Gnadenzeit. Zuerst hat aus Protest und Langeweile aus Seiten der Bibel Zigaretten gemacht. „In den sechs Jahren der Haft in dieser Zelle habe ich das gesamte Alte Testament geraucht. Und ich las jede einzelne Seite ganz durch, manchmal sogar mehrmals.“ Doch als er zur Bergpredigt kam, begannen diese Worte seine Seele zu berühren. „Wenn es dich wirklich gibt und du einen Plan für mein Leben hast, dann musst du mich ändern. Aber ich lasse mich nicht verändern. Wenn du wirklich stärker bist und mich überwindest, dann mach etwas Vernünftiges aus mir.“ Von da an begann Gott sein Herz grundlegend zu wandeln.

Im ersten Johannesbrief (1,9) las er: „Wenn wir unsere Sünden bekennen, ist Gott treu und gerecht; er vergibt uns die Sünden und reinigt uns von allem Unrecht.“ Das wollte er wörtlich befolgen. So schrieb er an den Staatsanwalt einen Brief, in dem er sich zu allen Verbrechen bekannte, die man ihm nicht beweisen konnte. Doch der Staatanwalt stellte das Verfahren gegen ihn ein. Einige Monate später, im Alter von 31 Jahren, war Willi frei.

Das ganze folgende Jahr über besuchte Willi die vielen Menschen, denen er Unrecht getan hatte, und bat sie um Vergebung. „Ich habe in Innsbruck die Witwe des Polizisten besucht. Ich sagte: Sie sind doch diese Frau, die1971 ihren Mann verloren hat. Sie sagte: Mir ist das Herz gebrochen. Ich lag im Krankenhaus im Kreißsaal und habe gerade mein fünftes Kind zur Welt gebracht. Da kommt die Nachricht: Mein Mann kommt nie wieder nach Hause. Aber wissen sie, mein Mann war gläubig. Und wir wissen, wir sehen eines Tages den Papa im Himmel wieder. Und seit dem Tag beten wir für diesen Jungen, der damals den Wagen gefahren hat, dass Jesus seine Seele rettet. Mir war, als hätte Gott mit einem Vorschlaghammer gegen den Panzer geschlagen, der um mein Herz war. Ich habe geweint und geweint und habe gesagt, ich bin dieser Junge. Und da kommt sie um den Tisch und nimmt mich in den Arm, und sagt: Oh, Sie sind die größte Gebetserhörung, die wir jemals erlebt haben.“

 

Nachhaltiger als jede Bestrafung

Konstantin Mascher, der Leiter der ökumenischen Gemeinschaft Offensive Junger Christen (OJC), erzählt in der Zeitschrift Salzkorn (21/1), wie das Gleichnis vom Verlorenen Sohn und barmherzigen Vater in seinem Leben Wirklichkeit geworden ist:
„Ich war 17 oder 18 Jahre alt. Als Jugendlicher braucht man immer Geld, und wen zapft man als erstes an? Seine Eltern. Mein Taschengeld reichte mir nicht, doch mehr konnte ich meinen Eltern nicht auf ‚legale Weise‘ abluchsen. So schwindelte ich meiner Mutter vor, ich bräuchte Nachhilfe und dafür Geld. Das nahm sie mir ab und gab bereitwillig monatlich einen Betrag, den ich natürlich für andere Dinge ausgab, fast ein ganzes Jahr lang. Nach dem Abi kam ich nach Deutschland zur OJC. Mein Leben wandelte sich komplett und ich fand neu zum Glauben.
Beim nächsten Besuch bei meinen Eltern in Südafrika fiel mir wieder ein, was ich getan hatte. Mein Gewissen drückte mich schwer. Ich wusste, ich muss es meiner Mutter sagen! Doch ich fürchtete die Konsequenzen. Was würde sie tun? Das Geld zurückfordern (wäre nur gerecht), alle weiteren Zuwendungen kappen (wäre gerechtfertigt), ausrasten, verletzt reagieren, für längere Zeit nicht mehr mit mir reden? – Ich wusste es nicht, doch ich fasste mir ein Herz und bat um ein Gespräch. Meine Mutter hörte sich alles ruhig an, kam an meine Seite, umarmte mich und sagte, dass sie mir verzeihe. Sie wollte nicht wissen, wie viel, wie lange und warum. Ich musste mich nicht rechtfertigen.
Nur die Zusage: Ich verzeihe dir! Und zum Schluss sagte sie fröhlich: Ist doch gut, dass das jetzt raus ist – oder? Mir ist in diesem Gespräch Barmherzigkeit widerfahren. Und diese Barmherzigkeit war viel nachhaltiger, als jede Bestrafung oder pädagogische Maßnahme es hätte sein können. War das gerecht? Nein und Ja. Es war nicht gerecht im Sinne eines Strafkataloges und meiner schuldbewussten Erwartungen, sondern in einem viel umfassenderen Sinne: Meine Mutter ist ihrer Liebe zu mir gerecht geworden. Das ist Barmherzigkeit.“

Unser Gebets- und Glaubensleben explodierte förmlich

Bei der theologischen Sommerakademie 2011 legte Jenö Zeltner zum Thema „Mein Weg zum Glauben“ ein bemerkenswert Zeugnis über seine Bekehrung ab.

Er war 1995 aus der Kirche ausgetreten, weil er nicht einsah, für etwas, das ihm damals zuwider war, auch noch Geld zu bezahlen. Familiär war seine Ausgangsposition eine sog. Patchwork Familie. „Ich selbst hatte eine Tochter aus einer früheren Beziehung, die nicht bei mir lebte, die ich aber regelmäßig sah. Zivil verheiratet war ich mit einer geschiedenen Frau, die ihrerseits zwei Töchter mit in die Zivilehe brachte.“

Zum Glauben hatte er keine Beziehung. „Ich konnte ja nicht einmal das ‚Vater Unser‘ auswendig.“ Aber durch verschiedene Begegnungen und dann vor allem durch das Lesen der Bücher von Maria Valtorta über den Gottmenschen gelangte er zu einer tiefen Beziehung zu Christus.

Ein Pater aus Österreich, den er auf Empfehlung eines Freundes aufsuchte, bereitete ihn auf den Eintritt in die Kirche und die Firmung vor. „Nach einem langen Gespräch, bei dem er erkannte, wie groß meine Sehnsucht nach dem Empfang der hl. Kommunion war, ‚erlaubte‘ er mir nach einer ersten Lebensbeichte, die ich bei ihm ablegte, und nach der Zusage, bis zum Firmtermin enthaltsam zu leben, im Rahmen der hl. Messe, bei der ich gefirmt werden sollte, ein einziges Mal die hl. Kommunion zu empfangen. Diese hl. Kommunion war ein großes Erlebnis. Meine Frau sagte mir danach, ich hätte gestrahlt wie ein Honigkuchenpferd und ich hätte regelrecht geleuchtet zwischen all den jugendlichen Firmlingen. Der einmalige Empfang der heiligen Kommunion zeigte mir ganz klar, dass meine Lebenssituation nicht so bleiben konnte, wie sie war.

So begaben meine Frau und ich uns auf den langen steinigen Weg eines Eheverfahrens, in dessen Verlauf die vor 30 Jahren geschlossene und nach relativ kurzer Zeit wieder gescheiterte Ehe meiner Frau auf ihre Gültigkeit untersucht werden sollte. Auf die näheren Umstände des Verfahrens möchte ich hier nicht weiter eingehen.

Erzählen möchte ich nur davon, dass wir uns kurz nach Beginn des Verfahrens (wir ahnten damals nicht, wie lang es dauern würde) auf Anraten eines sehr gläubigen Mannes, dem wir unser Leiden über den Verzicht auf den Sakramentenempfang geschildert hatten, entschlossen, bis zum endgültigen Urteil wie Bruder und Schwester zu leben, das heißt enthaltsam.

Nach Rücksprache mit dem Ordinariat durften wir dann auch die Sakramente empfangen. Es war der erste große Schritt, Ordnung in unser Leben zu bringen. Der Verzicht, den wir übten, und der regelmäßige Sakramentenempfang führten dazu, dass uns große Gnaden zuteil wurden, unser Gebets- und Glaubensleben explodierte förmlich.“ „Viele Priester hatten uns bei unseren Beichten immer wieder darauf hingewiesen, dass die Enthaltsamkeit nur schwierig zu leben sei, wenn man nicht in getrennten Zimmern schlafe, aber das war nicht unser Weg. Wir hatten die letzten drei Monate, zumindest was das Thema Enthaltsamkeit anging, keinen Grund mehr gehabt, etwas zur Beichte zu tragen, ganz im Gegenteil, wir schliefen abends Hand in Hand wie Geschwister ein, jede Versuchung war verschwunden.“

„Nach dreieinhalb Jahren Enthaltsamkeit und Verfahrensdauer waren wir dann soweit, dass wir zum ersten Mal vorbehaltlos sagen konnten, dass wir bereit waren, jedes Urteil anzunehmen und unser Leben auch nach dem Urteil auszurichten, eine Rückkehr zur Unordnung war für uns nicht mehr denkbar. Kurz darauf durften wir trotz vieler abwartender oder auch negativer Prognosen verschiedenster Seelsorger ein positives Urteil entgegennehmen. Bereits wenige Monate später konnten wir in der Loreto-Kapelle in Birkenstein heiraten und eine unglaubliche Hochzeit feiern.“