Wenn sie mich verfolgt haben, werden sie auch euch verfolgen

„Wenn sie mich verfolgt haben, werden sie auch euch verfolgen“ (Joh 15,20), sagt Jesus. In den Medien wird kaum darüber berichtet, dass die Verfolgung von Christen in den letzten Jahren zugenommen hat. Allein im kommunistischen Nordkorea sind 70.000 Christen wegen ihres Glaubens inhaftiert. Die Verfolgung von Christen findet derzeit in kommunistischen Ländern wie China, Nordkorea usw. statt, aber hauptsächlich in islamischen Staaten. Der ‚Arabische Frühling‘ ist für die Christen ein Kreuzweg geworden. Christen gelten in Staaten wie Somalia und Nigeria „als Ungeziefer, das vernichtet werden muss, als Müll, den man entsorgen kann“. In 50 Ländern der Welt werden derzeit mehr als 100 Millionen Christen wegen ihres Glaubens diskriminiert, verfolgt, misshandelt oder mit dem Tod bedroht. Was wird bei uns noch alles kommen? Jesus sagt aber: „Selig seid ihr, wenn ihr um meinetwillen beschimpft und verfolgt und auf alle mögliche Weise verleumdet werdet. Freut euch und jubelt: Euer Lohn im Himmel wird groß sein“ (Mt 5,12f).

Ein Diener Mariens geht niemals verloren

Es wird berichtet, dass zum hl. Pfarrer von Ars eine vornehme Frau in tiefer Trauer in den Beichtstuhl kam. Weil sie wegen ihrer Tränen kein Wort hervorbrachte, sagte der Pfarrer, der die Wahrheit in Gott erkannte, zu ihr: „Ich weiß, Madame, warum Sie so tief bekümmert sind: Es ist ihr Mann. Genauer gesagt sein plötzlicher Tod, nämlich Selbstmord, den er begangen hat. Sie haben Ihren Mann verloren und darüber hinaus befürchten Sie, er habe das ewige Leben verwirkt, nicht in erster Linie durch seine Tat, sondern deshalb, weil er sich stets als Atheisten ausgegeben hatte. Aber seien Sie getrost, er ist gerettet.“ Als ihn die Frau erstaunt fragte, wie das möglich sei, erwiderte er ihr: „Ihr Mann hielt zwar nichts von der Kirche und zweifelte an Gott. Aber er hatte ein tiefes Vertrauen zur Gottesmutter, das er freilich sorgfältig nach außen wie sein innerstes Geheimnis verbarg. Ungesehen von seinen Kollegen, die ihn nur verspottet hätten, brachte er zur Mittagszeit, wenn niemand unterwegs war, der heiligen Jungfrau oft einen kleinen Blumenstrauß, den er auf dem Weg gekauft hatte, und legte ihn bescheiden an ihrem Altar in der Kirche nieder. Dann verweilte er noch ein wenig und schlich sich wie ein beschämter Junge wieder nach draußen. Diese vertrauensvolle Geste zeigt aber sein innerstes Herz mehr als jedes offene Bekenntnis zu Kirche und Religion. An Mariens Mütterlichkeit zweifelte er keinen Augenblick. Und dieses Vertrauen hat ihm in den letzten Sekunden seines Lebens geholfen. Noch während er von jener Brücke in die Tiefe stürzte, empfahl er sich in seiner Panik der Muttergottes und fasste einen Gedanken der Reue über so vieles in seinem Leben. Und dieses Vertrauen, diese Reue, hat ihn für ewig gerettet.“ Ein alter Glaubensgrundsatz lautet: „Ein Diener Mariens geht niemals verloren“.

Der sel. Hermann der Lahme – Salve Regina – Sei gegrüßt, o Königin

Vor genau 1000 Jahren wurde der sel. Hermann der Lahme in Altshausen in Oberschwaben geboren. Er hat der Kirche die berühmte marianische Antiphon, das „Salve Regina“ geschenkt.
Hermann kam krank und körperlich behindert am 18. Juli 1013 zur Welt. Heute hätte er wenig Aussicht, das Licht der Welt zu erblicken. Wenn bei einem Kind im Mutterleib eine Behinderung festgestellt wird, müssen die Ärzte sofort zur Abtreibung raten. Seine Eltern Wolfrat und Hiltrud von Altshausen aber waren gläubige Christen und sorgten sich um den kleinen Hermann, ebenso wie um seine anderen 14 Brüder und Schwestern.
Von klein auf wurde er der „Krumme“ genannt, weil sein Körperbau so verzogen war. Geradestehen war ihm Zeit seines Lebens unmöglich, ebenso wenig konnte er gehen. Seine Finger waren zu schwach und zu verkrümmt zum Schreiben. Lippen und Kinn waren so deformiert, dass man seine Worte kaum verstehen konnte.
Die Familie war wohlhabend und seine Eltern entschieden sich, ihn in eine sichere Obhut zu geben. So übergaben sie ihren Sohn den Benediktinern der von Karl dem Großen gestifteten Abtei Reichenau im Bodensee.
Es gab keinen Augenblick in seinem Leben, in dem Hermann es sich bequem und gemütlich machen hätte können. Immer begleiteten ihn seine Gebrechen und Schmerzen. Dennoch beschreiben ihn alle zeitgenössischen Chronisten mit erstaunlichen Eigenschaften: freundlich, freundschaftlich, immer lächelnd, tolerant, offenherzig, entgegenkommend, hilfsbereit, höflich mit allen. Alle mochten ihn. Er wurde von den Mönchen schließlich sogar in ihre Gemeinschaft aufgenommen. Er studierte Mathematik, Griechisch, Latein, Astronomie, Musik und sogar Arabisch. Was anfangs eine Last für das Kloster schien, wurde zu seinem Stolz. Der Ruf Hermanns wurde so groß, dass Kaiser Heinrich III. 1048 und Papst Leo IX. 1049 eigens die Reichenau besuchten, um ihn zu treffen.
Seine große Liebe für die Musik verband er mit tiefer Frömmigkeit und großer Verehrung für die Gottesmutter Maria. Um das Jahr 1054 hat er die berühmteste marianische Antiphon Salve Regina, das „Gegrüßet seist du, Königin“ gedichtet und komponiert. Es ist eines der wunderbarsten Werke sakraler Musik; ein Gebet, das noch 1000 Jahre später erklingt; ein Gruß an die „Mutter der Barmherzigkeit“, mit dem wir ihre die Hilfe in diesem „Tal der Tränen“ erbitten.
Am Totenbett ermahnte Hermann seinen Mitbruder Berthold: „Freund meines Herzens, weine nicht. Weine nicht um mich! Denke aber jeden Tag daran, dass auch Du sterben musst. Bereite Dich mit Deiner ganzen Kraft darauf vor, diese Reise anzutreten, denn eines Tages, zu einer Stunde, die Du nicht weißt, wirst Du mit mir kommen.“ Hermann, starb am 24. Sep. 1054 im Alter von 41 Jahren, umgeben von seinen Mitbrüdern, nachdem er ein letztes Mal die heilige Kommunion empfangen hatte. 1863 wurde er von Papst Pius IX. seliggesprochen.

Die sel. Karmelitinnen von Compiègne – Das Kreuz ist unsere einzige Waffe

Die französische Revolution (1789-1794), die mit der Propaganda-Parole „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“ als die Geburtsstunde unserer heutigen Demokratien gefeiert wird, hatte zum erklärten Ziel, die katholische Kirche und überhaupt jede christliche Idee zu vernichten. Alle Menschen, die sich den Revolutionären widersetzten, wurden um ihren Kopf kürzer gemacht. Aber über aller Verblendung und Bosheit der Revolution leuchtet das Zeugnis jener Martyrer auf, die für Christus gestorben sind. Eines dieser wunderbaren Zeugnisse ist das Martyrium der 16 Karmelitinnen von Compiègne.

Am Fest Kreuzerhöhung 1790 zwangen die Revolutionäre die Schwestern, den Habit abzulegen und das Kloster zu verlassen. Über mehrere Jahre lebten sie im Verborgenen in Privathäusern. Am 22. Juni 1794 wurden sie festgenommen und nach Paris gebracht. In einem Schauprozess beschuldigte man sie unter anderem, dass sie die Gegner der Revolution mit Waffen versorgt hätten, worauf die Priorin ein Kreuz hochhielt, mit den Worten: „Das ist die einzige Waffe, die wir je in unserem Haus gehabt haben!“

An 17. Juli 1794 wurden sie auf einem Karren ins Stadtzentrum gebracht, wo die tobende Menge sie erwartete. Aber diese Hinrichtung war anders. Die Leute verstummten angesichts der Schwestern, die sich so würdevoll verhielten als schritten sie zu ihrer Hochzeit. Bevor sie zur Guillotine hinaufstiegen, knieten sie nieder, sangen das Veni creator spiritus wie am Tag ihrer Profess und erneuerten danach ihre Gelübde. Eine nach der anderen ging zur Guillotine, die jüngste zuerst, die Älteste zuletzt; jede Schwester hielt inne, um vor der Priorin niederzuknien und die Erlaubnis zu erbitten, sterben zu dürfen, worauf die Priorin antwortete: „Geh, meine Tochter!“ Der Staat hatte ihre Hinrichtung verfügt, aber ihr letzter Akt des Gehorsams geschah nicht gegenüber dem Staat, sondern gegenüber ihrer Mutter im geistlichen Leben. Als letzte starb die Mutter Priorin.

Gott ist größer als das größte Unglück

Am 13. Juni 2012 starb in dern Nähe von Rom Chiara Corbella mit 28 Jahren an Krebs. Ähnlich wie die hl. Gianna Baretta Molla hatte sie ihr Leben für ihr Kind geopfert, denn sie wollte das Leben ihres Kindes während der Schwangerschaft nicht durch Krebstherapien gefährden. Im Leben des jungen Ehepaares, Chiara Corbella und Enrico Petrillo, das ganz vom Kreuz des Herrn geprägt ist, leuchtet uns ein außergewöhnliches Licht des Glaubens und der Liebe zum gottgeschenkten Leben auf.

Chiara wurde 1984 geboren und durch ihre Eltern in eine tiefe Beziehung zu Jesus und Maria geführt. Mit 18 Jahren machte sie eine Wallfahrt nach Medjugorie mit der Bitte an Maria, den von Gott für sie bestimmten Mann zu finden.  Bald darauf lernte sie Enrico kennen.  Nach sechs Jahren der Freundschaft mit allen Höhen und Tiefen gaben sie sich 2008 in Assisi das Jawort. „Wir hatten uns unseren Ängsten gestellt und aufgehört, vom anderen etwas zu erwarten. Das gab uns einen unglaublichen Frieden und ein großes Vertrauen in Gottes Vorsehung, der uns mit Sicherheit auf unserem gemeinsamen Weg begleiten würde“, bezeugte die 24-jährige Chiara ihren Freunden.

Schon nach wenigen Monaten war Chiara in Erwartung. Aber die Untersuchung zeigte ein erschreckendes Bild. Das Mädchen, das sie erwartete, war schwer behindert und würde nicht lebensfähig sein. Als die Ärztin ihr diese Diagnose mitteilte, antwortete Chiara ganz spontan: „Gott macht nie einen Fehler.“ Als ihr Mann davon erfuhr, sagt er: „Sie ist unsere Tochter, und wir werden sie so behalten, wie sie ist.“ Als Maria geboren war, wurde sie gleich getauft, sie lebte nur eine halbe Stunde. Chiara sagte: „Das war das größte Geschenk, das Gott uns gemacht hat. Diese halbe Stunde war unvergesslich für mich. Sie gehörte zu den schönsten Augenblicken meines Lebens.“ Und Enrico sagt: „Maria nannten wir unsere Tochter, weil die Gottesmutter uns gelehrt hat, dass sie nicht uns gehört und wir sie Gott zurückschenken dürfen.“

Enrico und Chiara pilgerten nach Medjugorje, um ein weiteres Kind zu erbitten. Und sie mussten nicht lange warten. Doch die Untersuchung zeigte, das auch Davide schwer behindert und nicht lebensfähig war. Die Ärztin war fassungslos über die Haltung Chiaras: „Ich habe nie einen Menschen kennengelernt, der sich so von Gott als einem guten Vater geliebt wusste wie Chiara. Ihre Reaktion verwirrte mich, als sie mit einem Lächeln und absoluter Sicherheit auch zu diesem Kind ja sagte.“

Als Davide Giovanni geboren wurde, lebte er nur 38 Minuten auf dieser Erde, konnte getauft werden und in den Himmel gehen. Enrico bezeugt: „Durch Davide hat sich uns das ewige Leben ganz neu geoffenbart. Wir haben durch ihn verstanden, was im Leben wirklich wichtig ist: geliebt zu werden und sich lieben zu lassen. Man kann nicht sagen, dass wir diese Schwangerschaft mit Leichtigkeit durchgetragen hätten, aber mit viel Liebe und Gebet.“ „Gott ist größer als das größte Unglück, das passieren kann. Er schenkt dir eine neue Dimension des Lebens: die Ewigkeit“, sagte Chiara zu einer Freundin.

Trotz aller Stimmen, die sie zur Vorsicht mahnten, wollten Enrico und Chiara ein weiteres Kind. Bei einer Fußwallfahrt zu den sieben Hauptkirchen Roms beteten sie um dieses Geschenk. Und Gott erhörte sie. Francesco, ein neuer kleiner Erdenbürger, kündigte sich an, nach den Ultraschallbildern ein gesundes Kind – die Freude war überströmend!

Doch als Chiara im fünften Monat in Erwartung war, wurde bei ihr ein seltener, sehr aggressiver und sich schnell ausbreitender Krebs diagnostiziert, der sofort behandelt werden musste. Doch Chiara und Enrico entschieden sich, die Schwangerschaft ohne einen Eingriff fortzuführen! Chiara schrieb ihrem gemeinsamen Seelenführer, dem Franziskaner P. Vito: „Enrico und ich überlassen alles Jesus.“ Am 30. Mai 2011 wurde Francesco, ein gesunder Junge, geboren.

Chiara begann sofort mit den notwendigen Therapien. Doch es war schon zu spät. Im März 2012 erfuhr sie, dass ihr Krebsleiden bereits im Endstadium war. Ihre Freunde erhofften und erbaten ein Heilungswunder, doch Chiara sagte: „Ich erbitte mir nur die Gnade, in der Gnade zu leben und zu leiden.“ Und in dieser Gnade starb sie am 13. Juni 2012.

Quelle: Vgl. Triumph des Herzens, 2013, Zusammenfassung für das St. Antonius Blatt

Für das Leben im Gefängnis

Mary sitzt seit einem Jahr in Kanada im Gefängnis, obwohl sie keine Straftat begangen hat. Sie wurde am 15. August 2012, dem Hochfest der Gottesmutter, in Toronto verhaftet, weil sie in Abtreibungskliniken schwangere Frauen angesprochen hatte, um sie davon abzuhalten, ihr ungeborenes Kind ermorden zu lassen. Vor Gericht musste sich Mary Wagner die folgenden und ähnliche Sätze anhören: „Sie haben Ihre Bürgerrechte verloren. Sie scheinen sich von einer höheren moralischen Ordnung leiten zu lassen, statt von den Gesetzen unseres Landes.“ Der Richter stellte sie sogar mit den islamischen Tschihadisten gleich. Wagner verteidigte sich vor Gericht mit dem Hinweis, bereits vielen Frauen mit Feingefühl geholfen zu haben, indem sie ihnen erklärte, was eine Abtreibung ist und dass damit immer auch ein enormer Schmerz für die Mutter verbunden ist. Der Richter aber zeigte sich gnadenlos und behauptete das Gegenteil: „Sie irren sich. Ihr Gott irrt sich. … in diesem Land gibt es ein Recht… Sie haben nicht das Recht durch Ihr Verhalten zusätzliches Leid zu verursachen.“ Der Gefängniskaplan, Pater Paul Hrynczyszyn, sagt über sie. „Ich kenne Mary Wagner sehr gut. Sie hat schon vielen Frauen geholfen, zum Glauben zu finden. Sie ist ein Segen für mich, wann immer ich ihr begegne, weil ich überzeugt bin, dass sie eine Heilige ist. Was mich am meisten beeindruckt, ist ihre innige Religiosität, ihre Heiligkeit und ihre große Demut.“

Nur GOTT habe das Recht über das Leben

Chile ist in den Augen sogenannten „zivilisierten“ Staaten ein rückständiges Land, weil es die Abtreibung nicht legalisiert habe, so lauten die weltweiten Vorwürfe. Darauf hat Sebastian Pinera, der Präsident der 17 Millionen Chilenen, mit überzeugender Klarheit eine Antwort gegeben: Den Zivilisationsgrad eines Landes erkenne man nicht an seinem materiellen Wohlstand oder seiner militärischen Macht, sondern daran, wie es mit seinen schwächsten Mitgliedern umgehe – mit den Alten, Kranken, Armen und auch mit den Ungeborenen. Die Entscheidung für oder gegen eine Abtreibung betreffe zuerst das Ungeborene: „Eine neue, einmalige, unwiederholbare Person, verschieden von ihren Eltern, ist betroffen, deren Leben noch vehementer verteidigt werden muss, eben deshalb, weil sie sich in einem Zustand völliger Unschuld und Wehrlosigkeit befindet. Als Christ glaube ich, dass das Leben ein Geschenk Gottes ist!“ Nur GOTT habe das Recht, Leben zu schenken und es wieder zu beenden.

US-Präsident Barack Obama hat anlässlich des Gedenktags an das Abtreibungsurteil, durch das die Abtreibung in Amerika legalisiert wurde, erneut das Recht auf Abtreibung verteidigt und im Zusammenhang mit der Tötung ungeborener Kinder gemeint: „Ich engagiere mich weiterhin für das Recht der Frau auf Wahlfreiheit“. d.h. auf Abtreibung. Der Präsident sprach in diesem Zusammenhang von einem „Verfassungsrecht“.

Jeden Augenblick aus der Gnade leben

Am 15. August feiern wir das Hochfest der Aufnahme Mariens in den Himmel. Maria sagt im Magnifikat:
„Siehe, von nun an preisen mich selig alle Geschlechter. Denn der Mächtige hat Großes an mir getan“ Lk 1,48f.

Im Evangelium vom 20. Sonntag im Jahreskreis hören wir von Jesus die bedeutsamen Worte: „Ich bin gekommen, um Feuer auf die Erde zu werfen. Wie froh wäre ich, es würde schon brennen! Ich muss mit einer Taufe getauft werden, und ich bin sehr bedrückt, solange sie noch nicht vollzogen ist.“ Jesus spricht hier vom Feuer des Heiligen Geistes, dem Feuer der göttlichen Liebe, das er in den Herzen der Menschen entzünden will. Aber dieses Feuer wird erst brennen, wenn er durch die Taufe seines Leidens und Sterbens am Kreuz hindurch in die Herrlichkeit der Auferstehung gelangt ist.

Wir als Getaufte haben nun dieses Feuer des Geistes empfangen. Und dieser Heilige Geist der Liebe gibt uns die Kraft, Jesus mit unserem Kreuz nachzugehen, um durch ihn zur Herrlichkeit des Himmels zu gelangen. Gerade die Heiligen sind uns hier große Vorbilder auf diesem Weg.

Am 22. Oktober 2010 wurde der Seligsprechungsprozess für den vietnamesischen Kardinal Franz Xaver Nguyen Van Thuan eröffnet, der 2002 verstorben ist. 13 Jahre, von 1975 bis 1988, verbrachte er als Bischof in verschiedenen Gefängnissen Vietnams. Davon war er neun Jahre lang in Isolationshaft, immer unter Aufsicht, in Kälte, Schmutz und bei mangelhafter Nahrung.

In einem Interview berichtete er: „In unserem Land gibt es ein Sprichwort, das sagt: ‚Ein Tag im Gefängnis wiegt so schwer wie tausend Herbste der Freiheit.‘ Das habe ich am eigenen Leib erfahren. … In der Dunkelheit der Nacht, mitten in diesem Meer der Angst, inmitten dieses Alptraums, begann ich nach und nach aufzuwachen: Ich muss der Wirklichkeit ins Auge sehen. Ich bin im Gefängnis. Ist das nicht vielleicht die beste Zeit, um etwas Großes zu tun? Während der langen Nächte voller Qualen kam ich zu der Überzeugung, dass es die einfachste und sicherste Art ist, Heiligkeit zu erlangen, wenn man den gegenwärtigen Augenblick lebt. Und so begann ich zu beten: ‚Jesus, ich will nicht auf die Befreiung warten, ich will diesen gegenwärtigen Augenblick leben und ihn mit Liebe erfüllen.'“

„Das Leiden ist sicherlich hart. Es ist dramatisch; manchmal übersteigt es unsere Kräfte. Man kann nicht sagen, dass der Schmerz an sich etwas Gutes oder Heiliges ist, denn menschlich gesehen ist es manchmal sehr hart. Wenn wir aber mit Christus, mit dem Kreuz mit Seinem Leiden vereint sind, dann wird alles anders.“

„Ich habe erkannt, dass ich nie verlassen war. Das war nicht nur eine Erkenntnis, sondern eine Erfahrung! Ich erlebte meine Schwachheit, die physische, geistige und spirituelle Schwachheit, denn als ich litt, war der Schmerz so groß, dass man dabei hätte sterben können. Da kann man nicht einmal mehr beten. Ich bin ein Nichts, die Gnade ist alles. Diese Erfahrung lehrt uns, dass man jeden Augenblick aus der Gnade lebt.“

Demut – „Ich bin noch viel unvollkommener, als Sie glauben“

Eine Mitschwester der hl. Theresia von Lisieux berichtete: Eine der älteren Schwestern konnte nicht verstehen, dass Sr. Theresia sich in so jugendlichem Alter mit den Novizinnen beschäftigte. Schonungslos ließ sie Sr. Theresia ihre Gegnerschaft spüren, die sie ihr gegenüber empfand. Eines Tages, zur Zeit der Erholung, sagte sie ihr verletzende Worte, unter anderem, „dass sie es nötiger hätte, sich selbst zu leiten, als sich um die Leitung anderer zu kümmern“. Von weitem beobachtete ich aufmerksam den Vorfall. Ihre Miene hob sich deutlich von der leidenschaftlichen Miene ihrer Gesprächspartnerin ab, und ich hörte, wie sie ihr antwortete: „Ach, Schwester, Sie haben vollkommen recht. Ich bin noch viel unvollkommener, als Sie glauben.“

Die hl. Theresia sagt auch über die Demut:
„Die Demut besteht nicht im Gedanken oder im Bekenntnis, dass man voller Fehler ist, sondern darin, dass man glücklich ist, wenn die anderen es denken und sogar sagen.“

Richtet euren Sinn auf das Himmlische

Ausschnitt aus dem Mosaik in der Kirche auf dem Berg Tabor über die Verklärung des Herrn. (Fest: 6. Aug.)

Im Evangelium zum 18. Sonntag im Jahreskreis spricht Jesus von den Gefahren der Habgier und des Reichtums und er sagt: „Der Sinn des Lebens besteht nicht darin, dass ein Mensch aufgrund seines großen Vermögens im Überfluss lebt“ Lk 12,15. Wohin ein Leben in ungehemmtem Überfluss führen kann, das zeigt ein interessantes Experiment, das amerikanischen Verhaltensforscher vor einiger Zeit gemacht haben.

Sie haben Mäuse unter hervorragenden Lebensbedingungen aufwachsen lassen: Man gab ihnen Nahrung im Überfluss. Sie waren geschützt vor allen natürlichen Feinden und vor schlechtem Wetter. Man richtete ihnen ein richtiges „Mäuse-Schlaraffenland“ ein. Bald zeigten sich die Folgen dieses Lebens im Überfluss. Je mehr sich die Tiere vermehrten, umso deutlicher änderte sich ihr Verhalten zum Schlechten: Zuerst lehnten sie sich gegenseitig ab, weil sie offensichtlich die Hilfe des anderen nicht mehr brauchten, sie hatten ja genug Futter. Nachher wurden sie gewalttätig, weil ihnen offenbar zu fad war und sie etwas erleben wollten. Wenn die Mäuseriche vom Weibchen abgelehnt wurden, kam es zu sexuellen Aggressionen, was unter natürlichen Bedingungen bei Mäusen sonst nie der Fall ist.

All das führte schließlich zur Zerstörung jener Ordnung, in der Mäuse sonst zu leben pflegen. Es war die Zerstörung der „sozialen Ordnung“, die Zerstörung des natürlichen Zusammenlebens. Schließlich verloren sie sogar ihr sexuelles Interesse, denn durch das Leben im Überfluss waren offenbar die Lebenskräfte erschlafft und erlahmt. Sie erreichten den Tiefstand ihres Verhaltens, als sie zueinander keine Beziehung mehr hatten und jedes Tier für sich wie auf einer Insel lebte. Die Mäusekolonie begann sich nun zu reduzieren. Nun hätten die Tiere eigentlich zu ihrer ursprünglichen sozialen Beziehung zurückkehren können. Aber nun wussten die Überlebenden nichts mehr mit sich und der Umwelt anzufangen. Schließlich starb der letzte Mäuserich im biblischen Alter von hundert Jahren, wenn man sein Alter mit dem der Menschen vergleicht. Als letzte Überlebende gab es noch vier Weibchen in der Kolonie. Sie waren geradezu Prachtexemplare von Degeneration. Diese Tiere lebten zwar friedlich nebeneinander, aber sie hielten sich voneinander fern. Jede Maus lebte nur noch für sich und mit sich allein.

Wenn die Menschen sich von Gott abwenden und nur mehr das Irdische im Sinn haben, dann wird es ihnen ähnlich ergehen wie dieser Mäusekolonie: Sie werden fressen und saufen, gewalttätig sein usw; die soziale Ordnung zerfällt, bis jeder für sich wie auf einer Insel lebt. Das ist aber nicht der Sinn des Lebens.

Der hl. Paulus sagt: „Ihr seid mit Christus auferweckt; darum strebt nach dem, was im Himmel ist, wo Christus zur Rechten Gottes sitzt. Richtet euren Sinn auf das Himmlische und nicht auf das Irdische!“ (Kol 3, 1-2). Wer an Christus glaubt, sucht zuerst das Reich Gottes und seine Gerechtigkeit.