Sel. John Henry Newman – Die Zugänge der Seele nicht versperren

Der sel. Kardinal Newman hat in einer Predigt, die er als anglikanischer Geistlicher gehalten hat, auf die Gefahren hingewiesen, die unser Herz für den Ruf und die Gnade Gottes unzugänglich machen können. Was er sag, ist immer aktuell und bedenkenswert:

„Ich muss offen sagen, mag diese Äußerung auf den ersten Blick auch unbegründet erscheinen, dass die Annehmlichkeiten des Lebens die Hauptschuld an unserem Mangel an Gottesliebe tragen. Solange wir nicht lernen, auf jene Annehmlichkeiten bis zu einem gewissen Grad zu verzichten, wird unser Geist nicht in der Lage sein, göttliche Eindrücke aufzunehmen und das Streben nach himmlischen Dingen wach zu halten. Ein behagliches und leichtes Leben, ein ununterbrochener Genuss der Güter der Vorsehung, reiche Mahlzeiten, weiche Kleidung, bequem eingerichtete Wohnungen, sinnliche Freuden, das Gefühl der Sicherheit, das Bewusstsein der Wohlhabenheit, diese und ähnliche Dinge versperren, wenn wir nicht achtsam sind, alle Zugänge der Seele, durch die das Licht und der Atem des Himmels zu uns dringen können.“

 

Resignation

Der französische Maler Louis Dechamps (1846 – 1902) hat seinem warmherzigen Bild der Rosenkranz betenden Frau und des Mädchens den Titel „Résignation“ gegeben.

Im Deutschen ist Resignation ein eher negativ besetztes Wort, bei dem Hoffnungslosigkeit, Verzweiflung, Depression mitklingen. Aber die Bildaussage widerspricht vollkommen dieser Auffassung. Das Wort Resignation kommt aus dem Lateinischen und bedeutet ursprünglich nach verlorener Schlacht die Feldzeichen zu senken, sich zu ergeben.

In der christlichen Mystik hat es die Bedeutung, dass der Mensch nicht mehr eigenwillig kämpft, sondern sich gelassen in den Willen Gottes ergibt. Wer den Rosenkranz demütig betet wie diese Frau, der kann getrost in die Zukunft blicken wie das Mädchen, denn alles ist in Gottes Hand.

 

Jahreszeiten der Seele

Der hl. Pater Pio sagt: Ich stelle fest, dass sich in unserer Seele alle Jahreszeiten widerspiegeln. Manchmal spürt ihr den Winter in seiner ganzen Unwirtlichkeit, Öde, Freudlosigkeit und Langeweile. Dann den Tau des Maimonats mit dem Duft der Blumengewinde. Dann den heißen Wunsch, unserem göttlichen Bräutigam zu gefallen. Nun bleibt nur noch der Herbst, in dem ihr wenig Früchte ernten könnt. Freilich geschieht es mehr als einmal, dass der Getreideacker und der Weingarten mehr einbrachte, als Korn und Traube vor der Reife versprachen. Ihr möchtet gern, dass alles im Frühling und Sommer geschehen solle. Nein meine lieben Kinder! Der Wechsel ist notwendig bei den Dingen in der Natur und den Ereignissen in unserem Innern. Im Himmel ist alles Frühling und damit ist seine Schönheit gemeint. Im Himmel ist alles Herbst und redet so von seiner unaufhörlichen Freude. Im Himmel ist alles Sommer, weil er die herrliche Liebe besitzt und verkündet. Aber im Himmel wird es niemals einen Winter geben. Doch hier auf Erden ist der Winter notwendig, dass wir die Selbstverleugnung lernen und üben und die tausend kleinen Tugenden.

 

Mit Liebe lesen

Als im Jahre 1993 der Katechismus der katholischen Kirche veröffentlicht wurde, gab es in München an der Universität eine Tagung, die sich mit dem neuen Katechismus befasste. Ein Teilnehmer hat davon erzählt, dass in verschiedenen Referaten und Diskussionen nur negative Kritiken und alle mögliche Einwände gegen den Katechismus vor gebracht wurden.

Während der ganzen Tagung gab es nur eine einzige positive Wortmeldung, die aber den Nagel auf den Kopf getroffen hat. Bei einer Diskussion meldete sich eine Studentin zu Wort und sagte mit großer Einfachheit: „Den Katechismus kann man nur richtig verstehen, wenn man ihn mit Liebe liest.“ Es war einige Augenblicke still im Saal, niemand wusste darauf etwas zu sagen.

Darauf kommt es also an: Nur wer Gott liebt, wird immer tiefer verstehen, was die Bibel, sie Sakramente und die Kirche für ihn bedeuten. Der Heilige Geist führt ihn in die ganze Wahrheit.

 

Worauf freust du dich?

Die Mutter eines Erstkommunikanten berichtete folgende Begebenheit: Sie ging mit ihrem Sohn Michael in ein Kleidergeschäft, um für ihn einen neuen Anzug für die Erstkommunion zu kaufen. Die Verkäuferin wollte mit Michael ins Gespräch kommen und fragte: „Worauf freust du dich bei deiner Erstkommunion?“ Er antwortete: „Auf die Kommunion.“ Darauf sagte die Verkäuferin: „Ich meine, worauf du dich wirklich freust.“ Michael sagte noch einmal: „Auf die Kommunion!“ Darauf sagte sie: „Das weiß ich schon. Aber ich meine, worauf du dich ganz besonders freust.“ Da schaute der Bub seine Mutter fragend an und sagte zu ihr: „Ich glaube, die checkt das nicht.“

Können wir das „checken“, wer es ist, der zu uns kommt, wenn wir die hl. Kommunion empfangen. Es ist Jesus Christus selbst mit Leib und Blut, der uns in sich verwandeln möchte.

Alles Gott übergeben

Eine Mutter erzählt: »Mein kleiner Leonhard ist in Tränen aufgelöst. Fest drückt er die Teile seines geliebten Lastwagens an sich. „Bitte, Mama, mach ihn wieder heil!“, schluchzt er. Es sind lediglich die Räder abgegangen. „Ich kann ihn wieder reparieren, aber du musst mir die Teile geben“, sagte ich ihm.

Der Kleine streckt mir den Wagenoberbau entgegen, will aber die Räder nicht aus der Hand geben. „Du musst mir schon alle Teile geben. Wie soll ich sie sonst wieder zusammensetzen?“ Widerstrebend öffnet er seine Händchen und gibt mir die Räder. Schnell sind sie wieder eingesetzt, und Leonhards Tränen versiegen.

Während Leonhard an sein Spiel zurückkehrt, muss ich an meine Beziehung zum Herrn denken. Ich will ja, dass Er mein Leben heil macht, dass Er meine Fehler in Ordnung bringt. Und ich habe ihn auch darum gebeten. Aber bisher hatte ich meine eigenen Vorstellungen über die Art und Weise, wie diese Probleme geregelt werden sollten. Und wie ich meinem Jungen nicht helfen konnte, solange er mir nicht völlig vertraute und mir alle Teile seines Lastwagens auslieferte, so konnte auch Gott mich wegen meines Eigenwillens nicht erhören. Ich hatte Ihm noch nicht alle Teile meines Lebens übergeben; ich hatte sie auf meine Weise organisiert und dann gebetet: „Dein Wille geschehe!“ Wie widersinnig! Ich musste aufhören, mich an die Trümmer einer Vergangenheit zu klammern, die ich nicht selbst in Ordnung bringen konnte. Ich musste lernen, auf meine fruchtlosen Bemühungen und Ideen zu verzichten, um mich mit ganzem Vertrauen Gott in die Hände zu geben. Er will ja denen, die Ihn lieben, alle Dinge zum Guten mitwirken lassen.«  Immer wieder dürfen wir vertrauensvoll die zerbrochenen Teile unseres Leben, unsere Sünden und Verfehlungen,  hinbringen zum Herrn. Das können wir so heilbringend tun in der hl. Beichte.

 

Du stiegst nicht herab vom Kreuz

In Dostojewskis Roman „Die Brüder Karamasoff“ findet sich die Erzählung vom Großinquisitor, der Jesus, der ihm als dornengekrönter König erscheint, Vorwürfe macht über den Weg, den Jesus zur Erlösung der Menschen gewählt hat:

„Hättest du Krone und  Schwert genommen, so hätten sich dir alle freudig unterworfen. In einer einzigen Hand wäre die Herrschaft über die Leiber und über die Seelen vereint, und das Reich des ewigen Friedens wäre angebrochen. Du hast es versäumt … Du stiegst nicht herab vom Kreuz, als man dir mit Spott und Hohn zurief: Steig herab vom Kreuz, und wir werden glauben, dass du Gottes Sohn bist. Du stiegst nicht herab, weil du die Menschen nicht durch ein Wunder zu Sklaven machen wolltest, weil dich nach freier und nicht nach einer durch Wunder erzwungenen Liebe verlangte …“

 

Notstandsglaube

Der Dichter Eugen Roth, der in vielen seiner Gedichte, die Schwächen und Grenzen unseres Menschseins humorvoll beschrieben hat, erinnert uns im folgenden Gedicht auch ans Beten.

„Ein Mensch, solang es gut ihm geht, / denkt nur selten ans Gebet, / lebt in den Tag hinein sein Leben, / denkt nicht an den, der’s ihm gegeben. / Und schiebt selbst noch den schuld’gen Dank / wie’s Frommsein auf die lange Bank. / Doch wenn ein Unglück ihn ereilt,/ dann wird der Himmel angepeilt:/ ‚Mein Gott – wenn es dich geben sollte – / schon längst ich zu dir kommen wollte … / Wie kannst du solches an mir tun? / So komm herbei und hilf mir nun! ‚ / Wird dann der Anruf nicht gehört, / dem Notstandsglauben ab er schwört. / ‚Wie kann ich denn Vertrauen fassen, / zu dem, der mich in im Stich gelassen?‘ / Ob er das Beten je begreift, / der Gott wie einem Dienstmann pfeift?“

 

Kein Grund zum Feiern sondern zur Umkehr

Vier „Jubiläen“ werden von verschiedenen Gruppen im Jahr 2017 begangen. Sie sind aber für uns als  Katholiken kein Grund zum Feiern sondern zur Umkehr.

1.) Die protestantischen Gemeinschaften begehen ihr 500-jähriges Bestehen. Am 31. Oktober 1517 soll Martin Luther seine legendären 95 Thesen an der Kirche in Wittenberg angeschlagen haben. Auch wenn dieser Thesenanschlag nie so geschehen ist, so hat doch Martin Luther durch seine Schriften und seine Wirken die Reformation ausgelöst, die nicht zu einer Erneuerung des Glaubens, sonder zu einer Kirchenspaltung geführt hat, die in der Folge viel Leid, Unheil und Kriege mit sich brachte.

2.) Auch die Freimaurer feiern 300 Jahre ihres Bestehens. Am 24. Juni 1717 kam es in London  zur Gründung der „Vereinigten Großloge von England“. Als Geheimgesellschaft wirken sie zwar immer im Hintergrund. Aber es lässt sich geschichtlich nachweisen, dass führende Freimaurer bei allen Revolutionen, Kriegen, Umstürzen und Angriffen auf die katholische Kirche federführend mitwirkten.

3.) Vor 100 Jahren, am 25. Okt. 1917 (julianischer Kalender), kam es in Russland zur sogenannten Oktoberrevolution, zur gewaltsamen Machtübernahme durch die Kommunisten. Unter den vielen kommunistischen Diktaturen wurden bis heute etwa 100 Millionen Menschen getötet. Und dieses linke, kommunistische, sozialistische oder grüne Gedankengut breitet sich bis heute unaufhörlich aus.

4.) Wegen dieser unheilvollen Entwicklung in unserer Welt hat uns Maria vor 100 Jahren (1917) in Fatima zum Rosenkranzgebet, zur Weihe an ihr unbeflecktes Herz und zur Bekehrung und Buße aufgerufen. Dieses Jubiläum erinnert und daran, dass wir ihrer Einladung mit erneutem Eifer folgen sollten im Vertrauen darauf, dass ihr unbeflecktes Herz triumphieren wird nach allen Prüfungen.

 

Die Seelen im Fegfeuer bedürfen unserer Gebete

engel-06Patricia Devlin ist eine blinde Amerikanerin aus Texas (*1953). Sie erlebte einige Schicksalsschläge, bis Gott sie unerwartet von der unheilbar geltenden Krankheit heilte. So fand sie zum Glauben zurück und begann – obwohl sie keine Augen mehr hat – das Licht der Engel sowie Visionen über die Kirche und Zukunft zu schauen. Patricia bekam das Charisma, durch ihr Leiden von Gott Gnaden zu erbitten für andere Menschen. In einem Tagebuch, das sie unter dem Titel ‚Das Licht der Liebe‘ (Miriam-Verlag) publizierte, berichtet sie unter anderem auch über ihre Erfahrungen mit den Armen Seelen in Fegefeuer. Sie schreibt:

„Mein Schutzengel nahm mich mit auf eine Reise ins Fegfeuer. Er sagt, dass die Seelen im Fegfeuer so sehr unserer Gebete bedürfen, und in den Kirchen wird zur Zeit so wenig darüber gesprochen …

Obwohl ich auf übersinnliche Weise sah, glaube ich, dass mir die Dinge des Geistes doch auf eine körperliche Art gezeigt wurden. Ich glaube, dass das, was ich erlebte, von den Seelen im Fegfeuer auf körperliche Art und Weise empfunden wurde: … Ich sah Seelen, die ihre Hände flehend und schmerzerfüllt erhoben. Mir wurde es nicht gesagt, aber ich hatte den Eindruck, dass sie alles gegeben hätten, um noch einmal auf Erden versuchen zu können, das Unrecht, das sie begangen hatten, wieder gut zu machen; um den von ihnen verursachten Schmerz zu lindern; um das, was sie getan hatten, auf jede ihnen mögliche Weise zu korrigieren; koste es, was es wolle. Es war herzzerreißend, denn sie konnten mich sehen und flehten um meine Gebete …
Mein Schutzengel sagte: ‚Es ist soviel einfacher für euch, euer Herz während eures Erdenlebens zu reinigen. Eine Versöhnungstat, ein freundliches Wort, ein kleines mutiges Bemühen, aus Liebe auf jemanden zugehen – diese Bemühungen, während eures Erdendaseins Liebe zu geben, bringen, wenn sie nicht unternommen werden, unzählige Zeitalter der Frustration und des Leidens. Denn im Fegfeuer kann man nichts mehr an dem ändern, was man zu Lebzeiten getan oder nicht getan hat. Bitte bete für alle, die sich dort befinden, besonders für jene, die sich ihr eigenes oder das Leben anderer genommen haben – sowohl in körperlicher Hinsicht als auch durch die Zerstörung des Geistes.‘

Ich denke an die Seelen, für die niemand betet, entweder weil man sie vergessen hat oder sie nicht geliebt werden, oder weil ihre Verwandten und Freunde nicht damit vertraut sind, für sie zu beten. Es ist traurig, dass so viele Christen glauben, das Opfer Jesu bedeute, dass wir unseren Sünden nicht ins Auge sehen bzw. nicht dafür sühnen müssten. Unser Herr ist nicht gekommen, um uns unsere Verantwortlichkeit für uns selbst zu nehmen! Ich sehe das Fegfeuer als einen Teil auf dem Weg zur Erlösung, die uns der Herr durch sein Opfer und seinen Tod am Kreuz ermöglicht hat.“

Quelle: vgl.: http://www.miriam-verlag.de/download/14.pdf