Für die Bekehrung der Sünder leiden

Papst Franziskus wird am 13. Mai die beiden Hirtenkinder Francisco (1908-1919) und Jacinta Marto (1910-1920) in Fatima heiligsprechen. Zusammen mit ihrer Cousine Lucia dos Santos gehören sie zu den drei Seherkindern, denen vom 13. Mai bis 13. Oktober 1917 in Fatima die Gottesmutter erschien.

Beide Kinder starben an der so genannten „spanische Grippe“. Von der hl. Jacinta sind uns ergreifende Zeugnisse erhalten, mit welcher Gesinnung sie ihr Leiden trug und zu welch tiefen Einsichten sie durch die Gnade Gottes kam. Hier nur einige Aussagen: „Es ist mir eine große Freude, aus Liebe zu ihnen [Jesus und Maria] zu leiden. Sie haben jene sehr lieb, die für die Bekehrung der Sünder leiden.“  „Die Sünden, welche die meisten Seelen in die Hölle stürzen, sind die Sünden der Unreinheit.“  „Die Sünden der Welt sind sehr groß.“ „Die Madonna hat gesagt, dass es in der Welt viele Kriege und viel Zwietracht gibt. Die Kriege sind nichts als Strafen für die Sünden der Welt.“ „Wie würden doch die Menschen alles tun, um ein anderes Leben zu beginnen, wenn sie wüssten, was die Ewigkeit ist!“ Zu ihrer Tante sagte sie: „Bringen Sie auch den Bösen viel Liebe entgegen. Sagen Sie von niemandem etwas Böses und fliehen Sie jene, die Böses über den Nächsten reden. Haben Sie viel Geduld, denn die Geduld bringt uns ins Paradies.“

 

Hl. Laura Montoya Upegui – Bist du nicht die Freundin Gottes?

Madre Laura Montoya Upegui (1874 – 1949) ist die erste heiliggesprochene Kolumbianerin. Sie gründete eine Missionsgemeinschaft, die sich ganz der Evangelisierung der Ureinwohner von Kolumbien widmete. In ihrer Autobiographie, die sie im Auftrag ihres Bischofs verfasste, berichtet sie von einer wunderbaren Begebenheit, die uns zeigt, dass wir in allen Stürmen und Unwettern unseres Lebens auf Gottes Macht vertrauen sollen. Die hl. Laura erzählt:

»Auf einem Gang durch den Dschungel, von einer Missionsstation zur anderen, begleitete mich einmal ein Indiomädchen. Wir waren noch nicht lange unterwegs und gingen gerade an einem Fluss entlang, der sich am Fuß des Andengebirges dahinschlängelte, als vor uns dunkle Regenwolken aufzogen. Ein mächtiger Sturm kündigte sich durch Blitze und Donnerrollen an. Als wir uns in die Richtung umwandten, aus der wir gekommen waren, sahen wir, dass sich auch dort ein riesiger Sturm zusammenballte. Ebenso bildeten sich zu unserer Linken und Rechten rasch schwere Gewitterwolken. Das Indianermädchen rief verängstigt: „Schau, Madre, diese ‚vier Regen‘ werden uns wegspülen!“ – „Ja“, antwortete ich ihr, „da kann man nichts machen. Wir werden das aus Liebe zu Gott ganz einfach ertragen.“ Aufgeregt drängte das Mädchen: „Bist du nicht die Freundin Gottes? Also, warum lässt du es zu, dass der Regen uns durchnässt? Hast du mich vielleicht nicht gern, Madre?“ – „O, ich liebe dich sehr, Töchterchen“, erwiderte ich ihr, „doch wenn Gott diesen Regen schickt, der uns durchnässen wird, was können wir dagegen tun?!“ Da schimpfte sie aufgebracht: „Es ist deine Schuld, wenn der Regen mich durchnässt, denn du könntest deinen Gott bitten, keinen Regen zu schicken. Er wäre bestimmt gut zu dir und würde es nicht regnen lassen.“ Diese Worte rührten mich, denn sie zeigten mir deutlich, dass die Indianerin in Wirklichkeit ein Wunder erwartete. Sie vertraute tatsächlich darauf, Gott könnte es verhindern, dass ‚die vier Regen‘ losbrachen … Nun warteten wir gemeinsam nur noch darauf, welcher der ‚vier Regen‘ uns als erster erreichen würde. Das gewaltige Herantosen der Regenschauer hörte sich an, als würden Berge zusammenstürzen und massenhaft Geröll mit in die Tiefe reißen. Schon schlugen Blitze links und rechts von uns ein, und auch mir wurde angst und bange. Verrückt vor Angst schrie das Mädchen: „Das ist deine Schuld! Das ist deine Schuld!“ In dem Moment betete ich zu Gott:
„Herr, zur Verherrlichung Deines Namens und um dieses Indiomädchen zu bekehren, bitte ich Dich voll Vertrauen, zeige Deine Macht der Barmherzigkeit!“
Kaum hatte ich inständig ein Vaterunser gebetet, erreichte uns auch schon der Regen aus allen vier Richtungen.

Doch wir setzten unseren Fußmarsch von weiteren 45 Minuten unverdrossen fort, und zwar komplett trocken! Denn der Regen, der vor uns niederprasselte, wich stets vor unserem nächsten Schritt zurück. Der Regen hinter uns blieb immer im gleichen Abstand von zwei, drei Meter Entfernung. Und die Regenschauer links und rechts von uns hielten ebenfalls eine gleichbleibende Distanz von drei bis vier Metern. Als wir endlich die Missionsstation erreichten, meinten die wartenden Schwestern natürlich, wir müssten tropfnass sein. Sie traten voll Mitleid aus dem Haus und waren höchst erstaunt, uns gänzlich trocken ankommen zu sehen. Ebenso verblüfft blickten sie auf den trockenen Kreis um uns herum, der bis zum Hauseingang reichte und auf den nicht ein einziger Regentropfen gefallen war. Nur unsere Füße und Schuhe waren nass, weil sie den Boden berührt hatten, der jeweils von den Regenschauern vor uns durchtränkt worden war. Ansonsten war kein einziger Wassertropfen auf uns gefallen. Da sagte das Indiomädchen zu den sprachlosen Umstehenden: „Gott ist sehr gut zu dieser Madre!“ Und mein Herz war nach all dem Erlebten voll Dankbarkeit Gott gegenüber, der dieses große Wunder für ein armes unbeachtetes Indiomädchen gewirkt hatte.«

Quelle: Autobiografia S. Laura Montoya Upegui

Bruder Benno – Blick der Liebe

bennoAm 13. Dez. 1925 ist Kapuzinerbruder Benno Koglbauer im Ruf der Heiligkeit gestorben. Sein Grab befindet sich in der St. Antoniuskirche in Bregenz. 1955 wurde der Seligsprechungsprozess eröffnet. Am 11. Dez. 2016 wird in der St. Antonius Kirche wieder eine Bruder-Benno-Gedenkmesse gefeiert.

Die Menschen, die Br. Benno gekannt haben, waren tief beeindruckt von seiner Herzensgüte. Seine Augen strahlten seine gottverbundene Seele wider. Schon mit einem Blick der Liebe konnte er oft die Herzen berühren. Die Menschen hatten den Eindruck, dass er sie durchschaute, sie tief mit der Güte Gottes durchdrang.

Eine Frau berichtet über ein Begebenheit, die sie mit Br. Benno an der Pforte erlebt hatte: Zur Mittagszeit kamen zwei Handwerksburschen und forderten: „Eine Suppe her!“ Bruder Benno schaute die beiden an und antwortete ganz ruhig: „Wir bitten um eine Suppe!“ Als er die Suppe brachte, sagt er: „Beten wir noch ein Vater Unser.“ Der eine ließ sich dazu bewegen, der andere setzte sich nieder, begann zu essen und schaute dem Br. Benno mit einem gehässigen Blick ins Gesicht. Doch als ihn der gütige Blick von Br. Benno traf, drang auch ein Strahl der Gnade in das Herz des jungen Mannes. Er kämpfte mit sich, aber der Stolz ließ es nicht zu, jetzt noch aufzustehen und mitzubeten. Aber nach dem Vater Unser stand er auf, warf den Löffel hin und sagte: „Ich habe auch nicht gebetet, mir gehört nichts.“ Er ging weg und begab sich in die Lourdeskapelle, wo er zu schluchzen begann. Nach einiger Zeit ging er in die Kirche, und bat darum, für ihn einen Beichtvater zu rufen und er erkundigte sich, wann er hier am nächsten Tag die hl. Kommunion empfangen könne.

Diesem Mann ist es ergangen wie Petrus nach der Verleugnung. „Da wandte sich der Herr um und blickte Petrus an. Und Petrus erinnerte sich … Und er ging hinaus und weinte bitterlich“ (Lk 22,61). Der Blick der Liebe führt zur Umkehr.

Das Lamm des heiligen Franziskus

franziskus3Am 4. Oktober feiert die Kirche den hl. Franz von Assisi. Er ist ein außergewöhnlicher Heiliger, der mit seiner brennenden Liebe zu Jesus die ganze Kirche bis heute beeinflusst. Eine liebenswürdige Begebenheit aus seinem Leben, die in den „Fonti Franziscane“ erzählt wird, könnte auch uns ein „Anstoß“ sein zu größerem Eifer für den Herrn:

Der hl. Franziskus hielt während seines Romaufenthaltes ein kleines Lamm bei sich. Seine Verehrung für Christus, das geliebte Opferlamm, hatten ihn dazu bewegt. Als er abreiste, vertraute er das Tier einer römischen Adeligen an, namens Madonna Jacopa dei Sette Soli. Sie hielt das Lämmchen zu Hause bei sich und das Tier, welches vom Heiligen in den Sachen des Heiligen Geistes unterrichtet worden war, blieb immer in ihrer Gesellschaft, wenn sie zur Kirche ging. Am Morgen, wenn die Frau zu spät zur Messe ging, sorgte das Lamm mit Hornstößchen und Meckern dafür, dass sie aufwachte und rechtzeitig zum Gottesdienst kam. Deshalb hielt sie das Tier in besonderer Achtung und Liebe, es war ja ein Schüler des hl. Franziskus.

In der sogenannten „Nicht bestätigte Regel“ von 1221, gibt der hl. Franziskus im Kap. XXI. seinen Brüder die folgenden Regeln:

1) Fürchtet und ehrt, lobt und preist den Herrn, dankt ihm und betet ihn an, den allmächtigen Gott, in der Dreifaltigkeit und in der Einheit, Vater und Sohn und Heiliger Geist, Schöpfer aller Dinge.
2) Tut Buße, bringt würdige Früchte der Buße, denn wisset, ihr werdet bald sterben.
3) Gebt, und euch wird gegeben werden.
4) Vergebt, und euch wird vergeben werden. Und wenn ihr den Menschen ihre Sünden nicht vergebt, wird der Herr euch eure Sünden nicht vergeben. Bekennt alle eure Sünden.
5) Selig jene, die in der Buße sterben, denn sie werden im Himmelreich sein.
6) Weh jenen, die nicht in der Buße sterben, denn sie werden Kinder des Teufels sein, dessen Werke sie tun; und sie werden ins ewige Feuer kommen.
7) Hütet euch und enthaltet euch alles Bösen und verharrt im Guten bis zum Ende.

 

Die heiligen Schutzengel

engel-05Im esoterischen Bereich werden heute viele Bücher und Lehren über  Engel angeboten. Hier ist es wichtig, dass wir uns an die katholische Lehre über die hl. Engel halten. Die heiligen Schutzengel sind unsere großen Helfer auf unserem Weg des Glaubens, die wir auch immer um Hilfe bitten sollen. Der Kapuziner, P. Gerard Stegmiller, den man auch ‚Schutzengelpater‘ genannt hat, berichtet uns folgendes:

Eine Frau besuchte ihn und erzählte: „Hochwürden, ihr Rat, die hl. Schutzengel der Umwelt anzurufen, hat sich schon bewährt. Mein Mann ging nicht alle Tage ins Gasthaus. Aber wenn er ging, kam er meistens spät in der Nacht betrunken heim. Nun hörte ich ihren Rat: Besucht der Mann das Gasthaus, soll die Frau zu Hause seinen Schutzengel und die Engel seiner Tischgesellschaft grüßen und bitten. Sofort befolgte ich den Rat. Seit einiger Zeit nun kommt mein Mann um zehn Uhr heim, ist guter Dinge und nicht berauscht. Jüngst sagte er: ‚Ich weiß gar nicht, was das ist. Wenn es auf halb zehn Uhr geht, dann werde ich unruhig. Es treibt mich förmlich fort, das Bier schmeckt mir nimmer, die Gesellschaft passt mir nimmer. Es ist, wie wenn mich jemand fortziehen wollte. Da muss es mir am Herzen fehlen. Ich muss doch mal zum Doktor gehen.‘ – ‚O, dir fehlt nichts, du bist kerngesund. Geh nur immer gleich heim, das tut dir am besten.'“ Die Frau gestand: „Diese Unruhe kommt nach meiner Überzeugung vom heiligen Schutzengel. Denn während der Mann im Gasthof war, habe ich zu Ehren der heiligen Engel aller im Gasthaus den Rosenkranz gebetet, damit mein Mann sich wirklich erhole, aber nicht der Trunksucht verfalle.“

 

Hl. Pater Jean de Brebeuf SJ – Der starke und barmherzigen Gott

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Hl. Pater Jean de Brebeuf SJ (1593-1649)

Der hl. Pater Jean de Brebeuf SJ  (1593-1649) war einer der großen Missionar bei den Indianern Nordamerikas. Er starb als Märtyrer nach einem Überfall der Irokesen. Es wird berichtet: „Er erlitt unter Folter einen langsamen, qualvollen Tod: ihm wurden mit kochendem Wasser und glühenden Kohlen Brandwunden zugefügt, die Gliedmaßen gebrochen, eines nach dem anderen, dann schnitt man ihm nacheinander die Nase ab, stach ihm die Augen aus und schnitt ihm die Zunge heraus. Er aber betete unentwegt: ‚Jesus, erbarmen Dich ihrer‘. Er setzte sein Gebet fort, obwohl er es nur mehr stammeln konnte. Seine Henker, die ihn so übel zugerichtet hatten, schnitten ihm am Ende sein Herz heraus und aßen es und tranken sein Blut zum Zeichen der Bewunderung für seinen Mut und um sich dieses Mutes zu bemächtigen.“ 150 Jahre später erinnerten sich die Irokesen noch immer bewundernd an diesen „Schwarzrock“.  Als sie davon erfuhren, dass sich St. Louis Jesuiten aufhielten, unternahmen sie vier abenteuerliche Expeditionen über Tausende von Kilometern, um mit Nachdruck darum zu bitten, dass ein „Schwarzrock“ zu ihnen komme und sich bei ihnen niederlasse. Das geschah tatsächlich. Der flämische Jesuit Pieter-Jan De Smet (1801-1873) aus Ostflandern machte sich auf den Weg. Ausgerüstet mit der Heiligen Schrift, dem Brevier und seiner Klarinette ging er in die Lagerplätze der Indianer. Wo andere sofort den Tod gefunden hätten, fand er Aufnahme. Für die Indianer war er der „weiße Mann“, der nicht „mit gespaltener Zunge“ redete. Durch sein Beispiel bekehrte er zahlreiche Indianer. Einer versuchte ihn eines Tages aus dem Hinterhalt zu töten. Pater De Smet konnte ihn jedoch vom Pferd reißen und ihm im Zweikampf seine Streitaxt entwenden. „Diese Geschicklichkeit und sein Mitleid, das er dem Besiegten bewies, gewannen diesen für den Glauben an den starken und barmherzigen Gott der Katholiken.“ Er wurde einer seiner treuen Gefährten und hat ihm den Weg zu weiteren Bekehrungen geebnet.

 

Hl. Theresia von Lisieux – Ein kleiner Funke

TheresiaLisDie hl. Theresia von Lisieux, deren Gedenktag wir am 1. Oktober feiern, erzählt: „Schwester Maria von der Eucharistie wollte die Kerzen für eine Prozession anzünden. Sie hatte aber kein Streichholz dabei. Da sah sie das kleine Licht, das vor den Reliquien brannte und ging darauf zu. Doch sie fand es halb erloschen. Dennoch gelang es ihr, ihre Kerze daran zu entzünden, und so konnte durch diese Kerze jene der Kommunität entzündet werden. … Genauso ist es im Hinblick auf die Gemeinschaft der Heiligen. Ohne es zu wissen, haben wir oft die Gnaden und Erleuchtungen, die wir empfangen, einer verborgenen Seele zu verdanken, weil Gott will, dass die Heiligen sich die Gnade gegenseitig durch das Gebet vermitteln, damit sie sich im Himmel mit großer Liebe begegnen.
Ja, ein ganz kleiner Funke kann große Lichter in der gesamten Kirche entstehen lassen wie Gelehrte und Martyrer, die im Himmel zweifellos viel höher als er sein werden.“

Marie Zélie Guérin und Louis Martin – heilige Eheleute

martinAm 25. Okt. 2015, anlässlich der Bischofssynode zur Familie, wird Papst Franziskus die Eltern der heiligen Therese von Lisieux heiligsprechen. Marie Zélie Guérin (1831-1877) und Louis Martin (1823-1894) sind dann das seltene Beispiel eines heiliggesprochenen Ehepaares. Sie waren Eltern von neun Kindern, von denen nur fünf, alles Töchter, das Erwachsenenalter erreichten. Alle fünf wurden Ordensschwestern, die bekannteste von ihnen ist die hl. Theresia vom Kinde Jesu.

Die beiden bald in den Heiligenstand erhobenen Eheleute aus Lisieux wollten ursprünglich selbst in einen Orden eintreten. Sie wurden aber nicht aufgenommen. Die beiden lernten einander 1858 kennen, heirateten nur drei Monate später, und führten ein vorbildliches Eheleben.

„Wäre ich bei einer Veranlagung wie der meinen von tugendlosen Eltern erzogen oder auch nur verwöhnt worden, wäre ich sehr böse geworden und vielleicht sogar verlorengegangen“, sagte die hl. Theresia über ihre Eltern.

Sel. Manuel Lozano Garrido – Das Kreuz wiegt schon etwas, aber es hat Flügel

Manuel-Lozano-Garrido-01Der spanische Journalist Manuel Lozano Garrido (1920-1971), wurde 2010 als erster Journalist selig gesprochen. Sein Leben war ab seinem 23. Lebensjahr geprägt von einer schweren, unheilbaren Krankheit. Er lernte aber, sein Leiden als ein Geschenk aus der Hand Gottes anzunehmen. Er glaubte in bewundernswerter Weise an die miterlösende Berufung aller Leidenden und wurde zu einem wahren Apostel der Freude.

Der sel. Manuel trat mit elf Jahren der örtlichen Gruppe der katholischen Aktion bei. „Mit 15 Jahren war mir meine Berufung ziemlich klar, ich wollte Journalist werden.“ 1936, als Manuel 16 Jahre alt war, brach der Spanische Bürgerkrieg aus und damit eine schwere Verfolgung der Kirche. Gottesdienste wurden verboten, viele Priester und Laien verhaftet oder erschossen. Auch unter Manuels Freunden erlitten manche das Martyrium. Vom einzigen nicht inhaftierten Priester der Stadt wurde Manuel beauftragt, den verfolgten Katholiken die hl. Kommunion zu bringen. Dieser Dienst prägte ihm eine tiefe Liebe zu Christus ins Herz.

Im Sommer 1940, mit 20 Jahren, nahm Manuel an einer große Jugendwallfahrt zum Marienheiligtum in Saragossa teil. Der Priester ermutigte die Jugendlichen, wie die beiden Apostel Jakobus und Johannes zu sein, die neben Jesus ihren Platz im Reich Gottes haben wollten. Und im Namen Jesu stellte der Priester den Jugendlichen die Frage: „Könnt ihr den Kelch trinken, den ich trinken werde?“ In ihrer Liebe und Begeisterung antworteten sie, und Manuel mit ihnen, einstimmig: „Wir können es!“ Drei Jahre später sollte der Herr ihm einen Kelch reichen, der bis zum Rand gefüllt war. Beim Militärdienst in Madrid zeigten sich die ersten Anzeichen der schweren Krankheit Morbus Bechterew, eine bis heute unheilbare rheumatische Erkrankung vor allem der Wirbelsäule, die, begleitet von zeitweise unerträglichen Schmerzen, schnell und unaufhaltsam zur völligen Versteifung des Körpers führt. 1943 hatte Manuel die Gelegenheit, in Begleitung seiner Schwester Lucia, die ihn zeitlebens pflegte, an einer Wallfahrt nach Lourdes teilzunehmen. „In Lourdes begannen mir die Tragweite und der universale Sinn des Leidens aufzugehen.“ Er verstand, dass sein bewusst angenommener Schmerz nicht nur für ihn selbst „eine reinigende, heiligende Seite hat, die Frieden und Herzensfreude bewirkt“, sondern auch für andere zur Quelle übernatürlichen Lichtes wird. Er schrieb später: „Christus ist in allen jenen, die leiden … nicht nur, um diese Leiden zu teilen und erträglicher zu machen, sondern um sie mit den Seinen zu vereinen, um ihnen dieselbe erlösende Kraft zu verleihen, die sein Kreuz hatte, um die Welt zu erlösen … Dazu sind zwei Dinge notwendig: unser Wille und unsere Liebe.“ „Ja, das Kreuz wiegt schon etwas, aber es hat Flügel.“

1943 saß Manuel bereits im Rollstuhl, seine Hände und Füße begannen sich zu verkrümmen, mit nach vorne geneigtem Oberkörper nahm er die starre Haltung einer „4“ ein. So verbrachte er 28 Jahre in ständigen Schmerzen, die letzten neun Jahre zudem in Blindheit. Er kannte sehr wohl die Dunkelheiten der Seele durch Ängste, Einsamkeit und das Erleben von Nutzlosigkeit. Aber er war der Überzeugung:

„Was den Christen kennzeichnet, sind nicht Geduld, Ergebung und vielleicht nicht einmal Güte, sondern Freude. Denn wer eine Prüfung freudlos erträgt, ist nicht völlig in das Geheimnis des Kreuzes eingedrungen. Alle Tugenden wachsen aus der Freude. Wer sie hat, hat alles.“

Nichts ist schwer, wenn man Gott lieb hat

Anne_de_Guigne3Ein außergewöhnliches Beispiel der Heiligkeit und der Liebe zu Jesus Christus hat uns die aus Annecy-le-Vieux in Frankreich stammende Anna de Guigne (1911 – 1922) gegeben. Für sie wurde 1932 der Seligsprechungsprozess eingeleitet und 1990 hat die Kongregation für die Heiligsprechungen in einem Dekret den „heroischen Tugendgrad“ Annas bestätigt.

Als kleines Kind zeigte sich bei Anna ein starker, heftiger  Charakter. Sie war schnell aufbrausend, eifersüchtig, ungehorsam und trotzig. Ihre anderen vier Geschwister durften neben ihr nicht bestehen. Als sie einen kleinen Bruder bekam, war sie so eifersüchtig, dass sie ihm einen Tritt an den Kopf gab. Als einmal nicht sie, sondern ihr kleinerer Bruder auf dem Schoß der Mutter sitzen durfte, warf  ihm Anna aus Eifersucht eine Handvoll Sand in die Augen. Weil sie so unbezähmbar war, machten sich ihre Eltern und Großeltern Sorgen, wie das einmal mit ihr enden würde.

Mit vier Jahren aber trat ein Ereignis ein, durch das sie sich gänzlich bekehrte und mit aller Willenskraft anstrengte, das Gute zu tun.

Während des Erstens Weltkriegs, 1915, fiel ihr Vater an der Front. Dieser schmerzliche Verlust für die Familie gab den Anstoß zu Annas Bekehrung. Sie dachte von da an viel an den Himmel und tat alles, um ihre Mutter durch ein gutes und gehorsames Verhalten zu trösten. Die erste hl. Kommunion mit 6 Jahren vertiefte diese Umwandlung. Es gab für sie keine größere Freude mehr, als Jesus Freude zu machen und aus Liebe zu ihm Opfer zu bringen. „Wenn dir etwas schwer fällt“, riet sie einmal einer Freundin, „so denk daran, dem lieben Gott die Mühe aufzuopfern. Man muss ihm alles opfern. Nichts ist schwer, wenn man ihn lieb hat. Unsere Arbeit ist ein Geschenk, das wir Jesus machen müssen.“

„Es gibt viele Freuden hier auf der Erde, aber sie sind nicht von Dauer. Jene eine aber, die bleibt, ist, ein Opfer gebracht zu haben“, sagte sie.

Ihre Erzieherin erklärte, Anna habe nie „warum?“ gefragt, wenn ihr etwas befohlen war, sondern es rasch und immer freudig getan. Beim Spielen sah man die Kleine oft plötzlich still stehen und die Worte sagen: „O Jesus, ich hab dich lieb.“ Sie bat die Mutter, ohne Gebetbuch beten zu dürfen, weil sie dann besser beten könne. „Das ist genau so, wie wenn man mit jemandem redet, Mama, da weiß man immer, was man sagt.“  „Was sagst du Jesus denn?“ „Dass ich ihn lieb habe. Dann rede ich mit ihm über dich und die anderen, damit Jesus sie brav werden lasse. Hauptsächlich rede ich mit ihm über die Sünder und dann sage ich ihm, dass ich ihn gern sehen möchte.“ Da fragte die Mutter ängstlich weiter: „Denkst Du dabei nicht an den Schmerz, den es mir bereiten würde, wenn du fortgingest, um Jesus zu sehen?“ „O ja, Mama, ich denke daran und möchte dir gerne keinen Kummer machen. Aber Papa ist ja schon im Himmel, du wirst auch hinkommen und die anderen auch, denn er ist ja unser Ziel.“ In der Todeskrankheit – offenbar Hirnhautentzündung – war sie nach den höchsten Schmerzen „gern bereit, für die Bekehrung der Sünder weiterzuleiden“, so glücklich war sie dann auch, „zu den Engeln gehen zu dürfen“.