Am 3. Fastensonntag (A) hören wir im Evangelium von der Begegnung Jesu mit der Samariterin am Jakobsbrunnen. Jesus bittet diese Frau, ihm zu trinken zu geben. Aber im Gespräch darf sie Jesus selbst als das lebendige Wasser erkennen, das den Durst ihrer Seele stillen kann.
Diese Begebenheit zeigt uns, dass die innere Beziehung zu Jesus Christus im Gebet in unserem religiösen Leben das Wichtigste ist. Eine Frau im Altersheim, die schon verstorben ist, hat erzählt, dass sie nicht beten könne, aber sie spreche in ihrem Inneren immer mit Jesus. Sie meinte damit, dass sie keine Gebete auswendig hersagen konnte, sondern dass sie immer wieder ein inneres Gespräch mit Jesus führte. Aber genau das ist es, worauf es ankommt. Das ist auch das Beten im Geist und in der Wahrheit, von dem Jesus gesprochen hat.
Im Evangelium werden uns einige wichtige Schritte gezeigt, wie die innere Beziehung zu Jesus sich vollzieht und was sie bewirkt.
Das erste ist: Jesus hat diese Frau zuerst angesprochen. Er hat das Gespräch begonnen. Und so macht er es auch mit uns. Der Herr spricht uns in unserer Seele an. Das kann in verschiedenen Situationen sein, dass wir Gottes Gegenwart wahrnehmen können. Das kann ein Wort der Heiligen Schrift sein, es können schöne Ereignisse sein, die sich gefügt haben, oder auch manche leidvolle Erfahrungen. Der Herr spricht uns an. Aber es kommt darauf an, dass wir auf ihn hören. Der Lärm und die Informationsflut, die uns heute umgeben, sind darauf ausgerichtet, dass wir nicht mehr auf die Stimme Gottes hören können.
Das zweite ist: Wenn Jesus uns anspricht, dann offenbart er uns die Wahrheit. Er zeigt uns, wer wir selber sind und wer er selber ist. Er führt uns zu einer tieferen Selbsterkenntnis. Die Samariterin hat immer wieder betont, dass Jesus ihr alles gesagt hat. Aber Jesus deckt die innersten Geheimnisse, Sehnsüchte und Schwächen unserer Seele nicht auf, um uns zu beschämen, anzuklagen oder niederzudrücken, sondern um uns zu zeigen, dass er der Erlöser ist.
Wegen ihres Lebensstandes, in dem sie war, fünfmal verheiratet, ist sie zur Mittagsstunde zum Brunnen gegangen, um den Leute auszuweichen. Doch jetzt, da sie Jesus begegnet ist und er ihr die Wahrheit geoffenbart hat, da geht sie zu den Menschen, um ihnen zu erzählen, dass sie den Erlöser gefunden hat. Sie führt nun die anderen zu Jesus Christus.
Das ist der dritte Punkt: Die Begegnung und innere Beziehung zu Jesus macht uns zu Aposteln und Zeugen. Wir laden auch andere ein, dass sie sich aufmachen, um Jesus Christus kennen zu lernen. Die Samariterin ist zum Brunnen gekommen, und sie hat dieses lebendige Wasser empfangen, das Jesus Christus ist. Diese Quelle kann den Durst der Seele stillen. In der hl. Messe, im Gebet und in der hl. Beichte können wir immer wieder zu dieser Quelle kommen.
