Er wird in ihrer Mitte wohnen

Die erste Lesung zum 5. Sonntag der Osterzeit aus der Apostelgeschichte berichtet uns davon, wie Paulus und Barnabas  den Gemeinden, die von ihnen gegründet wurden, Mut zusprechen und sie ermahnen, treu am Glauben festzuhalten: “Durch viele Drangsale müssen wir in das Reich Gottes gelangen” (Apg 14,22). Denn das Leben der ersten Christen war von Anfang an durch Verfolgungen gekennzeichnet.

Der Glaube an Christus ist nicht ein Mittel, das uns von allen Mühen dieses Lebens befreit; er ist vielmehr eine Kraft, durch die wir die Leiden dieses Lebens fruchtbringend ertragen können, so dass wir durch all diese Drangsale in das Reich Gottes gelangen, das jetzt schon beginnt und sich in der ewigen Seligkeit vollendet.

Was mit dem Reich Gottes gemeint ist, wird uns in der zweiten Lesung dieses Sonntags aufgezeigt. Hier sieht der Apostel Johannes in einer Vision das neue, himmlische Jerusalem (Offb 21, 1-5a). Und da heißt es: “Er, Gott, wird alle Tränen von ihren Augen abwischen. Der Tod wird nicht mehr sein, keine Trauer, keine Klage, keine Mühsal.” Genau das hat Gott für uns vorbereitet. Es ist die ewige, glückselige Gemeinschaft mit ihm. Das ist unser Ziel, das wir nach diesem irdischen Leben erreichen können.

Aber es ist auch wichtig zu sehen in dieser Vision der Geheimen Offenbarung: Der Himmel ist nicht irgendwo in einem fernen Jenseits. Sondern Johannes hat in seiner Vision gesehen, wie das  neue Jerusalem auf die Erde herabkam. “Seht die Wohnung Gottes unter den Menschen! Er wird in ihrer Mitte wohnen, und sie werden sein Volk sein; und er, Gott, wird bei ihnen sein.” Die Wohnung Gottes ist schon jetzt unter den Menschen. Durch Jesus Christus ist ja Gott selbst in diese Welt gekommen. Deshalb ist der Himmel durch die heilige Kirche, vor allem durch die Sakramente, schon jetzt auf die Erde gekommen. Am deutlichsten können wir diese Gegenwart des Herrn unter uns in der heiligen Eucharistie erkennen. Im allerheiligsten Sakrament ist der Herr leibhaftig unter uns.

Aber diese Gegenwart des Herrn, diesen Himmel auf Erden, können wie jetzt nur im Glauben sehen und erfassen. Aber gerade dieser Glaube ist es, der uns durch diese irdische Welt auf Gott blicken lässt. Wer an Jesus Christus glaubt, hat einen Durchblick im Leben, wie ihn ein ungläubiger Mensch niemals haben kann. Der gläubige Mensch sieht den Sinn und das Ziel seines Lebens. Vor allem sieht er, dass wir im Glauben an Jesus Christus durch die Drangsale und Leiden dieser Zeit in das Reich Gottes eingehen. Er sieht in diesem Leben schon die Herrlichkeit des Himmels durchscheinen, und das gibt ihm Hoffnung, Kraft und Mut, alle Leiden und das Kreuz aus Liebe zu Gott und den Menschen auf sich zu nehmen. Denn sie bringen eine große Herrlichkeit mit sich, sie führen ihn in das ewige Reich Gottes hinein.

 

Gestärkt zum guten Kampf durch den Heiligen Geist

Wir haben den Heiligen Geist in der Taufe und Firmung empfangen. Sein Kommen führt uns aber in einen geistlichen guten Kampf, da das Herz zwischen Gut und Böse hin und hergerissen ist. Wir lernen dabei, unsere innere Gespaltenheit zu überwinden, damit der Friede Gottes in uns wohne. Die wichtigsten  Hilfsmittel sind das Gebet und die heiligen Sakramente, durch die unsere Seele im Guten gestärkt wird. Vielleicht inspiriert vom Heiligen Geist, ohne es zu wissen, erzählte ein alter Cherokee  Indianer seinem Enkel die Geschichte des inneren Kampfes, der sich in der Seele der Menschen abspielt: “Mein Sohn, es gibt einen Kampf zwischen zwei Wölfen in uns allen. Einer ist Böse: Es ist Wut, Neid, Eifersucht, Traurigkeit, Gier, Unzufriedenheit, Lügen, Stolz, Eitelkeit, Hass, Egoismus … . Der andere ist gut: Es ist Freude, Liebe, Hoffnung, Demut, Freundlichkeit, Wohlwollen, Geduld, Wahrheit, Mitgefühl … .” Der Enkel dachte einen Moment lang über diese Geschichte nach und fragte seinen Großvater: “Welcher der beiden Wölfe gewinnt?” Der alte Indianer antwortete einfach: “Der, den du fütterst.”

 

Die Rolle des Barabbas hat mich zu Jesus geführt

Der italienische Schauspieler Pietro Sarubbi spielte im Film “Die Passion Christi” von Mel Gibson die Rolle des Barabbas. Es war nur eine kurze Szene, die er zu spielen hatte, aber sie wurde für ihn zu einer wirklichen Begegnung mit Jesus, die sein Leben gänzlich veränderte. In Interviews, Vorträgen, Talk-Shows und in seinen Buch “Von Barabbas zu Jesus” gibt er Zeugnis von seiner Bekehrung, um vor allem die Jugend für den Glauben zu gewinnen.

Pietro Sarubbi (Jg. 1961) war von Kindheit an ein unruhiger Geist. Mit 13 Jahren lief er von zu Haus weg, um Zirkuskünstler zu werden. Nach manchen Enttäuschungen gelang es ihm, zu einem italienweit angesehenen Theater und Filmschauspieler zu werden. Wie es in der Unterhaltungswelt üblich ist, lebte Sarubbi viele Jahre lang weit vom Glauben entfernt. Im Sommer 2002 erhielt er von Mel Gibson das Angebot im Film “The Passion” mitzuwirken. Es war für ihn enttäuschend, dass er nur diese kurze Rolle des Barabbas spielen sollte, lieber wäre ihm Petrus gewesen. Widerwillig nahm er aber die Rolle an. “Schließlich wollte ich ja viel Geld verdienen, berühmt werden und in die Zeitungen kommen.”

Aber die Dreharbeiten wurden für ihn zur großen Gnade. Er erzählt: “Von Mel Gibson hatte ich Anweisung, nicht eher auf Jesus zu schauen, bis ich am Schluss meiner Szene, von den Ketten befreit, die Stufen des ‘Prätoriums’ hinabsteigen würde. Erst dann sollte ich, Barabbas, auf diesen armen zerschundenen Unbekannten schauen, der an meiner Stelle nun in den Tod gehen musste … Als ich also die erste Stufe hinunterging, spürte ich plötzlich etwas wie einen leichten Ruck, zusammen mit dem Empfinden von Wärme an meiner rechten Schulter. Unwillkürlich drehte ich mich um … und war vom Blick des JesusSchauspielers, der mich nun traf, zutiefst überrascht und verwirrt! Ich fand darin nichts von all dem, was ich erwartet hatte, keinerlei Wut oder Klage. In seiner enormen Tiefe lagen vielmehr Milde, Annahme und Barmherzigkeit, ein Schleier von Liebe und Sorge um mich, Barabbas, und meinen verkommenen Zustand, das alles zusammen und in einer Weise, wie ich in meinem Leben nie zuvor angeblickt worden war! Es war ein starkes, unbeschreibliches Empfinden, das in meinem Herzen eine plötzliche Veränderung bewirkte. Und was beim Film oft mühsam ist, nämlich dieselbe Szene immer und immer wieder zu drehen, wurde für mich zur Chance, diesen Blick, der jedes Mal eindringlich war, zu vertiefen und tief aufzunehmen; den Blick eines Schauspielers, aber in ihm wohnte Gott! Ja, in diesem Blick begegnete mir der Blick Jesu.” … “Das war für mich etwas so Gewaltiges, dass mir das Herz davon heute noch vor Rührung und Betroffenheit übergeht.” … “Immer wieder sah ich mir Die Passion Christi an, die für mich zum Katechismusunterricht wurde. Vor allem die Szene vom Letzten Abendmahl ließ mich nicht los …

An einem gewissen Punkt erlebte ich die Sehnsucht, ja die dringende Notwendigkeit, die hl. Eucharistie zu empfangen. Umso größer war der Schmerz, darauf verzichten zu müssen, da ich mit einer Frau zusammenlebte, mit der ich nicht verheiratet war. Diese ungeheure Anziehungskraft brachte mich schließlich dazu, meine selbstgebastelten Ansichten zu überdenken: Noch im November desselben Jahres 2003 heirateten wir kirchlich. Seitdem haben meine Kinder einen Papa, der ein bisschen ruhiger, sanfter und lebensfroher ist. In meinem Schauspielberuf dagegen suche ich nach Wegen, dem Herrn und dem Glauben zu dienen, und das erfüllt mich mit riesengroßer Freude.”

 

 

Güterzug oder Personenzug

Zwei junge Menschen verlieben sich und beschließen zu heiraten. Das Mädchen kommt aus einem sehr reichen Elternhaus. Dort wird der junge Mann zum Abendessen eingeladen und will, wie es früher so üblich war, um die Hand der Tochter bitten. Verlegen steht er den zukünftigen Schwiegereltern gegenüber. Die wohlüberlegten Sätze sind wie weggeblasen. Schließlich spricht er von einem ungeheuren Zug, der ihn zu dem Mädchen zieht, dass der Zug immer stärker geworden ist, dass er jetzt um die Hand der Tochter bitten möchte. Der zukünftige Schwiegervater legt ihm gütig lächelnd die Hand auf die Schulter und fragt: “Dieser Zug von dem Sie da sprechen, ist das ein ‘Güterzug’ oder ein ‘Personenzug’?”

Das ist auch eine Frage, die unsere Beziehung zu Gott betrifft. Haben wir zu ihm eher einen ‘Güterzug’, weil wir uns von ihm seine Güter und Hilfen erwarten, weil er für uns ein Wünscheerfüller ist? Oder ist Gott für uns unser Herr und Vater, Freund und Vertrauter und unsere Beziehung zu ihm ein ‘Personenzug’? Gott beschenkt uns wahrlich überreich mit seinen Gaben und Gnaden. “Und was hast du, das du nicht empfangen hättest?”, sagt der hl. Paulus (1Kor 4,7). Aber haben wir auch eine ganz persönliche Beziehung zu ihm? Lieben wir ihn um seiner selbst willen, auch dann, wenn er uns seine Güter und Hilfen nicht in dem Maß und in der Weise gewährt, wie wir es wünschten? Der Sohn Gottes ist in Jesus Christus Mensch geworden und hat aus Liebe zu jedem von uns unsere Schuld getragen und Leiden und Tod auf sich genommen. Darum fragt er uns, wie damals den Petrus: “Liebst du mich mehr als diese?”

 

Meine Freude konnten sie mir nicht nehmen

Seit 1999 nimmt die Islamisierung im afrikanischen Staat Nigeria zu. Tausende Christen fielen seitdem einem religiösen Völkermord zum Opfer. In Teilen des Landes wurde die Scharia eingeführt und islamische Gruppen wie Boko Haram terrorisieren bis heute auf brutalste Art die Christen. Allein im März 2019 wurden bei Überfällen über 100 Christen getötet.

Ein beeindruckendes Glaubenszeugnis gibt uns Danjuma Shakuru, der 2016 mit 13 Jahren einen Angriff von Boko Haram wie durch ein Wunder überlebte. Heute trägt er schreckliche Narben an seinem Körper, aber auch ein strahlendes Lächeln, das einen sprachlos macht.

Danjuma erinnert sich noch genau an diesen Mittwoch Morgen. Gegen sechs Uhr hörte er Schüsse und wusste sofort, dass nun auch sein Dorf angegriffen wurde. Er und seine Nachbarn, alles gläubige Christen, lebten bislang in Frieden miteinander. Nun rannte er um sein Leben. Doch er konnte den Angreifern nicht entkommen. An jenem Tag waren es rund tausend islamische Terroristen, die sich blutrünstig auf die Christen stürzten, Häuser niederbrannten und jeden töteten, der ihnen unter die Finger kam. Danjuma erinnert sich noch daran, welchen Schmerz die Machete auslöste, die mit voller Wucht seinen Kopf traf. Dann verlor er sein Bewusstsein. Es fehlt ihm die Erinnerung daran, wie die Terroristen seinen linken Arm abhacken und sein rechtes Auge ausstechen. Er erinnert sich auch nicht daran, wie sie sein Geschlechtsteil abschneiden. Als er wieder zu Bewusstsein kommt, haben die Dorfbewohner sein Grab schon ausgehoben. Niemand kann glauben, dass der Junge überlebt hat.

Unfassbar, dass Danjuma nach all dem seinen Glauben an Gott nicht verloren hat. Er sagt: “Ich habe schon als Kind Jesus mein Leben anvertraut. Ich gehöre ihm und er sorgt für mich. Es ist ein Wunder, dass ich überlebt habe, das sagen selbst Ärzte. Gott hat nicht zugelassen, dass ich sterbe und er hält auch meine Zukunft in seiner guten Hand.” “Sie wollten mir alles nehmen, aber meine Freude konnten sie mir nicht wegnehmen. Denn die Freude kommt ganz von innen und die schenkt mir Gott jeden Tag neu.” Trotzdem ist Danjumas Leben heute ganz anders. Er trägt einen Katheter und muss immer einen Urinbeutel mit sich führen. Er wird sein Leben lang auf medizinische Hilfe angewiesen sein. Danjuma weiß, dass sein Leben nicht leicht wird: “Ich wünsche mir, dass jeder, der meine Geschichte liest, für mich betet. Aber ich hoffe auch, dass ich Menschen in ähnlichen Situationen Mut machen kann, sich Jesus zu öffnen. Gott hat uns geschaffen und er weiß genau, wie es uns geht. Lasst uns an ihm festhalten und die Liebe füreinander nicht verlieren. Gott allein weiß, wie unsere Zukunft aussieht. Aber mit ihm, dem Herrn und Retter an unserer Seite, können wir alles schaffen.”

Quelle: Vgl. https://www.jesus.ch/themen/people/portraits/302989-die_freude_am_leben_konnten_sie_mir_nicht_nehmen.html

Hoffnungslos verliebt in die selige Jungfrau Maria

Prof. Roy Schoeman wurde 1951 als Sohn jüdischer Eltern, die während des Nationalsozialismus aus Deutschland in die USA geflohen waren, in New York geboren. Seine jüdische Bildung erhielt er von prominenten strenggläubigen Rabbinern, die ihn stark für den Glauben begeistern. Er studierte am renommierten Massachusetts Institute of Technology (MIT).

Er berichtet: “Obwohl ich versuchte, meine religiöse Orientierung aufrechtzuerhalten, gab es einen fatalen Fehler, der mich bald in die Irre führte.  Ich hatte kein Verständnis für die Beziehung zwischen Religion und Moral, insbesondere der sexuellen Moral.  So vermischte sich meine Religiosität bald in die Drogen‑ und ‘freie Liebe’‑Kultur, die überhand nahm, und degenerierte bald in die unmoralische, vage Hippie‑Spiritualität der damaligen Zeit. Mein Durst nach Gott wurde lange Zeit von den falschen Tröstungen und der verführerischen Spiritualität dieser Umgebung gestillt.”

Aufgrund seiner ausgezeichneten Leistungen begann er eine glänzende Karriere als Dozent an der hochangesehenen Harvard Business School. Doch das erhoffte Glück blieb aus. Viele Jahre lang lebte er in einer schrecklichen inneren Spannung. “Indem ich die Verbindung mit Gott verloren hatte, hatte ich auch das Gespür für den eigentlichen Sinn und die Richtung meines Lebens verloren. … Nach etwa vier Jahren meiner Havard  Laufbahn wurde ich von einem Gefühl absoluter Sinnlosigkeit überwältigt, das mich fast zur Verzweiflung brachte.” Sein einziger Trost in dieser Zeit waren ausgedehnte, einsame Spaziergänge in der Natur. Auf einem Spaziergang an einem frühen Morgen Anfang Juni 1987 empfing er eine besondere Gnade, die sein Leben änderte: “Ich befand mich in der spürbaren Gegenwart Gottes und war mir Seiner unendlichen, ganz persönlichen Liebe bewusst. …” Von da an wollte er mehr über Gott erfahren. “Ich wollte Seinen Namen kennen, um zu wissen, in welcher Religion ich Ihm in aufrechter Weise dienen und Ihn anbeten könne. ‘Bitte, sag mir deinen Namen’, betete ich von nun an jeden Abend vor dem Einschlafen, ‘gleich, ob Du Buddha heißt und ich Buddhist werden muss, … oder ob Du Krishna bist und ich Hindu werden muss  solange Du nicht Christus bist und ich Christ werden muss!'”

Auf den Tag genau ein Jahr nach seiner ersten Gotteserfahrung kam die Gnade erneut zu Roy. In einem Traumgesicht wurde er in einen Raum geführt, in dem er der schönsten Frau begegnete, die er jemals gesehen hatte. Ohne dass es ihm jemand gesagt hätte, wusste er: Es ist die Jungfrau Maria! Und das, obwohl er als Jude während seines ganzen bisherigen Lebens kaum etwas von ihr gehört hatte. Die Reinheit und Liebe der schönen Frau hatten eine unbeschreibliche Ausstrahlung und Anziehungskraft. “Als ich erwachte, war ich hoffnungslos in Maria verliebt. Ich wusste, dass der Gott, der sich mir vor einem Jahr geoffenbart hatte, Christus war, und ich wünschte nichts sehnlicher, als Christ zu werden.” Auf dem zärtlichsten Weg, den man sich nur denken kann, hatte der Herr ohne Worte Roy geantwortet: “Mein Name ist Jesus. Ich bin der von den Juden erwartete Messias.” Durch Maria fand er zu Jesus und in die katholische Kirche.

Quelle: vgl.: https://www.salvationisfromthejews.com/christversion.html

Du hast dein Kreuz gefunden!

In der Stadt Siroki-Brieg in Bosnien – Herzegowina gibt es zur Feier der Hochzeit einen besonderen Brauch, dessen rechtes Verständnis dazu beiträgt, dass es dort unter den katholischen Ehen und Familien kaum Scheidungen gibt.

Wenn die Verlobten sich zur Kirche begeben, tragen sie ein Kreuz mit sich. Es wird vom Priester gesegnet und hat während des Eheversprechens eine zentrale Bedeutung: Die Braut legt ihre rechte Hand auf dieses Kreuz und der Bräutigam legt die seine darüber. So sind die beiden Hände über dem Kreuz vereint. Anschließend legt der Priester seine Stola über ihre Hände und sie versprechen sich nach dem kirchlichen Ritus die Treue. Danach küssen die Neuvermählten nicht einander, sondern das Kreuz, und sie wissen, dass sie die Quelle ihrer Liebe küssen. Nach der Trauungszeremonie nehmen die Eheleute das Kruzifix mit und geben ihm einen Ehrenplatz im Haus. Um dieses Kreuz versammelt sich dann die Familie zum Gebet.

Wenn sich also dort ein junger Mensch auf die Ehe vorbereitet, erzählt man ihm nicht, er habe seinen idealen Partner gefunden. Nein! Der Priester sagt ihm: “Du hast dein Kreuz gefunden. Es ist ein Kreuz, das du lieben und gerne tragen sollst. Du darfst es nicht wegwerfen, sondern sollst es immer liebevoll behandeln.”

Wenn man die Hände der Brautleute bei der Hochzeit auf dem Kreuz ausgestreckt sieht, versteht man: Wenn der Mann seine Frau verlässt oder die Frau ihren Mann, dann lassen sie das Kreuz los. Doch wenn man das Kreuz losgelassen hat, dann bleibt nichts mehr. Man hat alles verloren, weil man Jesus losgelassen hat. Der gekreuzigte Jesus soll aber gegenwärtig sein im Herzen der Familie.

Wenn es zu Problemen und Konflikten kommt, beten die Eheleute vor dem Kreuz, um Hilfe zu finden. Sie gehen zum Kreuz. Sie vergeben einander und schlafen nicht mit schwerem Herzen ein, denn sie nehmen ihre Zuflucht zu Jesus, dem Einzigen, der die Macht hat, sie zu retten. Die Eltern lehren ihre Kinder, jeden Tag das Kreuz zu küssen und nicht schlafen zu gehen, ohne Jesus gedankt zu haben.

 

Hl. Philipp Neri

Am 25. Mai feiert die Kirche den Gedenktag des hl. Philipp Neri. Er wurde 1515 in Florenz geboren. Mit 21 Jahren kam er nach Rom, wurde Priester und lebte dort bis zu seinem Tod in äußerster Bedürfnislosigkeit. Durch seinen gewinnenden Humor hatte er großen Einfluss, war ein beliebter Seelenführer und gründete eine Vereinigung von Weltpriestern, das Oratorium. Er wurde oft von Bischöfen konsultiert, um die Echtheit von Mystikern zu erkennen. Eines Tages im Jahre 1560 waren einige Kardinäle geteilter Meinung über eine Ordensschwester, die Visionen hatte. Philipp Neri wurde um seine Stellungnahme gebeten. Er ging zum Kloster und als diese junge Schwester zu ihm kam, sah er sie voll Wärme an und sagte: “Aber ich will nicht Sie sehen, ich will die Heilige sehen!” “Aber ich bin doch die Heilige.” – “Ah! Sie sind die Heilige? Danke schön.” Er drehte sich auf dem Absatz um und vertraute den Kardinälen an: “Ihre Visionen sind nicht von Gott …”

Der hl. Philipp Neri war auch ein großer Verehrer der Gottesmutter. Als der neapolitanische Gelehrte Kardinal Caesar Baronius, der auch zur Gemeinschaft der Oratorianer gehörte, 1572 erkrankte und dem Sterben nahe war, betete der hl. Philipp nach der letzten Ölung für das Leben seines lieben Schülers. Baronius fiel sogleich in einem tiefen Schlaf und sah im Traum wie der hl. Philipp zu Füßen des Erlösers und seiner Heiligen Mutter für ihn betete: “Herr, gib mir Baronius! Gib ihn mir zurück, ich wünsche es sehr, so sehr!” Als Jesus sich weigerte, wandte Philipp sich an Maria und nachdem Maria bei Jesus Fürbitte eingelegt hatte, wusste er sofort, dass er erhört worden war. In diesem Moment erwachte Baronius in der Überzeugung, dass er jetzt nicht sterben würde. Und tatsächlich erholte er sich noch am selben Tag und berichtete von diesem Traum.

Vielleicht trägt er doch noch Früchte

Am 3. Fastensonntag hören wir im Evangelium das Gleichnis vom unfruchtbaren Feigenbaum (vgl. Lk 13,1-9).  Der Weingärtner bittet den Besitzer, diesen Baum noch ein Jahr lang stehen zu lassen. Er wird alles versuchen: den Boden umgraben und düngen. “Vielleicht trägt er doch noch Früchte.”

Es ist nicht schwierig, dieses Gleichnis Jesu auf unser Leben anzuwenden. Es geht darum, dass wir die Zeit der Gnade jetzt erkennen und sie zu unserem ewigen Heile nützen.

Gott hat uns geschaffen und er hat uns mit der Taufe in den Garten seiner Kirche gestellt, damit wir unter dem Einfluss der Gnade, die guten Früchte der Heiligkeit hervorbringen. Durch die Sakramente, vor allem durch die hl. Messe und die Beichte, dann durch die Gebote und Weisungen des Evangeliums und durch viele andere Gnadenmittel hat jeder von uns die besten Voraussetzungen mitbekommen, damit er an seinem Lebensbaum die Früchte der Heiligkeit und Tugend hervorbringt. Der hl. Paulus hat einmal die Früchte des Heiligen Geistes genannt, die wir als Getaufte hervorbringen sollen: Es sind dies Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut und Selbstbeherrschung (vgl. Gal 5,22f). Man könnte auch noch andere gute Eigenschaften nennen.

Gott kann also ganz zu Recht von uns diese Früchte erwarten. Für jeden von uns tut er mehr als genug, er schenkt uns immer wieder seine Gnadenhilfe. Und wir sehen auch, es sind im Weinberg der Kirche schon unzählige Menschen herangewachsen, die diese Früchte gebracht haben. Denken wir an die vielen großen Heiligen.

Mit dem Gleichnis vom unfruchtbaren Feigenbaum will uns Jesus bewusst machen, dass wir uns mit der Bekehrung nicht unbegrenzt Zeit lassen können. Der Feigenbaum begreift nicht, wozu er eigentlich im Weinberg steht. Ein langes Leben ist noch keine Garantie, dass es auch Früchte bringt.

Schauen wir noch einmal auf das Gleichnis. Hier offenbart uns Jesus die ganze Barmherzigkeit und Geduld Gottes. Der Gärtner, von dem die Rede ist, ist niemand anderer als Christus selbst. Er will alles tun, er gibt uns noch ein Jahr, das heißt, er gibt uns noch einmal eine Zeit der Gnade, und das ist nichts anderes als unsere Lebenszeit, die uns geschenkt ist. Dann aber, zur Zeit der Ernte, am Ende unseres Lebens, sollen die Früchte reif sein, die dann im ewigen Leben offenbar werden.

Wir müssen uns aber bewusst bleiben: Solange wir hier in diesem irdischen Leben sind, können wir selber die Früchte der Heiligkeit nicht unmittelbar an uns sehen, sie werden erst beim Gericht Gottes offenbar. Und wenn einer sich einbildet, er wäre schon ein Heiliger oder wie man heute gerne sagt ein ‘guter Mensch’, dann ist er eher nur ein Scheinheiliger. Denn die wahren Heiligen sehen, weil sie immer auf den Herrn schauen, vor allem ihre eigene Sündhaftigkeit und die Notwendigkeit ihrer Bekehrung, damit die guten Früchte reifen.

 

Jesus aber schwieg

Alle Evangelien berichten von dem Schweigen des Herrn, als er vor den Gerichten dieser Welt stand. Reinhold Schneider schreibt darüber:

»Im Schweigen ist eine große Macht. Vorwürfe, Verleumdungen, Verdächtigungen, die unbeantwortet bleiben, fallen auf den Sprecher zurück. Die Worte der Verfolger an den Herrn bleiben gleichsam in der Luft, in der unheimlichen Leere, in der sie das Schweigen Christi festgebannt hat. Sie werden immer fragwürdiger, immer belastender, untragbarer für ihre Urheber. Mit dem, an den sie gerichtet sind, haben sie, wie all die törichten oder feindseligen Fragen, nichts zu tun. Sie sind Selbstenthüllungen derer, die sie vorbrachten. Sie sind wesenlos für den, auf den sie gezielt waren. Es ist eine seltsame Erfahrung, dass dem in Geduld Schweigenden das Recht sich zuneigt, während der andere den Worten überlassen bleibt, die er sprach. Thomas à Kempis bemerkt einmal: “Keiner tritt sicher in die Öffentlichkeit, der nicht die Verborgenheit liebt.” Diese Sicherheit war Christus in hohem Maße eigen. Sie muss in einem gewissen Maß einem jeden eigen werden. Sie wird es freilich nur dann, “wenn wir,” wie Thomas à Kempis sagt, “ohne Befleckung des Gewissens zum Schweigen zurückkehren können.” Im Schweigen liegt eine die Persönlichkeit in sich selber bildende, zugleich eine die andern formende Kraft. Das Schweigen ist sehr oft die Antwort der Wahrheit.«