Maria – Rettung in Seenot

„Plötzlich brach über dem See ein Wirbelsturm los; das Wasser schlug in das Boot und sie gerieten in große Gefahr“ (Lk 8,23), heißt es im Evangelium. Jesus hat seine Apostel durch solche Erfahrungen darüber belehrt, dass das Schifflein Petri, die Kirche, immer durch heftige Stürme und Wogen bedrängt wird. Das ist heute nicht anders. Aber auch jeder gläubige Christ wird diese Erfahrung machen, dass er mit seinem Lebensschifflein immer wieder einmal in Seenot gerät. Was können wir  in solchen Nöten tun? Der folgende Bericht zeigt uns einen Weg:

Am 25. März 1379 (Mariä Verkündigung) geriet ein Schiff aus Katalonien (Spanien) bei Cagliari (Sardinien) aufgrund eines plötzlichen Sturms in Seenot. Der Kapitän befahl, das Schiff  leichter zu machen, damit es nicht sinke. So warf man die Ladung ins Meer; darunter war eine sperrige Kiste. Von dem Moment an, als diese Kiste das Wasser berührte, legte sich der Sturm und die Kiste kam in aller Ruhe am Strand von Cagliari an. Die Brüder des Konvents, der auf dem Hügel von Bonaria (Sardinien) oberhalb vom Strand lag, öffneten die Kiste und fanden darin eine große Statue der Muttergottes, die auf einem Arm das Jesuskind trug und in der anderen Hand eine brennende Kerze hielt. Die Madonna bekam den Namen Unsere Liebe Frau von Bonaria.

Die Verehrung für die Madonna von Bonaria verbreitete sich rasch in Sardinien und unter den spanischen Seeleuten. Wenn wir also in allen Bedrängnissen Maria bitten, vor allem durch den Rosenkranz, werden wir immer Hilfe und Rettung erfahren.

 

Sie ließen alles zurück und folgten ihm

Der heilige Lukas berichtet uns im Evangelium, das wir am 5. Sonntag im Jahreskreis (C) hören, über die Berufung der ersten Jünger. Auf das Wort Jesu hin wirft Petrus die Netze aus und macht einen wunderbaren Fischfang. Petrus erkennt seine eigenen Sünden, aber der Herr beruft ihn dazu, Menschenfischer zu werden. Petrus, Jakobus und Johannes verlassen alles und folgen Jesus nach. Das ist bis heute nicht anders. Ein Priester und Missionar schildert eindrucksvoll den Weg seiner Berufung:

»Eine Berufung zum Priester ist kein Verdienst, sondern Geschenk. Es ist der Herr selbst, der ruft. Ich hatte keine gläubigen Eltern, meine Eltern waren aus der Kirche ausgetreten. Meine Kindheit verlebte ich in den Wirren der Kriegs- und Nachkriegszeit. Als ich siebzehn war und die Handelsschule besuchte, lernte ich einen Missionar kennen. Für mich wurde dieser Missionar eine Brücke zu Gott.

Ich begann mich für Kirche und Mission zu interessieren. Ich hatte viel nachzuholen. Ich war ja weder mit Kreuz, Weihwasser oder Tischgebeten aufgewachsen. Ich stellte mir selbst den Wecker, um morgens in die Messe gehen zu können. Ich las Heiligenlegenden und andere religiöse Bücher. „Seht den kleinen Pfarrer“, hänselten mich meine Geschwister. Meine Mutter meinte: „Du wirst auch noch hinter den Schwindel der Kirche kommen“. Mich beeindruckte das wenig. „Ich werde Missionar“, sagte ich eines Tages.

Das größte Problem war meine mangelnde Schulbildung. Wer Priester werden will, muss das Abitur haben, Latein und Griechisch können. Zusammen mit einem anderen Studenten erhielt ich Nachhilfestunden bei einem älteren Pfarrer. Als ich dann meine Koffer packte, fragte sich meine Mutter, was sie nur an meiner Erziehung falsch gemacht hatte. In langen Gesprächen versuchte sie, mich von diesem „Irrweg“ abzubringen. Ich könnte doch Arzt werden, Rechtsanwalt oder Architekt. Wie konnte ihr Jüngster nur auf so eine Idee kommen? Bis zur Stunde des Abschieds vom Elternhaus war ich immer noch der abenteuerliche Junge, den ein mehrjähriges Landschullager geprägt hatte. Missionar sein hatte in meinen Augen mit einem harten, entbehrungsreichen Leben zu tun. Ich sah mich auf dem Rücken eines Pferdes auf steilen Berghängen in Lateinamerika, sah mich mit dem Buschmesser einen Pfad durch den Urwald schlagen, oder als Seelsorger unter glühender Sonne im Sudan. Die vielen Bilder vor meinen Augen von damals lassen sich kaum wiedergeben.

Ich wurde wirklich Missionar, und ich bin es gern. Ich durfte den Alltag in Afrika, Peru und Brasilien kennenlernen. Meine Vorstellungen vom Leben in den Ortskirchen der Welt haben sich gewandelt. Ich durfte erleben, dass sich in meiner Mutter vor ihrem Tod eine Wandlung vollzog. Gott ist immer anwesend. Er bietet an. Er geht uns nach. Er zwingt niemanden. Aber wir sollten auf seinen Ruf hören.«

 

Die Einheit der Kirche

Vom 18. bis 25. Jänner begeht die Kirche die Gebetswoche für die Einheit der Christen. Diese Einheit der Kirche kann nur darin bestehen, dass die getrennten Christen zur Fülle des einen, heiligen, katholischen Glauben zurückkehren.  Ansonsten geschieht das, was die sel. Anna Katharina Emmerick geschaut hat:

„Ich sah eine Zeit kommen, die schrecklich war und ich bin froh, dies nicht erleben zu müssen. Ich sah die Peterskirche, als Symbol der katholischen Kirche. Um diese herum war ein tiefer Graben. Drüben standen die Protestanten. Da sah ich, wie katholische Priester, Ordensleute, usw. die Kirchen ausräumten. Altäre, Heiligenstatuen und Bilder in den Graben warfen, um diesen voll zu bringen, sich den Protestanten anzupassen, damit sie herüberkämen. Als der Graben voll war, kamen sie zwar herüber, blickten in die katholische Kirche, schlugen die Hände über dem Kopf zusammen und sagten entsetzt und enttäuscht, die können uns ja nichts mehr geben, die haben ja weniger als wir und liefen davon. Also, sie haben nur das Gegenteil erreicht.“

 

Seitdem ich begann, mich Maria anzuvertrauen, wurde ich ganz umgekrempelt

Die Gebote Gottes sind keine Beschränkung der Freiheit, sonder sie führen uns zur wahren Freiheit.

Eine Frau bezeugt das Wirken der Gnade: „Durch einen gläubigen Freund lernte ich, den Rosenkranz mehr mit dem Herzen zu beten und persönliche Bitten einzufügen. Vorher brachte ich kaum ein Gesätzchen zustande.

Ich weihte mich Jesus durch Maria nach dem Büchlein ‚Das Geheimnis Mariens‘ und machte eine Wallfahrt. Seitdem ich begann, mich Maria anzuvertrauen, wurde ich ganz umgekrempelt …

Anders ausgedrückt, ich durfte mein Leben wieder in Ordnung bringen. Vorher dachte ich, Gottes Gebote können die Lebensfreude nur beeinträchtigen und begrenzen, und ich suchte meine Freiheit außerhalb dieser Gebote. Diese sogenannte Freiheit bestand im mehrmaligen Ehebruch, der dadurch bedingten Scheidung, weiteren Beziehungen und einer zweiten Ehe. Endlich, bei Exerzitien, habe ich erstmals meinen Ehebruch gebeichtet. Und Jesus schenkte mir ganz tiefe Vergebung, Heilung und Umkehr. Ich spürte, wie unfrei ich doch gewesen war! Und daß die wahre Freiheit nur innerhalb der Gebote Gottes geschenkt wird, ebenso die tiefe Lebensfreude.

Jesus half mir, Sein Wort zu verwirklichen: ,Geh hin und sündige nicht mehr.‘ Ich lebe nun ohne Partner und spüre täglich mehr Jesu Führung durch Maria. Die regelmäßige Beichte ist mir dabei eine große Hilfe. Die Wander-Muttergottes, die ich früher ablehnte und dann doch aufnahm, brachte mir in dieser Zeit Klarheit bei wichtigen Entscheidungen.  … “

 

Das Netz ist zerrissen und wir sind frei!

Der bekannte evangelische Prediger und Schriftsteller Wilhelm Busch (1897 – 1966) berichtet in einem seiner Bücher über eine Erfahrung aus seiner Kindheit, wie er sich in einem Netz von Lügen verfangen hatte und wie er aber durch die Vergebung seines Vaters wieder frei wurde. Es ist ein anschauliches Gleichnis, wie Gott, der Herr, uns aus allen Verstrickungen in Lebenslügen und Unrecht durch das Licht der Wahrheit und Vergebung befreien will (gekürzte Fassung seines Zeugnisses):

Wilhelm war damals zwölf Jahre alt und ging ins Gymnasium, aber sehr ungern: „Ich glaube, ich war ganz einfach – faul. Jungen haben manchmal so Zeiten, in denen ihnen der ‚Ernst des Lebens‘ höchst zuwider ist. Ich weiß gar nicht recht, wie es kam – auf einmal war ich in ein richtiges Lügennetz verstrickt.“ Wilhelm hatte bei seinen Schularbeiten schlechte Noten. Aber er sagte zu Haus nichts davon, denn er hatte keine Lust, mehr zu arbeiten und Fehlendes nachzuholen.

Als sein Vater ihn nach der Schule fragte und auch seine Hefte sehen wollte, log er ihm etwas vor: „Da habe ich mich des Nachts hingesetzt und habe neue Hefte angefertigt. Dann musste ich mir Geld verschaffen, um rote Tinte zu kaufen, mit der ich die Unterschrift des Lehrers fälschte. Mein Vater bekam ein Heft mit den herrlichsten Zensuren zu sehen. Damals habe ich gelernt, dass aus jeder Lüge wenigstens zehn neue herauswachsen. Schließlich war mein ganzes Jungenleben nur noch ausgefüllt damit, zu vertuschen und zu schwindeln. Das Lügennetz wurde immer verworrener. Mich hatte eine Art Panik gepackt. Ich hätte es jetzt viel bequemer gehabt, wenn ich nur meine Schulaufgaben hätte machen müssen. Nun aber saß ich nachts und schrieb doppelte Hefte oder fälschte Entschuldigungen.“

So geriet Wilhelm in immer größere seelische Not. „Wenn meine Geschwister fröhlich spielten, dann packte mich der ganze Jammer eines verpfuschten Daseins. – Wie sollte ich je herauskommen?! Aber eines Tages brach die drohende Katastrophe herein.“ Der Postbote brachte einen Brief. „Es waren nur zwei Zeilen, in denen der Lehrer meinen Vater um eine Aussprache bat. ‚Komm, setz dich‘, sagte mein Vater, ‚und erzähl mir, was denn da los ist!‘ Nun musste ich bekennen, und aus meinem Herzen brach es heraus: All dies ganze Geknäule von Schwindel und Betrug und Lüge und Faulheit und Schmutz. Ich war selber entsetzt, als ich es nun alles so ausgebreitet vor mir sah.

Dann richtete mein Vater sich auf und sagte aus tiefster Seele: ‚Du wirst ein Nagel an meinem Sarge werden! Nun geh!‘ Und ich ging. Die Tränen flossen mir über das Gesicht, als ich die dunkle Treppe hinaufstieg zu meinem Zimmerchen.“ … „Ich war maßlos verzweifelt – über mich selbst!“

Spät am Abend kam aber sein Vater ins Zimmer und fragte leise: „‚Schläfst du schon?‘ Mir stieg ein unbändiges Schluchzen hoch. Sagen konnte ich nichts. Da kam er auf mein Bett zu … unendlich zart legte er mir die Hand auf den Kopf und sagte: ‚Nun bist du froh, dass alles im Licht ist, mein lieber Sohn!‘ Ich spürte, wie er sich herabbeugte und mir einen Kuss gab. Dann ging er.“ „Ich lag wie gelähmt. Und doch – am liebsten wäre ich herausgesprungen … ich hätte ihm um den Hals fallen mögen: ‚Mein lieber Vater!‘ Aber ehe ich dazu die Kraft fand, hörte ich seine Tür gehen.“

„Am nächsten Tag ging mein Vater zum Lehrer. Ich weiß nicht, was sie miteinander gesprochen haben. Mit gewaltigem Eifer setzte ich mich auf die Hosen und brachte zu Ostern ein gutes Zeugnis nach Hause. Niemals aber hat mein Vater wieder diese Geschichte erwähnt. Sie war ganz und gar abgetan.“

 

Lourdes – dreifache Heilung

In den Evangelien werden uns viele  Krankenheilungen berichtet, die Jesus gewirkt hat. Diese Heilungen sollten aber ein Zeichen dafür sein, dass Jesus die Macht hat, unsere Seele vom schlimmsten Übel zu erlösen und zu heilen, nämlich von den Sünden, die uns lähmen, taub und blind machen für Gott und uns ins ewige Verderben stürzen. Diese Zeichen für die Erlösung wirkt der Herr heute noch auf die Fürsprache Mariens vor allem in Lourdes.

Eines der vielen kirchlich bestätigten Wunder war die Heilung von Frau Marie Bigot (geb. 1922, Frankreich). Dieser Fall  ist einmalig in den Annalen von Lourdes: Sie hat drei aufeinanderfolgende Heilungen erlebt. 1952 kann sie im Alter von 30 Jahren nicht mehr gehen, sie hört nicht mehr und sieht nichts mehr. Sie leidet an einer schweren Form von Gehirnhautentzündung. Als sie im Oktober 1952 zum ersten Mal mit der Rosenkranzwallfahrt nach Lourdes fährt, ist sie bettlägerig und spielt mit dem Gedanken, die Blindenschrift zu lernen. Sie kehrt trotz ihrer Hoffnung ohne jede Besserung nach Hause zurück. Im folgenden Jahr kann sie während der Wallfahrt – oh Wunder! – plötzlich wieder gehen. Ein Jahr später macht sie wieder eine Wallfahrt und kann am Ende der eucharistischen Prozession am 8. Oktober 1954 wieder normal hören: „Ich habe deutlich die anderen gehört, die das Lied ‚Königin des Rosenkranzes’ gesungen haben.“ In den folgenden Stunden steht ihr noch einige Aufregung bevor: Bei der Rückreise im Zug kann sie endlich wieder sehen.

Am 11. Februar, dem Patrozinium der Bregenzer Lourdesgrotte, dürfen wir Maria besonders um ihre Fürsprache bitten für die vielen Menschen, die heute in ihrer Seele völlig gelähmt, taub und blind sind für den katholischen Glauben.

 

Komm! Dein Sohn wird geheilt werden

Ein Pfarrer aus Argentinien berichtet von seiner Erfahrung, dass die Wunder, die der Herr damals wirkte, auch heute noch geschehen. Im Buch „Das ganz normale Wunder – 100 Glaubenszeugnisse von katholischen Priestern“ schreibt er:

Am 18. September 1999 wurde mein Neffe in einen Verkehrsunfall mit einem Auto verwickelt. Er wurde sofort ins Krankenhaus gebracht in die Intensiv-Station. Er war bewusstlos wegen einer ganz schweren Kopfverletzung. Der Sicherheitsgurt hatte nicht funktioniert. Man hat ihn künstlich beatmet. Aber nach zwei Tagen sagten sie: „Es ist alles nutzlos. Er gibt kein Lebenszeichen“. Mit meinem Bruder und der Schwägerin, den Eltern des Buben, erledigten wir alles Notwendige für die Organisation des Begräbnisses. Gegen Abend kehrte ich in meine Pfarrei zurück.

Am Tag darauf wachte ich ganz früh auf, und ein Abschnitt des Evangeliums stand wie eine fixe Idee in meinem Bewusstsein, nämlich wie JESUS die blutflüssige Frau erblickt, die nur durch eine Berührung seines Mantels geheilt worden war und wie ER dann weiterging, um das Töchterlein des Jairus von den Toten zu erwecken. Ohne klar zu wissen, was ich tue, ging ich zum Tabernakel, steckte das Allerheiligste in die Burse und trug es mit mir ins Krankenhaus. Dort traf ich meinen Bruder und sagte ihm: „Komm! Dein Sohn wird geheilt werden“. Wir betraten die Intensivstation und ich hatte andauernd im Geiste und im Herzen diesen Abschnitt des Evangeliums fixiert, an den ich seit dem Morgen dachte.

Ich legte JESUS in der Eucharistie auf die Brust meines Neffen und legte ihm die Hände auf. Genau in dem Moment machte mein Neffe die Augen auf und versuchte zu reden.

Augenblicklich rannten die Ärzte herbei und während sie ihre Visite machten, gab ich das Allerheiligste Sakrament in die Burse und ohne ein Wort zu sagen, kehrte ich in meine Pfarrei zurück, um die Eucharistie in den Tabernakel zu geben. Erst jetzt kapierte ich, was da überhaupt passiert war. Ich beeilte mich, ins Krankenhaus zurückzukehren und traf meinen Neffen ohne künstliche Beatmung. Er war schon außer Lebensgefahr.

Der Gipfel dieses eucharistischen Wunders ist es dann gewesen, wie mein Neffe, nach Abschluss des Philosophie-Studiums sich entschied, ins diözesane Priesterseminar einzutreten. Im nächsten Jahr wird er zum Priester geweiht.

 

Das verlorene Armband

Das folgende Erlebnis erscheint eher simpel – und doch könnte kein Mensch solches planen, sondern nur die rettende Liebe Gottes:
Rahel erinnert sich, dass sie aufgeregt war, als sie das rote Armband kaufte. Das Band trug – eingraviert  die Aufschrift LIFE (Leben). Doch mit dem Kauf war eine gewisse Einladung verbunden, nämlich: jeden Tag für das Ende der Abtreibung zu beten. Rahel nahm diese Einladung an. Eines Tages aber verlor Rahel ihr Armband auf dem Parkplatz eines großen Einkaufszentrums.

Nur wenige Monate später begann Rahel, als Kellnerin in einem Restaurant in der Region zu arbeiten. Eines Tages kam eine Mutter mit ihrem neugeborenen Baby ins Gasthaus. Rahel hatte zu bedienen.

Als Rahel die Bestellung aufgenommen hatte, begann sie mit der Frau einen Small-Talk über deren friedlich schlafendes Töchterchen. Während des Gesprächs erhaschte ihr Blick ein rotes Armband um das Handgelenk der Frau – mit dem unverkennbaren Wort LIFE eingraviert. „Sie tragen ein LIFE-Band, nicht wahr?“, wagte Rahel zu fragen. Die Frau war zunächst etwas perplex. „Ja, ich habe es auf einem Parkplatz gefunden“, antwortete sie dann. Als sie bemerkte, daß Rahel sich für das Armband interessierte, sagte sie, es gebe mit diesem Band eine eigenartige Geschichte, die sie gerne mit ihr teilen würde. Rahel war ganz Ohr… Die Frau berichtete: Einige Monate zuvor hatte sie mit Schrecken festgestellt, daß sie schwanger war. Sie vereinbarte einen Termin für eine Abtreibung – und fürchtete sich zugleich schrecklich davor; um sich etwas abzulenken, ging sie zwei Tage vor dem Termin shoppen.

Auf dem Weg vom Parkplatz ins Einkaufszentrum sprang ihr ein rotes Armband ins Auge, das auf dem Boden lag. Sie nahm es auf und sah die Aufschrift LIFE. Schnell verstaute sie das Band in ihrer Handtasche und ging einkaufen.

Die Nacht darauf ging es der Frau sehr schlecht. Sie saß weinend in ihrem Zimmer und dachte mit Grauen an das, was sie drauf und dran war zu tun. Sie machte sich Sorgen darüber, was die Eltern wohl denken würden, und fühlte gleichzeitig die Notwendigkeit, „sich des Problems zu entledigen“. Zudem hatte sie ihr Freund verlassen. In jenem trostlosesten Moment erinnerte sie sich unversehens an das Armband in ihrer Handtasche. Sie nahm es hervor und hielt es in ihren Fingern, bis sie in einen unruhigen Schlaf fiel. Mitten in der Nacht wachte sie plötzlich auf – mit dem Wort LIFE, das ihr Herz und Verstand durchwogte. Am Morgen sagte sie den Abtreibungstermin ab.

„Ich war überwältigt von dieser unglaublichen Geschichte“, erinnert sich Rahel. „Ich konnte nur noch weinen. Dieses wunderschöne kleine Mädchen in der Babytrage vor mir wäre um ein Haar abgetrieben worden.“ Schluchzend schilderte Rahel nun der Frau, dass sie auf dem genau gleichen Parkplatzgelände vor wenigen Monaten ein LIFE-Band verloren hatte. Unter Tränen der Freude und Dankbarkeit sagte die Frau zu Rahel: „Ich danke Ihnen. Wenn Sie dieses Armband nicht verloren hätten, dann hätte ich mein wunderbares Baby nicht neben mir.“

 

Gerechtigkeit und Barmherzigkeit

Der hl. Thomas von Aquin sagt: „Gerechtigkeit ohne Barmherzigkeit ist Grausamkeit; Barmherzigkeit ohne Gerechtigkeit ist die Mutter der Auflösung.“ Beide Tugenden müssen sich gegenseitig ergänzen.

Wie die christliche Liebe beide verbindet, zeigt uns die folgende großartige Geschichte:

Von dem ehemaligen New Yorker Bürgermeister Fiorello Enrico „Henry“ LaGuardia (1882-1947) wird erzählt: Eines Tages fungierte er, wie er es zuweilen tat, als Polizeirichter. Es war ein eiskalter Wintertag, und man führte ihm einen alten, zitternden Mann vor. Anklage: Entwendung eines Laibes Brot aus einer Bäckerei. Der Angeklagte entschuldigte sich damit, dass seine Familie am Verhungern sei. „Ich muss Sie bestrafen“, erklärte LaGuardia. „Das Gesetz duldet keine Ausnahme. Ich kann nichts tun, als Sie zu zehn Dollars zu verurteilen.“ Dann aber griff er in die Tasche und setzte hinzu: „Well, hier sind die zehn Dollars, um Ihre Strafe zu bezahlen. – Und nun erlasse ich Ihnen die Strafe.“ Hierbei warf LaGuardia die Zehndollarnote in seinen grauen Filzhut. – „Und nun“, setzte er mit erhobener Stimme fort, „bestrafe ich jeden Anwesenden in diesem Gerichtssaal mit einer Buße von fünfzig Cent – und zwar dafür, dass er in einer Stadt lebt, wo ein Mensch Brot stehlen muss, um essen zu können! – Herr Gerichtsdiener, kassieren sie die Geldstrafen sogleich ein und übergeben Sie sie dem Angeklagten.“ Der Hut machte die Runde. Und ein noch halb ungläubiger alter Mann verließ den Gerichtssaal mit siebenundvierzig Dollars fünfzig Cent in der Tasche.

Er wird kommen, zu richten

Am Ende des Kirchenjahres und zu Beginn des Advents stellt uns die Kirche in den Evangelien immer wieder das zweite Kommen Christi am Ende der Zeit vor Augen. Christus wird „kommen, zu richten die Lebenden und die Toten“, heißt es im Glaubensbekenntnis. Wann das sein wird, weiß niemand. Aber wie sollen wir uns als gläubige Menschen verhalten?

Man könnte den Zustand der Welt mit einer Schulklasse bzw. einer Schulstunde vergleichen. Ein Priester erzählte aus seiner Schulzeit: Sie hatten einen Klassenlehrer, der sehr konsequent und gerecht war. Einmal hatte er dringend etwas in der Direktion zu erledigen. Er gab den Schülern eine Aufgabe, mit der sie sich still beschäftigen sollten. Er schärfte ihnen ein, dass er bald zurückkommen werde, und wenn er dann jemand nicht auf seinem Platz und bei der Arbeit findet, erhält er eine Strafe.

Am Anfang war alles ganz ruhig, jeder arbeitete. Aber nach einiger Zeit begannen die ersten zu blödeln. Die anderen mahnten noch zur Ruhe. Aber als der Lehrer immer noch nicht kam, wagten sich die ersten von ihren Plätzen. Bald war die Aufgabe vergessen und es ging drunter und drüber. Zur Sicherheit hatte man einen Aufpasser an die Tür gestellt, der sollte alle rechzeitig warnen, wenn der Lehrer komme. Doch dieser Wächter war noch der größere Spitzbub. Denn nach einiger Zeit schlug er Alarm. Alle liefen auf ihre Plätze, doch das war nur ein Fehlalarm. Dann ging das Gejohle erst richtig los. Und da die Pause nahte, meinten die meisten, der Lehrer würde sowieso nicht mehr kommen. Auch der Wächter hatte seinen Platz verlassen. Die an sich „Braveren“, die zuerst noch gearbeitet hatten, ließen sich mit der Zeit auch mitreißen. Nur einige wenige, die von den anderen als „Streber“ verspottet wurden, waren noch auf den Plätzen und machten ihre Aufgabe.

Und dann plötzlich stand der Lehrer doch da. Niemand hatte sein Kommen bemerkt. Und weil er ein guter Lehrer war, teilte er auch konsequent und gerecht die Strafen aus, die er angedroht hatte. Die einen waren froh darüber, dass der Lehrer dem ganzen Durcheinander ein Ende bereitet hatte, die anderen nicht.

Diese Begebenheit aus dem Schulalltag kann uns ein Gleichnis sein für die Situation der Welt vor dem Kommen Christi. Wie die Kinder, so sind auch wir geneigt unsere Aufgaben zu vernachlässigen, da wir den Endruck haben, Gott sei nicht da, er würde nicht kommen, es gäbe kein Gericht. „Wachet und betet, damit  ihr nicht in Versuchung fallet“, hat Jesus gesagt. Wir dürfen uns nicht vom Treiben der Welt mitreißen lassen. Wir sollen wie der „treue und kluge Verwalter“ jenen Auftrag erfüllen, den der Herr uns gegeben hat. Dann brauchen wir sein Kommen und sein Gericht nicht zu fürchten.