Die Freude nicht für sich behalten

Im Jahre 1969 wurde Professor Josef Ratzinger an der Universität Tübingen bei einer Vorlesung von den Studenten ausgebuht. Und heute, da er als Papst Benedikt XVI. wieder nach Deutschland kommt, jubeln ihm bei der Abschlussmesse am Marienfeld 1,1 Millionen junge Leute zu und hören dankbar auf seine Botschaft. Das sind die Wege Gottes! Hier Teile aus seiner Predigt:
Die Eucharistie muss Mitte unseres Lebens werden. … Es ist schön, dass in vielen Kulturen heute der Sonntag ein freier Tag ist oder gar mit dem Samstag ein so genanntes freies Wochenende bildet.

Aber diese freie Zeit bleibt leer, wenn Gott nicht darin vorkommt. Liebe Freunde! Manchmal ist es vielleicht im ersten Augenblick unbequem, am Sonntag auch die heilige Messe einzuplanen. Aber Ihr werdet sehen, dass gerade dies der Freizeit erst die rechte Mitte gibt. Lasst Euch nicht abbringen von der sonntäglichen Eucharistie, und helft auch den anderen, dass sie sie entdecken. … Mit der Liebe zur Eucharistie werdet Ihr auch das Sakrament der Versöhnung neu entdecken, in der Gottes verzeihende Güte immer wieder einen Neubeginn in unserem Leben möglich macht. …

Wer Christus entdeckt hat, muss andere zu ihm führen. Eine große Freude kann man nicht für sich selbst behalten. Man muss sie weitergeben. Heute gibt es in großen Teilen der Welt eine merkwürdige Gottvergessenheit. Es scheint auch ohne ihn zu gehen. Aber zugleich gibt es auch ein Gefühl der Frustration, der Unzufriedenheit an allem und mit allem: Das kann doch nicht das Leben sein! In der Tat nicht. Und so gibt es zugleich mit der Gottvergessenheit auch so etwas wie einen Boom des Religiösen. Ich will nicht alles schlecht machen, was da vorkommt. Es kann auch ehrliche Freude des Gefundenhabens dabei sein. Aber weithin wird doch Religion geradezu zum Marktprodukt. Man sucht sich heraus, was einem gefällt, und manche wissen, Gewinn daraus zu ziehen.

Aber die selbst gesuchte Religion hilft uns im letzten nicht weiter. Sie ist bequem, aber in der Stunde der Krise lässt sie uns allein. Helft den Menschen, den wirklichen Stern zu entdecken, der uns den Weg zeigt: Jesus Christus. Versuchen wir selber, ihn immer besser kennen zu lernen, damit wir überzeugend auch andere zu ihm führen können.

Ich bin der wahre Hirt, ich gebe mein Leben für die Schafe

Bei seiner Amtseinführung am 24. April empfing der Heilige Vater Benedikt XVI. als Zeichen seines Amtes das Pallium und den Fischerring. In seiner Predigt deutet er diese Insignien. Hier eine Abschnitt seiner Erklärung des Palliums:

Aus der Wolle von Lämmern gewoben will es das verirrte Lamm oder auch das kranke und schwache Lamm darstellen, das der Hirt auf seine Schultern nimmt und zu den Wassern des Lebens trägt. Das Gleichnis vom verlorenen Schaf, dem der Hirte in die Wüste nachgeht, war für die Kirchenväter ein Bild für das Geheimnis Christi und der Kirche. Die Menschheit, wir alle, sind das verlorene Schaf, das in der Wüste keinen Weg mehr findet. Den Sohn Gottes leidet es nicht im Himmel; er kann den Menschen nicht in solcher Not stehen lassen. Er steht selber auf, verlässt des Himmels Herrlichkeit, um das Schaf zu finden und geht ihm nach bis zum Kreuz. Er lädt es auf die Schulter, er trägt unser Menschsein, er trägt uns – er ist der wahre Hirt, der für das Schaf sein eigenes Leben gibt. Das Pallium sagt uns zuallererst, dass wir alle von Christus getragen werden. Aber er fordert uns zugleich auf, einander zu tragen. …

Das Symbol des Lammes hat aber auch noch eine andere Seite. Im alten Orient war es üblich, dass die Könige sich als Hirten ihrer Völker bezeichneten. Dies war ein Bild ihrer Macht, ein zynisches Bild: Die Völker waren wie Schafe für sie, über die der Hirte verfügt. Der wahre Hirte aller Menschen, der lebendige Gott, ist selbst zum Lamm geworden, er hat sich auf die Seite der Lämmer, der Getretenen und Geschlachteten gestellt. Gerade so zeigt er sich als der wirkliche Hirt. “Ich bin der wahre Hirte… Ich gebe mein Leben für die Schafe”, sagt Jesus von sich (Joh 10, 14f). Nicht die Gewalt erlöst, sondern die Liebe. Sie ist das Zeichen Gottes, der selbst die Liebe ist.

Wie zur Zeit Noachs

Die schreckliche Flutkatastrophe in Ostasien stellt uns die Worte Jesu lebendig vor Augen: “Wie die Menschen in den Tagen vor der Flut aßen und tranken und heirateten, bis zu dem Tag, an dem Noach in die Arche ging, und nichts ahnten, bis die Flut hereinbrach und alle wegraffte, so wird es auch bei der Ankunft des Menschensohnes sein. Dann wird von zwei Männern, die auf dem Feld arbeiten, einer mitgenommen und einer zurückgelassen. … Seid also wachsam! Denn ihr wißt nicht, an welchem Tag euer Herr kommt (Mat 24,37f).

Vielleicht denken manche: “Gott sei Dank war das nicht bei uns!” und sie gehen zur Tagesordnung über. Aber wir dürfen diese gewaltige Zeichen Gottes nicht ignorieren! Es ruft uns zur Umkehr der Herzen, zur Buße und Demut, zum Gebet und zu Taten der Liebe. Mit dem neuen Jahr schenkt uns Gott die Zeit dazu.

Anna Katarina Emmericks Vision über den Zustand der Kirche

In der Festoktave von Weihnachten 1819 hatte Anna Katarina Emmerick eine Schau der Kirche, die für uns erschreckend und tröstlich ist:

«Ich sah die Peterskirche und eine ungeheure Menge Menschen, welche beschäftigt waren, sie niederzureißen; aber auch andere, welche wieder an ihr herstellten. Es zogen sich Linien von handlangenden Arbeitern durch die ganze Welt, und ich wunderte mich über den Zusammenhang. Die Abbrechenden rissen ganze Stücke hinweg, und es waren besonders viele Sektierer und Abtrünnige dabei.

Den Papst sah ich betend und von falschen Freunden umgeben, die oft das Gegenteil von dem taten, was er anordnete. Ich sah einen kleinen schwarzen, weltlichen Kerl in voller Tätigkeit gegen die Kirche. Während die Kirche auf der einen Seite so abgebrochen wurde, ward auf der andern Seite wieder daran gebaut, aber sehr ohne Nachdruck. Ich sah viele Geistliche … Sie schienen alle kein Vertrauen, keine Lust, keine Anweisung zu haben und gar nicht zu wissen, um was es sich handle. Es war ein Jammer. Schon war der ganze Vorderteil der Kirche herunter, und nur das Allerheiligste stand noch …

Da erblickte ich aber eine majestätische Frau über den großen Platz vor der Kirche wandeln. Ihren weiten Mantel hatte sie mit beiden Armen gefasst und schwebte leise in die Höhe. Sie stand auf der Kuppel und breitete weit über den ganzen Raum der Kirche ihren Mantel, der wie von Gold strahlte. Die Abbrechenden hatten eben ein wenig Ruhe gegeben. Nun wollten sie wieder heran, konnten sich aber auf keine Weise dem Mantelraume nähern. Aber von der andern Seite entstand eine ungeheure Tätigkeit der Aufbauenden. Es kamen ganz alte, krüppelige, vergessene Männer und viele kräftige, junge Leute, Weiber und Kinder, Geistliche und Weltliche, und der Bau war bald wieder ganz hergestellt … »

Der Allerseelen-Ablass – ein Werk der Nächstenliebe

Es gehört zu den wichtigen Werken der Nächstenliebe, dass wir für die Seelen unserer Verstorbenen beten. Durch den heute vorherrschenden Heilsoptimismus bedingt, hebt man die Verstobenen nur all zu leicht in den Himmel und vernachlässigt so diese Pflichten der Liebe ihnen gegenüber.

Denn wie wir zuversichtlich hoffen, sind zwar viele in der Gnade Christi gestorben, aber mit gläubigem Realitätssinn müssen wir doch zugeben, dass sie bei ihrem Tod noch keineswegs vollendeten Heilige waren. Wie uns der katholische Glaube sagt, gewährt ihnen Gott in seiner Güte und Liebe noch eine Läuterung. Durch die schmerzliche Sehnsucht nach ihm, den sie noch nicht sehen dürfen, d.h. durch das Fegefeuer, wird die Liebe vervollkommnet, die ihnen gefehlt hat. Wir können ihnen durch Gebet und Opfer, durch die Feier der heiligen Messe durch Ablässe und persönliche Bekehrung die Läuterung erleichtern und ihnen zur Vollendung helfen.

Der heilige Augustinus hat schon um das Jahr 400 geschrieben: „Es unterliegt keinem Zweifel, dass die Verstorbenen durch die Kirchengebete und das heilsame Opfer Christi Hilfe erlangen, … und dass es den Verstorbenen zum Heile gereicht, aber nur jenen, die so gelebt haben, dass sie hoffen können, nach dem Tode Nutzen davon zu haben.“