Veronika – das wahre Antlitz Christi

Wie sah Jesus aus? Etwa wie der Schauspieler im Film “Passion”? Oder wie auf den Porträts von Albrecht Dürer oder El Greco. Sie alle haben Jesus nie gesehen. Wie also sah er aus?  Auf diese Frage gibt es eine sehr alte Antwort: es ist das Tuch mit dem “wahren Bild” Christi.

Im Gebet des Kreuzwegs heißt es an der 5. Station: Veronika reicht Jesus ein Schweißtuch dar und er prägt als Dank für ihre Liebe in dieses Tuch sein Bild ein. Aber es gibt noch andere Tradition über die Entstehung dieses Tuches. Jedenfalls geht es um dieses kleine Tuch, das ein nicht von Menschenhand gemaltes Bild des Antlitzes Jesus Christi zeigt. Es ist eine der wertvollsten Reliquien der Christenheit. Es ist die “Vera Ikona”, die wahre Ikone. Daraus ist später der Name Veronika entstanden. Der Weg des Tuches der Veronika lässt sich in den ersten Jahrhunderten geschichtlich verfolge von Jerusalem aus, wo es im Jahre 30 entstanden ist, über Edessa nach Konstantinopel bis es im Jahre 705 nach Rom kam. Bis zum Jahr 1600 wurde es in der alten Petersbasilika Kaiser Konstantins verwahrt und ausgestellt. Millionen sind nach Rom gepilgert, um diesen Schleier zu sehen.

Papst Julius II. wollte dem Christusbild im neuen Petersdoms einen würdigen Platz geben. Aber während der Bauzeit verschwand das Bild auf mysteriöse Weise aus der Stadt. Nur der Rahmen mit dem zerbrochenem altem Glas ist davon übrig und in der Schatzkammer von Sankt Peter noch heute zu sehen. Seit damals galt es als verschollen.

Aber die wertvollste Reliquie der Christenheit hängt seit 400 Jahren zwischen zwei Kristallscheiben in einem Kirchlein der Kapuziner in Manoppello, einem Bergstädtchen in den Abruzzen. Durch genaue wissenschaftliche Untersuchungen konnte nun nachgewiesen werden, dass es sich um dieses verloren geglaubte Bild handelt.

Dieses Schleierbild hat vollkommen rätselhafte Eigenschaften, die alle jene ratlos machen, die es untersuchten. Das Bild ist ca. 20 mal 40 cm groß. Es ist hauchdünn und durchsichtig wie ein Seidenstrumpf. Aus der Nähe gleicht es einem großen Diapositiv. Professor Vittori von der Universität in Bari und Professor Fanti von der Universität in Bologna haben auf mikroskopischen Aufnahmen entdeckt, dass das gesamte Gewebe keinerlei Farbspuren aufweist. Weder auf den Gewebefäden noch zwischen ihnen wurde die geringste Spur eines Farbstoffes gefunden, auch nicht bei extremer Vergrösserung. Es gibt keine materiell ermittelbaren Farbstoffe, die das Bild erklären könnten.

Professor Pfeiffer von der Universität Gregoriana in Rom ist vor Jahren der Sache im Licht der Kunstgeschichte und früher Quellen der Christenheit erstmals wissenschaftlich nachgegangen und konnte nachweisen, dass das Bild aus Manoppello Bezugspunkt für ältesten Christusbilder zuerst im Osten und dann im Westen. Die Künstler haben dieses Bild nachgemalt.

Eine deutsche Trappistin, Schwester Blandina Paschalis Schlömer, hat nachgewiesen, dass das Gesicht auf dem Tuch von Manoppello millimetergenau deckungsgleich ist mit dem schattenhaften Gesicht Jesu auf dem Grabtuch von Turin, mit den realen Maßen und Proportionen ebenso wie mit allen Verletzungen, von denen der Gekreuzigte in jenem Tuch gezeichnet ist  nur ohne die dort noch sichtbaren offenen Wunden.

Wenn wir dieses Bild des Herrn betrachten, ein “Foto“, das er uns von sich selbst auf wunderbare Weise geschenkt hat: Er zeigt uns sein Antlitz, mit den Zeichen, die ihm unsere Sünden geschlagen haben: Die rechte Wange ist geschwollen, der Bart teilweise ausgerissen, die Nase angeschlagen. Stirn und Lippen haben beim nahen Hinsehen das Rosa frisch verheilter Wunden. Und wie blickt er uns an? Nicht in Verzweiflung, nicht schmerzerfüllt, nicht zornig, sondern unerklärliche Ruhe liegt im seinem Blick, aus seinen weit geöffneten Augen kommt uns mildes Erbarmen entgegen – ein Erbarmen, das uns einlädt, die Sünden zu bereuen und das Herzen zu Gott zu bekehren.

Weihe des Dreikönigswassers

Zum Fest der Erscheinung des Herrn wird das sogenannte Dreikönigswasser geweiht. In der Kapuzinerkirche wird diese Weihe in der feierlichen Form vorgenommen, wie sie im alten Benediktionale (Buch mit den Segensgebeten) vorgesehen ist. Das Wasser wird nach einer alten Tradition deshalb zu Dreikönig geweiht, weil an diesem Tag zugleich die Taufe des Herrn gefeiert und zugleich der Hochzeit zu Kana gedacht wurde, bei der Herr Wasser zu Wein gewandelt hat. Diese drei Ereignisse: die Begegnung der drei Könige mit dem Jesuskind, die Taufe Jesus im Jordan und die Hochzeit zu Kana, sind Offenbarungen der Herrlichkeit Christi – Epiphanie – Erscheinung des Herrn. Darum ist diese Weihwasser, wenn wir es im Gauben nehmen und aussprengen, auch ein besonderes Zeichen für die erlösende Macht des Herrn. Wo Christus erscheint, da muss der Böse und sein Einfluss weichen.

Feier der Rorate-Messe

Der Advent als die Zeit der Erwartung des Geburtsfestes unseres Herrn hat eine eigene Prägung und geistliche Stimmung, die auch in der Liturgie der Kirche zum Ausdruck kommt. Einen besonderen Akzent geben dieser Zeit die sogenannten Rorate-Messen, die immer in den frühen Morgenstunden gefeiert wurden und werden.

Der Name Rorate leitet sich vom Eröffnungsvers her, mit dem die Adventmessen früher immer begannen: Rorate coeli desuper …(Jesaja 45,8; das heißt übersetzt: Tauet, Himmel, von oben …). Die Rorate-Messe ist im alpenländischen Raum meist eine Votivmesse zu Ehren Marias, in der früher auch immer das Evangelium von der Verkündigung des Herrn verlesen wurde. Sie wurde ursprünglich nur an den Samstagen der Adventszeit, mancherorts aber auch täglich gefeiert.

Heute ist es je nach örtlicher Tradition üblich, sie ein- oder zweimal in der Woche zu feiern. Man sagt: „Die Vorfreude ist die schönste Freude.“ Wenn wir uns während der Adventszeit im Gebet und in der Mitfeier der Rorate-Messen besonders mit Maria verbinden, dann wird sie uns auch jene tiefe Freude vermitteln, mit der sie die Geburt Jesu Christi erwartet hat.

Christkönigssonntag – der gute Kampf

Das Christkönigsfest erinnert uns daran, dass Jesus Christus seine Königsherrschaft über alle Menschen ausbreiten will. Sein Reich ist aber nicht von der Art dieser Welt, sondern es ist ein Reich der Liebe und der Gnade, der Gerechtigkeit und des Friedens. Aber wir müssen uns im Klaren sein: die Ausbreitung seines Königreiches ist immer mit einem Kampf verbunden. Jesus hat dies auch ausdrücklich gesagt: “Ich bin nicht gekommen, den Frieden zu bringen sondern das Schwert.”

Aber dieses Schwert ist nicht zum Kampf gegen andere Menschen bestimmt, sondern es ist ein Zeichen für den geistlichen Kampf, den wir in unserem eigenen Herzen zu führen haben.

Dieser gute Kampf geht in zwei Richtungen und entspricht ganz unserem Taufversprechen: Es gilt einerseits Widerstand zu leisten, gegen die Versuchungen zum Bösen. Der heilige Paulus sagt: “Vor allem greift zum Schild des Glaubens! Mit ihm könnt ihr alle feurigen Geschosse des Bösen auslöschen“ (Eph 6,16).

Auf der anderen Seite geht es darum, dass wir den Kampf aufgeben, den wir gegen die Wahrheit führen. Wir müssen uns Christus ergeben und uns im Glauben unterwerfen. Denn oft genug sind wir noch Widerstandskämpfer gegen seine Gnade. Aber wer sich von der Liebe Christi besiegen lässt, ist kein Verlierer.

Er hat seinen Engel gesandt!

Am 29. September feiert die Kirche das Fest der heiligen drei Erzengel Michael, Gabriel und Raphael und am 2. Oktober das Fest der heiligen Schutzengel – ein Anregung zu größerem Vertrauen auf ihre Hilfe.

In den vergangenen Jahrzehnten wurde der Glaube an die Existenz und das Wirken der heiligen Engel von vielen in der Kirche als etwas Altmodisches abgetan, das nicht in unsere “aufgeklärte” Zeit passt. Auf der anderen Seite hat die Esoterik ihre Engellehren erfolgreich propagiert. Zum Teil wird die Lehre der Kirche übernommen, aber dann vermischt mit falschen, heidnischen Lehren, die mit der Offenbarung Gottes nichts zu tun haben. Deshalb ist es wichtig, die katholische Lehre zu kennen. Wir halten am Glauben fest, dass die Engel geistige, körperlose, personale Wesen sind, die Verstand und freien Willen haben und die Gott am Anfang der Welt erschaffen hat. Ihrem ganzen Sein nach sind die Engel Diener und Boten Gottes. Sie sind dienende Geister, ausgesandt, um denen zu helfen, die das Heil erben sollen (vgl. Hebr 1,14). In der Heiligen Schrift finden wir viele Berichte über das Wirken der Engel. Denken wir an den Erzengel Gabriel, bei der Menschwerdung oder an die Engel beim Grab Christi usw. Das Leben des Herrn ist von der Anbetung und dem Dienst der Engel umgeben und er wird einst kommen in seiner Herrlichkeit “und alle Engel mit ihm” (Mt 25,31).

Gott hat jedem von uns einen Schutzengel gegeben. Im Buch Exodus wird seine Aufgabe und sein Wirken schön beschrieben. “Ich werde einen Engel schicken, der dir vorausgeht. Er soll dich auf dem Weg schützen und dich an den Ort bringen, den ich bestimmt habe. Achte auf ihn, und hör auf seine Stimme! Widersetz dich ihm nicht! Er würde es nicht ertragen, wenn ihr euch auflehnt; denn in ihm ist mein Name gegenwärtig. (Ex 23,20-21)”. Der heilige Thomas von Aquin lehrt: Wenn der hl. Engel unsere Seele geistig berührt, so erweitert er unsere Erkenntnis und Liebe; er belehrt uns, indem er unseren Verstand erleuchtet, uns dazu bewegt, die Dinge aufmerksamer zu betrachten, er ordnet die Bilder der Phantasie so an, dass sie uns einsichtiger werden, damit wir den Willen Gottes leichter erkennen. Wer im Glauben und im Gebet sich an die Engel wendet, der wird erfahren, dass sie machtvolle Helfer auf dem Weg zum ewigen Heil sind.

Das Kreuz Christi, das uns erhöht

Das Fest Kreuzerhöhung am 14. Sept. hat einen festen Platz im bäuerlichen Leben . Es ist der Tag des Almabtriebes. Die Ereignisse, die am Ursprung dieses Festes stehen, führen uns zu einer tieferen Betrachtung des Kreuze Christi.

Das Fest Kreuzerhöhung geht zurück auf die Einweihung der Grabeskirche in Jerusalem. Kaiser Konstantin hatte diese Kirche über Golgotha und über dem Grab des Herrn errichten lassen und bei der Einweihung im Jahre 335 wurde das echte Kreuzesholz erhöht, d.h. dem Volk gezeigt.

Dieses Kreuzesholz wurde durch die Initiative der heiligen Helena, der Mutter des Kaisers Konstantin, gefunden. Mit dieser Auffindung des Kreuzes ist eine wunderbare Begebenheit verbunden.

Bei den Ausgrabungen hatte die heilige Helena nicht nur ein Kreuz gefunden sondern mehrere. Man konnte nicht unterscheiden, welches das Kreuz des Herrn war. Durch ein Wunder sollte diese Frage entschieden werden. Der damalige Bischof von Jerusalem, Markarios, betete inständig zu Gott und dann berührte er mit jedem der drei Kreuze eine sterbenskrank darniederliegende Frau. Bei den ersten beiden Hölzern geschah nichts. Als er sie aber mit dem dritten Holz berührte, wurde sie augenblicklich gesund. An diesem Zeichen erkannten sie das Kreuz des Herrn.

An dieser Begebenheit offenbart sich der tiefe Sinn und die Wirkung des Kreuzes Christi in unserem Leben. Wer mit dem Kreuz Christi in Berührung kommt, d.h. wer bereit ist, im Glauben an Jesus und aus Liebe zu ihm den Weg der Kreuzesnachfolge zu gehen, das heißt, wer bereit ist, all die Mühen und Leiden, die Belastungen, die unser Leben unweigerlich mit sich bringt, vereint mit dem Herrn zu tragen, der wird Heilung, Erlösung und geistliches Wachstum, und der wird auch die Auferstehung und Herrlichkeit am eigenen Leib erfahren.
Das Schwere und Belastende in unserm Leben, die Mühen und Leiden, die über uns kommen, auch die Schuld, die auf uns wegen unser Sünden lastet, in all diesen Dingen können wir menschlich gesehen nichts Heilbringendes finden. Aber wenn wir zum Herrn gefunden haben, wenn wir an ihn glauben, uns mit seinem Kreuz vereinen, in seinem Geist den Weg der Nachfolge gehen, dann werden wir Erlösung und Heilung erfahren, das führt uns höher, das führt uns näher zu Gott.

Es gibt den schönen Ausspruch: „Die Kreuze im Leben sind wie die Kreuze in der Musik, sie erhöhen.“ Diese Wahrheit hat auch Mutter Julia Verhaeghe zum Ausdruck gebracht, wenn sie sagt:

“Das Kreuz des Herrn im Glauben getragen bricht nicht, sondern richtet auf.” Oder an anderer Stelle: “Wage es, dem Opfer ins Auge zu sehen und lebe es als eine Anteilnahme am Leben und Sterben Christi. Nur das Opfer, das in ihm gelebt wird, kann uns zum Frieden und zur Freude unseres Christseins, zur Teilnahme an der Gnade der Auferstehung und eines erneuerten Ostermorgens führen.”

Keine Auge hat es gesehen

Mit dem Fest der Aufnahme Marias in den Himmel am 15. August feiert die Kirche gleichsam ein Erntefest. Gott hat die schönste Frucht, die auf dem Acker seines Reiches gereift ist, schon ganz in die Scheune des Himmels gebracht und sie über alle Geschöpfe verherrlicht. “Wenn schon kein menschlicher Verstand, die unermessliche Herrlichkeit zu fassen vermag, die nach den Worten des hl. Paulus Gott denen im Himmel bereitet, die ihn auf Erden lieben, wer wird dann imstande sein, zu begreifen, welche Herrlichkeit seiner Mutter bereitet ist, die ihn auf Erden mehr geliebt hat als alle Menschen.” Dieser Gedanke des der hl. Bernhard von Clairvaux hat wohl das Erkennen vieler gläubiger Menschen und Lehrer der Kirche geleitet, wenn sie Maria betrachtet haben.

Für ihre leibliche Aufnahme in den Himmel gibt es zwar kein direktes biblisches Zeugnis. Auch über den Ort und Zeit ihres Heimgangs gibt es unterschiedliche Traditionen. Aber das ändert nichts daran, dass die Wahrheit von ihrer leiblichen Himmelfahrt schon immer in der Kirche geglaubt und gelehrt wurde. Das Fest Maria Himmelfahrt ist nicht nur das höchste und vornehmste, sondern auch das zeitlich erste und älteste Marienfest der Kirche. Es war aber erst unserer Zeit vorbehalten, diesen Glauben in feierlicher Form zu definieren. 1950 hat Papst Pius XII diese Lehre unwiderruflich verkündet: “Es ist eine von Gott geoffenbarte Glaubenswahrheit, dass die unbefleckte, immer jungfräuliche Gottesmutter Maria nach Vollendung ihres irdischen Lebenslaufes mit Leib und Seele zur himmlischen Herrlichkeit aufgenommen worden ist.”

Gott stellt uns Maria als Beweis vor Augen, dass er seine Verheißungen erfüllt: “Wenn der Geist dessen in uns wohnt, der Jesus von den Toten auferweckt hat, dann wird er auch unseren sterblichen Leib einmal lebendig machen, durch den Geist, der in uns wohnt” (Röm 8,11). An Maria ist schon geschehen, was wir noch erwarten. Sie wird uns helfen, nach dem Großen zu streben, das Gott denen bereitet hat, die ihn lieben.

Petersdom über dem Petrusgrab – ein Sinnbild für die Verheißung Jesu

Ein bemerkenswertes Sinnbild für die Verheißung Jesu, dass er seine Kirche auf Petrus, dem Felsen, bauen wird, ist der Petersdom in Rom. Der heilige Apostel Petrus erlitt im Jahre 64 unter Kaiser Nero das Martyrium. Er wurde mit anderen Christen im Circus des Kaligula und des Nero, der sich auf dem heutigen Petersplatz befand, gekreuzigt und im Friedhof, der neben dem Circus am Abhang des Vatikanhügels lag, in einem einfachen Erdgrab bestatte. Von Anfang an war das Grab das Ziel vieler Pilger.

Zu Beginn des vierten Jahrhunderts ließ Kaiser Konstantin über dem Grab eine große Basilika errichten. Schließlich wurde vom 15. bis zum 17. Jhd. der Petersdom gebaut, wie wir ihn heute kennen, mit der von Michelangelo entworfenen Kuppel, die sich direkt über dem Apostelgrab erhebt. Papst Pius der XII. ließ in den 40-ger und 50-ger Jahren archäologische Ausgrabungen vornehmen, die wissenschaftlich die Tradition des Petrusgrabes bestätigten.

Eine Führung durch diese Ausgrabungen mit abschließendem Gebet des Glaubensbekenntnis direkt vor dem Erdgrab ist für Rompilger oft eines der schönsten Erlebnisse, die den Glauben stärken, den schon Petrus vor Jesus bekannte: “Du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes” (Mt 16,16).

Kirche – auf dem Felsen gebaut

29. Juni: Fest Peter und Paul – Gedanken zum Petrusamt

Wir sind es gewohnt, den Papst als die Spitze der der Kirche zu betrachten. Aber nach dem Wort Jesu ist das Petrusamt das Fundament, auf dem die ganze Kirche auferbaut wird. Der Glaube des Petrus ist unser feste Grund. Die Kirche ist nicht auf Sand gebaut und sie ist auch keine Sandburg, die von den Strömungen der Zeit weggespült werden könnte. Die Geschichte der Kirche beweist uns, dass der Herr treu ist und uns auch mit Benedikt XVI. einen Felsen geschenkt hat, auf den wir bauen können. Unser Heiliger Vater, Benedikt XVI. hat in einer Predigt, die er bei der Inbesitznahme der Kathedra (des Bischofssitzes und Lehrstuhles) von Rom in der Lateranbasilika gehalten hat, die Bedeutung seines Petrusamtes sehr treffend erklärt. Hier einige wichtige Abschnitte aus seiner Predigt:

1) Dem Nachfolger Petri obliegt eine besondere Aufgabe. Es war Petrus, der als erster im Namen der Apostel das Glaubensbekenntnis ausgesprochen hat: »Du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes« (Mt 16,16). Das ist die Aufgabe aller Nachfolger des Petrus: Führer zu sein im Bekenntnis des Glaubens an Christus, den Sohn des lebendigen Gottes. Die Kathedra von Rom ist vor allem Kathedra dieses Glaubensbekenntnisses. Der Bischof von Rom ist dazu verpflichtet, von dieser Kathedra herab ständig zu wiederholen: »Dominus Iesus« – »Jesus ist der Herr«, wie Paulus in seinen Briefen an die Römer (10,9) und an die Korinther (1 Kor 12,3) schrieb.

2) Wer die Kathedra Petri in Besitz genommen hat, muß sich der Worte erinnern, die der Herr beim Letzten Abendmahl zu Petrus gesagt hat: »…und wenn du dich wieder bekehrt hast, dann stärke deine Brüder« (Lk 22,32). Der Träger des Petrusamtes muß sich bewußt sein, daß er ein zerbrechlicher und schwacher Mensch ist – wie seine eigenen Kräfte zerbrechlich und schwach sind –, der ständiger Läuterung und Umkehr bedarf. Aber er darf sich auch dessen bewußt sein, daß er vom Herrn die Kraft erhält, seine Brüder im Glauben zu stärken und sie vereint zu halten im Bekenntnis zum gekreuzigten und auferstandenen Herrn.

3) Der Bischof von Rom sitzt auf seiner Kathedra, um von Christus Zeugnis zu geben. Daher ist die Kathedra das Symbol der »potestas docendi«, jener Lehrvollmacht, die wesentlich zur Aufgabe des Bindens und Lösens gehört, die vom Herrn dem Petrus und nach ihm den Zwölf aufgetragen worden ist.
Diese Lehrvollmacht erschreckt viele Menschen innerhalb und außerhalb der Kirche. Sie fragen sich, ob sie nicht die Gewissensfreiheit bedrohe, ob sie nicht eine Anmaßung darstelle, die im Gegensatz zur Meinungsfreiheit steht. Dem ist aber nicht so. Die von Christus dem Petrus und seinen Nachfolgern übertragene Macht ist, absolut verstanden, ein Auftrag zum Dienen. Die Lehrvollmacht in der Kirche schließt eine Verpflichtung zum Dienst am Glaubensgehorsam ein. Der Papst ist kein absoluter Herrscher, dessen Denken und Willen Gesetz sind. Im Gegenteil: Sein Dienst garantiert Gehorsam gegenüber Christus und seinem Wort. Er darf nicht seine eigenen Ideen verkünden, sondern muß – entgegen allen Versuchen von Anpassung und Verwässerung sowie jeder Form von Opportunismus – sich und die Kirche immer zum Gehorsam gegenüber dem Wort Gottes verpflichten.

4) Als Katholiken sind wir alle in gewisser Weise auch Römer. Mit den Worten von Psalm 87, einem Loblied auf Zion, die Mutter aller Völker, sang Israel und singt die Kirche: »Doch von Zion wird man sagen: Jeder ist dort geboren …« (Ps 87,5). In ähnlicher Weise könnten auch wir sagen: Als Katholiken sind wir in gewisser Weise alle in Rom geboren. So will ich mit ganzem Herzen versuchen, euer Bischof, der Bischof von Rom zu sein. Und wir alle wollen versuchen, immer mehr katholisch zu werden – immer mehr zu Brüdern und Schwestern in der großen Familie Gottes, jener Familie, in der es keine Fremden gibt.

Durch das Kreuz zur Herrlichkeit

Die Auferstehung Christi ist das Zentrum unseres katholischen Glaubens

Vom Glauben an die Auferstehung Jesu Christi von den Toten hängt unser ganzes Christsein ab. Der hl. Paulus hat dies sehr tief empfunden: “Wenn aber Christus nicht auferweckt worden ist, dann ist euer Glaube nutzlos, und ihr seid immer noch in euren Sünden … Wenn wir unsere Hoffnung nur in diesem Leben auf Christus gesetzt haben, sind wir erbärmlicher daran als alle anderen Menschen” (1 Kor 15,17-19).

Warum wären wir erbärmlicher dran? Weil wir wegen der Auferstehung Christi natürlich auch an das Kreuz glauben. Wir glauben daran, dass in den Leiden, die wir in dieser Welt zu tragen haben, für uns Segen und Heil liegt und dass wir durch das Kreuz zur Herrlichkeit gelangen.

Mutter Julia Verhaeghe schreibt: „Das Kreuz des Herrn, im Glauben getragen, bricht nicht, sondern richtet auf. Der Glaube verwandelt die irdischen Dinge nicht an sich. Das Leiden bleibt schmerzlich, aber der Glaube gibt ihm einen tieferen Sinn, der uns aufruft, zur Gleichförmigkeit mit dem Herrn zu gelangen. Auch Jesus kannte die Angst vor dem Leiden. Der blutige Schweiß in Getsemani gibt Zeugnis davon, in welchem Maß er selbst gelitten hat. Dies bezeugt auch seine Bitte: ‘Mein Vater, wenn es möglich ist, gehe dieser Kelch an mir vorüber’ (Mt 26,39). Doch Jesus hat in der vollen Hingabe an den Willen des Vaters gelitten. So konnte er auch beten: ‘Aber nicht mein, sondern dein Wille soll geschehen’ (Lk 22,42).“

Die tiefste Erfahrung dessen, was es heißt, durch das Kreuz zur Auferstehung zu gelangen, können wir jetzt schon machen durch das Sakrament der Beichte. Unsere Sünden, auch die lässlichen, sind ein Kreuz, das unser Leben schwer belastet. Die Beichte selbst hat mit diesem Kreuz zu tun. Aber wer dieses Kreuz auf sich nimmt und seine Sünden in einer guten Osterbeichte bekennt, der wird eine geistliche Auferstehung erfahren.