Die verklärende Kraft des Gebetes

Gedanken zum Fest der Verklärung des Herrn am 6. August

Auf dem Weg noch Jerusalem hat Jesus durch die Verklärung auf dem Berg Tabor den Aposteln Petrus, Jakobus und Johannes seine verborgende Herrlichkeit geoffenbart. Er wollte sie auf sein Leiden und Sterben vorbereiten, damit sie, wenn sie Jesus am Kreuz sehen, nicht irre werden im Glauben an seine Macht und Gottheit.

Was Jesus mit diesen drei Jüngern getan hat, dass will der Herr auch mit uns tun. Er möchte uns zu einer neuen Sichtweise führen, in der wir die herrliche Gegenwart Gottes erkennen, die hinter dieser sichtbaren Welt verborgen ist. Es kommt in unserem Leben sehr darauf an, wie wir die Dinge sehen, in welchem Licht wir vor allem die Kreuze und Leiden sehen, damit wir nicht im Glauben an die Liebe Gottes irre werden. Die Verklärung auf dem Berg zeigt uns, wie wir zu dieser geistlichen Schau der Herrlichkeit Christi gelangen.

Das Erste ist die Übung des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe. Das ist mit den drei Aposteln angedeutet, die Jesus auf den Berg mitgenommen hat. Petrus verkörpert den Glauben; Jakobus die Hoffnung, da er als erster der Apostel das Martyrium erlitten hat; Johannes stellt die Liebe dar.

Das Zweite ist die Sammlung des Herzens. Es heißt: “Jesus nahm sie beiseite und stieg mit ihnen auf einen Berg, um zu beten.” Wir müssen unsere Seele von Christus auf diesen einsamen Berg des Gebetes führen lassen. Die Welt gaukelt uns so vieles vor. Man muss immer wieder versuchen, sich von allen möglichen Ablenkungen loszulösen, um zum Gebet zu kommen. Ein Besuch beim Allerheiligsten in der Kirche könnte für uns dieser Taborberg sein.
Ein Drittes: Es heißt im Lukasevangelium ausdrücklich, dass die Verklärung des Herrn geschah während er betete. Im Gebet liegt also die wesentliche Kraft, durch die wir zu einer tieferen Sicht des Lebens gelangen. Denn durch das Gebet wird uns die Gnade des Himmels mitgeteilt. Echtes Gebet ist in einer bestimmten Weise immer eine Verklärung des Geistes. Der heilige Franz von Sales hat dies einmal sehr schön ausgedrückt: “Das Gebet stellt unseren Geist in die Helle des göttlichen Lichtes und unseren Willen in die Wärme der göttlichen Liebe. Darum gibt es nichts, was so geeignet wäre, den Geist von seiner Blindheit und den Willen von seinen schlechten Neigungen zu reinigen wie das Gebet.”

Menschen, die sich von Christus auf den Berg des Gebetes führen lassen haben einen anderen Blick auf diese Welt, weil sie gelernt haben, alles im Lichte Gottes, in seiner verborgenen Herrlichkeit zu sehen. Und das verändert und wandelt vieles: zuerst sie selbst und dann auch die anderen.

Da gingen ihnen die Augen auf

Gedanken zum Evangelium vom Ostermontag

Wir kennen die Emmausgeschichte. Zwei Jünger gingen von Jerusalem nach Emmaus und waren nur am Jammern. Es sind 40 gebirgige Kilometer- das war ein Jammerrekord (Manfred Lütz). Diese Jünger wussten alles, aber sie hatten nichts begriffen. Sie wussten sogar schon etwas von der Auferstehung, aber diese Nachricht hatte sie innerlich nicht bewegt, sie waren ganz in der Traurigkeit gefangen. Da kam der Herr selbst zu ihnen und begann ihnen alles zu erklären. Aber sein Reden half nichts. Erst beim Brechen des Brotes, im lebendigen Sakrament der Eucharistie, gingen ihnen die Augen auf, sie erkannten den Herrn und sahen alles in einem neuen Licht. Erst jetzt wurde all ihr Wissen lebendig und sie rannten nach Jerusalem zurück, um den Aposteln Zeugnis zu geben, dass sie den Herrn gesehen hatten.

Die moderne Psychologie hat erkannt, dass man den Kranken kaum helfen kann, wenn zu sehr auf die Defizite im Leben schaut und sie analysiert. Das führt meist noch tiefer in die Depression. Viel wichtiger ist es, die guten Kräfte, Fähigkeiten und Möglichkeiten, die im Menschen stecken, zu erkennen und zu fördern, mit denen man die Probleme bewältigen kann.

So ist es auch mit unserem Glauben und mit der Kirche. Wir müssen wieder mehr von den Kräften des Glaubens und der Kirche reden und nicht all zu sehr die Dunkelheiten unserer Zeit beklagen, sondern den Blick mehr auf das Licht richten, das Jesus Christus auch in unsere Zeit gebracht hat. Dann werden uns die Augen aufgehen, und wir werden erkennen, welcher Schatz und welche Kraft unser katholischer Glaube ist. Der Glaube an den auferstandenen Herrn lässt uns diese oft traurige Welt in einem neuen Lichte sehen.

Gott ist der Herr der Geschichte und unserer Zukunft

"Blinde führen Blinde und stürzen in die Grube ", Bild des niederländischen Malers Pieter Bruegel des Älteren (1568). Unsere Vergangenheit gehört der Barmherzigkeit Gottes, unsere Zukunft der Vorsehung Gottes, unsere Gegenwart der Liebe Gottes.

Ein tief im Herzen verankertes Verlangen des Menschen ist es, etwas über die Zukunft zu erfahren. Was wird kommen für uns persönlich, für die Gesellschaft, für die Welt? Die Menschen haben seit jeher versucht, mit allen möglichen Mitteln in die Zukunft zu schauen. Aber Gott ist der Herr der Geschichte und unserer Zukunft. Er lässt sich nicht so einfach in die Karten schauen. Das zeigt auch der folgende Bericht:

Der Mainzer Mathematiker Michael Kunkel hat von 27 Wahrsagern 110 Prognosen gesammelt und ausgewertet, die für das Jahr 2005 gemacht wurden. Seine Bilanz fällt vernichtend aus: “Auch dieses Jahr muss man den Wahrsagern insgesamt ein ungenügendes Zeugnis ausstellen.” Überwiegend hätten sie “Banales, Unverständliches oder gänzlich Absurdes” vorausgesagt, findet Kunkel. Und wo sie konkret geworden seien, hätten sie sich abgesehen von Zufallstreffern geirrt.

Mit Prophezeiungen zum Tod des Papstes, die in den achtziger und neunziger Jahren zu ihrem Standardrepertoire gehörten, hielten sich die Wahrsager für 2005 erstaunlich zurück. Erst als Johannes Paul II. im Februar bereits zum zweiten Mal im Krankenhaus lag und nicht mehr sprechen konnte, wagte Martin Schmid, den Tod des Heiligen Vaters für Ende April oder Anfang Mai anzukündigen. Dieser kam dem Deuter dann aber am 2. April zuvor. Zu den weiteren FehlProphezeiungen für 2005 gehörten ein Anschlag auf USPräsident George W. Bush und ein Zusammenbruch des USDollars. Dankbar für die mangelnde Aussagekraft der Prognosen dürfte Fernsehmoderator Frank Elster sein. Die Berliner Astrologin Monika Transier hatte ihm ebenso wie dem italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi, der Schauspielerin Doris Day und dem britischen Prinz Philip ein baldiges Ableben mit konkretem Termin vorausgesagt. Trotz mehrerer Terminkorrekturen sind alle vier wohlauf. Kein einziger Astrologe, Wahrsager oder Numerologe hatte das Großereignis der Neuwahl in Deutschland vorausgesagt.

Im Katechismus der Katholischen Kirche wird uns die recht christliche Haltung zur Wahrsagerei gezeigt. Da heißt es bei der Nr. 2116: “Sämtliche Formen der Wahrsagerei sind zu verwerfen: die Indienstnahme von Satan und Dämonen, die Totenbeschwörung oder andere Handlungen, von denen man zu Unrecht annimmt, sie könnten die Zukunft “entschleiern”. Hinter Horoskopen, Astrologie, Handlesen, Deuten von Vorzeichen und Orakeln, Hellseherei und dem Befragen eines Mediums verbirgt sich der Wille zur Macht über die Zeit, die Geschichte und letztlich über die Menschen, sowie der Wunsch, sich die geheimen Mächte geneigt zu machen. Dies widerspricht der mit liebender Ehrfurcht erfüllten Hochachtung, die wir allein Gott schulden.”

Von den Wahrsagern können wir also nichts wirklich Wahres und Heilsames erfahren. Das heißt aber nicht, dass uns Gott völlig im Dunkeln belässt, was die Zukunft angeht. Im Katechismus heißt es bei der Nummer 2115: “Gott kann seinen Propheten und anderen Heiligen die Zukunft offenbaren. Die christliche Haltung besteht jedoch darin, die Zukunft vertrauensvoll der Vorsehung anheim zu stellen und sich jeglicher ungesunder Neugier zu enthalten. Wer es an notwendiger Voraussicht fehlen lässt, handelt verantwortungslos.”

In der gegenwärtigen Situation braucht man kein Hellseher zu sein, um zu erkennen was bald auf uns zukommt. Maria hat in Fatima den Kindern die prophetischen Botschaft gegeben: ” … mehrere Nationen werden vernichtet werden …”, wenn wir nicht umkehren und beten. Wenn wir nun bedenken, dass sich im Atomstreit um den Iran die großen westlichen Industrienationen einig geworden sind, nötigenfalls sogar mit “Atomwaffen!” gegen den Iran vorzugehen und alle davon reden, dass dies alles nur der “Sicherung des Friedens!” dient, dann kann uns klar werden, dass die Erfüllung dieses Wortes der Gottesmutter nicht mehr fern ist. Der Dichter Reinhold Schneider hat angesichts des 2. Weltkriegs geschrieben: “Allein den Betern kann es noch gelingen, das Schwert ob unsren Häuptern aufzuhalten, und diese Welt den richtenden Gewalten durch ein geheiligt Leben abzuringen.”

Veronika – das wahre Antlitz Christi

Wie sah Jesus aus? Etwa wie der Schauspieler im Film “Passion”? Oder wie auf den Porträts von Albrecht Dürer oder El Greco. Sie alle haben Jesus nie gesehen. Wie also sah er aus?  Auf diese Frage gibt es eine sehr alte Antwort: es ist das Tuch mit dem “wahren Bild” Christi.

Im Gebet des Kreuzwegs heißt es an der 5. Station: Veronika reicht Jesus ein Schweißtuch dar und er prägt als Dank für ihre Liebe in dieses Tuch sein Bild ein. Aber es gibt noch andere Tradition über die Entstehung dieses Tuches. Jedenfalls geht es um dieses kleine Tuch, das ein nicht von Menschenhand gemaltes Bild des Antlitzes Jesus Christi zeigt. Es ist eine der wertvollsten Reliquien der Christenheit. Es ist die “Vera Ikona”, die wahre Ikone. Daraus ist später der Name Veronika entstanden. Der Weg des Tuches der Veronika lässt sich in den ersten Jahrhunderten geschichtlich verfolge von Jerusalem aus, wo es im Jahre 30 entstanden ist, über Edessa nach Konstantinopel bis es im Jahre 705 nach Rom kam. Bis zum Jahr 1600 wurde es in der alten Petersbasilika Kaiser Konstantins verwahrt und ausgestellt. Millionen sind nach Rom gepilgert, um diesen Schleier zu sehen.

Papst Julius II. wollte dem Christusbild im neuen Petersdoms einen würdigen Platz geben. Aber während der Bauzeit verschwand das Bild auf mysteriöse Weise aus der Stadt. Nur der Rahmen mit dem zerbrochenem altem Glas ist davon übrig und in der Schatzkammer von Sankt Peter noch heute zu sehen. Seit damals galt es als verschollen.

Aber die wertvollste Reliquie der Christenheit hängt seit 400 Jahren zwischen zwei Kristallscheiben in einem Kirchlein der Kapuziner in Manoppello, einem Bergstädtchen in den Abruzzen. Durch genaue wissenschaftliche Untersuchungen konnte nun nachgewiesen werden, dass es sich um dieses verloren geglaubte Bild handelt.

Dieses Schleierbild hat vollkommen rätselhafte Eigenschaften, die alle jene ratlos machen, die es untersuchten. Das Bild ist ca. 20 mal 40 cm groß. Es ist hauchdünn und durchsichtig wie ein Seidenstrumpf. Aus der Nähe gleicht es einem großen Diapositiv. Professor Vittori von der Universität in Bari und Professor Fanti von der Universität in Bologna haben auf mikroskopischen Aufnahmen entdeckt, dass das gesamte Gewebe keinerlei Farbspuren aufweist. Weder auf den Gewebefäden noch zwischen ihnen wurde die geringste Spur eines Farbstoffes gefunden, auch nicht bei extremer Vergrösserung. Es gibt keine materiell ermittelbaren Farbstoffe, die das Bild erklären könnten.

Professor Pfeiffer von der Universität Gregoriana in Rom ist vor Jahren der Sache im Licht der Kunstgeschichte und früher Quellen der Christenheit erstmals wissenschaftlich nachgegangen und konnte nachweisen, dass das Bild aus Manoppello Bezugspunkt für ältesten Christusbilder zuerst im Osten und dann im Westen. Die Künstler haben dieses Bild nachgemalt.

Eine deutsche Trappistin, Schwester Blandina Paschalis Schlömer, hat nachgewiesen, dass das Gesicht auf dem Tuch von Manoppello millimetergenau deckungsgleich ist mit dem schattenhaften Gesicht Jesu auf dem Grabtuch von Turin, mit den realen Maßen und Proportionen ebenso wie mit allen Verletzungen, von denen der Gekreuzigte in jenem Tuch gezeichnet ist  nur ohne die dort noch sichtbaren offenen Wunden.

Wenn wir dieses Bild des Herrn betrachten, ein “Foto“, das er uns von sich selbst auf wunderbare Weise geschenkt hat: Er zeigt uns sein Antlitz, mit den Zeichen, die ihm unsere Sünden geschlagen haben: Die rechte Wange ist geschwollen, der Bart teilweise ausgerissen, die Nase angeschlagen. Stirn und Lippen haben beim nahen Hinsehen das Rosa frisch verheilter Wunden. Und wie blickt er uns an? Nicht in Verzweiflung, nicht schmerzerfüllt, nicht zornig, sondern unerklärliche Ruhe liegt im seinem Blick, aus seinen weit geöffneten Augen kommt uns mildes Erbarmen entgegen – ein Erbarmen, das uns einlädt, die Sünden zu bereuen und das Herzen zu Gott zu bekehren.

Weihe des Dreikönigswassers

Zum Fest der Erscheinung des Herrn wird das sogenannte Dreikönigswasser geweiht. In der Kapuzinerkirche wird diese Weihe in der feierlichen Form vorgenommen, wie sie im alten Benediktionale (Buch mit den Segensgebeten) vorgesehen ist. Das Wasser wird nach einer alten Tradition deshalb zu Dreikönig geweiht, weil an diesem Tag zugleich die Taufe des Herrn gefeiert und zugleich der Hochzeit zu Kana gedacht wurde, bei der Herr Wasser zu Wein gewandelt hat. Diese drei Ereignisse: die Begegnung der drei Könige mit dem Jesuskind, die Taufe Jesus im Jordan und die Hochzeit zu Kana, sind Offenbarungen der Herrlichkeit Christi – Epiphanie – Erscheinung des Herrn. Darum ist diese Weihwasser, wenn wir es im Gauben nehmen und aussprengen, auch ein besonderes Zeichen für die erlösende Macht des Herrn. Wo Christus erscheint, da muss der Böse und sein Einfluss weichen.

Feier der Rorate-Messe

Der Advent als die Zeit der Erwartung des Geburtsfestes unseres Herrn hat eine eigene Prägung und geistliche Stimmung, die auch in der Liturgie der Kirche zum Ausdruck kommt. Einen besonderen Akzent geben dieser Zeit die sogenannten Rorate-Messen, die immer in den frühen Morgenstunden gefeiert wurden und werden.

Der Name Rorate leitet sich vom Eröffnungsvers her, mit dem die Adventmessen früher immer begannen: Rorate coeli desuper …(Jesaja 45,8; das heißt übersetzt: Tauet, Himmel, von oben …). Die Rorate-Messe ist im alpenländischen Raum meist eine Votivmesse zu Ehren Marias, in der früher auch immer das Evangelium von der Verkündigung des Herrn verlesen wurde. Sie wurde ursprünglich nur an den Samstagen der Adventszeit, mancherorts aber auch täglich gefeiert.

Heute ist es je nach örtlicher Tradition üblich, sie ein- oder zweimal in der Woche zu feiern. Man sagt: „Die Vorfreude ist die schönste Freude.“ Wenn wir uns während der Adventszeit im Gebet und in der Mitfeier der Rorate-Messen besonders mit Maria verbinden, dann wird sie uns auch jene tiefe Freude vermitteln, mit der sie die Geburt Jesu Christi erwartet hat.

Christkönigssonntag – der gute Kampf

Das Christkönigsfest erinnert uns daran, dass Jesus Christus seine Königsherrschaft über alle Menschen ausbreiten will. Sein Reich ist aber nicht von der Art dieser Welt, sondern es ist ein Reich der Liebe und der Gnade, der Gerechtigkeit und des Friedens. Aber wir müssen uns im Klaren sein: die Ausbreitung seines Königreiches ist immer mit einem Kampf verbunden. Jesus hat dies auch ausdrücklich gesagt: “Ich bin nicht gekommen, den Frieden zu bringen sondern das Schwert.”

Aber dieses Schwert ist nicht zum Kampf gegen andere Menschen bestimmt, sondern es ist ein Zeichen für den geistlichen Kampf, den wir in unserem eigenen Herzen zu führen haben.

Dieser gute Kampf geht in zwei Richtungen und entspricht ganz unserem Taufversprechen: Es gilt einerseits Widerstand zu leisten, gegen die Versuchungen zum Bösen. Der heilige Paulus sagt: “Vor allem greift zum Schild des Glaubens! Mit ihm könnt ihr alle feurigen Geschosse des Bösen auslöschen“ (Eph 6,16).

Auf der anderen Seite geht es darum, dass wir den Kampf aufgeben, den wir gegen die Wahrheit führen. Wir müssen uns Christus ergeben und uns im Glauben unterwerfen. Denn oft genug sind wir noch Widerstandskämpfer gegen seine Gnade. Aber wer sich von der Liebe Christi besiegen lässt, ist kein Verlierer.

Er hat seinen Engel gesandt!

Am 29. September feiert die Kirche das Fest der heiligen drei Erzengel Michael, Gabriel und Raphael und am 2. Oktober das Fest der heiligen Schutzengel – ein Anregung zu größerem Vertrauen auf ihre Hilfe.

In den vergangenen Jahrzehnten wurde der Glaube an die Existenz und das Wirken der heiligen Engel von vielen in der Kirche als etwas Altmodisches abgetan, das nicht in unsere “aufgeklärte” Zeit passt. Auf der anderen Seite hat die Esoterik ihre Engellehren erfolgreich propagiert. Zum Teil wird die Lehre der Kirche übernommen, aber dann vermischt mit falschen, heidnischen Lehren, die mit der Offenbarung Gottes nichts zu tun haben. Deshalb ist es wichtig, die katholische Lehre zu kennen. Wir halten am Glauben fest, dass die Engel geistige, körperlose, personale Wesen sind, die Verstand und freien Willen haben und die Gott am Anfang der Welt erschaffen hat. Ihrem ganzen Sein nach sind die Engel Diener und Boten Gottes. Sie sind dienende Geister, ausgesandt, um denen zu helfen, die das Heil erben sollen (vgl. Hebr 1,14). In der Heiligen Schrift finden wir viele Berichte über das Wirken der Engel. Denken wir an den Erzengel Gabriel, bei der Menschwerdung oder an die Engel beim Grab Christi usw. Das Leben des Herrn ist von der Anbetung und dem Dienst der Engel umgeben und er wird einst kommen in seiner Herrlichkeit “und alle Engel mit ihm” (Mt 25,31).

Gott hat jedem von uns einen Schutzengel gegeben. Im Buch Exodus wird seine Aufgabe und sein Wirken schön beschrieben. “Ich werde einen Engel schicken, der dir vorausgeht. Er soll dich auf dem Weg schützen und dich an den Ort bringen, den ich bestimmt habe. Achte auf ihn, und hör auf seine Stimme! Widersetz dich ihm nicht! Er würde es nicht ertragen, wenn ihr euch auflehnt; denn in ihm ist mein Name gegenwärtig. (Ex 23,20-21)”. Der heilige Thomas von Aquin lehrt: Wenn der hl. Engel unsere Seele geistig berührt, so erweitert er unsere Erkenntnis und Liebe; er belehrt uns, indem er unseren Verstand erleuchtet, uns dazu bewegt, die Dinge aufmerksamer zu betrachten, er ordnet die Bilder der Phantasie so an, dass sie uns einsichtiger werden, damit wir den Willen Gottes leichter erkennen. Wer im Glauben und im Gebet sich an die Engel wendet, der wird erfahren, dass sie machtvolle Helfer auf dem Weg zum ewigen Heil sind.

Das Kreuz Christi, das uns erhöht

Das Fest Kreuzerhöhung am 14. Sept. hat einen festen Platz im bäuerlichen Leben . Es ist der Tag des Almabtriebes. Die Ereignisse, die am Ursprung dieses Festes stehen, führen uns zu einer tieferen Betrachtung des Kreuze Christi.

Das Fest Kreuzerhöhung geht zurück auf die Einweihung der Grabeskirche in Jerusalem. Kaiser Konstantin hatte diese Kirche über Golgotha und über dem Grab des Herrn errichten lassen und bei der Einweihung im Jahre 335 wurde das echte Kreuzesholz erhöht, d.h. dem Volk gezeigt.

Dieses Kreuzesholz wurde durch die Initiative der heiligen Helena, der Mutter des Kaisers Konstantin, gefunden. Mit dieser Auffindung des Kreuzes ist eine wunderbare Begebenheit verbunden.

Bei den Ausgrabungen hatte die heilige Helena nicht nur ein Kreuz gefunden sondern mehrere. Man konnte nicht unterscheiden, welches das Kreuz des Herrn war. Durch ein Wunder sollte diese Frage entschieden werden. Der damalige Bischof von Jerusalem, Markarios, betete inständig zu Gott und dann berührte er mit jedem der drei Kreuze eine sterbenskrank darniederliegende Frau. Bei den ersten beiden Hölzern geschah nichts. Als er sie aber mit dem dritten Holz berührte, wurde sie augenblicklich gesund. An diesem Zeichen erkannten sie das Kreuz des Herrn.

An dieser Begebenheit offenbart sich der tiefe Sinn und die Wirkung des Kreuzes Christi in unserem Leben. Wer mit dem Kreuz Christi in Berührung kommt, d.h. wer bereit ist, im Glauben an Jesus und aus Liebe zu ihm den Weg der Kreuzesnachfolge zu gehen, das heißt, wer bereit ist, all die Mühen und Leiden, die Belastungen, die unser Leben unweigerlich mit sich bringt, vereint mit dem Herrn zu tragen, der wird Heilung, Erlösung und geistliches Wachstum, und der wird auch die Auferstehung und Herrlichkeit am eigenen Leib erfahren.
Das Schwere und Belastende in unserm Leben, die Mühen und Leiden, die über uns kommen, auch die Schuld, die auf uns wegen unser Sünden lastet, in all diesen Dingen können wir menschlich gesehen nichts Heilbringendes finden. Aber wenn wir zum Herrn gefunden haben, wenn wir an ihn glauben, uns mit seinem Kreuz vereinen, in seinem Geist den Weg der Nachfolge gehen, dann werden wir Erlösung und Heilung erfahren, das führt uns höher, das führt uns näher zu Gott.

Es gibt den schönen Ausspruch: „Die Kreuze im Leben sind wie die Kreuze in der Musik, sie erhöhen.“ Diese Wahrheit hat auch Mutter Julia Verhaeghe zum Ausdruck gebracht, wenn sie sagt:

“Das Kreuz des Herrn im Glauben getragen bricht nicht, sondern richtet auf.” Oder an anderer Stelle: “Wage es, dem Opfer ins Auge zu sehen und lebe es als eine Anteilnahme am Leben und Sterben Christi. Nur das Opfer, das in ihm gelebt wird, kann uns zum Frieden und zur Freude unseres Christseins, zur Teilnahme an der Gnade der Auferstehung und eines erneuerten Ostermorgens führen.”

Keine Auge hat es gesehen

Mit dem Fest der Aufnahme Marias in den Himmel am 15. August feiert die Kirche gleichsam ein Erntefest. Gott hat die schönste Frucht, die auf dem Acker seines Reiches gereift ist, schon ganz in die Scheune des Himmels gebracht und sie über alle Geschöpfe verherrlicht. “Wenn schon kein menschlicher Verstand, die unermessliche Herrlichkeit zu fassen vermag, die nach den Worten des hl. Paulus Gott denen im Himmel bereitet, die ihn auf Erden lieben, wer wird dann imstande sein, zu begreifen, welche Herrlichkeit seiner Mutter bereitet ist, die ihn auf Erden mehr geliebt hat als alle Menschen.” Dieser Gedanke des der hl. Bernhard von Clairvaux hat wohl das Erkennen vieler gläubiger Menschen und Lehrer der Kirche geleitet, wenn sie Maria betrachtet haben.

Für ihre leibliche Aufnahme in den Himmel gibt es zwar kein direktes biblisches Zeugnis. Auch über den Ort und Zeit ihres Heimgangs gibt es unterschiedliche Traditionen. Aber das ändert nichts daran, dass die Wahrheit von ihrer leiblichen Himmelfahrt schon immer in der Kirche geglaubt und gelehrt wurde. Das Fest Maria Himmelfahrt ist nicht nur das höchste und vornehmste, sondern auch das zeitlich erste und älteste Marienfest der Kirche. Es war aber erst unserer Zeit vorbehalten, diesen Glauben in feierlicher Form zu definieren. 1950 hat Papst Pius XII diese Lehre unwiderruflich verkündet: “Es ist eine von Gott geoffenbarte Glaubenswahrheit, dass die unbefleckte, immer jungfräuliche Gottesmutter Maria nach Vollendung ihres irdischen Lebenslaufes mit Leib und Seele zur himmlischen Herrlichkeit aufgenommen worden ist.”

Gott stellt uns Maria als Beweis vor Augen, dass er seine Verheißungen erfüllt: “Wenn der Geist dessen in uns wohnt, der Jesus von den Toten auferweckt hat, dann wird er auch unseren sterblichen Leib einmal lebendig machen, durch den Geist, der in uns wohnt” (Röm 8,11). An Maria ist schon geschehen, was wir noch erwarten. Sie wird uns helfen, nach dem Großen zu streben, das Gott denen bereitet hat, die ihn lieben.