Fronleichnam – die ungebrochene Treue

monstranz-ringeDas Fronleichnamsfest ist für uns ein Fest der Freude über die Gegenwart des Herrn unter uns. Das Allerheiligste, der Leib des Herrn, wird in einer Monstranz durch die Straßen getragen und unser Ort und alle Bewohner werden gesegnet. Jesus hat durch die Eucharistie seine Verheißung erfüllt, dass er bei uns bleiben wird bis zum Ende der Welt. Er bleibt uns treu mit seiner Gnade und seinem Segen. Aber die leibliche Gegenwart des Herr im allerheiligsten Sakrament ruft uns auf, die Treue des Herrn auch mit unserer Treue zu beantworten, indem wir uns an seine Weisungen halten und ihm nachfolgen.

Im Mutterhaus der Schwestern vom armen Kinde Jesu in Aachen gibt es ein Kleinod zu sehen, das ein sehr eindrucksvolles Symbol für diese göttliche und menschliche Treue ist. Der Künstler Egino Weinert hat aus 200 Professringen von verstorbenen Ordensschwestern eine kleine Monstranz gestaltet. Die Ringe wurden so zusammengefügt, dass sie die heilige Hostie umschließen und im unteren Teil eine Standfläche bilden. Die Ringe stehen für die Berufung, die jede Schwester hatte. Sie sind ein Hinweis auf ihr lebenslanges Bemühen, in ungebrochener Treue für Jesus Christus und die Kirche zu leben. Jede Schwester hat diesen Bund mit Christus ganz persönlich gelebt, aber nicht für sich allein, sondern in Gemeinschaft mit den anderen Mitschwestern. Deshalb sind die Ringe auch miteinander verbunden. Durch die Monstranz wird aber auch sichtbar, woher die Kraft für diese Treue kommt. Sie geht von Jesus Christus selbst aus in der Gestalt der heiligen Eucharistie. Der Dienst der Schwestern, die diese Ringe trugen, lebte aus der Kraft der Eucharistie, aus dem Opfer Christi, das bei der heiligen Messe gegenwärtig wird.

So lebt auch unser Christsein aus der Eucharistie. Wenn wir suchen, uns mit dem Herrn zu vereinen, in der Sonntagsmesse oder auch in der täglichen heiligen Messe, wenn wir seine Gegenwart immer wieder suchen in der Anbetung vor dem Allerheiligsten in der Kirche, dann wird das zum unermesslichen Segen für uns und viele andere Menschen. Der hl. Augustinus sagt: “Die Eucharistie ist unser tägliches Brot: wir sollen es aber so empfangen, dass es nicht nur Nahrung für den Leib, sondern auch für die Seele sei. Seine innere Kraft ist nämlich die Einheit: wir werden aufgenommen in Seinen Leib, werden seine Glieder und sind so das, was wir empfangen.”

Das Öl der Barmherzigkeit

auferstehung-03In seiner Predigt zur Osternacht 2010 hat Benedikt XVI. eine alte jüdische Legende aus dem apokryphen Buch „Das Leben Adams und Evas“ erzählt und ausgelegt: Adam hat nach dieser Legende in seiner Todeskrankheit seinen Sohn Set zusammen mit Eva in die Gegend des Paradieses ausgeschickt, um das Öl der Barmherzigkeit zu holen, damit er mit diesem Öl gesalbt und so geheilt werde. Doch der Erzengel Michael hat ihnen gesagt, dass sie das Öl der Barmherzigkeit  nicht erhalten werden und dass Adam sterben müsse. Christliche Leser haben später an diese Rede des Erzengels ein Wort des Trostes angefügt. Der Engel habe gesagt, dass der liebreiche König Christus, der Sohn Gottes, kommen und mit dem Öl seiner Barmherzigkeit alle die salben werde, die an ihn glauben. “Das Öl der Barmherzigkeit wird von Ewigkeit zu Ewigkeit denen zuteil werden, die aus Wasser und Heiligem Geist wiedergeboren werden müssen. Dann fährt der liebreiche Sohn Gottes, Christus, in die Erde hinunter und führt deinen Vater ins Paradies, zum Baum der Barmherzigkeit.”
In dieser Legende wird die ganze Trauer des Menschen über das Verhängnis von Krankheit, Schmerz und Tod sichtbar. Aber sie zeigt uns auch die Suche und Hoffnung nach einer Medizin der Unsterblichkeit. Aber welche Wirkung müsste sie haben? Mit einer Medizin, durch die wir den Tod endlos hinausschieben könnten, wäre uns auch nicht geholfen. Ein endloses Leben hier auf der Erde würde für uns nicht ein Paradies sondern eher eine Verdammnis sein.
Das Neue der christlichen Botschaft, des Evangeliums Jesu Christi, war und ist es: Es gibt wirklich diese Medizin der Unsterblichkeit. Das Öl der Barmherzigkeit ist uns zugänglich gemacht worden durch den Tod und die Auferstehung Jesu Christi. Wer an ihn glaubt, hat das ewige Leben.
Bei unserer Taufe wurden wir mit dem Chrisamöl gesalbt, das ein Zeichen für den Heiligen Geist ist. Der Heilige Geist schenkt uns einerseits die Vergebung der Sünden und andererseits das ewige Leben. Das heißt, dieses Öl der Barmherzigkeit, der Heilige Geist, bewirkt, dass wir alles, was die Seele krank macht und ihr den Tod bringt, ablegen und überwinden. Der hl. Paulus zählt einmal auf, was uns zerstört und den ewigen Tod bringt: “Unzucht, Unsittlichkeit, ausschweifendes Leben, Götzendienst, Zauberei, Feindschaften, Streit, Eifersucht, Jähzorn, Eigennutz, Spaltungen, Parteiungen, Neid und Missgunst, Trink- und Essgelage und Ähnliches mehr“ (Gal 5, 19ff). Der Heilige Geist bewirkt hingegen, dass unser Leben jene Früchte hervorbringt, die ewig bleiben: “Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut und Selbstbeherrschung” (Gal 5, 22f). Wenn wir aus der Kraft des Öles der Barmherzigkeit leben, leben wir ewig.

 

Wie Ninive gerettet wurde

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Am 2. Februar feiert die Kirche das Fest der Darstellung des Herrn bzw. Maria Lichtmess. Jesus wurde von Maria und Josef in den Tempel gebracht, und der greise Simeon und die Prophetin Hanna haben Jesus als den verheißenen Erlöser erkannt und gepriesen. Wer an Jesus Christus glaubt und ihm nachfolgt, hat das Licht des Lebens.

Am 3. Sonntag im Jahreskreis (B) hören wir in der ersten Lesung aus dem Buch Jona, dass der Prophet Jona im Auftrag Gottes der Stadt Ninive den Untergang ankündigen musste. Die Einwohner von Ninive haben in Sack und Asche Buße getan und sich von ihren bösen Wegen abgewendet. Deshalb hat Gott Ninive vor der Strafe des Untergangs verschont.

So können wir für unsere Zeit die Frage stellen: Kann das Ninive unserer Tage, das heißt unsere Kultur und Gesellschaft, noch gerettet werden?
“Es muss etwas kommen. So kann es nicht mehr lange weitergehen!” Das sagen die einfachen Leute, die sich über den Zustand unserer Welt ihre Gedanken machen. Damit wollen sie keine Unheilspropheten sein. Das sagt ihnen der nüchterne Hausverstand. Das Schwert hängt bedrohlich über unseren Häuptern. Wird es noch vierzig Tage dauern oder beginnt es schon übermorgen. Die Leute wissen es auch nicht. Allen aber sitzt irgendwie die Angst im Nacken. Aber diese Angst führt nicht wirklich zur Bekehrung der Herzen. Es sind kaum Zeichen der Umkehr zu sehen. Die Gleichgültigkeit gegen Gott und die Ablehnung des christlichen Glaubens und der Gebote Gottes wird immer größer. Die Kirchen werden leerer, die Beichtstühle nur mehr von ganz wenigen aufgesucht.

Am Anfang des öffentlichen Wirkens Jesu steht auch der Ruf zur Umkehr: “Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahe. Kehrt um, und glaubt an das Evangelium!” (Mk 1,15) Jesus Christus ist gekommen die Barmherzigkeit und Liebe Gottes zu offenbaren und eine Zeit der Gnade auszurufen. Wer an Jesus Christus glaubt, sich von seinen Sünden abwendet, der wird bei Gott Vergebung und Rettung finden. Das hat Jesus sehr eindrucksvoll gezeigt, als er zu jener Frau sagte, die wegen Ehebruch gesteinigt werden sollte: “Auch ich verurteile dich nicht. Geh und sündige von jetzt an nicht mehr!” (Joh 8,11).

Das ist die Botschaft unserer Erlösung, die bis heute ihre Gültigkeit behält. Die Umkehr des Herzens ist auf jeden Fall unsere Rettung, gleich was auch sonst über uns kommen mag.

Denn an Jesus Christus zu glauben hat immer mit einer Bekehrung zu tun, mit einer Änderung unseres Lebens. Das kann man an den großen Bekehrungsgestalten wie der hl. Maria Magdalena, dem hl. Paulus, der hl. Augustinus und anderen sehen. Bekehrung und Besserung des Lebens bleibt für uns eine beständige Lebensaufgabe.

Keiner ist so schlecht, dass er nicht umkehren könnte. Aber auch keiner ist so gut, dass er nicht besser werden könnte.

 

Das Talent nicht vergraben

Jesus-Christus-pantokrator-st-paulAm 33. Sonntag im Jahreskreis (A) hören wir im Evangelium das Gleichnis von den Talenten, die der Gutsherr an seine Diener verteilt, damit sie mit diesen Talenten für ihn wirtschaften und arbeiten. Das Gleichnis ist einerseits tröstlich, da die tüchtigen und treuen Diener, die dem Herrn einen Gewinn gebracht haben, so großzügig belohnt werden. Aber auf der anderen Seite ist es auch erschütternd und nicht leicht zu verstehen, warum der letzte Diener so empfindlich bestraft und in die äußerste Finsternis hinausgeworfen wird, weil er sein Talent vergraben und ohne Gewinn zurückgegeben hat. Wie ist das zu verstehen?

Man könnte hier mit einer Quizfrage beginnen: “Was ist das? Je mehr man es verschenkt und verschwendet, umso mehr besitzt man davon. Je mehr man es für sich behält, umso weniger wird man davon haben.” Das Geld kann es nicht sein. Es ist vielmehr die göttliche Gabe der Liebe. Die Liebe ist es, die sich in unseren Herzen vermehrt, wenn wir sie an andere verschenken. Wenn man sie für sich behält, wird man immer ärmer. Dieser Gedanke ist wichtig, wenn wir das Gleichnis von den Talenten verstehen wollen.

Jeder Mensch hat von Gott verschiedene Gaben und Fähigkeiten bekommen, mit denen er arbeiten kann und für die er verantwortlich ist. Unter den vielen Talenten, die wir besitzen können, ist aber sicher das eine, nämlich die Fähigkeit zu lieben. Gott hat jedem Menschen ein Herz zum Lieben gegeben – die Fähigkeit Gott und die Menschen zu lieben. Am Ende unser Tage werden wir von Gott nach dem Maß unserer Liebe gefragt, ob sie sich in unserem Herzen vermehrt hat. Der letzte Diener hat seinen Herrn nicht geliebt und deshalb sein Talent vergraben. Die treuen Diener aber haben ihren Herrn geliebt und deshalb ihre Talente vermehrt.

Der heilige Johannes Chrysostomus sagt: “Nichts ist Gott so angenehm wie ein Leben im Dienst des Mitmenschen. Dazu hat uns Gott die Sprache, die Hände und Füße, Leibeskraft, Vernunft und Verstand gegeben, damit wir all diese Gaben zum eigenen Heil und zum Nutzen unserer Mitmenschen gebrauchen.”

Gott hat jedem von uns dieses eine Talent anvertraut. Verschwenden wir es an die anderen, dann wird es sich vermehren und wir können zuversichtlich sein, dass wir einmal nicht mit leeren Händen von unserem Herrn stehen. Dann wird er auch zu uns sagen: “Sehr gut, du bist ein tüchtiger und treuer Diener. … Komm, nimm teil an der Freude deines Herrn!”

 

Die erwarteten Früchte bringen

weintraubenAm 27. Sonntag im Jahreskreis hören wir im Evangelium das Gleichnis von den bösen Winzern, das Jesus den Hohenpriestern und den Ältesten des Volkes erzählt hat. Die bösen Winzer wollen dem Besitzer des Weinbergs die erwarteten Früchte nicht abliefern. Sie misshandeln seine Boten und töten sogar seinen Sohn. Auf die Frage Jesu, was der Herr mit solchen Winzern tun wird, müssen sogar die sonst geistlich verhärteten Hohenpriester und Ältesten zugeben: “Er wird diesen bösen Menschen ein böses Ende bereiten und den Weinberg an andere Winzer verpachten, die ihm die Früchte abliefern, wenn es Zeit dafür ist.” Jesus wollte mit diesem Gleichnis den Führenden seines Volkes vor Augen halten, was geschieht, wenn sie ihn als Sohn Gottes und sein Evangelium ablehnen. “Das Reich Gottes wird euch weggenommen und einem Volk gegeben werden, das die erwarteten Früchte bringt.” Was Jesus im Gleichnis dargestellt hat, das ist auch so eingetroffen. Das Reich Gottes ist dem Volk des neuen Bundes übergeben worden. Die Kirche ist nun der Weinberg des Herrn, der alle Heilsmittel bietet, damit die Früchte der Heiligkeit wachsen können. Der hl. Paulus hat aufgezeigt, was die Früchte des Heiligen Geistes sind, die wir als Getaufte hervorbringen sollten: Es sind dies Gottesliebe, Freude, Friede, Geduld und Langmut, Güte, Milde und Sanftmut, Treue und Bescheidenheit, Enthaltsamkeit und Keuschheit usw. An den unzähligen Heiligen, die die Kirche hervorgebracht hat, sind diese Früchte des Heiligen Geistes tatsächlich in reichem Maße gewachsen.
Aber angesichts des Glaubensverfalls in unserer Zeit müssen wir uns die Frage stellen, ob nicht auch in unseren Ländern das Wort des Herrn in Erfüllung gehen wird: “Das Reich Gottes wird euch weggenommen … ” Gott hat Geduld. Das zeigt Jesus im Gleichnis von den Winzern. Er will den Bösen kein böses Ende bereiten, sondern er will, dass sie umkehren und leben. Die Umkehr zu Gott beginnt immer mit dem Gebet. Der Dichter Reinhold Schneider hat einmal sehr treffend gesagt: “Nur den Betern kann es noch gelingen, das Schwert ob unseren Häuptern aufzuhalten.” Der Oktobermonat ist in besonderer Weise dem Rosenkranzgebet geweiht. Dieses Gebet hat eine große fürbittende und wandelnde Kraft. Das hat sich in der Geschichte der Völker, aber auch im persönlichen Leben vieler Menschen schon oft bestätigt. Der Oktobermonat ist für uns eine Einladung, uns diesem Gebet mit größerer Liebe zu widmen, damit wir dem Herrn die erwarteten Früchte bringen können.

Wachsen lassen bis zur Ernte

ernteAm 16. Sonntag im Jahreskreis  hören wir im Evangelium das Gleichnis vom Unkraut und vom Weizen auf dem Feld. Die Zeit der Kirche, in der wir jetzt stehen, ist die Zeit der Aussaat und des Wachstums. Jesus ist der Sämann, der den Acker der Kirche bestellt. Durch seinen Geist, sein Wort und die Sakramente werden wir zu Kindern seines Reiches und dürfen in der Heiligkeit wachsen. Aber auch der böse Feind, der Teufel, sucht seinen Samen, das heißt seinen Ungeist auszusäen, wie zum Beispiel Unglauben, Hass, Hochmut und Lüge, so dass die Menschen zu “Söhnen des Bösen” werden. So wächst beides auf dem Acker der Kirche: Unkraut und Weizen.

“Sollen wir gehen und es ausreißen?”, fragen die Diener. “Lasst beides wachsen bis zur Ernte”, antwortet der Gutsherr.

Wir möchten gerne schnelle Lösungen herbeiführen, jetzt schon Gericht halten und jene, die uns als die Bösen und Störenden, die Schwierigen und Unerträglichen erscheinen, beseitigen. Aber Gott denkt anders. Am Ende der Zeit wird es sicher ein Gericht geben, in dem die Bösen von den Guten endgültig getrennt werden, aber jetzt ist noch die Zeit der Gnade und des Wachsens.

Gott hat Geduld mit uns, denn er will nicht den Tod des Sünders, sondern dass er umkehrt und lebt. Auch Jesus sagt von sich, dass er nicht gekommen ist, um zu richten, sondern um zu retten, indem er die Bosheit dieser Welt und die Sünden der Menschen geduldig und aus Liebe erträgt bis zu seinem Tod am Kreuz. Er verzichtet darauf, seinem Leiden durch das Herbeirufen von zwölf Legionen Engeln ein schnelles triumphales Ende zu setzen.

Diese Geduld Gottes mit dem “Unkraut”, d.h. mit dem Geheimnis der Bosheit in der Kirche, fordert auch unsere Geduld heraus. Aber wenn wir in der Nachfolge Christi mit ihm geduldig die Leiden ertragen, die durch die Bosheit des Teufels verursacht werden, so dürfen wir mit Christus mitwirken an der Erlösung vieler.

Wir könnten zum Beispiel fragen: Warum hat Gott dem hl. Paulus nicht früher die Gnade der Bekehrung geschenkt? Die junge Gemeinde der Gläubigen hatte lange unter seinen Verfolgungen zu leiden. Stefanus musste seinetwegen sogar das Leben lassen.

Warum wurde die hl. Monika auf eine so lange Geduldsprobe gestellt, bis ihr Sohn, der hl. Augustinus, sich bekehrte? Sie hatte lange zu leiden unter den Irrwegen ihres Sohnes. Man könnte noch viele andere Beispiele aufzählen. Es geht immer um das Geheimnis der Erlösung. Der hl. Franz von Sales sagt: “Denke oft daran, dass der Heiland uns durch Leiden und Dulden erlöst hat; auch wir können unser Heil nur wirken durch Leiden und Kummer, durch möglichst geduldiges Ertragen der Unannehmlichkeiten.”

 

Mir ist alle Macht gegeben

auferstandener-mueselbDer auferstandene Herr hat vor seiner Himmelfahrt den Aposteln den Auftrag übergeben: “Geht zu allen Völkern und macht alle Menschen zu meinen Jüngern” (Mt 28,19). Das ist ein gewaltiger Auftrag, der alle menschlichen Kräfte übersteigt. Aber nicht aus eigener Kraft sollten die Apostel zu den Menschen gehen, sondern im Vertrauen auf die Macht des Herrn. Denn Jesus sagt ausdrücklich: “Mir ist alle Macht gegeben im Himmel und auf der Erde.”
Was meint Jesus mit dieser Macht? Es ist nicht die Macht der Waffen. Es ist nicht die Macht des Geldes. Es ist auch nicht die Macht der Werbung oder einer raffinierten Verführung. Nein, die Macht Jesu ist von anderer Art.
1) Seine Macht besteht zunächst in der Wahrheit, da er selber die Wahrheit ist. Was Jesus gelehrt, gesagt und getan hat, das ist die erlösende Wahrheit. Die Wahrheit kann eine Zeitlang niedergehalten werden. Sie kann verdreht, verschleiert und totgeschwiegen werden. Die Menschen können oft lange mit der Lüge leben. Aber irgendwann setzt sich die Wahrheit durch, und jeder Mensch steht vor der Wahl, ob er sie annimmt oder sich ihr verschließt. Darum ist unser Zeugnis für die Wahrheit des Evangeliums so wichtig, damit der Same des Wortes zur Stunde Gottes aufgehen kann.
2) Die Macht des Herrn besteht zweitens in der Macht seiner Liebe, d.h. in der Macht seiner Gebote. Nur jene Gemeinschaften – angefangen bei der kleinen Zelle der Familie bis hin zum Staat – die auf Christus und seine Gebote aufbauen, können letztlich Bestand haben. Diese Macht der Liebe Christi ist es, die die Welt zusammenhält. Deshalb wird auch keine Tat und keine Mühe umsonst sein, zu der wir in dieser Liebe Christi bereit sind.
3) Die Macht Jesu besteht drittens in der Macht seines Leidens und Kreuzes. Er hat gesagt: “Wenn ich von der Erde erhöht bin, werde ich alle an mich ziehen” (Joh 12,13). Der Herr hat für die von ihm gepffenbarte göttliche Wahrheit und Liebe, freiwillig Leiden und Tod auf sich genommen. Das ist die stärkste Macht, die die Herzen der Menschen erobert und anzieht. Die Leiden dieser Welt, das Kreuz und den Tod sind eine Frucht der Lüge und der Sünden gegen Gott. Wir können sie nur als einen schlimmen Fluch erfahren und ansehen.
Aber die göttliche Macht Christi besteht darin, dass er durch sein Kreuz und seine Auferstehung diesen Fluch für uns in Segen verwandelt hat. Im Kreuz Christi, in seinem Leiden sind wir gesegnet. Wer an ihn glaubt, für den wird das Kreuz und Leiden nicht zur niederdrückenden Last, die sein Leben zerstört, sondern zum Segen.
Das ist die Macht, mit der der Herr die Menschen an sich zieht. Der heilige Paulus sagt voll Freude: “Christus will ich erkennen und die Macht seiner Auferstehung und die Gemeinschaft mit seinen Leiden; sein Tod soll mich prägen. So hoffe ich, auch zur Auferstehung von den Toten zu gelangen” (Phil 3,10).

Die Macht der Auferstehung

Jesus-auferstandenZu Ostern feiern wir die Auferstehung des Herrn von den Toten. Der hl. Paulus hat sehr tief erkannt, was die Auferstehung  für unser Leben bedeutet. Er sagt: “Christus will ich erkennen und die Macht seiner Auferstehung und die Gemeinschaft mit seinen Leiden; sein Tod soll mich prägen” (Phil 3,10). Wir können uns fragen: Was sind die Zeichen, an denen wir diese Macht seiner Auferstehung in unserem Leben erkennen?

1) Ein erstes Zeichen ist die Unzufriedenheit mit unserem gegenwärtigen Zustand, das Verlangen nach Heiligkeit, das Streben nach der Reinigung des Herzens. “Strebt nach dem, was im Himmel ist”, sagt der hl. Paulus. Menschen, die selbstzufrieden sind, die sich selber für gut halten und nicht spüren, dass sie ihr Leben bessern und von ihren Sünden umkehren müssten, bleiben gleichsam als Tote im Grabe liegen.

Die heilsame Unruhe, die der Heilige Geist schenkt, weckt uns auf und bringt durch Selbsterkenntnis und Reue neues Leben der Gnade in unsere Seele. Das führt uns zu einem weiteren Zeichen für die Kraft der Auferstehung:

2) Es ist der Mut zum Neubeginn. Der hl. Franz von Sales sagt: “Es gibt kein besseres Mittel, um sich im inneren Leben zu vervollkommnen, als immer wieder anzufangen und nie zu glauben, schon genug getan zu haben.” Dieser Mut zum Neubeginn konkretisiert sich einerseits in der hl. Beichte. Da wird der Stein der Sünden weggewälzt und wir können in der Kraft der Gnade neu beginnen. Aber der Mut zum Neubeginn zeigt sich auch in Zeiten der inneren Prüfung, vor allem wenn es darum geht, unseren Mitmenschen die Fehler und Beleidigungen zu verzeihen und den Frieden wiederherzustellen

3) Ein drittes Zeichen unserer inneren Auferstehung ist das Vertrauen auf die liebende Vorsehung Gottes. Er hat ja für unser Leben schon alles vorgesehen, was zu unserem Heile dient.

Die letzten Worte Jesu am Kreuz waren: “Vater, in deine Hände lege ich meinen Geist.” Und die Antwort des Vaters auf die Hingabe seines Sohnes war die Auferstehung. Der hl. Augustinus sagt: “Denen, die Gott lieben, verwandelt er alles in Gutes, auch ihre Irrwege und Fehler lässt Gott ihnen zum Guten werden.”

Das große Problem des Menschen ist nicht seine Schwachheit, sondern sein fehlendes Vertrauen in diese Kraft Gottes, die uns auferweckt. Vertrauen ist Demut. Entmutigung ist Stolz.

Die besondere Gnade der Karwoche und Osterzeit ist es, dass wir das Leiden und Sterben mit Christus bewusst mitzuerleben suchen, damit auch die Kraft seiner Auferstehung an uns wirksam wird.

 

Kommt her, folgt mir nach!

berufung_apostel_petrus_andre_hiAm 3. Sonntag im Jahreskreis hören wir im Evangelium von der Berufung der ersten Apostel. Mit dieser Berufung hat Jesus begonnen, die Kirche aufzubauen. Das Wort Kirche leitet sich vom Griechischen her und bedeutet übersetzt, die vom Herrn aus der Welt Herausgerufenen. “Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt und dazu bestimmt, dass ihr euch aufmacht und Frucht bringt und dass eure Frucht bleibt”, sagt der Herr (Joh 15,16).

Er hat damals den Petrus und Andreas, den Jakobus und Johannes von ihren Familien und ihrem Beruf weggerufen. Er hat sie nicht gefragt, ob es in ihre Lebensplanung passt. Er sagte zu ihnen einfach: “Kommt her! Folgt mir nach!” Sie sollten von nun an Menschenfischer sein. Und sie taten es. Sie ließen alles zurück: Familie, Arbeit, Freunde, Kollegen und gingen mit ihm.

Was Jesus damals getan hat, das ist bis heute so geblieben. Die Kirche baut immer auf Menschen auf, die sich ganz von Jesus Christus in Dienst nehmen lassen.

Man könnte hier alle Priester und Ordensleute befragen, wie sie dazu gekommen sind, Priester zu werden oder in einen Orden einzutreten. Sie werden immer davon erzählen, dass sie in ihrem Herzen die drängende Einladung verspürt haben, ihr ganzes Leben Gott zu schenken, in die Nachfolge Christi zu treten und auf die Ehe zu verzichten.

Ein Priester hat einmal berichtet. Er sollte den kleinen Familienbetrieb seiner Eltern übernehmen. Alles war gut geplant. Er hatte den Beruf gelernt, hatte Praxis erworben. Da plötzlich, gegen alle Lebensplanung, verspürte er den Ruf, Priester zu werden. Konnte er den Eltern das antun? Es war ein schwerer Kampf in seinem Herzen, bis er sich zum Priestertum entschieden hatte. Nach einigen Konflikten haben auch die Eltern zugestimmt. Heute sind sie froh über seinen Weg.

Als Jesus die ersten Jünger rief, werden sich die Menschen gefragt haben: Woher hat er das Recht, Familien zu zerreißen, Menschen so an sich zu binden? Die Frage stellt sich bis heute.
Wenn Jesus nur ein Mensch wäre, hätte er kein Recht dazu. Aber da er der Sohn Gottes ist, gilt von ihm und seinem Ruf: “Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen.” So ruft Jesus heute noch und sagt: “Komm, folge mir nach!” Das Opfer, das er verlangt, ist freilich nicht sinnlos. Denn wer Ihm nachfolgt, wird von Ihm zu
den Menschen zurückgeschickt, um ihnen zu dienen und ganz für sie da zu sein. Wie Er selber es tat und immer noch tut.

 

Mitwirken im Heilsplan Gottes

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Ein Engel des Herrn erschien Josef im Traum und sagte: Josef, Sohn Davids, fürchte dich nicht, Maria als deine Frau zu dir zu nehmen; denn das Kind, das sie erwartet, ist vom Heiligen Geist. Mt 1,20

Am 4. Adventsonntag hören wir im Evangelium von den Umständen der Geburt Jesus Christi, wie sie der Evangelist Matthäus schildert. Er stellt uns vor allem das Mitwirken des hl. Josef mit den Heilsplänen Gottes vor Augen. Der hl. Josef hatte ein fügsames und formbares Herz. An ihm leuchten uns jene Haltungen auf, die auch für unser Leben wichtig sind, damit Gott seine Heilspläne erfüllen kann.
1) Das erste ist die Bereitschaft, den Willen Gottes anzunehmen und ihm zu gehorchen. Der hl. Josef hatte zwar seine eigenen Pläne. Er dachte daran, sich von Maria ohne weiteres Aufsehen zu trennen, um Maria nicht öffentlich bloßzustellen. Aber als der Engel ihm den Auftrag gab, Maria zu sich zu nehmen und für Jesus Ziehvater zu sein, hat er sich ohne Widerrede in diesen Plan gefügt.
Gott hat auch seine Pläne mit uns. Die entscheidende Frage ist, ob wir uns bereitwillig einfügen lassen in die Dinge, wie er sie vorgesehen hat. Solange wir unseren eigenen Willen eigensinnig durchzusetzen suchen, werden wir immer eine Unzufriedenheit und Unruhe im Herzen haben. Der Friede und die Ruhe des Herzens kommen immer aus der freiwilligen Hingabe an die weisen Fügungen seiner Vorsehung, wie sie sich auch in den kleinsten Dinge zeigen.
2) Eine weitere wichtige Haltung ist die Bereitschaft zum Dienen. Jesus sagt: “Wer von euch groß sein will, der sei der Diener aller.” Das sehen wir am hl. Josef verwirklicht. Als er erfahren hat, was der Plan Gottes war, hat er sich nicht beleidigt zurückgezogen, weil alles ganz anders kam, als er es sich vorgestellt hatte, sondern er hat sich mit ganzer Kraft und Verantwortung für Maria und Jesus hingegeben. Wir machen oft den Fehler, dass wir uns aus falscher Demut oder aus Bequemlichkeit genau dann zurückziehen, wenn unser Dienst gebraucht wird. Die Bereitschaft zum Dienen ist wichtig für unser Wachstum in Glaube, Hoffnung und Liebe.
3) Als Drittes können wir vom hl. Josef die Haltung der Diskretion und des Schweigens lernen. Diskretion ist die Fähigkeit, im rechten Augenblick zu schweigen oder zu reden zum Heil und Nutzen unserer Mitmenschen ohne dass wir uns selber in den Mittelpunkt stellen. Jesus sagt: “Wovon das Herz voll ist, davon spricht der Mund”
(Mt 12,34). Wenn es uns gelingt, durch Gottes Gnade in unser Denken und Fühlen das rechte Schweigen zu bringen, werden wir auch im Geist der Unterscheidung zur rechten Zeit das Richtige sagen oder schweigen können.
Der hl. Josef war gehorsam, dienstbereit und schweigsam. In dieser Haltung hat er am Erlösungsplan Gottes mitgewirkt und er gibt uns ein Vorbild, dass auch wir diese Tugenden erstreben.