Liebe, die sehend macht

Frau Hagspiel berichtet: Ein Schulkind erzählte ihr von einer Frau, die abtreiben “muss”. Diese ist aber dann doch bereit, ihr Kind auszutragen, wenn Frau Hagspiel es nehmen und sich um alles Weitere kümmern würde. Frau Hagspiel sagt zu. Nach der Geburt wird ihr das Kind übergeben mit dem Hinweis, sie müsse mit ihm zu einem Augenarzt, denn die Augen seien ganz dick verklebt. Der Arzt dort eröffnet ihr: “Wissen Sie, dass das Kind blind ist?!” Tatsächlich: Die Augen haben wohl eine Pupille, aber keine Iris. Alles ist weiß. Frau Hagspiel ist verzweifelt. Wie komme das? Der Arzt erklärt: Lehnt eine Mutter ihr Kind die ganze Schwangerschaft hindurch ab, so könne es zu einer Unterversorgung eines Organs kommen. Frau Hagspiel geht erschüttert heim. Nun sei es wohl auch nichts mit dem Pflegeplatz denke sie und behält das Baby.

Bald darauf bekommt sie von einer befreundeten Ärztin einen Tipp: “Du könntest versuchen, die Schwangerschaft nachzuholen.” Wie das möglich sei, erkundig sich Frau Hagspiel. “Wenn Du dazu bereit bist, dann trage das Baby Tag und Nacht an Deinem Körper”, sagt die Freundin. Und das macht Frau Hagspiel dann auch: Tag und Nacht, Monate hindurch trägt sie die Kleine an ihrem Körper. Beim nächsten Besuch meint der Arzt: “Sie kommen ja da mit einem anderen Kind. Dieses kann ja sehen.”

Das Wunder war geschehen: Die Iris hatte sich nachgebildet! Später trennt sie sich von diesem Kind besonders schwer und sie hätte es gerne adoptiert, aber es soll in einer Familie mit Vater aufwachsen. Es tat ihr immer weh, darüber zu sprechen.

Vater und Mutter meines Glaubens

Der Vater (meines Glaubens) redete nicht über den Glauben, er lebte ihn als Bauer. Er ging voran, er war der Vorbeter der Familie und dieses Vorrecht hätte er sich nie nehmen lassen. Das tägliche dreimalige Tischgebet, der Samstagrosenkranz, der Sonntagsgottesdienst. Immer ging er uns voran. Sein Glaube war stark, herb, männlich. Der Vater steht mir auch als Zeuge des Glaubens noch deutlich vor Augen. Es war „in jener Zeit..“ (der Herrschaft Hitlers). Wir saßen gerade beim Mittagessen, da kommt der Ortsgruppenleiter (Voll-Nazi, natürlich aus der Kirche ausgetreten). Das Essen ist zu Ende. Wir Kinder saßen auf Nadeln. Wird nun der Vater aufstehen und den Engel des Herrn vorbeten oder nicht – wegen der Gegenwart des (nicht ganz ungefährlichen) Nazibosses? Aber der Vater stand auf und betete mit fester und ruhiger Stimme den Angelus. Dieses offene Bekenntnis hat die Achtung vor meinem Vater und meinem eigenen Glauben ungemein gestärkt.

Die Mutter (meines Glaubens) hat die Liebe zu Gott, zur Eucharistie, zum heiligsten Herzen Jesu und zu unserer himmlischen Mutter in unsere Herzen gelegt, nein hineingeboren. Der Glaube braucht auch Wärme. Die kam von der Mutter. Ja, man kann den Glauben wie die Muttermilch einsaugen. Die Herz-Jesu-Freitage (bzw. die Sonntage danach) mit der heiligen Beichte und Kommunion schrieben sich tief in unsere Herzen. Im Mai nahm uns die Mutter in das “Obergemach”, die Elternkammer, hinauf und hielt mit uns vor einer einfachen Lourdesstatue kleine Maiandachten. Die Blumen für den kleinen Maialtar brachten wir. Meiner Mutter schrieb ich (mit 18 Jahren) meinen Herzenswunsch: Ich möchte Priester werden! So wurde mein Beruf “geboren”. Und woher hatte die Mutter ihren Glauben und das nötige Glaubenswissen? Die Mutter ging – mit wenigen Ausnahmen – jeden Sonntag zur Frühmesse um 6 Uhr. Da gab es keine Predigt und die heilige Messe war natürlich in Latein, eine Stillmesse. Ein Gebetbuch gab es und den Rosenkranz. Damit hat man ja den ganzen Glauben in der Hand (Kardinal Meisner).

Noch ein vielsagendes Ereignis. Als ich junger Priester war, kam ich im Urlaub heim und feierte in der Frührnesskapelle die heilige Messe. Mit großer Freude war die Mutter dabei. Ich, der ich “liturgisch bewegt” war, schenkte ihr einen Volksschott. Einige Zeit benützte sie diesen (aus Liebe zu mir), dann gab sie ihn wieder zurück. “Ach, ich bleibe doch lieber beim Rosenkranz. Mit dem schmerzhaften Rosenkranz kann ich das Messopfer am besten verstehen und mitfeiern …”

Alterzbischof Dr. Georg Eder

Weitergabe des Glaubens in der Familie

Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm

Dieses Sprichwort hat seine Gültigkeit auch in der Weitergabe des Glaubens. Wenn wir heute bei den Kindern und Jugendlichen einen starken Rückgang in der Glaubenspraxis erleben – es sind nur mehr wenige, die an Sonntag zur Kirche gehen – dann liegt das nicht an den Kindern und Jugendlichen, weil sie anders oder schlechter wären als früher, sondern am Glauben der Eltern und Erwachsenen. Wenn die Eltern (oder oft auch die Großeltern) echte, überzeugende Vorbilder sind, dann werden die Kinder in den meisten Fällen in den Glauben ihrer Eltern hineinwachsen und ihn auch später praktizieren.

Ein Familienvater hat seine Erfahrung einmal so ausgedrückt: „Man kann die Kinder erziehen wie man will, am Ende machen sie uns doch alles nach.“ Das entspricht genau dem was der heilige Ignatius von Antiochien (+ 117) schon gesagt hat:„Du erziehst durch das, was du sagst, noch mehr erziehst du durch das, was du tust; am meisten erziehst du durch das was du bist.“

Es ist und bleibt eine Tatsache, dass die Eltern (oder auch Großeltern) für die Kinder immer die Erstverkünder des Glaubens sind. Was sie in der Familie tun oder auch nicht tun, das kann durch keinen Religionsunterricht, durch keine Kinder- und Jugendarbeit der Kirche ersetzt werden. Diese Verantwortung können die Eltern nicht abschieben.

Aber jene Eltern, die sich dieser Verantwortung bewusst werden, empfinden oft eine gewisse Ratlosigkeit, was soll sie tun und wie sie diese Weitergabe des Glaubens angehen sollten. Aus den guten Erfahrungen, die gläubige Eltern in unserer schwierigen Zeit gemacht haben (sie arbeiten mit dem Referat für Ehe und Familie der Erzdiözese Salzburg zusammenarbeiten), seine nur einige Elemente aufgezählt:

Familiengebet: Den kleinen Kindern das „Jesukindlein“ beizubringen ist gut, aber noch zu wenig. Sie sollen persönlich beten lernen. Es bereitet selbst den Kleinsten keine Schwierigkeit, auch die Grundgebet zu lernen, (sie sind alle im Rosenkranz enthalten). Wichtig ist, dass die Kinder erleben: die Eltern beten selber miteinander, auch ohne die Kinder.

Hausaltar: Wichtig ist ein Ort in der Wohnung, wo sich das Kreuz, Marienbild usw. befinden; der auch gemäß der Festzeiten (z.B. Weihnachten, Ostern …) geschmückt wird, und wo man sich zum gemeinsamen Gebet versammelt.
Sonntagskultur: Der Tag des Herrn mit der Feier der Sonntagsmesse soll sich von den Wochentagen unterscheiden: z.B. am Samstag Abend schon beginnen mit dem gemeinsamen Lesen der Lesungen der Sonntagsmesse (zu finden im Schott-Messbuch), Ordnung machen, Tischschmuck, Sonntagskleidung, gemeinsames Essen, gemeinsamer Ausflug …

Glaubensunterweisung: Die natürlichen Gelegenheiten aufgreifen (bei Tisch, beim Abwaschen, wenn sie von der Schule kommen …), um mit ihnen zu sprechen: Drei wichtige Themen, sollten immer wieder einmal vorkommen: der Glaube, die Politik und auch die Sexualität, damit sie von den Eltern das Richtige erfahren. Die Kinderbibel vorlesen und erklären; regelmäßige Besuche in der Kirche (außer den Gottesdiensten) zum Gebet vor dem Allerheiligsten, zum Erklären wichtiger Elemente (die Sakramente, Ehrfurcht …).

„Stille Post“ – oder Neuanfang im Glauben?

Die Kinder spielen “Stille Post”. Thomas denkt sich ein Wort und sagt es dem Nächsten leise ins Ohr. So geht das Wort reihum. Die Spannung steigt. Nun sagt Michaela, die Letzte in der Runde, das Wort, das sie gehört hat, und Thomas spricht das ursprüngliche Wort aus. Und dann lachen alle. Es ist etwas ganz anderes geworden. Wie ist es aber mit dem Wort Gottes? Wie ist das mit unserem Glauben? “In meiner Jugend sind wir jeden Sonntag in die Kirche gegangen, da hat es nichts anderes gegeben; und zu Hause wurde jeden Samstag am Abend der Rosenkranz gebetet”, erzählt eine ältere Frau und Mutter. „Aber die Zeiten haben sich geändert. Wegen der vielen Arbeit hatte ich oft keine Zeit mehr, doch meine Kinder habe ich immer zur Kirche geschickt. Seit sie groß sind und selber Kinder haben, kümmern sie sich aber kaum mehr darum.“ Hier ist auch eine „Stille Post“ abgegangen – innerhalb von wenigen Generationen. Man wundert sich, was am Ende herauskommt. Doch jede Generation kennt auch die Mutigen, die die Kette dieser Stillen Post unterbrechen. Für diese Mutigen, die die Fülle des katholischen Glaubens hören wollen, hier ein Hinweis, wo sie ausgezeichnete Hilfen für die Glaubensweitergabe in der Familie finden:

Referat für Ehe und Familie – Erzdiözese Salzburg, 5020 Salzburg, Dreifaltigkeitsg. 12, Tel.: 0662/ 879613 , Internet: www.kirchen.net/familie