Sie sind ein guter Mensch! – Über die Macht des guten und bösen Wortes

Pfarrer Urs Keusch aus der Schweiz berichtete einmal von einem Gespräch mit einem alten, einsamen Mann. dem er jeden Monat am Herz-Jesu-Freitag die hl. Kommunion brachte. Ihm war das Bild einer Frau aufgefallen, das auf einem Kasten stand und manchmal mit ein Blümlein geschmückt war.

Einmal fragte der Pfarrer ihn: “Ist das Ihre Mutter?” – “Nein”, sagte er, “von meiner Mutter habe ich kein Bild.” Nach einer Weile erzählte er: “Das ist das Bild einer Frau, der ich während ein paar Jahren jeden Herbst das Holz gemacht habe, gesägt, gespalten und in den Schopf getragen. Das letzte Mal, bevor sie starb – ich sehe sie noch heute vor mir, als wär’ es gestern gewesen – gab sie mir zum Abschied ein Stück Kuchen, schaute mir in die Augen und sagte zu mir: ,Sie sind ein guter Mensch!’

Ich lief zu meinem Fahrrad, ich war wie benommen. ,Sie sind ein guter Mensch!’, das hat sie mir gesagt, ,Sie sind ein guter Mensch!’ Mein ganzes Leben lang bin ich mit meinem Fahrrad nie mehr so leicht den Berg hinaufgefahren wie damals. Es war mir, als bliese aller Wind der Welt in meinen Rücken. Immer hörte ich diese Worte: ,Sie sind ein guter Mensch!’

Wissen Sie, so etwas hat mir sonst den ganzen Lebtag niemand gesagt, im Gegenteil. Immer hieß es zu Hause, als ich noch ein Kind war, aber auch später: ,Aus Dir wird nie etwas!’ Und so war es dann auch, obwohl ich meinen Eltern das Gegenteil beweisen wollte. Es ist mir alles daneben gegangen, ich hatte nie Glück. Alles endete irgendwie in einer Katastrophe. Heute bin ich, wie Sie sehen, ein gebrochener Mann, ich lebe einsam und manchmal auch gottverlassen. Manchmal frage ich mich, wozu noch leben? Wenn mir manchmal die Erinnerungen an mein kaputtes Leben hochkommen, dann schaue ich mir das Bild dieser Frau an. Dann ist mir manchmal, als sage sie auch heute zu mir: ,Sie sind ein guter Mensch!’ Dann spüre ich in mir wieder so eine Freude, und dann mag ich wieder leben.

Sie glauben es vielleicht nicht, aber es ist so: Diese Frau hat mich am Leben gehalten bis heute. Ich hätte mich schon mehr als einmal am liebsten umgebracht. Aber dieses Wort dieser Frau lässt es mich nicht tun. Und manchmal denke ich mir: Vielleicht bin ich doch nicht so schlecht. Vielleicht hat auch der Himmel ein wenig Erbarmen mit mir.”

Im Anfang vieler tragischer Lebensgeschichten steht oft ein böses, ein herzloses, ein unbeherrschtes, ein niederreißendes Wort: “Aus Dir wird nie etwas! Du taugst zu nichts!” Und dieses Wort wird Fleisch. Es drängt zu seiner Verwirklichung. Als aber Christus getauft wurde, sprach sein Vater voll Liebe über Sein Kind: “Das ist mein vielgeliebter Sohn” (Mt 3,17). Das ist das erlösende Wort der Liebe, das wir für unsere Kinder im Herzen haben sollten – aber auch für jeden Menschen.

Heilung in Lourdes – Ich habe eine Stimme gehört, die mir Mut machte

Als die Gottesmutter in Lourdes der hl. Bernadette erschien, hat Maria ihr Kommen bald durch wunderbare Heilungen bestätigt. Lourdes ist bald zu einem Wallfahrtsort für die Kranken geworden und viele haben durch die Fürsprache Mariens Heilung und Trost erfahren. Im vergangenen Jahr 2009 ist wieder eine wunderbare Heilung geschehen, die von den Ärzten als wissenschaftlich unerklärbar bezeichnet wurde. Die 50-jährige Italienerin Antonia Raco aus Francavilla (Süditalien) hatte an der Nervenkrankheit “Gehrig‑Syndrom“ (Amyotrophe Lateralsklerose – ALS) gelitten und war die letzten vier Jahre im Rollstuhl gesessen. Am ersten August nahm sie mit anderen Kranken an einer Wallfahrt ihrer Diözese nach Lourdes teil. Ihre Angehörigen hatten ihr die Reise geschenkt, weil sich ihr Zustand immer mehr verschlechterte. Antonia Raco hatte ein Bad im Wasser der Quelle genommen, die der jungen Seherin Bernadette Soubirous 1858 von Maria gezeigt wurde. „Als ich ins Wasser gestiegen bin, habe ich eine Stimme gehört, die mir Mut machte, und einen starken Schmerz in den Beinen gespürt. Ich spreche lieber von einem Geschenk, einer Gnade, als von einem Wunder“, berichtet sie. „Seitdem ich von Lourdes zurückgekehrt bin, kann ich gehen, ich bin nie müde und ich fühle keinen Schmerz. Es ist, als hätte ich eine zweite Chance bekommen“, sagte Antonia Raco. Mittlerweile wurde sie in dem Turiner Krankenhaus Molinette von dem bekannten Neurologen Adriano Chió untersucht, bei dem sie bereits seit 2006 in Behandlung war. Chiò sagte nach der Untersuchung, dass ihr Fall wissenschaftlich unerklärbar sei. „Ich habe niemals etwas Ähnliches bei ALS‑Patienten gesehen. Die Diagnose war eindeutig. Die Krankheit kann sich verlangsamen, aber wir denken nicht, dass sie besser werden kann, weil sie die Nerven irreversibel schädigt. Ich selbst werde einige Zeit brauchen, dieses Phänomen zu verarbeiten“, bekannte der Arzt. Als er Antonia Raco im Juni zum letzten Mal untersuchte, habe sie im Rollstuhl

Bernhard Lehner – Diener Gottes

Im Dezember 2009 hat die Heiligsprechungskongregation einstimmig den heroischen Tugendgrad für den „jugendlichen Diener Gottes“ Bernhard Lehner erklärt. Anfang der 1950-er Jahre wurde in der Diözese Regensburg das Seligsprechungsverfahren für ihn eingeleitet.

Im Leben von Bernhard Lehner, der nur 14 Jahre alt wurde, finden sich keine außergewöhnlichen Taten, aber er hat das Alltägliche mit außergewöhnlicher Gottesliebe getan.

Bernhard wurde 1930 als Sohn eines Schreiners im niederbayerischen Herrngiersdorf geboren. Schon als Volksschüler besuchte er fast täglich die heilige Messe. Sehr früh kam in ihm der Wunsch auf, Priester zu werden. 1941 durfte er in das Seminar Obermünster in Regensburg eintreten. Als sein Grundsatz galt: „Im Beten der Frömmste, im Studieren der Fleißigste und im Spielen der Fröhlichste.“ Anfang Dezember 1943 erkrankte Bernhard an septischer Diphtherie. Sein Zustand verschlechterte sich zunehmend. Gerade in der Krankheit und auf dem Sterbebett ist er über sich selbst hinausgewachsen. “Heiligmäßig” erschien er allen, die ihn pflegten und ihn noch besuchen durften. Bei vollem Bewusstsein starb er am 24. Januar 1944. Überliefert sind seine Worte: „Lasst mich doch sterben. Wer wird denn weinen, wenn man in den Himmel kommt!“ Sein Leben und Sterben, seine Liebe zu Gott und den Nächsten hinterließen einen starken, nachhaltigen Eindruck. Er wurde zum Vorbild für Kinder und Jugendliche. In der Not der Nachkriegszeit verbreitete sich sein Ruf als Fürsprecher bei Gott. 13 000 Gebetserhörungen wurden bisher gemeldet.

Weihnachten – dem Stern folgen

In Evangelium wird uns von den Weisen berichtet, von den drei Königen, wie wir sie volkstümlich nennen, die geführt von einem Stern den Erlöser suchten und in Betlehem fanden. Es gibt aber auch eine alte Legende von einem vierten König.

Es hieß Coredan (=der-das-Herz-Schenkende). Er war mit den anderen drei Königen aufgebrochen, um den neugeborenen König zu suchen. Doch unterwegs verlor er seine Gefährten aus den Augen, da er immer wieder den armen Menschen half, die ihm auf dem Weg begegnet waren. Er schenkte ihnen auch alle seine Schätze, die er dem Kind bringen wollte, und wurde schließlich selber ein Armer. Zuletzt ließ er sich noch als Galeerensträfling für einen Familienvater, der um sein Leben flehte, anketten.

Erst nach vielen, vielen Jahren kam er völlig ausgezehrt und erschöpft vor die Tore Jerusalems, er hatte die Hoffnung aufgegeben, jemals den König zu finden, den er gesucht hatte. Da sah er, wie Soldaten und eine große Volksmenge drei Männer hinausführten und auf dem Hügel vor der Stadt kreuzigten.

Plötzlich erschien über dem mittleren Kreuz wieder der Stern, dem Coredan am Anfang gefolgt war. Coredan schleppte sich hin zu diesem Kreuz und sah hinauf. Da aber traf ihn der Blick dieses Menschen am Kreuz, ein unsagbarer Blick der Liebe und Güte. Vom Kreuz herab sagte er zu ihm: “Coredan, du hast mich getröstet, als ich jammerte, und gerettet, als ich in Lebensgefahr war; du hast mich gekleidet, als ich nackt war!”

Dann durchbebte ein Schrei die Luft – der Mann am Kreuz neigte das Haupt und starb. Coredan erkannte mit einemmal: Dieser Mensch ist der König der Welt. Ihn habe ich gesucht in all den Jahren.

„Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn für uns hingab.“ Die Liebe Gottes ist zu uns in die Welt gekommen und im Jesuskind streckt sie uns ihre Arme entgegen; und sie hat noch einmal die Arme ausgebreitet, um uns an sich zu ziehen, und zwar am Kreuz. Dieses Geheimnis des Erbarmens Gottes berührt uns, das ist der Stern, dem die Menschen folgen sollten.

Das Weihnachtsfest ist und bleibt ein Fest, das auch heute noch die Menschen fasziniert, auch wenn sie oft den eigentlichen Inhalt des Festes nicht mehr verstehen.
An Weihnachten erwacht in vielen Menschen etwas von der innersten Berufung, die wir im Herzen tragen: nämlich die Liebe zu üben, gütig und barmherzig zu sein, unsere Nächsten als ein Geschenk zu sehen. Unsere Berufung ist es, nicht egoistisch für uns selber zu leben, sondern uns zu verschenken und hinzugeben.

Aber nur jene. die sich vom Stern Jesus Christi führen lassen, können diese Berufung leben. Jesus sagt: „Ohne mich könnt ihr nichts tun.“

Das Jesuskind kam den Kindern zu Hilfe

Der folgende Begebenheit ereignete sich in Ungarn in der Zeit des Kommunismus. Sie wurde von einem Pfarrer berichtet und im Buch “Die Ikone”, von Maria Winowska veröffentlicht (hier neu geschrieben in gekürzter Form für die Druckausgabe des St. Antoniusblattes).

In einem kleinen Dorf in Ungarn, in dem viele Familien fest im katholischen Glauben verwurzelt waren, gab es in der Volksschule eine Lehrerin, die in verbissener Weise vom atheistischen Kommunismus überzeugt war. Sie dachte sich täglich etwas Neues aus, um die Kinder vom katholischen Glauben abzubringen. Angela, ein sehr frommes Mädchen, wurde von ihr besonders aufs Korn genommen.

Kurz vor Weihnachten, am 7. Dezember, erfand die Lehrerin ein grausames Spiel, mit dem sie dem Glauben der Kinder, den sie für eine „Pest für die Schule“ hielt, den Gnadenstoß versetzen wollte.

Angela wurde in ein scheinbar harmloses Frage- und Antwortspiel verwickelt. „Was tust du, wenn deine Eltern dich rufen?“ „Ich komme“, antwortet sie leise und scheu, sie ahnte schon, dass die Lehrerin ihr eine Falle stellen wollte. „Sehr gut! Und was geschieht, wenn deine Eltern den Rauchfangkehrer rufen?“ „Er kommt“, sagt Angela. „Ihre Augen funkelten wie die einer Katze, die mit einer Maus spielt. Sie schaute so boshaft, so boshaft“, sagte später eines der Mädchen über die Lehrerin. „Gut, mein Kind. Der Rauchfangkehrer kommt, weil es einen gibt, weil er lebt. Aber nehmen wir an, deine Eltern rufen deine Großmutter, die tot ist. Wird sie kommen?“ „Nein, ich glaube nicht.“ „Bravo. Und wenn sie das Rotkäppchen oder den Ritter Blaubart rufen?” „Es wird niemand kommen, weil das Märchen sind.“ „Gut, sehr gut!“ triumphierte die Lehrerin. „Du scheinst ja heute sehr scharf denken zu können.“

“Das ist klar, nicht wahr?“ „Ja“, antwortet die Klasse im Chor. Zu Angela gewandt sagt sie. „Und jetzt nehmen wir an, ihr ruft das Jesuskind. Ist unter euch jemand, der noch an das Jesuskind glaubt?“

Einen Augenblick ist es ganz still. Dann melden sich einige schüchterne Stimmen: „Oja, ja…“ „Und du, Angela, glaubst du, dass das Jesuskind dich hört, wenn du es rufst?“ Angela fühlte sich plötzlich erleichtert. Das war also die Falle. Voll Eifer antwortet sie: „Ja, ich glaube, dass es mich hört.“ „Sehr gut. Wir wollen einmal den Versuch machen. Wenn es das Jesuskind, das Christkind, gibt, wird es hereinkommen, wenn ihr es ruft. Ruft also alle miteinander ganz laut: Komm, Jesuskind! Eins, zwei, drei, alle miteinander.“

Die Kinder senkten die Köpfe. In das angstschwere Schweigen fiel ein Hohngelächter. „Da wollte ich euch haben. Das ist mein Beweis. Ihr ge-traut euch nicht, es zu rufen. Denn ihr wisst ganz gut, es würde nicht kommen, euer Jesuskind. Und es hört euch nicht, weil es kein Jesuskind gibt, weil das bloß Sagen sind.“

Bestürzt schwiegen die Kinder noch immer. Die brutale Beweisführung traf sie mitten ins Herz. Die Lehrerin labte sich sichtlich an der Verwirrung der Kinder.

Angela stand noch immer stumm und totenbleich da. Da geschah etwas Unerwartetes. Angela sprang mit einem Satz mitten in die Klasse hinein. Ihre Augen funkelten, und sie schrie: „Wir wollen es aber doch rufen. Hört ihr! Alle miteinander rufen wir: Komm, Jesuskind!“

Darauf war die Lehrerin nicht gefaßt. “Komm, Jesuskind!” „Es war wie ein Schrei, von dem die Mauern hätten einstürzen können“, sagte ein Kind später. Auf das Zeichen Angelas riefen die Kinder noch einmal: “Komm, Jesuskind!” “Ich rief, aber ich erwartete nichts Besonderes,“ gestand später Gisela.

Und da geschah es, wie die Kinder dem Pfarrer berichteten. Plötzlich ging die Tür lautlos auf. Sie bemerkten es, denn das ganze Tageslicht floh plötzlich auf diese Tür zu. Dieses Licht wuchs, wuchs, dann wurde es eine Feuerkugel. Dann hatten sie Angst, aber es ging so schnell, dass sie nicht einmal Zeit hatten zu schreien. Die Kugel ging auf, und in der Kugel erschien ein Kind, bezaubernd, wie sie noch keines gesehen hatten. Das Kind lächelte sie an, ohne ein Wort zu sprechen. Seine Gegenwart war von unendlicher Schönheit. Sie hatten keine Angst mehr. Es war nur noch Freude. Es dauerte … einen Augenblick?, eine Viertelstunde?, eine Stunde? In diesem Punkt gingen die Meinungen auseinander.

Sicher ist, dass das Geschehen die Dauer einer Schulstunde nicht überschritt. Das Kind war weiß gekleidet und sah aus wie eine kleine Sonne. Es selbst brachte das Licht hervor. Die Tageshelle erschien daneben schwarz. Es sagte nichts, es lächelte nur, dann verschwand es in der Lichtkugel, die sich allmählich auflöste. Die Tür schloss sich leise von selbst. Voll Entzücken, das Herz von Freude überflutet, konnten die Mädchen kein Wort hervorbringen.

Da zerriss ein gellender Schrei die Stille. Ganz verstört schrie die Lehrerin: „Es ist gekommen! Es ist gekommen!“ Und dann floh die Lehrerin. Angela schien aus einem Traum zu erwachen. Sie sagte einfach: „Ihr seht, es gibt ein Jesuskind. Und jetzt wollen wir danken.“ Und sie knieten nieder und beteten. Dann verließen sie das Klassenzimmer, denn es hatte soeben geläutet, es war Pause.

Die Sache sprach sich bald herum. Die Eltern suchten den Pfarrer auf, und er befragte die Kinder, jedes für sich. Er fand in ihre Aussagen nicht den leiseste Widerspruch. „Wir waren in Bedrängnis“, sagte eines der Mädchen, „und da musste das Jesuskind kommen und uns helfen.“

Die Lehrerin aber musste in die Psychiatrie gebracht werden. Die Schulbehörde vertuschte die Sache. Wie es heißt, hat die Lehrerin unaufhörlich geschrien: „Es ist gekommen, es ist gekommen!“

Der störrische Esel und die süße Distel

Jesus ist als unser Heiland in die Welt gekommen, um das Herz des Menschen von seiner Härte und Widerspenstigkeit gegen den Willen und Liebe Gottes zu erlösen. Karl Heinriche Waggerl hat dieses Erlösungsgeheimnis in eine humorvolle Weihnachtsgeschichte gekleidet.

Als der heilige Josef im Traum erfuhr, daß er mit seiner Familie vor der Bosheit des Herodes fliehen müsse, in dieser bösen Stunde weckte der Engel auch den Esel im Stall.

“Steh auf!” sagte er von oben herab. “Du darfst die Jungfrau Maria mit dem Herrn nach Ägypten tragen.”

Dem Esel gefiel das gar nicht. Er war kein sehr frommer Esel, sonder eher ein wenig störrisch im Gemüt.

“Kannst du das nicht selber besorgen?” fragte er verdrossen. “Du hast doch Flügel, und ich muß alles auf meinem Buckel schleppen!” Warum denn gleich nach Ägypten, so himmelweit!”

“Sicher ist sicher!” sagte der Engel, und das war einer von den Sprüchen, die selbst einem Esel einleuchten müssen.

Als er nun aus dem Stall trottete und zu sehen bekam, welch eine Fracht der heilige Josef für ihn zusammengetragen hatte, das Bettzeug für die Wöchnerin und einen Pack Windeln für das Kind, das Kistchen mit dem Gold der Könige und zwei Säcke mit Weihrauch und Myrrhe, einen Laib Käse und eine Stange Rauchfleisch von den Hirten, den Wasserschlauch, und schließlich Maria selbst mit dem Knaben, auch beide wohlgenährt, da fing er gleich wieder an, vor sich hinzumaulen. Es verstand ihn ja niemand außer dem Jesuskind.

“Immer dasselbe”, sagte er, “bei solchen Bettelleuten! Mit nichts sind sie hergekommen, und schon haben sie eine Fuhre für zwei Paar Ochsen beisammen. Ich bin doch kein Heuwagen”, sagte der Esel, und so sah er auch wirklich aus, als ihn Josef am Halfter nahm, es waren kaum noch die Hufe zu sehen.

Der Esel wölbte den Rücken, um die Last zurechtzuschieben, und dann wagte er einen Schritt, vorsichtig, weil er dachte, daß der Turm über ihm zusammenbrechen müsse, sobald er einen Fuß voransetzte.

Aber seltsam, plötzlich fühlte er sich wunderbar leicht auf den Beinen, als ob er selber getragen würde, er tänzelte geradezu über Stock und Stein in der Finsternis.

Nicht lange, und es ärgerte ihn auch das wieder.

“Will man mir einen Spott antun?” brummte er. “Bin ich etwa nicht der einzige Esel in Bethlehem, der vier Gerstensäcke auf einmal tragen kann?”

In seinem Zorn stemmte er plötzlich die Beine in den Sand und ging keinen Schritt mehr von der Stelle.

“Wenn er mich jetzt auch noch schlägt”, dachte der Esel erbittert, “dann hat er seinen ganzen Kram im Graben liegen!”

Allein, Josef schlug ihn nicht. Er griff unter das Bettzeug und suchte nach den Ohren des Esels, um ihn dazwischen zu kraulen.

“Lauf noch ein wenig”, sagte der heilige Josef sanft, “wir rasten bald!”

Daraufhin seufzte der Esel und setzte sich wieder in Trab.

“So einer ist nun ein großer Heiliger”, dachte er, “und weiß nicht einmal, wie man einen Esel antreibt!”

Mittlerweile war es Tag geworden, und die Sonne brannte heiß. Josef fand ein Gesträuch, das dürr und dornig in der Wüste stand, in seinem dürftigen Schatten wollte er Maria ruhen lassen. Er lud ab und schlug Feuer, um eine Suppe zu kochen, der Esel sah es voll Mißtrauen. Er wartete auf sein eigenes Futter, aber nur, damit er es verschmähen konnte.

“Eher fresse ich meinen Schwanz”, murmelte er, “als euer staubiges Heu!”

Es gab jedoch gar kein Heu, nicht einmal ein Maul voll Stroh, der heilige Josef in seiner Sorge um Weib und Kind hatte es rein vergessen. Sofort fiel den Esel ein unbändiger Hunger an. Er ließ seine Eingeweide so laut knurren, daß Josef entsetzt um sich blickte, weil er meinte, ein Löwe säße im Busch.

Inzwischen war auch die Suppe gar geworden, und alle aßen davon, Maria aß, und Josef löffelte den Rest hinunter, und auch das Kind trank an der Brust seiner Mutter, und nur der Esel stand da und hatte kein einziges Hälmchen zu kauen. Es wuchs da überhaupt nichts, nur etliche Disteln im Geröll.

“Gnädiger Herr!” sagte der Esel erbost und richtete eine lange Rede an das Jesuskind, eine Eselrede zwar, aber ausgekocht scharfsinnig und ungemein deutlich in allem, worüber die leidende Kreatur vor Gott zu klagen hat. “I-A! schrie er am Schluß, das heißt: “so wahr ich ein Esel bin!”

Das Kind hörte alles aufmerksam an. Als der Esel fertig war, beugte es sich herab und brach einen Diestelstengel, den bot es ihm an.

“Gut!” sagte er, bis ins Innerste beleidigt. “So fresse ich eben eine Distel!” Aber in deiner Weisheit wirst du voraussehen, was dann geschieht. Die Stacheln werden mir den Bauch zerstechen, so daß ich sterben muß, und dann seht zu, wie ihr nach Ägypten kommt!”

Wütend biß er in das harte Kraut, und sogleich blieb ihm das Maul offen stehen. Denn die Distel schmeckte durchaus nicht, wie er es erwartet hatte, sondern nach süßestem Honigklee, nach würzigstem Gemüse. Niemand kann sich etwas derart Köstliches vorstellen, er wäre denn ein Esel.

Für diesmal vergaß der Graue seinen ganzen Groll. Er legte seine langen Ohren andächtig über sich zusammen, was bei einem Esel so viel bedeutet, wie wenn unsereins die Hände faltet.

Karl Heinrich Waggerl

Hl. Franz von Sales – Maria rettet ihn aus seelischer Not

In der Zeit um das Jahr 1586 wurde unter den Theologen auf das Heftigste darüber diskutiert, ob der Mensch etwas zu seiner eigenen Rettung beitragen könne oder ob alles in der Gnade Gottes liege. Die Calvinisten vertraten die Auffassung, dass Gott von vorneherein für jeden einzelnen Menschen bestimmt hat, ob er erlöst oder verdammt sei.

Diese Diskussion um die sogenannte „Lehre von der Vorherbestimmung“ hatte den jungen Franz von Sales mitten ins Herz getroffen und seinen Glauben tief erschüttert. 1586 erlebte er eine schreckliche Weihnachtszeit, da er wirklich meinte, Gott habe ihn verdammt. Er könne leben wie er wolle, nach seinem Tod wird er in die Hölle kommen, weil Gott ihn dazu vorherbestimmt hat. Diese Erkenntnis traf ihn so tief, dass er auch körperlich erkrankte.

Ganz in der Nähe seiner Wohnung befand sich die Kirche St.EtiennedesGrès, bekannt durch ihre Statue der Schwarzen Madonna. Sie wurde sein Zufluchtsort. Ungefähr sechs Wochen lang, schleppte er sich immer wieder dorthin, um seine Not und Verzweiflung in die Arme der Gottesmutter zu legen. Er warf sich vor ihr nieder und öffnete in der Gegenwart Gottes sein Herz. Das uralte Mariengebet „Gedenke, gütige Jungfrau Maria …“ begleitete ihn.

Mitte Januar 1587 fand er vor der Schwarzen Madonna auch tatsächlich aus seiner Krise heraus. Im Gebet zu Maria wurde ihm plötzlich klar, dass Gott niemals etwas wollen kann, das für den Menschen nicht das Beste ist, denn Gott ist die Liebe. Das wurde Franz von Sales im Angesicht der Gottesmutter klar und ab diesem Zeitpunkt, war er bis an sein Lebensende von jeglichem Glaubenszweifel erlöst.

Den Weg zur Krippe finden

Es war einmal ein Hirte, der lebte auf einem Felde in der Nähe Betlehems. Er war groß und stark, aber er hinkte und konnte nur an Krücken gehen. Darum saß er meistens mürrisch am Feuer und sah zu, dass es nicht ausging. Die anderen Hirten fürchteten ihn.

Als den Hirten in der Heiligen Nacht ein Engel erschien und die frohe Botschaft verkündete, da wandte er sich ab. Und als sie sich aufmachten, um das Kind zu finden, so wie es ihnen der Engel gesagt hatte, blieb er allein am Feuer zurück. Er schaute ihnen nach, sah, wie das Licht ihrer Lampen kleiner wurde und sich in der Dunkelheit verlor. “Lauft, lauft! Was wird es schon sein? Ein Spuk, ein Traum! ” Die Schafe rührten sich nicht. Die Hunde rührten sich nicht. Er hörte nur die Stille. Er stocherte mit der Krücke in der Glut. Er vergaß, frisches Holz aufzulegen. Und wenn es kein Spuk, kein Traum wäre? Wenn es den Engel gab? Er raffte sich auf, nahm die Krücken unter die Arme und humpelte davon, den Spuren der anderen nach.

Als er endlich zu dem Stall kam, dämmerte bereits der Morgen. Der Wind schlug die Tür auf und zu. Ein Duft von fremden Gewürzen hing in der Luft. Der Lehmboden war von vielen Füßen zertreten. Er hatte den Ort gefunden. Doch wo war nun das Kind, der Heiland der Welt, Christus, der Herr in der Stadt Davids? Er lachte. Es gab keine Engel. Schadenfroh wollte er umkehren. Da entdeckte er die kleine Kuhle, wo das Kind gelegen hatte, sah das Nestlein im Stroh. Und da wusste er nicht, wie ihm geschah. Er kauerte vor der leeren Krippe nieder. Was machte es aus, dass das Kind ihm nicht zulächelte, dass er den Gesang der Engel nicht hörte und den Glanz Marias nicht bewunderte! Was machte es aus, dass er nun nicht mit den anderen in Bethlehem durch die Straßen zog und von dem Wunder erzählte! Was ihm widerfahren war, konnte er nicht mit Worten beschreiben. Staunend ging er davon. Er wollte das Feuer wieder anzünden, bevor die anderen Hirten zurückkamen. Doch als er eine Weile gegangen war, merkte er, dass er seine Krücken bei der Krippe vergessen hatte. Er wollte umkehren. Warum denn? Zögernd ging er weiter, dann mit immer festeren Schritten.

(Geschichte von Max Bolliger)

Herbergssuche einmal anders

In einer kleinen Berggemeinde gehörte die alljährliche Weihnachtsaufführung der Schüler der damals noch einklassigen Volksschule zur festen Dorftradition. Der Wirt des Gasthauses “Leuen” stellte immer seinen Saal zur Verfügung. Der Lehrer Gottlieb Egglmann inszenierte mit seinen 30 Schülern die Weihnachtsgeschichte. Bei der Rollenverteilung war es für den Lehrer nicht schwierig, jemanden für Josef und Maria, die Engel, die Hirten usw. zu finden. Aber die Rolle des Wirtes, der Maria und Josef bei der Herbergssuche unbarmherzig wegjagen sollte, wollte niemand gerne spielen.

So musste schließlich Roberto, der Sohn eines italienischen Gastarbeiterehepaares, welches im Restaurant “Leuen“ seit Jahren in der Küche arbeitete, die Rolle übernehmen. Er musste. Erstens, weil er noch nicht so gut deutsch sprach, und zweitens schien er mit seinem dunklen, gekrausten Haar und den dunklen Augen am ehesten einem Bösewicht zu gleichen. Das war auf alle Fälle die Meinung der halben Klasse.

Der kleine Roberto lernte seine Rolle schnell und gut. Lautstark schmetterte er bei den Proben sein “Nein, von mir bekommt ihr kein Zimmer! Gesindel, verschwindet!“ von der Bühne. Aber: Wie hasste er doch seine Rolle.

Endlich war es soweit, der große Tag stand vor der Tür. Der kleine Saal war zum Bersten voll. Mit leuchtenden Augen standen die Kinder in ihren selbstgemachten Kostümen da. Vor allem Maria strahlte. Mit ihren Zapfenlocken war sie wunderschön anzusehen. Und wie sie spielten! Der Lehrer Egglmann wurde immer größer und stolzer, denn was seine Kinder auf der Bühne boten, war schlicht erstaunlich.
Nun folgte der zweite Akt beim Gastwirt, bei Roberto. Er stand da mit grimmigem Blick und hörte das Klagen Marias. “Ach Wirt, habe Erbarmen, ich friere! Lass mich in dein Haus!” Es war zum Steinerweichen! Roberto schaute immer grimmiger drein und setzte an, um seinen hundertmal geübten Satz in den Saal zu schmettern.

Doch plötzlich verschwand der dunkle Schatten von seinem Gesicht. Ja, es begann förmlich zu leuchten. Und Roberto sagte mit fester Stimme: “Kommt nur herein. Ich gebe euch mein bestes Zimmer. Und zu essen bekommt ihr auch, soviel ihr wollt.” Und er ergriff Maria zart bei der Schulter und wollte sie durch die Kulissentür in das Gasthaus führen. “Spinnst du?“, rief Maria deutlich hörbar.

Peinliche Sekunden vergingen, ehe der Lehrer, der vor Schrecken fast vom Stuhl gefallen war, endlich “Vorhang, Vorhang!’ schrie. Der Vorhang wurde gezogen, die Weihnachtsaufführung war vorzeitig beendet. Aber sie hat viele zum Nachdenken gebracht und man hat im Dorf noch lange darüber geredet.

Bruder Benno – Fernweh nach dem Westen

Seit 1996 wird jedes Jahr zum Todestag von Bruder Benno Koglbauer eine hl. Messe zum Gedenken ihn gefeiert. Der liebenswürdige und gütige Pförtner des Kapuzinerklosters ist nicht in Vergessenheit geraten. Das bekundeten wieder die vielen Gläubigen, die sich am 13. Dez., dem 84. Todestag dieses heiligmäßigen Bruders, in der Kirche versammelt hatten.

Zur hl. Messe war Pater Gaudentius Walser von den Kapuzinern aus Innsbruck gekommen, der eine Biographie über Bruder Benno verfasst hat. In seiner Predigt brachte er den Zuhörern einige interessante Aspekte aus dem Leben von Bruder Benno nahe.

Pater Gaudentius berichtete, dass Matthias Koglbauer (so war sein bürgerlicher Name) von Jugend an immer ein Fernweh nach dem Westen verspürte. Zuerst musste er auf dem väterlichen Hof in Mönichkirchen mitarbeiten aber mit 23 Jahren brach er von zu Hause auf, um seinen Weg zu finden. Er ging zuerst nach Mariazell und wandte sich mit der inständigen Bitte an die Gottesmutter Maria, dass sie ihn an den rechten Platz führen möge.

Dann wanderte er weiter nach Salzburg und fand dort bei den Kapuzinern Arbeit. Nach vielen Jahren trat er in den Orden ein, wurde zuerst nach Innsbruck, dann nach Brixen versetzt und war dort als Gehilfe in der Küche und im Garten tätig. Doch das Fernweh nach dem Westen war mmer noch in seinem Herzen.

Einmal sprach ihn der Provinzial an und fragte, warum immer so still sei und einen bedrückten Eindruck mache. Da gestand Bruder Benno ihm sein Fernweh nach dem Westen, er spüre, dass er hier noch nicht auf dem rechten Platz sei. Da meinte der Provinzial, in der Provinz sei nur Bregenz im äußersten Westen, worauf Bruder Benno nichts sagt aber lächelte.

Da kam dem Provinzial in den Sinn, dass die Kapuziner in Bregenz einen neuen Pförtner brauchten. So wurde Bruder Benno nach Bregenz gesandt. Als er beim Kloster ankam, sah er auf dem Vorplatz die Lourdesgrotte. Er ging hinein war überglücklich und weinte vor Freude, da ihn Maria an den Platz geführt hatte, den er immer erseht hatte. In Bregenz hatte er nie mehr dieses Fernweh verspürt.

Bruder Benno war durch 17 Jahr Pförtner in Bregenz und betreute als großer Marienverehrer die Loudesgrotte.