Die Kirche mittragen

rom-petersdomDie sel. Anna Katharina Emmerick hatte am 28. Aug. 1820 eine Vision, die uns sehr eindrucksvoll das Wesen der Kirche zeigt.

„Ich hatte ein Bild von der Peterskirche, als schwebe sie über der Erde, und als eilten viele Leute heran, um unter sie zu treten und sie zu tragen. Groß und klein, Priester und Laien, Frauen und Kinder, ja sogar alte Krüppel sah ich dies tun. Es war mir dabei ganz ängstlich; denn ich sah, wie der Kirche überall der Einsturz drohte. Die Grundmauern und der ganze untere Teil schienen auseinanderzufallen. Da stellten aber die Leute überall ihre Schultern unter, und indem sie dieses taten, waren sie alle gleicher Größe. Es war jeder an seiner Stelle, die Priester unter den Altären, die Laien unter den Pfeilern und die Frauenzimmer unter dem Eingang. Sie alle trugen so gar große Lasten, dass ich meinte, sie müssten zerquetscht werden. Über der Kirche aber war der Himmel offen, und die Chöre der Heiligen sah ich durch ihre Gebete und Verdienste die Kirche aufrecht halten und den unten Tragenden helfen.“

 

Haben sie mich verfolgt, werden sie auch euch verfolgen

greco-petrus-paulus„Wenn sie mich verfolgt haben, werden sie auch euch verfolgen“
(Joh 15,20), so hat es Jesus vorausgesagt; und dieses Wort hat sich von Anfang an erfüllt.
Das Fest der Apostel Petrus und Paulus und der darauf folgende Gedenktag der ersten Märtyrer von Rom (29. und 30. Juni), erinnern uns daran, dass diese Heiligen in der Verfolgung durch Kaiser Nero ihr Leben für Christus hingegeben haben.
Der heidnische, römische Geschichtsschreiber Tacitus berichtet im 15. Buch seiner Annalen über diese grausame Verfolgung:
Um das Gerücht aus der Welt zu schaffen, er selbst habe die Stadt Rom angezündet, „schob Nero die Schuld auf andere und verhängte die ausgesuchtesten Strafen über die wegen ihrer Verbrechen verhassten Menschen, die das Volk Christianer nannte. Der Name leitet sich von Christus ab; dieser war unter der Regierung des Tiberius durch den Prokurator Pontius Pilatus hingerichtet worden… Man verhaftete also zuerst die Leute, die bekannten, dass sie Christen waren, dann auf ihre Anzeige hin eine ganze Menge. Sie wurden nicht gerade der Brandstiftung, wohl aber des allgemeinen Menschenhasses überführt. Die Todgeweihten benützte man zum Schauspiel. Man steckte sie in Tierfelle und ließ sie von Hunden zerfleischen, man schlug sie ans Kreuz oder zündete sie an, man ließ sie nach Einbruch der Dunkelheit als Fackeln brennen. Nero hatte für diese Schauspiele seinen Park zur Verfügung gestellt und veranstaltete ein Zirkusspiel. Im Aufzug eines Wagenlenkers mischte er sich unter das Volk oder stand auf seinem Wagen. …“
Was hier geschildert wird, ist bis heute so geblieben; nur die Methoden der Verfolgung haben sich geändert. Denken wir an die Verfolgungen in vielen islamischen und kommunistischen Ländern. Jesus sagt aber auch: „Freut euch und jubelt: Euer Lohn im Himmel wird groß sein“ (Mt 5,12).

Liebe – die Ohnmacht des Allmächtigen

Maria-appenzell»“Wie kann ein gütiger Gott das zulassen?“ ist eine Frage, die immer wieder sowohl von Gläubigen als auch von Ungläubigen gestellt wird. Die Gläubigen wollen damit die Schuld für etwas Böses Gott zuschieben und sich mit dieser Dialektik als schuldlos hinstellen. Sie wähnen sich ohne Sünde und werfen gewissermaßen „einen Stein“ (Joh 8, 7) auf Gott. Die Ungläubigen hingegen stellen dieselbe Frage, aber mit dem sarkastischen Unterton: „Da habt ihr euren lieben Gott!“ Entsprechend der Neigung des Menschen, die Schuld beim anderen zu suchen, wird diese Frage nur dann gestellt, wenn etwas Böses, nicht aber, wenn etwas Gutes geschieht. Da die meisten Menschen sich für schuldlos halten, wird Gott viel mehr beklagt als bedankt.«

Mit diesen Gedanken hat der katholische Naturwissenschaftler und Philosoph Max Thürkauf seine Betrachtungen im Büchlein zum Thema „Liebe – die Ohnmacht Gottes“ eingeleitet.

Gott ist Liebe und Freiheit, und zur Liebe und Freiheit hat er auch uns Menschen erschaffen. Die schwersten Leiden dieser Welt aber fügen wir als Menschen uns gegenseitig zu, weil wir uns nicht an die Gebote Gottes halten. Liebe heißt, dass wir in Freiheit den Willen Gottes befolgen. Und darin liegt auch „die Ohnmacht des Allmächtigen“, dass seine Liebe uns nicht zwingt, das Gute zu tun und das Böse zu meiden.

»Die Frage „Wie kann Gott das Böse in der Welt zulassen?“ ist daher von heuchlerischer Selbstgerechtigkeit. Wir müssten vielmehr fragen: „Wie können wir so lieblos unsere Freiheit missbrauchen und durch das Nichtbefolgen der Gebote Gottes das Böse in der Welt hervorrufen?“ Nicht Gott, sondern wir lassen das Böse zu und bringen es überdies durch unseren Ungehorsam noch hervor.«

Jesus aber hat durch seine Liebe die Leiden, die aus der Bosheit kommen, getragen und uns erlöst. Er appelliert an unsere Freiheit, ihm darin nachzufolgen.

Die Kraft des Weihwassers

Pater-BernhardIm Jänner 2013 ist Pater Bernhard Kunst, Benediktiner des Stiftes Lambach, mit 92 Jahren verstorben. Er war auch ein besonderer Segenspriester, der durch Krankengottesdienste und durch sein Gebet und seinen Segen vielen geholfen hat. Er hat die Menschen auch zum Glauben an die Kraft des exorzierten (d.h. nach dem alten Ritus geweihten) Weihwassers angeleitet.

Er berichtet aus seinen Erfahrungen: »Wenn man jemanden aus der Ferne mit Weihwasser segnet und Gott für ihn bittet, dann hat das sicher auch seine Wirkung. Ich weiß von einem Bauern, der seine Felder immer so gesegnet hat. An einem Sonntag geht er meistens auf seine Felder hinaus und segnet mit dem Weihwasser alle seine Felder, die rund um seinen Bauernhof liegen. Er hat mich besucht, mir ein paar Flaschen Wein gebracht und gesagt: „Herr Pater, seit der Zeit, wo ich dieses Weihwasser verwende und von weitem meine Felder segne, bleiben sie von Unwettern verschont. In der ganzen Gegend rund um meine Felder hat es gehagelt, aber meine gesegneten Felder blieben während der ganzen Erntezeit verschont. Das schreibe ich ganz allein der Wirkung des Weihwassers zu, mit dem ich immer von weitem meine Felder gesegnet habe.“

Das Bild der Göttlichen Barmherzigkeit

barmherziger-jesus4Durch die hl. Schwester Faustyna hat uns Jesus ein Bild seiner göttlichen Barmherzigkeit geschenkt und uns eingeladen, ganz auf ihn zu vertrauen. Am 22. Februar 1931 schrieb Sr. Faustyna in ihr geistliches Tagebuch:

„Am Abend, als ich in der Zelle war, erblickte ich Jesus, den Herrn, in einem weißen Gewand. Eine Hand war zum Segnen erhoben, die andere berührte das Gewand auf der Brust. Von der Öffnung des Gewandes an der Brust gingen zwei große Strahlen aus, ein roter und ein blasser. Schweigend betrachtete ich den Herrn; meine Seele war von Furcht, aber auch von großer Freude durchdrungen. Nach einer Weile sagte Jesus zu mir: ‚Male ein Bild, nach dem, das du siehst, mit der Unterschrift: Jesus, ich vertraue auf Dich. Ich wünsche, dass dieses Bild verehrt wird, zuerst in eurer Kapelle, dann auf der ganzen Welt. Ich verspreche, dass jene Seele, die dieses Bild verehrt, nicht verloren geht. Ich verspreche auch, hier schon auf Erden, den Sieg über Feinde, besonders in der Stunde des Todes. Ich selbst werde sie verteidigen, wie meine Ehre.'“

Die Einheit ist eine Frucht des Kleinseins

angela-v-voligno2Die hl. Angela von Foligno (1248 – 1309), die nach ihrer Bekehrung von ihrem weltlichen und oberflächlichen Leben zu einer großen Mystikerin des Kreuzes Christi geworden ist, sah vor allem im Kindlich-, Einfach-, und Kleinsein, mit einem Wort, in der Demut, die wichtigste Haltung für unser christliche Zusammenleben.  Kurz vor ihrem Tod schrieb sie ihren geistigen Kindern die folgenden wunderbaren Worte als ein geistliches Testament :

„Ich wünsche von euch, dass ihr immer einmütig seid und kein Streit unter euch herrscht. Ich wünsche euren Seelen das, was alle versöhnt und vereint: nämlich ganz klein zu sein. Denn wenn man ganz klein ist, achtet man weder auf seine Bildung noch auf seine natürliche Begabung, sondern man schaut auf seine eigenen Fehler und Mängel und ist bemüht, sich zu bessern. Wer ganz klein ist, wirkt für niemanden bedrohlich, er fällt niemandem zur Last und spricht nicht überheblich, auch wenn sein Beispiel jene provoziert, die nicht klein sein wollen. Dies ist es, was ich euch wünsche, meine Vertrauten, dass euer demütiges Leben – selbst ohne Worte – Harmonie und Einheit hervorbringt. Wie sehr wäre ich getröstet, wenn ich von euch vernähme, dass ihr durch das Kleinsein ein Herz und eine Seele seid und dadurch Gott in Wahrheit gefallt. “

 

Die Mühle

muehleDer Kirchenvater Johannes Cassianus (+ 430/35), der in seinen Schriften wichtige geistliche Erfahrungen der alten Mönchsväter überliefert hat, bringt einmal einen treffenden Vergleich: In einer mit Wasser angetriebenen Mühle drehen sich die Mühlsteine immer weiter. Aber es liegt beim Müller, ob er gutes oder schlechtes Korn mahlt; denn was er auf die Mühle schüttet, das mahlt sie. Ebenso verhält es sich mit dem menschlichen Geist. Er muss stets an etwas denken; er ist wie ein immer mahlender Mühlstein. Aber von uns hängt es ab, was wir ihm zum Mahlen geben; was wir ihm geben, wird unser Geist verarbeiten.
In unserer Mediengesellschaft werden wir mit einer Unzahl von Informationen konfrontiert, die die Seele nicht nähren und die wir gar nicht verarbeiten können. Mit dem Bedienungsknopf „Off“ an den Geräten könnten wir in der Adventszeit so manche Spreu, die in unsere Mühle kommt, ausschalten, um für den guten Weizen des Wortes Gottes, des Gebets, der Betrachtung und guter Lektüre, Platz zu schaffen.

Ein Diener Mariens geht niemals verloren

Es wird berichtet, dass zum hl. Pfarrer von Ars eine vornehme Frau in tiefer Trauer in den Beichtstuhl kam. Weil sie wegen ihrer Tränen kein Wort hervorbrachte, sagte der Pfarrer, der die Wahrheit in Gott erkannte, zu ihr: „Ich weiß, Madame, warum Sie so tief bekümmert sind: Es ist ihr Mann. Genauer gesagt sein plötzlicher Tod, nämlich Selbstmord, den er begangen hat. Sie haben Ihren Mann verloren und darüber hinaus befürchten Sie, er habe das ewige Leben verwirkt, nicht in erster Linie durch seine Tat, sondern deshalb, weil er sich stets als Atheisten ausgegeben hatte. Aber seien Sie getrost, er ist gerettet.“ Als ihn die Frau erstaunt fragte, wie das möglich sei, erwiderte er ihr: „Ihr Mann hielt zwar nichts von der Kirche und zweifelte an Gott. Aber er hatte ein tiefes Vertrauen zur Gottesmutter, das er freilich sorgfältig nach außen wie sein innerstes Geheimnis verbarg. Ungesehen von seinen Kollegen, die ihn nur verspottet hätten, brachte er zur Mittagszeit, wenn niemand unterwegs war, der heiligen Jungfrau oft einen kleinen Blumenstrauß, den er auf dem Weg gekauft hatte, und legte ihn bescheiden an ihrem Altar in der Kirche nieder. Dann verweilte er noch ein wenig und schlich sich wie ein beschämter Junge wieder nach draußen. Diese vertrauensvolle Geste zeigt aber sein innerstes Herz mehr als jedes offene Bekenntnis zu Kirche und Religion. An Mariens Mütterlichkeit zweifelte er keinen Augenblick. Und dieses Vertrauen hat ihm in den letzten Sekunden seines Lebens geholfen. Noch während er von jener Brücke in die Tiefe stürzte, empfahl er sich in seiner Panik der Muttergottes und fasste einen Gedanken der Reue über so vieles in seinem Leben. Und dieses Vertrauen, diese Reue, hat ihn für ewig gerettet.“ Ein alter Glaubensgrundsatz lautet: „Ein Diener Mariens geht niemals verloren“.

Demut – „Ich bin noch viel unvollkommener, als Sie glauben“

Eine Mitschwester der hl. Theresia von Lisieux berichtete: Eine der älteren Schwestern konnte nicht verstehen, dass Sr. Theresia sich in so jugendlichem Alter mit den Novizinnen beschäftigte. Schonungslos ließ sie Sr. Theresia ihre Gegnerschaft spüren, die sie ihr gegenüber empfand. Eines Tages, zur Zeit der Erholung, sagte sie ihr verletzende Worte, unter anderem, „dass sie es nötiger hätte, sich selbst zu leiten, als sich um die Leitung anderer zu kümmern“. Von weitem beobachtete ich aufmerksam den Vorfall. Ihre Miene hob sich deutlich von der leidenschaftlichen Miene ihrer Gesprächspartnerin ab, und ich hörte, wie sie ihr antwortete: „Ach, Schwester, Sie haben vollkommen recht. Ich bin noch viel unvollkommener, als Sie glauben.“

Die hl. Theresia sagt auch über die Demut:
„Die Demut besteht nicht im Gedanken oder im Bekenntnis, dass man voller Fehler ist, sondern darin, dass man glücklich ist, wenn die anderen es denken und sogar sagen.“

Gott anbeten

Papst Franziskus zeigt uns wie auch Benedikt XVI. den Weg des Glaubens. In seiner Predigt am 14. 4. in St. Paul vor den Mauern geht er der Frage nach, was es bedeutet, Gott anzubeten?

„Es bedeutet zu lernen, wie wir bei ihm verweilen und innehalten können, um mit ihm zu sprechen und dabei zu spüren, dass seine Gegenwart die wahrste, beste und wichtigste aller ist. Jeder von uns hat in seinem Leben bewusst und vielleicht manchmal unbewusst eine ganz genaue Reihenfolge der Dinge, die er für mehr oder weniger wichtig hält. Den Herrn anzubeten bedeutet, ihm den Platz zu geben, der ihm gebührt. Den Herrn anzubeten bedeutet, zu sagen und zu glauben – aber nicht nur mit Worten –, dass er allein wirklich unser Leben lenkt. Den Herrn anzubeten bedeutet, dass wir vor ihm die Überzeugung gewinnen, dass er der einzige Gott, der Gott unseres Lebens, der Gott unserer Geschichte ist.“