Ehe nur zwischen Mann und Frau

Seit vielen Jahren wird in unserer westlichen Gesellschaft von bestimmten Kreisen mit massivsten politischen Druckmitteln daran gearbeitet, den Menschen einzureden, dass Homosexualität etwas ganz Natürliches und Normales sei. Die gesetzliche Gleichstellung der „Homo-Ehe“ mit der Ehe von Mann und Frau soll in allen Staaten durchgesetzt werden. Der große Dorn im Auge dieser Homosexuellenlobby ist aber die Kirche, ist der christliche Glaube, da vom christlichen Standpunkt aus eine homosexuelle Betätigung immer als Tun gegen die Natur und gegen Gott abzulehnen ist. Nicht die Neigung zur Homosexualität ist sündhaft, sondern die Betätigung; es ist wichtig, dies zu unterscheiden.

Wie gegen diese christliche Auffassung gekämpft wird, konnte man bei der Wahl der „Miss USA“ vor kurzem sehen. Die Studentin Carrie Prejean war die Favoritin für die Wahl. Bei einer Befragung durch den Moderator, wie sie zur Homo-Ehe stehe, bekannte sie sich klar zur christlichen Auffassung: “Ich glaube, dass es eine Ehe nur zwischen Mann und Frau geben sollte. Ich möchte niemanden beleidigen, aber so bin ich erzogen worden.” Das kostet ihr den Sieg, und sie musste manche böse Kritik dafür einstecken. Aber für sie war dieses Bekenntnis der Sieg.

Ein Grund, nicht zu heiraten

Der französische Außenminister und Gründer-Vater der EU Robert Schuman (1886 – 1963), für den auch ein Seligsprechungsprozess läuft, wurde einmal gefragt, warum er nicht geheiratet habe. “Vor langer Zeit”, antwortete er, “als ich einmal in der U-Bahn fuhr, trat ich zufällig einer Dame auf den Fuß. Bevor ich mich noch entschuldigen konnte, kreischte sie los: Du Trottel, kannst du denn nicht aufpassen, wo du hintrampelst! Dann sah sie mich an, errötete und rief aus: Oh, entschuldigen Sie bitte, mein Herr, ich dachte, es wäre mein Mann!”

Zum Muttertag

Wir wären nie gewaschen
und meistens nicht gekämmt,
die Strümpfe hätten Löcher
und schmutzig wär das Hemd;
wir äßen Fisch mit Honig
und Blumenkohl mit Zimt,
wenn Du nicht täglich sorgtest,
dass alles klappt und stimmt.
Wir hätten nasse Füße
und Zähne, schwarz wie Ruß
und bis zu beiden Ohren
die Haut voll Pflaumenmus.
Wir könnten auch nicht schlafen,
wenn du nicht vorher kämst
und uns bevor wir träumen,
in deine Arme nähmst.
Und trotzdem: Sind wir alle
auch manchmal eine Last,
was wärst du ohne Kinder!
Sei froh, dass du uns hast!

Das Schicksal der Männer sind die Mütter

Ein Gefängnisseelsorger berichtete folgendes: Er kam in die Zelle eines Strafgefangenen. Der Häftling machte den Priester auf ein Spruchbild aufmerksam, das er sich selbst verfertigt und an die kahle Wand gehängt hatte. Auf dem Bilde stand: “Das Schicksal der Männer sind die Mütter.“

„Sehen Sie, Herr Pfarrer“, sagte der Sträfling, „im Gefängnis hat man Zeit, über manches nachzudenken, und das Ergebnis meines Nachdenkens ist dieser kleine Spruch da: ,Das Schicksal der Männer sind die Mütter.’ Eine gute Mutter ist für die Kinder ein Segen, eine schlechte Mutter aber ein schrecklicher Fluch.“ Mehr sagte der Mann nicht.

Kinder sind keine Last sondern ein Geschenk

Es war für uns ein großer Segen, dass der Heilige Vater Österreich besucht hat. Er hat gerade in seiner Ansprache vor der Regierung mit klaren Worten ein Thema angesprochen, das heute in der Öffentlichkeit fast schon tabu ist, nämlich die Abtreibung. Hier noch einmal einige wichtige Aussagen:

In Europa ist zuerst der Begriff der Menschenrechte formuliert worden. Das grundlegende Menschenrecht, die Voraussetzung für alle anderen Rechte, ist das Recht auf das Leben selbst. Das gilt für das Leben von der Empfängnis bis zu seinem natürlichen Ende. Abtreibung kann demgemäß kein Menschenrecht sein – sie ist das Gegenteil davon. Sie ist eine „tiefe soziale Wunde“, wie unser verstorbener Mitbruder Kardinal Franz König zu betonen nicht müde wurde. Mit alledem spreche ich nicht von einem speziell kirchlichen Interesse. Vielmehr möchte ich mich zum Anwalt eines zutiefst menschlichen Anliegens und zum Sprecher der Ungeborenen machen, die keine Stimme haben. Ich verschließe damit nicht die Augen vor den Problemen und Konflikten vieler Frauen und bin mir bewusst, dass die Glaubwürdigkeit unserer Rede auch davon abhängt, was die Kirche selbst zur Hilfe für betroffene Frauen tut. Ich appelliere dabei an die politisch Verantwortlichen, nicht zuzulassen, dass Kinder zu einem Krankheitsfall gemacht werden und dass die in Ihrer Rechtsordnung festgelegte Qualifizierung der Abtreibung als ein Unrecht faktisch aufgehoben wird. Ich sage das aus Sorge um die Humanität. Aber das ist nur die eine Seite dessen, was uns Sorgen macht. Die andere ist, alles dafür zu tun, dass die europäischen Länder wieder kinderfreundlicher werden. Ermutigen Sie bitte die jungen Menschen, die mit der Heirat eine neue Familie gründen, Mütter und Väter zu werden. Damit tun Sie ihnen selbst, aber auch der ganzen Gesellschaft etwas Gutes. Ich bestärke Sie auch nachdrücklich in Ihren politischen Bemühungen, Umstände zu fördern, die es jungen Paaren ermöglichen, Kinder aufzuziehen. Das alles wird aber nichts nützen, wenn es uns nicht gelingt, in unseren Ländern wieder ein Klima der Freude und der Lebenszuversicht zu schaffen, in dem Kinder nicht als Last, sondern als Geschenk für alle erlebt werden.

Mach es doch wie ich und sag: Siehe, ich bin die Magd des Herrn!

Der Priester und Komponist Herman Kronsteiner hat in seinem sehr lesenswerten Buch: „Eine Mutter und ihre 11 Kinder“ über des Leben seiner Mutter berichtet. Er schreibt:

Einmal sagte ich in meiner Vorwitzigkeit zur Mutter, “dass wir so viele Kinder seien”. Der Gedanke kam mir vielleicht, weil der Hunger uns wieder einmal sehr zusetzte. Da gestand mir die Mutter folgendes: “Freilich war es schwer – besonders einmal. Es waren schon neun Kinder da, da merkte ich, dass ein zehntes im Kommen sei. Eine unserer Nachbarinnen sagte zu mir: Frau Kronsteiner, schon wieder – aber da gibt’s doch etwas dagegen – ich helfe ihnen schon … Zuerst war ich empört – dann aber überfiel mich die Versuchung, es vielleicht doch machen zu lassen. Ich war zutiefst erschrocken, dass ich so etwas überhaupt dachte. Aber je mehr Zeit verging, desto mehr setzte mir der Gedanke zu und ich hörte immer wieder die Stimme der Nachbarin: Ihr könnt ja eure neun Kinder kaum ernähren und noch eines – das muss verhungern, muss verhungern, verhungern.

Ich wusste nicht mehr aus noch ein – ich wagte weder den Vater noch den Herrn Pfarrer zu fragen – bis dahin hatte ich gar nicht gewusst, dass es so schwere Versuchungen geben könne.

Als es ganz arg wurde und ich mir nicht mehr zu helfen wusste, ließ ich alles liegen und stehen und lief – ich war gerade beim Kochen am Herd – hinüber in die Kirche, kniete mich zum Muttergottesaltar, schaute weinend zu ihr hinauf mit dem stillen Gebet: Mutter Gottes, was soll ich denn tun, hilf mir doch! und da war mir, als schaute sie mich an und sagte: ,Mach es doch wie ich und sag’ einfach: Siehe, ich bin die Magd des Herrn!’. Und sogleich war alles klar und gut und ich eilte wieder zurück zum Herd, niemand hatte mich gesehen. Und dann kamst du, Hermann, als zehntes Kind und wie haben wir uns alle gefreut – und es war der 25. März, als du kamst, ein Marientag, Maria Verkündigung, wo es im Evangelium doch auch heißt: ,Siehe ich bin die Magd des Herrn’.”

Unternehmerin mit 10 Mitarbeitern

Emanzipation und Gleichberechtigung der Frau das waren Schlagworte von denen das gesellschaftliche Denken und Empfinden der vergangenen Jahrzehnt geprägt war und heute noch geprägt ist. Es geht um die Idee, dass die Frau in allem dem Mann gleich werden müssen. Sie muss wie der Mann im vollen Arbeitsprozess stehen, Geld verdienen, Karriere machen. Nur wenn sie sich auf diese Weise selbst verwirklicht, dann hat sie Ansehen und ist jemand. Das Mutter-und-Hausfrau-Sein möchte man zwar nicht ganz beiseite schieben, aber es wird als etwas Minderwertiges angesehen. Gegen diesen vorherrschenden Zeitgeist sollen hier zwei Frauen zu Wort kommen, die sich dafür einsetzen, die wesentliche Berufung der Frau wieder aufzeigen.

Martine Liminski, Mutter von zehn Kindern (ihr Mann ist Journalist), hielt vor einigen Jahren einen bemerkenswerten Vortrag über die Stellung der Frau in unserer Gesellschaft als Hausfrau und Mutter. In humoristischer Art stellt sich Frau Liminski manchmal als Unternehmerin mit zehn Mitarbeitern vor, um den Menschen bewusst zu machen, dass gerade die Hausfrau und Mutter mit ihre Sorge für ihre Kinder und die Familie etwas ganz Grundlegendes für die Gesellschaft leistet, das weit über alle materiell erwirtschafteten Werte hinausgeht und deshalb auch entsprechend honoriert werden müsste. Denn was der Gesellschaft Bestand gibt das sind die Menschen und nicht die materiellen Güter. Das gilt es von neuem zu erkennen. Sie sagt: „Ich bin Mutter und eine sogenannte Nur-Hausfrau. Das ist gewiss nichts Revolutionäres. Sagen Sie aber mal auf einer Cocktailparty, Sie seien Hausfrau. Sie werden schnell erleben, wie einsam man in der Masse sein kann. Besser und aufschlussreicher ist ein anderes Gespräch, auch auf einer Cocktailparty. Da werde ich gefragt: “Und Sie, was machen Sie?”- “Ich bin mittelständische Unternehmerin, zehn Mitarbeiter immerhin”. – “Ach, interessant, als Frau. Keine Probleme bei der Durchsetzung Ihrer Pläne?” – “Doch, gewiss, aber man muss eben auf jeden Mitarbeiter eingehen. Bei mir wird Mitbestimmung großgeschrieben. Das ist Management by everybody.” – Sofort entwickelt sich ein Gespräch über Unternehmensführung. Das Teilhaben, das Mitziehen, das Mittragen, Entscheidungen fällen und Entscheidungen übernehmen heiße auch Gefühl für Verantwortung entwickeln. Natürlich jedem, wie er kann. Aber das gebe Motivation und fördere die Identifikation mit dem Unternehmen. Das schaffe Selbstwertgefühl und forme die Persönlichkeit. Was ich denn produziere, will man schließlich wissen. Die Antwort: Humanvermögen.“

Vor kurzem hat auch die in Deutschland bekannte Fernsehsprecherin und -moderatorin Eva Herman einen bemerkenswerten Vortrag veröffentlicht, in dem sie aufzeigt, dass das Emanzipationsdenken, mit dem die Frauen in allem den Männern gleich werden wollen, den Frauen gerade das Schönste und für sie Erfüllendste entreißt, nämlich Mutter zu werden, Leben und Geborgenheit zu schenken, das Herz der Familie zu sein. Wenn sich die Frau berufliche Selbstverwirklichung und das Gleichsein mit dem Mann zum obersten Ziel setzt, dann verfehlt sie ihre Berufung, die ihr mit der Schöpfungsordnung gegeben ist. Sie sagt:

„Die Frauen, die vor knapp einem halben Jahrhundert entschlossen und hoffnungsvoll dem Ruf der Emanzen und Feministinnen auf dem Weg nach weiblichem Erfolg folgten, sind im beruflichen Kampf gegen die Männer am Ende ihrer Kräfte und Ressourcen angelangt. Sie sind ausgelaugt, müde und haben wegen ihrer permanenten Überforderung nicht selten suizidale Fantasien. So zieht eine hochzivilisierte Kultur wie die unsere sich selbst den Boden unter den Füßen weg, die Basis, die uns Halt im täglichen Überlebenskampf geben könnte: die intakte Familie. Wir Frauen sind dem Wahn verfallen, uns beweisen zu müssen, dass wir zu allem fähig sind. Und so führen wir auf fatale Weise unsere wunderbaren Kräfte in die falsche Richtung. Man könnte auch sagen: Wir vergeuden sie. Wer einmal den Wert häuslichen Friedens in Harmonie und Wärme kennen lernen durfte, einen Ort, der Sicherheit, Glück und Seelenfrieden gibt, weiß, wovon die Rede ist.“

Die Rückkehr zur Schöpfungsordnung, wie sie Gott in die Familie gelegt und in der er Mann und Frau die je eigene Rolle zugeteilt hat, könnte die Lösung bringen für viele Probleme unserer Gesellschaft.

Viel vermag das inständige Gebet

Gebetsvigil für das Leben – Überwindung der Kultur des Todes

Durch den vorbildlichen Einsatz der Gehsteigberatung des Vereins Miriam und das inständige Gebet im Anliegen des Lebensschutzes, das in den Gebetsvigilien immer wieder zum Ausdruck kommt, konnten schon, soweit es bekannt geworden ist, 35 Kinder vor dem Abtreibungstod gerettet werden. Die Mütter sind glücklich darüber, dass sie ihren Kindern das Leben geschenkt haben. Die Gebetvigilien sollen ein Zeichen der Barmherzigkeit und Liebe Gottes sein. Es braucht viel Gebet und Opfer von Seiten der Gläubigen, damit die jetzt vorherrschende Kultur des Todes durch eine Kultur der Liebe überwunden wird. Denn der Zeitgeist lässt die Tötung der Kleinstkinder im Mutterleib als etwas ganz Normales und Selbstverständliches, ja sogar als ein „gutes“ und schützenswertes Recht erscheinen.

Die Art dieses Zeitgeistes trat offen zutage, als eine Gruppe von Mädchen der AKS (Aktion kritischer Schüler-Innen, eine Gruppierung der „Jungsozialisten“), eine Demonstration gegen die Gebetsvigil veranstalteten: Mit Transparenten mit der Aufschrift: Selbstbestimmung statt Fremdbestimmung! Nur weil ich eine Gebärmutter habe, bin ich noch lange keine! Frauenrechte statt Kirchenknechte! Abtreibe wer wolle, die Kirche spielt dabei keine Rolle! und mit skandierendem Sprechchor: „Ob Kinder oder keine, bestimmen wir alleine!“ suchten sie auf sich aufmerksam zu machen. Die Antwort der Gläubigen sind nicht Gegenparolen, sondern das Gebet und die Liebe.

Ehe und Familie – keine zufällige Konstruktion

Am 6. Juni eröffnete Papst Benedikt XVI. in der LateranBasilika den Kongress der Diözese Rom zum Thema: Familie und christliche Gemeinde: Bildung der Person und Weitergabe des Glaubens, und hielt aus diesem Anlass einen ausgezeichneten Vortrag, über die Grundlagen von Ehe und Familie. Im Folgenden einige Zitate aus seiner Ansprache:

Die verschiedenen Formen der Auflösung der Familie von heute wie die ‘Ehe ohne Trauschein’, die ‘Ehe auf Probe’ bis hin zur Pseudo-Ehe von Personen des gleichen Geschlechts sind Ausdruck einer anarchischen (gesetzlosen) Freiheit, die zu unrecht als wahre Befreiung dargestellt wird. Eine solche Pseudo-Freiheit gründet sich auf einer Banalisierung des Körpers, die unausweichlich die Banalisierung des Menschen mit einschließt. Deren Grundsatz ist, dass der Mensch mit sich machen kann, was er will …

Ehe und Familie sind in Wirklichkeit keine zufällige soziologische Konstruktion oder das Ergebnis besonderer historischer und wirtschaftlicher Umstände. Im Gegenteil hat die Frage der richtigen Beziehung zwischen Mann und Frau ihre Wurzeln im tieferen Wesen des menschlichen Seins und kann ihre Antwort nur von hier aus haben… Der Mensch ist nach dem Ebenbild Gottes geschaffen und Gott selbst ist die Liebe. Daher macht die Berufung zur Liebe die wahre Gottesebenbildlichkeit des Menschen aus: er wird Gott ähnlich in dem Maß, in dem er zu jemandem wird, der liebt. …

Die Ehe als Institution ist nicht ein unangemessenes Eingreifen der Gesellschaft oder der Behörde, eine formelle Auflage von Außen in die private Sphäre des Lebens; sie ist vielmehr eine Erfordernis, die dem Versprechen der ehelichen Liebe und der Tiefe der menschlichen Person innewohnt.

Irmgard Hagspiel – ein Leben im Dienst des Lebens

Eine „Mutter“ vieler Kinder

Irmgard Hagspiel, die in Bregenz gelebt, aber durch ihre Wirken über die Grenzen Vorarlbergs hinaus bekannt geworden ist, ist am 13. Feb. 2005 verstorben. Sie hat uns das Beispiel einer außergewöhnlichen Nächstenliebe hinterlassen, die vorbildlich ist und die nachahmenswert bleibt.

Irmgard Hagspiel, 1922 geboren, absolvierte während des Krieges eine Ausbildung als Handarbeits- und Hauswirtschaftslehrerin und war 35 Jahre lang in der von den Dominikanerinnen des Klosters Thalbach geführten Mädchenhauptschule in Bregenz als Lehrerin tätig. Zunächst unterrichtete sie 10 Jahre lang Hauswirtschaft. Nach dem Besuch eines Seminars für Sexualerziehung unterrichtete sie ab 1951 auch dieses Fach. Bald sprach es sich herum, dass sich hier jemand zutraut, dieses heikle Thema vor 13- bis 18-jährigen Schülern zu behandeln. So erhielt sie im Rahmen eines Schulversuches eine halbe Dienstverpflichtung für Hauswirtschaft und eine halbe für Vorträge in den Schulen und für Elternabende.

Sie fuhr in ganz Vorarlberg von Ort zu Ort und kam auch in die Schweiz. Sie betreute rund 150 Schulen. Mit sehr kluger und einfühlsamer Pädagogik verstand sie es, den jungen Menschen das nötige Wissen und die sittliche Wahrheit zum Thema Sexualität nahe zu bringen. Die Schüler hatten mit ihren vielen Fragen großes Vertrauen zu ihr.

Im Laufe der Zeit erkannte sie immer klarer, dass sie nicht jeden Tag in den Schulen nur sagen konnte: „Abtreibung ist nie eine Lösung“, ohne selbst eventuelle Konsequenzen zu tragen.

Und tatsächlich: Fünf Jahre nach Beginn ihrer Vortragstätigkeit kam der erste Anruf einer Schülerin. Sie kenne ein schwangeres Mädchen, das wolle Selbstmord verüben. Sie traue sich nicht, es den Eltern zu sagen. In dieser Nacht noch fährt Frau Hagspiel los, um mit dem Mädchen zu reden – und es wendet sich alles zum Guten. In dieser Art geht es weiter: “Immer wieder kamen Mitschüler oder Mitschülerinnen von in Not geratenen Mädchen zu mir und baten mich um Hilfe. Wenn sich herausstellte, dass die Situation des Mädchens zu Hause nicht abgefangen wurde, habe ich ihm vorgeschlagen, die Schwangerschaft und das Karenzjahr mit dem Kind bei mir zu verbringen.”

So kam es, dass sie im Laufe der Zeit insgesamt 48 Frauen und Mädchen für länger oder kürzer in ihre kleine Wohnung aufnahm, um ihnen in ihrer schwierigen Situation zu helfen. Durch ihren selbstlosen Einsatz konnten über 50 Kinder das Licht der Welt erblicken, die in Gefahr waren abgetrieben zu werden. 19 Kinder konnte sie zur Adoption vermitteln.

Die innere Kraft für ihr Tun fand sie immer wieder im Gebet vor dem eucharistischen Herrn. Sie erhielt vom Bischof die Erlaubnis, in ihrer Wohnung eine eigen kleine Kapelle mit dem Allerheiligsten einzurichten. “Ich habe sehr viel Schönes erlebt. Ganz glücklich war ich, wenn eine Frau in der Zeit, in der sie bei mir war, zu Gott fand. Das war oft ein langer Prozess.”

Rund 40 Jahre hat sie diesen Dienst an Frauen in Not und ihren Kindern neben ihrem Beruf in der Schule und ihrer Tätigkeit als Wanderpredigerin ausgeübt. Als junge Frau hatte sie die Absicht zu heiraten, aber ihr Verlobter kam nicht mehr aus dem Krieg zurück. So blieb sie ehelos und lebte ihre Leben für Gott. Aber gerade dadurch reifte sie zu einer große Nächstenliebe und so ist sie zur Mutter für viele Kinder geworden.

Ich habe Ströme von Tränen erlebt

Aus einem ihrer Vorträge über Sexualerziehung:

Ich habe im Laufe von 30 Jahren mit ca. 85.000 Jugendlichen über sexuelle Fragen gesprochen und leider tausendfach erfahren, in welches Meer von Verzweiflung und Leid diese jungen Menschen geraten, wenn sie der allgemein propagierten und durch die Medien geförderten Unmoral erliegen, die ihnen viele Erwachsene auch vorleben. Wo sind aber die Menschen, die sie auffangen in ihrer Not, die zu helfen und zu trösten versuchen und ihnen helfen, Schuld zuzugeben, zu bereuen und neu zu beginnen, auch wenn jetzt manches schwerer ist? Es lohnt sich aber, haben sie ja noch das ganze Leben vor sich! Werden sie jedoch nicht zu einem neuen Beginn aufgefangen, dann geht die Talfahrt von Abenteuer zu Abenteuer weiter, und die innere Not wird immer aussichtsloser. Ich habe Ströme von Tränen und viel Verzweiflung erlebt. Wer will das eigentlich? Verurteilt nicht die Betroffenen; dazu haben wir niemals das Recht. Aber helft zu trösten, abzufangen, aufzurichten, verhelft zu einem neuen Beginn. Das ist mühsam, aber es lohnt sich, auch nur einen jungen Menschen herauszuholen aus dieser Gefangenschaft. Christa Meves sagte einmal: “Die Revolution gegen die Moral wird ihre eigenen Kinder fressen.” Hat das nicht schon begonnen, wenn wir an Gewalt, Drogen, Abtreibung und Aids denken? Die schlimmste Meinung, die man dazu haben kann, ist wohl die: “Da kann man halt nichts machen, heute ist eben alles anders.” Diese Hoffnungslosigkeit der Guten ist gefährlich und zutiefst unchristlich. Sagen wir es wieder laut, nicht nur in der Familie, sondern auch in der Öffentlichkeit und im Kirchenraum: “Kehrt um, so geht es nicht weiter!” – solange, bis die Menschen wieder aufhorchen und es glauben.