Hl. Theresia von Lisieux – Kindsein vor Gott

Auf die Frage, was sie darunter verstehe: “vor Gott ein kleines Kind bleiben”, antwortete die hl. Theresia von Lisieux einmal:

Es bedeutet, sein Nichts anerkennen, alles von Gott erwarten, so wie ein kleines Kind alles von seinem Vater erwartet. Es bedeutet, sich über nichts Sorgen machen, sich keine besonderen Verdienste ansammeln wollen. Sogar bei den armen Leuten gibt man dem Kind alles Notwendige. Sobald es aber erwachsen ist, lehnt sein Vater es ab, länger für es aufzukommen und erklärt ihm: “Arbeite jetzt, du kannst nun für deinen Unterhalt selbst sorgen.” Nun, um das nie (von Gott) hören zu müssen, wollte ich nicht größer werden, denn ich fühlte mich unfähig, mir mein Leben, mein ewiges Leben selbst zu verdienen. Daher bin ich immer klein geblieben und habe keine andere Beschäftigung, als Blumen zu pflücken, die Blumen der Liebe und des Opfers, und sie Gott zur Freude anzubieten. Klein bleiben bedeutet darüber hinaus, sich nicht selbst die Tugenden zuschreiben, die man praktiziert, als halte man sich zu irgend etwas fähig, sondern anerkennen, dass Gott diesen Reichtum in die Hände seines kleinen Kindes legt, damit es sich dessen bedient, wenn es seiner bedarf. Aber immer bleibt es Gottes Reichtum. Endlich bedeutet es, sich nicht wegen seiner Fehler entmutigen lassen, denn Kinder fallen oft, aber sie sind zu klein, um sich schwer zu verletzen.

Hl. Franz von Sales – Wir wollen ja keine Schätze auf Erden

Franz von SalesVom hl. Franz von Sales, dessen Gedenktag wir am 24. Jänner feiern werden eine Reihe von Anekdoten erzählt über seine Herzensgüte und Selbstlosigkeit.
Herr Rolland, der Diener des hl. Franz von Sales, sah einmal einen Bettler mit dem Silbergeschirr seines Herrn davoneilen. Er war davon überzeugt, einen Dieb auf frischer Tat ertappt zu haben, packte deshalb den Bettler und zerrte ihn zurück ins Bischofshaus. Er sagte zu Franz von Sales ganz erregt, er habe soeben einen Dieb gefasst, der behaupte, das bischöfliche Silbergeschirr geschenkt bekommen zu haben. Franz von Sales bestätigte dies und fragte, ob er denn der Meinung sei, dass er dem Bettler auch noch seine Silberleuchter geben solle.

Bei seinem letzten Aufenthalt am Hof in Turin 1622 schenkte die Prinzessin Christine von Frankreich dem Bischof Franz von Sales einen Diamantring im Wert von 400 Goldtalern. Einige Tage später wurde er von seinem Begleiter Rolland nach dem Ring gefragt. Franz von Sales wusste nicht mehr, wohin er den Ring gegeben habe, und meinte schon, er hätte ihn verloren, was Rolland fast zur Verzweiflung brachte. Glücklicherweise entdeckte er ihn jedoch später und befahl Rolland, den Diamantring so bald wie möglich zu verkaufen und das Geld für die Armen zu verwenden. “Wir wollen ja keine Schätze auf Erden”, meinte Franz von Sales, “sondern Schätze im Himmel gewinnen.”

Theresia von Lisieux – An Gott denken

Als die hl. Theresia v. Lisieux noch in die Volksschule ging, fragte sie ihre Lehrerin einmal, was sie an den schulfreien Tagen machen würde, wenn sie allein sei.

»Ich antwortete ihr, daß ich hinter mein Bett ginge, in einen leeren Zwischenraum, der sich dort befand und den ich leicht mit dem Vorhang abschließen konnte. Dort würde ich “denken”. “Aber an was denkst du?” fragte sie mich. “Ich denke an Gott, an das Leben … an die Ewigkeit, kurz und gut: ich denke! …” Die gute Ordensfrau lachte sehr über mich. Später erinnerte sie mich gern an die Zeit, wo ich dachte, indem sie mich fragte, ob ich immer noch denke … Heute verstehe ich, dass ich damals das innere Gebet übte, ohne es zu wissen, und dass mich Gott darin bereits im Geheimen unterrichtete.«

Es ist gar nicht so einfach, beim Beten wirklich an Gott zu denken, das braucht tägliche Übung.

Das Gottvertrauen des sel. Carl Lampert

Der selige Carl Lampert, der am 13. Nov. 2011 seliggesprochen wurde, ist für uns ein großer Fürsprecher und ein Vorbild für unseren Glauben. Sein Leidensweg, den er gegangen ist, spornt uns an, auch in allen Prüfungen und Leiden auf Gott zu vertrauen. Einige Abschnitte aus seinen Briefen, die er aus dem Gefängnis geschrieben hat, geben uns Zeugnis von seinem Glauben:

“Es ahnt´s ja niemand, was für trostlose Stunden und Stürme für Seele und Gemüt in solcher Lage durchzukämpfen sind, nur Gott sieht es. Doch genug von diesem Lied! Zwei Dinge geben mir zu allem Kraft, der Vorsehungsglaube und das manchmal geradezu greifbare Fühlen, wie nahe der Herr mir ist; wie glücklich und dankbar bin ich Ihm dafür und denen, die mir dazu helfen. So sei mein Leid der gehorsame Beitrag zu dem, wozu Gott es geschickt” (4. 7. 1943 aus dem Gefängnis in Stettin).

“So lebe und trage ich in dieser Kraft die so erdrückende Last dieser meiner Lage und finde immer wieder die Kraft dazu. Die unverdiente Gnade meines unbedingten Gottvertrauens hat mich immer in meinem Leben begleitet und ist in der Hitze und Last dieser meiner Leidensjahre nur noch stärker geworden, je stärker das Leid und die Prüfung auf mich eindrangen. Ich hab immer nur einen Gedanken und der lautet: Gott weiß und sieht alles!” (Herz-Jesu-Fest 1944 aus dem Gefängnis Torgau).

Carl Lampert – Alles steht in Gottes Hand, auf ihn vertraue ich

Der 13. November 2011 ist für unsere Diözese ein großer Tag. Provikar Dr. Carl Lampert wird als Märtyrer des Glaubens seliggesprochen. Die Feier der Seligsprechung wird in Dornbirn in der Pfarrkirche St. Martin um 16.30 sein. Carl Lampert war ein großer Glaubenszeuge in einer schwierigen Zeit und er wird uns durch sein Beispiel und seine Fürsprache helfen, dass auch wir in den Verwirrungen unserer Zeit treu den Weg des katholischen Glaubens gehen.

Carl Lampert stammt aus Göfis, wo er am 9. Januar 1894 als jüngstes von sieben Kindern zur Welt kam. Seine Familie lebte in einfachen Verhältnissen. Nach der Matura trat er 1914 in das Priesterseminar in Brixen ein. Dort fiel der Student aus Vorarlberg vor allem durch sein feines Wesen, seine freundliche Art und sein elegantes Äußerliches auf. Am 12. Mai 1918 empfing er die Priesterweihe.

Seine erste Dienststelle trat Carl Lampert als Kaplan in Dornbirn-Markt an. Hier suchte er vor allem in vielen Vereinen den Kontakt zu den Jugendlichen, die er auch in verschiedenen Schulen unterrichtete. 1930 wurde er vom Bischof zum Studium des Kirchenrechts nach Rom gesandt. Die Zeit in Rom war für ihn, wie er später sagte, die glücklichste Zeit. 1939 – während der Herrschaft der Nationalsozialisten – wurde Dr. Carl Lampert zum Provikar der neuen errichteten Administratur Innsbruck-Feldkirch ernannt. Mit großem Verantwortungsbewusstein setzte er sich für kirchliche Anliegen ein.

Der Innsbrucker Gauleiter Franz Hofer hatte sehr bald erkannt, dass er in Lampert den gefährlichsten kircheninternen Gegner hatte, den er beseitigen wollte. Provikar Lampert trat sehr mutig und entschieden gegen kirchenfeindliche Handlungen der örtlichen nationalsozialistischen Gauleitung auf und verteidigte die Rechte der Kirche. Mehrmals wurde er dafür in Gestapo-Haft genommen. Der Fall des Pfarrers von Götzens, Otto Neururer, der am 30. Mai 1940 in Buchenwald ermordet wurde, brachte ihn schließlich selbst ins Konzentrationslager. Provikar Lampert hatte eine Todesanzeige für Pfarrer Neururer verfasst, die den Nationalsozialisten nicht passte.

Der Leidensweg Carl Lamperts führte ihn ab 25. August 1940 durch die Konzentrationslager Dachau, Sachsenhausen-Oranienburg und wiederum Dachau. Dort wurde er am 1. August 1941 entlassen, erhielt aber in Tirol „Gauverbot“ und musste sich fortan im Gau Pommern/Mecklenburg aufhalten. Dahinter steckte ein ausgeklügelter Plan, Lampert mittels eines Spitzels der Spionage zu überführen und sein Todesurteil vorzubereiten. Dieser Spitzel schleuste sich als „Ing. Hagen“ ein und sammelte fortan das Material für den Prozess. Sein Lügenprotokoll war Grundlage der Anklage gegen Provikar Carl Lampert und führte zu einem dreimaligen Todesurteil, das schließlich am 13. November 1944 vollstreckt wurde. Er wurde mit dem Fallbeil enthauptet. Seine letzen Worte unmittelbar vor der Hinrichtung waren “Jesus, Maria”.

Provikar Lampert musste in den Gefängnissen Schlimmes durchmachen, aber er war bis zuletzt getragen von einem tiefen Gottvertrauen. An seinen Bruder Julius schrieb er im Sept. 1944: “Nun ist mein Trost und meine Stärke Matthäus 5,11: ‘Selig seid ihr, wenn euch die Menschen schmähen und verfolgen und alles Böse fälschlich wider euch aussagen um meinetwillen. . . .’ Wie lange ich noch lebend zu erreichen bin, weiß ich nicht, es kann auch schnell gehen. Alles steht in Gottes Hand, auf ihn vertraue ich, seinen Willen erfüllen will ich und bin bereit – auch zum Letzten! Nun ist alles noch ein Wettlauf der Zeit mit dem Tode – und ‘irgend eine Erlösung naht!'”

Mein letzter Atemzug sei ein inniger Dank

Am 8. April 1943 verfasste Dr. Lampert in Stettin sein Testament. Auch sein Letzter Wille beginnt damit, dass er Gott dankt für all die Liebe, die er in seinem Leben spüren konnte:

„Mein irdisches Leben übergebe ich meinem Gott und Schöpfer, wann und wie immer er es von mir fordern wird, meiner unsterblichen Seele möge er durch Christi Erlösungstat ein barmherziger Richter und Vater sein. Mein letzter Atemzug noch sei ein inniger Dank an den hl. dreieinigen Gott, für alle Gaben und Wohltaten meines ganzen Lebens, namentlich aber für das große Geschenk eines katholischen Elternhauses und der Auserwählung zum Kinde Gottes und Berufung zum Priestertum – Christ und Priester zu sein, war mein höchstes Glück, es leider nur so menschlich-armselig gewesen zu sein, mein tiefstes Leid …”

Zwei Wochen vor seinem Tod schrieb Provikar Lampert an seinen Freund Alfons Rigger; es war der Vorabend zum Christkönigssonntag, und er formulierte noch einmal sehr eindringlich seine gläubige Zuversicht:

„Doch es hat keinen Sinn, sich über die Existenz des Teufels zu unterhalten, wo er so reichlich zu erleben ist! Noch mag er triumphieren, niemals aber wird er siegen! – Christkönigstag heute, wie leuchtet sein Reich auf im Dunkel dieser entsetzlichen Zeit … immer mehr wollen wir ihm zugehören, immer tiefer und treuer, damit wir seines Reiches glückselige Herrlichkeit einst miteinander bei ihm genießen dürfen…”

Hl. Franz von Assisi – Portiunkula

Der 2. August ist der sogenannte Portiunkula-Tag. Er erinnert uns an jene Kapelle in Assisi, die Maria, Unserer Lieben Frau von den Engeln geweiht ist, und die der hl. Franz mit eigenen Händen wieder aufgebaut hat, da er von großer Liebe zu Maria erfüllt war. Dieses Kirchlein war für den hl. Franz von großer Bedeutung.

“Hier legte er den Grundstein für ein Leben in Vollkommenheit, hier schritt er in den Tugenden wunderbar voran, hier vollendete er seinen Lebenslauf durch einen seligen Tod und sterbend empfahl er seinen Brüdern diese Kirche als von der Heiligen Jungfrau geliebten Ort”, sagt der hl. Bonaventura.

Und an diesem Ort gründete der heilige Franz auch seinen Orden der Minderbrüder. In einer Vision sah er, dass viele blinde Menschen an diesem Ort durch eine Flamme vom Himmel das Augenlicht erhielten. Das hat sich wirklich erfüllt.

Pfarrer von Ars – Weil ich die Sünde hasse, liebe ich den Sünder

Pfarrer von ArsAm 4. August feiert die Kirche das Fest des hl. Pfarrers von Ars. Wegen seiner Treue in der Christus-Nachfolge und in der Sorge um das Seelenheil der Menschen hatte er auch viel zu leiden. Aber sein Beispiel gibt uns Mut, in allen Bedrängnissen standzuhalten. Gott wird daraus großen Segen fließen lassen.

Es waren schon fast zehn Jahre vergangen seit seiner Berufung nach Ars. Immer wieder wird der Pfarrer angegriffen. Sein Eifer und seine Strenge stoßen oft auf Gegenwehr, so dass man in den Wirtshäusern immer mehr gegen ihn spottet. Selbst seine eigenen Priesterkollegen ziehen über ihn her. Natürlich kommt es auch zu Verleumdungen beim Bischof, der aber zu ihm steht.

Für Johannes-Maria Vianney sind alle Verleumdungen nur ein Kreuz. Seine Einstellung dazu drücken folgende Zitate aus: “Was braucht man, um den Himmel zu verdienen? Die Gnade und das Kreuz.” Oder “Niemals war ich so glücklich wie in den Augenblicken, da ich verfolgt und verleumdet wurde. Gott überschüttete mich dann mit Tröstungen, Gott gewährte mir alles, worum ich ihn bat.”

Doch eines der schlimmsten Ereignisse sollte beinahe so weit führen, dass der Pfarrer aus Ars flüchten wollte. Gegen Ende des Jahres 1826 stirbt die Witwe Matin, deren Tochter Christine dem Tanzfieber verfallen ist. Christine verfällt daraufhin in eine Lethargie, die vom Pfarrer von Ars wahrgenommen wird. Als sich herausstellte, dass sie ein Kind erwartete, herrschte im ganzen Dorf ziemliche Unruhe.

Doch Pfarrer Vianney nimmt sie in Schutz. “Weil ich die Sünde hasse, liebe ich den Sünder”, antwortet er den Menschen von Ars. Es ist eine dunkle Nacht im September, als Christine ihr Kind zur Welt bringt. Dies erregt noch mehr den Spott von einigen Dorfbewohnern, vor allem der jungen Burschen.
Als der Pfarrer von Ars sie beschützen will, wird in einem der Wirtshäuser das Gerücht in Umlauf gesetzt, dass vielleicht doch der Pfarrer selber der Vater sein könnte. Nach einiger Zeit ist plötzlich Christine verschwunden. Sie hat den Druck der Mitmenschen nicht mehr ausgehalten und ist in die Saône gesprungen.

Als der Pfarrer den Leichnam der Selbstmörderin auf dem Friedhof begräbt, löst dies neue Proteste aus. Mutter Renard, die Haushälterin des Pfarrers, weigert sich ebenfalls, das Kind von Christine zu behalten, worauf es der Pfarrer von Ars in die Providence bringt und sagt: “Das schickt euch der liebe Gott”. Selbst Katharina Lassagne plagen nun die Zweifel an Johannes-Maria Vianney.

Inzwischen werden die Verleumdungen immer mehr, niederträchtige Briefe werden vor dem Pfarrhaus deponiert. Doch der Pfarrer von Ars schweigt beharrlich zu all den Vorwürfen gegen seine Person, obwohl er dabei Furchtbares durchmachen muss. Er sagt: “Ja, ich leide, wie ich nie zuvor gelitten habe. Gegen dieses Leid war alles andere nichts. Heute ist ein Kind, das mir sonst stets freundlich die Hand gab, vor mir fortgelaufen, als wäre ich der Leibhaftige.”

Das Werk des heiligen Pfarrers von Ars, das inzwischen aufgebaut ist, droht unterzugehen, da nun selbst gutgesinnte Menschen Zweifel an ihm bekommen.

Inzwischen kommt sogar der Dechant von Trévoux, der vom Bischof beauftragt ist, ins Pfarrhaus. Er schlägt ihm vor, entweder den Rücktritt einzureichen oder eine Volksmission für Ars zu organisieren. Der Pfarrer von Ars entscheidet sich vorerst für die Mission. Kartäusermönche aus Lyon kommen und predigen tagelang auf der Kanzel und verteidigen den Pfarrer, doch die Leute von Ars sagen: “Wenn er selbst nicht spricht? Wie soll man ihm da glauben?”

Doch Gott läßt Johannes Maria Vianney nicht im Stich. Am dritten Tag nach Beginn der Mission ereignet sich ein Unfall. Ein Pferdeknecht des Bauern Trève, der sich über den Pfarrer von Ars im Wirtshaus lauter als alle anderen lustig gemacht hat, wird von einem Hufschlag getroffen und ruft in seinem Todeskampf nach einem Kartäuser. Nach der Beichte ließ der Priester sofort den Bürgermeister des Dorfes und andere Ehrenmänner holen und fordert sie auf, das Geständnis des Sterbenden zu hören: “Ich bin der Vater des Kindes, das Christine Matin geboren hat. Ich habe es dem Pfarrer Vianney längst schon in der Beichte bekannt, aber er hat nicht gesprochen….” Wenige Augenblicke nach dem Geständnis stirbt er.

Sofort verbreitet sich die Nachricht im ganzen Dorf, doch fast scheint es zu spät zu sein, da Pfarrer Vianney inzwischen seinen Rücktritt beim Bischof eingereicht hat. Schließlich kann aber doch noch dank der Intervention des Bürgermeisters und des Grafen Garets erreicht werden, daß der Rücktritt vom Bischof zurückgenommen wird. Durch dieses Ereignis wird die Pfarrgemeinde von Ars derart erschüttert, daß die Mission zu einem gigantischen Erfolg wird. Fast das gesamte Dorf bekennt seine Sünden und keiner spricht mehr schlecht über den Pfarrer. “Ars ist nicht mehr Ars!”

Quelle: www.kath.net

Hl. Schwester Faustyna – Das alles für die Erlösung der Seelen

hl. Sr. FaustynaGott hat uns durch das Leben und die inneren Erfahrungen der hl. Schwester Faustyna noch einmal seine unendliche Barmherzigkeit geoffenbart. Die Feier des Sonntags der Barmherzigkeit, der Barmherzigkeits-Rosenkranz und die Novene zur göttlichen Barmherzigkeit sind Früchte der Gnade, die Sr. Faustyna durch ihre innere Vereinigung mit Jesus der Kirche geschenkt hat. Ihr Tagebuch, das sie auf Anweisung ihre Beichtvaters geschrieben hat, ist reich an geistlichen Erfahrungen, die in ähnlicher Form für jeden Gläubigen bedeutsam sind. Immer wieder geht es um das Gebet und Opfer vereint mit Jesus zum Heil der Menschen. Als Christen leben wir nicht mehr für uns selber. Es geht immer um die Verwirklichung der Liebe Christi.

7. Juli 1937: “Am Abend erblickte ich den gekreuzigten Herrn. Von den Händen, Füßen und aus der Seite floss das allerheiligste Blut. Nach einer Weile sagte mir Jesus : ‘Das alles für die Erlösung der Seelen. Überlege, Meine Tochter, was du für ihre Rettung tust.’ Ich entgegnete: ‘Jesus, wenn ich auf Deine Leiden sehe, dann tue ich fast nichts, um Seelen zu retten.’ Da sagte mir der Herr: ‘Wisse, meine Tochter, dass dein tägliches, stilles Leiden in voller Hingabe an Meinen Willen viele Seelen in den Himmel führt; und wenn du meinst, dass das Leiden deine Kräfte übersteigt, schau auf Meine Wunden, dann wirst du dich über Verachtung und Urteil der Menschen erheben. Die Betrachtung Meines Leidens wird dir helfen, alles zu übersteigen.’ Ich konnte viele Dinge begreifen, die ich früher nicht verstand.”

Sr. Faustyna hat auch erfahren, wie wichtig das Gebet und Opfer für die Seelen der Verstorbenen ist. Sie schreibt:

9. Juli 1937: “Am Abend kam eine unserer verstorbenen Schwestern zu mir. Sie bat mich um einen Fastentag und die Aufopferung aller Tagesübungen für sie. Ich sagte zu.

Am nächsten Tag, gleich am Morgen, begann ich alles in der Meinung der Schwester zu tun. Während der heiligen Messe litt ich kurz ihre Qualen. Ich spürte in meiner Seele einen so starken Hunger nach Gott, dass ich meinte, vor Sehnsucht nach Vereinigung mit Ihm zu sterben. Das dauerte nicht lange, aber ich begriff, was die Sehnsucht der Seelen im Fegefeuer ist.

Gleich nach der heiligen Messe bat ich die Mutter Oberin um Fastenerlaubnis, erhielt sie aber nicht, weil ich krank war. Als ich aus der Kapelle ging, hörte ich die Worte: ‘Würden Sie, Schwester, fasten, hätte ich erst am Abend Linderung erfahren, aber des Gehorsams wegen, der Ihnen zu fasten verbot, erhielt ich die Linderung sofort. Gehorsam hat große Macht.’ — Nach diesen Worten hörte ich: ‘Vergelt’s Gott.'”

Die meisten von uns werden diese geistigen Wirklichkeiten nicht so bildlich und unmittelbar wie die hl. Sr. Faustyna erfahren. Aber das ändert nichts daran: Alles, was wir aus Liebe zu Jesus opfern, beten und ertragen, bringt reiche Frucht.

Sel. Johannes Paul II. – Er wusste unser Leben zu würdigen

Am 1. Mai wurde Papst Johannes Paul II. in Rom seliggesprochen. Etwa 1,5 Millionen Menschen haben an der Seligsprechung teilgenommen. Johannes Paul II. war ein großer Zeuge des Glaubens und der Liebe Gottes. Oft hat er bei seinen Reisen in spontanen Gesten seine Hirtenliebe für die Kleinen und Unscheinbaren gezeigt, um die Menschen im Glauben zu stärken. Eine Begebenheit aus seinem Leben zeigt uns dies eindrucksvoll:

Bei seinem letzten Besuch in Polen im Jahre 1999 wollte Papst Johannes Pauls II. als alter und kranker Mann noch einmal einen Tag am masurischen See verbringen. Als junger Kaplan hatte er dort mehrere Kajaktouren unternommen. Am späten Vormittag äußerte der Papst überraschend den Wunsch: er würde gerne die Familie Milewski im Dorf Leszczewo besuchen – dort einen Blitzbesuch machen, der nicht geplant war!

Die Organisatoren waren baff. “Familie Milewski? – wer soll das überhaupt sein. Und warum dieser Besuch?” “Vor vierzig Jahren etwa habe ich dort” – so der Papst – “an einem besonders heißen Tag ein Glas kühler Sauermilch geschenkt bekommen.” Dem Papst war diese Begebenheit jetzt eingefallen. Er wollte gerne sehen, ob es den ärmliche Bauernhof noch gibt. Der Ortspfarrer wurde eingeschaltet. “Milewski? … Ja die Familie gibt es … Der Vater ist schon recht alt.” “Hören Sie, in einer Stunde kommt dort ein Bischof vorbei. Bereiten sie die Leute vor!” Kaum ist das ärmliche Haus etwas aufgeräumt, hält schon die Wagenkolonne. Der Papst steigt aus. Die Überraschung konnte nicht größer sein. Groß war auch die Verblüffung über den Grund des Besuchs, hatte doch der Herr Milewski unzählige Gläser Sauermilch im Leben verschenkt. Und jetzt kam der Papst bei ihm zu Besuch, um sich noch einmal bei ihm zu bedanken.

Eine Woche später wurde der Bauer von Journalisten gefragt, ob sich etwas bei ihm seit dem Besuch des Papstes verändert hätte. Seine Antwort: “Früher habe ich meine Armut oft verflucht. Es schien kein Sinn mehr im Leben zu sein. Und da kam der Papst zu uns und wusste unser Leben zu würdigen. Das hat meine Einstellung zu meinem Leben geändert.”

Die Tatsache, dass der Papst diesem einfachen Bauern seine Wertschätzung gezeigt hat, hat diesen Mann verändert. Rein äußerlich hat sich nichts verändert: immer noch dieselbe Armut und immer noch dieselbe Mühsal. Und doch ist alles anders seit dem Tag, als der Papst das Leben dieses kleinen Bauern durch seinen Besuch gewürdigt hat.

Diese Begebenheit ist ein Zeichen für uns. Wie wichtig ist es doch, dass wir uns an die Wohltaten erinnern, die wir von so vielen Menschen um uns empfangen haben. Eine Geste der Dankbarkeit und Wertschätzung baut die Menschen auf. Aber Jesus sagt auch: “Wer einem von diesen Kleinen auch nur einen Becher frisches Wasser zu trinken gibt, weil es ein Jünger ist – amen, ich sage euch: Er wird gewiss nicht um seinen Lohn kommen” (Mt 10, 42). So wie der sel. Johannes Paul II. sich an diesen Bauern erinnert hat, so wird uns auch Gott alles lohnen, was wir aus Liebe und Erbarmen den Menschen tun.

Der sel. Martín Martínez Pascual – Ich will nichts weiter als euch den Segen geben

Das Foto des sel. Martín Martínez Pascual, das unmittelbar vor seiner Hinrichtung gemacht wurde, erinnert uns an den hl. Stephanus, von dem es heißt: “Er aber, erfüllt vom Heiligen Geist, blickte zum Himmel empor, sah die Herrlichkeit Gottes und Jesus zur Rechten Gottes stehen und rief: Ich sehe den Himmel offen und den Menschensohn zur Rechten Gottes stehen.” (Apg. 7, 55f) Mit entschlossenem und frohen Blick konnte er dem Tod ins Auge sehen, weil er durch den Tod hindurch schon den auferstandenen Herrn sah.

In den Jahren 1936 bis 1939 wütete in Spanien ein Bürgerkrieg, der von Seiten der linken Republikaner zu einer schweren Verfolgung der katholischen Kirche geführt hat. Tausende Christen wurden von den republikanischen Milizen oft auf grausamste Weise um des Glaubens willen umgebracht, vor allem auch viele Ordensleute, Seminaristen, Priester und Bischöfe. Papst Benedikt XVI. hat 498 dieser Märtyrer im Jahr 2007 seliggesprochen.

Einer von diesen Märtyrern ist der selige Martín Martínez Pascual. Er wurde 1910 geboren, 1935 zum Priester geweiht und übernahm dann eine Aufgabe in der Priesterausbildung. Im Sommer 1936 verbrachte er einige Ferientage im Heimatdorf, als dort im Zuge des spanischen Bürgerkriegs republikanische Milizen auftauchten. Zuerst versteckte er sich. Am 26. Juli feierte er seine letzte hl. Messe und trug danach den Leib des Herrn bei sich. Durch öffentlichen Aushang wurden dann die Priester aufgefordert, sich dem örtlichen Komitee zu stellen, ansonsten drohte man ihren Angehörigen schreckliche Konsequenzen an. Am Morgen des 18. August stellte er sich. Mit anderen wurde er eingesperrt. Ihnen konnte er die hl. Kommunion reichen. Ein befreundeter Milizionär wollte ihm zur Flucht verhelfen. Er lehnte ab, weil er mit seinen Brüdern als Märtyrer sterben wollte. Am Abend des Tages, gegen 18.00 Uhr, wurde er mit sieben anderen Priestern von bewaffneten Milizionären durch das Dorf getrieben, vorbei an brennenden sakralen Gegenständen und Devotionalien. Schließlich wurden sie zu weiteren Leidensgenossen auf einen LKW verfrachtet. Sie wurden aus dem Dorf gebracht und erschossen. Es heißt: Der selige Martín wurde nach seinem letzten Wunsch gefragt. Er habe gesagt: “Ich will nichts weiter als euch den Segen geben, damit Gott euch die Dummheit, die ihr begehen werdet, nicht anrechnet.” Und nach dem Segen: “Jetzt laßt mich noch einmal mit aller Kraft rufen: Viva Christo Rey – Es lebe Christus, der König”! Zu den republikanischen Milizen gehörte ein Fotograf. Er habe das Foto des Seligen nur Augenblicke vor seiner Ermordung gemacht.