Die Wahrheit suchen

Der Philosoph Valentin Tomberg (1900-1973), der auf seiner Suche nach der Wahrheit zum katholischen Glauben fand, beschreibt seine Erfahrung in folgender Weise:

“Der Weg des Hermetismus (=Thomberg versteht darunter das aufrichtige Suchen nach Wahrheit und Weisheit), so einsam und intim er auch ist, umfasst authentische Erfahrungen, aus denen folgt, dass die römischkatholische Kirche in der Tat ein Verwahrer der christlichen geistlichen Wahrheit ist, und je mehr man auf dem Weg der freien Erforschung dieser Wahrheit voranschreitet, desto mehr nähert man sich der Kirche. Früher oder später erfährt man unweigerlich, dass die spirituelle Realität  mit einer erstaunlichen Genauigkeit  dem entspricht, was die Kirche lehrt: dass es Schutzengel gibt; dass es Heilige gibt, die aktiv an unserem Leben teilnehmen; dass die Heilige Jungfrau Maria real ist und dass sie fast genau so ist, wie sie von der Kirche verstanden, verehrt und dargestellt wird; dass die Sakramente wirksam sind und dass es sieben  und nicht zwei, drei oder gar acht  davon gibt; dass die drei heiligen Gelübde  Gehorsam, Keuschheit und Armut  in der Tat das Wesen aller authentischen Spiritualität ausmachen; dass das Gebet ein mächtiges Mittel der Nächstenliebe ist, sowohl im Jenseits als auch hier unten; dass die kirchliche Hierarchie die himmlische hierarchische Ordnung widerspiegelt; dass der Heilige Stuhl und das Papsttum ein Geheimnis göttlichen Wirkens darstellen; dass Hölle, Fegefeuer und Himmel Realitäten sind; dass schließlich der Meister selbst  obwohl er alle liebt, Christen aller Konfessionen wie auch alle Nichtchristen  seiner Kirche treu bleibt, da er dort immer präsent ist, da er die Gläubigen dort besucht und seine Jünger dort unterweist. Der Meister ist dort immer auffindbar und zugänglich.”

Für den aufrichtigen Sucher der Wahrheit erfüllt sich immer, was der Herr gesagt hat:  “Jeder, der aus der Wahrheit ist, hört auf meine Stimme”(Joh18,37).

 

Das Samenkorn des Glaubens

Juan Carlos, der jetzt als Pfarrer in Venezuela wirkt, erzählt aus seiner priesterlichen Erfahrung: »Es war ungefähr ein Jahr nach meiner Priesterweihe, als ich ein scheinbar alltägliches, doch wertvolles Erlebnis hatte. Eines Tages brach ich auf, um ein weit entferntes Dorf von Eingeborenen zu besuchen. Das Leben der dort ansässigen Menschen ist normalerweise karg und ihr Glaube nicht sehr tief. Bei meiner Visite erklärte ich ihnen, wie wichtig und notwendig es sei, gute Freunde zu besuchen. Dabei fügte ich hinzu, dass es auf der Welt keinen besseren Freund als Gott gäbe. Wir sollten ihn oft in seinem Haus besuchen. Prompt sagte einer der Männer dort mit überzeugter Stimme zu mir: “Padre, ich will in die Kirche gehen.” Er kam mit mir und wir sprachen über Gott. Von diesem Moment an betete er jeden Tag für seine Familie, die sehr arm war und nichts zu essen hatte.

Unter großen Opfern versuchte ich im Laufe des Jahres, den Leuten zu helfen. Ich schickte ihnen immer so viel, wie ich nur konnte. An Weihnachten erkundigte ich mich nach ihnen. Als ich erfuhr, dass der Mann krank war, beschloss ich, ihn aufzusuchen. Ich brachte ihm etwas zu essen mit und fragte ihn nach seinem Befinden. Er antwortete: “Ich bin glücklich.” Dann fügte er hinzu: “Mein großer Freund besucht mich jeden Tag, dabei bringt er uns immer gute Gaben. So braucht meine Familie, auch wenn ich krank bin, nicht mehr zu hungern. Danke, dass Sie mich mit diesem Freund bekannt gemacht haben.” Mir fehlten die Worte. Eine alltägliche Handlung in meinem priesterlichen Wirken hatte dazu beigetragen, dass im Herzen dieses Mannes ein felsenfester und einfacher Glaube entstanden war – er war sich sicher, dass “Er” es höchstpersönlich war, der ihm täglich Essen schickte. Darüber freute ich mich ungemein. Dank sei Gott für den Glauben dieses Mannes, der ihm Kraft schenkte, der Zukunft positiv ins Auge zu sehen.«

 

Bis zum Äußersten standhaft bleiben

Rund 200 Millionen Christen in 172 Ländern werden gegenwärtig weltweit stark diskriminiert und verfolgt. Sie leben in ständiger Gefahr, gefoltert und ermordet zu werden. Als religiöse Minderheit werden sie besonders in mehrheitlich islamisch- oder kommunistisch-regierten Staaten verfolgt. Islamische Terrororganisationen – wie z.B. “Islamischer Staat” im Irak und Syrien oder “Boko Haram” in Nigeria sowie die “Taliban” in Afghanistan und Pakistan – sehen im Christentum einen Irrglauben, der aus ihrem Einflussbereich mit allen Mitteln vertrieben werden soll. Ein Beispiel aus Pakistan:

Der 18 Jahre alte Akash Bashir aus der Gemeinde St. John in Lahor, Pakistan, hatte bei den Salesianern in Lahor die Schule absolviert und meldete sich für die Gruppe der Freiwilligen, die vor der Kirche für die Sicherheit der Gottesdienste sorgten. Er war sich im Klaren, dass immer etwas passieren konnte. Seine Eltern bezeugten, dass Akash eine Ahnung davon hatte, dass er einmal als Märtyrer für Christus sterben werde. Seine Mutter bat ihn einmal, nicht mehr vor dem Kirchentor zu stehen. Er antwortete, er wolle den Menschen Sicherheit geben und sich nicht um sein eigenes Leben kümmern. Am Sonntag, 15. März 2015 hatte er Dienst vor dem Eingang der Johanneskirche, in der etwa 2500 Menschen zur heiligen Messe versammelt waren. Während seines Dienstes erhielt er die Nachricht, dass die “Christus-Kirche”, eine 500 Meter entfernte anglikanische Kirche, von mehreren bewaffneten Männern angegriffen worden war. Akash versuchte, den Bereich vor der Johanneskirche zu sichern, als er einen Mann auf das Gebäude zulaufen sah – einen Terroristen, der auf ein weiteres Gemetzel aus war. Akash stellte sich ihm entgegen und versuchte, ihn zu blockieren. Der Mann bedrohte Akash und erklärte, er habe eine Bombe bei sich, aber Akash ließ sich nicht einschüchtern. Er hielt den Terroristen fest, um ihn am Betreten der Kirche zu hindern. Der Terrorist sprengte sich selbst in die Luft und verursachte etwa zwanzig Todesopfer, darunter auch Akash selbst. Die Opfer wären noch viel mehr gewesen, wenn es dem Terroristen gelungen wäre, in die Kirche einzudringen. Durch seinen Mut und die Hingabe seines Lebens hatte Akash vielen Menschen das Leben gerettet.

“Es war ein Akt der Liebe”, sagt eine junge Frau, die mit ihm befreundet war. “Akash war ein junger Katholik wie ich. Auch er erlebte Belästigungen, Drohungen, Diskriminierungen, nur weil er Jesus nachfolgte. Wie das Martyrium vieler anderer Katholiken in Pakistan ist uns der Tod von Akash ein Ansporn, um bis zum Äußersten standhaft zu bleiben.” “Akasch ging vor uns her und zeigte uns den Weg zum ewigen Leben. Durch sein Opfer begannen so viele Menschen, der Kirche zu dienen.”

Euer Lohn im Himmel wird groß sein

Das kommunistische Nordkorea gilt als der gefährlichste Ort für Christen. Staatsbürger müssen der Herrscherfamilie Kim und dem Regime gegenüber Ergebenheit zeigen. Vermutete Untreue – hierzu zählt auch das Bekenntnis zum christlichen Glauben – wird schwer bestraft. Überläufer schilderten, dass sich zwischen 50.000 und 70.000 Christen in Arbeitslagern befinden. Eine Schätzung besagt, dass 75% der Christen an den Folgen der harten Behandlung im Lager sterben. Es gibt Hinrichtungen ohne Gerichtsverfahren, Zwangsarbeit, Folter, Verfolgung, Tod durch Verhungern, Vergewaltigung, Zwangsabtreibung und sexuelle Gewalt. Gläubige wurden “an einem Kreuz über dem Feuer aufgehängt, unter einer Straßenwalze zerquetscht, von Brücken geworfen, totgetrampelt”, berichtet Missio. Jesus hat verheißen: “Euer Lohn im Himmel wird groß sein” (Mt 5,12).

 

Sel. Carlo Acutis – Die Eucharistie ist meine Autobahn zum Himmel

Am 10. Okt. 2020 wurde in Assisi Carlo Acutis von Papst Franziskus selig gesprochen. Der sel. Carlo Acutis ist am 12. Oktober 2006 mit 15 Jahren in Monza gestorben und in Assisi begraben. Gott hat an seinem Leichnam ein besonderes Zeichen gewirkt; er ist unverwest (siehe Bild), denn der sel. Carlo hat uns und besonders der Jugend ein außergewöhnliches Zeugnis gegeben, dass es auch heute möglich ist, den Weg der Heiligkeit zu gehen.

Carlo wurde am 3. Mai 1991 in London geboren. In ihm finden wir die Züge eines Jugendlichen unserer Tage. Er war aus gutem Haus, freundlich, gut erzogen; seine Hobbys waren Photographie, Computer, Informatik; er war bei seinen Mitschülern sehr beliebt und hilfsbereit. Er liebte die Tiere. Aber aus all dem leuchtet seine innige Beziehung zu Jesus Christus in der Eucharistie hervor. Denn von Kindheit an wollte er jeden Tag die heilige Messe mitfeiern und den Rosenkranz vor dem Tabernakel beten. Schon als Kind war seine Sehnsucht nach der hl. Kommunion so groß, dass sein Pfarrer ihm erlaubte, früher als üblich die hl. Kommunion zu empfangen. “Carlo war dabei wie verwandelt: Sein Blick war klar, sein Lächeln umwerfend. Er zeigte eine Tiefe und Reife, die ungewöhnlich war”, berichtet eine Ordensfrau über die Erstkommunion.

In einem längeren Interview mit der Zeitung “National catholic Register” erzählt die Mutter von Carlo am 27.2.2020 über sein Leben: “Carlo hat besondere Gnaden erhalten. Ich war nicht besonders fromm, aber Carlo wollte schon als Kind immer in die Kirche gehen. Er wollte immer hineingehen und Jesus besuchen, ihn grüßen.” “Carlo hat mich Gott näher gebracht. Er stellte Fragen, auf die ich keine Antwort wusste – vor allem aufgrund meiner mangelnden Katechismuskenntnisse. So begann ich, mehr über meinen Glauben zu lernen, und das war aufgrund von Carlo. Viele weitere Menschen können dies bezeugen: Menschen, die sich durch sein Beispiel und durch seine Worte bekehrt haben. Er lebte wirklich das, was er sagte. Er war ein Zeuge.”

“Er hatte einige Unvollkommenheiten. Er war in vielerlei Hinsicht ein normaler Junge. Er war also nicht perfekt, aber er hatte einen sehr starken Willen – und mit diesem Willen verbesserte er sich in vielerlei Hinsicht. Er sagte immer: ‘Was macht es schon aus, wenn man tausend Schlachten gewinnen kann, wenn man gegen seine eigenen korrupten Leidenschaften nicht gewinnen kann? Das spielt keine Rolle. Der wahre Kampf ist der mit uns selbst.'”

Die Mutter erzählte auch, dass Carlo eine Vision seines Großvaters hatte, der ihn bat, für ihn zu beten, da er im Fegefeuer sei. “Von da an begann Carlo für alle armen Seelen im Fegefeuer zu beten. Immer, immer, immer betete er für diese Seelen und versuchte, Ablässe für sie zu gewinnen. Er sagte immer, dass wir für die armen Seelen im Fegefeuer beten müssen, dass wir sie nicht vergessen dürfen und dass sie uns sehr helfen werden.”
“Bevor er starb, sagte er zu mir: ‘Mama, ich würde dieses Krankenhaus gerne verlassen, aber ich weiß, dass ich das nicht lebend tun werde. Aber ich werde dir Zeichen geben, dass ich bei Gott bin.’ Carlo war sich bewusst, dass sein Leben vollendet war. Er sagte: ‘Ich sterbe glücklich, denn ich habe mein Leben nicht damit verbracht, meine Zeit mit Dingen zu vergeuden, die Gott nicht gefallen haben.'”

“Wenn ich den Tod meines Sohnes nur auf irdische Weise betrachtet hätte, hätte niemand mich trösten können. Carlo hat mich gelehrt, ihn mit den Augen des Glaubens zu sehen.”

 

Sel. Carlo Acutis – Der Weg zur Heiligkeit

Auf einer seiner Websites hatte der sel. Carlo Acutis auch einige Grundsätze veröffentlicht, mit denen man die Heiligkeit erreicht. Er schrieb:

“1) Du musst die Heiligkeit aus ganzem Herzen wünschen, und wenn diese Sehnsucht noch nicht in deinem Herzen erwacht ist, musst du den Herrn inständig darum bitten.

2) Geh jeden Tag zur hl. Messe und empfange die hl. Kommunion.

3) Erinnere dich daran, jeden Tag den Rosenkranz zu beten.

4) Lies jeden Tag einen Abschnitt der Heiligen Schrift.

5) Wenn es möglich ist, halte einige Momente eucharistische Anbetung vor dem Altar, wo Jesus wirklich gegenwärtig ist. Du siehst, wie wunderbar du in der Heiligkeit wachsen kannst.

7) Geh jede Woche zur heiligen Beichte, bekenne auch die lässlichen Sünden.

8) Lege Fürbitte ein bei Jesus und Maria und schenke ihnen Blumen (Opfer und gute Taten), um anderen zu helfen.

9) Bitte deinen Schutzengel, dir beständig zu helfen, damit er dein bester Freund wird.” Diese Anweisungen hat er selber konsequent befolgt und anderen geraten.

Es sind auch noch weiter Aussprüche von ihm berichtet: “Die Gottesmutter ist die einzige Frau meines Lebens.” “Die Bekehrung ist nichts anderes als den Blick vom Boden in die Höhe zu richten, es genügt eine einfache Bewegung der Augen.”

“Warum beschäftigen sich die Menschen so sehr mit der Schönheit ihres eigenen Körpers anstatt mit der Schönheit ihrer eigenen Seele?”

“Je öfter wir die Eucharistie empfangen und je mehr wir Jesus ähnlich werden, um so mehr werden wir schon auf dieser Erde das Paradies verkosten.”

 

Weihnachtswunder in Russland

Während des zweiten Weltkriegs, in dem sich Russland und Deutschland gegenüber standen, betrat Karl, ein deutscher Sanitätssoldat, der sich sehnlichst wünschte, eine heilige Messe mitzufeiern, am Abend des Epiphaniefestes (dem Weihnachtsfest der Othodoxen Kirche) eine kleine Kapelle mitten im Wald an der russischen Front. Dort traf er auf einen Popen und seine Frau, die gerade die hl. Liturgie feiern wollten. In gebrochenem Russisch stellte Karl sich vor: “Ich bin ein Franziskanerbruder. Darf ich die Messe dienen ?” “Kommen Sie”, antwortete der Pope.

Die drei Teilnehmer waren tief bewegt: die Wirren eines abscheulichen Krieges hatten in der Eucharistiefeier Orthodoxe und Katholiken, Russen und Deutsche zusammengeführt! Die ganze Zärtlichkeit des Himmels strömte in drei Herzen, die eins wurden in Christus. Gegen Ende der Messe umstellten plötzlich Soldaten der Roten Armee, die Karls Spuren ausfindig gemacht hatten, das Blockhaus und fordern den Popen auf: “Liefern Sie ihn aus. Sonst schießen wir!” Ungerührt legte der Pope eine Hand auf die Schulter des Deutschen und erklärte: “Das ist ein Franziskanerbruder; ein Starez!” (Die Starzen sind Einsiedler, die in den russischen Wäldern ein Leben des Gebets und der Buße führen).

Die Urinstinkte des “Heiligen Russland” erwachten im Herz der Soldaten Stalins, die im reinsten Atheismus aufgewachsen waren. Beim Wort “Starez” senkten sich achtungsvoll ihre Gewehre. “Der Starez ist gekommen, um mit mir zu beten, ich bitte euch, ihn heil und gesund zurück an die deutschen Linien zu bringen.” Mit einem Kopfnicken gehorchte der Unteroffizier, und der junge Ordensmann wurde zurückgeführt, bis er in Sichtweite seiner Soldaten war. Das alles geschah bei Orel, 250 km südlich von Moskau. Karl wurde Missionar in Japan: er hat diesen 6. Jänner nie vergessen, an dem er mit dem “Heiligen Russland” in Berührung kam.

 

Gott hat seinen Engel gesandt

Am 2. Oktober begeht die Kirche den Gedenktag der hl. Schutzengel. Gott hat jedem von uns einen Engel zur Seite gestellt, der uns auf unserem Weg zum ewigen Leben begleitet. Eine Folge der Erbsünde ist es ja, dass wir in unserer Seele eine Neigung zum Bösen haben, die auch mit der Taufe nicht weggenommen wird. Darum hat Gott uns als Gegengewicht zu dieser Neigung einen Schutzengel gegeben, der uns beständig anleitet, diese falsche Begierlichkeit zu überwinden. Er ist ein treuer Verbündeter des göttlichen Lebens, das wir in der Taufe empfangen haben. Was seine Aufgaben sind, wird sehr schön in einem alten liturgischen Gebet zusammengefasst: “Erhöre uns, Herr, heiliger Vater, allmächtiger ewiger Gott, und sende uns vom Himmel deinen heiligen Engel herab, damit er alle, die an diesem Ort versammelt sind, bewache und unterstütze, beschütze, besuche und verteidige, durch Christus unseren Herrn.” Hier werden fünf Tätigkeiten genannt, an die wir uns als gläubige Menschen immer erinnern sollten.

1) Der hl. Schutzengel bewacht in unserer Seele die Erinnerung an unsere ursprüngliche Ähnlichkeit mit Gott. Wir sind nach dem Bild Gottes geschaffen, aber wir vergessen oft, dass wir uns auch wie Gott verhalten sollen, in unserem Denken, Fühlen, Sprechen und Handeln. Jesus sagt ja: “Seid vollkommen, wie eurer himmlischer Vater vollkommen ist.” Der Schutzengel wacht darüber, dass wir das nicht vergessen.

2) Der Schutzengel unterstützt in unserer Seele den guten Willen, auf dem Weg der Heiligkeit voranzuschreiten. Aber er ersetzt niemals unseren Willen durch seinen Willen. Unser Wille bleibt immer und überall frei. Er gewährt uns sofort seine Hilfe, wenn unsere Entscheidung oder unsere Wahl dem Willen Gottes entspricht, oder er betet für uns, wenn unsere Wahl nicht Gott entspricht.

3) Der Schutzengel besucht uns, das heißt, er steigt von seiner höheren Position in den Bereich unserer menschlichen Aktivitäten herunter, um uns seine Gegenwart erfahren zu lassen. Manchmal ist er ja gezwungen, sich nicht an der Aktivität der Seele zu beteiligen, da sie im Widerspruch zum göttlichen Bild der Seele steht.

4) Aber unaufhörlich schützt  der Schutzengel den Menschen, indem er das Versagen der menschlichen Sinne ausgleicht, die durch die Erbsünde ihrer Voraussicht beraubt wurden. Er ist der “Hellseher”, der uns in Versuchungen und bei seelischen und leiblichen Gefahren hilft und rettet, weil er sie voraussieht. Er warnt, informiert und hilft uns, recht zu urteilen. Was er jedoch nie tut, ist, die Gelegenheiten zur Versuchung selbst zu beseitigen, denn ohne Versuchungen und Prüfung gibt es keinen geistlichen Fortschritt.

5) Schließlich verteidigt er seinen Schützling, wie eine Mutter ihr Kind immer verteidigt, ob es nun gut oder schlecht ist. Das ist das Geheimnis der Liebe, die im Herzen des Schutzengels lebt. Es ist eine “mütterliche Liebe”, die er für uns hat, um uns vor dem Teufel, dem großen Ankläger, zu verteidigen.

 

 

Unsere Fürsprecherin

Der hl. Kardinal Newman sagt in einer seiner Predigten über die Gottesmutter:

“Das ist der Grund, warum die selige Jungfrau mächtig genannt wird – vielmehr manchmal allmächtig, weil sie mehr als irgend jemand sonst, mehr als alle Engel und Heiligen, die große und machtvolle Gabe des Gebetes hat. Niemand hat einen solchen Zugang zum Allmächtigen wie seine Mutter; niemand hat Verdienste gleich den ihrigen. Ihr Sohn wird ihr nichts verweigern, was sie erbittet; und darin liegt ihre Macht. Wenn sie die Kirche verteidigt, können weder Höhe noch Tiefe, weder Menschen noch böse Geister, weder große Monarchen noch das Werk eines Mannes, noch die Gewalttätigkeit eines Volkes es erreichen, uns zu schaden; denn das menschliche Leben ist kurz, aber Maria regiert darüber hinaus, sie ist Königin auf ewig.”

Die Marienfeste im September, und der Rosenkranzmonat Oktober laden uns ein, Maria im täglichen Rosenkranz um die Bekehrung der Sünder und die Rettung der Seelen zu bitten.

 

Hl. Theresia von Lisieux – Ich werde herunterkommen

Am 1. Oktober feiert die Kirche den Gedenktag der hl. Theresia von Lisieux. Kurz vor ihrem Tod (1897) sagte die Priorin zu ihr: “Du wirst vom Himmel auf uns herabschauen, nicht wahr?” Theresia aber sagte überraschend: “Nein, ich werde herunterkommen.” Und das hat sie in auffallenden Wundern immer wieder getan:

Es war im April ·1931. In Kolumbien, in Südamerika, lag ein Mann dem Tode nahe darnieder. Alle Bemühungen der Angehörigen scheiterten, der Kranke wollte nichts von einem Priester wissen, da er sich ganz vom Glauben abgewandt hatte. Eine seiner Töchter betete inständig zur hl. Theresia. Schließlich gab der Vater kurz vor dem Sterben doch seine Zustimmung. Aber es müsse der Pfarrer von Villamaria, Pater Theodoro Jaramillo, sein, der aber in einer anderen Stadt wohnte. Nur bei diesem wolle er beichten. Die Tochter verständigt den Priester, der sich sofort auf den Weg machte. Als er den Bahnhof erreichte, fuhr gerade der Zug ab. In seiner Not flehte er zur kleinen Theresia, sie möge helfen, dass der Mann nicht ohne die heiligen Sakramente sterben müsse. Kaum war der Zug eine kleine Strecke gefahren, da fing der Maschinist an zu pfeifen, immer stärker und stärker, bis der Zug zum Stehen kam. Pater Jaramillo eilte dem Zuge nach und stieg ein und erreichte so noch rechtzeitig den Mann, der kurz nach dem Empfang der Sakramente in Frieden mit Gott verstarb. Aber warum hatte der Zug angehalten? Der Lokomotivführer erzählte: “Steht da zwischen den Schienen plötzlich eine kleine, braune Nonne, mit ausgebreiteten Armen und winkt mir entgegen. Trotz meines starken Pfeifens wich sie nicht von der Stelle. In der Angst, sie zu überfahren, ließ ich den Zug stehen. Plötzlich war die Schwester verschwunden.” Als nun der Priester dem Maschinisten ein Bild der kleinen hl. Theresia zeigte und fragte, ob die Erscheinung so ausgesehen habe, bestätigte es der Mann, dass es diese Schwester war.