Herr, du weißt, dass ich dich liebe

Der Engel aber sagte zu den Frauen: Fürchtet euch nicht! Ich weiß, ihr sucht Jesus, den Gekreuzigten. Er ist nicht hier; denn er ist auferstanden, wie er gesagt hat. Kommt her und seht euch die Stelle an, wo er lag (Mt 28,5-6).

Im Evangelium von 3. Sonntag der Osterzeit hören wir von der Begegnung des auferstandenen Herrn mit Petrus. Jesus stellt Petrus dreimal die Frage: „Liebst du mich?“; er gibt dreimal die Antwort: „Du weißt, dass ich dich liebe“; und dreimal gibt ihm Jesus den Auftrag: „Weide meine Schafe!“. Mit diesen Worten überträgt Jesus dem Petrus die Aufgabe des höchsten und universalen Hirtenamtes für die Kirche, das er ihm schon früher versprochen hatte: „Du bist Petrus und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen. Ich werde dir die Schlüssel des Himmelreichs geben“ (Mt 16,18-19).

Was am meisten in diesem Abschnitt des Evangeliums berührt, ist, dass Jesus dem Versprechen, das er Petrus gegeben hat, treu bleibt, obwohl Petrus dem Versprechen, das er Jesus gegeben hatte, ihn nie zu verraten, untreu gewesen ist.

Gott gibt den Menschen, wenn sie umkehren, immer wieder neue Möglichkeiten. Er streicht die Menschen nicht nach ihrem ersten Fehler aus seinem Buch.

Und was bewirkt diese Barmherzigkeit Gottes? Das Vertrauen und die Vergebung des Meisters haben aus Petrus einen neuen, starken, bis zum Tod treuen Menschen gemacht. Er hat die Herde Christi in den schwierigen Momenten ihrer Anfänge geweidet, als es notwendig war, aus Galiläa hinauszugehen auf die Straßen der Welt. Petrus war durch dieses Vertrauen Jesu dann auch fähig, endlich sein Versprechen einzuhalten, das Leben für Christus hinzugeben.

Das Gespräch zwischen Jesus und Petrus ist auf das Leben eines jeden von uns zu übertragen. Der heilige Augustinus sagt in seinem Kommentar zu diesem Abschnitt des Evangeliums: „Indem er Petrus fragte, fragte Jesus einen jeden von uns.“

Die Frage: „Liebst du mich?“ ist an jeden Jünger gerichtet. Das Christentum ist keine Ansammlung von Lehren und Praktiken; es ist etwas viel Innigeres und Tieferes: eine Freundschaftsbeziehung mit der Person Jesu Christi.

Oft hat Jesus die Menschen zu Lebzeiten gefragt: „Glaubst du?“, nie aber: „Liebst du mich?“. Er tut es nur jetzt, nachdem er in seinem Leiden und Sterben den Beweis erbracht hat, wie sehr er uns liebt.

Jesus will, dass die Liebe zu ihm im Dienst an den anderen besteht: „Liebst du mich? Weide meine Schafe.“ Nicht er will die Früchte dieser Liebe erhalten, sondern er will, dass diese Liebe zu ihm seinen Schafen zugute kommt. Es ist, als sagte er dem Petrus: „Ich betrachte das, was du für meine Herde tust, als tätest du es für mich“.

Auch unsere Liebe zu Christus darf keine rein innerliche oder sentimentale Angelegenheit bleiben, sondern sie muss im Dienst an den anderen zum Ausdruck kommen, im Tun des Guten am Nächsten. Mutter Teresa von Kalkutta sagte oft: „Die Frucht der Liebe ist der Dienst, und die Frucht des Dienstes ist der Friede.“

Quelle: Vgl. Zenit, Predigt v. R. Cantalamessa

Hl. Josef – Nothelfer in allen Bereichen

Der sel. Papst Johannes XXIII. hat den hl. Josef, dessen Fest wir am 19. März feiern, sehr verehrt. Er schrieb einmal:

“Als man mich ohne all mein Verdienst zum Papst wählte, mich, den Sohn eines armen Pächters, dachte ich daran, mich Josef zu nennen. Glaubt mir, ich hätte es gern getan, aber dieser Name ist für einen Papst nicht üblich, darum musste ich darauf verzichten. Umso glücklicher bin ich, dass Josef einer meiner Vornamen ist, und ich bin sicher, dass der Nährvater Jesu nicht nur mir an seinem Ehrentag Gottes Segen er­flehen wird, sondern allen, die auf seinen Namen getauft sind.”

Auch die hl. Theresa von Avila war eine große Verehrerin des hl. Josef. Sie sagt über ihn: “Anderen Heiligen scheint der Herr die Gnade gegeben zu haben, nur in bestimmten Anliegen helfen zu können. Diesen glorreichen Heiligen habe ich aber in allen Bereichen als Nothelfer kennen gelernt.”

Heiliger Josef, bitte für uns!

Ich möchte Priester werden – das stand für mich fest

Priesterwerden und Priestersein ist eine Berufung, die Gott schenkt und die wir von ihm erbitten müssen. Wie im Gleichnis vom Gutsherrn, der Arbeiter für seinen Weinberg sucht, kann dieser Ruf des Herrn zu verschiedenen Stunden ergehen.

Am 22. Dez. 2012 feierte Kardinal Joachim Meisner seinen  50. Priesterweihetag. In einem Interview mit der Kölner Kirchenzeitung erzählte er auch über seine Berufung zum Priestertum, die er schon in der “ersten Stunde” erfahren hat.

Er sagt: “Ich kann mich nicht erinnern, dass ich je etwas anderes hätte werden wollen. Schon als kleines Kind bin ich sehr gerne mit zum Gottesdienst gegangen. Der Höhepunkt im Jahr war für mich immer die Fronleichnamsprozession. Das habe ich immer wie ein Stück Himmel auf Erden erlebt.” Bei einer außergewöhnlichen Gelegenheit offenbarte er diesen Wunsch seinen Eltern: “Ich kann noch heute in Breslau die Stelle zeigen, wo ich mit fünf oder sechs Jahren, also 1938 oder 1939, meinen Eltern gesagt habe, dass ich Priester werden möchte. Es war an einem warmen Juniabend. Ich ging mit Vater, Mutter und meinen Geschwistern spazieren. Plötzlich zog eine Sternschnuppe über den Himmel. Vater sagte: Was ihr euch jetzt wünscht, das geht in Erfüllung. Kurz darauf wiederholte sich das himmlische Schauspiel, und Mutter fragte: ‘Habt ihr euch etwas gewünscht?’ ‘Ja’, antwortete ich. ‘Willst du uns das sagen?’ ‘Ich möchte Priester werden.’ Das stand für mich fest.”

Eine so junge Berufung braucht aber auch einen guten Nährboden, auf dem sie wachsen und reifen kann. Das ist für gewöhnlich die christliche Familie. Kardinal Meisner schildert, was er in seiner Familie erfahren hat:

“Geprägt hat mich natürlich auch das religiöse Leben in meiner Familie. Ein Beispiel: Der Vater ging alle vier Wochen zur heiligen Kommunion. Dazu gehörte natürlich vorher die Beichte. Am Samstagabend hat die Mutter uns Jungs immer hinausgeschickt mit den Worten ‘Der Vater bereitet sich auf die heilige Beichte vor. Geht hinaus, damit er Ruhe dabei hat!’. Wenn der Kommunionsonntag kam, ging der Vater mit Frack und Zylinder zur Kirche. Und wir Jungs waren dann immer stolz auf unseren Vater, dem wir mit stolzgeschwellter Brust hinterhergegangen sind. Eines Tages haben wir den Vater gefragt, ob er nicht jeden Sonntag mit der Mutter zur Kommunion gehen könnte. Mein Vater hat mich groß angeschaut und gefragt ‘Warum denn das?’. ‘Ja’, haben wir geantwortet, ‘wenn ihr von der Kommunion kommt, seid ihr immer so lieb zu uns Kindern!'”

 

Hl. Anna Schäffer – Christus ist die Sonne meines Lebens

Am 21. Okt. 2012 wurde Anna Schäffer von Papst Benedikt XVI. heiliggesprochen und damit der ganzen Kirche als Vorbild und Fürsprecherin geschenkt.

Anna Schäffer aus Mindelstetten bei Regensburg wollte als Jugendliche in einen Missionsorden eintreten. Bei ihrer Erstkommunion schenkte sie Jesus ihr Leben. Da sie aus einfachen Verhältnissen stammte, versuchte sie die nötige Aussteuer für die Aufnahme ins Kloster als Dienstmagd zu verdienen. In dieser Stellung erlitt sie mit 18 Jahren einen schweren Unfall mit unheilbaren Verbrennungen an den Beinen. Für ihr ganzes weiteres leben war sie an das Bett gefesselt und hatte unsägliche Schmerzen zu ertragen. Die Ärzte haben 30 Operationen mit Hautverpflanzungen an ihr vorgenommen; zum Teil versagt die Narkose. Die Wunden heilten nicht mehr bis zu ihrem Tod nach 25 Jahren Bettlägerigkeit. Zu dem schweren Siechtum gesellte sich auch bittere Armut. Sie haderte zunächst mit ihrem Schicksal, verstand ihre Situation dann aber als einen liebevollen Ruf des Gekreuzigten in seine Nachfolge. Sie faßte den Entschluss, ihr Leben und Leiden Gott als Sühneopfer darzubringen und entwickelte einen erstaunlichen Gebets-, Buß- und Sühneeifer. Der Ortspfarrer Karl Rieger war ihr ein guter Seelenführer und brachte ihr täglich die hl. Kommunion. Selbstverständlich leistete er ihr, wie auch andere im Dorf, materielle Hilfe.

So wurde ihr das Krankenlager zur Klosterzelle und das Leiden zum Missionsdienst. Gestärkt durch die tägliche Kommunion wurde sie zu einer unermüdlichen Fürsprecherin im Gebet und zu einem Spiegel der Liebe Gottes für viele Ratsuchende. “Ihr Apostolat des Betens und des Leidens, des Opferns und des Sühnens sei den Gläubigen in ihrer Heimat ein leuchtendes Vorbild,” sagte Papst Benedikt XVI. bei der Heiligsprechung.

Anna Schäffer hat Sühne als christliche Pflicht empfunden und folgendes Gebet hinterlassen: „Heiligstes Herz Jesu, schenk mir recht viele Seelen, die sich vor Verzweiflung kaum mehr helfen können“. Sie betet für jene, die der Gnade am meisten bedürfen. Zu Maria, der Schmerzensmutter, gewandt, spricht sie: „Verleihe uns stets einen brennenden Durst, am Heil der unsterblichen Seelen zu arbeiten, für sie zu beten und zu leiden!“ Die heilige Anna Schäffer ist aber vor allem Wegweiserin zum Sakrament der Eucharistie. Aus der Kraft dieser göttlichen Speise ertrug sie ihr schweres Schicksal gläubig und gottergeben wie sie in ihrem letzten Brief bekennt: “Meine größte Stärke ist die heilige Kommunion”.

 

Gefährliche Klippen

Viele Menschen verlassen sich in Fragen des ewigen Heiles auf ihre eigenen Meinungen, Erfahrungen und Gefühle. Sie sind der Auffassung, dass sowieso alle in den Himmel kommen. Gott ist gut, und sie werden böse, wenn man von der Hölle redet. Aber in Fragen des Heiles dürfen wir uns nicht auf gute Gefühle verlassen, sondern müssen uns an den Worten Jesu im Glauben orientieren. Er ist der Sieger über den Tod und hat uns gezeigt, wo die gefährlichen Klippen sind, an denen wir mit unserem Lebensschifflein zerschellen und untergehen können. Wenn wir nicht auf ihn hören, könnte es uns im Blick auf unser Heil so ergehen, wie es einem alten englischen Kapitän mit seinem Schiff zu Beginn des 19. Jahrhunderts ergangen ist.

Er erhielt den Auftrag, Nachforschungen anzustellen, ob an einer bestimmten Stelle im Mittelmeer tatsächlich, wie man vermutete, ein gefährliches, verborgenes Riff sei. Der Kapitän segelte ganz nahe an die bezeichnete Stelle, fand aber nichts und erklärte die Annahme als Irrtum. Einer seiner Offiziere glaubte nicht recht an diesen Befund. Er wurde bald darauf erster Offizier auf einem anderen Schiff und fand Gelegenheit, noch einmal an die fragliche Stelle zu segeln. Wirklich fand er ein Riff und meldete seine Entdeckung dem Seeamt in London. Die Stelle wurde auf der Karte eingezeichnet. Sein ehemaliger Kapitän war darüber sehr erbost. Jetzt stehe er als Lügner da, aber er wolle es dem Grünschnabel zeigen. Bald darauf fuhr er wiederum zu der als gefährlich bezeichneten Stelle. Schon glaubte er darüber weg zu sein und schimpfte höhnisch auf den jungen Offizier. Da gab es auf einmal einen furchtbaren Krach, das Schiff saß fest, und schon begann es zu sinken. Die Mannschaft konnte sich noch retten, der Kapitän aber, der wie wahnsinnig auf Deck herumlief, versank mit seinem Schiff in den Fluten.

Gemeinsam auf dem Weg, das Leben neu aufzubauen

Die aus Italien stammende Schwester Elvira Petrozzi hat 1983 die Gemeinschaft “Cenacolo” gegründet. Sie hat gesehen, dass in unserer Gesellschaft immer mehr junge Menschen den Drogen und dem Alkohol verfallen und wollte es nicht hinnehmen, dass es für sie keine wirkliche Hilfe gab. “Der Ruf Gottes lässt dich Werke vollbringen und an Dinge glauben, die du selbst nie gedacht noch dir vorgestellt hättest,” sagt sie über ihren Weg.

Am 16. Juli 1983 eröffnete sie, unter einfachsten Bedingungen, das erste Haus in Saluzzo, etwa 60 km südlich von Turin. Inzwischen sind es 60 Niederlassungen in verschiedensten Ländern geworden, in denen jungen Menschen mit Drogenproblemen geholfen wird, wieder neue Perspektiven für ihr Leben zu finden. Dies geschieht unter anderem durch das Vertrauen in die heilende Kraft des Evangeliums, den Weg in die christliche Gemeinschaft, das Gebet und die Arbeit. Mit dem Namen “Cenacolo”, den Mutter Elvira der Gemeinschaft gab, meint sie den Abendmahlssaal als einen Ort, “wo die Apostel sich in sich verkrochen und Angst hatten nach Jesu Tod – genauso geht es den Drogenabhängigen heute: sie sind schüchtern, ängstlich und stumm. Doch dann kommt mit Maria der Heilige Geist, der sie in mutige Zeugen verwandelt.”

Von welcher Kraft des Glaubens und der Liebe Mutter Elvira immer beseelt war, um den junge Leuten zu helfen, wirklich ein neues Leben zu beginnen, das zeigt eine Begebenheit aus der Anfangszeit. Es war der Tag, an dem sie verstanden hatte, dass sie auch die Zigaretten abschaffen müsse. Sie berichtet:

“Es waren inzwischen ein paar Jahre vergangen, und ich war an dem Punkt angelangt, an dem mir dieser Gedanke gekommen ist: ‘Ich bin diesen jungen Leuten nicht treu! Sie wollen sich von den Drogen befreien, und ich lasse sie mit Tabak in der Tasche rumlaufen.’ Da spürte ich dieses ‘Treiben’ in mir, und ich konnte nicht mehr widerstehen. Also habe ich mich eines Abends, als wir in der Kapelle waren, vor sie hingekniet und ihnen gesagt: ‘Jungs, ich möchte euch um Verzeihung bitten: Ihr seid hierhergekommen, um von den Drogen befreit zu werden. Und ich hatte Angst, dass ihr weggehen würdet, und habe euch das Rauchen erlaubt. Doch ab heute Abend wird in der Gemeinschaft nicht mehr geraucht! Dann habe ich ‘den Schlimmsten’ zu mir gerufen, der immer um jeden Preis seine Zigaretten haben wollte und schon alles Mögliche angestellt hatte. Ihm habe ich gesagt: ‘Hole bitte eine Plastiktüte.’ Alle Jungs saßen da, und er ging durch die Runde und jeder warf die Zigaretten, die er in der Tasche stecken hatte, in die Tüte. Dann habe ich gesagt: ‘Wenn jemand von euch gehen will und das zu Recht, der klopfe im Büro an und wir geben ihm genug Geld, um nach Hause zu kommen. Wenn er dann akzeptiert hat, dass hier nicht mehr geraucht wird, kann er jederzeit zurückkommen, ohne vorher ein Gespräch führen zu müssen.’ Nun, wir haben ein großes Feuer gemacht, doch keiner hat sich vom Fleck gerührt, und niemand ist weggegangen. Alle haben diese Regel sofort akzeptiert! Da sieht man wieder meine Ängste! Denn auch ich habe in diesem Moment gelitten, denn ich wusste, dass sie an ‘dieser Kippe’ hingen. Da habe ich verstanden, dass es nicht stimmt, dass die jungen Leute faul, ängstlich und gleichgültig sind! All das stimmt nicht! Sie sind fähig zu kämpfen, bereit zu leiden und Opfer zu bringen! Die jungen Leute sind die schönste ‘Klasse’ der Welt, mit denen es mir wahrhaftig gut geht. Ich kann aus Erfahrung sprechen, denn ich habe mir die Hände und das Gesicht, das Leben und den Ruf mit ihren Problemen ‘beschmutzt’, und nun kann ich über sie mit Unbefangenheit und Aufrichtigkeit sprechen. Sie wissen, dass mich nicht die Drogen interessieren, sondern das Leben! Heute spreche ich darüber, weil sie meine Lehrer waren und ich weiter von ihnen lernen möchte.”

Quelle: http://www.cenacolo.info

Mein neues Leben

In Kleinfrauenhaid in Burgenland befindet sich ein Niederlassung der Gemeinschaft Cenacolo. Ein junger Mann berichtet, wie er dort ein neues Leben beginnen konnte:

Mein Name ist Johannes, ich bin 35 Jahre alt, seit 2005 glücklich verheiratet mit meiner Frau Cristiana. Wir haben drei wundervolle, lebendige Kinder,  für die ich Gott danke. Mein neues Leben begann 1999 in Kleinfrauenhaid, nachdem ich zuvor sieben Jahre lang alle möglichen Drogen konsumiert hatte und in einen Kreislauf von Abhängigkeit, Lügen, Stehlen und Einsamkeit geraten war. Als die Situation zu Hause unerträglich wurde, hat Gott meinen Eltern den Mut gegeben, mich vor die Wahl zu stellen: entweder in den Cenacolo einzutreten oder die Familie zu verlassen. Die Entschlossenheit meiner Eltern war der erste Schritt zu meiner Rettung. Die ersten Monate in der Gemeinschaft waren sehr schwer für mich. Auf die gewohnten Dinge des Alltags zu verzichten, war unvorstellbar. Doch schon nach kurzer Zeit hat Gott mir die Augen geöffnet und ich war in der Lage, seine Liebe zu mir zu erkennen. Das wiedergefundene Gebet, mein Schutzengel (Begleiter in der Gemeinschaft) und die Offenheit der Brüder haben mir geholfen, mich zu öffnen und den Ballast meines Lebens in Gottes Hände zu legen. So wurde es mir möglich, meine Eltern und Geschwister um Verzeihung zu bitten und eine tiefe Versöhnung in der Familie zu erfahren. … Ich werde diese Erfahrungen mein Leben lang wie einen Schatz bewahren.

Quelle: http://www.cenacolo.info

Unter dem Schutz der Gottsmutter Maria

Vom Gründer der Gemeinschaft der “Marianisten” P. Josef Chaminade, einem großen Marienverehrer, wird berichtet, dass er während der französischen Revolution in Paris von der Polizei verfolgt wurde, weil er wegen seiner Glaubenstreue den Eid auf die Verfassung nicht abgelegt hatte.

Eines Tages wurde er auf der Straße von der Revolutionspolizei erkannt und sie wollten ihn festnehmen. Aber er lief davon. Als er auf seiner Flucht an einem Haus vorbeikam, in dem Freunde wohnten, ging er hinein und mischte sich unter die Familie, die um den Kamin versammelt war. Der Priester setzte sich neben ein kleines Kind und nahm am Familiengespräch teil. Die Polizisten stürmen herein, und durchsuchten alles, konnten ihn aber nicht finden, obwohl er mitten unter den Leuten saß. Sobald die Polizei weg war, fragte man sich, warum die Polizei Pater Chaminade nicht gesehen hatte. Da sagte das kleine Kind, das neben Pater Chaminade gesessen war: “Sie konnten den Herrn Pater doch nicht sehen, denn die schöne, in Weiß gekleidete Dame, die gleichzeitig mit ihnen hereingekommen ist, stand immer vor ihm, um ihn zu verstecken.” Durch die fürsorgliche Obhut der Gottesmutter Maria konnte Pater Chaminade mehrmals dem Tod entkommen.

Gerade in unserer Zeit brauchen wir diesen Schutz der Mariens. Die Angriffe des Bösen sind so vielfältig. Weihen wir uns immer neu ihrem unbefleckten Herzen.

Herr, ich möchte wieder sehen können

Im Evangelium wird uns berichtet, dass Jesus auf dem Weg nach Jericho den blinden Bartimäus geheilt hat. “Herr, ich möchte wieder sehen können”, war sein großer Wunsch. Und Jesus sagte zu ihm: “Dein Glaube hat dir geholfen.” “Im gleichen Augenblick konnte er wieder sehen, und er folgte Jesus auf seinem Weg” (Mt 10,52). Durch die Begegnung mit Jesus sind ihm nicht nur die äußeren Augen geöffnet worden, sondern vor allem die inneren Augen des Glaubens, die Augen seines Herzens, so dass er Jesus als Jünger nachfolgte.

Als wir das Sakrament der Taufe empfangen haben, wurden uns die inneren Augen des Glaubens geöffnet. Durch die Gnade des Glaubens ist unser Leben hell geworden. Wir dürfen durch den katholischen Glauben den wahren Sinn unseres Lebens erkennen und wir wissen, was wir tun sollen, um das ewige Leben zu erlangen.

Kardinal Meisner erzählte einmal von einer Begegnung nach einem Gottesdienst in der St.-Hedwigs-Kathedrale in Berlin: Eine blinde Frau ließ sich von ihren Begleitern an den Altar führen. Sie betastete den Altar liebevoll und ehrfürchtig und sagte: “Vor 60 Jahren habe ich hier die erste heilige Kommunion empfangen. Hier ging mir jenes Licht auf, das mein dunkles Leben erhellt hat.”

Wir können es gar nicht genug schätzen und dafür dankbar sein, dass wir durch Jesus Christus diese innere Heilung von der geistigen Blindheit empfangen haben. “Es gibt keinen größeren Reichtum, keinen kostbareren Schatz, kein reicheres Vermögen auf dieser Erde als den katholischen Glauben”, sagt der hl. Augustinus.

Aber wir erleben es heute, dass in vielen Menschen, die zwar getauft sind, dieses innere Licht des Glaubens erloschen ist. Sie lassen sich blenden vom Glanz dieser Welt. Es greift eine Finsternis und Blindheit des Geistes um sich, durch die man die Unterscheidungsgabe verliert: Was gut ist, wird für schlecht gehalten. Das Böse wird als gut dargestellt. Wahrheit und Lüge werden vertauscht. Die wahren Werte und der wahre Sinn des Lebens werden von vielen nicht mehr erkannt. Ja, sogar wir als gläubige Menschen, die sich bemühen Christus nachzufolgen, werden immer wieder erfahren, dass es eine innere Dunkelheit geben kann, in der unser Glaube auf die Probe gestellt wird.

Hier kann uns das Beispiel des Bartimäus zeigen, was für uns wichtig ist, damit wir wieder Licht empfangen und damit auch andere wieder sehend werden können.

Das Entscheidende, das Bartimäus getan hat: Er hat unermüdlich nach Jesus gerufen: “Jesus, hab Erbarmen mit mir!” und dann die Bitte ausgesprochen: “Herr, ich möchte wieder sehen können!” Dieses Rufen nach dem Herrn ist nichts anderes als das Gebet aus tiefstem Herzen. Jeder, der aufrichtig zu Jesus Christus betet, wird von Gott Licht und Hilfe empfangen. Der hl. Augustinus sagt:

“Glauben aber heißt: glauben, was du noch nicht siehst; und der Lohn dieses Glaubens ist: sehen, was du glaubst.”

Streben nach der Liebe des Schöpfers

Wie das Schiff unentwegt nach dem Kompass fährt, ob ihm die Winde günstig sind oder nicht, ob der Kurs nach Süd oder West oder Ost oder Nord geht: So soll auch in unserer Seele ein ruhiger unbeirrbarer Zeiger sein. Mag sie traurig sein oder froh, in Frieden oder Bitterkeit, in Dunkel oder Klarheit, in Verlassenheit, in Stumpfheit oder Erregung, in Sommerglut oder frischer Morgenkühle: immer muss das Herz unserer Seele, immer muss das Wollen unseres Willens entschieden hingerichtet sein und entschieden hinstreben zu der Liebe des ewigen Schöpfers, der auch unser Erlöser, der unser höchstes und einziges Gut ist.

Erlaube nie deinen Wünschen, und seien sie noch so klein, dass sie dein Herz beunruhigen! Denn wenn erst kleine Wünsche den Boden für eine Unordnung gelockert haben, so kommen bald größere und große hinterdrein. Wenn du eine Unruhe kommen fühlst, so empfiehl dich Gott und nimm dir vor, nichts von dem zu tun, wozu dich die innere Unruhe drängt, bis deine Seele wieder still geworden ist. Und wenn eine Entscheidung sich nicht gut verschieben lässt, so halte mit sanftem, aber festem Willen deine Wünsche am Zügel, um nicht fortgerissen zu werden zu dem, was die Begierde dir eingibt, sondern damit du selbst die Herrschaft behältst nach dem Urteil der Vernunft!

Hl. Franz von Sales (Gedenktag am 24. Jän.)