Kostbare Schätze

engel-03Eine persische Sage erzählt von einem Mann, der am Strand des Meeres entlang geht und ein Säckchen voll kleiner Steine findet. Achtlos lässt er die Steine durch seine Finger gleiten und schaut dabei auf das Meer. Er beobachtet die zahlreichen Möwen, die auf den Wellen schaukeln, und wirft übermütig mit den Steinchen nach den Vögeln. Spielerisch schleudert er die kleinen Dinger ins Meer, und eins nach dem anderen versinkt in den Wogen. Einen einzigen Stein behält er in der Hand und nimmt ihn mit nach Haus. – Groß wird sein Schrecken, als er beim Schein des Herdfeuers in dem unscheinbaren Stein einen herrlich funkelnden Diamanten erblickt. Wie gedankenlos hat er den ungeheuren Schatz verschleudert. Er eilt zum Strand zurück, die verlorenen Diamanten zu suchen. Doch vergebens, sie liegen unerreichbar auf dem Meeresgrund verborgen. Keine Selbstanklage und Reue, keine Tränen und Vorwürfe können ihm den achtlos weggeworfenen Schatz zurückgeben.

Mit dem neuen Jahr ist uns wieder ein Sack voll kostbarer Steine in die Hand gegeben. Jeder Tag ist ein wertvoller Edelstein, den wir nicht gedankenlos wegwerfen sollten. Manch einer träumt vom großen Leben und verschleudert die einzelnen Tage, bis er dann erschrocken feststellt, welche kostbaren Schätze er vertan hat. Der hl. Paulus gibt uns den Rat: „Deshalb wollen wir, solange wir noch Zeit haben, allen Menschen Gutes tun, besonders aber denen, die mit uns im Glauben verbunden sind“ (Gal 6,10).

 

 

Ich schrie zu Christus

Har-OkAm 26. Mai 2013 sank 30 km vor der Küste von Nigeria wegen extrem stürmischer See ein kleiner Schleppdampfer mit 12 Mann Besatzung. Der 29-jährige Schiffskoch Harrison Okene war der einzige Überlebende bei diesem Schiffsunglück. Dass er heute noch lebt, verdanke er Gott, sagt Harrison, denn er wartete mehr als 60 Stunden lang im Bauch des Wracks, tief auf dem eisigen Meeresgrund, auf Rettung. Nur durch ein Wunder überlebte er.

„Es war gegen fünf Uhr morgens“, erzählt Harrison Okene. „Ich war gerade auf dem WC, als das Schiff zu sinken begann. Es ging alles sehr schnell. Ich schaffte es nicht mehr bis zum Notausgang und sah, wie drei der Besatzungsmitglieder in die offene See geschwemmt wurden.“ Ihn selbst riss das Wasser mit dem Schiffswrack in 30 Meter Tiefe. „Ich trug nichts am Leib als meine Unterhose. Während das Wasser immer weiter in die Kabine drang, betete ich wie ein Verrückter. Meine Frau hatte mir kurz zuvor einen Psalm per SMS geschickt. Den habe ich immer wieder gebetet, während das Wasser um mich immer kälter wurde.“

Der Allmächtige erhörte ihn. In dem Kiel des nach oben gekenterten Schiffes bildete sich eine Luftblase, zu der sich Okene durchkämpfte. Dort harrte er aus. Seine einzige Verpflegung: eine Flasche Coca Cola. „Um mich war es stockfinster und laut. Ich weinte und schrie zu Christus, dass er mich retten soll. Die ganze Zeit betete ich. Ich war so hungrig und durstig, völlig durchgefroren. Ich flehte Gott an, dass er mir irgendein Licht schenkt.“ Über sechzig Stunden harrte er in seinem eiskalten, dunklen Grab aus. Er war am Verdursten, die Haut löste sich bereits von seiner Zunge: „Ich dachte, das ist das Ende.“ „Doch dann hörte ich ein Klopfen.“  Es waren die Rettungstaucher, die im Schiffswrack die Leichen bergen wollen. Okene griff nach einem der Taucher – und war gerettet.

Gott weiß es, welche Todesängste Harrison Okene erlebt hat; aber in aller Not hat er nach Jesus gerufen: „Aus der Tiefe rufe ich, Herr, zu dir“ (Ps 30). Und der Herr hat ihn erhört und gerettet zum Zeichen für uns alle, damit wir glauben, dass Jesus uns in jeder Not auf jeden Fall retten wird, ob nun für dieses irdische Leben oder für das ewige Leben.

 

Betet jeden Tag den Rosenkranz!

donnaDonna D’Errico (45) aus Dothan in Alabama (USA) war in den 90-er Jahren als Schauspielerin in verschiedenen Filmen und als Fotomodell  für das Erotikmagazin „Playboy“ bekannt und berühmt geworden. Aber vor einigen Jahren hat sie sich von ihrem wilden Leben gänzlich abgewandt und zum katholischen Glauben bekehrt. Heute betet sie regelmäßig den Rosenkranz und geht zur hl. Messe.

In einem Interview mit Foxnews sagte sie, dass sie mit ihrem früheren Leben abgeschlossen habe.
„Ich habe Fehler gemacht und in meiner Vergangenheit Entscheidungen getroffen, die ich heute nicht mehr treffen würde.“ Die Frau, die sie früher gewesen sei, komme ihr heute „wie eine andere Person“ vor.

Seit ihrer Bekehrung zum katholischen Glauben trägt sie ein Skapulier, betet täglich mit ihren Kindern (12 und 20 Jahre) den Rosenkranz und geht sonntags zur hl. Messe. Ein Redakteur der katholischen Internetzeitung „Ignitum Today“ fragte D’Errico, was sie jungen Frauen raten würde, die mit wenig Selbstvertrauen und unerfüllbaren Erwartungen an ihr Aussehen zu kämpfen hätten. „Betet jeden Tag den Rosenkranz. Geht jeden Sonntag zur Messe. Geht regelmäßig zur Beichte. Wenn ihr diese Dinge tut, werdet ihr alles durchstehen“, sagte sie wörtlich. „Ich weiß, was es heißt, in die Irre geführt zu werden und einem Leben der Sünde zu verfallen. Ich weiß, wie leicht das passiert. Ich habe es erlebt. Ich weiß auch, wie es ist, wenn man zurückkommt.“

 

Der weinende Engel

engel02Der russische Dichter Fjordor Dostojewski hat in einer eindrucksvollen Geschichte die Wahrheit veranschaulicht, dass die Liebe zu Gott und den Menschen – auch wenn sie nur ein kleiner Funke ist – uns retten kann für das ewige Leben. Auf der anderen Seite besteht die Hölle darin, dass der Mensch sich im Egoismus verschließt und die andern mit Füßen tritt.

»Es war einmal eine Frau, die war böse, sehr böse und starb. Sie hinterließ nicht eine einzige Spur einer guten Tat. Sie wurde von den Teufeln ergriffen und in den Feuersee geworfen. Aber ihr Schutzengel stand da und dachte darüber nach: Könnte ich mich nur dessen erinnern, dass sie irgend etwas Gutes getan hat, so dass ich es Gott sagen könnte. Es fiel ihm etwas ein, und er sprach zu Gott: „Sie hat in ihrem Gemüsegarten eine kleine Zwiebelpflanze ausgerissen und sie einer Bettlerin geschenkt.“ Und Gott antwortete ihm: „Nimm diese kleine Zwiebelpflanze und reiche sie ihr zum See hinab, die mag sie anpacken und sich daran herausziehen. Und wenn du sie aus dem See herauszuziehen vermagst, so mag sie ins Paradies eingehen. Wenn aber das Zwiebelkraut abreißt, so soll die Frau bleiben, wo sie sich jetzt befindet.“ – Der Engel lief zu der Frau, reichte ihr die kleine Zwiebelpflanze hin und sagte: „Da, Frau, fass an und zieh dich daran heraus.“ Und er fing an, sie vorsichtig an sich heranzuziehen. Und beinahe hätte er sie herausgezogen. Aber als die übrigen Sünder in dem See sahen, dass man jene herauszog, da hängten sich alle an sie, damit sie zugleich mit ihr herausgezogen würden. Die Frau aber wurde böse und begann mit den Füßen nach ihnen zu treten. „Ich soll herausgezogen werden und nicht ihr, es ist mein Zwiebelchen und nicht eures.“ So wie sie das ausgesprochen hatte, riss das Zwiebelkraut ab. Die Frau fiel in den See zurück, und da brennt sie bis auf den heutigen Tag. Der Engel aber fing an zu weinen und ging fort. «

 

Maria hat ihn letztlich nicht mehr losgelassen

Père ViotIn der Zeit vom 18. bis 25. Jänner begeht die Kirche immer die Gebetswoche um die Einheit der Christen. Jesus Christus hat die eine, heilige, katholische und apostolisch Kirche gegründet. Doch im Laufe der Geschichte hat es verschiedenste Abspaltungen von dieser einen Kirche gegeben. Das gemeinsame Merkmal aller Abspaltungen ist: Sie lassen etwas von der Fülle des katholischen Glaubens weg, sie reduzieren den Glauben; z.B. sie glauben nicht an die Sakramente, die Christus eingesetzt hat; sie glauben nicht an die Vorzüge, die Gott Maria gegeben hat, sie glauben nicht, dass Christus die Kirche auf das Fundament des Petrusamtes gebaut hat und es gibt noch andere katholische Glaubenswahrheiten, die sie ablehnen.

Aber im Laufe der Geschichte hat es auch immer wieder Menschen gegeben, die auf ihrer Suche nach Wahrheit die Fülle der Wahrheit im katholischen Glauben und in der katholischen Kirche entdeckt haben.

Einer der bedeutenden Konvertiten der letzten Zeit, der den Weg zur katholischen Kirche gefunden hat und Priester geworden ist, ist der aus Frankreich stammende, ehemals lutherische Bischof und Freimaurer Michel Viot.

In einem Interviewbuch, das zum 10 Jahrestag seiner Konversion herauskam, schildert er seinen Weg in die katholische Kirche.

Die Eltern ließen den 1944 geborenen Michel, wie auch die beiden Schwestern, katholisch taufen, obwohl der Vater ein militanter Freimaurer war. Im Alter von zehn Jahren besuchte er die Sonntagsschule, durch die seine Liebe zur Heiligen Schrift geweckt wurde, durch einen Besuch in Lourdes auch eine besondere Verehrung der Gottesmutter Maria, „die mich letztlich nie mehr wirklich loslassen sollte“, so Viot.  Als Jugendlicher lernte er während eines Urlaubs im Elsaß einen Lutheraner kennen, der ihn sehr beeindruckte. Im berühmt-berüchtigten französischen Mai des Unruhejahres 1968 wurde er im Alter von 24 Jahren zum lutherischen Pastor ordiniert und sechs Monate später in eine Freimaurerloge aufgenommen. „Meine Logeninititation hätte schon früher stattfinden können. Das ging familiär vorbereitet ganz glatt. Ich wollte aber zuerst Pastor werden und dann Freimaurer, weil mir zumindest klar war, dass Christus zuerst kommen sollte“, erzählt Viot. Die Freimaurerei zog ihn an, weil bereits sein Vater und die Freunde seines Vaters, die er schätzte, Freimaurer waren. Ihm gefiel das „Gerede von Offenheit, Kultur und Brüderlichkeit“.

Im August 1997 bekam er die Gelegenheit, als lutherischer Bischof von Paris Papst Johannes Paul II. vorgestellt zu werden. „Der Papst umarmte mich so fest, das werde ich nie vergessen. Und er flüsterte mir ins Ohr, daß er ungeduldig auf eine gemeinsame Erklärung zur Rechtsfertigungslehre hoffte“, so Viot.

Viele Lutheraner kritisierten jedoch schon kurz darauf, dass Johannes Paul II. zum Heiligen Jahr 2000 einen Ablass gewährte, also das, was Luther so sehr bekämpft hatte. Viot fühlte sich gedrängt, die Frage zu vertiefen. In einer Studie stellte er fest, dass die „moderne“ Form des Ablasses, wie er vom Konzil von Trient und zuletzt von Paul VI. definiert wurde, nichts mit den Missbräuchen zu tun hatte, die Luther 1517 so empörten. Diese Entdeckung und die lutherische Kritik führten ihn zum Schluss, dass die Einheit der Christen nur in der Einheit mit dem Nachfolger des Petrus möglich sein könne. Viot wurde sich bewusst, dass er nicht außerhalb dieser Einheit sterben wollte, vor allem, da bestimmte lutherische Strömungen sich immer offener vom gemeinsamen christlichen Erbe entfernten.

Noch im Heiligen Jahr 2000 äußerte Viot den doppelten Wunsch, katholisch zu werden und zum katholischen Priester geweiht zu werden.

Nachdem er sich auch von den Freimaurern gelöst hatte, wurde der bisherige Bischof 2001 als einfacher Laie in die katholische Kirche aufgenommen. Etwas mehr als ein Jahr später erfolgte seine Priesterweihe. Seither ist er Kaplan, Pfarrer Gefängnisseelsorger; und seither verfasste er bereits mehrere Bücher zur Verteidigung der katholischen Kirche und der katholischen Glaubenslehre.
Die Lutheraner „müssen entdecken, dass die marianischen und ekklesiologischen Dogmen keineswegs die heilsnotwendige Rolle Christi als einzigem und universellem Mittler verdunkelt, ganz im Gegenteil wird sie in ihnen erst vollkommen sichtbar.“

 

Die Einheit ist eine Frucht des Kleinseins

angela-v-voligno2Die hl. Angela von Foligno (1248 – 1309), die nach ihrer Bekehrung von ihrem weltlichen und oberflächlichen Leben zu einer großen Mystikerin des Kreuzes Christi geworden ist, sah vor allem im Kindlich-, Einfach-, und Kleinsein, mit einem Wort, in der Demut, die wichtigste Haltung für unser christliche Zusammenleben.  Kurz vor ihrem Tod schrieb sie ihren geistigen Kindern die folgenden wunderbaren Worte als ein geistliches Testament :

„Ich wünsche von euch, dass ihr immer einmütig seid und kein Streit unter euch herrscht. Ich wünsche euren Seelen das, was alle versöhnt und vereint: nämlich ganz klein zu sein. Denn wenn man ganz klein ist, achtet man weder auf seine Bildung noch auf seine natürliche Begabung, sondern man schaut auf seine eigenen Fehler und Mängel und ist bemüht, sich zu bessern. Wer ganz klein ist, wirkt für niemanden bedrohlich, er fällt niemandem zur Last und spricht nicht überheblich, auch wenn sein Beispiel jene provoziert, die nicht klein sein wollen. Dies ist es, was ich euch wünsche, meine Vertrauten, dass euer demütiges Leben – selbst ohne Worte – Harmonie und Einheit hervorbringt. Wie sehr wäre ich getröstet, wenn ich von euch vernähme, dass ihr durch das Kleinsein ein Herz und eine Seele seid und dadurch Gott in Wahrheit gefallt. “

 

Hl. Angela von Foligno – „Nimm ihn, du in meinen Sohn Verliebte!“

Darstellung-des-herrn-05Papst Franziskus hat am 11. Okt. 2013 die sel. Angela von Foligno (1248 – 1309) heiliggesprochen und sie damit der ganzen Kirche als Vorbild geschenkt. Sie wird wegen ihrer tiefen geistigen und mystischen Erkenntnisse auch „Lehrmeisterin der Theologie“ genannt. So lehrt sie uns zum Beispiel, dass wir die wahre Größe Christi erst erkennen, wenn wir eine innige Liebe zu Jesus als Kind haben.

An Maria Lichtmess bei der hl. Messe hatte die hl. Angela einmal Folgendes erfahren.

„Als die Kerzen ausgeteilt wurden, hörte ich die Worte: ‚Jetzt ist die Stunde, in der die Gottesmutter mit ihrem Kind in den Tempel kommt.‘ Ich vernahm das mit solcher Freude, dass ich es nicht beschreiben kann. … ich schaute die Gottesmutter, wie sie gerade in den Tempel hereinkam. .. Dann reichte sie mir ihr Kind und sagte dabei: ‚Nimm Ihn, du in meinen Sohn Verliebte!‘ Sie streckte die Arme aus und legte ihr Kind in meine Hände. … Ich beugte mich zum Kind, bis ich Wange an Wange mit Ihm war. Da wurde ich wie von einem Feuer durchdrungen, und eine unbeschreibliche Seligkeit ging von diesem Kind und Seinen Augen aus. … Auf einmal offenbarte sich mir die unermessliche Majestät dieses Kindes, das zu mir sagte: ‚Wer Mich nicht klein gesehen hat, kann Mich auch nicht groß sehen. Ich bin gekommen, um Mich dir zu schenken, schenke auch du dich mir!‘ …
Da schaute und erkannte meine Seele, dass Gott meine Ganzhingabe mit großer Freude annahm.

 

Mitwirken im Heilsplan Gottes

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Ein Engel des Herrn erschien Josef im Traum und sagte: Josef, Sohn Davids, fürchte dich nicht, Maria als deine Frau zu dir zu nehmen; denn das Kind, das sie erwartet, ist vom Heiligen Geist. Mt 1,20

Am 4. Adventsonntag hören wir im Evangelium von den Umständen der Geburt Jesus Christi, wie sie der Evangelist Matthäus schildert. Er stellt uns vor allem das Mitwirken des hl. Josef mit den Heilsplänen Gottes vor Augen. Der hl. Josef hatte ein fügsames und formbares Herz. An ihm leuchten uns jene Haltungen auf, die auch für unser Leben wichtig sind, damit Gott seine Heilspläne erfüllen kann.
1) Das erste ist die Bereitschaft, den Willen Gottes anzunehmen und ihm zu gehorchen. Der hl. Josef hatte zwar seine eigenen Pläne. Er dachte daran, sich von Maria ohne weiteres Aufsehen zu trennen, um Maria nicht öffentlich bloßzustellen. Aber als der Engel ihm den Auftrag gab, Maria zu sich zu nehmen und für Jesus Ziehvater zu sein, hat er sich ohne Widerrede in diesen Plan gefügt.
Gott hat auch seine Pläne mit uns. Die entscheidende Frage ist, ob wir uns bereitwillig einfügen lassen in die Dinge, wie er sie vorgesehen hat. Solange wir unseren eigenen Willen eigensinnig durchzusetzen suchen, werden wir immer eine Unzufriedenheit und Unruhe im Herzen haben. Der Friede und die Ruhe des Herzens kommen immer aus der freiwilligen Hingabe an die weisen Fügungen seiner Vorsehung, wie sie sich auch in den kleinsten Dinge zeigen.
2) Eine weitere wichtige Haltung ist die Bereitschaft zum Dienen. Jesus sagt: „Wer von euch groß sein will, der sei der Diener aller.“ Das sehen wir am hl. Josef verwirklicht. Als er erfahren hat, was der Plan Gottes war, hat er sich nicht beleidigt zurückgezogen, weil alles ganz anders kam, als er es sich vorgestellt hatte, sondern er hat sich mit ganzer Kraft und Verantwortung für Maria und Jesus hingegeben. Wir machen oft den Fehler, dass wir uns aus falscher Demut oder aus Bequemlichkeit genau dann zurückziehen, wenn unser Dienst gebraucht wird. Die Bereitschaft zum Dienen ist wichtig für unser Wachstum in Glaube, Hoffnung und Liebe.
3) Als Drittes können wir vom hl. Josef die Haltung der Diskretion und des Schweigens lernen. Diskretion ist die Fähigkeit, im rechten Augenblick zu schweigen oder zu reden zum Heil und Nutzen unserer Mitmenschen ohne dass wir uns selber in den Mittelpunkt stellen. Jesus sagt: „Wovon das Herz voll ist, davon spricht der Mund“
(Mt 12,34). Wenn es uns gelingt, durch Gottes Gnade in unser Denken und Fühlen das rechte Schweigen zu bringen, werden wir auch im Geist der Unterscheidung zur rechten Zeit das Richtige sagen oder schweigen können.
Der hl. Josef war gehorsam, dienstbereit und schweigsam. In dieser Haltung hat er am Erlösungsplan Gottes mitgewirkt und er gibt uns ein Vorbild, dass auch wir diese Tugenden erstreben.

Die Mühle

muehleDer Kirchenvater Johannes Cassianus (+ 430/35), der in seinen Schriften wichtige geistliche Erfahrungen der alten Mönchsväter überliefert hat, bringt einmal einen treffenden Vergleich: In einer mit Wasser angetriebenen Mühle drehen sich die Mühlsteine immer weiter. Aber es liegt beim Müller, ob er gutes oder schlechtes Korn mahlt; denn was er auf die Mühle schüttet, das mahlt sie. Ebenso verhält es sich mit dem menschlichen Geist. Er muss stets an etwas denken; er ist wie ein immer mahlender Mühlstein. Aber von uns hängt es ab, was wir ihm zum Mahlen geben; was wir ihm geben, wird unser Geist verarbeiten.
In unserer Mediengesellschaft werden wir mit einer Unzahl von Informationen konfrontiert, die die Seele nicht nähren und die wir gar nicht verarbeiten können. Mit dem Bedienungsknopf „Off“ an den Geräten könnten wir in der Adventszeit so manche Spreu, die in unsere Mühle kommt, ausschalten, um für den guten Weizen des Wortes Gottes, des Gebets, der Betrachtung und guter Lektüre, Platz zu schaffen.

Der liebe Gott ist aber klein!

krippe1Eine Frau erzählte, dass sie mit ihrem Enkelkind, einem Buben im Kindergartenalter, zu Weihnachten in die Kirche ging, um ihm die Weihnachtskrippe zu zeigen. Der kleine Junge stand vor der Krippenlandschaft und betrachtete voll Staunen den Stall, die Hirten und Schafe, Maria und Josef, Ochse und Esel. Plötzlich entdeckte er das winzige Kind in der Krippe und hat laut ausgerufen: „Oma, der liebe Gott ist aber klein!“
Ja, Gott ist in seinem Sohn wirklich klein, ohnmächtig und schwach zu uns gekommen. Das ist nicht immer leicht zu verstehen. Wenn wir den Zustand der Welt erleben, wie grausam, brutal und rücksichtslos die Menschen sein können, dann drängt sich uns die Frage auf, wie kann Gott das zulassen, er ist doch allmächtig, er könnte eingreifen und es verhindern. Nun, Gott hat eingegriffen, aber nicht mit den Waffen seiner Allmacht, sondern mit den Waffen der Liebe und Barmherzigkeit. Er hat seine Allmacht vor den Toren der Welt abgelegt und ist als kleines Kind von Maria geboren worden und hat aus Liebe zum Vater und zu uns die Bosheit und Ungerechtigkeit dieser Welt bis ans Kreuz getragen und so besiegt. Mit der Macht seiner opfernden Liebe hat er die Welt erlöst.