Im Glauben etwas wagen?

gansVom dänischen Philosophen S. Kierkegaard stammt  folgendes Gleichnis: Manche Christen gleichen einem Haufen schnatternder Gänse, die auf einem wunderbaren Hof leben. An jedem siebten Tag wird eine festliche Parade abgehalten. Im Gänsemarsch versammelt sich das stattliche Federvieh. Der beredtste Gänserich steht auf dem Zaun und schnattert mit ergreifenden Worten über das Wunder der Gänse. Immer wieder kommt er auf die herrlichen Zeiten zu sprechen, in denen einst die Gänse zu fliegen wagten und dabei ganze Erdteile überquerten. Der Gänserich lobt die Schöpfermacht und Größe Gottes, der den Gänsen große Flügel und sicheren Instinkt zum Fliegen gab. Die Gänse sind alle tief beeindruckt, senken andächtig ihre Köpfe und drücken ihre Flügel fest an den wohlgenährten Körper. Auf dem Weg nach Hause loben sie noch lange die gute Predigt und den beredten Gänserich. Aber das ist auch alles. Fliegen tun sie nicht. Sie machen nicht einmal den Versuch. Sie fliegen nicht, denn das Korn ist gut, und der Hof ist sicher.

 

Das Gabtuch von Turin

grabtuch5Vom 15.04 – 15.09.2015 wird in der Kathedrale von Turin wieder das Grabtuch Jesu Christi öffentlich zur Verehrung und Besichtigung ausgestellt. Dieses Grabtuch ist ein bleibendes Wunder und die kostbarste Reliquie der Christenheit, denn sie gibt uns ein anschauliches Bild von den unsäglichen Leiden des Herrn und von seiner Auferstehung, genau so wie es uns in den Evangelien beschrieben worden ist.

Durch die wissenschaftlichen Untersuchungen wurden so viele wunderbare Details gefunden, die eine Fälschung, die von Gegnern immer wieder behauptet wird, ausschließen. Es bleibt aber ein Kampf um dieses Tuch. Es geht letztlich um Glauben und Unglauben, mit dem die Menschen damals wie heute Jesus begegnen.

Ein Beispiel: Am 12. April 1997 wurde das Turiner Grabtuch auf dramatische Weise vor dem Verbrennen gerettet. Während das Feuer, das auf Brandstiftung zurückging, in der Kathedrale von Turin wütete und die Guarini-Kapelle, in der sich das Grabtuch befand, zerstörte, schlug der Feuerwehrmann Mario Trematore, von seinen Kollegen zum Schutz mit Wasser bespritzt, mit einem Hammer wie in Trance mit übermenschlicher Kraftanstrengung auf das Panzerglas ein, bis es zersprang und er das Tuch retten konnte. “Es ist unbeschädigt. Das ist ein Wunder!”, meinte der Erzbischof von Turin Giovanni Saldarini, der seitdem an die Echtheit des Tuches glaubte. Kurz zuvor, im Februar 1997, war ein neues Indiz für die Echtheit gefunden worden, das auch die ominöse Radio-Car-bon-Datierung aufs Mittelalter widerlegte: Professor Luigi Baima Bollone hatte den Abdruck einer Münze, die in Palästina zur Zeit des Pontius Pilatus geprägt wurde, auf den Augen des abgebildeten Leichnams entdeckt.

Der große Fang

bootIn seiner Novelle “Der alte Mann und das Meer” beschreibt Ernest Hemingway (1899-1961) einen Mann, der immer wieder mit seinem Fischerboot hinausfährt, um einen großen Fang zu machen. Nachdem er viele Male vergeblich geangelt hat, gelingt ihm eines Tages der große Fang. Ein Riesenfisch beißt sich an seiner Angel fest. In einem langen Kampf und unter Aufbietung aller Kräfte kann er den Fisch bezwingen und an seinem Boot außen festbinden. Stolz und dankbar tritt die Heimfahrt an. Er freut sich auf das Heimkommen, auf den Bootssteg und die Leute, die seinen Fang bestaunen würden. Er kommt an, zurrt sein Boot fest und macht eine grausige Entdeckung: Die Haie haben seinen Fisch bis auf das Skelett abgenagt.

Die Novelle möchte unser Leben umschreiben. Wir fahren hinaus aufs Meer dieser Zeit. Wir hoffen auf Erfolg, und schließlich gelingt uns der große Fang. Mit aller Kraft haben wir etwas geschafft und aufgebaut, eine schöne Existenz, eine gute Karriere, materielle Werte, weite Reisen … Aber wenn wir ans Ufer des Lebens kommen, bleibt ein leeres Gerippe übrig. Wir können von all dem Irdischen nichts ins ewige Leben mitnehmen. Jesus sagt: “Was nützt es einem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt, dabei aber sich selbst verliert und Schaden nimmt?” (Lk 9,25).

Was ist aber für uns als Christen der große Fang? Es ist Jesus Christus selbst. “Wer mein Wort hört und dem glaubt, der mich gesandt hat, hat das ewige Leben” Joh 5,24. Jesus fordert uns deshalb auf, Schätze für den Himmel zu sammeln. Das heißt, alles, was wir aus Liebe zu Gott und unseren Mitmenschen im Sinne Christi tun oder erleiden, was wir ihm aufopfern, das ist ein bleibender Schatz im Himmel, den wir nicht verlieren. Es kommt nicht darauf an, was wir im Leben erreichen, sondern wie wir es tun: mit Liebe.

Kurzpredigt

jesus1In einer Pfarrgemeinde gab es Klagen über die langen Predigten des Pfarrers. Einige Mutige überbrachten ihm das Anliegen, er möge doch seine Predigten kürzer und einfacher machen. Sie hätten auch am Sonntag nicht so viel Zeit und Kraft, sich mit den Fragen des Lebens und des Glaubens so intensiv zu beschäftigen. Der Pfarrer versprach, er wolle es sich einmal durch den Kopf gehen lassen. Am nächsten Sonntag waren alle gespannt, was kommen würde. Als die Predigt begann, ging der Pfarrer zur alten Kanzel und stieg langsam und keuchend die Stufen hinauf, hielt mehrmals inne, wischte sich den Schweiß von der Stirn und gelangte nach langem, offensichtlich beschwerlichen Aufstieg doch noch auf die Kanzel. Dort hielt er einen Moment inne, sah die Gläubigen an und rief: “Schwer und mühsam ist der Weg zum Leben und in den Himmel!” Dann raffte er sein Gewand zusammen, setzte sich auf das Treppengeländer und sauste hinunter. Unter angekommen, rief er in die Kirche: “Und so schnell und einfach ist der Weg in die Hölle und ins Verderben! Amen!”

Gott straft nicht. Es gibt keinen Gott.

kreuz-krDer Geisteszustand vieler Menschen heute ist im Psalm 10 treffend charakterisiert:

“Überheblich sagt der Frevler: ‘Gott straft nicht. Es gibt keinen Gott.’ So ist sein ganzes Denken.  Zu jeder Zeit glückt ihm sein Tun. Hoch droben und fern von sich wähnt er deine Gerichte. Er sagt in seinem Herzen: ‘Ich werde niemals wanken. Von Geschlecht zu Geschlecht trifft mich kein Unglück.'”

Aber Gott lässt keinen Spott mit sich treiben, immer wieder gibt er Zeichen, damit wir uns bekehren. Und wenn Gott in dieser Zeit uns mit seinen Gerichten heimsucht, so tut er es, um uns zu retten vor dem ewigen Tod. Ein Beispiel aus der Geschichte zeigt uns, was geschehen kann, wenn der Mensch Gott bewußt herausfordert:

Am 2. Sept. 1908 hatte der Giordano-Club in der italienischen Stadt Messina unter schrecklichen Lästerungen eine Kampagne zur “Vernichtung der Religion in der Stadt Messina” beschlossen. Kurz vor Weihnachten 1908 veröffentlichte die “humoristische” Wochenzeitung “Das Telefon” ein sakrilegisches Spottgedicht, das mit einer Herausforderung an die Gerechtigkeit Gottes endete: “Du kennst ja alle, die hier leben, lass doch mal die Erde beben!” Und zur selben Zeit fand im Stadttheater eine obszöne Weihnachtsaufführung statt.

Am 28. Dezember 1908 wurde die Küste von Kalabrien und Sizilien von einem noch nie dagewesenen Erdbeben heimgesucht. In wenigen Augenblicken lagen zwei große Städte, Messina und Reggio, und etwa fünfzehn Dörfer in Schutt und Asche. Das Beben forderte rund 250.000 Todesopfer.
Jesus sagt: “Ihr alle werdet genauso umkommen, wenn ihr euch nicht bekehrt” (Lk 13,4).

Der Todestrieb

plakatAm 14. Juni 2014 fand in Wien auf dem Stephansplatz der schon traditionelle “Marsch für die Familie” statt, mit dem sich die Teilnehmer gegen den propagierten Homo- und Genderwahn stellen und sich zum Schutz der ungeborenen Kinder und zur Familie bekennen, wie sie Gott geschaffen hat. Dieser Marsch für das Leben wurde von linken Gegendemonstranten massiv behindert und attackiert. In den Aussagen ihrer Sprechchöre und Transparente spiegelt sich der antichristliche und zerstörerischen Geist wider, von dem auch die heute vorherrschende linke Politik geprägt ist. Die einzige Freiheit, die sie erstrebt, ist die Freiheit unter der Gürtellinie. Auf einem Plakat stand zu lesen: “Ein Volk stirbt im Mutterleib?! Geil! Grenzen auf!” Es wurde auch immer wieder lautstark gegen die Christen geschrien: “Hätt’ Maria abgetrieben, wär’t ihr uns erspart geblieben.” “Kein Gott – kein Staat – kein Patriachat.” Auf einem ihrer Plakate stand auch zu lesen, welche Ziele der schon seit Jahrzehnten propagierte Feminismus verfolgt: “Feminismus ist eine sozialistische, gegen die Familie gerichtete, politische Bewegung, die die Frauen dazu ermutigt, ihre Ehemänner zu verlassen, ihre Kinder zu töten, Hexerei zu betreiben, den Kapitalismus zu zerstören und Lesben zu werden.” Besser kann man es nicht zusammenfassen, was in unserer Gesellschaft vor sich geht. Der russische Mathematiker Igor Schafarewitsch hat 1980 noch unter dem kommunistischen Regime das Buch “Der Todestrieb in der Geschichte – Erscheinungsformen des Sozialismus” veröffentlicht. Er weist nach: “Der Tod der Menschheit ist nicht nur ein denkbares Ergebnis, wenn der Sozialismus triumphiert, sondern er stellt das Ziel des Sozialismus dar.”
In dieser Finsternis leuchtet um so heller das Licht des Evangeliums, Christus, das Licht des Lebens.

Kostbare Schätze

engel-03Eine persische Sage erzählt von einem Mann, der am Strand des Meeres entlang geht und ein Säckchen voll kleiner Steine findet. Achtlos lässt er die Steine durch seine Finger gleiten und schaut dabei auf das Meer. Er beobachtet die zahlreichen Möwen, die auf den Wellen schaukeln, und wirft übermütig mit den Steinchen nach den Vögeln. Spielerisch schleudert er die kleinen Dinger ins Meer, und eins nach dem anderen versinkt in den Wogen. Einen einzigen Stein behält er in der Hand und nimmt ihn mit nach Haus. – Groß wird sein Schrecken, als er beim Schein des Herdfeuers in dem unscheinbaren Stein einen herrlich funkelnden Diamanten erblickt. Wie gedankenlos hat er den ungeheuren Schatz verschleudert. Er eilt zum Strand zurück, die verlorenen Diamanten zu suchen. Doch vergebens, sie liegen unerreichbar auf dem Meeresgrund verborgen. Keine Selbstanklage und Reue, keine Tränen und Vorwürfe können ihm den achtlos weggeworfenen Schatz zurückgeben.

Mit dem neuen Jahr ist uns wieder ein Sack voll kostbarer Steine in die Hand gegeben. Jeder Tag ist ein wertvoller Edelstein, den wir nicht gedankenlos wegwerfen sollten. Manch einer träumt vom großen Leben und verschleudert die einzelnen Tage, bis er dann erschrocken feststellt, welche kostbaren Schätze er vertan hat. Der hl. Paulus gibt uns den Rat: “Deshalb wollen wir, solange wir noch Zeit haben, allen Menschen Gutes tun, besonders aber denen, die mit uns im Glauben verbunden sind” (Gal 6,10).

 

 

Der weinende Engel

engel02Der russische Dichter Fjordor Dostojewski hat in einer eindrucksvollen Geschichte die Wahrheit veranschaulicht, dass die Liebe zu Gott und den Menschen – auch wenn sie nur ein kleiner Funke ist – uns retten kann für das ewige Leben. Auf der anderen Seite besteht die Hölle darin, dass der Mensch sich im Egoismus verschließt und die andern mit Füßen tritt.

»Es war einmal eine Frau, die war böse, sehr böse und starb. Sie hinterließ nicht eine einzige Spur einer guten Tat. Sie wurde von den Teufeln ergriffen und in den Feuersee geworfen. Aber ihr Schutzengel stand da und dachte darüber nach: Könnte ich mich nur dessen erinnern, dass sie irgend etwas Gutes getan hat, so dass ich es Gott sagen könnte. Es fiel ihm etwas ein, und er sprach zu Gott: “Sie hat in ihrem Gemüsegarten eine kleine Zwiebelpflanze ausgerissen und sie einer Bettlerin geschenkt.” Und Gott antwortete ihm: “Nimm diese kleine Zwiebelpflanze und reiche sie ihr zum See hinab, die mag sie anpacken und sich daran herausziehen. Und wenn du sie aus dem See herauszuziehen vermagst, so mag sie ins Paradies eingehen. Wenn aber das Zwiebelkraut abreißt, so soll die Frau bleiben, wo sie sich jetzt befindet.” – Der Engel lief zu der Frau, reichte ihr die kleine Zwiebelpflanze hin und sagte: “Da, Frau, fass an und zieh dich daran heraus.” Und er fing an, sie vorsichtig an sich heranzuziehen. Und beinahe hätte er sie herausgezogen. Aber als die übrigen Sünder in dem See sahen, dass man jene herauszog, da hängten sich alle an sie, damit sie zugleich mit ihr herausgezogen würden. Die Frau aber wurde böse und begann mit den Füßen nach ihnen zu treten. “Ich soll herausgezogen werden und nicht ihr, es ist mein Zwiebelchen und nicht eures.” So wie sie das ausgesprochen hatte, riss das Zwiebelkraut ab. Die Frau fiel in den See zurück, und da brennt sie bis auf den heutigen Tag. Der Engel aber fing an zu weinen und ging fort. «

 

Sie haben mich immer als Menschen behandelt

Ein Gefängnisseelsorger berichtet: Im Gefängnis, in dem er arbeitete, saß ein Schwerverbrecher seine lebenslange Strafe ab. Er war voller Hass und Bitterkeit, verschlossen und grob. Immer wieder versuchte der Seelsorger, mit ihm zu sprechen und ihm nahezukommen. Er wurde getreten, angespuckt, bekam das Essen ins Gesicht geschüttet und Flüche an den Kopf geworfen. Siebzehn lange Jahre bemühte sich der Seelsorger mit außerordentlicher Liebe um den Mann.

Eines Tages, als er in die Zelle kam, brach der Häftling weinend vor dem Pfarrer zusammen und sagte: “Seit siebzehn Jahren bin ich nun zu Ihnen wie ein Teufel, und Sie haben mich immer als Menschen behandelt. Nun will ich auch ein Mensch werden!”
Das war der Anfang einer langen und grundlegenden Verwandlung eines Menschen. Die Liebe des Seelsorgers, die in dem hasserfüllten Verbrecher das sah, was noch werden könnte, verwandelte den Mann.

Die Augen der Wahrheit sehen, was ein Mensch ist und nicht ist. Aber die Augen der Liebe sehen das, was ein Mensch noch werden kann, wenn er geliebt wird. Das war das Geheimnis der Liebe Jesu. Er sah als Wahrheit die Grenzen, Mängel und Sünden eines jeden, aber er sah als Liebe schon die Verwandlung, die möglich ist. Ein Zöllner wurde ein Apostel, ein Blinder sehend, eine Ehebrecherin geheiligt, ein Besessener frei. Diese Liebe erträgt alles, sie glaubt alles, sie hofft alles und hält allem stand.

Sich nicht an Gott vergreifen

“Als ich zehn Jahre alt war,” so schrieb der evangelische Theologe Helmut Thielicke, “hatten wir in unserer Klasse einen Jungen, den wir gar nicht leiden mochten. Er war ein Streber, ein Angeber und Versager bei unseren heftigen Prügeleien. Eines Tages hatten wir – grausam und bedenkenlos, wie Kinder sind – beschlossen, ihm zu seiner Abhärtung eine Tracht Klassenhiebe zu verpassen. Als wir an dem betreffenden Morgen vor dem Schultor auf Einlass warteten, sahen wir, wie der Vater mit dem Jungen kam.

Beide hatten an diesem Morgen offenbar den gleichen Weg. Der Vater war einer der angesehensten Männer meiner Heimatstadt, und auch wir Jungen hatten grossen Respekt vor ihm. Vor dem Schultor verabschiedeten sich beide voneinander. Der Vater streichelte die Wange des Jungen, strich ihm liebevoll über die Haare, sagte ihm gute Worte und drehte sich dann winkend noch mehrmals nach dem Jungen um. Bei uns, die wir das beobachteten, trat eine eigentümliche Wirkung ein. Die geplanten Klassenhiebe unterblieben. Sicher nicht aus Angst vor dem Vater. Aber uns überkam eine merkwürdige Scheu, die uns bremste. Der Junge wurde von diesem Vater so geliebt. Da konnten wir uns nicht an ihm vergreifen.

Damals habe ich zum ersten Mal die Macht der Liebe erkannt und geahnt, was Gott mit dem Gebot der Liebe gemeint hat. Der letzte Grund dafür, dass wir unsere Mitmenschen lieben sollen, dass wir uns nicht an ihnen vergreifen, sie hindern oder ausnützen dürfen, ist, dass Gott sie liebt. Die Liebe Gottes zu den Menschen macht sie für unseren Hass unantastbar. Man würde sich an Gott selbst vergreifen, wollte man seinen Menschen schaden. Wir sind von Gott geliebt. Darum sind wir unantastbar. Von Gott Geliebte stehen auch unter seinem Schutz.”

Quelle: Axel Kühner, Überlebensgeschichten für jeden Tag, Aussaat Verlag