{"id":6890,"date":"2025-01-20T11:14:34","date_gmt":"2025-01-20T10:14:34","guid":{"rendered":"https:\/\/www.st-antonius.at\/antonius\/?p=6890"},"modified":"2026-05-02T14:39:23","modified_gmt":"2026-05-02T13:39:23","slug":"das-einzige-was-ich-dir-schenken-kann","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.st-antonius.at\/antonius\/?p=6890","title":{"rendered":"Das Einzige, was ich dir schenken kann"},"content":{"rendered":"<p>Dr. Gudrun Trausmuth, Jahrgang 1969, arbeitet als Redakteurin bei Radio Maria \u00d6sterreich. Sie erz\u00e4hlt in der Internetzeitung &#8222;corrigenda&#8220; eine Geschichte nach einer wahren Begebenheit \u00fcber einen adoptierten Jungen, den sie kennen lernte, der ein sogenanntes &#8222;Babyklappen-Baby&#8220; war.<br \/>\nAbtreibung ist nie eine L\u00f6sung, denn schon das Leben selbst ist das gr\u00f6\u00dfte Geschenk, das eine Mutter ihrem Kind geben kann. (Etwas gek\u00fcrzte Wiedergabe):<\/p>\n<p>\u00bb&#8220;18 Jahre&#8220;, dachte sie, w\u00e4hrend sie trotz der K\u00e4lte auf einer Bank Platz nahm. Zum ersten Mal kehrte sie hierher zur\u00fcck, zu dieser Bank, von der aus man durch das Gestr\u00fcpp des kleinen Parks Sicht auf das Krankenhaus hatte. Es war richtig gewesen, das Neugeborene damals in die Babyklappe zu legen. Und doch brannte in ihr seitdem eine unstillbare Sehnsucht. &#8230; Ihre Gedanken gingen zur\u00fcck: die Schwangerschaft, die sie damals als 17-J\u00e4hrige vor den Eltern und ihrer gesamten Umgebung verheimlicht hatte. Da sie sowieso das Gef\u00fchl hatte, dass sie nie jemand ansah, war es auch nicht weiter aufgefallen \u2013 &#8222;Endlich nimmst du etwas zu&#8220;, war das einzige Wort der Mutter gewesen.<\/p>\n<p>Und sie wollte ihrem Kind das Leben schenken: &#8222;Das Einzige, was ich dir schenken kann \u2026&#8220;, hatte sie immer wieder gedacht. Sehr allein war sie gewesen. &#8230; Dass die Wehen \u2013 wohl Wochen zu fr\u00fch \u2013 kamen, als die Eltern verreist waren, war ihr Gl\u00fcck gewesen. W\u00e4hrend der Geburt hatte sie gebetet und geweint und geschrien: und dann war das Kind dagewesen, ein B\u00fcbchen, sehr klein, sehr zart. Stundenlang hatte sie ihn gehalten, ges\u00e4ugt, geliebt.<br \/>\nIrgendwann dann, mitten in der Nacht, hatte sie ihn in Handt\u00fccher und Decken gewickelt und war taumelnd durch die einsame Winterstadt zu dem Krankenhaus gegangen.<\/p>\n<p>Auf einen Zettel, den sie zu dem Kind legte, hatte sie geschrieben: &#8218;Johannes, 8. Dez.&#8216; Und w\u00e4hrend sie zitterte vor Liebe, vor Schw\u00e4che und vor Schmerz, hatte sie das B\u00fcndel mit dem schlafenden Kind in die Babyklappe gelegt. Dann war sie in den kleinen Park gegen\u00fcber der Klinik gegangen. Dort hatte sie auf der Bank gesessen, bis sie sah, dass im Raum hinter der Babyklappe das Licht anging. &#8230; Ihr Leben war &#8222;normal&#8220; weitergegangen, Schulabschluss, Studium, Umz\u00fcge, Beziehungen \u2026 Ihren Sohn hatte sie nie vergessen. Ohne im eigentlichen Sinne religi\u00f6s zu sein, hatte sie t\u00e4glich f\u00fcr ihn gebetet, bis sich ihr Gebet in Glauben verwandelt hatte. Bis sie pl\u00f6tzlich wusste, dass es GOTT gibt, dass Er f\u00fcr ihren Sohn sorgen w\u00fcrde. Seitdem war sie ruhiger geworden, getr\u00f6stet in der Sicherheit, damals das M\u00f6gliche und Richtige getan zu haben. Aber nie h\u00f6rte die brennende Sehnsucht nach dem Kind auf, und jeder Advent holte sie wieder hervor. \u2026<\/p>\n<p>Als sie aufsah, kam durch die Dunkelheit jemand auf sie zu. Ein junger Mann, etwas unsicher, mit hellen Augen: &#8222;Darf ich mich setzen?&#8220;, fragte er. &#8222;Ausgerechnet diese Bank?&#8220; sagte sie wenig freundlich und zeigte auf die vielen leeren B\u00e4nke ringsum. &#8222;Ja, entschuldigen Sie, ich will Sie nicht bedr\u00e4ngen, aber es muss diese sein,&#8220; meinte er und setzte sich ans andere Ende der Bank.<\/p>\n<p>Nach einer Weile sprach er weiter: &#8222;Von hier aus sehe ich n\u00e4mlich da hin\u00fcber&#8220;, meinte er und wies auf das Krankenhaus, &#8222;das ist der einzige Ort, den ich mit meiner Mutter verbinde. Meine Adoptiveltern meinen, dass sie vermutlich sehr jung war. Wahrscheinlich wusste niemand von der Schwangerschaft, und wahrscheinlich hat sie mich ganz allein geboren und mich dann zur Babyklappe da dr\u00fcben gebracht. Ich bin ihr jedenfalls unendlich dankbar, dass ich lebe.&#8220;<br \/>\nWieder schwieg er und sie auch, w\u00e4hrend sie f\u00fchlte, dass es in ihrem zitternden Herzen pl\u00f6tzlich ganz hell wurde. &#8222;Es gibt keine gr\u00f6\u00dfere Liebe&#8220;, sagte er nach einer Weile. Er hob den Blick und streckte ihr die Hand hin: &#8222;\u00dcbrigens, ich hei\u00dfe Johannes.&#8220;\u00ab<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dr. Gudrun Trausmuth, Jahrgang 1969, arbeitet als Redakteurin bei Radio Maria \u00d6sterreich. 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