{"id":6847,"date":"2024-11-21T22:50:47","date_gmt":"2024-11-21T21:50:47","guid":{"rendered":"https:\/\/www.st-antonius.at\/antonius\/?p=6847"},"modified":"2024-11-21T23:35:13","modified_gmt":"2024-11-21T22:35:13","slug":"das-christkind-aus-brot","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.st-antonius.at\/antonius\/?p=6847","title":{"rendered":"Das Christkind aus Brot"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.st-antonius.at\/antonius\/wp-content\/uploads\/2009\/10\/jesuskind.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-1251\" src=\"https:\/\/www.st-antonius.at\/antonius\/wp-content\/uploads\/2009\/10\/jesuskind-250x184.jpg\" alt=\"\" width=\"250\" height=\"184\" srcset=\"https:\/\/www.st-antonius.at\/antonius\/wp-content\/uploads\/2009\/10\/jesuskind-250x184.jpg 250w, https:\/\/www.st-antonius.at\/antonius\/wp-content\/uploads\/2009\/10\/jesuskind.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 250px) 100vw, 250px\" \/><\/a>Der ungarische Priester Istv\u00e1n Reg\u0151czi (1915-2013), der w\u00e4hrend der kommunistischen Zeit wegen seiner Treue zum katholischen Glauben \u00f6fter ins Gef\u00e4ngnis kam, berichtet in einem seiner B\u00fccher \u00fcber ein besonderes Weihnachtserlebnis, das er im Internierungslager in Kistarcsa hatte.<\/p>\n<p>&#8222;Ich blickte meinem vierten Weihnachten im Gef\u00e4ngnis mit Trauer entgegen. Jetzt war ich mit Laien zusammen, und es war unm\u00f6glich f\u00fcr mich, die Eucharistie zu feiern.&#8220; In dieser trostlosen Situation kam ihm die Idee, dass er und seine Mitgefangenen wenigstens eine Krippe mit dem Jesuskind haben sollten.<\/p>\n<p>Ein Mith\u00e4ftling, mit dem er Freundschaft geschlossen hatte, war Bildhauer. Pater Istv\u00e1n bat ihn, ein Jesuskind aus Brot zu formen. Aber dazu brauchte er ein Kilo Brot. So beschloss er, sich das wenige Brot, das sie jeden Tag bekamen, vom Mund zu sparen. Und aus diesem Brot formte der Bildhauer ein sch\u00f6nes Jesuskind. &#8222;Ich war so voller Freude, dass ich verga\u00df, wie viel Verzicht mir diese Figur gekostet hatte. Bald brach die dunkle und d\u00fcstere Nacht herein, ohne Licht und ohne Feuer, ohne festliches Essen. Die Leute dachten an ihre Familien und waren noch trauriger als sonst. Dann legte ich das Jesuskind in einer Ecke auf einen Haufen Stroh. Es war mir gelungen, ein St\u00fcckchen Kerze versteckt zu halten, und das z\u00fcndete ich jetzt an. Das ungew\u00f6hnliche Licht breitete sich im Raum aus und fiel auf das kleine einfache Kripplein. Eine Aufregung ging durch den ganzen Saal. Einer nach dem anderen kam daher, um nachzusehen. Diese armen, harten, hoffnungslosen H\u00e4ftlinge mit gebrochenen Herzen\u2026 Manchen von ihnen funkelte jetzt eine Tr\u00e4ne in den Augen, denn im Gef\u00e4ngnis feierte man ja keine Weihnachten au\u00dfer in den Erinnerungen. Der h\u00e4rteste Kerl im Saal, ein breitschultriger Boxer, der noch nie ein Wort zu mir gesprochen hat, nahm meine Hand in seine Tatzen. So laut, dass jeder es h\u00f6ren konnte, sagte er: &#8211; Hochw\u00fcrden, wir danken Ihnen, dass Sie das Christkind zu uns gebracht haben!&#8220; Sie begannen auch gemeinsam Weihnachtslieder zu singen. Es war ein unvergesslicher Weihnachtsabend.<\/p>\n<p>Aber am Ende ihrer Feier h\u00f6rten sie die W\u00e4chter kommen. Schnell versteckte Pater Istvan das Jesuskind unter seinem Hemd. &#8222;Wir sahen wie die W\u00e4chter unter Beschimpfungen einen Ungl\u00fccklichen in den Saal stie\u00dfen. Wir schauten ihn neugierig an, wie er in seinen zerrissenen Lumpen blass und mager da stand. Er war vielleicht 18 Jahre alt, hatte gl\u00e4nzende Augen und blonde lange Haare.&#8220; Auf alle Fragen, die sie dem Neuank\u00f6mmling stellten, sage er immer nur kaum h\u00f6rbar: &#8222;Ich habe Hunger!&#8220; &#8222;Brot, mein Freund? &#8211; Vielleicht bekommen wir es morgen.&#8220; &#8222;Morgen&#8230; bis morgen bin ich tot&#8220; st\u00f6hnte er verbittert.<br \/>\n&#8222;Furchtbar sch\u00e4mten wir uns unserer Ohnmacht. Pl\u00f6tzlich war es, als bewegte sich etwas auf meiner Brust. Das Christkind aus Brot! Eine Sekunde z\u00f6gerte ich, dann zog ich es schnell unter meinem Hemd hervor und streckte es dem Jungen entgegen: Schau, das ist Brot, du kannst es essen. Ich gestehe, dass ich einen Hauch von Traurigkeit versp\u00fcrte, als ich sah \u2013 besser gesagt h\u00f6rte \u2013 wie der junge Mann mit seinen Z\u00e4hnen das Brot\u2011Christkind zermalmte.<\/p>\n<p>Dieses essbare Christkind, das unsere Weihnacht mit unvergesslichem Licht erf\u00fcllt hatte, war bald ganz verzehrt bis zum letzten Kr\u00fcmel. In Stille zerstreuten wir uns wieder im Saal, jeder zu seinem Lager. Die anderen zeigten mir mit einem H\u00e4ndedruck, dass sie \u00fcber das Geschehene froh waren. Ich ging auch zu meinem Strohsack\u2026 Als ich nochmals zum Neuank\u00f6mmling hin\u00fcberschaute, der sich den Mund abwischte, kam es mir wie eine Erleuchtung: Siehe da, das ist das Mysterium der Weihnacht, das g\u00f6ttliche Kind kam zu uns, dass wir Ihn essen k\u00f6nnen wie das Brot\u2011Christkind. Er kommt zu uns in der schneewei\u00dfen Hostie, wie in wei\u00dfe Windeln gewickelt, dass Er sich uns geben kann, dass wir mit Ihm eins werden k\u00f6nnen. &#8230; Erst jetzt hatte ich das Wesen des Weihnachtsgeheimnisses verstanden.&#8220;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der ungarische Priester Istv\u00e1n Reg\u0151czi (1915-2013), der w\u00e4hrend der kommunistischen Zeit wegen seiner Treue zum katholischen Glauben \u00f6fter ins Gef\u00e4ngnis <a class=\"more-link\" href=\"https:\/\/www.st-antonius.at\/antonius\/?p=6847\">weiterlesen&#8230;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[77],"tags":[],"publishpress_future_action":{"enabled":false,"date":"2026-04-25 06:30:13","action":"change-status","newStatus":"draft","terms":[],"taxonomy":"category"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.st-antonius.at\/antonius\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6847"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.st-antonius.at\/antonius\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.st-antonius.at\/antonius\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.st-antonius.at\/antonius\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.st-antonius.at\/antonius\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=6847"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.st-antonius.at\/antonius\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6847\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":6863,"href":"https:\/\/www.st-antonius.at\/antonius\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6847\/revisions\/6863"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.st-antonius.at\/antonius\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=6847"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.st-antonius.at\/antonius\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=6847"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.st-antonius.at\/antonius\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=6847"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}