{"id":5526,"date":"2019-01-30T14:07:52","date_gmt":"2019-01-30T13:07:52","guid":{"rendered":"https:\/\/www.st-antonius.at\/antonius\/?p=5526"},"modified":"2019-01-30T14:34:26","modified_gmt":"2019-01-30T13:34:26","slug":"das-netz-ist-zerrissen-und-wir-sind-frei","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.st-antonius.at\/antonius\/?p=5526","title":{"rendered":"Das Netz ist zerrissen und wir sind frei!"},"content":{"rendered":"<p><em><a href=\"https:\/\/www.st-antonius.at\/antonius\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/Jesus-guter-Hirte-03.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-5527\" src=\"https:\/\/www.st-antonius.at\/antonius\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/Jesus-guter-Hirte-03.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"279\" \/><\/a>Der bekannte evangelische Prediger und Schriftsteller Wilhelm Busch (1897 &#8211; 1966) berichtet in einem seiner B\u00fccher \u00fcber eine Erfahrung aus seiner Kindheit, wie er sich in einem Netz von L\u00fcgen verfangen hatte und wie er aber durch die Vergebung seines Vaters wieder frei wurde. Es ist ein anschauliches Gleichnis, wie Gott, der Herr, uns aus allen Verstrickungen in Lebensl\u00fcgen und Unrecht durch das Licht der Wahrheit und Vergebung befreien will (gek\u00fcrzte Fassung seines Zeugnisses):<\/em><\/p>\n<p>Wilhelm war damals zw\u00f6lf Jahre alt und ging ins Gymnasium, aber sehr ungern: &#8222;Ich glaube, ich war ganz einfach \u2013 faul. Jungen haben manchmal so Zeiten, in denen ihnen der &#8218;Ernst des Lebens&#8216; h\u00f6chst zuwider ist. Ich wei\u00df gar nicht recht, wie es kam \u2013 auf einmal war ich in ein richtiges L\u00fcgennetz verstrickt.&#8220; Wilhelm hatte bei seinen Schularbeiten schlechte Noten. Aber er sagte zu Haus nichts davon, denn er hatte keine Lust, mehr zu arbeiten und Fehlendes nachzuholen.<\/p>\n<p>Als sein Vater ihn nach der Schule fragte und auch seine Hefte sehen wollte, log er ihm etwas vor: &#8222;Da habe ich mich des Nachts hingesetzt und habe neue Hefte angefertigt. Dann musste ich mir Geld verschaffen, um rote Tinte zu kaufen, mit der ich die Unterschrift des Lehrers f\u00e4lschte. Mein Vater bekam ein Heft mit den herrlichsten Zensuren zu sehen. Damals habe ich gelernt, dass aus jeder L\u00fcge wenigstens zehn neue herauswachsen. Schlie\u00dflich war mein ganzes Jungenleben nur noch ausgef\u00fcllt damit, zu vertuschen und zu schwindeln. Das L\u00fcgennetz wurde immer verworrener. Mich hatte eine Art Panik gepackt. Ich h\u00e4tte es jetzt viel bequemer gehabt, wenn ich nur meine Schulaufgaben h\u00e4tte machen m\u00fcssen. Nun aber sa\u00df ich nachts und schrieb doppelte Hefte oder f\u00e4lschte Entschuldigungen.&#8220;<\/p>\n<p>So geriet Wilhelm in immer gr\u00f6\u00dfere seelische Not. &#8222;Wenn meine Geschwister fr\u00f6hlich spielten, dann packte mich der ganze Jammer eines verpfuschten Daseins. \u2013 Wie sollte ich je herauskommen?! Aber eines Tages brach die drohende Katastrophe herein.&#8220; Der Postbote brachte einen Brief. &#8222;Es waren nur zwei Zeilen, in denen der Lehrer meinen Vater um eine Aussprache bat. &#8218;Komm, setz dich&#8216;, sagte mein Vater, &#8218;und erz\u00e4hl mir, was denn da los ist!&#8216; Nun musste ich bekennen, und aus meinem Herzen brach es heraus: All dies ganze Gekn\u00e4ule von Schwindel und Betrug und L\u00fcge und Faulheit und Schmutz. Ich war selber entsetzt, als ich es nun alles so ausgebreitet vor mir sah.<\/p>\n<p>Dann richtete mein Vater sich auf und sagte aus tiefster Seele: &#8218;Du wirst ein Nagel an meinem Sarge werden! Nun geh!&#8216; Und ich ging. Die Tr\u00e4nen flossen mir \u00fcber das Gesicht, als ich die dunkle Treppe hinaufstieg zu meinem Zimmerchen.&#8220; \u2026 &#8222;Ich war ma\u00dflos verzweifelt \u2013 \u00fcber mich selbst!&#8220;<\/p>\n<p>Sp\u00e4t am Abend kam aber sein Vater ins Zimmer und fragte leise: &#8222;&#8218;Schl\u00e4fst du schon?&#8216; Mir stieg ein unb\u00e4ndiges Schluchzen hoch. Sagen konnte ich nichts. Da kam er auf mein Bett zu \u2026 unendlich zart legte er mir die Hand auf den Kopf und sagte: &#8218;Nun bist du froh, dass alles im Licht ist, mein lieber Sohn!&#8216; Ich sp\u00fcrte, wie er sich herabbeugte und mir einen Kuss gab. Dann ging er.&#8220; &#8222;Ich lag wie gel\u00e4hmt. Und doch \u2013 am liebsten w\u00e4re ich herausgesprungen \u2026 ich h\u00e4tte ihm um den Hals fallen m\u00f6gen: &#8218;Mein lieber Vater!&#8216; Aber ehe ich dazu die Kraft fand, h\u00f6rte ich seine T\u00fcr gehen.&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;Am n\u00e4chsten Tag ging mein Vater zum Lehrer. Ich wei\u00df nicht, was sie miteinander gesprochen haben. Mit gewaltigem Eifer setzte ich mich auf die Hosen und brachte zu Ostern ein gutes Zeugnis nach Hause. Niemals aber hat mein Vater wieder diese Geschichte erw\u00e4hnt. Sie war ganz und gar abgetan.&#8220;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der bekannte evangelische Prediger und Schriftsteller Wilhelm Busch (1897 &#8211; 1966) berichtet in einem seiner B\u00fccher \u00fcber eine Erfahrung aus <a class=\"more-link\" href=\"https:\/\/www.st-antonius.at\/antonius\/?p=5526\">weiterlesen&#8230;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":5527,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[25],"tags":[],"publishpress_future_action":{"enabled":false,"date":"2026-04-25 06:31:00","action":"change-status","newStatus":"draft","terms":[],"taxonomy":"category"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.st-antonius.at\/antonius\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5526"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.st-antonius.at\/antonius\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.st-antonius.at\/antonius\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.st-antonius.at\/antonius\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.st-antonius.at\/antonius\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=5526"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.st-antonius.at\/antonius\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5526\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.st-antonius.at\/antonius\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/5527"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.st-antonius.at\/antonius\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=5526"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.st-antonius.at\/antonius\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=5526"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.st-antonius.at\/antonius\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=5526"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}