{"id":3827,"date":"2014-07-05T19:26:35","date_gmt":"2014-07-05T18:26:35","guid":{"rendered":"http:\/\/www.st-antonius.at\/antonius\/?p=3827"},"modified":"2026-05-04T07:58:12","modified_gmt":"2026-05-04T06:58:12","slug":"die-kirche-verdraengt-das-leid-nicht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.st-antonius.at\/antonius\/?p=3827","title":{"rendered":"Die Kirche verdr\u00e4ngt das Leid nicht"},"content":{"rendered":"<p><em>Karin Struck (1948 -2006) war in jungen Jahren eine gefeierte Bestseller-Autorin. Aber sie fiel in der linken Medienwelt in Ungnade, als sie sich in einem Roman gegen die Abtreibung wandte. Es begann f\u00fcr sie ein Leidensweg, der sie zu einem tiefen Glauben an Gott zum Eintritt in die katholischen Kirche f\u00fchrte. 2004 erhielt sie die Diagnose Krebs, an dem sie am 6. 2. 2006 starb. In einem Interview, das sie 2005 gab, hinterlie\u00df uns ein eindrucksvolles Glaubenszeugnis:<\/em><br \/>\nAls Kind war ich evangelisch. Meine Konversion zum Katholizismus hatte auch mit Krankheit und Leiden zu tun. 1974 hatte ich einen schweren Autounfall. Mein sechsj\u00e4hriger Sohn war schwer verletzt. Dann ist auch noch ein Kunstfehler passiert, sodass sein Bein bedroht war. F\u00fcr eine Mutter grauenvoll!<br \/>\nMeist war ich bei meinem Sohn im Spital. Wenn ich aber eine Nacht zuhause verbrachte, so fand ich mich im Bett wieder die Muttergottes anflehend. &#8222;Bitte rette das Bein meines Kindes!&#8220; und das als Protestantin! Nun, sein Bein ist gerettet worden. Es ist ein Wunder, dass er wieder so gesund geworden ist. So fing die Konversion an.<br \/>\nDann kam dazu, dass sich eine Reihe von mutigen Katholiken f\u00fcr das Lebensrecht einsetzten. Das hat mich schwer beeindruckt. Eine Rolle gespielt haben auch Entwicklungen in der Evangelischen Kirche: eine Umwandlung vom Gottesdienst hin zum Menschendienst. Ich erinnere mich an einen Mitternachtsgottesdienst zu Weihnachten. Dorthin bin ich mit meiner Tochter in froher Erwartung gegangen. Die Kirche war bis auf den letzten Platz voll. Und der Gottesdienst fing mit einer Dichterlesung aus Tucholsky an! Als Schriftstellerin habe ich nichts gegen Tucholsky. Wunderbar da, wo\u2019s hingeh\u00f6rt. Meinetwegen auch ein Zitat in der Predigt. Aber so musste ich fl\u00fcchten. Ich hatte das Gef\u00fchl, das ist kein Gottesdienst. Hier wird irgendeine Auff\u00fchrung gemacht, nur damit die Leute kommen. Ich war damals eigentlich schon katholisch.<br \/>\nDer Hauptgrund f\u00fcr mein Katholischwerden war und ist, da\u00df mir klar wurde: Die Katholische Kirche ist die einzige Instanz, die das Leiden nicht wegerkl\u00e4rt. Das ist mir im Zuge der Auseinandersetzung um das Lebensrecht bewusst geworden. Die Argumentation, dass man gesagt habe, ein Kind mit Down Syndrom k\u00f6nne man abtreiben, weil man ihm damit ein schreckliches Leben ersparen w\u00fcrde, hat mich abgesto\u00dfen. Und so habe ich nach einem Glauben gesucht, der dieses Leiden nicht wegradiert.<br \/>\nNoch vor meinem \u00dcbertritt habe ich den Menschen gesagt: Du kannst ein total gesundes Kind bekommen. An ihm ist alles dran. Geistig ist es auf der H\u00f6he. Und mit drei Jahren verungl\u00fcckt es und ist behindert, sitzt im Rollstuhl. Was machst du dann? Bringst du es um? Der katholische Glaube, diese Tradition von Jahrtausenden war dann zunehmend mein Halt. Keine andere Institution als die Katholische Kirche stellt die Situation des Menschen so dar, wie sie wirklich ist. Alles andere geht, wenn man es konsequent zu Ende denkt, in Richtung totalit\u00e4ren Gedankenguts. Der Reichtum der Katholischen Kirche ist unvergleichlich, unaussch\u00f6pflich. Ihr Kern ist unzerst\u00f6rbar. Ich stehe davor wie eine kleine Maus.<br \/>\nDie gro\u00dfe Gnade der Krankheit besteht darin, dass ich bezeuge, dass sie mich mit Gott, mit Jesus, mit den leidenden Menschen, mit der Menschheit verbinden kann, so schwer das auch sein mag. Und dass ich nicht abdrifte und wom\u00f6glich zum Zeugen f\u00fcr die Euthanasie werde. Selbst in den schlimmsten N\u00e4chten, in denen ich nur noch gekrochen bin und dachte, das halte ich nicht mehr aus, gab es keinen Augenblick, in dem ich gedacht h\u00e4tte, jetzt m\u00f6chte ich eine Pille haben, um mein Leben zu beenden. Daf\u00fcr bin ich dankbar.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Karin Struck (1948 -2006) war in jungen Jahren eine gefeierte Bestseller-Autorin. 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