{"id":2581,"date":"2011-11-19T14:20:29","date_gmt":"2011-11-19T13:20:29","guid":{"rendered":"http:\/\/www.st-antonius.at\/antonius\/?p=2581"},"modified":"2012-11-03T22:31:39","modified_gmt":"2012-11-03T21:31:39","slug":"in-einem-nu-wurde-mein-herz-ergriffen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.st-antonius.at\/antonius\/?p=2581","title":{"rendered":"Paul Claudel &#8211; In einem Nu wurde mein Herz ergriffen"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.st-antonius.at\/antonius\/wp-content\/uploads\/2011\/11\/claudel1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-2582\" title=\"claudel1\" src=\"http:\/\/www.st-antonius.at\/antonius\/wp-content\/uploads\/2011\/11\/claudel1.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"214\" srcset=\"https:\/\/www.st-antonius.at\/antonius\/wp-content\/uploads\/2011\/11\/claudel1.jpg 270w, https:\/\/www.st-antonius.at\/antonius\/wp-content\/uploads\/2011\/11\/claudel1-210x300.jpg 210w\" sizes=\"(max-width: 150px) 100vw, 150px\" \/><\/a>Gott ruft immer wieder Menschen, dass sie sich zu ihm bekehren. Paul Claudel, der bekannte franz\u00f6sische, katholische Schriftsteller, hat diese Gnade der Bekehrung am Weihnachtstag des Jahres 1886 erfahren. Claudel (1868 bis 1955) erz\u00e4hlt:<br \/>\nEr stammte aus einer Familie, die dem katholischen Glauben ausgesprochen feindlich gesinnt war. Zwar hatte er die Erstkommunion gefeiert, aber das war zugleich der Schlusspunkt seines religi\u00f6sen Lebens gewesen. Als Achtzehnj\u00e4hriger, der in seiner geistigen Entwicklung seinem Alter weit voraus war, hatte er l\u00e4ngst den Glauben verloren. Ein freidenkerischer Professor, die Lekt\u00fcre glaubensfeindlicher B\u00fccher, das ganze kirchenfeindliche Milieu des ausgehenden 19. Jahrhunderts: All das und manches andere hatte den jungen Menschen v\u00f6llig vom Glauben weggef\u00fchrt. &#8222;Im \u00fcbrigen&#8220;, so bekennt er, &#8222;f\u00fchrte ich ein unmoralisches Leben und verfiel nach und nach in einen Zustand der Verzweiflung.&#8220;<br \/>\nAm 25. Dezember 1886 nun ging Claudel ins Weihnachtshochamt der Notre-Dame-Kathedrale von Paris. Er kam nicht aus einem religi\u00f6sen Grund; sondern als junger Schriftsteller, der er war, wollte er &#8222;in den katholischen Zeremonien ein geeignetes Reizmittel und den Stoff f\u00fcr einige dekadente \u00dcbungen finden&#8220;. Mit nur &#8222;m\u00e4\u00dfigem Vergn\u00fcgen&#8220; wohnte Claudel dem Hochamt bei.<br \/>\nAber dann ging er doch, mehr aus Langeweile, nachmittags auch in die Vesper. Er stand mitten in der Menge, nahe beim zweiten Pfeiler am Choranfang, rechts auf der Seite der Sakristei. Als die Knaben der Singschule das Magnifikat sangen, geschah blitzartig seine Bekehrung. H\u00f6ren wir ihn selber:<\/p>\n<p>&#8222;Da nun vollzog sich ein Ereignis, das f\u00fcr mein ganzes Leben bestimmend sein sollte. In einem Nu wurde mein Herz ergriffen, und ich glaubte. Ich glaubte mit einer so m\u00e4chtigen inneren Zustimmung, mit einem so gewaltsamen Emporgerissenwerden meines ganzen Seins, mit einer so starken \u00dcberzeugung, mit solch unersch\u00fctterlicher Gewissheit, dass keinerlei Platz auch nur f\u00fcr den leisesten Zweifel offen blieb, dass von diesem Tage an alle B\u00fccher, alles Kl\u00fcgeln, alle Zuf\u00e4lle eines bewegten Lebens meinen Glauben nicht zu ersch\u00fcttern, ja auch nur anzutasten vermochten. Ich hatte pl\u00f6tzlich das durchbohrende Gef\u00fchl der Unschuld, der ewigen Kindschaft Gottes, einer unaussprechlichen Offenbarung.\u201d<\/p>\n<p>Am Abend dieses Tages griff Claudel dann zu einer Bibel, die seine Schwester Camille von einer deutschen protestantischen Freundin erhalten hatte. Da vernahm er, wie er sagt, &#8222;zum erstenmal den Klang einer so sanften und doch so unbeugsamen Stimme, die seitdem unabl\u00e4ssig in meinem Herzen nachhallt&#8220;.<\/p>\n<p>Dem jungen Mann &#8211; er war 18 Jahre &#8211; war zur Gewissheit geworden, dass Jesus Christus der Sohn Gottes ist und &#8222;dass die H\u00f6lle \u00fcberall dort sich befindet, wo Christus nicht ist&#8220;.<\/p>\n<p>Aber noch b\u00e4umte sich der &#8222;alte Mensch&#8220; dagegen auf, denn &#8222;er wollte nichts von dem Leben aufgeben, das ihm offenstand&#8220;. So blieb er noch den Sakramenten fern, nahm jedoch am Leben der Kirche teil. Es war noch ein Kampf, erst vier Jahre nach seiner Bekehrung ging er zur heiligen Beichte und wurde mit Gott ausges\u00f6hnt. &#8222;Meine zweite Kommunion machte ich an jenem gleichen Weihnachtstage, am 25. Dezember 1890, in Notre-Dame.&#8220;<\/p>\n<p>Claudel, der 1955 im Alter von 87 Jahren gestorben ist, hat sich \u2013 von wenigen dichterischen Arbeiten abgesehen \u2013 die letzten 25 Jahre seines Lebens fast ausschlie\u00dflich mit der Bibel besch\u00e4ftigt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gott ruft immer wieder Menschen, dass sie sich zu ihm bekehren. 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