{"id":1310,"date":"2009-12-22T22:45:33","date_gmt":"2009-12-22T21:45:33","guid":{"rendered":"http:\/\/www.st-antonius.at\/antonius\/?p=1310"},"modified":"2012-11-03T22:08:43","modified_gmt":"2012-11-03T21:08:43","slug":"der-storrische-esel-und-die-suse-distel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.st-antonius.at\/antonius\/?p=1310","title":{"rendered":"Der st\u00f6rrische Esel und die s\u00fc\u00dfe Distel"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.st-antonius.at\/antonius\/wp-content\/uploads\/2009\/12\/krippe07.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-1311\" title=\"krippe07\" src=\"http:\/\/www.st-antonius.at\/antonius\/wp-content\/uploads\/2009\/12\/krippe07.jpg\" alt=\"\" width=\"168\" height=\"231\" \/><\/a><strong>Jesus ist als unser Heiland in die Welt gekommen, um das Herz des Menschen von seiner H\u00e4rte und Widerspenstigkeit gegen den Willen und Liebe Gottes zu erl\u00f6sen. Karl Heinriche Waggerl hat dieses Erl\u00f6sungsgeheimnis in eine humorvolle Weihnachtsgeschichte gekleidet. <\/strong><\/p>\n<p>Als der heilige Josef im Traum erfuhr, da\u00df er mit seiner Familie vor der Bosheit des Herodes fliehen m\u00fcsse, in dieser b\u00f6sen Stunde weckte der Engel auch den Esel im Stall.<\/p>\n<p>&#8222;Steh auf!&#8220; sagte er von oben herab. &#8222;Du darfst die Jungfrau Maria mit dem Herrn nach \u00c4gypten tragen.&#8220;<\/p>\n<p>Dem Esel gefiel das gar nicht. Er war kein sehr frommer Esel, sonder eher ein wenig st\u00f6rrisch im Gem\u00fct.<\/p>\n<p>&#8222;Kannst du das nicht selber besorgen?&#8220; fragte er verdrossen. &#8222;Du hast doch Fl\u00fcgel, und ich mu\u00df alles auf meinem Buckel schleppen!&#8220; Warum denn gleich nach \u00c4gypten, so himmelweit!&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;Sicher ist sicher!&#8220; sagte der Engel, und das war einer von den Spr\u00fcchen, die selbst einem Esel einleuchten m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Als er nun aus dem Stall trottete und zu sehen bekam, welch eine Fracht der heilige Josef f\u00fcr ihn zusammengetragen hatte, das Bettzeug f\u00fcr die W\u00f6chnerin und einen Pack Windeln f\u00fcr das Kind, das Kistchen mit dem Gold der K\u00f6nige und zwei S\u00e4cke mit Weihrauch und Myrrhe, einen Laib K\u00e4se und eine Stange Rauchfleisch von den Hirten, den Wasserschlauch, und schlie\u00dflich Maria selbst mit dem Knaben, auch beide wohlgen\u00e4hrt, da fing er gleich wieder an, vor sich hinzumaulen. Es verstand ihn ja niemand au\u00dfer dem Jesuskind.<\/p>\n<p>&#8222;Immer dasselbe&#8220;, sagte er, &#8222;bei solchen Bettelleuten! Mit nichts sind sie hergekommen, und schon haben sie eine Fuhre f\u00fcr zwei Paar Ochsen beisammen. Ich bin doch kein Heuwagen&#8220;, sagte der Esel, und so sah er auch wirklich aus, als ihn Josef am Halfter nahm, es waren kaum noch die Hufe zu sehen.<\/p>\n<p>Der Esel w\u00f6lbte den R\u00fccken, um die Last zurechtzuschieben, und dann wagte er einen Schritt, vorsichtig, weil er dachte, da\u00df der Turm \u00fcber ihm zusammenbrechen m\u00fcsse, sobald er einen Fu\u00df voransetzte.<\/p>\n<p>Aber seltsam, pl\u00f6tzlich f\u00fchlte er sich wunderbar leicht auf den Beinen, als ob er selber getragen w\u00fcrde, er t\u00e4nzelte geradezu \u00fcber Stock und Stein in der Finsternis.<\/p>\n<p>Nicht lange, und es \u00e4rgerte ihn auch das wieder.<\/p>\n<p>&#8222;Will man mir einen Spott antun?&#8220; brummte er. &#8222;Bin ich etwa nicht der einzige Esel in Bethlehem, der vier Gerstens\u00e4cke auf einmal tragen kann?&#8220;<\/p>\n<p>In seinem Zorn stemmte er pl\u00f6tzlich die Beine in den Sand und ging keinen Schritt mehr von der Stelle.<\/p>\n<p>&#8222;Wenn er mich jetzt auch noch schl\u00e4gt&#8220;, dachte der Esel erbittert, &#8222;dann hat er seinen ganzen Kram im Graben liegen!&#8220;<\/p>\n<p>Allein, Josef schlug ihn nicht. Er griff unter das Bettzeug und suchte nach den Ohren des Esels, um ihn dazwischen zu kraulen.<\/p>\n<p>&#8222;Lauf noch ein wenig&#8220;, sagte der heilige Josef sanft, &#8222;wir rasten bald!&#8220;<\/p>\n<p>Daraufhin seufzte der Esel und setzte sich wieder in Trab.<\/p>\n<p>&#8222;So einer ist nun ein gro\u00dfer Heiliger&#8220;, dachte er, &#8222;und wei\u00df nicht einmal, wie man einen Esel antreibt!&#8220;<\/p>\n<p>Mittlerweile war es Tag geworden, und die Sonne brannte hei\u00df. Josef fand ein Gestr\u00e4uch, das d\u00fcrr und dornig in der W\u00fcste stand, in seinem d\u00fcrftigen Schatten wollte er Maria ruhen lassen. Er lud ab und schlug Feuer, um eine Suppe zu kochen, der Esel sah es voll Mi\u00dftrauen. Er wartete auf sein eigenes Futter, aber nur, damit er es verschm\u00e4hen konnte.<\/p>\n<p>&#8222;Eher fresse ich meinen Schwanz&#8220;, murmelte er, &#8222;als euer staubiges Heu!&#8220;<\/p>\n<p>Es gab jedoch gar kein Heu, nicht einmal ein Maul voll Stroh, der heilige Josef in seiner Sorge um Weib und Kind hatte es rein vergessen. Sofort fiel den Esel ein unb\u00e4ndiger Hunger an. Er lie\u00df seine Eingeweide so laut knurren, da\u00df Josef entsetzt um sich blickte, weil er meinte, ein L\u00f6we s\u00e4\u00dfe im Busch.<\/p>\n<p>Inzwischen war auch die Suppe gar geworden, und alle a\u00dfen davon, Maria a\u00df, und Josef l\u00f6ffelte den Rest hinunter, und auch das Kind trank an der Brust seiner Mutter, und nur der Esel stand da und hatte kein einziges H\u00e4lmchen zu kauen. Es wuchs da \u00fcberhaupt nichts, nur etliche Disteln im Ger\u00f6ll.<\/p>\n<p>&#8222;Gn\u00e4diger Herr!&#8220; sagte der Esel erbost und richtete eine lange Rede an das Jesuskind, eine Eselrede zwar, aber ausgekocht scharfsinnig und ungemein deutlich in allem, wor\u00fcber die leidende Kreatur vor Gott zu klagen hat. &#8222;I-A! schrie er am Schlu\u00df, das hei\u00dft: &#8222;so wahr ich ein Esel bin!&#8220;<\/p>\n<p>Das Kind h\u00f6rte alles aufmerksam an. Als der Esel fertig war, beugte es sich herab und brach einen Diestelstengel, den bot es ihm an.<\/p>\n<p>&#8222;Gut!&#8220; sagte er, bis ins Innerste beleidigt. &#8222;So fresse ich eben eine Distel!&#8220; Aber in deiner Weisheit wirst du voraussehen, was dann geschieht. Die Stacheln werden mir den Bauch zerstechen, so da\u00df ich sterben mu\u00df, und dann seht zu, wie ihr nach \u00c4gypten kommt!&#8220;<\/p>\n<p>W\u00fctend bi\u00df er in das harte Kraut, und sogleich blieb ihm das Maul offen stehen. Denn die Distel schmeckte durchaus nicht, wie er es erwartet hatte, sondern nach s\u00fc\u00dfestem Honigklee, nach w\u00fcrzigstem Gem\u00fcse. Niemand kann sich etwas derart K\u00f6stliches vorstellen, er w\u00e4re denn ein Esel.<\/p>\n<p>F\u00fcr diesmal verga\u00df der Graue seinen ganzen Groll. Er legte seine langen Ohren and\u00e4chtig \u00fcber sich zusammen, was bei einem Esel so viel bedeutet, wie wenn unsereins die H\u00e4nde faltet.<\/p>\n<p>Karl Heinrich Waggerl<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jesus ist als unser Heiland in die Welt gekommen, um das Herz des Menschen von seiner H\u00e4rte und Widerspenstigkeit gegen <a class=\"more-link\" href=\"https:\/\/www.st-antonius.at\/antonius\/?p=1310\">weiterlesen&#8230;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":1311,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[77],"tags":[],"publishpress_future_action":{"enabled":false,"date":"2026-04-26 10:56:18","action":"change-status","newStatus":"draft","terms":[],"taxonomy":"category"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.st-antonius.at\/antonius\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1310"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.st-antonius.at\/antonius\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.st-antonius.at\/antonius\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.st-antonius.at\/antonius\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.st-antonius.at\/antonius\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1310"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.st-antonius.at\/antonius\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1310\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.st-antonius.at\/antonius\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/1311"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.st-antonius.at\/antonius\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1310"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.st-antonius.at\/antonius\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1310"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.st-antonius.at\/antonius\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1310"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}