{"id":1133,"date":"2007-01-02T11:31:03","date_gmt":"2007-01-02T10:31:03","guid":{"rendered":"http:\/\/www.st-antonius.at\/antonius\/?p=1133"},"modified":"2009-07-29T11:37:14","modified_gmt":"2009-07-29T10:37:14","slug":"wenn-du-vollkommen-sein-willst","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.st-antonius.at\/antonius\/?p=1133","title":{"rendered":"Wenn du vollkommen sein willst"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.st-antonius.at\/antonius\/wp-content\/uploads\/2009\/07\/jesus.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-1103\" title=\"jesus\" src=\"http:\/\/www.st-antonius.at\/antonius\/wp-content\/uploads\/2009\/07\/jesus.jpg\" alt=\"\" width=\"200\" height=\"270\" srcset=\"https:\/\/www.st-antonius.at\/antonius\/wp-content\/uploads\/2009\/07\/jesus.jpg 333w, https:\/\/www.st-antonius.at\/antonius\/wp-content\/uploads\/2009\/07\/jesus-222x300.jpg 222w\" sizes=\"(max-width: 200px) 100vw, 200px\" \/><\/a>Die Geschichte vom reichen, jungen Mann, der Jesus nach dem ewigen Leben fragte, kann uns immer wieder zu denken geben. Obwohl er sich bem\u00fchte, ein rechtschaffenes Leben zu f\u00fchren, blieb er in seinem Herzen unzufrieden. \u201cWas fehlt mir noch?\u201d Jesus gab ihm zur Antwort: \u201cWenn du vollkommen sein willst, geh, verkauf deinen Besitz und gib das Geld den Armen; so wirst du einen bleibenden Schatz im Himmel haben; dann komm und folge mir nach\u201d (Mt 19,21). Jesus beruft ihn in seine Nachfolge und stellt ihm das vor Augen, was ihn gl\u00fccklich machen w\u00fcrde. Aber er kann und will sich nicht losl\u00f6sen von seinem Besitz. Was ist die Folge, dass er das nicht verwirklicht, was der Herr f\u00fcr ihn gedacht hat? Es ist die Traurigkeit; \u201cer ging traurige weg\u201d (Mt 19,22).<\/p>\n<p>Diese Begebenheit offenbart uns ein grunds\u00e4tzliches Problem des Menschen. Gott hat den Menschen geschaffen nach seinem Bild, aber noch nicht als Vollendeten. Gott zeigt und sagt dem Menschen, was er tun muss, damit er vollkommen und gl\u00fccklich werden kann. Aber es liegt in der Freiheit des Menschen, ob er sich selbst so verwirklicht. Wenn er sich weigert, sich zu seiner wahren Gr\u00f6\u00dfe zu erheben, so ist sein Los die Traurigkeit, letztlich ein Leben der Verzweiflung an sich selbst.<\/p>\n<p>Der Dichter Leo Tolstoi hat diesen traurigen Zustand des Menschen in ein treffendes Bild gekleidet. Der Mensch, der nicht nach seiner Vollkommenheit strebt, ist wie ein Adler, der in einen H\u00fchnerk\u00e4fig gesperrt ist, und, statt sich frei in die L\u00fcfte zu erheben, am Boden herumh\u00fcpft, mit den H\u00fchnern in der Erde herumscharrt und sein Futter aufpickt. Aus Bequemlichkeit und weil er sich nicht daran erinnert, dass er ein Adler ist, bleibt er im K\u00e4fig. Und der, der den Adler (den Menschen) im K\u00e4fig f\u00fcttert und festh\u00e4lt, um ihn f\u00fcr den Schlachttag zu m\u00e4sten, ist niemand anderer als der Teufel.<br \/>\nEs ist ein sehr anschauliches Bild f\u00fcr viele Mensche unserer Zeit. Sie haben sich im K\u00e4fig des Wohlstands einsperren lassen und sind zu tr\u00e4ge, die Fl\u00fcgel ihrer Seele auszubreiten, um sich von der Gnade Gottes in die H\u00f6he tragen zu lassen.<\/p>\n<p>Die alten Kirchenlehrer haben dieser Haltung einen eigenen Namen gegeben: es ist (lateinisch) die \u201cacedia\u201d, eine der Haupt- und Wurzels\u00fcnden. \u201cAcedia\u201d wird meist \u00fcbersetzt mit \u201cTr\u00e4gheit\u201d, aber dieses deutsche Wort trifft den Sinn nicht ganz. Die \u201cacedia\u201d ist diese innere Weigerung oder auch Tr\u00e4gheit, durch die der Mensch nicht &#8222;mitarbeitet&#8220; an der Verwirklichung seiner selbst, er tut nichts dazu, um jene Vollkommenheit zu erreichen, die Gott f\u00fcr ihn gedacht hat; wie der Adler, der mit einem H\u00fchnerdasein zufrieden ist. Aber diese \u201cacedia\u201d st\u00fcrzt den Menschen in eine tiefe, innere Traurigkeit. Der hl. Thomas z\u00e4hlt dann die T\u00f6chter der \u201cacedia\u201d auf:<\/p>\n<p>1. Die erste Folge der Tr\u00e4gheit ist die schweifende Unruhe des Geistes. Wenn der Mensch auf dem Grund seiner Seele nur die Traurigkeit finden, dann kommt es notwendigerweise zu einer st\u00e4ndigen Flucht der Seele, vor sich selbst.<br \/>\n2. Die Geschw\u00e4tzigkeit: weil er es mit seinen eigenen Gedanken nicht aush\u00e4lt, muss er immer wieder alles hinausreden.<br \/>\n3. Das Suche nach Neuem, nach neuen Erlebnissen, nach neuen Erfahrungen und Erwerbungen.<br \/>\n4. Die Unbest\u00e4ndigkeit des Wollens und des Seins. Der Mensch tut sich sehr schwer irgendwelche Verpflichtungen und feste Bindungen einzugehen.<\/p>\n<p>Diese Beschreibung des hl. Thomes charakterisiert treffen unsere Zeit. Der Herr aber ruft uns heraus aus der Tr\u00e4gheit des Herzens zum wahren Menschsein. Er ruft uns in seine Nachfolge.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Geschichte vom reichen, jungen Mann, der Jesus nach dem ewigen Leben fragte, kann uns immer wieder zu denken geben. <a class=\"more-link\" href=\"https:\/\/www.st-antonius.at\/antonius\/?p=1133\">weiterlesen&#8230;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":1103,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[61],"tags":[],"publishpress_future_action":{"enabled":false,"date":"2026-04-30 11:57:17","action":"change-status","newStatus":"draft","terms":[],"taxonomy":"category"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.st-antonius.at\/antonius\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1133"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.st-antonius.at\/antonius\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.st-antonius.at\/antonius\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.st-antonius.at\/antonius\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.st-antonius.at\/antonius\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1133"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.st-antonius.at\/antonius\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1133\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.st-antonius.at\/antonius\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/1103"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.st-antonius.at\/antonius\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1133"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.st-antonius.at\/antonius\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1133"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.st-antonius.at\/antonius\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1133"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}