{"id":1538,"date":"2010-06-26T09:13:09","date_gmt":"2010-06-26T08:13:09","guid":{"rendered":"http:\/\/www.st-antonius.at\/antonius\/?page_id=1538"},"modified":"2021-02-25T09:52:14","modified_gmt":"2021-02-25T08:52:14","slug":"ausfuhrliche-lebensbeschreibung","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.st-antonius.at\/antonius\/?page_id=1538","title":{"rendered":"Ausf\u00fchrliche Lebensbeschreibung"},"content":{"rendered":"<h2>Bruder Benno Koglbauer 1862 &#8211; 1925<br \/>\nAusf\u00fchrliche Lebensbeschreibung<\/h2>\n<p><strong>Von P. Gaudentius Walser OFMCap.<\/strong><\/p>\n<h3>Vorwort<\/h3>\n<p><a href=\"http:\/\/www.st-antonius.at\/antonius\/wp-content\/uploads\/2010\/06\/Benno-Koglbauer2.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-1545\" title=\"Benno-Koglbauer2\" src=\"http:\/\/www.st-antonius.at\/antonius\/wp-content\/uploads\/2010\/06\/Benno-Koglbauer2.jpg\" alt=\"\" width=\"216\" height=\"311\" srcset=\"https:\/\/www.st-antonius.at\/antonius\/wp-content\/uploads\/2010\/06\/Benno-Koglbauer2.jpg 400w, https:\/\/www.st-antonius.at\/antonius\/wp-content\/uploads\/2010\/06\/Benno-Koglbauer2-208x300.jpg 208w\" sizes=\"(max-width: 216px) 100vw, 216px\" \/><\/a>In einem Gespr\u00e4ch \u00fcber den gottseligen Bruder Benno in Bregenz sagte mir P.\u00a0Juvenal L\u00e4ngle aus Klaus (1875-1951): \u00bbAls ich das Buch \u203aim Dienste Gottes und der Menschen\u2039 (ein Lebensbild des Dieners Gottes Konrad Birndorfer von Parzham, M\u00fcnchen 1928, Verlag Pustet, 220 Seiten) gelesen hatte, war ich \u00fcberzeugt: Wenn dieser Bruder Konrad ein Heiliger ist, dann ist es Bruder Benno auch. Man k\u00f6nnte ruhig in dieser Biographie statt Konrad Benno einsetzen, sosehr deckt sich das Leben unseres Bregenzer Pf\u00f6rtners mit dem Leben des Pf\u00f6rtners in Alt\u00f6tting.\u00ab P.\u00a0Juvenal war eine zeitlang Beichtvater und Oberer des Bruder Benno.<\/p>\n<p>Von diesem \u00bbguten Bruder Benno\u00ab, wie ihn die Leute allgemein nannten, soll dieses B\u00fcchlein erz\u00e4hlen. Es finden sich in diesem einfachen Kapuzinerleben keine au\u00dfergew\u00f6hnlichen Begebenheiten, keine Erscheinungen oder irgendwelche Offenbarungen. Wohl aber hat Bruder Benno mit au\u00dfergew\u00f6hnlicher Gewissenhaftigkeit und beharrlicher Treue die allt\u00e4glichen Aufgaben im Dienste Gottes und der Menschen erf\u00fcllt.<\/p>\n<p>Die folgenden Ausf\u00fchrungen st\u00fctzen sich auf Zeugenaussagen vieler Mitbr\u00fcder und vieler Bregenzer B\u00fcrger, die Bruder Benno in bester Erinnerung behalten haben.<\/p>\n<p>Urbild aller Heiligkeit ist Jesus Christus. In ihm wohnt die F\u00fclle der Gottheit. Dieses Bild soll einen Heiligen darstellen. Aber er kann nur einen Zug aus dieser F\u00fclle nachzeichnen, mehr w\u00fcrde jede menschliche M\u00f6glichkeit \u00fcbersteigen. Er stellte den Herrn so dar, wie seine Zeit und Umwelt es brauchen. Darum hat er eine Aufgabe, eine Sendung, die in gleicher Weise niemand vor ihm und niemand nach ihm hat. Durch einen heiligen Menschen legt der Heilige Geist Zeugnis ab, und er tut es in der Weise, wie es diese Zeit und diese Menschen am Ort es n\u00f6tig haben. Ein heiliges Leben ist immer ein Segen f\u00fcr die Kirche am Ort \u2014 Bruder Benno, ein Segen f\u00fcr Bregenz.<\/p>\n<h3>Gesegnete Heimat<\/h3>\n<p>M\u00f6nichkirchen am Wechsel, ein verborgenes weitausgedehntes D\u00f6rfchen am Rande der Bucke\u00adligen Welt, liegt im sch\u00f6nen Bundesland Nieder\u00f6sterreich, n\u00e4her der ungarischen Grenze als der alten Kaiserstadt Wien.<\/p>\n<p>Eingebettet zwischen Tannen\u00adgr\u00fcn und \u00c4hrengold war jener Sommertag, an dem auf dem Bauerngut des Simon Koglbauer und seiner Frau Maria, geb. Gradwohl, das 4. Kind geboren wurde, am 30. Juni 1862. Noch am gleichen Tag brachte man das B\u00fcblein dem Pfarrprovisor Groh von M\u00f6nichkirchen zur Taufe. Matthias sollte es hei\u00dfen. So w\u00fcnschten es die guten Eltern, und genannt wurde das Kind \u00bbHiasl\u00ab.<\/p>\n<p>In der guten Atmosph\u00e4re einer echt christlichen Familie und in der gesunden Luft der heimatlichen W\u00e4lder am Wechsel wuchs der kr\u00e4ftige Bub heran. Das b\u00e4uerliche Leben war einfach, erf\u00fcllt mit t\u00e4glicher Arbeit auf dem Hof und den umliegenden Feldern. Die Bauern wu\u00dften, an Gottes Segen ist alles gelegen. Darum hielten sie viel auf christlichen Brauch und gute Sitten. Das Familiengebet hatte einen unverr\u00fcckbaren Platz im Tagesgeschehen. Tischgebet und \u00bbEngel des Herrn\u00ab waren Selbstverst\u00e4ndlichkeit. Am Samstag Abend und vor den Feiertagen beteten alle Familienmitglieder den Rosenkranz, vom Advent bis Ostern sogar jeden Tag. Jeder Sonn- und Festtag war geheiligt durch Gottesdienst und Arbeitsruhe.<\/p>\n<p>Etwas Wunderbares ist das Wachsen und Reifen eines Kindes. Der Hiasl zeigte Begabung und schnelle Auffassungsgabe. In den Jahren der Schulzeit brachte er es bald so weit, da\u00df er der Beste der Klasse war. Der Lehrer verlangte seine Sache, der Sch\u00fcler gab sein Bestes. Was er lernte, behielt er Zeit seines Lebens. Es ging nicht allein um Verstandesbildung, sondern ebenso um charakterliche Formung und religi\u00f6se Vertiefung des jungen Lebens. Klar, einfach und sauber wie sein Charakter war auch seine Schrift. Koglbauer legte gro\u00dfen Wert auf sch\u00f6ne Schriftz\u00fcge. In der Erledigung des Schriftverkehrs war er seinem Vater, der B\u00fcrgermeister der Gemeinde war, oft behilflich.<\/p>\n<p>Sehr aufgeschlossen zeigte sich der Hiasl in Religion. Was der Katechet sagte, erz\u00e4hlte er seiner Mutter, die stets das religi\u00f6se Wissen der Kinder zu vertiefen wu\u00dfte. Die gute Mutter pflegte nach getaner Arbeit am Abend den Kindern Katechismus und Biblische Geschichte einzupr\u00e4gen, verbunden mit Gebeten. Weil der Hiasl so war, wie man sich einen Buben w\u00fcnscht, gehorsam und flei\u00dfig, fr\u00f6hlich und vertr\u00e4glich, darum liebten alle das kleine B\u00fcrschlein.<\/p>\n<h3>Frohe Jugendzeit<\/h3>\n<p>Die Jahre vergingen. Unbeschwert erlebte Matthias seine Jugendjahre im elterlichen Haus. Arbeitsam wie er war, griff er in Haus, Stall und Feld \u00fcberall zu. M\u00fc\u00dfiges Herumstehen blieb ihm zeitlebens ohne Wert. Er war stets ein eifriger Ben\u00fctzer der Zeit. Hilfsbereit zeigte er sich auch den Nachbarn. Man mu\u00dfte ihn nicht zweimal bitten.<\/p>\n<p>Ja, der Hiasl hatte seine helle Freude an der Sch\u00f6nheit der Natur, am Trillern der Lerchen \u00fcber den Fluren und Feldern, am Zwitschern der Schwalben rund um den Bauernhof und am Ruf des Kuckucks aus den heimatlichen W\u00e4ldern. Er hatte Freude am fr\u00f6hlichen Singen der Dorfjugend, auch am gem\u00fctlichen Tarock in der Bauernstube. Lange noch nach seinem Klostereintritt erz\u00e4hlten sich die Leute von den munteren \u00bbGstanzeln\u00ab, mit denen er aufr\u00fcckte und k\u00f6stliche Unterhaltung bot. Sauber mu\u00dfte die Unterhaltung sein. Zweideutigkeiten und Derbheiten vertrug er nicht. Solche Leute nannte er \u00bbgrauslige Menschen\u00ab und mied den Umgang mit ihnen. Er war immer freundlich, anst\u00e4ndig und von vornehmer Zur\u00fcckhaltung.<\/p>\n<p>Es sch\u00e4tzen ihn auch die M\u00e4dchen sehr, wegen seiner fr\u00f6hlichen Art und Wohlanst\u00e4ndigkeit. Manche sah den \u00bbfeschen\u00ab Jungmann nicht ungern. Auf dem weiten Kirchweg begleitete ihn manches M\u00e4dchen. Er war so heiter, man konnte sich mit ihm gut unterhalten. Sein Humor war von selten feiner herzerfreuender Art.<\/p>\n<p>Er war kein Fr\u00f6mmler. Gerne lenkte er das Gespr\u00e4ch auf Gott hin. Einem M\u00e4dchen aus der Verwandtschaft, das auf dem Koglbauernhof lebte, sagte er: \u00bbDu, heut hast Du Geburtstag. Heut gehst Du beichten und ich geh mit Dir. Dann zahl\u2019 ich Dir ein Paar Wurstel. Aber gut mu\u00dft es machen, nicht etwa wegen der W\u00fcrstl beichten gehen.\u00ab<\/p>\n<p>Wie die Zeit vergeht. Mancher seiner Jugendfreunde hatte sich schon einen eigenen Hausstand gegr\u00fcndet, hatte geheiratet. Dem Hiasl eilte es gar nicht damit. Manches M\u00e4dchen hat ihn gerne gesehen, ja h\u00e4tte ihn gerne geheiratet. Nat\u00fcrlich machte sich auch unser Matthias seine Gedanken \u00fcber die Zukunft. Das \u00bbGstettenschmied Waberl\u00ab w\u00e4re kein \u00fcbles M\u00e4dchen gewesen. Gewi\u00df eine gute Hausfrau und Mutter. Manchmal kannte er sich selbst nicht ganz aus.<\/p>\n<h3>Eigenartiges Fernweh<\/h3>\n<p>In den beginnenden Mannesjahren befiel ihn eine eigenartige Unruhe. Es dr\u00e4ngte ihn von daheim fort. Ein unerkl\u00e4rliches Fernweh hatte ihn erfa\u00dft. Anfangs widerstand er den Lockungen der Ferne. Er f\u00fchlte sich dabei halb krank. \u00bbIch habe schon jahrelang einen gro\u00dfen Antrieb zum Fortgehen gehabt \u2026 Ich war schon beinahe ein halbes Jahr nicht mehr gesund und nicht recht krank, und ich w\u00fcrde g\u00e4nzlich krank geworden sein, wenn ich mich nicht aufgemacht h\u00e4tte fortzugehen. Jetzt bin ich wieder ganz gesund.\u00ab So schrieb er nach seinem Weggang von zu Hause.<\/p>\n<p>Er wanderte zuerst nach Mariazell zur \u00bbMagna Mater Austriae\u00ab. Sein Weg f\u00fchrte ihn durch das \u00d6tschergebiet nach Ober\u00f6sterreich, weiter nach Salzburg. Seine Lieben daheim verstanden nicht recht, warum er das Weite suchte und von der Heimat wegging. F\u00fcr ihn selbst d\u00fcrfte der Weggang das Richtige gewesen sein. Er schrieb nach Hause: \u00bbGott hat mir dies in den Sinn gegeben, mich von Euch einmal wegzumachen und mein Gl\u00fcck in der weiten Ferne zu suchen.\u00ab<\/p>\n<p>Welcher Art dieses Gl\u00fcck sein sollte, ahnte er freilich noch nicht. Oft hatte er von sch\u00f6nen Kirchen getr\u00e4umt. Nun konnte er sie besuchen, die herrlichen Kirchen in Inner\u00f6sterreich und schlie\u00dflich in Salzburg.<\/p>\n<h3>Salzburg \u2014 Kapuzinerberg<\/h3>\n<p>In Salzburg wanderte er eines Tages auf den Kapuzinerberg. Lange betete er in der Klosterkirche vor der Lourdesgrotte. Da blitzte ihm der Gedanke auf, an der Klosterpforte nachzufragen, ob er nicht als Klosterknecht eingestellt werden k\u00f6nnte. Koglbauer zog die Pfortenglocke. Schon h\u00f6rte er den Pf\u00f6rtner in seinen Sandalen daherklappern. Bruder Moritz M\u00fcller (1854-1908) \u00f6ffnete freundlich die Klosterpforte. Als der Hiasl ihm sein Anliegen vorgetragen hatte, schlug er die H\u00e4nde \u00fcber dem Kopf zusammen und rief aus: \u00bbSo ein Zufall! Grad heut\u2019 mu\u00dfte unser Knecht familienhalber nach Hause gehen.\u00ab<\/p>\n<p>Der Bittsteller wurde zu P.\u00a0Guardian Callistus Koch (1828-1903) gebracht. Freudig sagte er ihm die Aufnahme zu. Und als P.\u00a0Guardian den vorbildlichen Eifer des Hiasl sah, sagte er \u00f6fter: \u00bbIhr werdet sehen, unser Hiasl wird einmal ein ausgezeichneter Kapuzinerbruder werden.\u00ab<\/p>\n<p>Matthias Koglbauer machte seine Sache gut. Durch seine Gewissenhaftigkeit erwarb er das volle Vertrauen des Vorgesetzten und der Klosterfamilie. Fr\u00f6hlich und unverzagt kam er seinem Dienst nach. Keine Arbeit war ihm zuviel. Nie eine Klage oder ein Murren. Auf dem Kapuzinerberg in Salzburg fand er ein neues Zuhause. Nur mit dem Speisezettel der Fastenzeit konnte er sich wenig anfreunden. Er meldete nach Hause: \u00bbMir geht es bis jetzt noch immer gut, aber nach Allerheiligen wird es glaub\u2019 ich schlechter werden, da von Allerheiligen bis Ostern kein Fleisch gegessen wird, au\u00dfer an drei Tagen zu Weihnachten und die letzten acht Tage im Fasching. Von den Fastenspeisen kann ich aber manche gar nicht leicht schlucken.\u00ab<\/p>\n<p>Auf den Sammelg\u00e4ngen in den D\u00f6rfern der Umgebung mu\u00dfte er als Tr\u00e4ger die Sammelpatres begleiten. Humorvoll schrieb er seinem Bruder: \u00bb\u2026 Eines m\u00f6chte ich Euch erz\u00e4hlen .. , da\u00df ich bei den Hochw. Patern Kapuziner das Betteln auch gelernt habe .., aber trotzdem ich fechten gegangen bin, wurde ich im Nachtquartier in Stra\u00dfwalchen mit Servour (= mit besonderer H\u00f6flichkeit, Aufmerksamkeit, in vornehmer Art) bedient, was bei Bettlern selten vorkommen wird.\u00ab<\/p>\n<p>Ein nettes Erlebnis hatte er auf dem Kapuzinerberg mit einem hohen Herrn. Es war im Winter bei der Holzarbeit. Der Hiasl hatte eine t\u00fcchtige Fuhre geladen und m\u00fchte sich im Schwei\u00dfe seines Angesichtes, damit weiter zu kommen. Der Weg war schlecht. Er kam kaum vorw\u00e4rts. Da kam der Weihbischof von Salzburg, der sp\u00e4tere Kardinal Johann Katschthaler (1832-1914), des Weges. Er schob kr\u00e4ftig an. Und \u00bbpr\u00e4chtig ist\u2019s gegangen\u00ab, sagte der Hiasl, als er Atem holte und den Helfer erkannte.<\/p>\n<h3>Vorbild f\u00fcr die Br\u00fcdergemeinschaft<\/h3>\n<p>Die Kapuziner sch\u00e4tzten ihren Knecht immer mehr und erbauten sich an seiner Fr\u00f6mmigkeit. \u00bbEr erf\u00fcllte seine Pflichten sehr treu\u00ab, urteilt Bruder Donulus Nigg (1867-1949), \u00bbbei allen war er beliebt. Er war ein Mann des Gebetes und hielt sich viel auf dem hinteren Chor auf zum Gebet. Dort wohnte er auch allen heiligen Messen bei.\u00ab Die Wertsch\u00e4tzung des hl. Me\u00dfopfers fiel besonders auf. Als er die Nachricht vom Tode seines Vaters Simon Koglbauer (\u20201896) erhielt, opferte er ihm viele hl. Messen auf, wie ein Brief bezeugt, den er seiner Schwester und dem Schwager schrieb (Brief vom 26. 8. 1896).<\/p>\n<p>Abends, wenn alle zur Ruhe gegangen waren, kniete er noch lange in der Kirche auf der Empore. Einmal betete noch zu sp\u00e4ter Stunde P.\u00a0Thomas Villanova Gerster (1869-1940) auf der Empore. Da \u00f6ffnete sich drunten in der Kirche die T\u00fcre zur Lourdeskapelle und der Hiasl erschien mit einer brennenden Kerze in der Hand und ging betend von Altar zu Altar. Er glaubte sich unbemerkt.<\/p>\n<p>P. Guardian Callistus sch\u00e4tzte ihn so sehr, da\u00df er ihm alle Auftr\u00e4ge anvertraute, auch Geldgebaren und Buchf\u00fchrung. Nie hat der treue Knecht etwas veruntreut oder verschlampt. An Gewissenhaftigkeit und treuer Pflichterf\u00fcllung \u00fcbertraf er die besten Br\u00fcder. W\u00e4hrend die Mitbr\u00fcder im Salzburger Kloster ihn schon als zuk\u00fcnftigen Novizen einstuften, dachte er selbst noch gar nicht daran, einmal Kapuziner zu werden. Er zeigte zwar ein gewisses Interesse f\u00fcr den Orden, seine Pl\u00e4ne gingen jedoch in eine andere Richtung.<\/p>\n<p>Bei seinen fast t\u00e4glichen Boteng\u00e4ngen in die Stadt hatte der Hiasl ein M\u00e4dchen kennengelernt, das ihm gar nicht schlecht gefiel. Es fa\u00dfte auch Neigung zu ihm. Sie h\u00e4tte auch ein sch\u00f6nes Heiratsgut mitgebracht. So dachte er daran, allm\u00e4hlich selbstst\u00e4ndig zu werden und sich um ein \u00bbGsch\u00e4ftl\u00ab umzusehen. \u2014 Der Mensch denkt, Gott lenkt.<\/p>\n<h3>Der Ruf Gottes<\/h3>\n<p>Das Jahr 1900 wurde das Jahr der gro\u00dfen Entscheidung f\u00fcr Matthias Koglbauer. Schon das f\u00fcnfte Jahr diente er als Ausgeher und Knecht den Kapuzinern in Salzburg.<\/p>\n<p>Der greise Papst Leo XIII. (1810-1903) hatte f\u00fcr das Jahr 1900 einen Jubil\u00e4umsabla\u00df ausgeschrieben. Unter der F\u00fchrung des volkst\u00fcmlichen Weihbischofs Johann Katschthaler machte sich eine Pilgergruppe aus Salzburg auf den Weg nach Rom. Unser Hiasl war mit dabei. Diese Romfahrt wurde f\u00fcr ihn zu einem tiefgreifenden Erlebnis, entscheidend f\u00fcr seine Berufswahl.<\/p>\n<p>Nach Pilgersitte wurden in Rom die sieben Hauptkirchen besucht. Auf diesem Pilgerweg besuchten die Salzburger auch die Kirche zur hl. Praxedis, in der die Gei\u00dfels\u00e4ule des Herrn aufbewahrt und verehrt wird. Als Matthias Koglbauer an dieser S\u00e4ule vorbeikam, wollte er sie k\u00fcssen. Dabei \u00fcbersah er den Glassturz, der diese Reliquie sch\u00fctzte, und stie\u00df derart mit dem Kopf an, da\u00df es Scherben gab. \u00bbMein Kopf hat\u2019s nicht b\u00fc\u00dfen m\u00fcssen, wohl aber mein Geldbeutel\u00ab, schmunzelte er sp\u00e4ter, wenn er davon erz\u00e4hlte.<\/p>\n<p>Von entscheidender Bedeutung aber war ein anderes Erlebnis, das er zeitlebens verborgen hielt. Als er von der Pilgerfahrt heimkam, bat er um Aufnahme in den Kapuzinerorden. Er war entschlossen, Ordensbruder zu werden. Nie hat er verraten, was ihn zu diesem Entschlu\u00df bewogen hat. Er sagte nur das eine: \u00bbIch w\u00e4re niemals Kapuziner geworden, wenn ich nicht in Rom gewesen w\u00e4re. Rom hat mich zum Kapuziner gemacht.\u00ab<\/p>\n<p>Am 9. September 1900 kniete der nun 38-j\u00e4hrige an den Stufen des Altares und empfing das Kleid des hl. Franziskus, die Kutte mit dem Strick, dazu einen neuen Namen: Bruder Benno. Harte Tage inneren Ringens waren vorausgegangen. Mit ihm wurden drei weitere Jungm\u00e4nner eingekleidet: Br. Juniperus Pundleider (\u20201917 in Calliano als Opfer des Ersten Weltkrieges), Br. Aventinus Jost (verlie\u00df nach einigen Monaten das Noviziat) und Br. Bernhard Offida Ellemunter (\u20201906 in Neumarkt\/S\u00fcdtirol). Lehrmeister der Br\u00fcdernovizen war der fromme P.\u00a0Viktorin Zobl (1861-1916).<\/p>\n<h3>Im Noviziat in Salzburg 1900 -1901<\/h3>\n<p>Der Anfang war gemacht. Der Weg des heiligen Franziskus war eingeschlagen. Nun galt es f\u00fcr Bruder Benno den Weg mutig weiterzugehen, Schritt f\u00fcr Schritt sich n\u00e4her an den Lieben Gott heranzuarbeiten, \u00bbvollkommen zu werden, wie der Vater im Himmel vollkommen ist\u00ab (Mt 5,48). So fordert es Jesus von seinen J\u00fcngern. Keine leichte Aufgabe. Das Noviziat \u2014 ein Probejahr \u2014 ist ein Jahr der ernsten Selbstpr\u00fcfung, der Pr\u00fcfung durch die verantwortlichen Obern, um festzustellen, ob der gew\u00e4hlte Weg wohl der richtige ist. Der Neuling im Orden mu\u00df seine Pflichten und Rechte kennen lernen, mu\u00df sich in die Ordensregel, die Satzungen und Gebr\u00e4uche einleben. Er soll mit bereitem Herzen und wachem Sinn den Geist des Ordensvaters in sich aufnehmen. Sachlich und n\u00fcchtern m\u00fcssen die eigenen Kr\u00e4fte abgewogen, Tiefen ausgelotet und H\u00f6hen gemessen werden. Strohfeuerbegeisterung taugt nichts und h\u00e4lt nicht durch, nur z\u00e4he Ausdauer und beharrliches Streben mit Gottes Gnade f\u00fchrt zum Gl\u00fcck und Ziel.<\/p>\n<p>Bruder Benno war sich dessen wohl bewu\u00dft. Er stand bereits in den besten Mannesfahren. Vom ersten Tage an nahm er es ernst und war ganz bei der Sache. Still und in sich gekehrt ging er seine Wege, tat seine Pflicht. Er wurde dem Bruder Koch zugeteilt zur Mithilfe in der Klosterk\u00fcche. Die Ordensfamilie z\u00e4hlte damals in Salzburg 25 Mitbr\u00fcder. Arbeit genug, um t\u00e4glich den Tisch zu bereiten. Bruder Malachias Raich (1862-1903), der Koch, gleich alt wie Bruder Benno, r\u00fcgte ihn \u00f6fters, weil er etwas ungeschickt war in der Zubereitung der Speisen. Er lie\u00df sich aber nie aus der Ruhe bringen. Dem\u00fctig nahm er jeden Verweis an. Sorgsam h\u00fctete er sich vor jeder unn\u00fctzen Rede, \u00e4u\u00dferte nie eine Klage, zeigte sich nie unzufrieden und war vertr\u00e4glich mit allen Br\u00fcdern. Bei der Erholung war er immer da, dabei fr\u00f6hlich und aufgeschlossen. Er war nicht geschw\u00e4tzig, wohl aber sehr interessiert an Zeitgeschichte und kirchlichen Gegenwartsfragen.<\/p>\n<p>Auffallend war seine gro\u00dfe Liebe zum Gebet, die ihn sp\u00e4ter besonders auszeichnete. Von der Gegenwart des Herrn im Allerheiligsten Sakrament war er tief durchdrungen, ja wie ein Magnet f\u00fchlte er sich hingezogen zum Tabernakel. Jede freie Zeit kniete er im Chor in tiefer Sammlung.<\/p>\n<p>Wie stark dieser Zug zum Gebet war, mag folgende Begebenheit zeigen: 1900 kam Seine Apostolische Majest\u00e4t Kaiser Franz Josef nach Salzburg. Zu seinen Ehren wurden gro\u00dfe Festlichkeiten abgehalten. Den Br\u00fcdern erlaubte P.\u00a0Magister Viktorin, am Abend vom Garten aus, wo man einen herrlichen Blick auf die Stadt genie\u00dfen kann, dem Feuerwerk zuzuschauen. Bruder Benno blieb im Chor und betete. Weder der Rainermarsch noch das grandiose Feuerwerk konnten ihn locken.<\/p>\n<p>Mitbr\u00fcder bewunderten und lobten die Bescheidenheit, den Gehorsam, die Demut und br\u00fcderliche Liebe des Novizen Benno. Bruder Mennas Eder (1874-1961), damals K\u00fcchengehilfe in Salzburg, bezeugt: \u00bbDie br\u00fcderliche Liebe hat er in hervorragender Weise ge\u00fcbt und hat es auch verstanden, anderen durch Rat behilflich zu sein. Auch hat er sich in der Rekreationsstunde nicht abgesondert, ist immer lustig und fr\u00f6hlich gewesen.\u00ab<\/p>\n<p>Das Noviziatsjahr neigte sich dem Ende zu. Gebet und Arbeit, Arbeit nicht nur in K\u00fcche und Garten, sondern vor allem an sich selbst, f\u00fcllten die Zeit. N\u00e4her r\u00fcckte der Tag der hl. Profe\u00df. Nun mu\u00dfte er noch eine ganz harte Probe bestehen.<\/p>\n<p>Das M\u00e4dchen, das er in Salzburg kennengelernt hatte, wollte ihn nicht lassen. Es kam zur Pforte, verlangte den Hiasl und bot ihm noch einmal Hand und Hof. Ihre flehenden Worte bekr\u00e4ftigte das M\u00e4del mit reichen Tr\u00e4nen. Schwere Tage des Ringens um die Entscheidung brachen f\u00fcr Bruder Benno an. Das Gute, der Ehestand, stand gegen das Bessere, die Vollhingabe an Gott.<\/p>\n<p>Lange konnte er sich nicht entscheiden. Der Novizenmeister sah sich gezwungen, ihn vor die Wahl zu stellen, entweder die Profe\u00df abzulegen, oder in die Welt zur\u00fcckkehren. Bruder Benno betete. Ja, er versteckte sich. Er mu\u00df einen furchtbaren inneren Kampf durchgefochten haben. Man mu\u00dfte ihn suchen, als alles schon bereit war zur Profe\u00dffeier. Ganz in sich zusammengesunken rang er auf der hinteren Kirchenempore um die Entscheidung. Gott, der ihn gerufen, erleuchtete ihn mit seiner Gnade. Am 9. September 1901 legte er in die H\u00e4nde seines Obern die Zeitlichen Gel\u00fcbde ab. Vielleicht verr\u00e4t der Klecks, den Bruder Benno machte, als er seine Profe\u00dfformel niederschrieb, etwas von seinem Kampf um die Entscheidung.<\/p>\n<h3>In Innsbruck 1901-1902<\/h3>\n<p>Das Probejahr war vor\u00fcber. Bruder Benno gelobte bei der hl. Profe\u00df ein Leben in Gehorsam, in Armut und in keuscher Ehelosigkeit zu f\u00fchren. Es war ihm sehr ernst mit den Ordensgel\u00fcbden. Als Mann mit beinahe 40 Jahren war ihm auch klar, was dieses heilige Versprechen bedeutet und von ihm verlangt.<\/p>\n<p>Nun griff gleich der Gehorsam nach ihm und rief ihn vom geliebten Salzburg weg nach Innsbruck. Seit 1593 wirken die Kapuziner in der herrlich gelegenen Alpenstadt. Guardian des Klosters war \u00bbOnkel Gottfried\u00ab, wie ihn die Mitbr\u00fcder gerne nannten, P.\u00a0Gottfried Noggler (1837-1908), ein Mann von reichem Wissen, tiefer Fr\u00f6mmigkeit und gediegener Tugend. Die Klosterfamilie z\u00e4hlte 35 Kapuziner. Bruder Benno erhielt die Aufgabe, als \u00bbJunior\u00ab in K\u00fcche und Garten mitzuhelfen.<\/p>\n<p>Ja, recht bescheiden und einfach war sein Leben geworden. Nun hie\u00df es Kartoffeln sch\u00e4len, R\u00fcben schaben, Geschirr sp\u00fclen, Speisen auftragen, im Garten Unkraut j\u00e4ten und die Beete bereiten. Nicht so einfach, war er doch weder gelernter Koch noch G\u00e4rtner. Dem\u00fctig war Bruder Benno. Ohne Widerrede, ohne Klage tat er einfach, was ihm angeschafft wurde. In allem sah er den Willen Gottes. Besseres und Kl\u00fcgeres, als diesen Willen erf\u00fcllen, kann niemand tun.<\/p>\n<p>Die volle Hingabe an den Willen Gottes erf\u00fcllte ihn mit tiefem Gl\u00fcck. Er strahlte Ruhe, innere Freude und Zufriedenheit aus. Seine fr\u00fchere, lebhafte Fr\u00f6hlichkeit hatte nun einer stillen Heiterkeit Platz gemacht. Seit er den Kampf um die letzte Entscheidung tapfer bestanden hatte, war Ruhe in sein Herz eingekehrt. So konnte er auf Weihnachten 1901 von Innsbruck seinem Bruder schreiben: \u00bbVon mir kann ich das Beste melden. Ich bin vollkommen zufrieden und erkenne jetzt, da\u00df ich bei meiner Standeswahl das Beste f\u00fcr mich gew\u00e4hlt habe.\u00ab<\/p>\n<p>Selbstverst\u00e4ndlich, das Probejahr entl\u00e4\u00dft keine \u00bbvergoldeten Heiligen\u00ab, sondern Menschen, die wissen, worum es geht im Orden. Die Hauptarbeit bleibt noch zu tun. Der Alltag verlangt immer neue Opferbereitschaft, Beharrlichkeit im Guten, Kampf gegen Mittelm\u00e4\u00dfigkeit und geistliche Unlust. Eine Brudergemeinschaft, zusammengesetzt aus verschiedenen Temperamenten, F\u00e4higkeiten und Eigenheiten, verlangt R\u00fccksichtnahme, Einf\u00fchlungsverm\u00f6gen und auch verzeihende Liebe.<\/p>\n<p>Als eines Tages der K\u00fcchenmeister, der temperamentvolle Bruder Heinrich Amplatz (1858-1927), etwas gar eilig antrieb und dabei mit Kraftausdr\u00fccken nicht w\u00e4hlerisch umging, sagte Bruder Benno ruhig: \u00bbNa, Hund san mir n\u00f6t, alles nacheinander! \u00ab Recht hatte er ja, und zur Ehre des Meisters mu\u00df gesagt werden, da\u00df er es hingenommen und sich\u2019s gemerkt hat.<\/p>\n<p>Das Urteil der Klosterfamilie lautete: \u00bbBruder Benno ist gutwillig, gehorsam, hilfsbereit und musterhaft in Gebet und Arbeit.\u00ab<\/p>\n<h3>Brixen (S\u00fcdtirol) 1902-1907<\/h3>\n<p>Das Gebiet der damals noch ungeteilten Tiroler Kapuzinerprovinz umfa\u00dfte Vorarlberg, Nord- und S\u00fcdtirol, Salzburg und das ober\u00f6sterreichische Innviertel. 1928 erfolgte die Provinztrennung. S\u00fcdtirol, mit dem Hauptsitz in Brixen, wurde eigene Provinz.<\/p>\n<p>1902 erhielt Bruder Benno die Versetzung nach Brixen mit der gleichen Aufgabe: Mithilfe in K\u00fcche und Garten. In den ersten Ordensjahren mu\u00dften die Neuprofessen manche Versetzung hinnehmen. Sie sollten die Kl\u00f6ster der Provinz kennenlernen und auch die Mitbr\u00fcder in den verschiedenen Niederlassungen.<\/p>\n<p>Wie in Innsbruck, so machte Bruder Benno auch in Brixen seine Sache gut. Alle sch\u00e4tzten ihn. Manchem Mitbruder war er fast ein wenig zu gewissenhaft. R Amad\u00e4us Ruetz (1883-1943) erinnert sich: \u00bb1902 lernte ich als Student des Gymnasiums Brixen Bruder Benno kennen. Als K\u00fcchengehilfe brachte er uns Studenten \u00f6fters das Essen. Immer fiel mir sein heiterer liebevoller Blick und sein bescheidenes entgegenkommendes Wesen und Benehmen auf. Im Jahre 1905 kam ich als Kleriker nach Brixen. Bruder Benno war damals Unterpf\u00f6rtner. Stets dieselbe Heiterkeit und Dienstfertigkeit. Ich mu\u00dfte damals den erkrankten P.\u00a0Norbert Stock (\u20201907) eine zeitlang pflegen \u2026 Wenn man Bruder Benno zur Mithilfe holen mu\u00dfte, kam man nie ungelegen, auch nicht in der Nacht. Nie gab es ein unwilliges Wort.\u00ab<\/p>\n<p>Die drei Jahre der Zeitlichen Profe\u00df gingen zu Ende. Bruder Benno gelobte am 10. September 1904 (um 3:47 Uhr fr\u00fch) in die H\u00e4nde seines Guardians P.\u00a0Thomas Villanova Gerster (1869-1940), \u00bballzeit meines Lebens zu halten die Regel der Minderbr\u00fcder durch ein Leben in Gehorsam, ohne Eigentum und in keuscher Ehelosigkeit\u00ab.<\/p>\n<p>Wohl haben Bruder Bennos gesetztes und freundliches Wesen die Vorgesetzten bewogen, ihn zum Gehilfen f\u00fcr den Bruder Pf\u00f6rtner zu bestimmen. Damit verbunden war die Besorgung der Kellerei und des Refektoriums. In seiner Gewissenhaftigkeit und Ordnungsliebe erfreute er alle Mitbr\u00fcder. Es gab nie einen Verdru\u00df, keine Klage, keine Unzufriedenheit. Vorbildlich war seine P\u00fcnktlichkeit. Nie vers\u00e4umte er die gemeinsamen Gebets\u00fcbungen. Er hatte bereits die hohe Kunst gelernt, das Kleine gro\u00df zu achten und so durch das Kleine gro\u00df zu werden.<\/p>\n<h3>1907 nach Bregenz<\/h3>\n<p>Bregenz am Bodensee, ein sehr h\u00fcbsches St\u00e4dtchen zwischen Berg und See hingebettet. Die erh\u00f6hte Altstadt beherbergte schon die Kelten, war St\u00fctzpunkt der R\u00f6mer, Herrensitz der Grafen von Bregenz, sp\u00e4ter der Montforter. Hoch \u00fcber der Stadt gegen Westen erhebt sich der Gebhardsberg. Bregenz ist die Vaterstadt des heiligen Gebhard (\u2020995), ab 979 Bischof von Konstanz.<\/p>\n<p>Der Martinsturm, Wahrzeichen der Stadt, wacht \u00fcber den B\u00fcrgerh\u00e4usern der bergw\u00e4rts ansteigenden Siedlung, beherrscht von der alten Pfarrkirche St. Gallus. Unweit davon reckt sich ein kleines T\u00fcrmchen in die H\u00f6he und l\u00e4\u00dft von Zeit zu Zeit sein vorlautes Gl\u00f6cklein erklingen. Es geh\u00f6rt zur Kapuzinerkirche.<\/p>\n<p>Reichliche Spenden aus Stadt und Land, besonders aber vom Stifte Mehrerau, erm\u00f6glichten im Jahre 1635\/36 die Errichtung des Kapuzinerklosters in Bregenz. 1639 vollendete Meister Jakob Khuen den Bau. Kirchenpatron ist der hl. Antonius von Padua, ein zuverl\u00e4ssiger Helfer in allen N\u00f6ten des Volkes.<\/p>\n<p>Im Sommer 1907 wanderte Bruder Benno vom Bahnhof her die Kirchstra\u00dfe hinauf, die zum Kapuzinerkirchlein f\u00fchrt. Dort kniete er vor dem Herrn nieder, um ihn zu gr\u00fc\u00dfen und ihm zu sagen, da\u00df er nun da sei, bereit f\u00fcr den Dienst an der Klosterpforte in Bregenz. \u00bbHerr, Du hast mich gerufen. Ich bin bereit. Dein Wille geschehe\u00ab, so mag er gebetet haben. Dann entbot er den ersten Gru\u00df in der Lourdeskapelle der lieben Gottesmutter Maria.<\/p>\n<p>In Gottes Namen! Bruder Benno zog die Pfortenglocke und meldete seine Ankunft. Er wurde mit Freuden aufgenommen. Ein guter Ruf war ihm vorausgeeilt. Es tat ihm wohl, da\u00df P.\u00a0Guardian Ansgar Schaidl (1864-1944) ihn so herzlich willkommen hie\u00df wie ein Vater seinen Sohn. 10 Patres und 5 Laienbr\u00fcder z\u00e4hlten zur Brudergemeinschaft. Er fand sich schnell zurecht. F\u00fcr 18 Jahre \u2014 1907 bis 1925 \u2014 war Bruder Benno g\u00fctiger W\u00e4chter an der \u00bbstrengsten Pforte\u00ab der Provinz.<\/p>\n<h3>Bruder Benno der allzeit freundliche Pf\u00f6rtner<\/h3>\n<p>Er hatte eine schwere Aufgabe \u00fcbernommen. Die Pfortenglocke wurde seine Herrin. Wie eine tyrannische Frau hielt sie ihn den ganzen Tag auf den F\u00fc\u00dfen. Vom fr\u00fchen Morgen bis zum sp\u00e4ten Abend, oft noch in der Nacht rief ihn ihre durchdringende Stimme. Er gehorchte ihr mit einer Bereitwilligkeit, die jedermann bewunderte. Bruder Benno h\u00f6rte im Ruf der Pfortenglocke die Stimme Gottes: Gott ruft! In jedem Glockenzeichen erkannte er den Willen Gottes. Den Willen Gottes annehmen, aufs gewissenhafteste erf\u00fcllen, war das Ideal seiner franziskanischen Christusnachfolge.<\/p>\n<p>Als Nieder\u00f6sterreicher mu\u00dfte er sich an den Vorarlberger Dialekt gew\u00f6hnen. Die vielen Bittsteller an der Pforte merkten sehr schnell: \u00bbDas ist ein ganz braver Bruder.\u00ab Ein W\u00fcrttemberger Pfarrer sagte zu einem unserer Volksmissionare: \u00bbWas habt ihr jetzt f\u00fcr einen Bruder an der Pforte? Der fr\u00fchere war ein lustiger Spa\u00dfvogel, der jetzige aber ein vollkommener Ordensmann, das sieht man ihm von weitem an.\u00ab<\/p>\n<p>Bruder Benno n\u00fctzte die Zeit. Nie wurde er m\u00fc\u00dfig gesehen. Sein ganzes Tagewerk war auf das Glockenzeichen eingestellt. Er blieb immer in Reichweite der Pforte, um ja ihren Ruf nicht zu \u00fcberh\u00f6ren. Niemand sollte unn\u00f6tig warten m\u00fcssen. Pfarrer Alfons Marte von Haselstauden (1881-1957) bezeugt: \u00bbIch habe mich sehr an seiner Demut und an seinem Gehorsam erbaut. Da ich \u00f6fters beim Essen eingeladen war, konnte ich beobachten, wie gewissenhaft er die Pflichten des Pf\u00f6rtner\u00adamtes erf\u00fcllte. Wenn es l\u00e4utete, legte er sofort den L\u00f6ffel weg und ging zur Pforte. Oft wurde er zwei bis dreimal vom Tisch weggerufen. Nie \u00e4nderte sich deswegen seine Miene. Er war immer gleich freundlich.\u00ab<\/p>\n<p>Alle R\u00e4umlichkeiten, die ihm anvertraut waren, hielt er peinlich sauber: seine Wohnzelle, den Pfortenbereich, die G\u00e4nge rund um das Klaustrum (Kloster-Innenhof), Refektorium und Kellerei, und ganz besonders die Lourdeskapelle neben der Pforte.<\/p>\n<p>In den t\u00e4glichen Aufzeichnungen der Me\u00dfstipendien und Almosen war er \u00fcberaus genau. Da mu\u00dften oft die Nachtstunden herhalten. Alle seine Vorgesetzten lobten seine korrekte Buchf\u00fchrung.<\/p>\n<p>Bregenzer B\u00fcrger bezeugen einhellig: \u00bbSein Gesicht hatte immer einen gleichm\u00e4\u00dfig g\u00fctigen Ausdruck. Er strahlte Ruhe aus. Nichts konnte ihn ungedulig machen. Mit allen Leuten hat er es gleich gehalten. Da hat es keinen Unterschied gegeben. Man konnte kommen, wann man wollte, immer wurde man mit der gleichen Ruhe und Freundlichkeit angenommen. Er hat nicht viel geredet, aber auch nicht zuwenig. F\u00fcr jeden hatte er ein gutes Wort. Trotz aller Plagereien, die ihm oft ungezogene Kinder und freche Handwerksburschen bereiteten, war er nie b\u00f6se.\u00ab<\/p>\n<p>In der Grenzstadt am Bodensee laufen die Hauptverkehrsadern aus \u00d6sterreich, Deutschland und der Schweiz zusammen. Bregenz ist das Eingangstor zur herrlichen Alpenwelt. Fr\u00fcher brachten schon die ersten Z\u00fcge und Bodenseeschiffe viele Menschen in die Stadt. Ganze Scharen gingen den Weg \u00fcber die Kirchstra\u00dfe zum Kapuzinerkloster hinauf. Oft kamen an einem Tag 50 und mehr Priester an die Pforte: Hostien abholen, einen Beichtvater erbitten, Aushilfen bestellen, Zelebrieren, u.a.m.<\/p>\n<p>Viele Menschen in Not l\u00e4uteten die Pfortenglocke, Menschen mit kummervollem Herzen, mit gro\u00dfen und kleinen W\u00fcnschen. Nicht zu vergessen die vielen Kinder, die ihn t\u00e4glich um Brot anbettelten, die hungrigen Handwerksburschen, feucht-fr\u00f6hliche Zechbr\u00fcder, die oft um Mitternacht noch eine Prise Tabak begehrten.<\/p>\n<p>Wallfahrer, die auf den Gebhardsberg pilgerten, wollten zuerst noch beichten und die Hl. Kommunion empfangen, Hl. Messen bestellen und fromme Gegenst\u00e4nde weihen lassen. Manchmal mu\u00dfte der gute Bruder den Unwillen und Schimpf eines Paters auf sich nehmen, den er dem\u00fctig um seinen priesterlichen Dienst bat. Mancher Bittsteller an der Pforte zeigte sich ungehalten und m\u00fcrrisch. Bruder Benno blieb immer ruhig, beherrscht und freundlich. Stadtpfarrer und Dekan Johann Nu\u00dfbaumer (\u20201964) bezeugt: \u00bbNie sah man ihn ungeduldig, nie kam ein unwirsches Wort \u00fcber seine Lippen, auch wenn die Glocke ihn immer wieder zur Pforte rief, und alle m\u00f6glichen Bitten vorgetragen wurden. Seine H\u00e4nde waren voll von Frostbeulen, offenbar litt er sehr unter der K\u00e4lte. Er besa\u00df Geduld und Abt\u00f6tung im heroischen Grade. Au\u00dferdem war er ein Mann des Gebetes.\u00ab<\/p>\n<p>In den Kriegsjahren 1914-1918 und in der Nachkriegszeit litt die Bev\u00f6lkerung an Lebensmittelknappheit. Hungernde Kinder dr\u00e4ngten in Scharen an die Pforte. Die Inflation hatte eine gro\u00dfe Verarmung zur Folge. Je mehr das Geld seinen Wert verlor, umso mehr bestellten die Leute damit Hl. Messen f\u00fcr die Verstorbenen. Eine ungeheuere Belastung f\u00fcr den Pf\u00f6rtner.<\/p>\n<p>P. Angelikus Unterkoffer (1867-1941), mehrere Jahre in Bregenz stationiert, gibt folgendes Urteil: \u00bbIch beobachtete an ihm nie eine S\u00fcnde, weder in Worten noch in Werken. Sein ganzes Verhalten war voll Aufrichtigkeit. Er kannte weder L\u00fcge noch Verstellung. Mit gr\u00f6\u00dfter Gewissenhaftigkeit und heiliger Vorsicht erf\u00fcllte er sein heikles und anspruchsvolles Amt des Pf\u00f6rtners. Nie sah man ihn m\u00fc\u00dfig. Die hl. Gel\u00fcbde beobachtete er auf das gewissenhafteste und nie kam eine lieblose Rede \u00fcber andere Menschen \u00fcber seine Lippen.\u00ab<\/p>\n<h3>Geduld \u2014 Demut \u2014 Bescheidenheit<\/h3>\n<p>18 Jahre stand Bruder Benno an der Grenze von Welt und Kloster unter dem harten Gesetz der Pfortenglocke. Das Urteil des Volkes lautet einstimmig: \u00bbEr blieb immer freundlich, immer heiter, gelassen, nie unwillig oder aufgeregt, bewundernswert in seiner Demut, Geduld und Bescheidenheit.\u00ab Anders konnte man sich Bruder Benno gar nicht vorstellen. Welches \u00dcberma\u00df an Selbstbeherrschung, Selbst\u00fcberwindung und heroischer Geduld von ihm gefordert wurde, daran dachten nur wenige.<\/p>\n<p>\u00bbWer in Bregenz Pf\u00f6rtner ist und die Geduld nie verliert, der ist in meinen Augen ein Heiliger. Ich habe Bruder Benno nie aufgeregt gesehen\u00ab, so urteilt eine Bregenzerin, die beinahe t\u00e4glich zur Pforte kam. Eine Wohlt\u00e4terin des Klosters sagte mir: \u00bbIm Umgang mit den Leuten war er recht gut. Aufgeregt oder ungeduldig war er nie. Manchmal konnte man schon merken, da\u00df er sich \u00fcberwinden mu\u00dfte. Aber nie hat er es sp\u00fcren lassen.\u00ab<\/p>\n<p>Hektik und Hast kannte der gute Bruder nicht. Es tat wohl, in seiner N\u00e4he zu sein. Er strahlte Ruhe, G\u00fcte und Freude aus. Dipl. Ing. Ernst Winsauer, Landeshauptmann von Vorarlberg (1934-1938), bezeugt: \u00bbSeine Pers\u00f6nlichkeit beeindruckte mich sehr. Er war f\u00fcr mich ein Mann, der \u00fcber dem Durchschnitt stand. Besonders fiel mir seine ungew\u00f6hnliche Demut auf. Zur Demut hinzu kam noch seine ungew\u00f6hnliche Fr\u00f6mmigkeit. Weiters war er ein au\u00dferordentlich bescheidener Mann.\u00ab<\/p>\n<p>P. Viktorian Noggler (1874-1937), mehrere Jahre Guardian in Bregenz, gab folgendes Urteil \u00fcber Bruder Benno ab: \u00bbEr war ein Mann p\u00fcnktlichen Gehorsams, gr\u00f6\u00dfter Armut und Bed\u00fcrfnislosigkeit und fleckenloser Herzensreinheit. Man kann nichts Auff\u00e4lliges von ihm berichten, wenn nicht das auff\u00e4llig genug ist, da\u00df er von niemandem je einmal aufgeregt, zornig oder unfreundlich angetroffen wurde. Er war nie verdrossen und \u00e4rgerlich.\u00ab<\/p>\n<p>Selbst hielt sich Bruder Benno f\u00fcr einen \u00bbunn\u00fctzen Knecht\u00ab (vgl. Lk 17,10). Er hat nichts aus sich gemacht. Er nahm sich nicht wichtig. F\u00fcr sich beanspruchte er nie einen Vorteil. Er gab sich mit allem zufrieden. F\u00fcr jedes Almosen und jede Spende zeigte er sich \u00fcberaus dankbar. Sein \u00bbVergeltsgott\u00ab entsprang aus einem dem\u00fctig-dankbaren Herzen und dr\u00fcckte sich in wohltuender Herzlichkeit aus.<\/p>\n<p>Sein edles Gesicht, immer von einem feinen L\u00e4cheln verkl\u00e4rt, weckte echtes Vertrauen. Mit Zuvorkommenheit begegnete er allen an der Pforte. Manche Bettler waren frech und undankbar, haben ihm auch Grobheiten an den Kopf geschmissen. Manchmal, aber nur f\u00fcr einen Augenblick, blitzten seine Augen. Nie verlor er die Beherrschung. Es w\u00fcrde zu weit f\u00fchren, wollte man alles aufz\u00e4hlen, was ihm zugemutet wurde. Es mu\u00dfte schon ganz arg gewesen sein, wenn er sich \u00bbhinrei\u00dfen\u00ab lie\u00df zu sagen: \u00bbHat das jetzt sein m\u00fcssen?\u00ab<\/p>\n<p>Demut und Sanftmut! Sp\u00e4t am Abend l\u00e4utete ein Bettler und bat um ein Essen. Bruder Benno brachte ihm eine Suppe. Der Mann r\u00fchrte zuerst in der Suppensch\u00fcssel herum. Pl\u00f6tzlich leerte er den ganzen Inhalt der Sch\u00fcssel \u00fcber Kopf und Habit des guten Bruders. Er kniete nieder, k\u00fc\u00dfte den Boden und bedankte sich. Johlend zog der Bettler ab. Bruder Benno s\u00e4uberte den Boden und sein Ordenskleid und ging in das Stanzel (= Gebetsk\u00e4mmerchen mit Ausblick zum Altar).<\/p>\n<p>Msgr. Karl Scheidle (\u20201960) bezeugt: \u00bbBruder Benno war ein riesig freundlicher und liebensw\u00fcrdiger Mensch. Er war die G\u00fcte selbst. Immer kam er einem mit gro\u00dfer Ehrfurcht entgegen. Besonders auffallend war f\u00fcr mich seine Dankbarkeit. Ungeduld bemerkte ich nie an ihm. Im Erz\u00e4hlen und Fragen war er etwas sparsam, mehr zur\u00fcckhaltend.\u00ab<\/p>\n<p>\u00c4hnlich urteilen einfache wie auch gebildete B\u00fcrger der Stadt Bregenz: \u00bbSeine Geduld war bewunderswert. Oft stellten ihn die Bettler auf harte Geduldsproben. Manchmal waren ekelhafte und aufdringliche Burschen darunter, grob und flegelhaft im Benehmen. Von Anstand keine Rede. Immer behielt er seinen Gleichmut. Immer war er nett, immer geduldig. Trotz aller Plagerei war er nie b\u00f6se. Er war die sprichw\u00f6rtliche Geduld.\u00ab<\/p>\n<h3>Der stille Beter<\/h3>\n<p>Das Wort der Hl. Schrift vom \u00bballzeit beten und nicht nachlassen\u00ab (Lk 18,1) und\u00bb betet ohne Unterla\u00df\u00ab (1 Thess 5,17) hat Bruder Benno sehr ernst genommen. Jesus war die Quelle seiner Kraft. Er pflegte einen innigen Wandel in Gottes Gegenwart, suchte besonders in den sp\u00e4ten Abendstunden \u00bbeinen einsamen Ort, um zu beten\u00ab (Mk 1,35). Im kleinen Stanzel oder im Chor, oft auch in der geschlossenen Kirche, konnte er ungest\u00f6rt beten. Was einst die gute Mutter den kleinen Hiasl gelehrt, das bl\u00fchte im Laufe der Jahre, besonders w\u00e4hrend seines Klosterlebens, wundersam auf und reifte zu einer tief-innigen Verbindung mit Gott.<\/p>\n<p>Mitbr\u00fcder bezeugen: \u00bbEr machte den Eindruck eines vollkommen gesammelten Beters, beherrscht in seinem ganzen Wesen, nie ausgelassen, ganz in Gott versunken, ohne je seine Pflicht zu vernachl\u00e4ssigen. Er war nie ein Fr\u00f6mmler. Es war alles echt und wahr, was er tat und sagte. Gro\u00dfe Gebetsgnaden waren ihm geschenkt.\u00ab Zu P.\u00a0Petrus Chrysologus (1868-1948) sagte Bruder Benno einmal in einem Kurzgespr\u00e4ch: \u00bbEs ist gar nicht so schwer, in der Gegenwart Gottes zu wandeln.\u00ab<\/p>\n<p>T\u00e4glich erhob er sich sehr fr\u00fch. Um 4 Uhr fr\u00fch war er schon im Chor. Bruder Chrysanth Brunner (1886-1972) berichtet: \u00bbEr war in der Fr\u00fch immer der Erste im Chor und abends der Letzte. Wenn ich in der K\u00fcche mit der Arbeit fertig war, bin ich an manchen Tagen um \u00bd11 Uhr noch in den Chor gegangen. Dort betete Bruder Benno noch. Er hat wenig geschlafen. Es kam vor, da\u00df wir beide beim Beten im Chor eingeschlafen sind. Er erwachte zuerst und weckte mich und sagte: Bruder Koch, jetzt gehen wir zur Ruhe. Der liebe Gott ist mit unserem guten Willen zufrieden.\u00ab<\/p>\n<p>Kraftquelle seiner innigen Fr\u00f6mmigkeit war die t\u00e4gliche heilige Messe. Sooft es ihm nur m\u00f6glich war, feierte er jede hl. Messe mit, in aller Herrgottsfr\u00fche als Ministrant am Altar, dann vom Chor oder Stanzel aus. Diente er am Altar, war er tief gesammelt, ganz in Gott versunken.<\/p>\n<p>T\u00e4glich empfing Bruder Benno den Leib des Herrn. Lange bereitete er sich vor auf diese Gottesbegegnung im hl. Sakrament. Lange dauerte auch seine Danksagung nach der hl. Messe und Kommunion. Die Liebe zu Jesus dr\u00e4ngte ihn zur Anbetung im Sakrament. Untertags lie\u00df ihm sein schweres Pf\u00f6rtneramt kaum Zeit dazu. Blieb aber die Glocke f\u00fcr einige Minuten still, eilte er in das kleine Oratorium (Stanzel). Was ihm w\u00e4hrend des Tages versagt blieb, das holte er in den sp\u00e4ten Abendstunden und am fr\u00fchen Morgen ein.<\/p>\n<p>P. Verekund Steidle (1881-1962) meinte: \u00bbDie Provinz hatte fr\u00fcher viele gro\u00dfe Beter. Den Bruder Benno hat keiner erreicht, so lebendigen Glauben und so tiefe Gottesliebe hat keiner gehabt. Ganze N\u00e4chte hat er durchgebetet. Er betete sehr viel f\u00fcr die Armen Seelen. Oft hielt er tags\u00fcber den Rosenkranz mit den gro\u00dfen Perlen in seinen schwieligen H\u00e4nden. Still und leise hat er vor sich hingebetet und wollte nicht gesehen werden.\u00ab<\/p>\n<p>Der Sakristan des Klosters, Bruder Jakobon Schneider (1867-1938), kam richtig ins Staunen: \u00bbIch traf den Bruder Benno oft in sp\u00e4ten Stunden, wenn schon alles zur Ruhe war, im Chor oder Oratorium betend und wenn ich um 4 Uhr fr\u00fch zum Angelusl\u00e4uten kam, war der Bruder auch schon da, ganz in Andacht versunken.\u00ab Die Leute hatten zu ihm ein gro\u00dfes Vertrauen und empfahlen sich in schweren Anliegen gerne seinem Gebet.<\/p>\n<p>Im Leben des Bruder Benno war ein Tag wie der andere: Gebet und Arbeit. Tagt\u00e4glich die gleiche Last tragen, macht abgestumpft und verdrossen. Der gottselige Bruder trug die schwere B\u00fcrde seines Berufes klaglos und wunschlos, freudig und gottergeben. Diese Beharrlichkeit im Streben nach Vollkommenheit ringt Bewunderung ab. Er verstand es, sein anstrengendes Tagwerk zu heiligen, zum Gottesdienst zu machen, indem er alle, auch die niedrigsten Arbeiten mit edler Gesinnung Gott weihte: In Gottes Namen!\u00ab Er war gewohnt, viele Sto\u00dfgebete zu verrichten. Eine kurze Aufopferung, ein Akt liebender Hingabe, ein Aufblick zum Kreuz, \u00f6ftere Erneuerung der guten Meinung. \u00bbAlles aus Liebe zu Jesus\u00ab, Anrufung des heiligen Namens Jesus, ein Herzensgebet voll inniger Liebe \u00bbDein Wille geschehe!\u00ab, so lebte Bruder Benno in lebendiger Gottverbundenheit. Sein ganzes Leben war ein einziger Gottesdienst, anbetende Gottesliebe.<\/p>\n<p>Br. Rainerius W\u00f6hrlinger (1875-1956) erz\u00e4hlt: \u00bbWir redeten einmal von der Geistlichen Lesung. Er sagte: \u203aIch habe nur die Nachfolge Christi.\u2039 Ich meinte: \u203aDas w\u00e4re mir zuwenig.\u2039 Bruder Benno: \u203aIch habe diese noch nicht eingehalten, wozu ein anderes Buch?\u2039 Auch sprach ich einmal \u00fcber das Buch von Probst Josef Walter \u203aDas Allerheiligste Sakrament\u2039 und er sagte: \u203aDarin habe ich auch einmal gelesen.\u2039 Ich darauf: \u203aNur einmal?\u2039 Und Bruder Benno: \u00bbDarin steht, man solle nach der hl. Kommunion nicht hinaus, sondern hineinbeten. Das war mir genug. Das bestrebe ich mich zu tun, weiteres brauche ich nicht zu wissen\u2039\u00ab.<\/p>\n<p>\u00c4u\u00dferst gewissenhaft war er in der Aufzeichnung der bestellten Me\u00df\u00adintentionen. Das war oft recht kompliziert wegen der verschiedenen Geldw\u00e4hrungen an der Dreil\u00e4nderecke. Ein Guardian glaubte, seine Aufzeichnungen seien nicht ganz richtig und hat ihn erregt angefahren. Bruder Benno sagte nur: \u00bbNa, verzeihen\u2019s mir.\u00ab Schlie\u00dflich zeigte es sich, da\u00df der Pf\u00f6rtner alles richtig notiert hatte.<\/p>\n<h3>Verborgenes Leiden<\/h3>\n<p>Mitbr\u00fcder, die viele Jahre mit Bruder Benno im Kloster zu Bregenz lebten, bezeugen seine innige Liebe zum gekreuzigten Heiland. In der Betrachtung des bitteren Leidens Jesu erfa\u00dfte ihn tiefes Mitleid. Er konnte zu Tr\u00e4nen ger\u00fchrt sein. Beim Vor\u00fcbergang am Kreuzesbild im Pfortengang, machte er eine ehrf\u00fcrchtige Verneigung. Wu\u00dfte er sich unbeobachtet, dann k\u00fc\u00dfte er die F\u00fc\u00dfe oder die Seitenwunde des Herrn. Jeden Tag betete er den hl. Kreuzweg im Chor, entweder in der Mittagszeit oder in der Nacht. Da war er wie abwesend, v\u00f6llig versunken in der Betrachtung des Leidens Jesu.<\/p>\n<p>Das Kreuzesleiden Jesu schenkte ihm Kraft und Trost f\u00fcr den t\u00e4glichen Kreuzweg an der Pforte. Bruder Benno hatte auch seine k\u00f6rperlichen Leiden, ein schmerzliches Fu\u00dfleiden und empfindliche H\u00e4nde voll Frostbeulen, da er sehr an der K\u00e4lte litt.<\/p>\n<p>H\u00e4nde und F\u00fc\u00dfe des guten Bruders waren in den kalten Jahreszeiten furchtbar aufgesprungen, rauh und schrundig, und schmerzten sehr. Das ganze Jahr ging er barfu\u00df in Sandalen. Sprangen die Frostbeulen auf, flo\u00df immer wieder Blut und Eiter heraus. Er suchte, das alles zu verbergen. Wurde er angesprochen wegen seiner wunden F\u00fc\u00dfe und H\u00e4nde, sagte er nur: \u00bbNo, no, wenn es w\u00e4rmer wird, wird es schon wieder besser.\u00ab Er lie\u00df sich nichts anmerken. Mit heroischer Geduld ertrug er ohne Klage und ohne Jammern sein Leiden. Ein alter Herr erz\u00e4hlte mir: \u00bbAls Bub kam ich oft an die Pforte. Seine geschwollenen F\u00fc\u00dfe und wehen H\u00e4nde sind mir besonders aufgefallen. Er erbarmte mich, weil er keine Str\u00fcmpfe und Schuhe anzog, sondern immer in Sandalen ging. Er war auch oft sehr bla\u00df und schaute kr\u00e4nklich aus. Trotzdem hat er immer gel\u00e4chelt und war so freundlich zu allen.\u00ab<\/p>\n<p>Die alte Pforte lag an der Nordseite des Klosters. In den G\u00e4ngen sa\u00df die K\u00e4lte im Steinboden, und K\u00e4lte und Zugluft setzten ihm arg zu. Hundertfach wird bezeugt, da\u00df seine kr\u00e4ftigen Bauernh\u00e4nde verunstaltet, aufgeschwollen, ganz blau, verfroren und voller Schrunden waren. Er konnte sie manchmal kaum bewegen. Mit den F\u00fc\u00dfen war es nicht besser. Er verlor aber nie ein Wort dar\u00fcber. Bemitleidet wegen seiner schmerzenden Wunden tr\u00f6stete Bruder Benno: \u00bbMein Gott, man mu\u00df froh sein, wenn man etwas leiden kann.\u00ab<\/p>\n<p>In den Wintermonaten litt er oft durch Wochen an Verk\u00fchlung, Schnupfen und Husten. Br. Chrysanth Brunnen (1886-1972), mit Bruder Benno gut vertraut, fragte ihn einmal, als seine F\u00fc\u00dfe voll aufgebrochen und ganz wund waren, nach den Schmerzen. Die Antwort: \u00bbWas ist das im Vergleich zum Leiden unseres Herrn aus Liebe zu uns.\u00ab Die Bregenzer Gastwirtin Anna Zeh schimpfte ihn ganz ordentlich: \u00bbBruder Benno, jetzt ziehen Sie doch endlich Str\u00fcmpfe an!\u00ab Er l\u00e4chelte und sagte nichts.<\/p>\n<p>Bequemlichkeiten mied er v\u00f6llig. Er hat nicht geschnupft und nicht geraucht. Ein Gl\u00e4schen Wein bei Tisch nahm er dankbar an und bemerkte: \u00bbIch denke dabei an das hochheilige Blut des Herrn.\u00ab<\/p>\n<p>Die Fastenzeiten hielt er sehr streng ein, besonders an allen Freitagen und Samstagen. Er sparte manches vom Mund ab, um es den Armen zu geben. Im Essen und Trinken zeigte er gro\u00dfe Beherrschung und Zucht. Die Pfortenglocke jagte ihn st\u00e4ndig vom Tische weg. Wie oft wurde sein Essen kalt. Au\u00dfer den festgesetzten Zeiten a\u00df er nichts, nur auf Einladung seines Obern.<\/p>\n<p>In den harten Kriegsjahren (1914-1918) und in der Nachkriegszeit (bis 1922) wurde im Orden vom Fasten dispensiert. Not herrschte um und um. Er enthielt sich jeder Fleischspeise und begn\u00fcgte sich mit einer Gem\u00fcsesuppe und einem St\u00fccklein Brot.<\/p>\n<p>Kreuzesliebe und Kreuzesbetrachtung schenkten ihm die Kraft zur t\u00e4glichen Kreuzesnachfolge. Keinem Opfer ging er aus dem Weg. Bruder Benno g\u00f6nnte sich wenig Schlaf. Ein paar Stunden mu\u00dften gen\u00fcgen. Sein Tagewerk dauerte lange, oft volle 20 Stunden! Am Abend mu\u00dfte er noch die notwendigen Aufschreibungen und Abrechnungen erledigen, manchmal bis tief in die Nacht hinein. Schlie\u00dflich hatte er noch viele Anliegen im Gebet Gott dem Herrn anzuempfehlen. Und am fr\u00fchen Morgen, sp\u00e4testens 4 Uhr, fand er sich im Chor zur Betrachtung ein. Seine Liegestatt bot mehr Gelegenheit zur Bu\u00dfe als zur Erholung. Er ruhte auf harten Brettern. Gott allein kennt die vielen Stunden der Nacht \u2013 ja ganze N\u00e4chte \u2013 die Bruder Benno betend und opfernd vor dem Allerheiligsten verbrachte. Sein Beten war stets mit Leiden verbunden. Unersch\u00fctterlich sein Glaube, der durch viele pers\u00f6nliche Opfer und t\u00e4gliche Leiden gereift, vielen Menschen Halt und Zuversicht schenkte. Aus dem hl. Me\u00dfopfer, dem Opfer des Kreuzes, erwuchs dem guten Bruder die innere Kraft, gehorchend zu dienen, liebend zu leiden und seinen Beruf als Gottesdienst zu erf\u00fcllen.<\/p>\n<h3>\u00bbBitte, einen Beichtvater!\u00ab<\/h3>\n<p>Wer au\u00dferhalb der festgesetzten Beichtzeiten das Bu\u00dfsakrament empfangen wollte, mu\u00dfte sich an der Pforte melden. Eine Beichtglocke in der Kirche gab es nicht. Auch an der Pforte gab es keine Rufsignale in die Wohnzellen der Patres. So mu\u00dfte Bruder Pf\u00f6rtner jedesmal einen Pater rufen, oft lange suchen. An manchen Tagen kamen 15 und mehr Priester zur hl. Beichte. Anschlie\u00dfend ersuchten sie oft um Zelebration in der Kirche. Nach den Aufzeichnungen eines Zelebrationsbuches (1900 bis 1924) feierten oft 12 und mehr Priester eine stille hl. Messe in der Kapuzinerkirche. Konzelebration kannte man noch nicht.<\/p>\n<p>War die Geistlichkeit bedient, kam die Reihe an die Laienwelt. Viele baten ebenfalls um einen Beichtvater, andere wollten die hl. Kommunion empfangen, wollten hl. Messen bestellen, einen Rat oder Trost erbitten in schweren Anliegen. Bruder Benno blieb immer, selbst wenn es turbulent zuging an der Pforte, ruhig und geduldig.<\/p>\n<p>Nicht selten zeigte sich der eine oder andere Beichtvater sehr ungehalten und lie\u00df den guten Bruder Pf\u00f6rtner seine Ungeduld anmerken. Er sagte nie ein Wort, l\u00e4chtelte nur. Es kam auch vor, da\u00df ein Pater ihn abwies mit den Worten: \u00bbSuchen Sie einen anderen und lassen Sie mich endlich in Ruhe!\u00ab Er ging und suchte einen anderen. Ein etwas nerv\u00f6ser Pater fuhr ihn einmal sehr schroff an, als er ihn in den Beichtstuhl bat. Er k\u00e4mpfte innerlich, sagte dann aber ganz ruhig: \u00bbAber jetzt! Es ist meine Pflicht, Sie zu rufen.\u00ab<\/p>\n<p>P. Juvenal L\u00e4ngle (1875-1951) lie\u00df als Guardian in Bregenz eine elektrische Klingelanlage einrichten, um dem Pf\u00f6rtner das viele Gehen \u00fcber G\u00e4nge und Stiegen zu ersparen. Als die Installation fertig war, zeigte sich Bruder Benno dankbar, hatte aber keine besondere Freude daran und meinte: \u00bbJetzt habe ich viele Verdienstm\u00f6glichkeiten f\u00fcr den Himmel verloren.\u00ab<\/p>\n<p>Mit tiefer Ehrfurcht begegnete Bruder Benno den Priestern. Auch dem j\u00fcngsten Kaplan k\u00fc\u00dfte er ehrfurchtsvoll die Hand. Mancher Pfarrer vertraute ihm seine N\u00f6te in der Seelsorge an und bat um sein Gebet. Bruder Benno bewahrte \u00e4u\u00dferste Diskretion und was er versprach, das hielt er wortgetreu ein.<\/p>\n<p>Selbst bekannte er sich w\u00f6chentlich in der heiligen Beichte als S\u00fcnder. In seiner Demut hielt er sich f\u00fcr den Letzten im Kloster und voller Armseligkeiten. Das Urteil der Mitbr\u00fcder lautet anders. P.\u00a0Nikasius Nachbaur (1884-1963) bekennt: \u00bbIch kann mich nicht erinnern, etwas an ihm gesehen zu haben, was ich auch nur als l\u00e4\u00dfliche S\u00fcnde taxieren m\u00fc\u00dfte. In Aus\u00fcbung seines Berufes als Kapuziner und Pf\u00f6rtner war er exakt, freundlich, schweigsam und in allem beharrlich.\u00ab P.\u00a0Angelikus Unterkoffer (1867-1941) bekr\u00e4ftigt dieses Urteil: \u00bbIch beobachtete an ihm nie eine S\u00fcnde, weder in Worten noch in Werken. Sein ganzes Verhalten war v\u00f6llig aufrichtig.\u00ab Und Provinzial P.\u00a0Angelus Stummer (1861-1941) bezeugt: \u00bbIch habe nie eine Klage \u00fcber ihn geh\u00f6rt.\u00ab<\/p>\n<h3>Freund der Kinder<\/h3>\n<p>Das Jesuswort: \u00bbLasset die Kinder zu mir kommen und wehret es ihnen nicht, denn f\u00fcr solche ist das Reich Gottes\u00ab (Lk 18,16) m\u00f6chte man ihm in den Mund legen, so sehr war Bruder Benno den Kindern zugetan. Er liebte sie alle, die kleinen Bengel, auch wenn sie ihn noch so oft herausl\u00e4uteten. Ein Schulm\u00e4dchen von damals, heute eine betagte Frau, sagte mir: \u00bbWenn jemand den Bruder Benno heilig gemacht hat, dann waren es wir Kinder. Ach, wenn ich zur\u00fcckdenke, wie wir in Scharen nach der Schule zur Klosterpforte gerannt sind, wie ungest\u00fcm wir gel\u00e4utet haben, wie vorlaut und ungezogen wir uns manchmal benommen haben, und er war immer so g\u00fctig, geduldig und hat gar nie geschimpft.\u00ab<\/p>\n<p>Mittwoch und Freitag gab es an der Pforte das \u00bbKapuzinerbrot\u00ab ein Maisbrot). Bei den Herbstsammlungen in den Bauernd\u00f6rfern bekamen die Kapuziner Mais. Beim \u00bbZehbeck\u00ab wurde das Brot gebacken. Den Kindern schmeckte dieses kr\u00e4ftige Brot besonders. Nie schickte er ein Kind weg, das um Brot bettelte. Er kannte die Kinder sehr gut, ja alle mit Namen. Den \u00c4rmeren gab er ein gr\u00f6\u00dferes St\u00fcck. Den anderen, die es nicht so notwendig hatten, teilte er kleinere St\u00fccke aus. Buben vertauschten manchmal den Rock, M\u00e4dchen die Sch\u00fcrze, und baten mit verstellter Stimme nocheinmal um ein Brot. Solches Schwindeln duldete er nicht. Da konnte er ernst zurechtweisen: \u00bbDu, tu den Kopf nur aufi; Du bist schon dagewesen!\u00ab<\/p>\n<p>Das T\u00f6chterchen eines B\u00e4ckers erz\u00e4hlte in sp\u00e4teren Jahren: \u00bbNach der Schule st\u00fcrmten wir hinauf, oft aus allen Klassen, und l\u00e4uteten ihn heraus. Er war immer lieb und freundlich. Wenn es gar zu laut herging, schlo\u00df er die Pforte mit ernstem Gesicht. War es wieder ruhiger, kam er mit einem L\u00e4cheln wieder heraus. Wir hatten zwar zu Hause eine B\u00e4ckerei, trotzdem ging ich auch hinauf zu Bruder Benno, Kapuzinerbrot zu holen, denn es schmeckte mir besser als das Brot daheim.\u00ab<\/p>\n<p>Damals wurden im Kapuzinerkloster noch die Hostien hergestellt f\u00fcr die Pfarreien weit im Umkreis. Auf die Hostienabf\u00e4lle, die sog. \u00bbHostienschnipfle\u00ab, waren die Kinder ganz \u00bbhei\u00df\u00ab. P.\u00a0Georg Marte (1911-1979) erz\u00e4hlte mir \u00f6fter: \u00bbAls Kinder machten wir oft einen gro\u00dfen L\u00e4rm an der Pforte. Gerade zart haben wir nicht gel\u00e4utet. Da schaute Bruder Benno zum Guckloch heraus und wartete, bis Ruhe war. Manchmal zeigten wir uns gierig und zudringlich, wenn er ruhig die Brote austeilte. Da konnte es sein, da\u00df er pl\u00f6tzlich die Pforte zumachte und sagte: \u203aKinder, wenn ihr nicht brav seid, kriegt ihr kein Brot mehr.\u2039 Es wurde still und er teilte weiter aus.\u00ab<\/p>\n<p>Manchmal fand er ein kleines St\u00fccklein Brot auf der Mauer abgelegt oder am Boden weggeworfen. Da wurde Bruder Benno ernst: \u00bbJetzt schau da wieder her! Tut mir ja das Brot nicht versauen.\u00ab<\/p>\n<p>Kinder liebte er sehr und sie waren ihm immer willkommen. Nie zeigte er sich ungehalten, auch wenn sie unartig und spitzb\u00fcbisch waren, ihn gar tratzten und ohne Grund herausl\u00e4uteten. Er blieb ruhig. Immer kam er wieder. Er war die \u00bbstrahlende G\u00fcte\u00ab, kannte nie ein b\u00f6ses Wort. Gerne schenkte er den Kindern ein Heiligenbildchen oder ein \u00bbKapuzinerringlein\u00ab. Oft schickte er sie in die Lourdeskapelle, ein Ave zu beten f\u00fcr ihre Eltern.<\/p>\n<h3>Liebe zur Mutter Jesu<\/h3>\n<p>Gro\u00df und innig war die Liebe zur himmlischen Mutter Maria, die Bruder Benno auszeichnete. Schon in seiner Jugendzeit betete er gerne den Rosenkranz. \u00d6fter besuchte er den Wallfahrtsort Maria Hasel bei Pinggau, Steiermark. Die Familie Koglbauer betete jeden Samstag abends und vor Feiertagen gemeinsam den Rosenkranz. Bruder Benno hat die Liebe zur Gottesmutter von den Eltern mitbekommen und zeitlebens behalten.<\/p>\n<p>In Bregenz war ihm ein kleines Marienheiligtum anvertraut, die Lour\u00addeskapelle neben der Kapuzinerpforte. In dieser schlichten Kapelle findet sich eine Nachbildung der Grotte von Masabielle in Lourdes und jene Mari\u00adenstatue, die zuerst im Erschei\u00adnungsfelsen in Lourdes gestanden hat. Diese Statue wurde nach den Angaben der hl. Bernadette Soubirous (1844 -1879), der begnadeten Seherin von Lourdes, hergestellt. Es wird \u00fcberliefert, als die hl. Bernadette diese Statue sah, habe sie gesagt: \u00bbSie ist sehr sch\u00f6n, aber kein Vergleich zur strahlenden Sch\u00f6nheit Mariens, die ich schauen durfte.\u00ab<\/p>\n<p>Weil sich diese Statue f\u00fcr die Erscheinungsgrotte zu klein erwies, und eine gr\u00f6\u00dfere angefertigt werden mu\u00dfte, wurde sie Papst Pius IX. (1792-1878) zum Geschenk gemacht. Papst Leo XIII. (1810-1903) \u00fcbergab diese Marienstatue der wohlt\u00e4tigen Gr\u00e4fin Raczynski (\u20201889) von Bregenz-Marienberg als Zeichen besonderen Wohlwollens. Sie lie\u00df im Jahre 1887 neben der Kapuzinerkirche in Bregenz eine Lourdeskapelle errichten, in der das p\u00e4pstliche Geschenk \u2014 die erste Marienstatue aus der Grotte von Masabielle in Lourdes \u2014 einen w\u00fcrdigen Platz erhielt. Weihbischof Johannes Zobl (1822-1907) von Feldkirch vollzog am Feste Mari\u00e4 Namen 1888 die feierliche Weihe der Kapelle zu Ehren der Gottesmutter von Lourdes.<\/p>\n<p>Mit gr\u00f6\u00dfter Sorgfalt und Liebe pflegte Bruder Benno das Heiligtum. In seiner Obhut wurde es zu einem wahren Schmuckk\u00e4stchen. Um stets frische Blumen zu haben, legte er sich selbst ein kleines G\u00e4rtchen an. Wohlt\u00e4ter brachten ihm auch oft Blumen und Kerzen f\u00fcr die Lourdesgrotte.<\/p>\n<p>Einige M\u00e4dchen halfen ihm oft am Freitag oder Samstagnachmittag die Kapelle reinigen, die B\u00e4nke abstauben und das Gitter sauber machen. Er war sehr auf Reinlichkeit bedacht. Beim Abstauben des Gitters arbeitete eines der M\u00e4dchen schlampig und hat es nicht ordentlich gemacht. Sanft aber bestimmt wies Bruder Benno auf gewissenhafte Arbeit hin. Das M\u00e4del schnappte zur\u00fcck: \u00bbPater, wenn es Dir nicht gut genug ist, dann tu\u2019s grad selber!\u00ab Bruder Benno l\u00e4chelte und erwiderte ganz ruhig: \u00bbJa gut, dann tue ich\u2019s halt selber!\u00ab<\/p>\n<p>Gerne schickte er die Kinder in die Kapelle, die Gottesmutter zu besuchen und mit einem Ave zu gr\u00fc\u00dfen. Klagten ihm Leute ihr Leid, dann wies er sie in die Lourdeskapelle. Selbst betete er mit Vorliebe den Rosenkranz in der Marienkapelle, oft erst sp\u00e4t in der Nacht.<\/p>\n<p>Bruder Benno verehrte die Gottesmutter besonders im Geheimnis ihrer Unbefleckten Empf\u00e4ngnis. Es verwundert nicht, da\u00df er als treuer Diener Mariens gerade in der Oktav des Hochfestes der Jungfrau Maria, ohne Erbs\u00fcnde empfangen, heimgerufen wurde.<\/p>\n<p>Treu dem alten Kapuzinerbrauch betete er bei jedem Stundenschlag das \u00bbUltima\u00ab:<\/p>\n<p>Wenn wir mit dem Tod einst ringen,<br \/>\nwollst Maria uns beispringen,<br \/>\nda\u00df wir selig scheiden hin,<br \/>\nJungfrau, Mutter, K\u00f6nigin.<\/p>\n<p>Br. Cyriak Tusch (1872-1955) fa\u00dft sich kurz: \u00bbBruder Benno hatte einen Feuereifer f\u00fcr\u2019s Gebet, f\u00fcr die Lourdeskapelle und f\u00fcr die Leute, die zur Pforte kamen.\u00ab<\/p>\n<h3>Aufrichtige Bruderliebe<\/h3>\n<p>\u00bbDies ist mein Gebot: Liebet einander, wie ich euch geliebt habe\u00ab (Joh 15,12). Nur auf dem Boden echter Fr\u00f6mmigkeit kann wachsen, was den Menschen zum wahren Christen macht. Echte Fr\u00f6mmigkeit, die vom Hl. Geist beseelt ist, erkennt man an ihren Fr\u00fcchten. \u00bbDes Geistes Fr\u00fcchte aber sind: Liebe, Freude, Friede, Geduld, Milde, G\u00fcte, Treue, Sanftmut, Bescheidenheit und Enthaltsamkeit\u00ab (Gal 5,22-23).<\/p>\n<p>Nie hat er etwas Abtr\u00e4gliches vom Kloster hinausgetragen, nie den Stadtklatsch ins Kloster hereingebracht. Als Pf\u00f6rtner erfuhr er nat\u00fcrlich t\u00e4glich das \u00bbNeueste\u00ab aus Stadt und Land. Neugierde kannte er nicht. Schw\u00e4tzereien und Zutr\u00e4gereien verschlo\u00df er \u00e4ngstlich sein Herz. \u00bbBehalten Sie das nur f\u00fcr sich\u00ab, pflegte er zu sagen, und der Fall war f\u00fcr ihn erledigt.<\/p>\n<p>Mu\u00dfte Bruder Benno Auskunft geben \u00fcber jemand, der sich etwas zu Schulden kommen hatte lassen, tat er es mit gr\u00f6\u00dfter Schonung. Die Liebe wollte er nicht verletzen. Er war \u00e4u\u00dferst diskret. Gelegentlich meinte er: \u00bbMan wei\u00df nie, was einem selbst passiert.\u00ab<\/p>\n<p>Er war die Friedfertigkeit selbst. Seine nat\u00fcrliche Gutm\u00fctigkeit veredelte sich durch sein beharrliches Tugendstreben. Der Friede ist am meisten gef\u00e4hrdet durch die b\u00f6se Zunge. Niemand kann sich erinnern, ein ungutes Wort aus seinem Munde vernommen zu haben. \u00bbWer sich im Wort nicht verfehlt, ist ein vollkommener Mann, der imstande ist, sich v\u00f6llig im Zaume zu halten\u00ab (Jak 3,2). Ja, das war Bruder Benno: ein vollkommener Mann.<\/p>\n<p>Im Umgang mit den Mitbr\u00fcdern in der Klostergemeinschaft zeigte er sich stets zuvorkommend, freundlich und \u00fcberaus hilfsbereit. Br. Bernhard Offida Spring (1880-1961) erz\u00e4hlt aus den Jahren, da er in Bregenz mit Bruder Benno stationiert war, von der br\u00fcderlichen Liebe des Pf\u00f6rtners: \u00bbWenn man in ein anderes Kloster kommt, wei\u00df man so vieles nicht. Da machte mich Bruder Benno auf so manches aufmerksam. Er war kein Sonderling, sondern machte alles mit, wie es eben die Klosterordnung vorschrieb.\u00ab Br. Mennas Eder (1874-1961) bezeugt: \u00bbDie br\u00fcderliche Liebe hat er in hervorragender Weise ge\u00fcbt und hat es auch verstanden, anderen durch Rat behilflich zu sein. Auch hat er sich in der Rekreationsstunde nicht abgesondert. Er ist immer lustig und fr\u00f6hlich gewesen.\u00ab<\/p>\n<p>Er liebte den heiteren Kreis der Mitbr\u00fcder. Bruder Benno war auch einem Scherz nicht abgeneigt. Es war in den ersten Kriegsjahren (1915\/16). Ein Bruder br\u00fcstete sich damit, da\u00df aus seinem Heimatort noch keiner gefallen sei. Da meinte Bruder Benno: \u00bbEs wird wohl keiner einen Schu\u00df Pulver wert sein!\u00ab<\/p>\n<p>Unn\u00fctze oder gar lieblose Reden, Kritik \u00fcber kirchliche und weltliche Obrigkeit, konnte er nicht ertragen. Sein feines L\u00e4cheln verwandelte sich sofort in einen ernsten Gesichtsausdruck, wenn immer Kritik oder hartes Urteilen das gesellige Beisammensein st\u00f6rten. Er wirkte ausgleichend, kannte keine Abneigung gegen einen Mitbruder, begegnete jedem vornehm und nahm jeden so an, wie er eben war. Er war gewohnt, von allen gut zu denken. In seinem Herzen lie\u00df er keine Bitterkeit aufkommen. Er war ein Mann wohlwollender Bruderliebe und schenkender Freude. Er erfreute sich auch einer allgemeinen Hochsch\u00e4tzung bei den Ordensbr\u00fcdern.<\/p>\n<p>Was Bruder Benno selbst besorgen konnte, das hat er auch selbst getan. Er wollte nie jemand zur Last fallen. Aus diesem Grunde pflegte er seine W\u00e4sche selbst zu waschen. Den Patres, die mit dem letzten Schiff oder einem Nachtzug von einer Aushilfe oder Volksmission heimkehrten, bereitete er selbst noch ein Nachtmahl, um nicht den Bruder Koch im Schlaf zu st\u00f6ren. Er war f\u00fcr jeden Bruderdienst bereit. In seiner G\u00fcte hat er keine Bitte abgeschlagen. Allen wollte er ein helfender und liebender Bruder sein.<\/p>\n<h3>Vater der Armen<\/h3>\n<p>Der Erste Weltkrieg (1914-1918) brachte gro\u00dfe Not ins Land. Noch schlimmer waren die Nachkriegsjahre: Hungersnot, Arbeitslosigkeit, Inflation! Viele Arme klopften an die T\u00fcre des Kapuzinerklosters. Bruder Pf\u00f6rtner hatte ein mitf\u00fchlendes Herz und eine offene Hand. Er gab, solange er geben konnte und soviel er geben konnte. War nichts mehr da, ber\u00fchrte ihn das schmerzlich, und oft verschenkte er sein eigenes Essen, sein letztes St\u00fccklein Brot.<\/p>\n<p>Unter P.\u00a0Guardian Markus Edelmann (1876-1956) mu\u00dfte sehr gespart werden, auch in der K\u00fcche. Er \u00e4u\u00dferte manchmal Bedenken, es k\u00f6nnte f\u00fcr die Mitbr\u00fcder nicht mehr reichen. Bruder Benno beschwichtigte ihn: \u00bbR Guardian, es langt leicht.\u00ab Als sp\u00e4ter R Viktorian Noggler (1874-1937) das Guardianat \u00fcbernahm, sagte Bruder Benno zum Bruder Koch: \u00bbJetzt werden wir die Armen besser bewirten k\u00f6nnen. P.\u00a0Guardian hat schon die Erlaubnis gegeben, da\u00df wir die Armen gut versorgen d\u00fcrfen.\u00ab<\/p>\n<p>Bruder Benno suchte allen N\u00f6ten zu begegnen. Die Kinder bekamen ihr \u00bbKapuzinerbrot\u00ab, die Handwerksburschen ihre Suppe, die Arbeitslosen oder Invaliden ein Almosen. Auf den Sammlungen in den umliegenden Bauernd\u00f6rfern erhielten die Kapuziner Lebensmittel, die an der Pforte den Notleidenden weitergereicht werden konnten. Es wird berichtet, da\u00df dem \u00bbguten Benno\u00ab die Gaben der Wohlt\u00e4ter nie ganz ausgegangen sind, soda\u00df er immer den Armen etwas geben konnte.<\/p>\n<p>Einst weinte ihm ein kleines Waisenm\u00e4dchen vor: \u00bbHerr Kapuziner, ich hab\u2019 keine Blumen f\u00fcr das Grab von Vater und Mutter.\u00ab Bruder Benno tr\u00f6stete: \u00bbNa, was denn, jetzt tust da niedersitzen, und ich bring dir was.\u00ab Er brachte ein ganzes Kistchen voll frischer Blumen.<\/p>\n<p>Oft klagten ihm M\u00fctter ihre Not. Er konnte gut zuh\u00f6ren. Seine Trostworte waren kurz: \u00bbOh, es wird schon wieder recht! Tun Sie es dem Herrgott aufopfern.\u00ab Sein g\u00fctiges Tr\u00f6sten verfehlte nie seine Wirkung. Tr\u00e4nen h\u00f6rten auf zu flie\u00dfen. \u00bbDie Gottesmutter hilft dir, geh nur in die Kapelle und bete. Ich will\u2019s auch tun f\u00fcr dich.\u00ab Alle Anliegen und Sorgen, die an ihn herangetragen wurden, empfahl er in innigem Gebet Gott dem Herrn, \u00bbdem Vater der Erbarmungen und Gott allen Trostes\u00ab (2 Kor 1,3). \u00bbJa, das Tr\u00f6sten hat er gut k\u00f6nnen\u00ab, wird ihm von vielen nachger\u00fchmt.<\/p>\n<p>An einem Sonntagmorgen l\u00e4utete es heftig an der Pforte. Zwei M\u00e4dchen standen drau\u00dfen, Zornestr\u00e4nen in den Augen. Ein Pater h\u00e4tte sie an der Kommunionbank wegen ihres Halsausschnittes getadelt. Sie verlangten einen ihnen bekannten Pater, um sich bei ihm zu beklagen. Dieser war aber im Schw\u00e4bischen auf einer Sonntagsaushilfe. Nun fragten sie Bruder Benno: \u00bbIst der Halsausschnitt zu weit oder nicht?\u00ab Geradezu salomonisch war sein Urteil: \u00bbTun\u2019s halt a T\u00fccherl hin.\u00ab<\/p>\n<h3>Die Bregenzer Stadtsammlung<\/h3>\n<p>Zum Pflichtenkreis des Pf\u00f6rtners geh\u00f6rte es, allj\u00e4hrlich in den Wintermonaten in der Stadt Bregenz die Almosensammlung durchzuf\u00fchren. Mit Freude machte Bruder Benno diese Sammelg\u00e4nge in der Stadt und im Vorkloster. Im Monat J\u00e4nner und Februar war es nat\u00fcrlich sehr kalt und die Wege mit Schnee und Eis bedeckt.<\/p>\n<p>Bruder Benno kannte die Bregenzer sehr gut und liebte sie auch. F\u00fcr die Sammlung stand ihm ein stadtkundiger Mann zur Seite, der ihn begleitete und ihm half, die Lebensmittel zu tragen, welche die Leute spendeten. Viele Jahre ging der \u00bbalte Reichart\u00ab mit ihm, ein tief gl\u00e4ubiger und frommer Mann, der t\u00e4glich die Fr\u00fchmesse (um 5 Uhr) in der Kapuzinerkirche besuchte und von den Leuten wegen seines halblauten Lispelns beim Gebet der \u00bbVater-Unser-Pfiefer\u00ab genannt wurde.<\/p>\n<p>Ein treuer Begleiter war auch Herr \u00bbSchneider-Burger\u00ab, ein Mann mit einem goldenen Herzen, leutselig und humorvoll. Die Bregenzer sind sehr gastfreundlich. Fast in jedem Haus wurde zu einem \u00bbGl\u00e4sle\u00ab eingeladen. Schlie\u00dflich sch\u00fctzt ein \u00bbSchn\u00e4psle\u00ab vor Erk\u00e4ltung. Als sein Begleiter abends \u00bba Schwipsle\u00ab nach Hause brachte, gab es ein Donnerwetter in der Familie. Nachdem Bruder Benno davon erfahren, verteidigte er seinen Helfer: \u00bbNa, na, blo\u00df a gut\u2019s Hum\u00f6rl hat er g\u2019habt.\u00ab<\/p>\n<p>Als Sammelbruder war Bruder Benno gerne gesehen und durchwegs freundlich aufgenommen. Kam er in eine arme Familie, teilte er wohl Bildchen und Ringlein an die Kinder aus, nahm aber nichts an: \u00bbIhr seid ja selbst ganz arm.\u00ab Sein \u00bbVergeltsgott tausendmal\u00ab kam aus einem tief dankbaren Herzen. Er sa\u00df auch gerne ein wenig nieder, lie\u00df sich erz\u00e4hlen und h\u00f6rte aufmerksam zu, ohne viele Worte zu machen. Er machte oft einen m\u00fcden Eindruck, zeigte sich aber immer freundlich und \u00fcberaus dankbar.<\/p>\n<p>Mit vornehmer H\u00f6flichkeit und tiefer Achtung begegnete er gesegneten M\u00fcttern. Er versprach ihnen sein Gebet. Den Kindern war er sehr zugeneigt. Mit Freude teilte er ihnen Bildchen aus und steckte das \u00bbKapuzinerringlein\u00ab an die kleinen Fingerlein. Nie hat er die Kinder \u00bbangepredigt\u00ab, ihnen aber stets ein liebes Wort gesagt. Er wirkte durch sein g\u00fctiges Wesen und feines L\u00e4cheln.<\/p>\n<p>Nach altem Brauch bekamen der Sammelbruder und sein Begleiter das Mittagessen von Wohlt\u00e4tern des Klosters. F\u00fcr den Gastgeber bedeutete es eine gro\u00dfe Ehre, den Kapuziner gut zu bedienen. Ein strenger Guardian verbot Bruder Benno ausw\u00e4rts zu essen und verlangte, da\u00df er mittags und abends rechtzeitig im Kloster zu Tisch sein mu\u00df. Ohne ein Wort der Gegenrede gehorchte der dem\u00fctige Bruder. Die Wohlt\u00e4ter haben es dem Obern sehr \u00fcbel genommen.<\/p>\n<p>P. Gregor Naziani Frik (1882-1939) erz\u00e4hlt: \u00bbEr kam mir vor wie der hl. Bruder Konrad von Alt\u00f6tting, weil er auch so war, wie man von diesem las und h\u00f6rte. Er war ein ganz bescheidener Mensch. Sein Wesen war einfach, still und nat\u00fcrlich. Es fand sich nichts Auffallendes an ihm. Man sah ihm an, da\u00df er ein Mann der G\u00fcte war. Von einem Sozialdemokraten wurde er einmal grob abgewiesen. Ruhig l\u00e4chelnd sagte er: \u203aBitte, regen Sie sich doch nicht auf. Ich gehe, wenn ich auch nichts erhalte\u2039.\u00ab<\/p>\n<p>Einmal hetzte ein Hausbesitzer einen Hund auf ihn, der ihm den Habit zerri\u00df. Bruder Benno bat um Verzeihung, da\u00df er unwissentlich in sein Haus gekommen sei und gest\u00f6rt habe. Er g\u00e4be noch einige andere Grobheiten zu berichten, die er dem\u00fctig hinnahm und mit einem L\u00e4cheln quittierte. Es darf gen\u00fcgen, um glaubhaft darzutun, da\u00df Bruder Benno ein guter Sch\u00fcler seines Meisters war, der gesagt hat: \u00bbLernet von mir, ich bin sanftm\u00fctig und von Herzen dem\u00fctig\u00ab (Mt 11,29).<\/p>\n<h3>Sehnsucht nach der Heimat<\/h3>\n<p>Im Sommer 1925 dr\u00e4ngte es ihn, einmal seine ferne Heimat zu besuchen, zum \u00bbAbschiednehmen\u00ab, wie er meinte. 25 Jahre sind nun vergangen, seit er sich im Kapuzinerorden dem Herrn geweiht hatte. Davon diente er 18 Jahre an der Pforte in Bregenz, bem\u00fcht, allen alles zu werden. Sein Kopf war kahl, sein Bart grau geworden, seine Gestalt gebeugt. Die Spannkraft des K\u00f6rpers hatte nachgelassen. Der einst so kr\u00e4ftige Bauernsohn sank in sich zusammen. Sein Gang war schwerf\u00e4llig, die F\u00fc\u00dfe wollten ihn kaum mehr tragen. Sie waren dick angeschwollen, blau angelaufen und mit offenen Wunden bedeckt. Jeder Schritt bereitete ihm neue Qual. Er f\u00fchlte, da\u00df die Zeit seiner irdischen Pilgerschaft zu Ende ging. \u00bbEs macht nichts. Bin halt schon alt\u00ab, sagte er und l\u00e4chelte.<\/p>\n<p>Sehnsucht nach der Heimat, nach seinen Lieben in M\u00f6nichkirchen, erfa\u00dfte ihn immer st\u00e4rker. Vor 30 Jahren \u2013 1895 \u2013 war er fortgezogen und hat seine Angeh\u00f6rigen nicht mehr gesehen. Er bat seine Obern um einen kurzen Heimaturlaub. Das Reisegeld schickten ihm seine Verwandten. Gerne wurde ihm die Bitte gew\u00e4hrt.<\/p>\n<p>Eine lange Bahnfahrt: Bregenz &#8211; Wien &#8211; Aspang Markt. In Salzburg besuchte er den Kapuzinerberg, wo er 5 Jahre als Klosterknecht gedient und schlie\u00dflich sein Noviziatsjahr verbracht hatte. Gro\u00dfe Freude bereitete ihm der Besuch der Gnadenkapelle in Alt\u00f6tting. Es war ihm auch bekannt, da\u00df der Kapuzinerpf\u00f6rtner Bruder Konrad von Parzham (1818-1894) bald seliggesprochen werden sollte.<\/p>\n<p>Sp\u00e4t in der Nacht klopfte er am Tor des v\u00e4terlichen Hofes in M\u00f6nichkirchen. Seine Angeh\u00f6rigen konnten es kaum glauben, da\u00df er wirklich vor ihnen stand, der Bruder und Onkel. Seine Nichte Philomena Koglbaur (\u20201981) berichtet: \u00bbEr hatte sehr wehe F\u00fc\u00dfe und bat um ein Wasser f\u00fcr ein Fu\u00dfbad, das er sich vor dem Bettgehen herrichtete.\u00ab<\/p>\n<p>Die Tage vergingen sehr schnell. Bruder Benno besuchte seine ganze Verwandtschaft. Er war gl\u00fccklich, seine Lieben alle zu sehen, mit ihnen zu sprechen und ihnen den Abschiedsgru\u00df zu sagen: \u00bbIm Himmel sehen wir uns wieder.\u00ab<\/p>\n<p>Auf seiner langen R\u00fcckreise unterbrach er in Innsbruck f\u00fcr einen Kurzbesuch im Kapuzinerkloster in der Kaiserj\u00e4gerstra\u00dfe. Er hatte sich ganz gut erholt, wirkte aber sehr gebrechlich.<\/p>\n<p>Eine Wohlt\u00e4terin des Bregenzer Kapuzinerklosters traf Bruder Benno, wie er vom Bahnhof die Kirchstra\u00dfe hinaufging zum Kloster. Sie erz\u00e4hlt: \u00bbDer gute Bruder war ganz ersch\u00f6pft, schwer schnaufend. Die kranken F\u00fc\u00dfe konnten ihn kaum mehr tragen. Dabei hatte er noch einen Koffer. Er wies jede Hilfeleistung h\u00f6flich zur\u00fcck und schleppte sich m\u00fchsam weiter.\u00ab<\/p>\n<h3>Seliger Heimgang<\/h3>\n<p>Vom Heimatbesuch zur\u00fcckgekehrt, nahm ihn das Pf\u00f6rtneramt wieder voll in Beschlag. Aber die F\u00fc\u00dfe wollten nicht mehr mittun. Der Hausarzt verordnete eine l\u00e4ngere Behandlung in Innsbruck. Ohne ein Wort der Klage, ganz ergeben in Gottes Willen, trug er die brennenden Schmerzen. Alter und Krankheit hatten ihm recht zugesetzt. Sein Aussehen hatte sich merklich verschlechtert. Bruder Benno zeigte sich \u00fcberaus dankbar f\u00fcr jede Zuwendung und das Bem\u00fchen, seine Gesundheit zu bessern. Seinem Bruder schrieb er nach M\u00f6nichkirchen: \u00bbDie Leute sagen, da\u00df ich mager geworden bin, und ich hatte schon manche Flasche Wein bekommen. Die Leute haben sehr Mitleid mit mir und mein Guardian ist au\u00dferordentlich gut zu mir.\u00ab<\/p>\n<p>Die Gesundheit wollte nicht mehr zur\u00fcckkehren. Er versah den Pf\u00f6rtnerdienst so gut und treu als nur m\u00f6glich. Der Herbst zog ins Land und h\u00fcllte Bregenz in tiefen Nebel. Die na\u00dfkalte Witterung bescherte ihm einen hartn\u00e4ckigen Husten. In der Brust f\u00fchlte er ein schmerzendes Stechen. Der Arzt stellte Lungenentz\u00fcndung fest. Er wurde immer schw\u00e4cher. Der starke Husten raubte ihm jede Ruhe und jeden Schlaf. Bruder Benno wu\u00dfte, wie es um ihn stand und \u00e4u\u00dferte sich l\u00e4chelnd zu einem Mitbruder: \u00bbJetzt k\u00f6nnen Sie sehen, wie ein Kapuziner stirbt.\u00ab<\/p>\n<p>Noch ein gro\u00dfes Opfer sollte er auf sich nehmen. Er w\u00e4re so gerne im Kloster gestorben. Sein Krankenpfleger erkrankte selbst. So sah sich der Hausobere gezwungen, Bruder Benno in Spitalpflege zu geben. Ruhig und gottergeben nahm er alles hin. Mit gro\u00dfer Hingabe umsorgten ihn die Barmherzigen Schwestern. Sie hatten in ihm einen vollkommen ergebenen und geduldigen Patienten. Er verlangte nichts und war mit allem zufrieden. Nie eine Klage. Bruder Benno betete ohne Unterla\u00df. Das hohe Fieber verwirrte ihn. Sein Lieblingsgebetchen, das Stundengebet der Kapuziner, brachte er nicht mehr zustande:<\/p>\n<p>Wenn wir mit dem Tod einst ringen,<br \/>\nwollst Maria uns beispringen,<br \/>\nda\u00df wir selig scheiden hin,<br \/>\nJungfrau, Mutter, K\u00f6nigin.<\/p>\n<p>Er bat die Schwestern, seinen Beichtvater zu rufen, damit dieser ihm helfe. Dankbar l\u00e4chelte er, als er mit seiner Hilfe das Gebetchen wieder sprechen konnte.<\/p>\n<p>Trotz der Sorge der \u00c4rzte und der aufopfernden Pflege der Schwestern war dem guten Bruder Benno nicht mehr zu helfen. In tiefer Andacht empfing er die hl. Sakramente: Beichte, Krankensalbung und Kommunion. Die Beschwerden mehrten sich. Es wurde schlimm. Pfeifend ging der Atem, die kranke Lunge vermochte den Schleim nicht mehr auszusto\u00dfen.<\/p>\n<p>13. Dezember 1925, ein Sonntag. Das m\u00e4chtig klingende Gel\u00e4ute der St. Galluspfarrkirche rief zum Gottesdienst. In seinem Krankenzimmer, unweit der Pfarrkirche, sagte Bruder Benno zu Schwester Isidora: \u00bbSchwester, bis zum Abend habe ich schon ausgeorgelt.\u00ab Langsam verrannen die Leidensstunden. Zeitweise \u00fcberfiel ihn Bewu\u00dftlosigkeit. In einem lichten Augenblick verlangte er Papier und Bleistift und schrieb einige krause, kaum leserliche Zeichen. Es war die Bitte um die hl. Kommunion. Die letzten Stunden war er nicht mehr bei sich.<\/p>\n<p>Als das Vespergl\u00f6ckchen von der Kapuzinerkirche zu l\u00e4uten begann, schlug der Schwerkranke noch einmal die Augen auf. Ein helles Leuchten stand darin. Er streckte die H\u00e4nde aus, als wollte er nach etwas greifen. Dann sank er zur\u00fcck in das Kissen. Bruder Benno war eingegangen in den ewigen Frieden.<\/p>\n<h3>Im Rufe der Heiligkeit<\/h3>\n<p>\u00bbEr war ein Heiliger\u00ab, dachte sich sein Beichtvater auf dem Heimweg vom Stadtspital ins Kloster. Still und laut sagten viele Bregenzer dasselbe. Scharenweise str\u00f6mten die Leute an seine Bahre. Stadtpfarrer und Dekan Josef Anton Ammann (1861-1926) sagte mit \u00dcberzeugung: \u00bbNicht f\u00fcr diesen Bruder m\u00fcssen wir beten, sondern zu ihm m\u00fcssen wir beten.\u00ab In der festen Hoffnung, da\u00df Bruder Benno nach seinem Hinscheiden in die Herrlichkeit Gottes, in die Gemeinschaft der Heiligen, aufgenommen wurde, beteten die Gl\u00e4ubigen von Bregenz und Umgebung vertrauensvoll zu ihm. Und siehe, Bruder Benno war sofort zur Stelle. Er half, er half schnell, und hielt damit sein Versprechen, Bregenz und die Bregenzer im Himmel nicht zu vergessen. Sein Helfen beschr\u00e4nkte sich nicht allein auf Bregenz. Sein Ruf verbreitete sich, und sein Wohltun vom Himmel aus zog immer weitere Kreise. Hunderte von Dankschreiben langten ein: \u00bbBruder Benno hat geholfen!\u00ab<\/p>\n<p>Immer dringlicher wurden Stimmen laut, den Selig\u00adsprechungsproze\u00df zu begin\u00adnen. Die Kapzinergemeinschaft von Bregenz, Abt und Konvent von Mehrerau (OCist.), Abt und Konvent vom Gallusstift (OSB), die Dominikanerinnen von Thalbach und Marienberg, alle anderen Schwestern\u00adkongregationen, die weltlichen Beh\u00f6rden, an der Spitze der Landeshauptmann von Vorarlberg und der B\u00fcrgermeister der Stadt Bregenz, M\u00e4nner und Frauen aus allen St\u00e4nden, richteten ein Bittgesuch an den Hochw. Landesbischof Dr. Sigismund Waitz (1864-1941) in Feldkirch, die Gebeine des Gottseligen zu erheben. Am 12. April 1934 wurde das Grab auf dem Gartenfriedhof des Kapuzinerklosters ge\u00f6ffnet. Der amtliche Totengr\u00e4ber litt gerade an einer offenen Fu\u00dfwunde. Er wollte darum nicht selbst die Grabung vornehmen. P.\u00a0Guardian bat ihn, es doch selbst zu tun, denn es mu\u00dfte dabei gro\u00dfe Vorsicht walten. So tat er es denn in Gottes Namen. Und siehe, als er mit der Arbeit begann, h\u00f6rte der Fu\u00df auf zu schmerzen. Und als er heimkam, sp\u00fcrte er \u00fcberhaupt nichts mehr.<\/p>\n<p>Bruder Benno erhielt sein neues Grab in der Seitenkapelle (ehemalige Josefskapelle) in der Kapu\u00adzinerkirche, damit alle Hilfesuchenden Zugang zu seiner irdischen Ruhest\u00e4tte haben. Gebetserh\u00f6rungen werden bis heute vermeldet.<\/p>\n<p>Am 11. Juli 1955 hat Bischof Dr. Paulus Rusch (1903-1986) den Informativproze\u00df \u00fcber Leben, Tugenden und Wunder des Dieners Gottes Bruder Benno Koglbauer er\u00f6ffnen k\u00f6nnen. Die Kirche entscheidet, ob ein Christ das Hochziel der Vollkommenheit erreicht hat oder nicht, ob die Stimme des Volkes auch Gottes Stimme ist.<\/p>\n<hr \/>\n<p>\u00a9 P. Gaudentius Walser OFMCap, Kaiserj\u00e4gerstr. 6, 6020 Innsbruck<br \/>\nMit freundlicher Genehmigung des Autors<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bruder Benno Koglbauer 1862 &#8211; 1925 Ausf\u00fchrliche Lebensbeschreibung Von P. Gaudentius Walser OFMCap. 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