Ich habe den Herrn gesehen

In der Heiligen Schrift wird uns berichtet, dass es den Aposteln am Anfang schwer gefallen ist, die Botschaft von der Auferstehung zu glauben. Zu sehr waren sie geprägt vom Karfreitag. Sie konnten nicht begreifen, dass das Leiden des Herrn der Weg zur Auferstehung war, wie er es ihnen dreimal vorausgesagt hatte.

Wie den Jüngern ergeht es oft auch uns. Wir tun uns schwer, in inneren und äußeren Prüfungen, in Schwierigkeiten, Kreuz und Leiden, d.h. wenn Gott in irgendeiner Form einen Karfreitag über uns kommen lässt, diesen festen Glauben aufzubringen, dass wir mit Jesus durch unser Kreuz zu einer geistlichen Auferstehung und zur ewigen Herrlichkeit gelangen werden.

Von Maria Magdalena aber, die auch in tiefer Trauer über den Tod Jesu war, wird uns berichtet, dass sie die erste war, die dem auferstandenen Herrn begegnen und zum Glauben an seine Auferstehung kommen durfte. An ihr können wir ablesen, welchen Weg wir gehen müssen, damit wir aus einem Karfreitag zum Osterfest gelangen und den auferstandenen Herrn erfahren könne.

1) Das erste ist: Maria Magdalena machte sich auf den Weg, um Jesus zu suchen. Sie hat sich von ihrer Sehnsucht nach Christus leiten lassen, obwohl sie nicht hoffen konnte, Jesus lebend im Grab zu finden. Für uns ist wichtig, dass wir uns gerade in den Leiden aufmachen, um Christus zu suchen, dass wir uns nicht auf uns selbst zurückziehen, sondern herausgehen aus dem Trauerhaus; dass wir nicht im Selbstmitleid stecken bleiben, sondern z.B. die Kirche besuchen, hl. Messe mitfeiern, beten, beichten, d.h. den Ort aufsuchen, von denen wir wissen, dass er dort gegenwärtig ist, auch wenn wir den Trost seiner lebendigen Gegenwart nicht erfahren.

2) Ein Zweites ist wichtig: Maria Magdalena hat Jesus nicht gleich gefunden, aber sie wartet geduldig. Maria erhält die Gnade, dem Herrn zu begegnen, weil sie beharrlich an dem Ort blieb, an dem sie Jesus zuletzt gesehen hatte.

Diese Geduld und Beharrlichkeit ist sehr wichtig. Gott lässt uns zuweilen warten mit seiner Hilfe, damit die Sehnsucht nach ihm größer wird. Wir möchten meist nur eine rasche Erleichterung des Leidens haben und sind gar nicht so sehr an ihm persönlich interessiert. Und oft ist es so: wenn Gott den Menschen geholfen hat, dann vergessen sie ihn bald wieder. Wenn Gott uns warten lässt und wir durchhalten, so wird auch die Freude an ihm umso größer sein.

3) Und dann zeigt sich ein Drittes: Der Herr kam von hinten an Maria Magdalena heran, ohne dass sie es merkt. Sie erkennt ihn nicht gleich. Sie hält ihn für den Gärtner, der ihr Christus weggenommen hat. Gottes Hilfe und Gnade kommt oft von einer Seite, von der wir es nicht erwartet. Wir klagen oft über die Dinge, Situationen, Schwierigkeiten und Menschen von denen wir annehmen, dass sie uns die Freude genommen haben. Wir halten sie für den „Gärtner“, der uns Christus weggenommen hat. Aber genau dahinter ist Gott verborgen, wir erkennen ihn nur noch nicht.

4) Das Wunderbare ist nun, wie sich der Herr Maria zu erkennen gibt. Er spricht sie beim Namen an. Jesus ist der gute Hirt ist, der seine Schafe kennt und einzeln beim Namen ruft. Wenn sie auf seine Stimme hören, werden sie ihn innerliche schauen mit den Augen des Glaubens. Das ist die beglückende Gnade, die sich nach allem Durchhalten im Leiden einstellt. „Christus lebt, ich habe ihn gesehen!“ Diese Gewissheit des Glaubens ändert unser Leben.

Wenn wir uns immer wieder bemühen, von dieser Art der Liebe zu Gott erfüllt zu sein, wie wir sie bei Maria Magdalena sehen, dann wird uns der Herr auch anspreche, und uns die geistliche Freude seiner Gegenwart schenken.

Gleichnis der Bienen

Der heilige Franz von Sales hat in seinen Predigten und Schriften des Öfteren die Bienen als Bild verwendet, um den Glauben darzustellen. Er selbst hatte mit den Bienen eine nicht ungefährliche Erfahrung gemacht, wie er in einer Predigt erzählte.

Bei einer Rast auf einer Bergwanderung lies sich plötzlich ein Schwarm von Bienen auf seiner Schulter nieder. Sein Begleiter, ein Bauer, riet ihm, er müsse ganz ruhig bleiben und den Bienen gut zureden, dann werden sie bald wieder weg sein. Und so geschah es auch. Daran knüpft er die Belehrung: So müssen wir in allen Versuchungen ruhig bleiben und beten, dann werden sie bald wieder verschwinden.

In einem anderen Vergleich sagt er: „Die Bienenkönigin fliegt nicht aus, ohne von ihrem kleinen Volk umgeben zu sein; so zieht die Liebe nicht in ein Herz ein, ohne in ihrem Gefolge die anderen Tugenden zu haben, denen sie Befehle erteilt.“ Die Liebe ist also die Königin aller Tugenden.

Oder: Wie die Bienen aus den verschiedensten Blüten nur den süßen Nektar herausholen und daraus Honig machen, so sollen auch wir an unseren Mitmenschen nur das Beste sehen und für uns daraus etwas lernen.

Wie lange wirst du mich noch warten lassen?

Zum Guthirtensonntag, Weltgebetstag um geistliche Berufe

Eine geistliche Berufung, sei es zum Priestertum oder Ordensleben ist ein besonderes Geschenk der barmherzigen Liebe Gottes. Der Herr hat mit jedem, den er in seine Nachfolge ruft, etwas Großes zum Heil der Menschen vor.

Da so Großes auf dem Spiel steht, gibt es bei den meisten Berufenen einen inneren Kampf darum, ob sie auf den Ruf des Herrn auch wirklich hören und ihn aus freiem Herzen beantworten. Wir müssen deshalb die geistlichen Berufungen immer mit unserem Gebet und Opfer begleiten, damit sie diesen Kampf bestehen. An der Berufungsgeschichte der hl. Schwester Faustyna kann uns deutlich werden, worum es geht.

Die hl. Sr. Faustyna stammt aus einer ärmlichen polnischen Familie. Nach drei Schuljahren musste sie bereits arbeiten gehen, um für den Unterhalt der Familie mitzusorgen. Obwohl sie in der Seele die Berufung zum Klosterleben spürt, ging sie nicht darauf ein, da auch ihre Eltern entschieden gegen die Berufung waren. Nun griff der Herr selbst mit außergewöhnlicher Macht in ihr Leben ein.
Faustyna schreibt in ihrem Tagebuch: „Nach dieser Ab­sage gab ich mich der Eitelkeit des Lebens hin, ohne die Stimme der Gnade zu beachten – obgleich meine Seele in nichts Zufriedenheit fand. Die unaufhörlichen Gnadenrufe waren für mich eine große Qual, die ich mit Zerstreuungen zu überdecken suchte. In meinem Inneren mied ich Gott, und mit ganzer Seele neigte ich mich den Geschöpfen zu. Doch Gottes Gnade siegte in der Seele. Einmal ging ich mit einer meiner Schwestern zum Ball. Als alle in bester Stimmung waren, empfand meine Seele innere Qualen. Im Moment, als ich zu tanzen anfing, erblickte ich neben mir Jesus; den geschundenen, entblößten Jesus, ganz mit Wunden bedeckt, der zu mir die Worte sprach: ‚Wie lange soll Ich dich ertragen, und wie lange wirst du Mich noch warten lassen?‘ In diesem Augenblick verstummte die liebliche Musik, die Gesellschaft, in der ich mich befand, verschwand mir aus den Augen, es blieben Jesus und ich. Ich setzte mich neben meine liebe Schwester und versuchte, was in meiner Seele vorging, mit Kopfweh zu verdecken. Nach einer Weile verließ ich heimlich die Gesellschaft, und begab mich in die Kathedrale. Auf nichts ach­tend, was um mich geschah, warf ich mich vor dein Aller­heiligsten Sakrament nieder und bat den Herrn, mich erken­nen zu lassen, was ich tun sollte. Sogleich hörte ich die Worte: „Fahre sofort nach Warschau, dort wirst du in ein Kloster eintreten.“ Ich erhob mich vom Gebet, kam nach Hause und verrichtete notwendige Dinge. So gut ich konnte, vertraute ich meiner Schwester an, was in meiner Seele geschehen war und sagte ihr, sie sollte den Eltern in meinem Namen Abschiedsgrüße überbringen – und so, in meinem einzigen Kleid, ohne alles, kam ich nach Warschau.” Faustyna fand bei einer gläubigen Frau Unterkunft. Sie erkundigte sich nach den Klöstern der Stadt. Doch überall wird sie abgewiesen, bis sie zu den Schwestern der “Mutter der Barmherzigkeit” kommt. Hier trat sie mit 20 Jahren am 1. August 1925 ein und begann ein verborgenes Leben. Bereits mit 33 Jahren starb sie. Doch Gott hat sie zu einer Botin seiner Barmherzigkeit gemacht, die Großes zum Heil der Menschen bewirkt.

Die hl. Bernadette und ihr Vater Josef

In einer der Erscheinungen in Lourdes offenbarte Maria der hl. Bernadette ein persönliches Herzensgeheimnis. Sie sagte: „Nach Jesus ist niemand auf Erden und im Himmel meinem Herzen so teuer wie der hl. Josef.“ Darum hatte die hl. Bernadette nicht nur zur Gottesmutter eine innige Beziehung sondern auch zum heiligen Josef. Als ihr Vater, Francois Soubirous, den sie sehr liebte, starb, gelangte sie zu einer noch innigeren Beziehung zum hl. Josef. Sie nannte ihn immer „mein Vater Josef“, und suchte ihn im Kloster von Nevers vor allem in der Haltung, des stillen, verborgenen Dienens nachzuahmen. Eine Mitschwester berichtete, dass Bernadette einmal eine Novene zur Gottesmutter betete. Aber sie wunderte sich darüber, das Bernadette die Novene immer vor der Statue des hl. Josef betete: „Sie müssen zerstreut sein, Schwester! Sie beten zur Gottesmutter und knien vor der Statue des hl. Josef?“ Bernadette antwortet: „O das macht gar nichts! Die Jungfrau Maria und der heilige Josef kommen aufs beste miteinander aus! Und übrigens: Im Himmel gibt es keine Eifersucht!“ Am Fest des hl. Josef 1879 bat sie den hl. Josef um eine gute Sterbestunde. Am Mittwoch (dem Tag, der dem hl. Josef geweiht ist), 16. April 1879 starb sie und wurde in der Josefskapelle in Kloster begraben.

Durch Beichte und Krankensalbung geheilt

Zum Gedenken an 150 Jahre Erscheinung Mariens in Lourdes

Vor 150 Jahren erschien Maria in der Grotte von Massabielle in Lourdes der vierzehnjährigen Bernadette Soubirous und offenbarte sich als die „Unbefleckte Empfängnis. Schon nach den ersten Erscheinungen pilgerten viele Menschen zur Grotte und dieser Pilgerstrom ist seit damals nicht abgerissen. Jährlich kommen etwa 5 Millionen Gläubige nach Lourdes. Schon nach den ersten Erscheinungen bestätigte Gott das Kommen und die Botschaft Mariens durch wunderbare Krankenheilungen. Deshalb sind auch etwa 70.000 der Pilger, die jährlich nach Lourdes kommen, Kranke, die auf Heilung und Trost hoffen. Mehr als 6500 wunderbare Heilungen sollen sich seit 1858 bisher ereignet haben. 66 dieser Heilungen sind von der Kirche nach genauester Untersuchung und Prüfung als offizielle Wunder anerkannt worden.

Das letzte anerkannte Heilungswunder geschah im Oktober 1987 am Franzosen Jean‑Pierre Bélty. Über 30 Experten (darunter Neurologen und Psychiater) haben den Fall überprüft! Die Untersuchungen erstreckten sich auf einen Zeitraum von 12 Jahren. Im Jahr 1999 wurde das Untersuchungsergebnis veröffentlich.

Die Heilungen, die Gott auf die Fürsprache Mariens immer wieder wirkt, haben ein bestimmtes Ziel. Es ist dasselbe Ziel, auf das hin Jesus seine Wunder wirkte: der Glaube; damit wir an Jesus den Sohn Gottes als unseren Erlöser und Heiland glauben.

Die Heilung von Jean‑Pierre Bélty offenbart uns auch die heilende Macht, die der Herr in die Beichte und Krankensalbung gelegt hat. Wie Jean‑Pierre Bélty berichtet, traf er im Oktober 1987 mit einer Rosenkranz‑ Wallfahrt in Lourdes ein, im Rollstuhl, da er an multipler Sklerose in fortgeschrittenem Stadium litt. Er war mit seinen 51 Jahren so behindert, daß er seinen Beruf als Krankenpfleger aufgegeben musste, er war gekommen, um Trost zu finden.

Nach seiner Ankunft empfing er bald das Sakrament der Buße und dann die Krankensalbung. Nach dem Empfang dieser Sakramente verspürte er sogleich einen unendlichen Frieden. Später, im Laufe des Tages, durchflutet ihn eine sanfte Wärme. Und in der Nacht verändert sich dann sein Leben.

Mitten im Schlaf wird er von einer inneren Stimme aufgeweckt, die ihn mehrmals auffordert: „Steh auf und geh“. Er versucht es … und tatsächlich er konnte gehen. Am nächsten Tag kehrt er völlig geheilt nach Hause zurück. Jean‑Pierre Bélty gibt den Menschen immer wieder Zeugnis von seiner Heilung.

„Meine Heilung ist keine Magie. Was vor allem mein Leben verändert hat, das ist die Heilung des Herzens, vor der des Körpers. Vorher kam ich immer wieder auf meine Fehler zurück, denn die Verzeihung, die ich bei der Beichte bekam, gab mir nicht den Frieden. Die Befreiung, die ich durch die Krankensalbung empfing, war für mich die stärkste. Ich fühlte, das dies ein Geschenk war, das ich in Freiheit annehmen oder zurückweisen konnte. Daran muss man glauben, nicht an das Wunder. Man muss auch sagen, dass es nicht Maria war, die mich heilte, sondern Gott, aber durch ihre Fürsprache.“

Sprich nur ein Wort, so wird meine Seele gesund

Vor der hl. Kommunion bitten wir den Herrn: „… sprich nur ein Wort, so wird meine Seele gesund.“ Wenn Gott zu uns spricht, uns anspricht im tiefsten unserer Seele, dann wandelt und heilt das unser Leben. „Weder Kraut noch Wunderpflaster machte sie gesund, sondern dein Wort, Herr, das alles heilt“ (Weish 16,12).

P. Raniero Cantalamessa OFM Cap., der päpstliche Hofprediger, hat in einer Fastenpredigt, die er heuer vor dem Heiligen Vater und der Kurie gehalten hat, ein beeindruckendes Beispiel eines ihm bekannten Mannes erzählt: Er war ein Alkoholiker im letzten Stadium; er hielt es nicht mehr als zwei Stunden ohne Trinken aus; die Familie war am Rand der Verzweiflung. Bekannte luden ihn zusammen mit seiner Frau zu einem Treffen über das Wort Gottes ein. Dort las jemand einen Abschnitt der Schrift vor. Ein Satz durchfuhr ihn wie eine Stichflamme und er spürte, dass er geheilt war. Im Anschluss daran öffnete er jedes Mal, wenn er die Versuchung zu trinken verspürte, eilends die Bibel an jener Stelle, und allein durch das erneute Lesen der Worte spürte er, wie die Kraft in ihn zurückkehrte, bis er jetzt ganz geheilt war. Als er sagen wollte, um welche Satz es sich handelte, gebrach ihm die Stimme aus Rührung. Es war das Wort aus dem Hohenlied: „Süßer als Wein ist deine Liebe“ (Hld 1,2). Diese einfachen Worte hatten das Wunder vollbracht.

Wollen Sie mir die Freude machen?

150 Jahre Erscheinung der Gottesmutter in Lourdes

Am 11. Februar 1858 erschien Maria zum ersten Mal dem 14-jährigen Mädchen Bernadette Soubirous. Sie zeigte sich 18 Mal in der Grotte von Massabielle und offenbarte sich schließlich als die „Unbefleckte Empfängnis“. Mit dieser Initiative hat die Gottesmutter Lourdes zu einem besonderen Gnadenort gemacht, an dem in den vergangenen 150 Jahren unzählige Menschen Stärkung im Glauben und Heilung an Seele und Leib erfahren haben. Betrachten wir einige Aspekte der Botschaft, die uns Maria hier gegeben hat.

1) Maria hat die Menschen vor allem zu Gebet und Umkehr aufgerufen. Aber es ist wichtig zu sehen: Erst in der 8. Erscheinung sprach Maria über Buße und Umkehr und rief eindringlich zum Gebet für die Sünder auf. Das war aber nicht der erste Inhalt ihrer Botschaft. Das erste, das Bernadette von Maria erfahren hat, war, dass die weiße Dame ihr zulächelte, ihr durch das Lächeln ihre Liebe und ihr Wohlwollen zeigte. 7 von 18 Erscheinungen hat Maria nur darauf verwendet, Bernadette in ein immer tieferes und liebevolleres Vertrauen hineinzuziehen, ihr alle Angst zu nehmen.

Das ist es auch, was Maria mit uns tun will. Sie will uns in ein tieferes und innigeres Gottvertrauen hineinführen. Die zarte und einladende Liebe Gottes spüren wir aus den Worten Marias an Bernadette: „Wollen Sie mir die Freude machen, vierzehn Tage lang hierher zu kommen?“ Diese Worte zeugen von einer wunderbaren Sanftheit und Feinfühligkeit. „Sie hat ‚Sie’ zu mir gesagt“, so hat es Bernadette später mitgeteilt. Nie zuvor war sie von jemandem so angesprochen worden. Das ist nicht ein Befehl wie: „Tu dies, lasse das!“ Man muss diese Worte wirklich bedenken: „Wollen Sie mir die Freude machen.“ Mit unserem Tun und Lassen Gott eine Freude machen, das soll also unser Bestreben sein. Mutter Julia Verhaeghe sagt: „Gottes einladendes Licht zwingt den Menschen nicht. Er will, dass wir ihm in Freiheit und Liebe dienen.“

2) Ein weiterer Aspekt der Botschaft von Lourdes liegt in der Einladung Marias, dass Bernadette 14 Tage lang jeden Tag zur Grotte kommen solle. Diese 14 Tage fielen damals genau in die Fastenzeit und müssen in einem größeren Zusammenhang gesehen werden. Papst Pius IX. hatte das Jahr 1858 zum Jubeljahr erklärt. Sein Aufruf wurde von Bischof der Diözese Tarbes, zu der Lourdes gehörte, in einem Hirtenbrief vom 20. Januar 1858 aufgenommen. Der Bischof lud die Pfarrer seiner Diözese ein, einen Prediger zu finden, der die Gläubigen 14 Tage lang durch Fastenpredigten unterweisen sollte. Abbe Peyramale, der Pfarrer von Lourdes, hatte noch niemanden gefunden, der in Lourdes predigen konnte, als die Mutter Gottes in der Grotte erschien. Maria hatte gleichsam diese Aufgabe übernommen, die Menschen in diesen 14 Tagen zu unterweisen und zu Gebet und Umkehr zu führen. Es kamen in diesen Tagen tausende Menschen zur Grotte.

Maria wollte uns damit sagen, was sie in Kana schon den Jüngern gesagt hat: „Was er euch sagt, das tut!“ Das heißt für uns heute: Was der Herr euch durch die Kirche sagt und lehrt, das tut!

Bericht der hl. Bernadette über die erste Erscheinung Marias

11. Februar 1858: Die 14jährige Bernadette Soubirous geht mit ihrer Schwester und einer Freundin Holz sammeln. In der Grotte von Massabielle erblickt Bernadette „eine weiß gekleidete Dame: Sie hatte ein weißes Kleid, einen blauen Gürtel und eine goldene Rose in der Farbe ihres Rosenkranzes auf jedem Fuß. Als ich das sah, rieb ich mir die Augen, weil ich dachte, mich zu täuschen. Ich steckte die Hand in meine Tasche; dort fand ich meinen Rosenkranz. Ich wollte mich bekreuzigen, konnte aber die Hand nicht zur Stirn heben: Sie zitterte und fiel mir herunter… Die Dame bekreuzigte sich. Ich versuchte, es auch zu machen, und jetzt konnte ich es. Sobald ich das Kreuzzeichen gemacht hatte, war jede Furcht verschwunden. Ich kniete mich hin und betete meinen Rosenkranz; die Dame ließ die Perlen ihres Rosenkranzes durch die Hand gleiten, bewegte dabei aber nicht die Lippen. Als ich meinen Rosenkranz beendet hatte, machte sie mir Zeichen, näherzukommen. Aber ich wagte es nicht, und so verschwand sie plötzlich“ (nach dem ersten handschriftlichen Bericht von Bernadette, 28. Mai 1861).

Missionarische Liebe, die die Herzen trifft

Beim Weltjugendtag in Köln waren indonesische Mädchen in Düsseldorf im Rotlichtviertel untergebracht. Wenn sie abends von den gottesdienstlichen Begegnungen zurückkehrten, kamen sie immer an einer Prostituierten vorbei, der sie begeistert von ihren Erlebnissen bei diesem internationalen Christentreffen erzählten. Am letzten Tag aber fingen die Mädchen plötzlich hemmungslos zu weinen an. Die Prostituierte fragte, was denn los sei und da sagten sie, sie seien so traurig, dass sie, die Prostituierte, diese Freude des christlichen Glaubens nicht erleben könne.

Wir wissen diese Geschichte nicht von den Indonesierinnen, die waren in ihre ferne Heimat zurückgekehrt, wir wissen sie von der Prostituierten, die wenig später bei einem Priester anrief und fragte, wie man Christin werden könne. Es sei das erste Mal in ihrem Leben gewesen, dass Menschen ihretwegen geweint hätten.

Quelle: Manfred Lütz, Frohe Weihnachten, Ihr Atheisten, DT vom 22.12.2007

Not lehrt beten – das Beten aber lehrt uns hoffen

„In diesen Tagen unaussprechlicher Prüfungen bat ich Maria in aller Einfachheit und mit Vertrauen: ‚Mutter, wenn du siehst, daß ich deiner Kirche nicht mehr nützlich bin, gewähre mir die Gnade, daß sich mein Leben im Gefängnis verzehrt. Aber wenn du weißt, daß ich deiner Kirche noch nützlich sein kann, gewähre mir, daß ich an einem deiner Feste aus dem Gefängnis entlassen werde.‘“ Es war das Fest der Darstellung Mariens im Tempel, am 21.11. 1988, an dem er entlassen wurde.

Der Heilige Vater hat am 30. November 2007 eine neue Enzyklika veröffentlicht, und zwar zum Thema „Hoffnung auf Heil“. Diesem Thema wird auch die Predigtreihe bei den Fastengottesdiensten in der Kapuzinerkirche gewidmet sein.

Mit dieser Enzyklika will der Heilige Vater den Menschen den Weg zu jener unzerstörbaren Hoffnung zeigen, die uns im Glauben an Jesus Christus geschenkt ist. Auch wenn die Menschen heute mit ihrer Hoffnung auf die Dinge dieser Welt glücklich zu sein scheinen, so zeigt sich doch, dass sie ohne die Hoffnung auf Gott und auf das ewige Leben letztlich in Resignation, Verzweiflung und Depression enden.
Am Beispiel und an den Aussagen einer Reihe von Heiligen und Glaubenszeugen zeigt der Heilige Vater auf, wie christliche Hoffnung geübt und gelebt werden kann. Als besondern Zeugen für die Hoffnung aus dem Gebet stellt er uns den 2002 verstorbenen Kardinal Van Thuan vor Augen, der 18 Jahre in den Gefängnissen der Kommunisten verbracht hatte.

In der Enzyklika heißt es:
„Ein erster wesentlicher Lernort der Hoffnung ist das Gebet. Wenn niemand mehr mir zuhört, hört Gott mir immer noch zu. Wenn ich zu niemand mehr reden, niemanden mehr anrufen kann – zu Gott kann ich immer reden. Wenn niemand mehr mir helfen kann – wo es sich um eine Not oder eine Erwartung handelt, die menschliches Hoffenkönnen überschreitet –: Er kann mir helfen. Wenn ich in eine letzte Einsamkeit verstoßen bin: Der Betende ist nie ganz allein.

Aus dreizehn Gefängnisjahren, davon neun in der Isolierhaft verbracht, hat uns der unvergeßliche Kardinal Nguyen Van Thuan ein kostbares kleines Buch hinterlassen: Gebete der Hoffnung. Dreizehn Jahre in Haft, in einer Situation scheinbar totaler Hoffnungslosigkeit, ist ihm das Zuhören Gottes, das Redenkönnen mit ihm zu einer wachsenden Kraft der Hoffnung geworden, die ihn nach seiner Freilassung beflügelt hat, den Menschen in aller Welt Zeuge der Hoffnung zu werden – der großen Hoffnung die auch in den Nächten der Einsamkeit nicht untergeht.“

Der hl Paulus sagt: „Die Hoffnung läßt nicht zugrunde gehen. (Röm 4,5)