Christus spricht: Ich bin die Auferstehung und das Leben

Am 5. Fastensonntag hören wir im Evangelium den Bericht über die Auferweckung des Lazarus. Im Gespräch mit Martha offenbart Jesus seine Macht:

“Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt, und jeder, der lebt und an mich glaubt, wird auf ewig nicht sterben. Glaubst du das?” Diese Frage nach dem Glauben richtet der Herr an jeden von uns. Denn in unserem Leben gibt es immer wieder eine ähnliche Situation, wie sie uns im Evangelium geschildert wird.

Marta und Maria und auch ihr Bruder Lazarus waren mit Jesus in inniger Freundschaft verbunden. Sie glaubten an ihn. Sie wussten, dass in Zeiten der Not nur Jesus wirklich helfen konnte. Darum hatten sie ihn auch rufen lassen, als Lazarus sterbenskrank war.

Nun aber wird ihr Glaube auf die Probe gestellt. Jesus tut für sie nicht das, was sie sich erwartet hätten. Er hat den kranken Lazarus nicht geheilt und nicht verhindert, dass er starb. Als Jesus nach Betanien kam, lag er schon vier Tage im Grab.

Marta und Maria waren in dieser Zeit scheinbar alleingelassen. Sie mussten ohne die Hilfe Jesu ihren Schmerz über den Verlust ihres Bruders tragen.
Wir finden in unserem Leben oft eine ähnliche Situation vor. Wir wünschen und erbitten die Hilfe Gottes, dass etwas nicht eintrifft, vor dem wir Angst haben, oder dass sich die Dinge so entwickeln, wie wir sie gerne haben möchten. Aber der Lauf der Vorsehung bringt etwas anderes und es scheint, dass wir gerade in den schwersten Stunden von Gott allein gelassen sind und uns fragen: “Wie kann er das zulassen? Warum hilft er nicht? Warum greift er nicht ein?”

Aber was sehen wir nun an Martha und Maria? In dieser Zeit der Prüfung, in der sie auf Jesus geduldig gewartet haben, ist ihr Vertrauen in Jesus gewachsen.
Gott lässt uns zuweilen warten auf seine Hilfe, damit die Sehnsucht nach ihm größer wird. Wir möchten meist nur eine rasche Erleichterung des Leidens, eine Lösung unserer Probleme haben und sind gar nicht so sehr an ihm persönlich interessiert. Oft ist es leider so: Wenn Gott den Menschen schnell geholfen hat, dann vergessen sie ihn bald wieder. Wenn der Herr uns aber warten lässt und wir im Glauben und im Gebet durchhalten, so wird die Freude an ihm umso größer sein.

Wir erfahren schon etwas von der Macht der Auferstehung seines Leibes, denn er tut für uns immer Größeres als wir erwarten. Wir können mit Martha aus ganzem Herzen sagen: “Ja, Herr, ich glaube, dass du der Messias bist, der Sohn Gottes, der in die Welt kommen soll.”

Warum gibt es das Böse in der Welt?

Warum gibt es das Böse in der Welt? Der hl. Pater Pio hat diese Fragen mit einem schönen Gleichnis beantwortet:

“Da sitzt eine Mutter und stickt. Ihr kleiner Junge sitzt auf einem Schemel zu ihren Füßen und sieht ihr bei der Arbeit zu: er sieht aber nur die Rückseite: ein Gewirr von Knoten und Fäden. Er fragt die Mutter: Mama, kannst du mir sagen, was das wird? Ich kann nicht erkennen, was es sein soll. Jetzt beugt sich die Mutter zu ihrem Kind und zeigt ihm die Oberseite des Stickrahmens. Jede Farbe hat ihren rechten Platz und die verschiedenen Fäden formen ein schönes Ganzes. Wir sehen nur die Rückseite der Handarbeit. Wir sitzen auf einem niedrigen Schemel.”

Wenn wir das Leiden Christi und seine Auferstehung betrachten, dürfen wir schon etwas von diesem Webmuster Gottes erkennen.

Beichten ohne falsche Scham

P. Bernhard Vosicky von den Zisterziensern in Heiligenkreuz bei Wien, ein gesuchter Beichtvater, berichtete: “Vor Jahren war ich in Annaberg, einem nationalen Heiligtum in Schlesien. Dorthin kommen im Juli viele Leute beichten: Junge, Alte, Polizisten, Soldaten, Priester stehen vor den Beichtstühlen Schlange. Einer der dortigen Franziskaner zeigt dann auf diese Leute und sagt: In Polen sündigt man noch, also gehen die Leute beichten. Bei euch sündigt man offenbar nicht mehr.”

Da liegt leider das Problem: Die Leute bei uns sündigen zwar auch, gehen aber nicht zur Beichte, weil sie die Sünde nicht erkennen oder einsehen wollen. Man hat sich daran gewöhnt, die Sünde als Kavaliersdelikt anzusehen oder sie einfach zu verdrängen. Ein schlechtes Gewissen haben viele zwar noch, aber dann verdrängen sie es auch wieder leicht. Und je mehr man abstumpft, umso schwieriger wird es. Viele sagen, sie wüssten gar nicht, was sie zu beichten hätten, und wenn ihnen etwas bewusst wäre, dann schämen sie sich, es zu beichten.

Ein Pfarrer sah einmal den Teufel vor der Kirchtür stehen und fragte ihn, was er hier mache. Er sagte: “Als die Leute sündigten, habe ich ihnen das Schamgefühl weggenommen. Jetzt gebe ich es ihnen wieder zurück.” Man muss diese List durchschauen und mutig und ohne falsche Scham zur Beichte gehen. Jesus wartet mit seiner barmherzigen Liebe auf uns.

Der sel. Martín Martínez Pascual – Ich will nichts weiter als euch den Segen geben

Das Foto des sel. Martín Martínez Pascual, das unmittelbar vor seiner Hinrichtung gemacht wurde, erinnert uns an den hl. Stephanus, von dem es heißt: “Er aber, erfüllt vom Heiligen Geist, blickte zum Himmel empor, sah die Herrlichkeit Gottes und Jesus zur Rechten Gottes stehen und rief: Ich sehe den Himmel offen und den Menschensohn zur Rechten Gottes stehen.” (Apg. 7, 55f) Mit entschlossenem und frohen Blick konnte er dem Tod ins Auge sehen, weil er durch den Tod hindurch schon den auferstandenen Herrn sah.

In den Jahren 1936 bis 1939 wütete in Spanien ein Bürgerkrieg, der von Seiten der linken Republikaner zu einer schweren Verfolgung der katholischen Kirche geführt hat. Tausende Christen wurden von den republikanischen Milizen oft auf grausamste Weise um des Glaubens willen umgebracht, vor allem auch viele Ordensleute, Seminaristen, Priester und Bischöfe. Papst Benedikt XVI. hat 498 dieser Märtyrer im Jahr 2007 seliggesprochen.

Einer von diesen Märtyrern ist der selige Martín Martínez Pascual. Er wurde 1910 geboren, 1935 zum Priester geweiht und übernahm dann eine Aufgabe in der Priesterausbildung. Im Sommer 1936 verbrachte er einige Ferientage im Heimatdorf, als dort im Zuge des spanischen Bürgerkriegs republikanische Milizen auftauchten. Zuerst versteckte er sich. Am 26. Juli feierte er seine letzte hl. Messe und trug danach den Leib des Herrn bei sich. Durch öffentlichen Aushang wurden dann die Priester aufgefordert, sich dem örtlichen Komitee zu stellen, ansonsten drohte man ihren Angehörigen schreckliche Konsequenzen an. Am Morgen des 18. August stellte er sich. Mit anderen wurde er eingesperrt. Ihnen konnte er die hl. Kommunion reichen. Ein befreundeter Milizionär wollte ihm zur Flucht verhelfen. Er lehnte ab, weil er mit seinen Brüdern als Märtyrer sterben wollte. Am Abend des Tages, gegen 18.00 Uhr, wurde er mit sieben anderen Priestern von bewaffneten Milizionären durch das Dorf getrieben, vorbei an brennenden sakralen Gegenständen und Devotionalien. Schließlich wurden sie zu weiteren Leidensgenossen auf einen LKW verfrachtet. Sie wurden aus dem Dorf gebracht und erschossen. Es heißt: Der selige Martín wurde nach seinem letzten Wunsch gefragt. Er habe gesagt: “Ich will nichts weiter als euch den Segen geben, damit Gott euch die Dummheit, die ihr begehen werdet, nicht anrechnet.” Und nach dem Segen: “Jetzt laßt mich noch einmal mit aller Kraft rufen: Viva Christo Rey – Es lebe Christus, der König”! Zu den republikanischen Milizen gehörte ein Fotograf. Er habe das Foto des Seligen nur Augenblicke vor seiner Ermordung gemacht.

Der christliche Ursprung des Krankenhauses

Jesus hat gesagt: “Was ihr dem geringsten meiner Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.” Dieses Wort des Herrn haben die Jünger Christi und die Kirche von Anfang an als einen Auftrag verstanden, sich der Armen, Kranken und Schwachen in tätiger Nächstenliebe anzunehmen. Das wird uns schon in der Apostelgeschichte berichtet.

Es hat zwar bei manchen heidnischen Heiligtümern eine Art von Hospiz gegeben, wo mittellose Pilger übernachten konnten und gespeist wurden, aber in der vorchristlichen Zeit hat es keine dem Krankenhaus vergleichbare Institution gegeben.

Das ist umso mehr erstaunlich, wenn man das Niveau berücksichtigt, das von den öffentlichen Diensten in den Städten und Metropolen der Antike erreicht worden war. Weder in Sparta oder Athen noch in Alexandria oder Rom hat es Spitäler gegeben. Das, was wir heute an sozialen Einrichtungen haben, wie Krankenhäuser, Altersheime usw., das sind alles “christliche Erfindungen”. Die Liebe macht eben erfinderisch, heißt es.

Die erste Krankenanstalt überhaupt mit vollständigem Betreuungs- und Behandlungsangebot hat der hl. Basilius der Große um das Jahr 372 gegründet. Er war Bischof von Caesarea (das heutige Kayseiri) in Kappadokien in der Türkei. Der damalige Kaiser Valens hat ihm ein Grundstück zur Verfügung gestellt und so hat der hl. Basilius hauptsächlich mit seinem eigenen Vermögen diese erste Anlage, die Basileias genannt wurde, errichtet. Sie wurde zum Vorbild für viele weitere kirchliche und staatliche Einrichtungen.

Die Basileias war wie eine zweite Stadt, selbstversorgend und autonom, und verfügte über sämtliche Stufen der Spitalsbetreuung: Prävention, Behandlung und Fürsorge nach dem damaligen Stand der Medizin. Es gab ein Waisenhaus, eine Herberge für Fremde, einen Hort für Neugeborene und Kinder, Gebäude für alte Menschen, für Leprakranke und andere ansteckende Krankheiten, eine Schule, wo Menschen mit einem körperlichen Gebrechen einen Beruf lernen konnten, und ein Spital für die Betreuung von Kranken, Lahmen und Armen.

Dies sollten wir mit bedenken, wenn wir heute ganz selbstverständlich Spitäler usw. in Anspruch nehmen. Alles ist ursprünglich aus der Liebe zu Christus gewachsen.

Quelle: vgl.: Medizin & Ideologie 3+4/2010

Wonach richten wir unsere Uhr?

Eine Begebenheit, die sich in einer Stadt in England zugetragen haben soll, ist eine treffendes Gleichnis für unsere gesellschaftliche Situation.

Ein Mann ging täglich zur Arbeit und hielt jedes Mal vor dem Uhrengeschäft an, um seine Uhr zu stellen. Der Uhrmacher fragte ihn: “Sie stellen jeden Tag Ihre Uhr an meiner Uhr? Was arbeiten Sie?” Er sagte: “Es ist mir peinlich, es Ihnen zu sagen. Ich bin der Zeitmesser in einer Fabrik und unsere Uhren gehen nicht richtig. Ich stelle meine Uhr immer an Ihrer Uhr, denn ich muss um 16 Uhr die Glocke zum Ende der Schicht läuten.” Der Uhrmacher lachte und sagte: “Sie werden es nicht glauben. Meine Uhr geht auch nicht richtig. Ich stelle meine Uhr immer nach der Glocke, die ich nachmittags um 16 Uhr höre.”

Das ist die heutige Situation: Die Medien orientieren sich danach, was bei den Leuten ankommt und sich verkaufen lässt, die Menschen orientieren sich an dem, was die Medien ihnen vorgeben. Genauso kann man auch die vorherrschende Politik, die die Wirtschaft, die Wissenschaft und Kunst sehen, in denen immer mehr daneben geht, die Orientierungslosigkeit wird immer größer.

Als Christus einmal die Menschen sah, die zusammengekommen waren, um ihn zu hören, und von ihm Orientierung erwarteten, hatte er Mitleid mit ihnen, weil sie wie Schafe ohne Hirten waren (vgl. Mk 6, 34).

Inmitten der Strömungen ihrer Zeit wussten sie nicht, woran sie sich halten sollten. Wieviel Mitleid muss Jesus auch mit unserer Zeit empfinden – wegen all des großen Geredes, in dem sich doch eine große Orientierungslosigkeit verbirgt. Aber woran sollen wir uns halten?

Jesus sagt von sich: “Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben.” “Wer mir nachfolgt, wird nicht in der Finsternis umhergehen, sondern wird das Licht des Lebens haben.” Das sind keine leeren Worte und Versprechungen. Jesus Christus ist die Sonne der Wahrheit. Wer sich an ihn und seine Lehre hält, bei dem laufen die Uhren richtig.

Der hl. Josef hilft uns, Gottes Pläne zu lesen

Der Monat März ist dem hl. Josef geweiht. Er ist der Patron der Kirche. Wie er damals mit Weisheit und Tatkraft dem Heilsplan Gottes gedient und für Jesus und Maria gesorgt hat, so ist er jetzt für alle ein Fürsprecher und Helfer in der Not. Ein schönes Zeugnis über die Hilfe des hl. Josef hat ein Mann aus Slowenien gegeben, der 1975 bei seiner Arbeit in Bayern Folgendes erlebt hat. Er schreibt:

Eigentlich hatte ich keine besondere Beziehung zum hl. Josef. Vielleicht deshalb, weil ich nichts Näheres über ihn wusste und es so still um ihn herum war. Bis ich einmal ganz zufällig das Buch “Sankt Josef auch dein Helfer” zu lesen bekam, das mich sehr begeisterte.

Zu dieser Zeit befand ich mich in einer verzweifelten Situation. Ich wurde dienstlich an eine andere Stelle beordert, um dort verschiedene Aufträge zu erledigen. Als ich dort ankam, stellte es sich heraus, dass ich dazu fachlich überfordert war. Kurz gesagt: Ich kam mit den technischen Plänen nicht zurecht. Ein Kollege, der mir wohl hätte helfen können, wandte sich ab und verschwand. Da stand ich nun allein vor den Plänen: unerfahren und blamiert. Aber nicht lange. Ich dachte kurz an den heiligen Josef und sagte mir: jetzt oder nie! Also flehte ich: “Gütiger heiliger Josef, hilf Du mir jetzt in dieser Hoffnungslosigkeit. Ich kann den Plan nicht einmal lesen, geschweige denn nach ihm arbeiten. Hilf Du mir, wenn mir sonst niemand hilft. Ich muss es doch schaffen!”

Und da geschah das Wunder!

Wirklich: ein wahres Wunder! Denn nach meinen ununterbrochenen Stoßgebeten “heiliger Josef hilf mir” begann in meinem Verstand allmählich ein Licht zu dämmern. Ohne fremde Hilfe gelang es mir nach und nach, die elektrischen Pläne, die ich zum ersten Mal sah, zu entziffern und zu verstehen. Mit jedem Tag ging es besser. Ich fragte mal da und dort jemanden und siehe: Ich konnte nun selbständig, zuverlässig und ohne Fehler arbeiten. Als die anderen hochmütigen Kollegen dann meine Arbeit nachprüften, klopften sie mir auf die Schulter und lobten die gute Ausführung.

Erst jetzt machte sich die einwöchige nervliche Überlastung bemerkbar. Ich schloss mich in einen Raum ein und weinte Tränen der Entspannung und Dankbarkeit.

Der heilige Josef war mein Werkmeister und hat mir geholfen einen Auftrag zu erledigen, bei dem ich aus eigener Kraft vollkommen versagt hätte. Du gütiger Schutzpatron, wie könnte ich das jemals vergessen? Dank Dir, tausend Dank.

Genau das ist oft auch unsere Situation. Wir stehen vor unlösbar scheinenden Schwierigkeiten. Wir verstehen die Pläne Gottes nicht. Wie soll das alles gehen? Der hl. Josef stand auch vor den Plänen Gottes, die für ihn undurchschaubar waren. Aber er hat einfach im Glauben zu tun begonnen, was ihm aufgetragen war. Darum kann er auch uns so wunderbar helfen, die Pläne Gottes zu lesen und auszuführen.

Der hl. Josef – Patron der Sterbenden

Der hl. Josef ist auch der Patron der Sterbenden, denn der Überlieferung nach ist er noch vor dem öffentlichen Auftreten Jesu gestorben. Er starb also im Kreis seiner Familie, das heißt in der Gegenwart von Jesus und Maria. Darum wird er auch allen, die sich an ihn wenden, diese Gnade einer guten Sterbestunde mit dem Trost Mariens und Jesu erbitten.

Der Kapuziner Pater Siegward, ein bekannter Bauernseelsorger in der Schweiz, berichtet aus seiner reichen Erfahrung:

Am 26. Juli 1972 wurde er zu einem alten Mann gerufen, der im Sterben lag und schon bewusstlos war. Seine erwachsenen Kinder hatten einen Brief gefunden, auf dem stand: “Ich wünsche vor dem Sterben den Kapuziner bei mir”. Seine Kinder und andere Verwandte waren im Krankenzimmer. Er erzählt weiter:

“Ich begrüße den Bewusstlosen. Sofort öffnet er die Augen, schaut alle groß und freundlich an, faltet seine Hände und sagt laut: ‘Gottlob, dass Sie da sind; der hl. Josef, der Patron der Sterbenden hat mich erhört. In meinem langen Leben habe ich immer den hl. Josef fest verehrt und ihn um eine gute Sterbestunde angefleht. Jetzt sterbe ich gern . . . ‘ Ich verrichte meinen priesterlichen Dienst, ich darf ihm den Trost unseres Glaubens schenken. Laut betet er die Geheimnisse des schmerzenreichen und glorreichen Rosenkranzes mit. Seine erwachsenen Kinder knien eines nach dem anderen ans Sterbebett. Der Vater zeichnet jedem das Kreuz auf die Stirn ‘Im Namen des Vaters . . . ‘ und gibt ihm noch dankend ein gutes Wort mit ins Leben. Wie ich das Zimmer verlasse, schwindet ihm das Bewusstsein wieder. Einige Stunden darauf schläft er für immer ruhig ein.”

Ihr seid das Licht der Welt!

Im Evangelium des 5. Sonntags im Lesejahr A weist uns Jesus in der Bergpredigt auf die hohe Berufung unseres Christseins hin: “Ihr seid das Licht der Welt. … Euer Licht soll vor den Menschen leuchten, damit sie eure guten Taten sehen und euren Vater im Himmel preisen.” (Mt 5,14) Das ist ein hoher Auftrag, den uns Jesus hier übergibt. Es geht um unser Zeugnis für Christus.

Wir müssen uns bewusst sein, dass wir als sogenannte praktizierende Christen, d.h. als Christen, die jeden Sonntag zur hl. Messe gehen, sehr genau beobachtet werden, vor allem von jenen, die darin lau sind oder die den Glauben beiseite geschoben haben. Man hört oft von diesen Leuten das Argument, dass sie selber bessere Christen seien als diese “Pharisäer”, die ständig in die Kirche laufen und dann dies und jenes Schlimme tun. Sie scheinen genau zu wissen, was christlich ist und was nicht. Aber sie sagen dies nur, um sich zur rechtfertigen für das, was sie selber nicht tun.

Ob wir es wollen oder nicht, wir als Christen werden von der Welt immer genau beobachtet, denn wir sind das Licht der Welt, nicht weil wir so gut sind, sondern weil Jesus Christus die Wahrheit ist. Darum müssen wir darauf achten, dass unser Zeugnis für den Glauben auch wahr und echt ist. Unter welchen Bedingungen ist unser christliches Zeugnis authentisch?

1. Alles zur Ehre Gottes:
Wenn Jesus sagt, dass die Menschen unsere guten Taten sehen sollen, dann geht es nicht um eine pharisäische Zur-Schau-Stellung. Der entscheidende Unterschied zwischen einem Pharisäer und einem Jünger Christi liegt darin, dass ein Pharisäer seine guten Taten zeigt, damit er selber von den Menschen geehrt und anerkannt wird, der Jünger Christi aber tut alles, damit sein Vater im Himmel gelobt und gepriesen werde. Der beste Prüfstein dafür, ob es uns um die Ehre Gottes geht oder um die eigene Ehre, ist die Verfolgung oder der Undank. Wenn wir bereit sind, um des Glaubens willen auch Nachteile auf uns zu nehmen, dann wird dieses Licht zur Ehre Gottes umso heller leuchten und denen Halt und Orientierung geben, die ehrlich suchen.

2. Ein verborgenes Leben führen: Eine zweite Bedingung für das wahre Zeugnis ist das verborgene Leben. Wir müssen nur einige Verse in der Bergpredigt weiterlesen. Hier sagt Jesus genau das Gegenteil von dem, was wir uns vielleicht unter dem “Zeig¬en der guten Taten” vorstellen könnten: Wenn du Almosen gibst, … wenn du betest, … wenn du fastest … zeige es nicht vor den Menschen, sondern vor deinem Vater im Himmel, der das Verborgene sieht (vgl. Mt 6,2-18). Wir sollen uns einerseits durch unser Tun als Christen bekennen und doch unsere christlichen Werke und Selbstverleugnungen verbergen. Je mehr wir nach Innerlichkeit streben, umso natürlicher wird auch das Bekenntnis sein, das wir ablegen.

3. Gehorsam gegen Christus und die Kirche: Unser Licht wird vor dem Menschen leuchten, wenn wir einfach im Gehorsam das zu tun suchen, was das Evangelium und die Kirche uns auftragen. Ein solches Bekenntnis wird nicht verborgen bleiben und es bewahrt uns davor, ein religiöses Theater daraus zu machen. Dazu ein Beispiel:

Ein junger Mann hat einmal erzählt, dass er am ersten Sonntag beim Militär ein Christ geworden sei. Er war in einer gläubigen Familie aufgewachsen, in der die sonntägliche hl. Messe dazugehörte. Als er zum Militär kam, wurde ihnen gesagt, dass für die Rekruten die Möglichkeit zur Sonntagsmesse bestehe. Er hatte einen inneren Kampf, weil er merkte, dass er wahrscheinlich der einzige in seiner Gruppe sein würde, der zur hl. Messe ging, und dass er mit dem Spott seiner Kameraden rechnen musste. Er hatte sich dann doch entschlossen zu gehen. Er war der einzige, der an diesem Sonntag die hl. Messe besuchte. Er hatte dafür auch manches einzustecken. Aber diese Tat hat seinen Glauben gestärkt und sie ist auch zum Licht für andere geworden. Denn an den weiteren Sonntagen schlossen sich auch andere an.

Die Strahlkraft und das Bekenntnis der ganz gewöhnlichen Art eines Christenlebens ist sehr groß. Unsere Worte und unsere Taten werden auf die Dauer gesehen zeigen, wo unser Schatz und unser Herz ist.

Die heilende Güte des hl. Franz von Sales

Am 24. Jän. feiert die Kirche das Fest des hl. Franz von Sales, der Anfang des 18. Jhs. Bischof von Genf war. Ein Beispiel für seine Güte ist die folgende Begebenheit:

Mitten in der Nacht kam einmal ein Diener des Bischofs stockbetrunken nach Hause. Franz von Sales wurde vom Gepolter geweckt, das dieser beim Versuch, die Treppe zu seiner Kammer hinaufzusteigen, verursachte. Der Bischof half ihm daraufhin, möglichst schnell ins Bett zu kommen. Am nächsten Tag wartete der Diener auf eine ordentliche Schelte des Bischofs und die bei solchen Fällen übliche Entlassung. Franz von Sales aber kommentierte den nächtlichen Vorfall nur mit den Worten: “Gestern sind Sie aber sehr krank gewesen.” Der Diener rührte daraufhin keinen Alkohol mehr an.