Am 24. Mai begeht die Kirche den „Gebetstag für die Kirche in China“, der von Papst Benedikt XVI. eingeführt wurde. Dieser Tag ist dem liturgischen Gedenken an die Muttergottes, Hilfe der Christen, gewidmet, die im Marienheiligtum von Sheshan in Shanghai auch als ‚Unsere liebe Frau von China‘ verehrt wird. Der Titel ‚Unsere Liebe Frau von China‘ geht aber auf die Erscheinungen der Gottesmutter im Dorf Donglu zurück, das 150 km südlich von Peking liegt. Es war die Zeit des sogenannten Boxeraufstands. Das Ziel der Boxer war es, das Christentum in China auszulöschen. Sie töteten Tausende von Missionaren und Konvertiten auf grausame Weise.
Der Missionar Jean Charbonnier berichtet, dass im Juni 1900 die Boxer mit etwa 40000 Soldaten das Dorf Donglu angriffen. Die rund 700 Christen sowie über 9000 Flüchtlinge hatten gegen diese Übermacht kaum eine Chance. Aber die Boxer wurden zurückgeschlagen und flohen. Sie ließen Kanonen und Gewehre auf dem Boden zurück. Sie berichteten, dass das, was ihnen am meisten Angst gemacht hatte, eine Frau in Weiß war mit einem feurigen Reiter, die über dem Ort erschienen. Ein sicheres Zeichen, so dachten sie, dass niemand, der das Dorf betrat, lebend wieder herauskommen würde. Viele der Boxer, die diese Erscheinung gesehen hatten, wurden später Christen und ließen sich taufen.
Es war das Erscheinen der Muttergottes, die die gläubige Gemeinde vor ihren Feinden bewahrte. Die Jungfrau Maria erschien in Weiß, und ein feuriger Reiter (vermutlich der heilige Michael) verjagte die Soldaten. So begannen sie mit der Verehrung der Muttergottes in der großen Kirche des Dorfes. Der Pfarrer von Donglu, Pater Wu, gab ein Gemälde mit Maria und dem Christuskind in goldenen kaiserlichen Gewändern in Auftrag. Dieses Gemälde wurde zum Bildnis der Muttergottes, der Königin von China. Doch wie wir wissen, akzeptiert der Feind eine Niederlage nicht so leicht. In den folgenden Jahren, und besonders während der Kulturrevolution, wurde der Schrein, der in Donglu zur Erinnerung an das Wunder errichtet worden war, dem Erdboden gleichgemacht. Pilgerfahrten waren verboten. Auch heute noch richten die Behörden jeden Mai häufig Kontrollpunkte rund um das Dorf Donglu ein. Polizei, Absperrungen, Verbote – alles, um die Gläubigen davon abzuhalten, dorthin zu gehen und zu beten. Aber die Untergrundkirche in China ist stark. Man schätzt, dass es etwa 100 Millionen verborgene Christen gibt.