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Sie ließen alles zurück und folgten ihm

Der heilige Lukas berichtet uns im Evangelium, das wir am 5. Sonntag im Jahreskreis (C) hören, über die Berufung der ersten Jünger. Auf das Wort Jesu hin wirft Petrus die Netze aus und macht einen wunderbaren Fischfang. Petrus erkennt seine eigenen Sünden, aber der Herr beruft ihn dazu, Menschenfischer zu werden. Petrus, Jakobus und Johannes verlassen alles und folgen Jesus nach. Das ist bis heute nicht anders. Ein Priester und Missionar schildert eindrucksvoll den Weg seiner Berufung:

»Eine Berufung zum Priester ist kein Verdienst, sondern Geschenk. Es ist der Herr selbst, der ruft. Ich hatte keine gläubigen Eltern, meine Eltern waren aus der Kirche ausgetreten. Meine Kindheit verlebte ich in den Wirren der Kriegs- und Nachkriegszeit. Als ich siebzehn war und die Handelsschule besuchte, lernte ich einen Missionar kennen. Für mich wurde dieser Missionar eine Brücke zu Gott.

Ich begann mich für Kirche und Mission zu interessieren. Ich hatte viel nachzuholen. Ich war ja weder mit Kreuz, Weihwasser oder Tischgebeten aufgewachsen. Ich stellte mir selbst den Wecker, um morgens in die Messe gehen zu können. Ich las Heiligenlegenden und andere religiöse Bücher. “Seht den kleinen Pfarrer”, hänselten mich meine Geschwister. Meine Mutter meinte: “Du wirst auch noch hinter den Schwindel der Kirche kommen”. Mich beeindruckte das wenig. “Ich werde Missionar”, sagte ich eines Tages.

Das größte Problem war meine mangelnde Schulbildung. Wer Priester werden will, muss das Abitur haben, Latein und Griechisch können. Zusammen mit einem anderen Studenten erhielt ich Nachhilfestunden bei einem älteren Pfarrer. Als ich dann meine Koffer packte, fragte sich meine Mutter, was sie nur an meiner Erziehung falsch gemacht hatte. In langen Gesprächen versuchte sie, mich von diesem “Irrweg” abzubringen. Ich könnte doch Arzt werden, Rechtsanwalt oder Architekt. Wie konnte ihr Jüngster nur auf so eine Idee kommen? Bis zur Stunde des Abschieds vom Elternhaus war ich immer noch der abenteuerliche Junge, den ein mehrjähriges Landschullager geprägt hatte. Missionar sein hatte in meinen Augen mit einem harten, entbehrungsreichen Leben zu tun. Ich sah mich auf dem Rücken eines Pferdes auf steilen Berghängen in Lateinamerika, sah mich mit dem Buschmesser einen Pfad durch den Urwald schlagen, oder als Seelsorger unter glühender Sonne im Sudan. Die vielen Bilder vor meinen Augen von damals lassen sich kaum wiedergeben.

Ich wurde wirklich Missionar, und ich bin es gern. Ich durfte den Alltag in Afrika, Peru und Brasilien kennenlernen. Meine Vorstellungen vom Leben in den Ortskirchen der Welt haben sich gewandelt. Ich durfte erleben, dass sich in meiner Mutter vor ihrem Tod eine Wandlung vollzog. Gott ist immer anwesend. Er bietet an. Er geht uns nach. Er zwingt niemanden. Aber wir sollten auf seinen Ruf hören.«