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Einmal von Jesus erzählen

In der Sowjetunion genügte in den frühen I950er Jahren ein kleiner Vorwand, um jemanden zu verhaften. Wer eine Entscheidung Stalins infrage stellte oder sich kritisch über das kommunistische Regime äußerte, fand sich in einem sowjetischen Arbeitslager in der eisigen Tundra wieder. So erging es auch Dr. Boris Kornfeld. Welches „Verbrechen“ er begangen haben soll, ist nicht überliefert. Sein Leben ist nur bruchstückhaft bekannt: Er war Jude, Arzt von Beruf. Im Arbeitslager hatte er sich mit einem Christen angefreundet. Da sie reichlich Zeit hatten, führten die beiden Männer lange, intensive Gespräche. Irgendwann begann Dr. Kornfeld zu erkennen, dass es Parallelen gab zwischen dem versprochenen Messias des alten Bundes und Jesus Christus, von dem das Neue Testament sprach. An Jesus zu glauben widersprach seiner Erziehung, aber am Ende entschied er sich doch dafür.

Er beobachtete, wie eine Wache einem Sterbenden Brot stahl. Vor seiner Entscheidung für Jesus hätte Dr. Kornfeld das Vergehen nicht gemeldet. Nun zwang ihn sein Gewissen, es zu tun. Damit war es nur eine Frage der Zeit, dass die Wachen sich tödlich an ihm rächen würden. Aber trotz der Gefahr spürte Dr. Kornfeld inneren Frieden. Zum ersten Mal in seinem Leben hatte er weder Angst vor dem Tod noch vor der Ewigkeit. Er hatte nur noch einen Wunsch: vor seinem Tod jemandem von seiner Entdeckung zu berichten. Die Gelegenheit dazu bekam er durch einen Krebspatienten und Mitgefangenen, der sich gerade von einer Bauchoperation erholte und von Dr. Kornfeld betreut wurde. Als dieser mit ihm im Aufwachraum allein war, erzählte Kornfeld ihm hastig flüsternd seine Geschichte. Nichts ließ er aus. Der junge Mann war tief bewegt, aber von der Narkose noch so schwach, dass er schließlich einschlief. Als er wieder aufwachte, bat er darum, mit dem jungen Arzt sprechen zu dürfen. Doch es war zu spät. In der Nacht hatte jemand Dr. Kornfeld mit einem Vorschlaghammer getötet.

In der Stille des Krankenzimmers hatte der Arzt am Bett seines Patienten gesessen und ihm Frieden und Mitgefühl geschenkt. Dr. Kornfeld hatte ihm leidenschaftlich und voller Überzeugung von seiner Entscheidung für Jesus Christus erzählt. Später schrieb dieser junge Patient, dass er in der Stimme des Arztes ein „mystisches Wissen“ vernommen habe. Dieses „mystische Wissen“ veränderte ihn. Er nahm Dr. Kornfelds Glauben an Christus auch für sich an und verlieh seiner Freude später in einem Gedicht Ausdruck: „Gott des Universums! Ich kann wieder glauben!“

Der Patient überlebte das Arbeitslager und begann, über seine Erfahrungen zu schreiben und das Grauen des Gulags zu enthüllen. Er verfasste eine Schrift nach der anderen:  „Der Archipel Gulag“, „Nicht nach der Lüge leben“… Dieser Patient, der von Dr. Kornfeld den Glauben empfangen hatte, war niemand anderer als der große Schriftsteller Alexander Solschenizyn.