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Mach es doch wie ich und sag: Siehe, ich bin die Magd des Herrn!

Der Priester und Komponist Herman Kronsteiner hat in seinem sehr lesenswerten Buch: „Eine Mutter und ihre 11 Kinder“ über des Leben seiner Mutter berichtet. Er schreibt:

Einmal sagte ich in meiner Vorwitzigkeit zur Mutter, “dass wir so viele Kinder seien”. Der Gedanke kam mir vielleicht, weil der Hunger uns wieder einmal sehr zusetzte. Da gestand mir die Mutter folgendes: “Freilich war es schwer – besonders einmal. Es waren schon neun Kinder da, da merkte ich, dass ein zehntes im Kommen sei. Eine unserer Nachbarinnen sagte zu mir: Frau Kronsteiner, schon wieder – aber da gibt’s doch etwas dagegen – ich helfe ihnen schon … Zuerst war ich empört – dann aber überfiel mich die Versuchung, es vielleicht doch machen zu lassen. Ich war zutiefst erschrocken, dass ich so etwas überhaupt dachte. Aber je mehr Zeit verging, desto mehr setzte mir der Gedanke zu und ich hörte immer wieder die Stimme der Nachbarin: Ihr könnt ja eure neun Kinder kaum ernähren und noch eines – das muss verhungern, muss verhungern, verhungern.

Ich wusste nicht mehr aus noch ein – ich wagte weder den Vater noch den Herrn Pfarrer zu fragen – bis dahin hatte ich gar nicht gewusst, dass es so schwere Versuchungen geben könne.

Als es ganz arg wurde und ich mir nicht mehr zu helfen wusste, ließ ich alles liegen und stehen und lief – ich war gerade beim Kochen am Herd – hinüber in die Kirche, kniete mich zum Muttergottesaltar, schaute weinend zu ihr hinauf mit dem stillen Gebet: Mutter Gottes, was soll ich denn tun, hilf mir doch! und da war mir, als schaute sie mich an und sagte: ,Mach es doch wie ich und sag’ einfach: Siehe, ich bin die Magd des Herrn!’. Und sogleich war alles klar und gut und ich eilte wieder zurück zum Herd, niemand hatte mich gesehen. Und dann kamst du, Hermann, als zehntes Kind und wie haben wir uns alle gefreut – und es war der 25. März, als du kamst, ein Marientag, Maria Verkündigung, wo es im Evangelium doch auch heißt: ,Siehe ich bin die Magd des Herrn’.”