Fürst des Friedens: Die Auferstehung

Akiane Kramerik wurde 1994 in Illinois USA geboren. Ihre Mutter und ihr Vater waren atheistisch eingestellt. Gott und Glaube war in ihrer Familie kein Thema. Aber Akiane begann schon mit drei Jahren über Gott und die Welt des Himmels zu reden, die sie in Visionen und Träumen sah. Mit vier Jahren begann sie das, was sie innerlich sah, zu zeichnen, mit fünf Jahren begann sie mit Farben zu malen und entfaltete dabei ihr ganz außergewöhnliches Talent. Mit sieben Jahren begann sie Gedichte zu schreiben. Als sie acht Jahre alt war, malte sie dieses später berühmt gewordene Portrait von Jesus, so wie sie ihn in ihren Visionen immer gesehen hatte. Sie hatte 40 Stunden intensiv an diesem Bild gearbeitet. Akiane gab ihm den Namen “Prince of Peace: The Resurrection”. Viele Menschen, die in einer Nahtoderfahrung oder in Träumen selber Jesus gesehen hatten, haben gerade in diesem Bild Jesus wieder erkannt. Ein Buddhist fragte einmal die 10jährige Akiane: “Warum hast du dich für das Christentum entschieden und nicht für eine andere Religion?” “Ich habe mich nicht für das Christentum entschieden, sondern für Jesus. … Ich weiß nicht viel über die Religionen, aber ich weiß dies: Die Liebe ist unser Ziel.”

Berufung – Komm und folge mir nach!

Jesus hat damals die ersten Apostel persönlich angesprochen und zu ihnen gesagt: “Komm und folge mir nach!” Und weil sie auf das Wort Gottes hörten, hat es reiche Frucht gebracht. Das geschieht bis heute so. Der Theologe Hans Urs von Balthasar (1905-1988) berichtet in einem kurzen Aufsatz mit dem Titel “Warum ich Priester wurde” von seiner Berufungsstunde. Er schreibt:

“Noch heute, nach dreißig Jahren, könnte ich auf dem verlorenen Waldweg im Schwarzwald, unweit von Basel, den Baum wiederfinden, unter dem ich wie vom Blitz getroffen wurde. Ich war damals Student der Germanistik und folgte einem Exerzitienkurs für Studenten. Was da blitzartig vor meinen Geist trat, war einzig und allein dies: Du hast nichts zu wählen, du bist gerufen; du wirst nicht dienen, man wird sich deiner bedienen; du hast keine Pläne zu machen, du bist nur ein kleines Steinchen in einem Mosaik, das längst bereitsteht! Ich brauchte nur ‘alles zu verlassen und nachzufolgen’, ohne Pläne zu machen, ohne Wünsche und (besondere) Einsichten; ich brauchte nur dazuzustehen und zu warten und zuzusehen, wozu man mich brauchen würde. Und so geschah es.”

 

Kein Opfer meinerseits kann die Liebe Christi aufwiegen

Die kroatische Schauspielerin Edita Majic (Jg. 1970) machte in den 90er Jahren eine sehr erfolgreiche Karriere und erregte mit ihrem Talent und ihrer Schönheit große Aufmerksamkeit. Doch 2004 verließ sie die Theater- und Filmwelt und führte seitdem ihr Leben als Karmelitin im Kloster St. Joseph in der spanischen Stadt Avila, dem ersten Kloster, das die hl. Teresa von Avila 1562 gegründet hatte und das noch nach der ursprünglichen Regel geführt wird: sie haben keine Heizung in ihren Räumen, kein warmes Wasser, und sie schlafen in Zellen auf Strohbetten und fasten und beten die meiste Zeit des Jahres.

Viele Menschen konnten ihren Weg nicht verstehen, aber für sie war es der Weg, den Gott sie geführt hat. Sie berichtet: Sie wurde zwar getauft, führte aber während ihrer Jugend kein christliches Leben und reduzierte ihren Glauben auf die Pflege von Familientraditionen. “Als Kind und Teenager mochte ich die Kirche und den Gottesdienst überhaupt nicht und habe die Firmung erst nach meiner Bekehrung empfangen”.

Trotz ihrer zunehmenden künstlerischen Erfolge verspürte Edita in ihrem Leben einen Zustand innerer Leere. Sie war umgeben von Bewunderern und Freunden, aber sie spürte, dass viele Menschen sich nicht so sehr für sie selbst interessieren, sondern für ihre Position und Popularität und dass sie die Freundschaft mit ihr für ihre eigene Karriere nutzten.

In ihrer Heimatstadt Split ging sie mit ihrer Mutter regelmäßig in die Kirche. Edita erinnert sich, dass sie in den Momenten der größten Enttäuschung und des Stresses unbewusst gespürt hat, dass Gott ihr hilft und einen völlig neuen Lebensplan für sie vorbereitet. So wurde ihr immer klarer, dass die Schauspielerei nicht der Hauptweg ihres Lebens sein könne. Nach und nach zog sie sich von lukrativen Theater- und Filmangeboten zurück. Sie begann, die Heilige Schrift und die Schriften von Johannes vom Kreuz und Teresa von Avila zu lesen. Bald fing sie an, zur Anbetung in ihre Pfarrkirche zu gehen. “Irgendwann musste ich mich für einen Wechsel entscheiden. Es war schwierig für mich, mit dem Rauchen aufzuhören, nicht mehr jedes Wochenende zu nächtelangen Partys mit den Zagreber Bohemiens zu gehen.” In den letzten zwei Jahren vor ihrem Eintritt in den Karmel besuchte sie jeden Tag die hl. Messe, betete den Rosenkranz und hielt Anbetung vor dem Allerheiligsten. “Ich bin nur ein gewöhnlicher Sünder, dem Gott gnädig war. Es ist kein Verdienst, dass ich Karmelitin geworden bin, kein Opfer meinerseits kann die Liebe Christi zu mir aufwiegen.”

Lebendige Votivgabe an die Gottesmutter

Gott hat mit jedem Menschen seine Pläne. Besonders in der geistlichen Berufung offenbart sich immer wieder die wunderbare Führung Gottes.

Schwester Eresta Mayr gehört dem Orden der “Armen Schulschwestern” an und wirkte 65 Jahre am Wallfahrtsort Birkenstein (Diözese München). In einem Interview, das von “Kirche in Not” veröffentlicht wurde, erzählt sie über ihre Berufung.

“Ich bin auf dem Land aufgewachsen, und von klein auf spielten mein religiöses Elternhaus, meine tiefgläubige Mutter, das selbstverständliche Gebet in der Familie und der ebenso selbstverständliche Kirchenbesuch eine große Rolle.” “Dass ich Schwester werden wollte, war einfach in mir drin.  Schon in der Volksschule, in der siebten oder achten Klasse, wusste ich, dass das mein Weg war. Etwas anderes kam mir nie in den Sinn, obwohl ich vom Ordensleben überhaupt keine Vorstellung hatte und keine Ordensfrauen kannte.”

Als sie ihrer Mutter offenbarte, dass sie Ordensschwester werden wollte, da sagte diese: “Na, dann gehen wir nach Birkenstein!” So ist sie bei den armen Schulschwestern eingetreten, und es war für sie genau das Richtige, und sie ist damit glücklich geworden.

Welche Bewandtnis es hatte, dass sie schon von Kindheit an Ordensschwester werden wollte, hat sie erst viel später erfahren. Sie erzählt:

“Bei uns in der Familie kam immer am Ende der Sommerferien die Frage auf: ‘Wann gehen wir wieder nach Birkenstein?’ Eine Wallfahrt dorthin gehörte einfach dazu; ich habe viele schöne Erinnerungen an diese Wallfahrten. Warum meine Mutter so treu an ihnen festhielt, erfuhr ich erst später von ihr. Das ging zurück auf ein Ereignis im Jahr 1936: Am Auerberg erkrankten drei Männer an Lungenentzündung, mein Vater war einer von ihnen. Lungenentzündung war damals noch eine tödliche Krankheit. Die anderen beiden Männer starben, auch mein Vater lag im Sterben. Seit 1932 war er mit meiner Mutter verheiratet, drei Kinder waren schon da, und mich trug die Mutter unterm Herzen. Meine Eltern hatten ein Haus gebaut, und es war noch lange nicht abbezahlt. Die Tilgung des Darlehens dauerte noch zehn Jahre. So war die Lage meiner Mutter: Sie hatte drei kleine Kinder, war schwanger, hatte Schulden und einen sterbenden Mann! Versicherungen und soziale Leistungen gab es damals noch nicht. Da machte sich meine Mutter auf den Weg und ging ‘mit mir’ nach Birkenstein zur Gottesmutter.  So oft hat sie schon geholfen, warum nicht auch jetzt? Und tatsächlich: Mein Vater wurde gesund! Erst im Alter von 90 Jahren starb er vor einiger Zeit. Was meine Mutter damals mit der Gottesmutter ausgehandelt hat, erfuhr ich erst viel später. Erst nachdem ich schon lange im Kloster war, wurde mir ihre damalige Situation bewusst und ich fragte meine Mutter: ‘Was hast du damals eigentlich der Gottesmutter versprochen?’ Da lächelte sie und sagte: ‘Schau dich an, dann weißt du es!’ Sie hatte also das Kostbarste, das sie besaß – das Kind unter ihrem Herzen -, der Gottesmutter geschenkt!

Die Gottesmutter wird sich diesen Winzling angeschaut haben: Sie ist nichts, hat nichts, kann nichts! Nachdem ich aber nun ihr Eigentum war, und sie ja wusste, dass ich einmal ihre Mesnerin sein werde, hat sie alles in dieses kleine Nichts hineingelegt, was es einmal braucht. Und so hat sie mich reich mit Gaben beschenkt; alles fällt mir leicht, meine Arbeit verrichte ich gerne, alles macht mir Freude. So darf ich hier als ‘lebendige Votivgabe’ der Gottesmutter dienen.”

 

Die Marienweihe ist voll eingefahren bei mir

Christoph Weiss, der 2014 zum Priester geweiht wurde und heute Generalvikar der Diözese St. Pölten ist, erzählte in einer Predigt bei der 100-Jahrfeier (2021) der Legio Mariens in Wien, wie er unter anderem durch die Legio Mariens und durch die Weihe an Maria seinen Weg zum Priestertum gefunden hat.

“Bei einer Pro-Life-Veranstaltung 1999 hat mich eine junge Frau angesprochen und mich zum Treffen eines Jugendpräsidiums eingeladen. Ich kannte die Legion bereits ein bisschen.  Die junge Legionärin hat mir ihre Telefonnummer gegeben. Am Tag vor dem Treffen rief sie ganz sorgsam noch einmal bei mir zu Hause an. Damals besaß ich noch gar kein Handy. Und sie hat mir nur gesagt, ich brauche nichts mitzunehmen außer einen Rosenkranz, das genüge. … Damals war ich 14 Jahre alt, war ein Ministrant, in der Pfarre aktiv, vielleicht sogar ein bisschen hyperaktiv. …

Mit dem Beten war das ein bisschen eine schwierige Sache. … Nun lernte ich die Legion kennen und wuchs in sie hinein. Zuerst einmal in das, was mir gefehlt hatte, wo noch nichts da war, ins Gebet. Ich kann mich noch heute gut an das Muster der Tischdecke erinnern, die auf dem Tisch lag, an dem wir kniend den Rosenkranz beteten. 25 Minuten lang betrachtete ich jeweils dieses Muster – mehr als das Geheimnis … Meistens dachte ich mir während des Rosenkranzes: ‘Wann? Wann ist das endlich vorbei?’ …

Dabei merkte ich gar nicht, was sich in mir veränderte und in mir wandelte durch dieses Gebet, durch diesen Rhythmus des Gebetes. Das war das Erste, was ich gelernt habe. In der Legion habe ich beten gelernt und vom Gebet her habe ich arbeiten gelernt.

Nicht, dass ich vorher nichts gemacht hätte. Wie bereits erwähnt: 100.000 Aktivitäten und Aktionen, das muss man machen und da und dort. In der Legion fand ich vom Aktivismus zum Apostolat. Wer betet, wer im Gebet steht, wer in dieser geistlichen Verbindung steht, der arbeitet auch ganz anders, der denkt ganz anders, der plant ganz anders. Das schätze ich sehr an der Legion Mariens. Diese Verzahnung im Treffen zwischen Gebet und diesem Nachdenken, diesem Planen, dem Apostolat, beides gehört wesentlich zusammen. …

Für mich war ein wichtiges Ereignis in meinem Ringen der 8. Dez. 2009. … Mit einem Jugendpräsidium haben wir in den Wochen davor die Schritte der Vollkommenen Hingabe nach Ludwig Maria Grignion de Montfort gemacht und an diesem 8. Dez. die Vollkommene Hingabe vollzogen. Und das ist voll eingefahren bei mir. 4 Monate später war ich dann soweit, dass ich meiner damaligen Freundin gesagt habe: Ich gehe ins Priesterseminar.”

 

Ich habe Angst, umarmst du mich?

Die italienische Ordensfrau Tosca Ferrante erzählt über ihren Berufungsweg.

Von klein auf hatte Sr. Tosca davon geträumt, entweder Krankenschwester oder Vollksschullehrerin zu werden; als sie groß war, träumte sie davon, Polizistin zu werden. Diesen Traum hat sie dann auch verwirklicht. Sie war fünf Jahre lang bis 1989 bei der italienischen Staatspolizei.

Über diese für sie so prägende Zeit bei der Polizei sagt sie: “In jenen Jahren spürte ich bei aller Freude eine gewisse Unruhe im Hinblick auf die Zukunft, und ich stellte mir unentwegt Fragen über den Sinn des Lebens und darüber, wie ich mein Leben mit Gott teilen wollte”.

Verschiedene Erlebnisse und Einsätze brachten sie immer wieder zum Nachdenken. Sie sagt: “Die Gesichter der ‘Armen’, denen ich in jenen Jahren begegnet bin, waren vielfältiger Art: Straftäter, Drogenabhängige, junge Frauen, die Opfer der Prostitution geworden waren, Ausländer, die auf eine Aufenthaltsgenehmigung warteten, oft Opfer von Betrügereien durch selbsternannte Mittelsleute: kurz und gut viel Armut, viel Leere und auch viel Böses.” Diese Lebensschicksale der Menschen waren ihr nicht gleichgültig. So kam für sie die endgültige Wende: “Eines Tages war ich im Kommissariat in Torpignattara in Rom und mir wurde aufgetragen, in Erwartung weiterer Dienstanweisungen auf einen minderjährigen Jugendlichen aufzupassen, der einen Diebstahl begangen hatte. Wir waren im selben Raum und ich habe angefangen, mich mit ihm darüber zu unterhalten, warum er den Diebstahl verübt hatte (es war sein erster Gesetzesverstoß). Ich erinnere mich an jedes Detail jenes Augenblicks: Er begann zu weinen und sagte er habe Angst, er schluchzte und war verängstigt. Ich hörte ihn an und gab ihm ein Taschentuch: er wirkte wirklich hilflos. An einem gewissen Punkt fragte er, während er weiter weinte: ‘Ich habe Angst, umarmst du mich?’ Ich sagte ‘Nein’. Ich konnte nicht, ich war in Uniform. Aber worum hatte er mich im Grunde gebeten? Um eine Umarmung! Eine Geste, die eine der allerersten Formen darstellt, mit der Welt zu kommunizieren: ein Kind wird, kaum geboren, seiner Mutter in die Arme gelegt: Sie steht für Wärme, für beständige Liebe, für Zärtlichkeit, für Obhut. Aber ich hatte ‘Nein’ gesagt! Als ich wieder zuhause war, schaute ich mich im Spiegel an und sagte: ‘Aber in wen verwandelst du dich eigentlich gerade?'”

Das war der Beginn ihrer wahren Begegnung mit dem Auferstandenen Herrn Jesus Christus, es war ihr Weg nach Damaskus, der einen ernsthaften Unterscheidungsprozess auslöste: “Mir wurde klar, dass ich die Liebe riskieren musste!” Einige Jahre später tratt sie in das Institut der “Schwestern der Königin der Apostel” ein, wo sie sich weiterhin der “Armen” annimmt, denen sie begegnet war, als sie noch als Polizistin die Pistole am Gürtel trug: “Der Übergang vom Polizeidienst zum Ordensleben war für mich nichts Aufregendes, es war ganz natürlich: Der Kontakt zu den oben genannten Menschen hatte mich verstehen lassen, was Gott mit mir vorhatte.” “Ich bin Gott begegnet im Antlitz und in den Geschichten der Armen: Ich verneige mich vor ihnen! Und ich danke Gott!”

Wenn DU das für mich getan hast …

Der 4. Sonntag in der Osterzeit ist der Weltgebetstag um geistliche Berufungen. Er wird auch “Guthirtensonntag” genannt. Die Kirche lädt uns ein, Christus, den Guten Hirten, inständig um geistliche Berufungen zum Priestertum und Ordensleben zu bitten. Er selbst hat uns diesen Auftrag gegeben. Dass dieses Gebet auch heute Frucht bringt und junge Menschen auf die Stimme des Guten Hirten hören und ihm folgen, zeigt uns das wunderbare Zeugnis von Schwester Maria Johanna Theresia vom Kreuz, die 2019 in das Karmelkloster in Aufkirchen eingetreten ist. Sie schreibt:

“Das Geschenk meiner Berufung begann mit der Gottesmutter unter dem Kreuz. An ihrem Festtag, dem 15. August, haben wir uns als Familie die Passionsspiele im Nachbarort angeschaut und dabei hat mich Jesus bei der Kreuzigungsszene tief berührt. Die Tränen, die äußerlich flossen, waren nur ein schwacher Ausdruck dessen, was IN mir vor sich ging. Mir war augenblicklich klar: ‘Wenn DU das für mich getan hast, mein Jesus, dann will ich dir mein GANZES Leben schenken.’ Ab diesem Zeitpunkt (ich war damals 13 Jahre alt) war die hl. Messe und das Gebet (vor allem der tägliche Rosenkranz) nicht mehr nur Pflichterfüllung aus Gehorsam und Liebe meinen Eltern gegenüber, sondern meine persönliche Herzensangelegenheit. Das Ereignis hatte sich tief in mein Herz eingegraben, aber in meiner jugendlichen Leichtsinnigkeit hatte ich es vorübergehend schnell vergraben. Mit meiner unglaublich kontaktfreudigen und extrovertierten Art war das Nachtleben eine Versuchung, der ich nicht widerstehen konnte. Somit war ich über ein paar Jahre hindurch ziemlich zweigleisig unterwegs: Zum einen jagte eine Party die andere, zum anderen nahm ich an unzähligen religiösen Veranstaltungen verschiedenster Art teil. Darunter wurde die Jugendvigil in Heiligenkreuz während dieser turbulenten Zeit ein Fixpunkt, der mir sehr half und mich maßgeblich prägte.

Meine tiefe Sehnsucht nach Gott wurde immer stärker und so folgten Exerzitien und auch einige Klosterbesuche. Alles war immer toll, aber nichts konnte mich so richtig zufriedenstellen. Ich entschied mich, den LAK-Kurs zu machen, um meinen Glauben zu vertiefen und in der Hoffnung, in diesem Rahmen und Umfeld weiter Wegweisung für meinen Weg zu finden. Tatsächlich wurden die nächsten Schritte sichtbar: geistliche Begleitung und das Theologiestudium an der Hochschule Heiligenkreuz. Es folgte eine unvergleichlich schöne Studienzeit, bei der kein Tag ohne hl. Messe verstrich. Die Teilnahme am hl. Messopfer war für mich unverzichtbar geworden. Die Studienzeit endete jedoch schon nach vier Semestern; denn als der Herr endlich rief, war mir klar, dass es keinen Aufschub geben durfte: Meine ignatianischen Einzelexerzitien in dieser Zeit schlossen mit dem Ergebnis, dass ich mir den Karmel in Aufkirchen anschauen sollte. Was vorher durch ganze elf Jahre an Prüfungs-, Reinigungs- und Läuterungszeit (!) vorbereitet worden war, war nun mit einem Schlag klar: Schon beim Klingeln an der Klosterpforte war mir bewusst – das ist mein Zuhause.

Mittlerweile bin ich fast zwei Jahre hier; unglaublich glücklich und dankbar für das Geschenk meiner Berufung. Auszusprechen, was dieses Leben hier an Glück und Erfüllung bedeutet, ist (mir) unmöglich. Gott hat mich durch viele Höhen und Tiefen geführt, um die Sehnsucht nach ihm zu steigern und um mir zu zeigen: Alles, was die Welt dir bietet, kann dich letztlich nicht zufriedenstellen und glücklich machen. Unsere Seele ist so erhaben und groß, dass nur Gott sie ganz erfüllen kann. Oder mit den Worten unser hl. Mutter Theresa: Gott allein genügt.”

 

Weil ich mich für Gott ‘interessierte’

Schwester Daniela: “Weil ich mich für Gott ‘interessierte’, studierte ich Theologie. Während des Studiums verstand ich, dass Gott sich auch für mich ‘interessierte’, und zwar so sehr, dass er mich einlud, IHM mein ganzes Leben zu schenken. Dieser Ruf brachte mich ziemlich durcheinander… Ich wollte doch niemals in ein Kloster gehen! Irgendwann verstand ich: Der Gott der Liebe muss mein Glück wollen. Sein Wille bedeutet Glück für mich!

Dieser Gedanke hat mir geholfen, meinem Glück auch wirklich zu folgen. So bin ich nun seit acht Jahren Schwester im ‘Werk’. Hier möchte ich diesen ‘Glücks-Gedanken’ an viele junge Menschen weitergeben. Es liegt mir am Herzen, dass sie Gottes Liebesplan, ihr Glück, für ihr Leben herausfinden. Nicht zuletzt habe ich dies zum Thema im Jugendmusical ‘Verso l’alto’ gemacht (auf Youtube unter “Kloster Thalbach”). Im Kloster Thalbach (Bregenz) bin ich Sakristanin und kümmere mich sowohl um die spirituelle als auch um die musikalische Gestaltung der Gebetszeiten in unserer Anbetungs- und Wallfahrtskirche. Schauen auch Sie mal in dieser kleinen, feinen Klosterkirche vorbei! Ich würde mich darüber freuen.”

 

Der wunderbare Plan Gottes mit Mary Ginna

Es war am Morgen des 20. April 1999 an der Columbine High School in einem Vorort von Denver, Colorado. An diesem Tag erschossen zwei Studenten im Alter von 17 und 18 Jahren 13 Menschen und verwundeten mehr als 20 Personen, bevor sie sich selbst richteten.

Eine der Überlebenden dieses Massakers war Mary Gianna Thornby, die nach diesem traumatischen Ereignis ihr Leben neu auszurichten begann.
Weil in ihrem Elternhaus der christliche Glaube nicht praktiziert wurde, waren Gott, Glaube und Kirche kein Thema für sie: “Als ich aufwuchs, wusste ich wirklich nicht, ob es Gott tatsächlich gab oder nicht, und ich wusste schon gar nicht, dass er einen Plan für mich hatte”. Als Mary Gianna an jenem Morgen im April im Kunstunterricht saß, verspürte sie plötzlich einen überwältigenden Drang, sofort die Schule zu verlassen. Sie erinnert sich: “Ich dachte plötzlich, jetzt gehe ich sofort hier raus, und niemand wird mich davon abhalten.”

Ihre Freundin fragte sie nach dem Warum. Maria Gianna, die es selbst nicht richtig wusste, begründete ihre spontane Entscheidung damit, für eine der nächsten Prüfungen in einem ruhigen Restaurant lernen zu wollen. So verließen sie zusammen die Schule und stiegen in Marys Auto ein. Als sie wegfuhren, sah Mary im Rückspiegel Hunderte ihrer Klassenkameraden aus der Schule strömen. Sie und ihre Freundin hatten keine Ahnung, was los war, und fuhren weg. Erst im Restaurant hörten sie dann von dem Massaker an der Schule, dem sie eben entkommen waren. Die meisten Morde bei diesem Anschlag wurden in der Bibliothek verübt, genau an dem Ort, wo Mary Gianna kurz vor dem Angriff noch gesessen hatte. “Warum war ich nicht da? Ich war jeden Tag dort, aber an diesem Tag hatte ich den unbedingten Drang zu gehen”, fragte sie sich immer wieder und irgend jemand hatte einmal darauf geantwortet: “Gott muss einen Plan für dein Leben haben.”

Aber bedingt durch das ganze Geschehen fing Mary Gianna an, viel zu trinken, trieb sich auf Partys herum und suchte ihr Heil in vielerlei Dingen. Schließlich erreichte sie, wie sie heute sagt, “den Tiefpunkt“ und begann jede Hoffnung zu verlieren. “Zu dieser Zeit, als ich das Gefühl hatte, ich könnte einfach nicht weiterleben, lud mich einer meiner Freunde in die katholische Kirche in St. Francis Cabrini in Littleton, Colorado, ein“, erzählt die Schwester.

Die junge Frau folgte dem Vorschlag, eine Universität zu besuchen und beschloss, ihr Leben nach Gott auszurichten.
In der Osternacht am 30. März 2002 wurde sie dann ‑ 19‑jährig ‑ in die katholische Kirche aufgenommen. Und sechs Jahre später hatte sie ein Berufungserlebnis, als sie in der St. Paul’s Cathedral in Minnesota betete. Sie spürte dort während der heiligen Messe die Gegenwart Gottes so intensiv, dass sie die Kapelle als anderer Mensch verließ: Alles, was sie jetzt wollte, war, ihr Leben ganz Gott zu schenken.

“Ich denke oft an die Leiden und den Tod Jesu am Kreuz, und wie dies zu unserer Erlösung geführt hat. Und ich glaube, dass Gott auch aus der ‘Tragödie von Columbine’ Gutes erwachsen lassen kann”, schlussfolgert Schwester Mary. “Ja, Gott bringt aus dem Tod Leben hervor. Wir haben das in vielerlei Hinsicht gesehen.”

Sie ließen alles zurück und folgten ihm

Der heilige Lukas berichtet uns im Evangelium, das wir am 5. Sonntag im Jahreskreis (C) hören, über die Berufung der ersten Jünger. Auf das Wort Jesu hin wirft Petrus die Netze aus und macht einen wunderbaren Fischfang. Petrus erkennt seine eigenen Sünden, aber der Herr beruft ihn dazu, Menschenfischer zu werden. Petrus, Jakobus und Johannes verlassen alles und folgen Jesus nach. Das ist bis heute nicht anders. Ein Priester und Missionar schildert eindrucksvoll den Weg seiner Berufung:

»Eine Berufung zum Priester ist kein Verdienst, sondern Geschenk. Es ist der Herr selbst, der ruft. Ich hatte keine gläubigen Eltern, meine Eltern waren aus der Kirche ausgetreten. Meine Kindheit verlebte ich in den Wirren der Kriegs- und Nachkriegszeit. Als ich siebzehn war und die Handelsschule besuchte, lernte ich einen Missionar kennen. Für mich wurde dieser Missionar eine Brücke zu Gott.

Ich begann mich für Kirche und Mission zu interessieren. Ich hatte viel nachzuholen. Ich war ja weder mit Kreuz, Weihwasser oder Tischgebeten aufgewachsen. Ich stellte mir selbst den Wecker, um morgens in die Messe gehen zu können. Ich las Heiligenlegenden und andere religiöse Bücher. “Seht den kleinen Pfarrer”, hänselten mich meine Geschwister. Meine Mutter meinte: “Du wirst auch noch hinter den Schwindel der Kirche kommen”. Mich beeindruckte das wenig. “Ich werde Missionar”, sagte ich eines Tages.

Das größte Problem war meine mangelnde Schulbildung. Wer Priester werden will, muss das Abitur haben, Latein und Griechisch können. Zusammen mit einem anderen Studenten erhielt ich Nachhilfestunden bei einem älteren Pfarrer. Als ich dann meine Koffer packte, fragte sich meine Mutter, was sie nur an meiner Erziehung falsch gemacht hatte. In langen Gesprächen versuchte sie, mich von diesem “Irrweg” abzubringen. Ich könnte doch Arzt werden, Rechtsanwalt oder Architekt. Wie konnte ihr Jüngster nur auf so eine Idee kommen? Bis zur Stunde des Abschieds vom Elternhaus war ich immer noch der abenteuerliche Junge, den ein mehrjähriges Landschullager geprägt hatte. Missionar sein hatte in meinen Augen mit einem harten, entbehrungsreichen Leben zu tun. Ich sah mich auf dem Rücken eines Pferdes auf steilen Berghängen in Lateinamerika, sah mich mit dem Buschmesser einen Pfad durch den Urwald schlagen, oder als Seelsorger unter glühender Sonne im Sudan. Die vielen Bilder vor meinen Augen von damals lassen sich kaum wiedergeben.

Ich wurde wirklich Missionar, und ich bin es gern. Ich durfte den Alltag in Afrika, Peru und Brasilien kennenlernen. Meine Vorstellungen vom Leben in den Ortskirchen der Welt haben sich gewandelt. Ich durfte erleben, dass sich in meiner Mutter vor ihrem Tod eine Wandlung vollzog. Gott ist immer anwesend. Er bietet an. Er geht uns nach. Er zwingt niemanden. Aber wir sollten auf seinen Ruf hören.«