Wie kommt es zu einer Selig- und Heiligsprechung

Die Heiligen heilen die Welt!

Am Sonntag, 3. Okt. 2004 wird der Heilige Vater Kaiser Karl von Österreich und die Mystikerin Anna Katharina Emmerick seligsprechen; zwei Personen, über die bis heute viel Widersprüchliches gesagt wurde. Aber mit der Seligsprechung gibt der Heilige Vater ein eindeutiges, sogar unfehlbares Urteil ab über das Leben dieser Menschen. Wie es zu einem solcher Seligsprechung kommt, sei hier kurz erklärt:

Jeder Christ ist durch die Taufe zur Heiligkeit berufen . „Seid vollkommen wie euer himmlischer Vater vollkommen ist!“, sagt Jesus, und er schenkt jenen, die an ihn glauben, auch alle Gnaden, mit denen sie zu Heiligen werden können. Ohne diese Heiligkeit kann kein Mensch das ewige Leben bei Gott erlangen. Alle Menschen, die im Himmel sind, müssen Heilige sein, aber nicht alle werden heiliggesprochen.

Von Anfang an hat es in der Kirche Menschen gegeben, die die Nachfolge Christi in überragender Weise gelebt haben und die im Rufe der Heiligkeit gestorben sind, so dass die Gläubigen sie als große Vorbilder verehrt und sie auch um ihre besondere Fürsprache bei Gott angerufen haben.

Damit aber ein Verstorbener, der im Ruf der Heiligkeit steht, von den Gläubigen öffentlich in der Liturgie verehrt werden kann, hat die Kirche im Laufe der Jahrhunderte ein Verfahren entwickelt, durch das sorgfältig geprüft wird, ob dieser Ruf der Heiligkeit auch mit dem Leben übereinstimmt. Dieses genaue Untersuchung des Lebens eines Heiligen nennt man Seligsprechungsprozess. Mit diesem Prozess kann die Kirche nicht jemand heilig machen, der es nicht ist.

Zuerst wird der Prozess in jener Diözese geführt, in der der Heilige gelebt hat. Es werden Zeugen befragt und sein Lebensweg und seine Tugenden genauestens erforscht. Wenn der diözesane Prozess abgeschlossen ist, wird der Akt nach Rom an die Kongregation für die Heiligsprechungen weitergeleitet. Nach genauer Prüfung aller Fakten wird der Prozess abgeschlossen mit der Erklärung der heroischen Tugenden. Aber bevor die Kirche jemanden selig spricht, erwartet sie auch eine Bestätigung von Gott – ein physisches Wunder, das Gott durch die Anrufung des Dieners Gottes gewirkt hat. Wenn ein solches Wunder geschehen ist, meist eine medizinisch unerklärliche, plötzliche und dauerhafte Heilung, wird es in einem eigenen Prozess auf seine Echtheit geprüft. Erst dann kann der Heilige Vater die Seligsprechung vornehmen. Mit diesem Akt darf der Heilige in einem Teilbereich der Kirche öffentlich verehrt werden.

Nach der Seligsprechung kann noch eine Heiligsprechung erfolgen, durch die die Verehrung auf die Gesamtkirche ausgedehnt wird. Dazu braucht es aber ein weiteres Wunder. An den Heiligen wird die wahre Größe des Menschen sichtbar, zu der Gott jeden von uns durch seine Gnade führen will.

Anna Katharina Emmerick 1774 – 1824 – Sie schaute die unsichtbare Welt Gottes

Die große Mystikerin Anna Katharina Emmerick aus Dülmen im Münsterland ist in aller Welt bekannt geworden durch den Film „Die Passion Christi“ von Mel Gibson. Der Regisseur hat in ihren Visionen des Leidens Christi wichtige Anregungen für seinen Film gefunden. Anna Katharina wird aber nicht deshalb selig gesprochen, weil sie Visionen hatte, weil sie wie der hl. Pater Pio die Wundmale trug und fast nahrungslos lebte, sondern weil sie in heroischer Weise die Liebe zu Gott und den Menschen verwirklicht und ihre Leiden als Sühne getragen hat.

Anna Katharina Emmerick stammte aus einer  mit neun Kindern gesegneten  armen Bauernfamilie. Schon als Kind besaß sie die Gabe der übernatürlichen Schau. Später einmal beschreibt sie diese Gnadengabe: “Ich sehe das Übersinnliche nicht mit den Augen, sondern es ist mir, als sehe ich es mit dem Herzen, so mitten in der Brust.“

Wegen der Armut ihrer Familie musste sie bald bei der schweren Arbeit mithelfen. Sie konnte deshalb nur vier Monate zur Schule gehen. Doch sie gewann ihre Bildung durch die Teilnahme am kirchlichen Leben und hauptsächlich dadurch, dass sie alle freie Zeit zum Lesen nutzte. Sie hatte den Wunsch, ins Kloster zu gehen, aber ihre Eltern waren dagegen. Wegen ihrer schwachen Konstitution erlernte sie das Nähen und verdiente sich als geschickte und gefragte Wandernäherin den Lebensunterhalt.

1802, mit 27 Jahren, konnte sie nach Überwindung vieler Hindernisse in das Augustinerinnenkloster in Dülmen eintreten. Ihre tiefen geistlichen Erfahrungen im Gebet spornten sie zu großer Dienstbereitschaft und Nächstenliebe an. Sie schonte sich nicht und sie war wegen ihrer Umsicht in der Arbeit und ihrem Fleiß von allen geschätzt. Aber durch schwere Krankheiten, die sie oft an den Rand des Todes brachten, wurde ihr Eifer immer wieder eingeschränkt.

1812 wurde das Kloster infolge der Säkularisation aufgehoben und Anna Katharina fand Unterkunft als Haushälterin bei Abbé Lambert, einem während der französischen Revolution geflüchteten Geistlichen. Sie konnte den Haushalt nicht lange führen, denn sie erkrankte so schwer, dass sie bis zu ihrem Tod 1824 fast ständig ans Bett gefesselt war.

Durch ihr tiefes Mitleiden mit dem Leiden Christi zeigten sich im Jahre 1798 an ihrem Kopf erstmals blutenden Abdrücke der Dornenkrone Christi und im Laufe des Jahres 1812 entstanden offene Wundmale an Händen und Füßen und an der Brust. Durch eine Indiskretion wurde dies öffentlich bekannt.

Anna Katharina sah das für ein großes Unglück an, denn sie, die im Gebet die Zwiesprache mit Gott gesucht hatte, wurde nun der Öffentlichkeit preisgegeben. 1814 wurden die Wundmale und ihre Nahrungslosigkeit durch geistliche Behörden und 1818 unter sehr demütigenden Umständen durch weltliche Behörden mehrere Male untersucht und als „echt” bestätigt. Anna Katharina hatte nicht nur unter ihren Krankheiten zu leiden, sondern sie litt auch darunter, dass sie von den einen als Heilige verehrt, von anderen als medizinische Sensation angesehen, von wieder anderen als Betrügerin gebrandmarkt wurde .

Neugierige wollten sie sehen, Wundersüchtige sie berühren, Skeptiker sie als Betrügerin entlarven, Ärzte die medizinische Sensation untersuchen. Doch es kamen auch viele Kranke und Leidende, die ihre Hilfe, ihr Gebet, ihren Trost suchten.

1818 war der Dichter Clemens Brentano voller Verzweiflung an seinem eigenen Leben nach Dülmen gekommen. Die Begegnung mit Anna Katharina eröffnete ihm eine neue Welt. Er blieb mit kurzen Unterbrechungen bis zum Tod von Anna Katharina in Dülmen. Er fand hier eine Aufgabe, die ihn bis an sein Lebensende beschäftigte. 16.000 Seiten notierte er am Bett der Kranken. Daraus entstanden in fünf Bänden »Die Betrachtungen der gottseligen Anna Katharina Emmerick«.

Am bekanntesten wurde der erste Band dieser Reihe »Das bittere Leiden unseres Herrn Jesu Christi«, der im 19. Jahrhundert mit größeren Auflagen verbreitet war als die Werke von Goethe und Schiller. Nach langem, sühnend getragenem Leiden starb Anna Katharina Emmerick am 9. Feb. 1824 im Ruf der Heiligkeit.

Anna Katarina Emmericks Vision über den Zustand der Kirche

In der Festoktave von Weihnachten 1819 hatte Anna Katarina Emmerick eine Schau der Kirche, die für uns erschreckend und tröstlich ist:

«Ich sah die Peterskirche und eine ungeheure Menge Menschen, welche beschäftigt waren, sie niederzureißen; aber auch andere, welche wieder an ihr herstellten. Es zogen sich Linien von handlangenden Arbeitern durch die ganze Welt, und ich wunderte mich über den Zusammenhang. Die Abbrechenden rissen ganze Stücke hinweg, und es waren besonders viele Sektierer und Abtrünnige dabei.

Den Papst sah ich betend und von falschen Freunden umgeben, die oft das Gegenteil von dem taten, was er anordnete. Ich sah einen kleinen schwarzen, weltlichen Kerl in voller Tätigkeit gegen die Kirche. Während die Kirche auf der einen Seite so abgebrochen wurde, ward auf der andern Seite wieder daran gebaut, aber sehr ohne Nachdruck. Ich sah viele Geistliche … Sie schienen alle kein Vertrauen, keine Lust, keine Anweisung zu haben und gar nicht zu wissen, um was es sich handle. Es war ein Jammer. Schon war der ganze Vorderteil der Kirche herunter, und nur das Allerheiligste stand noch …

Da erblickte ich aber eine majestätische Frau über den großen Platz vor der Kirche wandeln. Ihren weiten Mantel hatte sie mit beiden Armen gefasst und schwebte leise in die Höhe. Sie stand auf der Kuppel und breitete weit über den ganzen Raum der Kirche ihren Mantel, der wie von Gold strahlte. Die Abbrechenden hatten eben ein wenig Ruhe gegeben. Nun wollten sie wieder heran, konnten sich aber auf keine Weise dem Mantelraume nähern. Aber von der andern Seite entstand eine ungeheure Tätigkeit der Aufbauenden. Es kamen ganz alte, krüppelige, vergessene Männer und viele kräftige, junge Leute, Weiber und Kinder, Geistliche und Weltliche, und der Bau war bald wieder ganz hergestellt … »

Zeichen Gottes zu Seligsprechung

Das für die Seligsprechung notwendige Wunder einer medizinisch nicht erklärbaren Heilung durch die Anrufung von Kaiser Karl ereignete sich 1960 an der aus Polen stammenden brasilianischen Ordensschwester Maria Zita Gradowska.

Die Umstände, die zu diesem Wunder führten, spiegelt ebenfalls jenes Verhalten wieder, das gegenüber Kaiser Karl so weit verbreitet ist. Aber um so offensichtlicher ist das Zeichen, das Gott hier zur Bestätigung der Heiligkeit Kaiser Karls gegeben hat.

Schwester Maria Zita Gradowska, die zu den Schwestern des hl. Vinzenz von Paul gehörte, litt von Jugend an an einem schmerzhaften, zum Teil offenen Geschwür am Fuß, durch das sie im Nov., Dez. 1960 an das Bett gebunden war.

Eine Mitschwester riet ihr, Kaiser Karl um Fürsprache anzurufen. Da sie für die Habsburger wenig Sympathie empfand, lehnte sie diesen Vorschlag ab. Die Schwester, die sie betreute legte ihr dies noch einmal nahe. Da sie wegen der großen Schmerzen nicht schlafen konnte, kam ihr der Gedanke, dass Gott vielleicht doch die Anrufung von Kaiser Karl wünschte, und deshalb sprach sie eine kurze ängstliche Fürbitte aus und versprach für den nächsten Tag mit einer Novene zu beginnen, um die Gnade der Seligsprechung für den Diener Gottes zu erbitten. Nach dem Gebet schlief sie rasch ein, da der Schmerz, der sie wachgehalten hatte, aufhörte.

Am nächsten Morgen, um fünf Uhr früh, stellte sie mit Erstaunen fest, dass die Wunde vollständig geheilt und mit einer trockenen Kruste bedeckt war, die nach kurzer Zeit abfiel. Sie hatte fortan zeitlebens keinerlei Schmerzen und auch keine Geschwüre mehr an ihrem Fuß.

Am 20.Dez. 2003 hat der Heilige Vater das Dekret über diese Wunderheilung unterzeichnet.

Kaiser Karl von Österreich 1887 – 1922 – Von Menschen erniedrigt, von Gott erhöht

Mein ganzes Streben geht stets dahin, so klar wie nur möglich in allem den Willen Gottes zu erkennen und zu erfüllen, und zwar so vollkommen wie nur möglich. Gott hat mir die Gnade geschenkt, dass es hier auf Erden nichts mehr gibt, das ich ihm nicht zu opfern bereit wäre aus Liebe zu ihm und für das Wohl der heiligen Kirche. Kaiser Karl

Seligsprechung – auch Frucht des Gebetes in der Kapuzinerkirche

Durch viele Jahre wurde in der in der Kapuzinerkirche meist im August die sogenannte Kaisermesse gefeiert, eine Gedenkmesse zur Erlangung der Seligsprechung Kaiser Karls, zu der immer viele Gläubige gekommen sind. Die internationale Kaiser-Karl-Gebetsliege hatte jedes Jahr dazu eingeladen. Kaiser Karl wurde bis heute von viele verkannt, verleumdet und abgelehnt. Aber die Ergebnisse der internationalen Historikerkommission haben das von Forschung und Journalisten bisher gezeigte Bild des Kaisers in vielem als verfälscht entlarvt. Seine Seligsprechung bringt die Wahrheit zum leuchten. Im Folgenden ein kurzes Lebensbild:

Erzherzog Karl Franz Joseph wurde am 17. August 1887 geboren. Er erhält eine solide katholische Erziehung: betont werden Verantwortungs und Pflichtbewusstsein, Frömmigkeit, Friedensliebe, Versöhnungsbereitschaft. In der Erziehungstradition des Hauses Österreich spielt die Verehrung der Eucharistie eine bestimmende Rolle. Sein Leben ist von Kindheit an geprägt von einer tiefen Liebe zur Eucharistie. Neben dem Unterricht durch Privatlehrer besucht er das Schottengymnasium in Wien. Anschließend schlägt er die Offizierslaufbahn ein und erhält eine universitäre Ausbildung in Jus, Geschichte und Ökonomie. Kaiser Karl war ein „offener Kopf“, überdurchschnittlich intelligent und mit einem fabelhaften Gedächtnis.

1911 heiratet Karl Prinzessin Zita von BourbonParma, eine Liebesheirat. Seiner Braut sagt Karl am Vorabend der Hochzeit: „Jetzt müssen wir uns gegenseitig in den Himmel helfen“.

Mit der Ermordung des Thronfolgers Franz Ferdinand 1914 in Sarajewo wird Karl Thronfolger. In die Entscheidung über die Kriegserklärung wurde er dennoch nicht eingebunden. Ab 1915 wird Karl von Kaiser Franz Joseph in die Amtsgeschäfte eingeführt und an der Front eingesetzt. Er ist der einzige der damals Regierenden, der den Krieg aus nächster Anschauung kannte.
Am 21. November 1916 stirbt Kaiser Franz Joseph. Bei seiner Thronbesteigung (mit 29 Jahren) erlässt Kaiser Karl ein Manifest, dessen wichtigster Satz lautet: „Ich will alles tun, um die Schrecknisse und Opfer des Krieges in ehester Frist zu bannen und die schwer vermissten Segnungen des Friedens meinen Völkern zurückzugewinnen.“

Aber alle seine Friedensversuche scheitern letztlich an den militärischen falschen Ideen der deutschen Führung, einen Frieden durch Sieg zu erreichen, und durch das Ziel bestimmter politischer Kräfte, den Krieg solange zu führen, bis die Monarchien gestürzt seien.

Als die Monarchie zu Ende geht, ruft Kaiser Karl zur Bildung von Nationalräten auf, um einen friedlichen Übergang in die neuen Staaten zu ermöglichen. Nach dem Zerfall der Monarchie verzichtet er auf seinen Anteil an den Regierungsgeschäften, dankt aber nicht ab. Er legt seine Aufgabe nicht einfach ab, da er sie als ihm von Gott übertragen versteht.

Nach seiner Landesverweisung aus Österreich und zwei Restaurationsversuchen in Ungarn, wo er abbricht, bevor es zum Bürgerkrieg kommt, wird er ins Exil nach Madeira verbannt, wo er völlig mittellos mit seiner Familie in einem feuchten Sommerhaus wohnt. Auf eine fürstliche Abfindung aus Wien für seine Abdankung geht er nicht ein. Entkräftet stirbt er am 1. April 1922 an einer Lungenentzündung.

Kardinal José Saraiva Martins, der Präfekt der Heiligsprechungskongregation, die das Leben und Wirken des Monarchen jahrzehntelang geprüft hat, urteilte 2003: “Er suchte den Frieden, half den Armen, führte mit Entschiedenheit ein geistliches Leben. Der Glaube bestimmte sein Leben von Jugend an und vor allem während des Ersten Weltkrieges sowie im Exil auf der Insel Madeira.” Kaiser Karl war ein “vorbildlicher Christ, Ehemann, Familienvater und Herrscher”.
Der politisch unverdächtige französische Schriftsteller Anatol France schrieb 1918: „Unter den Staatsmännern unserer Zeit hat sich ein einziger ehrlicher, kluger und gerechter Mann gefunden, Kaiser Karl von Österreich. Unsere Demokratien haben weder Herz noch Verstand für die armen blutenden Völker. Ja, ein Herrscher wie dieser hätte auch uns verstanden.“

Der Allerseelen-Ablass – ein Werk der Nächstenliebe

Es gehört zu den wichtigen Werken der Nächstenliebe, dass wir für die Seelen unserer Verstorbenen beten. Durch den heute vorherrschenden Heilsoptimismus bedingt, hebt man die Verstobenen nur all zu leicht in den Himmel und vernachlässigt so diese Pflichten der Liebe ihnen gegenüber.

Denn wie wir zuversichtlich hoffen, sind zwar viele in der Gnade Christi gestorben, aber mit gläubigem Realitätssinn müssen wir doch zugeben, dass sie bei ihrem Tod noch keineswegs vollendeten Heilige waren. Wie uns der katholische Glaube sagt, gewährt ihnen Gott in seiner Güte und Liebe noch eine Läuterung. Durch die schmerzliche Sehnsucht nach ihm, den sie noch nicht sehen dürfen, d.h. durch das Fegefeuer, wird die Liebe vervollkommnet, die ihnen gefehlt hat. Wir können ihnen durch Gebet und Opfer, durch die Feier der heiligen Messe durch Ablässe und persönliche Bekehrung die Läuterung erleichtern und ihnen zur Vollendung helfen.

Der heilige Augustinus hat schon um das Jahr 400 geschrieben: „Es unterliegt keinem Zweifel, dass die Verstorbenen durch die Kirchengebete und das heilsame Opfer Christi Hilfe erlangen, … und dass es den Verstorbenen zum Heile gereicht, aber nur jenen, die so gelebt haben, dass sie hoffen können, nach dem Tode Nutzen davon zu haben.“

Die heiligste Eucharistie als Quelle und Höhepunkt des ganzen christlichen Lebens

Die am 25. März 2004 vom Vatikan veröffentlichte “Instruktion über einige Dinge bezüglich der heiligsten Eucharistie, die einzuhalten und zu vermeiden sind” wurde von verschiedenen Seiten kritisiert und angegriffen. Aber der gläubigen und unvoreingenommenen Leser wird in den verschiedenen praktischen Regeln und Normen erkennen, dass die Eucharistie für die Kirche wirklich das “Allerheiligste” ist, das sie vor allen “Miss-Verständnissen” und “Miss-Bräuchen” schützen will.
Die Feier der Eucharistie darf nicht zu einem menschlichen Machwerk verkümmern, sondern sie soll für alle Gläubigen jene reine und unerschöpfliche Quelle der göttlichen Gnade bleiben, als die der Herr sie der Kirche geschenkt hat. Alle Regeln und Normen, an die sowohl die Priester als auch die Laien gebunden sind, haben das eine Ziel: nämlich den Glauben, die Ehrfurcht und die Liebe zu nähren, mit denen wir Christus in diesem Sakrament begegnen dürfen.


Einige Auszüge aus der neuen Instruktion.

12. Alle Christgläubigen haben das Recht auf eine wahre Liturgie und besonders auf eine Feier der heiligen Messe, wie sie die Kirche gewollt und festgesetzt hat, wie es also in den liturgischen Büchern und durch andere Gesetze und Normen vorgeschrieben ist. In gleicher Weise hat das katholische Volk das Recht, dass das Opfer der heiligen Messe unversehrt und in voller Übereinstimmung mit den Äußerungen des Lehramtes der Kirche gefeiert wird.

51. Nur jene eucharistischen Hochgebete dürfen verwendet werden, die im Römischen Messbuch stehen oder rechtmäßig vom Apostolischen Stuhl approbiert worden sind, und zwar gemäß den Möglichkeiten und Grenzen, die der Apostolische Stuhl festgelegt hat. Man kann es nicht hinnehmen, dass einige Priester sich das Recht anmaßen, eucharistische Hochgebete zusammenzustellen oder die von der Kirche approbierten Texte zu ändern …

62. Es ist nicht erlaubt, die vorgeschriebenen biblischen Lesungen aus eigenem Gutdünken wegzulassen oder zu ersetzen oder gar die Lesungen und den Antwortpsalm, die das Wort Gottes enthalten, mit anderen nichtbiblischen Texten auszutauschen.

63. Die Lesung des Evangeliums, die den Höhepunkt des Wortgottesdienstes bildet, ist gemäß der Tradition der Kirche in der Feier der heiligen Liturgie dem geweihten Amtsträger vorbehalten. Daher ist es einem Laien, auch einem Ordenschristen, nicht gestattet, das Evangelium während der Feier der heiligen Messe zu verkünden…

64. Die Homilie, die während der Feier der heiligen Messe gehalten wird und Teil der Liturgie selbst ist, wird in der Regel vom zelebrierenden Priester gehalten oder von ihm einem konzelebrierenden Priester oder manchmal, wenn dies angebracht erscheint, auch einem Diakon übertragen, niemals aber einem Laien.
80. Die Eucharistie soll den Gläubigen gereicht werden auch «als Gegenmittel, durch das wir von der täglichen Schuld befreit und vor Todsünden bewahrt werden wie in verschiedenen Teilen der Messe hervorgehoben wird. Der an den Anfang der Messe gesetzte Bußakt hat zum Ziel, alle darauf vorzubereiten, die heiligen Mysterien in rechter Weise zu feiern; er hat jedoch nicht die Wirkung des Bußsakramentes und kann nicht als Ersatz für das Bußsakrament im Hinblick auf die Vergebung schwerer Sünden betrachtet werden.

81. Nach kirchlicher Gewohnheit ist es darüber hinaus notwendig, dass sich jeder sehr gründlich prüfe, damit keiner, der sich einer schweren Sünde bewusst ist, ohne vorherige sakramentale Beichte die Messe feiert oder den Leib des Herrn empfängt, außer es liegt ein schwerwiegender Grund vor und es besteht keine Gelegenheit zur Beichte; in diesem Fall muss er sich der Verpflichtung bewusst sein, einen Akt der vollkommenen Reue zu erwecken, der den Vorsatz mit ein schließt, sobald wie möglich zu beichten.

Persönliche Marienweihe

Die Marienweihe als Hingabe an Jesus durch Maria ist ein bedeutsamer Akt für unser geistliches Leben. Denn wir erkennen damit ausdrücklich jene Beziehung an, in die Jesus selbst uns zu Maria gebracht hat.

Jesus hat vom Kreuz aus seine Mutter auch uns zur Mutter gegeben. Dies war eine testamentarische Verfügung, der letzte Wille Christi vor seinem Sterben. Wer nun diese Beziehung zu Maria bewusst annimmt und aus ihr lebt, der wird auch die besondere Hilfe Mariens erfahren. Viele Heilige, wie z.B. Theresa von Avila und Theresia von Lisieux bestätigen dies.

Maria wird uns vor allem helfen, aus der Führung des Heiligen Geistes zu leben. Denn sie selbst steht in einzigartiger Beziehung zum Heiligen Geist. Der hl. Ludwig von Montfort sagt: “Zusammen mit dem Heiligen Geist hat Maria das Größte, was denkbar ist, hervorgebracht: den Gottmenschen. Folglich wird sie auch in den letzten Zeiten die größten Wunder vollbringen. Wenn der Heilige Geist Maria in einer Seele findet, beeilt er sich, ganz in diese Seele einzugehen. Je mehr Raum diese Seele Maria gibt, desto überreicher teilt er sich ihr mit.” Die Marienweihe bedeutet, dass wir bewusster aus den Gaben des Heiligen Geistes leben. Wir haben sie in der Taufe und Firmung empfangen. Sie machen den Menschen bereit, dem Antrieb des Heiligen Geistes ohne Zögern, prompt und rasch zu gehorchen, wie die Segel das Schiff bereit machen, dem Antrieb des günstigen Windes zu folgen. Maria besaß diese Gaben in Fülle: die Gabe der Weisheit und des Verstandes, der Wissenschaft und des Rates, der Stärke, der Frömmigkeit und der Gottesfurcht.

Wer sich Maria weiht, gelangt auch zu einer tiefen Freude im Glauben. Maria, ist hier die “Ursache unserer Freude”. Den die Freude ist eine besondere Frucht des Heiligen Geistes.

Sie weihten sich der Gottesmutter Maria

Hl. Theresia von Avila

Sie schreibt in ihrer Biographie:
Ich war 12 Jahre alt, als meine Mutter starb. Kaum hatte ich erkannt, was ich an ihr verloren hatte, ging ich in meiner Betrübnis zu einem Bild unserer lieben Frau und bat sie unter vielen Tränen, sie möchte von nun an meine Mutter sein. Zwar tat ich dies damals nur in kindlicher Einfalt, aber es hat mir doch sichtlich genützt, denn ich habe den Beistand dieser erhabenen Jungfrau ganz augenscheinlich erfahren, in was immer für einem Anliegen ich mich ihr empfahl. Maria war es, die mich schließlich nach meiner Lauheit wieder an sich gezogen hat.

Hl. Theresia von Lisieux

Sie schreibt in ihrer Biographie:
Ich zweifle nicht daran, daß die besondere Gnade meiner Berufung zum Ordensstand an diesem glücklichen Tag grundgelegt wurde, da ich mich Maria am Fuß ihres Altars geweiht und sie in einem besonderen Sinn zu meiner Mutter erwählt habe, nachdem ich am Morgen Jesus zum ersten Mal empfangen hatte … Ich möchte glauben, daß sie (die Gottesmutter) in noch ausgeprägterer Weise mich damals zu ihrem Kind machen wollte, indem sie mir die große Gnade vermittelte, mich in den Karmel zu führen.