Das Kreuz Christi, das uns erhöht

Das Fest Kreuzerhöhung am 14. Sept. hat einen festen Platz im bäuerlichen Leben . Es ist der Tag des Almabtriebes. Die Ereignisse, die am Ursprung dieses Festes stehen, führen uns zu einer tieferen Betrachtung des Kreuze Christi.

Das Fest Kreuzerhöhung geht zurück auf die Einweihung der Grabeskirche in Jerusalem. Kaiser Konstantin hatte diese Kirche über Golgotha und über dem Grab des Herrn errichten lassen und bei der Einweihung im Jahre 335 wurde das echte Kreuzesholz erhöht, d.h. dem Volk gezeigt.

Dieses Kreuzesholz wurde durch die Initiative der heiligen Helena, der Mutter des Kaisers Konstantin, gefunden. Mit dieser Auffindung des Kreuzes ist eine wunderbare Begebenheit verbunden.

Bei den Ausgrabungen hatte die heilige Helena nicht nur ein Kreuz gefunden sondern mehrere. Man konnte nicht unterscheiden, welches das Kreuz des Herrn war. Durch ein Wunder sollte diese Frage entschieden werden. Der damalige Bischof von Jerusalem, Markarios, betete inständig zu Gott und dann berührte er mit jedem der drei Kreuze eine sterbenskrank darniederliegende Frau. Bei den ersten beiden Hölzern geschah nichts. Als er sie aber mit dem dritten Holz berührte, wurde sie augenblicklich gesund. An diesem Zeichen erkannten sie das Kreuz des Herrn.

An dieser Begebenheit offenbart sich der tiefe Sinn und die Wirkung des Kreuzes Christi in unserem Leben. Wer mit dem Kreuz Christi in Berührung kommt, d.h. wer bereit ist, im Glauben an Jesus und aus Liebe zu ihm den Weg der Kreuzesnachfolge zu gehen, das heißt, wer bereit ist, all die Mühen und Leiden, die Belastungen, die unser Leben unweigerlich mit sich bringt, vereint mit dem Herrn zu tragen, der wird Heilung, Erlösung und geistliches Wachstum, und der wird auch die Auferstehung und Herrlichkeit am eigenen Leib erfahren.
Das Schwere und Belastende in unserm Leben, die Mühen und Leiden, die über uns kommen, auch die Schuld, die auf uns wegen unser Sünden lastet, in all diesen Dingen können wir menschlich gesehen nichts Heilbringendes finden. Aber wenn wir zum Herrn gefunden haben, wenn wir an ihn glauben, uns mit seinem Kreuz vereinen, in seinem Geist den Weg der Nachfolge gehen, dann werden wir Erlösung und Heilung erfahren, das führt uns höher, das führt uns näher zu Gott.

Es gibt den schönen Ausspruch: „Die Kreuze im Leben sind wie die Kreuze in der Musik, sie erhöhen.“ Diese Wahrheit hat auch Mutter Julia Verhaeghe zum Ausdruck gebracht, wenn sie sagt:

“Das Kreuz des Herrn im Glauben getragen bricht nicht, sondern richtet auf.” Oder an anderer Stelle: “Wage es, dem Opfer ins Auge zu sehen und lebe es als eine Anteilnahme am Leben und Sterben Christi. Nur das Opfer, das in ihm gelebt wird, kann uns zum Frieden und zur Freude unseres Christseins, zur Teilnahme an der Gnade der Auferstehung und eines erneuerten Ostermorgens führen.”

Die Freude nicht für sich behalten

Im Jahre 1969 wurde Professor Josef Ratzinger an der Universität Tübingen bei einer Vorlesung von den Studenten ausgebuht. Und heute, da er als Papst Benedikt XVI. wieder nach Deutschland kommt, jubeln ihm bei der Abschlussmesse am Marienfeld 1,1 Millionen junge Leute zu und hören dankbar auf seine Botschaft. Das sind die Wege Gottes! Hier Teile aus seiner Predigt:
Die Eucharistie muss Mitte unseres Lebens werden. … Es ist schön, dass in vielen Kulturen heute der Sonntag ein freier Tag ist oder gar mit dem Samstag ein so genanntes freies Wochenende bildet.

Aber diese freie Zeit bleibt leer, wenn Gott nicht darin vorkommt. Liebe Freunde! Manchmal ist es vielleicht im ersten Augenblick unbequem, am Sonntag auch die heilige Messe einzuplanen. Aber Ihr werdet sehen, dass gerade dies der Freizeit erst die rechte Mitte gibt. Lasst Euch nicht abbringen von der sonntäglichen Eucharistie, und helft auch den anderen, dass sie sie entdecken. … Mit der Liebe zur Eucharistie werdet Ihr auch das Sakrament der Versöhnung neu entdecken, in der Gottes verzeihende Güte immer wieder einen Neubeginn in unserem Leben möglich macht. …

Wer Christus entdeckt hat, muss andere zu ihm führen. Eine große Freude kann man nicht für sich selbst behalten. Man muss sie weitergeben. Heute gibt es in großen Teilen der Welt eine merkwürdige Gottvergessenheit. Es scheint auch ohne ihn zu gehen. Aber zugleich gibt es auch ein Gefühl der Frustration, der Unzufriedenheit an allem und mit allem: Das kann doch nicht das Leben sein! In der Tat nicht. Und so gibt es zugleich mit der Gottvergessenheit auch so etwas wie einen Boom des Religiösen. Ich will nicht alles schlecht machen, was da vorkommt. Es kann auch ehrliche Freude des Gefundenhabens dabei sein. Aber weithin wird doch Religion geradezu zum Marktprodukt. Man sucht sich heraus, was einem gefällt, und manche wissen, Gewinn daraus zu ziehen.

Aber die selbst gesuchte Religion hilft uns im letzten nicht weiter. Sie ist bequem, aber in der Stunde der Krise lässt sie uns allein. Helft den Menschen, den wirklichen Stern zu entdecken, der uns den Weg zeigt: Jesus Christus. Versuchen wir selber, ihn immer besser kennen zu lernen, damit wir überzeugend auch andere zu ihm führen können.

Was ist ein Diakon?

Das Sakrament der Weihe gliedert sich in drei Stufen. Mit der Bischofsweihe wird die Fülle der Weihe übertragen. Dem voraus geht die Weihestufe des Priestertums. Die unterste Stufe ist die Diakonenweihe. Das Sakrament der Weihe, sei es Diakonen-, Priester- oder Bischofsweihe kann nur Männern übertragen werden, da die Weihe eine ganz besondere Gleichgestaltung mit Christus bedeutet und da der Herr nur Männer als Apostel auserwählt hat. Alle, die dieses Sakrament der Weihe empfangen, bilden zusammen die Hierarchie der Kirche.

Die Diakone werden durch die Weihe Christus gleichgestaltet, der zum “Diener” das heißt zum “Diakon” aller geworden ist. Aufgabe der Diakone ist es unter anderem, dem Bischof und den Priestern bei der Feier der Eucharistie zu helfen, in der hl. Messe das Evangelium zu verkünden und zu predigen, die heilige Kommunion zu spenden. Er darf der Eheschließung assistieren und das Brautpaar segnen, die Taufe spenden, Begräbnissen vorstehen und soll sich verschiedenen karitativen Diensten widmen. Krankensalbung und Beichte bleiben aber immer dem Priester vorbehalten.

Bis zum II. Vat. Konzil hat es den Diakonat nur als Vorbereitung auf die Priesterweihe gegeben. Nach dem Konzil hat die lateinische Kirche den Diakonat als eigene und beständige Stufe der Hierarchie wiederhergestellt. Die Ostkirchen hatten stets an ihm festgehalten. Dieser ständige Diakonat, der auch verheirateten Männern übertragen werden kann, ist für die Sendung der Kirche eine wichtige Bereicherung.

Keine Auge hat es gesehen

Mit dem Fest der Aufnahme Marias in den Himmel am 15. August feiert die Kirche gleichsam ein Erntefest. Gott hat die schönste Frucht, die auf dem Acker seines Reiches gereift ist, schon ganz in die Scheune des Himmels gebracht und sie über alle Geschöpfe verherrlicht. „Wenn schon kein menschlicher Verstand, die unermessliche Herrlichkeit zu fassen vermag, die nach den Worten des hl. Paulus Gott denen im Himmel bereitet, die ihn auf Erden lieben, wer wird dann imstande sein, zu begreifen, welche Herrlichkeit seiner Mutter bereitet ist, die ihn auf Erden mehr geliebt hat als alle Menschen.“ Dieser Gedanke des der hl. Bernhard von Clairvaux hat wohl das Erkennen vieler gläubiger Menschen und Lehrer der Kirche geleitet, wenn sie Maria betrachtet haben.

Für ihre leibliche Aufnahme in den Himmel gibt es zwar kein direktes biblisches Zeugnis. Auch über den Ort und Zeit ihres Heimgangs gibt es unterschiedliche Traditionen. Aber das ändert nichts daran, dass die Wahrheit von ihrer leiblichen Himmelfahrt schon immer in der Kirche geglaubt und gelehrt wurde. Das Fest Maria Himmelfahrt ist nicht nur das höchste und vornehmste, sondern auch das zeitlich erste und älteste Marienfest der Kirche. Es war aber erst unserer Zeit vorbehalten, diesen Glauben in feierlicher Form zu definieren. 1950 hat Papst Pius XII diese Lehre unwiderruflich verkündet: „Es ist eine von Gott geoffenbarte Glaubenswahrheit, dass die unbefleckte, immer jungfräuliche Gottesmutter Maria nach Vollendung ihres irdischen Lebenslaufes mit Leib und Seele zur himmlischen Herrlichkeit aufgenommen worden ist.“

Gott stellt uns Maria als Beweis vor Augen, dass er seine Verheißungen erfüllt: „Wenn der Geist dessen in uns wohnt, der Jesus von den Toten auferweckt hat, dann wird er auch unseren sterblichen Leib einmal lebendig machen, durch den Geist, der in uns wohnt“ (Röm 8,11). An Maria ist schon geschehen, was wir noch erwarten. Sie wird uns helfen, nach dem Großen zu streben, das Gott denen bereitet hat, die ihn lieben.

Petersdom über dem Petrusgrab – ein Sinnbild für die Verheißung Jesu

Ein bemerkenswertes Sinnbild für die Verheißung Jesu, dass er seine Kirche auf Petrus, dem Felsen, bauen wird, ist der Petersdom in Rom. Der heilige Apostel Petrus erlitt im Jahre 64 unter Kaiser Nero das Martyrium. Er wurde mit anderen Christen im Circus des Kaligula und des Nero, der sich auf dem heutigen Petersplatz befand, gekreuzigt und im Friedhof, der neben dem Circus am Abhang des Vatikanhügels lag, in einem einfachen Erdgrab bestatte. Von Anfang an war das Grab das Ziel vieler Pilger.

Zu Beginn des vierten Jahrhunderts ließ Kaiser Konstantin über dem Grab eine große Basilika errichten. Schließlich wurde vom 15. bis zum 17. Jhd. der Petersdom gebaut, wie wir ihn heute kennen, mit der von Michelangelo entworfenen Kuppel, die sich direkt über dem Apostelgrab erhebt. Papst Pius der XII. ließ in den 40-ger und 50-ger Jahren archäologische Ausgrabungen vornehmen, die wissenschaftlich die Tradition des Petrusgrabes bestätigten.

Eine Führung durch diese Ausgrabungen mit abschließendem Gebet des Glaubensbekenntnis direkt vor dem Erdgrab ist für Rompilger oft eines der schönsten Erlebnisse, die den Glauben stärken, den schon Petrus vor Jesus bekannte: “Du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes” (Mt 16,16).

Kirche – auf dem Felsen gebaut

29. Juni: Fest Peter und Paul – Gedanken zum Petrusamt

Wir sind es gewohnt, den Papst als die Spitze der der Kirche zu betrachten. Aber nach dem Wort Jesu ist das Petrusamt das Fundament, auf dem die ganze Kirche auferbaut wird. Der Glaube des Petrus ist unser feste Grund. Die Kirche ist nicht auf Sand gebaut und sie ist auch keine Sandburg, die von den Strömungen der Zeit weggespült werden könnte. Die Geschichte der Kirche beweist uns, dass der Herr treu ist und uns auch mit Benedikt XVI. einen Felsen geschenkt hat, auf den wir bauen können. Unser Heiliger Vater, Benedikt XVI. hat in einer Predigt, die er bei der Inbesitznahme der Kathedra (des Bischofssitzes und Lehrstuhles) von Rom in der Lateranbasilika gehalten hat, die Bedeutung seines Petrusamtes sehr treffend erklärt. Hier einige wichtige Abschnitte aus seiner Predigt:

1) Dem Nachfolger Petri obliegt eine besondere Aufgabe. Es war Petrus, der als erster im Namen der Apostel das Glaubensbekenntnis ausgesprochen hat: »Du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes« (Mt 16,16). Das ist die Aufgabe aller Nachfolger des Petrus: Führer zu sein im Bekenntnis des Glaubens an Christus, den Sohn des lebendigen Gottes. Die Kathedra von Rom ist vor allem Kathedra dieses Glaubensbekenntnisses. Der Bischof von Rom ist dazu verpflichtet, von dieser Kathedra herab ständig zu wiederholen: »Dominus Iesus« – »Jesus ist der Herr«, wie Paulus in seinen Briefen an die Römer (10,9) und an die Korinther (1 Kor 12,3) schrieb.

2) Wer die Kathedra Petri in Besitz genommen hat, muß sich der Worte erinnern, die der Herr beim Letzten Abendmahl zu Petrus gesagt hat: »…und wenn du dich wieder bekehrt hast, dann stärke deine Brüder« (Lk 22,32). Der Träger des Petrusamtes muß sich bewußt sein, daß er ein zerbrechlicher und schwacher Mensch ist – wie seine eigenen Kräfte zerbrechlich und schwach sind –, der ständiger Läuterung und Umkehr bedarf. Aber er darf sich auch dessen bewußt sein, daß er vom Herrn die Kraft erhält, seine Brüder im Glauben zu stärken und sie vereint zu halten im Bekenntnis zum gekreuzigten und auferstandenen Herrn.

3) Der Bischof von Rom sitzt auf seiner Kathedra, um von Christus Zeugnis zu geben. Daher ist die Kathedra das Symbol der »potestas docendi«, jener Lehrvollmacht, die wesentlich zur Aufgabe des Bindens und Lösens gehört, die vom Herrn dem Petrus und nach ihm den Zwölf aufgetragen worden ist.
Diese Lehrvollmacht erschreckt viele Menschen innerhalb und außerhalb der Kirche. Sie fragen sich, ob sie nicht die Gewissensfreiheit bedrohe, ob sie nicht eine Anmaßung darstelle, die im Gegensatz zur Meinungsfreiheit steht. Dem ist aber nicht so. Die von Christus dem Petrus und seinen Nachfolgern übertragene Macht ist, absolut verstanden, ein Auftrag zum Dienen. Die Lehrvollmacht in der Kirche schließt eine Verpflichtung zum Dienst am Glaubensgehorsam ein. Der Papst ist kein absoluter Herrscher, dessen Denken und Willen Gesetz sind. Im Gegenteil: Sein Dienst garantiert Gehorsam gegenüber Christus und seinem Wort. Er darf nicht seine eigenen Ideen verkünden, sondern muß – entgegen allen Versuchen von Anpassung und Verwässerung sowie jeder Form von Opportunismus – sich und die Kirche immer zum Gehorsam gegenüber dem Wort Gottes verpflichten.

4) Als Katholiken sind wir alle in gewisser Weise auch Römer. Mit den Worten von Psalm 87, einem Loblied auf Zion, die Mutter aller Völker, sang Israel und singt die Kirche: »Doch von Zion wird man sagen: Jeder ist dort geboren …« (Ps 87,5). In ähnlicher Weise könnten auch wir sagen: Als Katholiken sind wir in gewisser Weise alle in Rom geboren. So will ich mit ganzem Herzen versuchen, euer Bischof, der Bischof von Rom zu sein. Und wir alle wollen versuchen, immer mehr katholisch zu werden – immer mehr zu Brüdern und Schwestern in der großen Familie Gottes, jener Familie, in der es keine Fremden gibt.

Viel vermag das inständige Gebet

Gebetsvigil für das Leben – Überwindung der Kultur des Todes

Durch den vorbildlichen Einsatz der Gehsteigberatung des Vereins Miriam und das inständige Gebet im Anliegen des Lebensschutzes, das in den Gebetsvigilien immer wieder zum Ausdruck kommt, konnten schon, soweit es bekannt geworden ist, 35 Kinder vor dem Abtreibungstod gerettet werden. Die Mütter sind glücklich darüber, dass sie ihren Kindern das Leben geschenkt haben. Die Gebetvigilien sollen ein Zeichen der Barmherzigkeit und Liebe Gottes sein. Es braucht viel Gebet und Opfer von Seiten der Gläubigen, damit die jetzt vorherrschende Kultur des Todes durch eine Kultur der Liebe überwunden wird. Denn der Zeitgeist lässt die Tötung der Kleinstkinder im Mutterleib als etwas ganz Normales und Selbstverständliches, ja sogar als ein „gutes“ und schützenswertes Recht erscheinen.

Die Art dieses Zeitgeistes trat offen zutage, als eine Gruppe von Mädchen der AKS (Aktion kritischer SchülerInnen, eine Gruppierung der „Jungsozialisten“), eine Demonstration gegen die Gebetsvigil veranstalteten: Mit Transparenten mit der Aufschrift: Selbstbestimmung statt Fremdbestimmung! Nur weil ich eine Gebärmutter habe, bin ich noch lange keine! Frauenrechte statt Kirchenknechte! Abtreibe wer wolle, die Kirche spielt dabei keine Rolle! und mit skandierendem Sprechchor: „Ob Kinder oder keine, bestimmen wir alleine!“ suchten sie auf sich aufmerksam zu machen. Die Antwort der Gläubigen sind nicht Gegenparolen, sondern das Gebet und die Liebe.

Ehe und Familie – keine zufällige Konstruktion

Am 6. Juni eröffnete Papst Benedikt XVI. in der LateranBasilika den Kongress der Diözese Rom zum Thema: Familie und christliche Gemeinde: Bildung der Person und Weitergabe des Glaubens, und hielt aus diesem Anlass einen ausgezeichneten Vortrag, über die Grundlagen von Ehe und Familie. Im Folgenden einige Zitate aus seiner Ansprache:

Die verschiedenen Formen der Auflösung der Familie von heute wie die ‚Ehe ohne Trauschein‘, die ‚Ehe auf Probe‘ bis hin zur PseudoEhe von Personen des gleichen Geschlechts sind Ausdruck einer anarchischen (gesetzlosen) Freiheit, die zu unrecht als wahre Befreiung dargestellt wird. Eine solche PseudoFreiheit gründet sich auf einer Banalisierung des Körpers, die unausweichlich die Banalisierung des Menschen mit einschließt. Deren Grundsatz ist, dass der Mensch mit sich machen kann, was er will …

Ehe und Familie sind in Wirklichkeit keine zufällige soziologische Konstruktion oder das Ergebnis besonderer historischer und wirtschaftlicher Umstände. Im Gegenteil hat die Frage der richtigen Beziehung zwischen Mann und Frau ihre Wurzeln im tieferen Wesen des menschlichen Seins und kann ihre Antwort nur von hier aus haben… Der Mensch ist nach dem Ebenbild Gottes geschaffen und Gott selbst ist die Liebe. Daher macht die Berufung zur Liebe die wahre Gottesebenbildlichkeit des Menschen aus: er wird Gott ähnlich in dem Maß, in dem er zu jemandem wird, der liebt. …

Die Ehe als Institution ist nicht ein unangemessenes Eingreifen der Gesellschaft oder der Behörde, eine formelle Auflage von Außen in die private Sphäre des Lebens; sie ist vielmehr eine Erfordernis, die dem Versprechen der ehelichen Liebe und der Tiefe der menschlichen Person innewohnt.

Ich bin der wahre Hirt, ich gebe mein Leben für die Schafe

Bei seiner Amtseinführung am 24. April empfing der Heilige Vater Benedikt XVI. als Zeichen seines Amtes das Pallium und den Fischerring. In seiner Predigt deutet er diese Insignien. Hier eine Abschnitt seiner Erklärung des Palliums:

Aus der Wolle von Lämmern gewoben will es das verirrte Lamm oder auch das kranke und schwache Lamm darstellen, das der Hirt auf seine Schultern nimmt und zu den Wassern des Lebens trägt. Das Gleichnis vom verlorenen Schaf, dem der Hirte in die Wüste nachgeht, war für die Kirchenväter ein Bild für das Geheimnis Christi und der Kirche. Die Menschheit, wir alle, sind das verlorene Schaf, das in der Wüste keinen Weg mehr findet. Den Sohn Gottes leidet es nicht im Himmel; er kann den Menschen nicht in solcher Not stehen lassen. Er steht selber auf, verlässt des Himmels Herrlichkeit, um das Schaf zu finden und geht ihm nach bis zum Kreuz. Er lädt es auf die Schulter, er trägt unser Menschsein, er trägt uns – er ist der wahre Hirt, der für das Schaf sein eigenes Leben gibt. Das Pallium sagt uns zuallererst, dass wir alle von Christus getragen werden. Aber er fordert uns zugleich auf, einander zu tragen. …

Das Symbol des Lammes hat aber auch noch eine andere Seite. Im alten Orient war es üblich, dass die Könige sich als Hirten ihrer Völker bezeichneten. Dies war ein Bild ihrer Macht, ein zynisches Bild: Die Völker waren wie Schafe für sie, über die der Hirte verfügt. Der wahre Hirte aller Menschen, der lebendige Gott, ist selbst zum Lamm geworden, er hat sich auf die Seite der Lämmer, der Getretenen und Geschlachteten gestellt. Gerade so zeigt er sich als der wirkliche Hirt. “Ich bin der wahre Hirte… Ich gebe mein Leben für die Schafe”, sagt Jesus von sich (Joh 10, 14f). Nicht die Gewalt erlöst, sondern die Liebe. Sie ist das Zeichen Gottes, der selbst die Liebe ist.

Irmgard Hagspiel – ein Leben im Dienst des Lebens

Eine „Mutter“ vieler Kinder

Irmgard Hagspiel, die in Bregenz gelebt, aber durch ihre Wirken über die Grenzen Vorarlbergs hinaus bekannt geworden ist, ist am 13. Feb. 2005 verstorben. Sie hat uns das Beispiel einer außergewöhnlichen Nächstenliebe hinterlassen, die vorbildlich ist und die nachahmenswert bleibt.

Irmgard Hagspiel, 1922 geboren, absolvierte während des Krieges eine Ausbildung als Handarbeits- und Hauswirtschaftslehrerin und war 35 Jahre lang in der von den Dominikanerinnen des Klosters Thalbach geführten Mädchenhauptschule in Bregenz als Lehrerin tätig. Zunächst unterrichtete sie 10 Jahre lang Hauswirtschaft. Nach dem Besuch eines Seminars für Sexualerziehung unterrichtete sie ab 1951 auch dieses Fach. Bald sprach es sich herum, dass sich hier jemand zutraut, dieses heikle Thema vor 13- bis 18-jährigen Schülern zu behandeln. So erhielt sie im Rahmen eines Schulversuches eine halbe Dienstverpflichtung für Hauswirtschaft und eine halbe für Vorträge in den Schulen und für Elternabende.

Sie fuhr in ganz Vorarlberg von Ort zu Ort und kam auch in die Schweiz. Sie betreute rund 150 Schulen. Mit sehr kluger und einfühlsamer Pädagogik verstand sie es, den jungen Menschen das nötige Wissen und die sittliche Wahrheit zum Thema Sexualität nahe zu bringen. Die Schüler hatten mit ihren vielen Fragen großes Vertrauen zu ihr.

Im Laufe der Zeit erkannte sie immer klarer, dass sie nicht jeden Tag in den Schulen nur sagen konnte: „Abtreibung ist nie eine Lösung“, ohne selbst eventuelle Konsequenzen zu tragen.

Und tatsächlich: Fünf Jahre nach Beginn ihrer Vortragstätigkeit kam der erste Anruf einer Schülerin. Sie kenne ein schwangeres Mädchen, das wolle Selbstmord verüben. Sie traue sich nicht, es den Eltern zu sagen. In dieser Nacht noch fährt Frau Hagspiel los, um mit dem Mädchen zu reden – und es wendet sich alles zum Guten. In dieser Art geht es weiter: „Immer wieder kamen Mitschüler oder Mitschülerinnen von in Not geratenen Mädchen zu mir und baten mich um Hilfe. Wenn sich herausstellte, dass die Situation des Mädchens zu Hause nicht abgefangen wurde, habe ich ihm vorgeschlagen, die Schwangerschaft und das Karenzjahr mit dem Kind bei mir zu verbringen.“

So kam es, dass sie im Laufe der Zeit insgesamt 48 Frauen und Mädchen für länger oder kürzer in ihre kleine Wohnung aufnahm, um ihnen in ihrer schwierigen Situation zu helfen. Durch ihren selbstlosen Einsatz konnten über 50 Kinder das Licht der Welt erblicken, die in Gefahr waren abgetrieben zu werden. 19 Kinder konnte sie zur Adoption vermitteln.

Die innere Kraft für ihr Tun fand sie immer wieder im Gebet vor dem eucharistischen Herrn. Sie erhielt vom Bischof die Erlaubnis, in ihrer Wohnung eine eigen kleine Kapelle mit dem Allerheiligsten einzurichten. „Ich habe sehr viel Schönes erlebt. Ganz glücklich war ich, wenn eine Frau in der Zeit, in der sie bei mir war, zu Gott fand. Das war oft ein langer Prozess.“

Rund 40 Jahre hat sie diesen Dienst an Frauen in Not und ihren Kindern neben ihrem Beruf in der Schule und ihrer Tätigkeit als Wanderpredigerin ausgeübt. Als junge Frau hatte sie die Absicht zu heiraten, aber ihr Verlobter kam nicht mehr aus dem Krieg zurück. So blieb sie ehelos und lebte ihre Leben für Gott. Aber gerade dadurch reifte sie zu einer große Nächstenliebe und so ist sie zur Mutter für viele Kinder geworden.

Ich habe Ströme von Tränen erlebt

Aus einem ihrer Vorträge über Sexualerziehung:

Ich habe im Laufe von 30 Jahren mit ca. 85.000 Jugendlichen über sexuelle Fragen gesprochen und leider tausendfach erfahren, in welches Meer von Verzweiflung und Leid diese jungen Menschen geraten, wenn sie der allgemein propagierten und durch die Medien geförderten Unmoral erliegen, die ihnen viele Erwachsene auch vorleben. Wo sind aber die Menschen, die sie auffangen in ihrer Not, die zu helfen und zu trösten versuchen und ihnen helfen, Schuld zuzugeben, zu bereuen und neu zu beginnen, auch wenn jetzt manches schwerer ist? Es lohnt sich aber, haben sie ja noch das ganze Leben vor sich! Werden sie jedoch nicht zu einem neuen Beginn aufgefangen, dann geht die Talfahrt von Abenteuer zu Abenteuer weiter, und die innere Not wird immer aussichtsloser. Ich habe Ströme von Tränen und viel Verzweiflung erlebt. Wer will das eigentlich? Verurteilt nicht die Betroffenen; dazu haben wir niemals das Recht. Aber helft zu trösten, abzufangen, aufzurichten, verhelft zu einem neuen Beginn. Das ist mühsam, aber es lohnt sich, auch nur einen jungen Menschen herauszuholen aus dieser Gefangenschaft. Christa Meves sagte einmal: „Die Revolution gegen die Moral wird ihre eigenen Kinder fressen.“ Hat das nicht schon begonnen, wenn wir an Gewalt, Drogen, Abtreibung und Aids denken? Die schlimmste Meinung, die man dazu haben kann, ist wohl die: „Da kann man halt nichts machen, heute ist eben alles anders.“ Diese Hoffnungslosigkeit der Guten ist gefährlich und zutiefst unchristlich. Sagen wir es wieder laut, nicht nur in der Familie, sondern auch in der Öffentlichkeit und im Kirchenraum: „Kehrt um, so geht es nicht weiter!“ – solange, bis die Menschen wieder aufhorchen und es glauben.