O Gott, vergib diesem jungen Mann!

Nicht nur durch den Islam wurden und werden Christen immer wieder verfolgt, sondern auch unter allen kommunistischen Regierungen. Nach dem Fall der Mauern wurden die Gräueltaten, die durch diese Ideologie im Ostblock verursacht wurden, bald vergessen oder bewusst verschwiegen. Wie viele Christe haben in dieser Zeit ihr Leben hingegeben oder schwere Not gelitten. Der Herr hat aber auch viele Wunder der Bekehrung gewirkt. Es hat immer wieder Paulusgestalten gegeben, die sich von Verfolgern zu Aposteln bekehrt und zuletzt sogar ihr Leben für Christus geben haben. Einer dieser Zeugen des Glaubens, die nicht vergessen werden sollten, war Sergei Kourdakov, der das Buch „Vergib mir Natascha“ geschrieben hat. In diesem Buch beschreibt er, wie das standhafte Glaubenszeugnis des Mädchens Natascha, die er mehrmals wegen ihres Glaubens schwer misshandelt hatte, sein Leben veränderte. Auch die folgende Begebenheit war entscheidend für seine Bekehrung.

Sergei Kourdakov (*1951) war Student an der Marineakademie in Kamtschatka und überzeugter Kommunist. Vom KGB wurde er zum Anführer einer Schlägergruppe ausgebildet, die die Aufgabe hatte, geheime Gebetsversammlungen von Gläubigen zu überfallen und brutal zusammenzuschlagen. Die Anweisungen zu solchen Einsätzen gegen die Untergrundkirche kamen von der Polizei. Bei einer solchen Razzia passierte es. Sie stürmten ein Haus, in dem sich 17 Gläubige versammelt hatten. Brutal schlugen sie auf die Menschen ein. Die Schreie der Gläubigen waren ohrenbetäubend. Nahe einer Wand sah er eine alte Frau. Voller Angst zitterten ihre betenden Lippen. Zwar verstand er wegen des Lärmes ihre Worte nicht. Doch das brachte ihn noch mehr in Wut. Er sprang auf sie zu und holte zum Schlag aus. Als die alte Frau sah, dass Sergei mit erhobenem Arm auf sie zukam, um mit dem Gummiknüppel auf sie zu schlagen, rief sie ganz laut: „O Gott, vergib diesem jungen Mann. Zeig ihm den wahren Weg. Öffne seine Augen und hilf ihm, vergib ihm, o Gott!“

Sergei begann seine Fassung zu verlieren. „Warum betet sie nicht um Hilfe für sich selbst – sondern für mich? Sie ist dabei, von mir erledigt zu werden!“ In einem Wutanfall packte er seinen Stock fester und hatte die Absicht, ihn auf ihren Kopf niederzuschmettern, ihr einen solchen Schlag zu versetzen, der sie töten würde.

Aber da ergriff plötzlich jemand sein Handgelenk und riss es zurück. Der Druck war so stark, dass er schmerzte. Er wandte sich um, weil er dachte, es sei einer der Gläubigen. Doch da war niemand! Er sah hinter sich. Niemand konnte seinen Arm festgehalten haben. Und doch hatte ihn jemand gepackt. Er fühlte noch den Schmerz. Er stand da wie unter einem Schock. Das Blut stieg ihm in den Kopf. Ihm wurde heiß, und Entsetzen kam über ihn. Er ließ seinen Knüppel fallen und rannte nach draußen. Das Blut raste in seinem Kopf, und Tränen begannen über sein Gesicht zu strömen. Seit er vier Jahre alt war, hatte er nicht mehr geweint.

Nach diesen und anderen Erfahrungen, die er mit gläubigen Christen machte, hat er sich bekehrt und ist auf abenteuerliche Weise nach Kanada geflüchtet. Er hat in Vorträgen Zeugnis gegeben von seinem Glauben an Christus und sein Buch verfasst.

Am 1. Januar 1973 starb Sergei durch eine Kugel aus seinem eigenen Revolver. Sein Tod wurde als Unfall erklärt, daran gibt es aber Zweifel, nicht zuletzt, weil einige seiner Gegner ihm zuvor gedroht hatten, den Mord an ihm wie einen Unfall aussehen zu lassen, wenn er weiterhin öffentlich auftrete und die Wahrheit über sein Leben in der Sowjetunion verbreite.

 

Schau nach oben

Von einem Segelschiff, das vor langer Zeit über das Meer fuhr, wird uns Folgendes berichtet: Auf stürmischer See war am Großmast ein Stück Takelwerk zerrissen, das wieder repariert werden musste.

Der Kapitän schickte einen jungen Matrosen während des Sturms hinauf, damit er den Schaden wieder in Ordnung bringe. Der Matrose stieg hinauf, und mitten im rasenden Sturm arbeitete er unter Aufbietung aller Kräfte.

Endlich war er fertig und wollte wieder hinabklettern. Er schaute dabei nach unten und erschrak vor den Wogen, die mit unerhörter Wucht über das Deck schlugen. Es wurde ihm schwindlig und er schrie in seinem Schrecken: „Ich falle“. Schon ließ er auch eine Hand los, da schrie ihm der Kapitän zu: „Schau nach oben, schau nach oben!“ Der Matrose hörte auf das Kommando des Kapitäns und blickte wirklich nur mehr über sich; da kam wieder die Ruhe über ihn und so stieg er den Blick nach oben gerichtet langsam herunter und gelangte sicher und unversehrt wieder aufs Deck.

Genau darauf kommt es an. In dieser Welt haben wir wichtige Aufgaben zu erfüllen, aber wir sind mit unserem Schiff auf stürmischer See unterwegs. Wir sind den Wogen von Prüfungen und Versuchungen ausgeliefert, und wenn wir auf das Treiben der Welt schauen, so können wir leicht das Gleichgewicht verlieren, sodass wir fallen und abstürzen.

Darum sagt der hl. Paulus: „Richtet euren Sinn auf das Himmlische und nicht auf das Irdische“ (Kol 3,2); wir können dies tun durch das Gebet, durch die hl. Messe und durch die Beichte.

Die hl. Theresia von Lisieux sagt in diesem Sinn: „Für mich ist das Gebet ein Aufschwung des Herzens, ein einfacher Blick zum Himmel, ein Ruf der Dankbarkeit und der Liebe, sei es nun mitten in der Prüfung oder der Freude. Kurz, es ist etwas Großes, etwas Übernatürliches, das mir die Seele weit macht und mich mit Jesus vereint.“

 

Gott kann alles zum Guten führen

Eine Familie machte einen Sonntagsspaziergang. Drei muntere Kinder liefen ihren Eltern auf einem Schotterweg voraus. Das älteste der Kinder sprang vorneweg und schaute sich immer wieder um nach den beiden Geschwistern. Die Kinder liefen auf einen unbeschrankten Bahnübergang zu. In ihrer Freude am Spiel hatten sie alles um sich herum vergessen, hatten nur Augen und Ohren für ihr Fangen-Spiel.

So hörten sie nicht den herannahenden Zug. Direkt vor dem Bahnübergang stolperte das Mädchen und fiel zu Boden. Im selben Augenblick brauste der Zug vorüber; ein paar Schritte weiter und es wäre vom Zug überfahren worden. Das Mädchen weinte über die blutigen Knie  und wollte sich kaum trösten lassen. Die Eltern aber sahen hinter dem kleinen Unglück die große Bewahrung vor dem noch viel größeren Unglück.

Manchmal fragen wir uns, warum Gott so manche Leiden und Prüfungen in unserem Leben schickt oder zulässt. Wie uns diese Begebenheit als Gleichnis zeigt: Aus der Sicht Gottes wäre für uns das schlimmste Unglück, dass wir ewig verloren gehen. Darum tut er alles, damit wir nicht ins Verderben rennen. So lässt er Prüfungen und Leiden zu, damit wir rechtzeitig zur Besinnung kommen und gerettet werden. Der hl. Paulus sagt:  „Wir wissen, dass Gott bei denen, die ihn lieben, alles zum Guten führt“ (Röm 8,28).

 

Ich verstand die Wahrheit: Das ist ein Baby!

Abtreibung ist heute in fast allen Staaten der Welt in irgend einer Form legalisiert. Die Kinder im Mutterleib haben in unseren Ländern keinen Schutz mehr durch staatliche Gesetze.

Das war nicht immer so, sondern erst in den 60er und 70er Jahren gab es mächtige Anstrengungen von Seite sozialistischer, neomarxistischer, feministischen, grüner, liberaler, d.h. linker Gruppierungen und Parteien, um die Legalisierung der Abtreibung durchzusetzen und die Meinung der Bevölkerung dahingehend zu manipulieren, dass sie an einer Abtreibung nichts mehr Schlimmes findet. Diese Verblendung ist bis heute weitgehend gelungen.

Wir verstehen oft die Wege Gottes nicht. Aber wir müssen auf der anderen Seite sehen, dass es leuchtende Bekehrungsgestalten gibt. Eine von ihnen war Norma McCorvey, die am 18. Feb. 2017 verstorben ist.

Aus der Frau, die die Abtreibung in den USA legalisieren half, wurde eine entschiedene Pro-Life-Aktivistin und eine tief gläubige Katholikin. Im folgenden ihre Geschichte:

Der Abtreibungsarzt Bernhard Nathanson, der sich später ebenfalls bekehrt hat, hatte in den USA die Kampagne für die Legalisierung der Abtreibung geleitet. Seine Gruppe um ihn suchte nach einer Frau, die bereit war, einen Klage geben das Gesetz zu führen, durch das die Abtreibung verboten war.

Norma war damals 21 Jahre alt. Sie hatte ein lange und problematische Geschichte hinter sich. Aufgewachsen war sie in einer armen, zerbrochenen Familie. Mit 16 heiratete sie und wurde schwanger, woraufhin sie ihr Mann verließ. Das Kind wurde ihr gegen ihren Willen weggenommen. Ein weiteres – diesmal außereheliches – Kind gab sie selbst zur Adoption frei. Nun war sie abermals schwanger – mittellos, ungebildet, drogen- und alkoholsüchtig … und wollte eine Abtreibung.

Diese Situation kam den beiden feministischen Anwältinnen gerade recht für die beabsichtige Klage gegen das Gesetz. Der Prozess, in dem Norma unter dem Decknamen „Jane Roe“ als Klägerin auftrat, endete 1973 mit der höchstrichterlichen Entscheidung, dass die Abtreibung legalisiert werden muss.

Norma hatte inzwischen ihr drittes Kind geboren und zur Adoption freigegeben, aber mit dem Sieg im Prozess war sie nun ein Star: „Obwohl ich nie selbst abgetrieben habe, war Abtreibung die Sonne, um die mein Leben kreiste. Einmal habe ich einem Reporter gesagt: ‚Dieses Thema ist das einzige, wofür ich lebe, esse, atme, denke – alles dreht sich um Abtreibung‘.“

Normas Welt begann sich jedoch zu verändern, als sie in einer Abtreibungsklinik in Dallas arbeitete. Sie lernte damals Mitarbeiter einer Pro-Life-Gruppe kennen, die Norma vor allem durch die Liebe, mit der sie begegneten, verändert haben.

Völlig überzeugt war sie aber erst, als sie vom Bild eines ‚zehn Wochen Babys‘ ins Herz getroffen wurde: „Ich schaute weiter auf das Bild des winzigen Embryos und ich sagte mir: ‚Das ist ein Baby!‘ Es war, als ob mir Schuppen von den Augen gefallen wären, und ich verstand die Wahrheit: Das ist ein Baby!“ Norma bekehrte sich zum Christentum und erfuhr die Vergebung Gottes; 1998 wurde sie in die Katholische Kirche aufgenommen.

Ihr neues Leben fasste sie in wenigen Worten zusammen: „Ich bin 100 Prozent für Jesus ausverkauft und hundert Prozent ProLife. … Keine Ausnahmen, keine Kompromisse.“

Ich übergab das Leben meines Kindes Christus

Eine Mutter berichtet:

Jesus bat die hl. Schwester Faustine Kowalska, sie möge über Seine Barmherzigkeit sprechen und schreiben. Auch ich möchte über die Barmherzigkeit Jesu schreiben, die Er mir und meiner Familie erwiesen hat. Die Gnade des Barmherzigen Jesus betrifft meinen jüngeren Sohn Simon. Es war vor gut sieben Jahren, als ich bemerkte, dass ich schwanger war, und dann an einer Grippe erkrankte.

Als mein Frauenarzt von meiner Krankheit erfuhr, informierte er mich über die tragischen Folgen, die der Virus beim Kind hervorrufen könnte. Er machte eine Ultraschalluntersuchung und stellte die Diagnose: der Grippevirus habe den Embryo zerstört. Weiterhin sagte der Frauenarzt, dass ich in nächster Zeit eine Fehlgeburt erwarten sollte.

Das war ein herber Schlag für mich. Ich übergab das Leben meines Kindes Christus, indem ich den Barmherzigkeitsrosenkranz betete. Es war für mich eine echte Tragödie, und zwar auch deswegen, weil ich auch in der vorherigen Schwangerschaft eine Fehlgeburt erlitten hatte. …

Ich fand einen neuen Arzt, der wie ein guter Schutzengel zu mir war (Gott stellt oft wunderbare Menschen auf unseren Weg!). Es stellte sich heraus, dass das Kind sich gut entwickelt. Ich betete täglich und bat auch andere um ihr Gebet. Und obwohl die Unruhe, die der erste Arzt in mein Herz gesät hatte, mich die ganze Zeit über begleitete, vertraute ich von ganzem Herzen Gott und stellte mein Kind unter Seinen Schutz. …

Mein Sohn kam vollkommen gesund auf die Welt, und so schnell, dass der Arzt es nicht einmal schaffte, rechtzeitig zu kommen. Ehre sei dem Herrn! Ich ermuntere alle, für schwangere Mütter zu beten, sogar für diejenigen, die gar nicht wissen, dass man für sie beten … (vgl.: Lebe, Nr. 132/2017)

 

Maria – Vorbild im Erlernen der göttlichen Wahrheit

Am 25. März feiert die Kirche das Hochfest der Verkündigung des Herrn. Es ist das eigentliche Fest der Menschwerdung Gottes. Maria hat im Glauben ja gesagt zum Plan des Herrn. Durch ihr „mir geschehe“ hat der Sohn Gottes in ihrem Schoß unsere menschlichen Natur angenommen. Marias Glaube ist so zum Vorbild für uns alle geworden. Der hl. Kard. Newman schreibt:

„Maria ist uns ein Vorbild in der Annahme und im Erlernen der göttlichen Wahrheit. Es genügt ihr nicht, sie anzunehmen, sie verweilt bei ihr. Es genügt ihr nicht, sie zu besitzen, sie benutzt sie. Es genügt ihr nicht, ihr zuzustimmen, sie entwickelt sie. Es genügt ihr nicht, ihr die Vernunft zu unterwerfen, sie denkt auch darüber nach. Allerdings nicht so, dass sie zuerst ihre Vernunft gebrauchte und nachher glaubte, wie Zacharias. Vielmehr glaubt sie zuerst, ohne nachzuforschen; und dann fängt sie aus Liebe und Ehrfurcht an zu überlegen, nachdem der Glaubensakt schon vollzogen ist. Und so ist sie uns ein Sinnbild nicht nur für den Glauben der Einfachen, sondern auch den der Kirchenlehrer, die das Evangelium eben sosehr zu erforschen, abzuwägen und zu definieren wie zu bekennen haben.“

Kinder des Vaters im Himmel sein

In den Evangelien der Sonntagen im Februar hören wir wichtige Abschnitte aus der Bergpredigt Jesu. Jesus legt uns darin die Gebote, Weisungen und Prinzipien vor, an die wir uns als seine Jünger halten sollen, damit wir wahrhaft Kinder unseres Vaters im Himmel werden (vgl. Mt 5,45).

Eines der Gebote, das für uns menschlich gesehen am schwersten zu verstehen ist, ist das Gebot des Verzichtes auf Rache und der Feindesliebe. Wenn Jesus sagt: „Leistet dem, der euch etwas Böses antut, keinen Widerstand, sondern wenn dich einer auf die rechte Wange schlägt, dann halt ihm auch die andere hin“, oder „Liebt eure Feinde und betet für die, die euch verfolgen“, dann werden wir dem vielleicht theoretisch zustimmen, aber wenn es konkret wird, werden wir vielleicht auch so denken, wie es in der folgenden Begebenheit geschildert wird.

In den 60-er Jahren war der sowjetischen Regierungschefs Nikita Chruschtschow in Frankreich zu Besuch und man hat ihm auch die Kathedrale von Reims gezeigt. Nach der Führung hat er zu dem Prälaten, der ihn begleitet hat, gesagt: „Eigentlich stimme ich mit allem überein, was euer Christus gelehrt hat. Ein Mann mit sozialen Ideen. Ein Mann, der für die Revolution war. Wirklich, euer Christus imponiert mir.“ Aber nach einer Weile machte er doch die bemerkenswerte Einschränkung: „Nur eines verstehe ich nicht an eurem Christus; wenn er sagt: Haut dich einer auf die linke Backe, reich ihm auch die rechte! – Nein, wenn mich einer schlägt, dann mache ich ihn einen Kopf kürzer.“ Er hat genau das ausgesprochen, was in der Welt üblich ist. Hier geht es nicht bloß „Aug um Auge, Zahn um Zahn“, das wäre ja noch gerecht, sonder für eine Ohrfeige macht man den anderen gleich um einen Kopf kürzer.

Aber was ist nun mit dieser anderen Wange gemeint?
Es geht hier ganz offensichtlich um die persönlichen Beleidigungen und Verletzungen, die uns in verschiedenster Weise treffen können.

In solchen Situationen sind wir zwar manchmal nach außen hin fähig, ein Unrecht oder eine Beleidigung zu ertragen – um des Lieben Friedens willen. Aber innerlich haben wir diesen Schlag noch lange nicht überwunden. Wir sind versucht, ganz heftige Gedanken des Zornes, des Hasses, der Rache mit uns herumzutragen, ja vielleicht sogar ein Leben lang, weil wir das Unrecht nicht verzeihen können.

Wenn Jesus hier sagt, wir sollen auch die andere Wange hinhalten, so könnten wir darunter die Gesichtsseite des inneren Menschen verstehen.

Jesus wollte, dass wir jeden Hass auf die Menschen, jeden Gedanken der Rache in der Tiefe unserer Seele von Grund auf überwinden durch das Vergeben und Verzeihen, so wie er es getan hat. Das ist aber nur möglich mit seiner Gnade und in seinem Geist.

 

Notstandsglaube

Der Dichter Eugen Roth, der in vielen seiner Gedichte, die Schwächen und Grenzen unseres Menschseins humorvoll beschrieben hat, erinnert uns im folgenden Gedicht auch ans Beten.

„Ein Mensch, solang es gut ihm geht, / denkt nur selten ans Gebet, / lebt in den Tag hinein sein Leben, / denkt nicht an den, der’s ihm gegeben. / Und schiebt selbst noch den schuld’gen Dank / wie’s Frommsein auf die lange Bank. / Doch wenn ein Unglück ihn ereilt,/ dann wird der Himmel angepeilt:/ ‚Mein Gott – wenn es dich geben sollte – / schon längst ich zu dir kommen wollte … / Wie kannst du solches an mir tun? / So komm herbei und hilf mir nun! ‚ / Wird dann der Anruf nicht gehört, / dem Notstandsglauben ab er schwört. / ‚Wie kann ich denn Vertrauen fassen, / zu dem, der mich in im Stich gelassen?‘ / Ob er das Beten je begreift, / der Gott wie einem Dienstmann pfeift?“

 

Kein Grund zum Feiern sondern zur Umkehr

Vier „Jubiläen“ werden von verschiedenen Gruppen im Jahr 2017 begangen. Sie sind aber für uns als  Katholiken kein Grund zum Feiern sondern zur Umkehr.

1.) Die protestantischen Gemeinschaften begehen ihr 500-jähriges Bestehen. Am 31. Oktober 1517 soll Martin Luther seine legendären 95 Thesen an der Kirche in Wittenberg angeschlagen haben. Auch wenn dieser Thesenanschlag nie so geschehen ist, so hat doch Martin Luther durch seine Schriften und seine Wirken die Reformation ausgelöst, die nicht zu einer Erneuerung des Glaubens, sonder zu einer Kirchenspaltung geführt hat, die in der Folge viel Leid, Unheil und Kriege mit sich brachte.

2.) Auch die Freimaurer feiern 300 Jahre ihres Bestehens. Am 24. Juni 1717 kam es in London  zur Gründung der „Vereinigten Großloge von England“. Als Geheimgesellschaft wirken sie zwar immer im Hintergrund. Aber es lässt sich geschichtlich nachweisen, dass führende Freimaurer bei allen Revolutionen, Kriegen, Umstürzen und Angriffen auf die katholische Kirche federführend mitwirkten.

3.) Vor 100 Jahren, am 25. Okt. 1917 (julianischer Kalender), kam es in Russland zur sogenannten Oktoberrevolution, zur gewaltsamen Machtübernahme durch die Kommunisten. Unter den vielen kommunistischen Diktaturen wurden bis heute etwa 100 Millionen Menschen getötet. Und dieses linke, kommunistische, sozialistische oder grüne Gedankengut breitet sich bis heute unaufhörlich aus.

4.) Wegen dieser unheilvollen Entwicklung in unserer Welt hat uns Maria vor 100 Jahren (1917) in Fatima zum Rosenkranzgebet, zur Weihe an ihr unbeflecktes Herz und zur Bekehrung und Buße aufgerufen. Dieses Jubiläum erinnert und daran, dass wir ihrer Einladung mit erneutem Eifer folgen sollten im Vertrauen darauf, dass ihr unbeflecktes Herz triumphieren wird nach allen Prüfungen.

 

Jesus, du bist der Retter. Komm und rette uns!

Jesus hat damals zu den Hohenpriestern und Ältesten, die ihr Herz gegen ihn und seine Botschaft verhärtet hatten, gesagt: „Amen, das sage ich euch: Zöllner und Dirnen gelangen eher in das Reich Gottes als ihr“ (Mt 21,31). Wie diese Verheißung auch heute noch in Erfüllung geht, darüber hat uns eine gläubige, mutige und missionarische Katholikin ein wunderbares Zeugnis gegeben. Sie erzählt:

»Vor einigen Jahren wartete ich am Abend in einer Großstadt auf den Bus. Er kam und kam nicht. Da näherte sich eine Prostituierte. Als sie versuchte, sich an die Männer in unserer Nähe heranzumachen, rief ich innerlich zu Jesus: „Du bist der Retter, rette sie!“ Als die Frau bei den Männern keinen Erfolg hatte, kam sie auf mich zu. Ich wischte sorgfältig die Regentropfen vom Sitzplatz neben mir weg. Sie staunte über meine Geste und fragte, weshalb ich das tue.  „Ich möchte verhindern, dass Sie sich schmutzig machen.“

Sie steht staunend da und sagt: „Das ist aber nicht gerade häufig, diese Aufmerksamkeit für andere.“ „Das stimmt, und deshalb ist man ja auch oft allein.“ Sie stößt einen tiefen Seufzer aus und sagt: „Einsamkeit, das kenne ich!“ Ich entscheide mich, sie zu duzen, und wage den ersten Schritt: „Du kennst die Einsamkeit, aber kennst du auch Jesus?“ Sie überlegt. „Ist das der, den sie Christus nennen?“ „Ja, er ist dein Retter.“ „Er kann mich retten? Wann?“ „Ich weiß es nicht, bitte ihn darum. Er kommt und rettet dich.“ Sie steht auf, faltet die Hände, schließt die Augen und fleht laut: „Jesus, rette mich!“ Dann wendet sie sich wie ein kleines Mädchen, das sein Bestes versucht hat, an mich und fragt: „Reicht das so?“ „Ja, das reicht. Mach das oft so, dann wird er dich retten.“ Da gerade der Bus kam, kritzelte ich schnell meine Telefonnummer auf einen Zettel und gab ihn ihr.

Mehrere Monate vergingen. Eines Abends rief sie mich an und bat darum, mich mit ihr zu treffen. Sie fügte hinzu, sie sei nicht allein. In der Tat, als ich ankam, waren da fünf Prostituierte. Sie erzählten mir, jeden Tag träfen sie sich, um eine halbe Stunde lang zu wiederholen: „Jesus, du bist der Retter. Komm und rette uns!“ Sie luden mich ein, mich ihnen anzuschließen, wenn ich könnte.

In den folgenden Monaten wuchs die Gruppe. Schließlich waren es 27 Personen. Manchmal versuchte ich, ihnen eine kleine Katechese zu halten, doch sie antworteten mir: „Das wissen wir schon. Jesus hat es uns gelehrt!“

Heute, nach zwei Jahren, haben diese Prostituierten im Sakrament der Versöhnung eine Antwort auf ihr Beten empfangen und beschlossen, ihr Leben radikal zu ändern. Oft haben sie auf ganz unerwartete Weise Arbeit gefunden, viele haben kirchlich geheiratet, Kinder bekommen und führen ein Familienleben in Treue und im Gebet. Einige machen sogar eine Katechetenausbildung, um dann Zeugnis zu geben von der wunderbaren Begegnung, die ihr Leben verändert hat. Für Gott ist nichts unmöglich!«