Die Menschen bleiben so, wie sie sind

Eine der größten Tragödien in der Geschichte der Luftfahrt geschah am 27. März 1977 in Teneriffa. Bei einem Zusammenstoß von zwei Flugzeugen auf der Startpiste des Flughafens kamen 593 Menschen ums Leben. Nur 60 Passagiere überlebten. In einer der Unglücksmaschinen befand sich ein gläubiger Mann.

Er erzählte später in einem Interview von diesen dramatischen Augenblicken: „Ich war umgeben von Menschen, die zu lebenden Fackeln geworden waren, schreiend vor Schmerzen und Entsetzen. Was mich jedoch am meisten getroffen hat war die Tatsache, diese Menschen fluchen und Gott lästern zu hören wegen ihres Unglücks, das über sie hereingebrochen war.“ Dieser Überlebende fügte noch eine Bemerkung hinzu, die uns sehr nachdenklich stimmen kann. „Die Menschen“, so sagte er, „bleiben bis zum letzten Atemzug so, wie sie sind. Wenn sie sich vor dem Tod nicht durch die Macht Jesu Christi verändern lassen, so werden sie es auch nicht im letzten Augenblick ihres Lebens tun.“ Dies ist die Realität, aber andererseits können viele auch im letzten Augenblick gerettet werden, wenn wir für sie beten, wie Maria in Fatima gesagt hat.

Die sel. Anna Katharina Emmerick berichtet: „Das Gericht über eine Seele sehe ich augenblicklich über dem Sterbeort des Menschen. Ich sehe Jesus, Maria und den Patron der Seele und ihren Engel dabei. …  Dieses Gericht ist in sehr kurzer Zeit vollendet.“ „Ich war gegenwärtig, als Gott über große Sünder Gericht gehalten hat. Groß ist seine Gerechtigkeit, aber noch unbegreiflicher seine Barmherzigkeit. Er verdammt nur jene, die sich durchaus nicht bekehren wollen; die aber, welche noch einen Funken guten Willens haben, werden gerettet.“

 

Gott kann alles wieder heil machen

Der evangelische Theologe Friedrich von Bodelschwingh erzählt aus seiner Kindheit:

«Als im Herbst das Obst reif an den Bäumen im Garten hing, hatte uns der Vater streng verboten, auf die Bäume zu klettern. Wir durften nur von den heruntergefallenen Früchten essen. Aber einmal hatte ich das Verbot doch übertreten und war heimlich auf einen Baum geklettert. Dabei zerriss ich mir unglücklich den Hosenboden. Heimlich schlich ich mich mit einem bösen Gewissen nach Hause. Dabei drehte ich mich immer so geschickt, dass keiner den Schaden entdecken konnte.

Nach dem Abendbrot ging ich in mein Zimmer, besah dort erst richtig voll Entsetzen die zerrissene Hose und legte sie zuunterst auf den Stuhl, alle anderen Kleidungsstücke geschickt darüber. Dann kniete ich am Bett nieder, um mein Abendgebet zu sprechen: „Lieber Gott, ich bin heute ungehorsam gewesen. Vergib es mir doch und mach, dass morgen früh meine Hose wieder heil ist!“ – In diesem Augenblick ging meine Mutter an der Kinderzimmertür vorbei, blieb einen Augenblick stehen und hörte mein Gebet. Dann ging sie lächeln weiter. Dem Vater sagte sie nichts. Sie wollte eine Handlangerin Gottes sein.

Als ich fest eingeschlafen war, nahm sie die zerrissene Hose und machte sie wieder heil. Dann legte sie die Hose so hin, wie sie unter dem Berg von Kleidern gelegen hatte. – Als ich am nächsten Morgen erwachte, war mein erster Griff nach der Hose. Welch ein Wunder, die Hose war wieder in Ordnung! – Ich weiß noch wie heute, dass dieses Erlebnis, wo Mutter ein Engel gewesen war, meinen Kinderglauben mächtig stärkte.»

 

Der Wolf im Schafspelz

Jesus hat einmal zu seinen Jüngern gesagt: „Hütet euch vor den falschen Propheten; sie kommen zu euch wie (harmlose) Schafe, in Wirklichkeit aber sind sie reißende Wölfe“ (Mt 7,15).

Dieser Gedanke vom Wolf im Schafspelz ist auch sehr anschaulich im Märchen vom „Wolf und den sieben Geißlein“ dargestellt. Der böse Wolf tunkt seine Pfote in Mehl und macht seine Stimme mit Kreide weich und sanft, um den kleinen Ziegen wie eine gute Mutter zu erscheinen. Er kommt als Unschuldslamm und ist doch der reißende Wolf.

Wie viele Menschen tauchen ihre groben Hände in das ‚Weißmehl der bürgerlichen Unschuld‘ und machen ihre rauen Stimmen und Sitten mit etwas ‚Anstandskreide‘ sanft und verführerisch. Doch innen drin wohnt der Wolf, reißend und hinterlistig gemein. Das idealistische Menschenbild geht davon aus, dass der Mensch manche Fehler und Schwächen hat, aber im Kern gut und edel ist.

Das Menschenbild des Evangeliums sieht den Menschen in seinem Innersten verwundet. Er ist zu wirklich heilbringendem Guten nicht fähig, auch wenn er sich ‚weiße Pfoten‘ und eine sanfte Art zulegt. Der Mensch ist ein Wolf, und er soll ein Lamm werden; nicht indem er sich äußerlich verkleidet, sondern indem er von innen her verwandelt wird zu einem neuen Sein.

Damit ist der Kampf und das Ziel unseres Lebens angedeutet: vom Wolf unserer gefallenen Natur nach zum Lamm des erlösten Menschen. Nur Jesus Christus, das Lamm Gottes, gibt uns die Möglichkeit der Verwandlung, wenn wir uns mit unserer alten Natur ihm anvertrauen.

 

Schau nach oben

Von einem Segelschiff, das vor langer Zeit über das Meer fuhr, wird uns Folgendes berichtet: Auf stürmischer See war am Großmast ein Stück Takelwerk zerrissen, das wieder repariert werden musste.

Der Kapitän schickte einen jungen Matrosen während des Sturms hinauf, damit er den Schaden wieder in Ordnung bringe. Der Matrose stieg hinauf, und mitten im rasenden Sturm arbeitete er unter Aufbietung aller Kräfte.

Endlich war er fertig und wollte wieder hinabklettern. Er schaute dabei nach unten und erschrak vor den Wogen, die mit unerhörter Wucht über das Deck schlugen. Es wurde ihm schwindlig und er schrie in seinem Schrecken: „Ich falle“. Schon ließ er auch eine Hand los, da schrie ihm der Kapitän zu: „Schau nach oben, schau nach oben!“ Der Matrose hörte auf das Kommando des Kapitäns und blickte wirklich nur mehr über sich; da kam wieder die Ruhe über ihn und so stieg er den Blick nach oben gerichtet langsam herunter und gelangte sicher und unversehrt wieder aufs Deck.

Genau darauf kommt es an. In dieser Welt haben wir wichtige Aufgaben zu erfüllen, aber wir sind mit unserem Schiff auf stürmischer See unterwegs. Wir sind den Wogen von Prüfungen und Versuchungen ausgeliefert, und wenn wir auf das Treiben der Welt schauen, so können wir leicht das Gleichgewicht verlieren, sodass wir fallen und abstürzen.

Darum sagt der hl. Paulus: „Richtet euren Sinn auf das Himmlische und nicht auf das Irdische“ (Kol 3,2); wir können dies tun durch das Gebet, durch die hl. Messe und durch die Beichte.

Die hl. Theresia von Lisieux sagt in diesem Sinn: „Für mich ist das Gebet ein Aufschwung des Herzens, ein einfacher Blick zum Himmel, ein Ruf der Dankbarkeit und der Liebe, sei es nun mitten in der Prüfung oder der Freude. Kurz, es ist etwas Großes, etwas Übernatürliches, das mir die Seele weit macht und mich mit Jesus vereint.“

 

Gott kann alles zum Guten führen

Eine Familie machte einen Sonntagsspaziergang. Drei muntere Kinder liefen ihren Eltern auf einem Schotterweg voraus. Das älteste der Kinder sprang vorneweg und schaute sich immer wieder um nach den beiden Geschwistern. Die Kinder liefen auf einen unbeschrankten Bahnübergang zu. In ihrer Freude am Spiel hatten sie alles um sich herum vergessen, hatten nur Augen und Ohren für ihr Fangen-Spiel.

So hörten sie nicht den herannahenden Zug. Direkt vor dem Bahnübergang stolperte das Mädchen und fiel zu Boden. Im selben Augenblick brauste der Zug vorüber; ein paar Schritte weiter und es wäre vom Zug überfahren worden. Das Mädchen weinte über die blutigen Knie  und wollte sich kaum trösten lassen. Die Eltern aber sahen hinter dem kleinen Unglück die große Bewahrung vor dem noch viel größeren Unglück.

Manchmal fragen wir uns, warum Gott so manche Leiden und Prüfungen in unserem Leben schickt oder zulässt. Wie uns diese Begebenheit als Gleichnis zeigt: Aus der Sicht Gottes wäre für uns das schlimmste Unglück, dass wir ewig verloren gehen. Darum tut er alles, damit wir nicht ins Verderben rennen. So lässt er Prüfungen und Leiden zu, damit wir rechtzeitig zur Besinnung kommen und gerettet werden. Der hl. Paulus sagt:  „Wir wissen, dass Gott bei denen, die ihn lieben, alles zum Guten führt“ (Röm 8,28).

 

Mein Vater wird uns nicht vergessen

vater-mit-kindAm 7.12.1988 verwüstete ein verheerendes Erdbeben in Armenien die Stadt Spitak und die umliegende Dörfer und Städte. Etwa 30.000 Menschen kamen ums Leben und 400.000 wurden obdachlos. Aus der Stadt Leninakan wird uns eine ergreifende Begebenheit berichtet.

Sofort nachdem die verheerenden Erdstöße abgeebbt waren, raste ein Vater mit dem Auto zur Grundschule seines Sohnes, um sein Kind zu retten. Dort angekommen, musste er feststellen, dass das gesamte Gebäude dem Erdboden gleichgemacht worden war. Angesichts der Menge an Schutt und Trümmern erinnerte er sich an ein Versprechen, das er einst seinem Sohn gegeben hatte: „Egal, was passiert, ich bin immer für dich da.“ Getrieben von dem Wunsch, sein Versprechen zu halten, suchte er den Bereich, in dem das Klassenzimmer seines Sohnes gewesen sein musste, und fing an, die Steine beiseitezuräumen. Andere Eltern trafen ebenfalls ein und weinten um ihre Kinder. „Es ist zu spät“, sagten sie dem Vater. „Die Kinder sind tot. Wir können nichts mehr für sie tun!“ Selbst ein Polizist riet ihm aufzuhören.

Aber der Vater weigerte sich. Erst acht Stunden, dann sechzehn, zweiunddreißig und schließlich sechsunddreißig Stunden lang grub er. Seine Hände waren mit Wunden übersät, und seine Kräfte hatten längst nachgelassen, aber er hörte nicht auf. Schließlich, nach achtunddreißig zermürbenden Stunden, zog er einen Brocken beiseite und vernahm die Stimme seines Sohnes.

Arman! Arman!, rief er. Aus der Dunkelheit kam eine leise zitternde Stimme: „Papa…!?“ Andere schwache Stimmen machten sich bemerkbar, als sich die kleinen Überlebenden unter dem Schutt zu rühren begannen. Den wenigen da gebliebenen Eltern und Zuschauern stockte der Atem. Vierzehn der dreiunddreißig Schüler wurden lebend geborgen.

Als Armand schließlich herausgekommen war, versuchte er beim Graben mitzuhelfen, bis alle seine Klassenkameraden im Freien waren. Jeder konnte es hören, wie er sich auf einmal seinen Freunden zuwandte und sagte: „Hab ich es euch nicht gesagt? Mein Vater wird uns nicht vergessen!“

Solch einen Glauben wie Armand brauchen wir, weil auch wir einen Vater im Himmel haben, der alles für uns tun wird, um uns zu retten für das ewige Leben.

 

Das eiserne Tor – Seine Gebote sind nicht schwer

eisernes-torEin altes persisches Märchen erzählt von einem König, der in seinem Reich einen Nachfolger für seinen Thron suchte. Er rief alle jungen Männer zusammen, um durch einen Test herauszufinden, wer dazu geeignet sei.

Der König zeigte den Männern ein riesiges, eisernes, mit einem massiven Schloss versehenes Tor, das in seinen Palast führt. Er sagt: „Wer dieses Tor öffnen kann, der soll mein Nachfolger sein.“ Viele sahen das massive Tor, schüttelten den Kopf und gingen gleich weg. Andere schauten sich das Tor noch näher an: das Schloss und die Angeln; aber weil es ihnen unmöglich erschien, hier mit eigener Kraft etwas zu bewegen, gingen sie unverrichteter Dinge weg, ohne auch nur einen Versuch gemacht zu haben. Es blieb nur noch einer übrig. Er sah sich auch alles genau an. Doch dann ging er auf eine innere Eingebung hin auf das Tor zu und zog mit aller Kraft daran – und siehe da, es öffnete sich! Wie hatte er es geschafft? – Ganz einfach: Dass Tor war gar nicht verschlossen, sondern nur angelehnt.

Diese Geschichte ist ein Spiegel für unser Verhalten. Wir stellen uns oft eine gute Sache, die zu tun wäre, viel schwerer vor, als sie in Wirklichkeit ist. Und deshalb machen wir schon gar nicht den Versuch, sie in Angriff zu nehmen. Das gilt vor allem, wenn es um den Glauben und die Gebote Gottes geht. Vielen, die zwar noch getauft sind, erscheint es zu schwer, den Glauben zu praktizieren und sich an die Gebote Gottes zu halten. Sie machen nicht einmal einen Versuch, die Tür zu öffnen, d.h. einen Zugang zu finden. Aber auch gläubige Menschen verhalten sich so. Es erscheint ihnen zu schwer, mehr zu tun für das Reich Gottes, wie z.B. täglich den Rosenkranz zu beten und zur hl. Messe zu gehen. Der Apostel Johannes sagt: „Seine Gebote sind nicht schwer“ (1.Joh 5,3). Für jene also, die entschlossen an der Tür ziehen, die ja Christus ist, öffnet sich das Reich der Gnade.

 

Den Siegespreis gewinnen

laeufer2Der hl. Paulus beschreibt unser christliches Leben mit einem schönen Gleichnis: „Wisst ihr nicht, dass die Läufer im Stadion zwar alle laufen, aber dass nur einer den Siegespreis gewinnt? Lauft so, dass ihr ihn gewinnt“ (1. Kor 9,24). Aber da es bei diesem Wettkampf um des ewige Leben geht, und da der Wettlauf im Übern der Gottes- und Nächstenliebe besteht, deshalb gilt für uns auch der Aufruf des Hebräerbriefes: „Darum lasst uns ernsthaft besorgt sein, dass keiner von euch zurückbleibt, solange die Verheißung, in das Land seiner Ruhe zu kommen, noch gilt“ (Hebr 4,1). Der Sieg im Wettlauf der Liebe besteht gerade darin, dass wir alles tun, um auch unsere Mitmenschen zum ewigen Ziel zu bringen. Eine Begebenheit, die sich in den USA zugetragen hat, veranschaulicht uns ergreifend, worum es hier geht:

1992 standen bei den „Seattle Olympics“ neun junge Athleten an der Startlinie zum 100-Meter-Lauf. Alle waren in irgendeiner Ausprägung geistig oder körperlich behindert. Der Startschuss fiel, und das Rennen begann. Nicht jeder konnte wirklich gut laufen, aber jeder wollte mitmachen. Sie rannten zu dritt nebeneinander. Plötzlich machte ein Junge einen Fehltritt, fiel hin, überschlug sich und begann vor Enttäuschung laut zu weinen. Die anderen acht hörten ihn. Sie verlangsamten ihren Lauf und schauten zurück. Und dann blieben sie stehen und kamen zurück – alle! Ein Mädchen mit Down-Syndrom setzte sich neben den Jungen, umarmte ihn tröstend und fragte: „Geht es dir jetzt wieder bessert?“ Dann nahmen sie alle den Jungen in ihre Mitte, legten sich gegenseitig die Arme um die Schultern und gingen langsamen Schrittes, nebeneinander und mit leuchtenden Augen, über die Ziellinie. Der Beifall der Zuschauer wollte nicht enden. Noch lange Zeit später erzählte man sich davon, und mancher hatte dabei Tränen in den Augen.

 

Sicher Zuflucht beim Herrn

hund-beim-herrn2Msgr. Edmilson Jose Zanin, der Pfarrer der brasilianischen Gemeinde Aguas de Santa Barbara (Bundesstaat Sao Paulo) veröffentlichte vor kurzem auf seiner Facebook-Seite das Photo eines herrenlosen Hundes, „das, was man hier allgemein einen Straßenköter nennt“, so der Pfarrer. Die Hündin war am zweiten Adventssonntag irgendwie in die Pfarrkirche gelangt. In der Kirche befindet sich eine Nachbildung des Grabes Christi mit einer lebensgroßen Skulptur des im Grab liegenden Herrn. Der Hund legte sich direkt zur Christusfigur und blieb dort während der ganzen Messfeier regungslos liegen.

„Es schien, als würde er sich bei Jesus sicher fühlen, und als würde er den Herrn beschützen. Eine bewegende Szene“, beschrieb Pfarrer Zanin das ungewöhnliche Ereignis. „Beim Anblick dieses herrenlosen Tieres, das ausgestoßen auf der Straße lebt, aber hier beim Herrn sichere Zuflucht fand, war auch ich innerlich bewegt und dachte mir: Warum lassen nicht auch wir Menschen uns von dieser Gewissheit leiten, dass wir bei Jesus immer Sicherheit und Schutz finden.“ „Wie viele Lektionen können uns Tiere erteilen“, so Pfarrer Zanin. Inzwischen haben sich mehrere Personen gemeldet, die das Tier aufnehmen wollen.

Quelle: vgl.: http://www.katholisches.info

 

Gib mir dein Herz, mein Sohn!

herz-jesu-07Eines der bekanntesten Herz-Jesu-Bilder ist das Bild, das der Künstler Pompeo Girolamo Batoni (1708- 1787) im Jahre 1760 gemalt hat. Mit der Entstehung des Bildes hat es eine besondere Bewandtnis. Batoni war zu seiner Zeit einer der bekanntesten und besten Maler Roms.

Der römische Jesuitenobere P. Dominikus Calvi gab ihm den Auftrag, für das Professhaus der römischen Jesuiten ein Herz-Jesu-Bild zu schaffen. Batoni, der selbst ein tief gläubiger Mann und Herz-Jesu-Verehrer war, wollte sich an die Arbeit machen. Aber es fehlte ihm die Inspiration, wie er dieses unendliche Liebe des Herzens Jesu im Bild zum Ausdruck bringen sollte. Auch im Gebet und in Exerzitien, zu denen er sich zurückzog, kam ihm keine Idee. Seine innere Not war schon groß geworden. Eines Morgens machte er sich nach dem Besuch der hl. Messe auf den Heimweg, da begegnet ihm ein Bettler und bat ihn um ein Almosen. Meister Batoni entsprach dieser Bitte etwas zögernd, weil er nur ein größeres Geldstück bei sich hatte, mit dem er sich eigentlich ein Frühstück gönnen wollte. Doch in dem Moment, als er dem Bettler die Münze hinreichte, erhörte Gott das stille Gebetsanliegen des Malers. Der Bettler legte nämlich seine linke Hand ans Herz und streckte gleichzeitig die rechte Hand bescheiden aus, um die Gabe entgegenzunehmen. Als Batoni das sah, wurde er augenblicklich inspiriert, denn im Blick auf den Bettler gingen seine Gedanken unmittelbar zu Jesus, der auch seine Hand uns gegenüber ausstreckt, um unsere Gegenliebe für Seine große Erlöserliebe zu erbitten und zu empfangen, nach dem Schriftwort: „Gib mir dein Herz, mein Sohn!“ (Spr 23,26). Nach diesem Erlebnis eilte Batoni nach Hause, entwarf in einem Schwung das Bild und malte es binnen kurzer Zeit zur vollen Zufriedenheit seines Auftraggebers. Heute befindet sich dieses Bild in Rom in der Kirche „Il Gesù“. Tausende Male kopiert, ist Batonis Gemälde bis heute das bekannteste Gnadenbild des Herzens Jesu.

Mit diesem Jahr der Barmherzigkeit bietet uns Jesus gleichsam mit der einen Hand die Liebe seines Herzens an. Aber er erwartet von uns, dass wir uns selber, unser Herz, ganz in seine Hand geben. Wir können dies tun vor allem im Gebet in der heiligen Messe und in der heiligen Beichte.