Macht alle Menschen zu meinen Jüngern!

Peter-Shekelton-3aAm 29. Juni feiert die Kirche das Hochfest der beiden Apostel Petrus und Paulus. Dieser Tag, der auch der traditionelle Weihetermin für Priester ist, erinnert uns daran, dass die Kirche apostolisch und missionarisch ist. Der Herr hat von Anfang an bis heute junge Männer in seine Nachfolge gerufen, die er als Priester und Apostel zu den Menschen senden will. „Geht zu allen Völkern und macht alle Menschen zu meinen Jüngern!“ (Mt 28,19).

Die Hilfsorganisation „Kirche in Not“ berichtet immer wieder über Priester, die mit heroischen Einsatz diesen Auftrag des Herrn zu erfüllen suchen. Einer von ihnen ist Pater Peter Sheketon LC (45 J.) aus England, der heute als Missionar bei den Indianern im Amazonasgebiet in Brasilien wirkt. Er erzählte über seine Berufung:

„Die Wahrheit ist: Ich wollte immer schon Feuerwehrmann werden! Von dieser Idee war ich fasziniert. Doch solange ich denken kann, hatte ich auch den Wunsch, einmal Priester zu sein.“ Beides sollte sich in seinem Leben verwirklichen. Als nämlich der 21-jährige Berufsfeuerwehrmann 1991 in der überfüllten Londoner Westminster-Kathedrale P. Werenfried van Straaten, den Gründer von „Kirche in Not“, bei seiner feurigen Predigt sagen hörte: „Ich würde die ganze Kollekte hergeben, wenn ein junger Mann unter euch bereit wäre, sein Leben in den Dienst des Herrgotts zu stellen, um als sein Priester das Reich Gottes zu verkünden!“, dachte er damals spontan: „Dieser junge Mann bin ich!“

So wurde Peter Shekelton Priester und begann 2001 als Missionar in den berüchtigten Favelas von São Paulo in Brasilien besonders unter Jugendlichen sein pastorales Wirken. Er brachte den jungen Leuten, die keine Perspektive hatten, die verstrickt waren in Kriminalität, Prostitution und Drogen, die hoffnungsvolle Botschaft: „Jeder von euch ist von Gott geliebt und geschätzt. Euer Leben hat einen Sinn, weil Jesus einen Plan mit euch hat.“ Und viele öffneten sich der Gnade! 20 von ihnen haben sich sogar zum Priestertum entschlossen.

Als P. Shekelton zwei Jahre später, im Sommer 2003, erstmals zu einem abenteuerlichen Missionseinsatz in das Amazonasgebiet aufbrach, begleiteten ihn schon einige der bekehrten junge Männer als Pastoralhelfer.
Fast dreitausend Kilometer legen sie zurück. Am Ufer des Arari-Flusses warten die Gläubigen in mehr als 30 Dörfern sehnsüchtig auf den Priester. Wenigstens einmal im Jahr die Heilige Messe mitzufeiern, die Sakramente zu empfangen war für diese Armen lange ein Traum.

Jetzt kommt Pater Peter jedes Jahr zu ihnen. Der Priester erzählt: „Wenn ich ein Jahr später wieder in die Dörfer komme, erfahre ich, dass viele der Gläubigen, denen ich die Sakramente gespendet hatte, bereits tot sind. Manche sind buchstäblich einen Tag später gestorben. Es scheint, als hätten sie mit dem Sterben gewartet, bis sie die Sakramente empfangen konnten.“

Diese Reisen in diese entlegenen Dörfer bringen viele Strapazen und Gefahren mit sich: „Dennoch komme ich oft glücklich von diesen Missionsreisen zurück, weil ich das getan habe, wovon ich glaube, dass es meine Pflicht als Priester ist.“ An das Hilfswerk „Kirche in Not“ schrieb er: „Damals habe ich mich nicht getraut, Pater Werenfried um die Kollekte zu bitten, aber heute bitte ich Euch um ein bisschen Geld aus dieser Kollekte von damals.“

Quelle: http://www.kirche-in-not.de

 

Gott, ich kenne Dich nicht, doch ich bitte Dich: Hilf mir!

Nars BeemsterDer niederländische Priester Nars (Bernardus) Beemster, der 2002 zum Priester geweiht wurde, und heute Rektor des Wallfahrtsortes „Unserer Lieben Frau zur Not“ in Heiloo ist, hat in einem eindrucksvollen Bericht seinen Berufungsweg geschildert. Hier eine Zusammenfassung:

Als Sohn eines Tulpenzwiebel-Bauern träumte er davon, Maschinenbauingenieur zu werden. Doch kurz bevor er zum Studium kam, passierte etwas, das allem eine neue Richtung gab. In der Nacht vom 19. auf den 20. Aug. 1990 – er wusste damals als 20-jähriger nicht, dass es der Gedenktag seines Namenspatrons, des hl. Bernhard, war – traf er sich mit seinen Freunden in der Kneipe des Nachbardorfes. Nach einem ausgiebigen Saufgelage geriet seine Gruppe vor dem Lokal mit einer anderen alkoholisierten Gruppe in Streit und es kam zu einer Massenschlägerei. Als geübter Boxer konnte er sich normalerweise kräftig wehren. Aber in dieser Nacht war es so betrunken, dass er von den anderen regelrecht ins Koma geprügelt wurde.

Erst nach eineinhalb Tagen erwachte er im Krankenhaus. Laut Polizeibericht hatte man ihn bewusstlos in einer großen Blutlache vor einer Kirchtür gefunden. Wie er dorthin gelangt war, blieb ihm unerklärlich. Sein Gesicht war total zerschlagen, und neben einem mehrfachen Nasenbeinbruch hatte er schwere Hirnschäden mit Gleichgewichtsstörungen und Lähmungen erlitten. Anfangs hoffte er, dass er bald wieder mit seinen Freunden so weitermachen konnte wie früher, doch der Heilungsprozess dauerte mehr als sechs Jahre.
Als er erfuhr, dass ein früherer Box-Kollege Selbstmord begangen hatte, und ein anderer Freund durch einen Motorradunfall gelähmt war, wurden seine Verzweiflung und seine Ängste über seinen eigenen Zustand so groß, „dass ich“, wie er sagt, „eines Nachts aus dem Bett stieg, niederkniete und mit meinen 21 Jahren das erste Herzensgebet sprach: ‚Gott, ich kenne Dich nicht, aber ich weiß, dass Du existierst. Ich wage es kaum zu sagen und verdiene es nicht, doch ich bitte Dich: Hilf mir!‘ Heute sehe ich, wie wunderbar mich Jesus erhört hat.“

Nars war zwar von Kindheit an immer zur Sonntagsmesse gegangen, auch wenn er nicht begriff, was da bei der hl. Messe vor sich ging. „Doch erst nach jener denkwürdigen Augustnacht … ging ich bewusst zur Kirche. … Mehr und mehr fasziniert vom Glauben, las ich viel darüber. Tief trafen mich 1995 in einem Fatima-Buch die Worte der Gottesmutter an die drei Hirtenkinder: ‚Viele Seelen kommen in die Hölle, weil sich niemand für sie opfert und für sie betet.‘ Entsetzt musste ich mit meinen 24 Jahren feststellen: ‚Es gibt eine Hölle, und wenn ich mein Leben nicht radikal ändere, werde ich wahrscheinlich dort enden.‘ Wie von selbst trugen mich meine Schuhe damals zum alten Dorfpfarrer, bei dem ich die hl. Beichte ablegte. Welch befreiender Moment!“

Nach fünf Jahren wollte Nars seinen früheren Freunden erstmals etwas von seinen Glaubenserfahrungen erzählen. „Die Jungs, fast alle ungläubig, meinten nur lachend: ‚Wenn’s dir was bringt und du das brauchst, okay. Aber lass uns damit in Ruhe. Hej, Ober, bitte zehn Bier für uns, und ein Glas Weihwasser für Nars!‘ Ich nahm es diesen ’starken Männern‘ nicht übel, dass es in ihrer Welt, die auch einmal die meine war, keinen Platz für Gott gab.“

„Mir hingegen bedeutete es viel, Jesus und Maria immer mehr den ersten Platz im Leben zu geben. Sogar meine Freundin verstand das leider nicht, und sie beendete 1995 unsere schöne Beziehung mit den Worten: ‚Du liebst ja Gott mehr als mich.‘ Und wenn es anfangs auch weh tat, so stellte sich doch heraus, dass sie recht hatte.“ „Mein Schmerz half mir indirekt zu meinem heutigen Glück.“

Quelle: Triumph des Herzens, 2013 Nr. 117 (Zusammenfassung) Foto: Screenshot

Er fragte mich, ob ich ihm folgen möchte

Olalla Oliveros1Die aus Spanien stammende Olalla Olivieros (36) hat einen ähnlichen Weg wie die Kolumbianerin Amanda Rosa Perez eingeschlagen. Sie war ein erfolgreiches Model und spielte auch in Filmen mit, aber als sie immer größere Popularität erlangte, wurde sie immer unglücklicher, sie hatte es satt, ständig über sich selbst zu sprechen. Das war nicht die Karriere, die sie machen wollte.
Bei einem Besuch in der Wallfahrtskirche von Fatima stand ihr plötzlich vor Augen, was Gott von ihr wollte. Sie sah sich selbst in einer Ordenstracht und verstand, dass sie ihr Leben Gott schenken sollte. Der Gedanke, alles aufzugeben, um Christus nachzufolgen, ließ sie nicht mehr los. „Der Herr irrt sich niemals. Er fragte mich, ob ich ihm folgen möchte und das konnte ich ihn nicht abschlagen.“
So hängte sie ihre schönen Designerkleider an den Nagel und tauschte sie gegen eine schlichte Ordenstracht ein. Sie trat 2010 in den St. Michael-Orden ein und trägt dort den Ordensnamen Olalla del Si de Maria (Olalla vom Jawort Mariens). Sie ist glücklich darüber, dass sie dem Ruf des Herrn gefolgt ist.

Werde ein rechter Pfarrer oder keiner!

Pfarrer-Hieber2Der 4. Sonntag in der Osterzeit, der „Guthirten-Sonntag“, ist der Weltgebetstag um geistliche Berufe. Berufungen zum Priestertum oder Ordensleben sind eine Gnade Gottes. An außergewöhnlichen Gestalten wie dem „Segenspriester“ Augustinus Hieber aus dem Algäu kann uns bewusst werden, welch großen Segen Gott in das Priestertum gelegt hat.
Etwa 40 km von Bregenz entfernt liegt bei Leutkirch der kleine Ort Merazhofen. Dort hat durch viele Jahre Pfarrer Augustinus Hieber gelebt und gewirkt. Er ist 1968 mit 82 Jahren verstorben. Zu seinem Grab pilgern heute noch viele Menschen und bezeugen, dass sie auf seine Fürsprache hin Gottes Trost und Hilfe empfangen haben.
Pfarrer Augustinus Hieber wurde 1886 als Sohn eines Bauern geboren. Er sollte den väterlichen Hof übernehmen. Aber schon als Kind spürte er den Ruf zum Priestertum. Als er seinem Vater diesen Wunsch offenbarte, sagte dieser zu ihm: „Bub, das eine sag ich dir: Wenn du Priester werden willst, dann werd a rechter Pfarrer oder keiner!“
Nach seiner Priesterweihe 1910 war er als Vikar in Stuttgart tätig. Ein Erlebnis aus dieser Zeit hat ihn besonders geprägt. Er erzählte: »Es war im Frühjahr 1919 beim Spartakus-Aufstand in Stuttgart. Da wurde ein Spartakist, d.h. Radikalsozialist, von Jugend an der Kirche fern, angeschossen und todverwundet ins Karl-Olga-Spital gebracht. Die Schwester sagte zu mir: „Herr Vikar, da können Sie nichts mehr machen, der weist jeden Priester zurück.“ Ich ging trotzdem hinein. Ich kniete an seinem Krankenbett nieder. Ich faltete die Hände und betete ein Vaterunser zum erbarmungsreichen Heiligsten Herzen Jesu. Da plötzlich schaute der Todkranke auf mich: „Herr Pfarrer, ist’s Ihnen so ernst?“ „Ja“, sprach ich, „so ernst ist mir, dass ich bereit wäre, mein Leben für Sie hinzugeben in Namen meines Herrn und Meisters.“ Da trat dem Verwundeten eine Träne ins Auge und er sagte: „Dann vertraue ich mich Ihnen an.“ Darauf legte er, so gut es eben ging, seine Beichte ab und empfing die heiligen Sterbesakramente. Am Abend war er schon tot. Aber seine Seele war gerettet. Nie werde ich diesen Tag in meinem Priesterleben vergessen.«
Sein ganzes Leben war ein echtes Priesterleben mit totalem Einsatz aller seiner leiblichen und seelischen Kräfte, um Seelen für Gott zu gewinnen. 1936 wurde er Pfarrer in Merazhofen. Sein Ruf als guter Beichtvater und Segenspriester verbreitet sich rasch. In das kleine Merazhofen kamen Besucher aus ganz Deutschland, aus Österreich, aus der Schweiz und aus dem Elsaß. Für jeden hatte er Zeit und einen guten Rat.
Als die Nationalsozialisten 1940 auch im Allgäu den Religionsunterricht verbieten und die Kreuze aus den Schulen entfernen wollten, betete Pfarrer Hieber nächtelang vor dem Tabernakel, um diese Gefahr um der Kinder willen abzuwenden. Und erstaunlicherweise blieben im Dekanat Leutkirch, dem er vorstand, die Kreuze in den Schulen und der Religionsunterricht durfte weitergehen. Auf sein Gebet und seinen Segen hin wurden viele Kranke geheilt. Es kam vor, dass Hieber die Sorgen seiner Besucher schon kannte, bevor diese sie ihm erzählen konnten. Seine Kraft lag im Beten und im Segnen. Die Marienverehrung, die HerzJesu-Verehrung und vor allem die Verehrung des Heiligen Geistes prägte die Persönlichkeit dieses Priesters. Er hatte auch die seltene Gabe, die Seelen Verstorbener zu sehen.
„Der Priester muss viel segnen … Ja, der Priester muss Segnungspriester sein; in seine Hand ist eine göttliche Segenskraft gelegt“, sagte er bei seinem Goldenen Priesterjubiläum 1960.
Eine Petition zur Seligsprechung von Pfarrer Hieber wurde von 22.000 Gläubigen unterschrieben.

Es ist mein Kind. Was Gott uns gesandt hat, das wollen wir auch annehmen.

CozzensJeder Mensch ist ein Geschenk Gottes, zu dem die Eltern unter allen Bedingungen ihr Ja sagen sollen, aber auch eine geistliche Berufung ist eine Gnade, die sich oft schon von Kindheit an entfalten kann. Ein schönes Zeugnis:

Am 11. Okt 2013 wurde der 45-jährige Priester Andrew Cozzens von Papst Franziskus zum Weihbischof von Minneapolis ernannt. Für die heute 69-jährige Mutter Judy ist die Weihe ihres Sohnes zum Bischof ein Tag besonderer Freude. Denn als sie damals ihren Sohn empfing und im 5. Monat schwanger war, hat ihr der Arzt nach einer Untersuchung gesagt, das Kind sei behindert, sie würde eine Missgeburt zur Welt bringen und sie solle es abtreiben lassen. Judy hat dem Arzt entschieden geantwortet: „Es ist mein Kind. Und was Gott uns gesandt hat, das wollen wir auch annehmen.“

Sie ging zu einem anderen Arzt, der ihr sagte, dass das Kind nicht behindert sei. Er ging mit dem anderen Arzt sogar eine Wette ein, die er auch gewonnen hatte, denn am 3. Aug 1968 brachte die Mutter Andrew zur Welt, der zwar an einigen Krankheiten litt, aber ansonsten ein ganz normales Kind war.

Sehr früh spürten die Eltern, dass Andrew eine Berufung zum Priestertum hatte. Seine Mutter weiß einige Begebenheiten zu erzählen:

Als Andrew mit vier Jahren wegen eines schweren Asthma-Anfalles im Spital war, sagte ein Arzt, dass er die ganze Nacht bei ihm am Bett bleiben wolle, um ihn zu überwachen. Darauf sagte der kleine Andrew: „Sie können ruhig schlafen gehen, mit mir wird alles o.k. sein. Denn wenn ich einmal erwachsen bin, muss ich das Werk des Herrn tun, d.h. Priester werden.“

Als Andrew fünf Jahre alt war, hatte seiner Mutter immer wieder im Altersheim zu tun. Andrew wollte auch immer dabei sein: „Ich möchte gerne üben, zu den alten Leuten nett zu sein, damit ich weiß, wie man das als Priester einmal machen muss.“ Und so redete er mit den Heimbewohnern und hielt ihnen die Hand.

Quelle: Vgl.:  http://thecatholicspirit.com/news/local-news/abort-child-way-says-bishop-elects-mom/

 

Maria hat ihn letztlich nicht mehr losgelassen

Père ViotIn der Zeit vom 18. bis 25. Jänner begeht die Kirche immer die Gebetswoche um die Einheit der Christen. Jesus Christus hat die eine, heilige, katholische und apostolisch Kirche gegründet. Doch im Laufe der Geschichte hat es verschiedenste Abspaltungen von dieser einen Kirche gegeben. Das gemeinsame Merkmal aller Abspaltungen ist: Sie lassen etwas von der Fülle des katholischen Glaubens weg, sie reduzieren den Glauben; z.B. sie glauben nicht an die Sakramente, die Christus eingesetzt hat; sie glauben nicht an die Vorzüge, die Gott Maria gegeben hat, sie glauben nicht, dass Christus die Kirche auf das Fundament des Petrusamtes gebaut hat und es gibt noch andere katholische Glaubenswahrheiten, die sie ablehnen.

Aber im Laufe der Geschichte hat es auch immer wieder Menschen gegeben, die auf ihrer Suche nach Wahrheit die Fülle der Wahrheit im katholischen Glauben und in der katholischen Kirche entdeckt haben.

Einer der bedeutenden Konvertiten der letzten Zeit, der den Weg zur katholischen Kirche gefunden hat und Priester geworden ist, ist der aus Frankreich stammende, ehemals lutherische Bischof und Freimaurer Michel Viot.

In einem Interviewbuch, das zum 10 Jahrestag seiner Konversion herauskam, schildert er seinen Weg in die katholische Kirche.

Die Eltern ließen den 1944 geborenen Michel, wie auch die beiden Schwestern, katholisch taufen, obwohl der Vater ein militanter Freimaurer war. Im Alter von zehn Jahren besuchte er die Sonntagsschule, durch die seine Liebe zur Heiligen Schrift geweckt wurde, durch einen Besuch in Lourdes auch eine besondere Verehrung der Gottesmutter Maria, „die mich letztlich nie mehr wirklich loslassen sollte“, so Viot.  Als Jugendlicher lernte er während eines Urlaubs im Elsaß einen Lutheraner kennen, der ihn sehr beeindruckte. Im berühmt-berüchtigten französischen Mai des Unruhejahres 1968 wurde er im Alter von 24 Jahren zum lutherischen Pastor ordiniert und sechs Monate später in eine Freimaurerloge aufgenommen. „Meine Logeninititation hätte schon früher stattfinden können. Das ging familiär vorbereitet ganz glatt. Ich wollte aber zuerst Pastor werden und dann Freimaurer, weil mir zumindest klar war, dass Christus zuerst kommen sollte“, erzählt Viot. Die Freimaurerei zog ihn an, weil bereits sein Vater und die Freunde seines Vaters, die er schätzte, Freimaurer waren. Ihm gefiel das „Gerede von Offenheit, Kultur und Brüderlichkeit“.

Im August 1997 bekam er die Gelegenheit, als lutherischer Bischof von Paris Papst Johannes Paul II. vorgestellt zu werden. „Der Papst umarmte mich so fest, das werde ich nie vergessen. Und er flüsterte mir ins Ohr, daß er ungeduldig auf eine gemeinsame Erklärung zur Rechtsfertigungslehre hoffte“, so Viot.

Viele Lutheraner kritisierten jedoch schon kurz darauf, dass Johannes Paul II. zum Heiligen Jahr 2000 einen Ablass gewährte, also das, was Luther so sehr bekämpft hatte. Viot fühlte sich gedrängt, die Frage zu vertiefen. In einer Studie stellte er fest, dass die „moderne“ Form des Ablasses, wie er vom Konzil von Trient und zuletzt von Paul VI. definiert wurde, nichts mit den Missbräuchen zu tun hatte, die Luther 1517 so empörten. Diese Entdeckung und die lutherische Kritik führten ihn zum Schluss, dass die Einheit der Christen nur in der Einheit mit dem Nachfolger des Petrus möglich sein könne. Viot wurde sich bewusst, dass er nicht außerhalb dieser Einheit sterben wollte, vor allem, da bestimmte lutherische Strömungen sich immer offener vom gemeinsamen christlichen Erbe entfernten.

Noch im Heiligen Jahr 2000 äußerte Viot den doppelten Wunsch, katholisch zu werden und zum katholischen Priester geweiht zu werden.

Nachdem er sich auch von den Freimaurern gelöst hatte, wurde der bisherige Bischof 2001 als einfacher Laie in die katholische Kirche aufgenommen. Etwas mehr als ein Jahr später erfolgte seine Priesterweihe. Seither ist er Kaplan, Pfarrer Gefängnisseelsorger; und seither verfasste er bereits mehrere Bücher zur Verteidigung der katholischen Kirche und der katholischen Glaubenslehre.
Die Lutheraner „müssen entdecken, dass die marianischen und ekklesiologischen Dogmen keineswegs die heilsnotwendige Rolle Christi als einzigem und universellem Mittler verdunkelt, ganz im Gegenteil wird sie in ihnen erst vollkommen sichtbar.“

 

Ich möchte Priester werden – das stand für mich fest

Priesterwerden und Priestersein ist eine Berufung, die Gott schenkt und die wir von ihm erbitten müssen. Wie im Gleichnis vom Gutsherrn, der Arbeiter für seinen Weinberg sucht, kann dieser Ruf des Herrn zu verschiedenen Stunden ergehen.

Am 22. Dez. 2012 feierte Kardinal Joachim Meisner seinen  50. Priesterweihetag. In einem Interview mit der Kölner Kirchenzeitung erzählte er auch über seine Berufung zum Priestertum, die er schon in der „ersten Stunde“ erfahren hat.

Er sagt: „Ich kann mich nicht erinnern, dass ich je etwas anderes hätte werden wollen. Schon als kleines Kind bin ich sehr gerne mit zum Gottesdienst gegangen. Der Höhepunkt im Jahr war für mich immer die Fronleichnamsprozession. Das habe ich immer wie ein Stück Himmel auf Erden erlebt.“ Bei einer außergewöhnlichen Gelegenheit offenbarte er diesen Wunsch seinen Eltern: „Ich kann noch heute in Breslau die Stelle zeigen, wo ich mit fünf oder sechs Jahren, also 1938 oder 1939, meinen Eltern gesagt habe, dass ich Priester werden möchte. Es war an einem warmen Juniabend. Ich ging mit Vater, Mutter und meinen Geschwistern spazieren. Plötzlich zog eine Sternschnuppe über den Himmel. Vater sagte: Was ihr euch jetzt wünscht, das geht in Erfüllung. Kurz darauf wiederholte sich das himmlische Schauspiel, und Mutter fragte: ‚Habt ihr euch etwas gewünscht?‘ ‚Ja‘, antwortete ich. ‚Willst du uns das sagen?‘ ‚Ich möchte Priester werden.‘ Das stand für mich fest.“

Eine so junge Berufung braucht aber auch einen guten Nährboden, auf dem sie wachsen und reifen kann. Das ist für gewöhnlich die christliche Familie. Kardinal Meisner schildert, was er in seiner Familie erfahren hat:

„Geprägt hat mich natürlich auch das religiöse Leben in meiner Familie. Ein Beispiel: Der Vater ging alle vier Wochen zur heiligen Kommunion. Dazu gehörte natürlich vorher die Beichte. Am Samstagabend hat die Mutter uns Jungs immer hinausgeschickt mit den Worten ‚Der Vater bereitet sich auf die heilige Beichte vor. Geht hinaus, damit er Ruhe dabei hat!‘. Wenn der Kommunionsonntag kam, ging der Vater mit Frack und Zylinder zur Kirche. Und wir Jungs waren dann immer stolz auf unseren Vater, dem wir mit stolzgeschwellter Brust hinterhergegangen sind. Eines Tages haben wir den Vater gefragt, ob er nicht jeden Sonntag mit der Mutter zur Kommunion gehen könnte. Mein Vater hat mich groß angeschaut und gefragt ‚Warum denn das?‘. ‚Ja‘, haben wir geantwortet, ‚wenn ihr von der Kommunion kommt, seid ihr immer so lieb zu uns Kindern!'“

 

Bald verliebte ich mich in die Kirche

Pater John Bartunek LC, der heute zu den Legionären Christi gehört, hat einen außergewöhnlichen Weg der Berufung hinter sich – zuerst in die katholische Kirche und dann zum Priestertum. Wer sich der Wahrheit nicht verschließt, wer sie liebt und sucht, den wird Gott, der Heilige Geist, auch in die Fülle des katholischen Glaubens führen. In einem Interview erzählt er von seinem Glaubensweg.
John Bartunek wuchs nach eigenen Angaben glaubensfern und nach Scheidung der Eltern in wechselnden Familienkonstellationen auf. Als er 14 Jahre alt war, erlebte seine ältere Schwester in einer evangelikalen Gemeinde eine Bekehrung. Eines Tages lud sie ihn zum Gottesdienst ein, und so fand auch er in dieser evangelikalen Gemeinde zum Glauben an Jesus Christus. Während seines Studiums (Geschichte und Schauspiel) traf er einen Professor, der seiner Lebenskultur nach zwar jüdisch war, glaubensmäßig jedoch „nachatheistisch“. Dieser Professor sagte zu ihm: „Schau, wenn du schon unbedingt religiös sein musst – was du nicht musst – es gibt nur zwei wirkliche Religionen in der Welt: das Judentum und den römischen Katholizismus. Und DU bist kein Jude…“ Um bei seinen Auslandssemestern in Florenz in Italien die Kunst besser zu verstehen, begann er, mehr über die katholische Kirche zu lesen. Bald „verliebte“ er sich in die Kirche. Dann besuchte er Nowa Huta in Polen, jene Kirche in einem Krakauer Stadtviertel, die sehr eng mit dem späteren Papst Johannes Paul II. verbunden ist. Dort ging ihm während der hl. Messe die Bedeutung der Gegenwart Christi im Altarsakrament auf. Der Gedanke an das Priestertum nistete sich in seinem Kopf ein. Er trat in die volle Gemeinschaft mit der katholischen Kirche ein und schlug später den Weg zum Priestertum ein.

Quelle: www.kath.net

Nur der Glaube an Gott vermag mein Leben zu füllen

Dr. Herbert Madinger, der Gründer und Leiter der Katholischen Glaubensinformation wurde 1952 als Spätberufener zum Priester geweiht. 2010 ist er 88-jährig verstorben. Mit seinen Schriften und Spruchplakaten, seinen Gebetsgruppen und die Initiativen der „Wander-Muttergottes“ hat er vielen Menschen im Glauben geholfen. In seinem Büchlein „Der Jünger Christi“ schildert er, wie er im Krieg selber zum Glauben gekommen war und den Weg zu seiner Berufung gefunden hat.

»Die endlosen Nächte unter freiem Himmel während der Gefangenschaft. Über uns die Sterne. Ringsherum die Kälte der Apriltage. Und in uns die Leere. Was ist das Leben? Wofür leben wir? Werden wir überhaupt jemals noch herauskommen aus dieser Hölle von Stacheldraht, Hunger, Gewalt und Hoffnungslosigkeit? So war es damals. War es nur in meinem Herzen so? Viele haben damals zu Gott gefunden. Wenn du satt bist und ein Dach über dem Kopf hast, wenn du morgens zur Arbeit gehst und abends vor dem Fernseher sitzt, kannst du das alles wahrscheinlich nicht begreifen: den Hunger der Seele!

Der Hunger des Leibes hat uns zwar dem Tode nahegebracht, und Hunderttausende sind damals verhungert während der Gefangenschaft; aber der Hunger des Leibes war vergleichsweise belanglos. Denn der große und eigentliche Hunger war tief drinnen im Herzen: „Bin ich allein unter dem großen Sternenhimmel der Nacht?“ … „Interessiert sich irgend jemand für mein Schicksal?“ „Hört mich jemand?“
Eines Tages fand ich einen ersten Angelpunkt. Zwei Dinge wurden mir klar. Erstens: „Es gibt eine Wahrheit! Ich darf meinen Freund nicht betrügen, nicht täuschen, nicht im Stich lassen.“ Denn wir alle waren damals nahe dem Verhungern. Es gibt eine Wahrheit! „Ich muss so leben, wie es der Wahrheit entspricht! Es ist nicht gleichgültig, ob ich meinen Freund verrate, ihm die Tagesration an Lebensmitteln unterschlage, ihm den besseren Schlafplatz wegnehme, oder ob ich ihm die Treue halte!“ Das war mir zuinnerst klar. Und ein Zweites: „Es gibt eine Liebe! Ich muss mich um meine Eltern und meine Schwester kümmern, die in der RussenZone in Gefahr sind!“ Damals wurde mir klar: „Es gibt eine Verantwortung für mein Leben. … “ Das waren die zwei Angelpunkte meines Gottesglaubens: Wahrheit und Liebe! Es gibt etwas über den Tod hinaus: nämlich die Rechenschaft über mein ganzes Tun und Lassen, über Wahrheit und Lüge, über Liebe und Verrat. Damals begann ich, an den Gott zu glauben, vor dem ich einst Rechenschaft geben muss über alles, was ich getan habe. Gott!
Dann kam jene Stunde, in der Gott mich heimgesucht hat. Ich war krank, lag im Spital ganz oben in einem Stockbett. Ein ungarischer Priester las, weil es Sonntag war, eine heilige Messe. Auch er war in Gefangenschaft, obwohl er uns längst hätte verlassen können. Ich verstand nichts von allem, weder das Latein der Messe noch die ungarische Predigt, noch das Gebimmel der kleinen Glocken, weder Wandlung noch Worte, aber Gott kam. Er hat mir das Glaubensbekenntnis, das ich seit Kindertagen nie mehr gehört oder gesprochen hatte, Satz für Satz vorgesagt. Es war, wie wenn Mächte aus dem Himmel vor mir diese Sätze ausbreiten würden, die ich doch nicht kannte, nicht verstand, nicht glaubte. Gott hat mir damals jeden Satz ins Herz geprägt, so wie man ein Zeichen in Stahl einprägt. Unauslöschlich. Es war für mich wie ein Wunder, denn ich hielt es für unmöglich, dass ich das Glaubensbekenntnis noch kannte. Aber seit dieser Stunde war der Glaube an alle diese Worte in mir! Von dieser Stunde an ging ich beichten, ging jeden Tag zur heiligen Messe, ging vor jeder Messe auf eine halbe Stunde in die Kirche zum stillen Gebet, ging jeden Tag zur heiligen Kommunion.
Seither hat mich der Glaube nie mehr verlassen. Nur der Glaube an Gott vermag mein Leben zu füllen. Sonst ist alles sinnlos.«
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Quelle: vgl.: http://www.vision2000.at (Gekürzte für die Druckausgabe des St. Antoniusblattes)

Gott ist immer bei mir

Wie Gott einem Priester zu Hilfe kam in seiner großen Not, das zeigt uns die folgende Begebenheit. Als Pfarrer hatte dieser Priester fünf Pfarren zu betreuen. Viel engherzigen Streitereien unter Gläubigen und die Erfahrung der Einsamkeit und Gottverlassenheit brachten ihn zum verzweifelten Entschluss, einfach abzuhauen aus der Situation.

So stand er mit seiner Reisetasche als Autostopper an der Straße. Der Fernfahrer Luis sah ihn schon von Weitem und bremste. Er stieg zu und fragte Luis: „Sind Sie allein?“ Luis wollte „ja“ antworten, dann sah er auf das Bild von Pater Pio. „Nun“, meinte er, „eigentlich fahre ich nie allein.“ Der Priester sah nach hinten, aber da war niemand. Fragend schaute er Luis an. Luis fuhr um eine Kurve, hupte kurz und sagte: „Ich bin nie allein. Gott ist immer bei mir. Man muss Ihn nur sehen wollen. Und wenn ich an einer Kirche vorbeifahre, so wie eben, dann hupe ich kurz, um Ihn zu grüßen, damit Er sich im Tabernakel nicht so verlassen vorkommt.“ Der Pfarrer erschrak. Sekundenlang starrte er Luis an. „Halten Sie an“, sagte er mit bebender Stimme. „Halten Sie an! Ich muss zurück. Ich bin der Priester hier im Ort. Ich wollte gerade abhauen.“

Luis lebt in der Gegenwart Gottes. Seine einfache Treue in den kleinen Dingen hat die Berufung dieses Priesters gerettet. So wie Luis können wir mit unserer Treue im Gebet der „Kirche in Not“ helfen.

Quelle: vgl. http://www.kircheinnot.at/akt/7_2011.pdf