Im Dienst eines gütigen Herrn

Am 25. Sonntag im Jahreskreis hören wir im Evangelium das Gleichnis von den Arbeiter im Weinberg, die vom Gutsherrn zu verschiedenen Stunden des Tages zur Arbeit angeworben werden und die am Ende alle den gleichen Lohn erhalten. Mit diesem Gleichnis stellt uns Jesus die Güte Gottes vor Augen, die für uns nicht immer so einfach zu verstehen ist.

Es geht hier um das Himmelreich, den Himmel, das ewige Leben, den ewigen Lohn, den wir uns einerseits verdienen müssen, der aber zugleich ein Geschenk ist.

Zuerst zeigt sich die Güte Gottes in seiner Absicht, dass Gott alle Menschen retten will. Deshalb geht er den Menschen immer wieder nach, um sie für die Arbeit an seinem Reich zu gewinnen. Solange wir in diesem Leben sind, kann Gott bis zur letzten Stunde mit dem Ruf seiner Gnade an die Menschen herankommen.

Ein zweiter Beweis seine Güte besteht darin, dass er allen, die seiner Einladung folgen, den Lohn zuteilt, der für sie recht ist. Das Entscheidende vor Gott ist nicht die Größe unserer Leistung, was wir alles vollbringen konnten, sondern dass wir bereit waren, den Willen Gottes zu tun. Wer diesen guten Willen hat, der wird von Gott reich belohnt, auch wenn er nicht mehr viel Zeit hatte, etwas für das Reich Gottes zu tun.

Die Güte Gottes, die ganz anders ist, als wir sie uns vorstellen, sollte uns wirklich mit Freude und Dankbarkeit erfüllen.

Eigentlich hätten die Arbeiter der ersten Stunde anders reagieren müssen. Im Gleichnis könnte auch stehen: „Als die Arbeiter der ersten Stunde die Großzügigkeit und Güte des Gutsherrn sahen, freuten sie sich mit den anderen, die auch den Tageslohn erhielten und dankbar nahmen sie ihren Denar entgegen. Sie waren glücklich, im Dienst eines so gütigen Herrn zu stehen.“

Jesus hat aber das Gleichnis nicht so erzählt: Die Arbeiter der ersten Stunde begannen über die Güte des Gutsherrn zu murren. Jesus offenbart hier die Schwäche des menschlichen Herzens.

Wir tun uns schwer, uns mit dem Glück und dem Erfolg unserer Mitmenschen von Herzen mitzufreuen. Und so können wir auch nicht mehr so richtig dankbar und froh sein über den Segen und die Gnade unseres Glaubens.

Gott hat mit jedem Menschen seinen Plan, hier dürfen wir nicht miteinander vergleichen.

Das Einzige, worum wir uns sorgen sollten ist, dass wir die Einladung des Herrn nicht überhören, mit der er zu jeder Stunde des Tages an uns herantreten kann.

Schließlich werden wir auch von Herzen wünschen und dafür beten und opfern, dass jene, die jetzt noch fern sind vom Reich Gottes, wenigstens in der letzten Stunde gerufen werden und diesen Ruf beantworten können.

Denn es ist das größte Glück für uns, im Dienst unseres so gütigen Herrn und Gottes zu stehen.

 

Wer hat, dem wird gegeben

Am 15. Sonntag im Jahreskreis (A) hören wir im Evangelium das Gleichnis vom Sämann. Jesus erzählt der Volksmenge, die zu ihm gekommen war, von den Samenkörnern, die  beim Säen auf verschieden Arten von Boden fallen: auf den Weg, auf felsigem Boden, unter die Dornen und schließlich auf gutes Erdreich. Er hat das Gleichnis zwar allen Menschen erzählt, aber den tieferen Sinn und die Bedeutung dieses Gleichnisses erklärt er nur seinen Jüngern mit der für uns sonderbar klingenden Begründung: „Euch ist es gegeben, die Geheimnisse des Himmelreiches zu erkennen, ihnen ist es aber nicht gegeben. Denn wer hat, dem wird gegeben, und er wird im Überfluss haben; wer aber nicht hat, dem wird auch noch genommen, was er hat“ (Mt 13,11-12).

Es scheint also, dass im Reich Gottes dieselben Gesetze gelten wie in der Welt. Denn in dieser Welt kann man immer wieder beobachten, dass die Reichen immer reicher und die Armen immer ärmer werden. Sollte das im Reich Gottes nicht anders sein?

Aber wir können uns fragen: Warum werden die Reichen in dieser Welt immer reicher? Sie werden hauptsächlich deshalb reicher, weil sie all ihre Kräfte, Fähigkeiten und Talente einsetzen um Geld und Besitz zu erwerben, weil sie ihr ganzes Herz und ihre Liebe an den Reichtum hängen und weil ihnen jedes Mittel recht ist, um mehr zu erwerben. Darum bekommen sie auch immer mehr.

Hier müssen wir aber einsehen, dass es im Reich Gottes im Prinzip nicht anders ist. Natürlich ist nicht der Mammon der höchst Wert im Reich Gottes, sondern Gott selbst ist das höchste Gut. Und es ist klar, wer die Liebe zu Gott hat, wer mit all seinen Kräften sucht, Gott zu dienen, der wird natürlich einen großen Lohn erhalten, er wird immer mehr erfüllt werden vom Reichtum der Gnade Gottes, er wird immer tiefere Einsicht in die Herrlichkeit Gottes erlangen. Wer die Liebe zu Gott und den Menschen hat, dem wird immer noch mehr gegeben.

Wer aber die Liebe zu Gott nicht hat, wer sich mit einem harten Herzen Gott gegenüber verschließt, wer sich durch seine Sünden von Gott abwendet, wer so ist wie der felsige Boden, von dem Jesus im Gleichnis spricht, der wird mit der Zeit auch noch die letzen guten Samenkörner der Einsicht, das letzte Licht, das ihn aus der Dunkelheit noch zur Umkehr führen könnte, verlieren.

Alles, was ihm über Gott und sein Reich, über Christus und die Kirche gesagt wird, das bleibt für ihn rätselhaft. Er wird sich zwar einbilden, etwas vom Glauben zu verstehen, aber es ist für ihn, so wie Jesus sagt: „Sie sehen und sehen doch nicht, sie hören und hören doch nicht. Ihr Herz kommt nicht zur Einsicht und sie bekehren sich nicht.“

Uns als Jünger Christi ist es gegeben, die Geheimnisse des Reiches Gottes zu kennen, weil wir Christus lieben.

 

Mit den Heiligen Geist getauft

Unser Christsein ist ein Leben aus dem Heiligen Geist. Jesus hat vor seine Himmelfahrt noch ganz praktische Anweisungen gegeben, in welcher Weise sie den Heiligen Geist erwarten sollten. „Geht nicht weg von Jerusalem, sondern wartet auf die Verheißung des Vaters, die ihr von mir vernommen habt. … ihr aber werdet schon in wenigen Tagen mit dem Heiligen Geist getauft“ (Apg 1,4f).

1.) Zuerst sagt er: „Geht nicht weg von Jerusalem.“ Das hat eine tiefere Bedeutung: Jerusalem ist ja der Ort, an dem Christus unsere Erlösung durch seine Hingabe am Kreuz erwirkt hat. Darum sollte Jerusalem auch der Ort sein, an dem der Heilige Geist kommt. Auf unser Leben übertragen bedeutet dies, dass wir dort, wo unser Kreuz im Leben steht, auch den Heiligen Geist empfangen werden. Eines der Zeichen unserer Zeit ist es, dass heute so viele Menschen irgendwie auf der Flucht vor dem Kreuz sind: auf der Flucht vor ihrer Verantwortung, vor ihren Pflichten und Bindungen, vor dem eigenen Leben und seinen Belastungen. Aber wer von dem Ort davonläuft, an dem das Kreuz des Herrn in seinem Leben steht, der wird auch die Kraft von oben nicht empfangen. Darum sagt der Herr: Bleibt in Jerusalem.

2.) Es heißt weiter: „Wartet auf die Verheißung des Vaters.“ Die Apostel sollten also in aller Geduld auf die Ankunft des Heiligen Geistes warten. Mit einer unruhigen Ungeduld bringt man in den Dingen Gottes nichts voran. Das ist auch eine Mentalität unserer Zeit: dieses „Nicht-Warten-Können“. Man muss alles, was man sich wünscht, sofort haben. Man kann z.B. nicht warten mit dem Zusammenleben bis zur Ehe, oder man wird ungeduldig mit den Mitmenschen, weil sie nicht so sind, wie wir sie haben möchten. Das geduldige Ausharren, ist aber die beste Vorbereitung auf den Heiligen Geist, ja die Geduld ist schon eine Kraft von oben. Es ist auch interessant: Jesus hat zu den Aposteln gesagt: Ihre werdet „schon in wenigen Tagen mit dem Heiligen Geist getauft.“ Wir würden uns unter „wenigen Tagen“ vielleicht drei, vier Tage vorstellen. Es waren aber 10 Tage. Mit der Zahl 10 ist die Fülle der Zeit gemeint, die Stunde Gottes.

3.) Jesus verheißt den Aposteln, dass sie mit dem Heiligen Geist getauft werden. Er macht ihnen bewusst, dass sie den Heiligen Geist als ein Geschenk empfangen. Nicht sie selber müssen etwas tun und leisten, sondern Gott wird etwas an ihnen tun, sie eintauchen in den Heiligen Geist. Wir sind heute ganz stark in Versuchung, unser Leben und den Wert unseres Menschseins ganz auf eigene Leistung aufzubauen. Nur was wir selber gemacht haben, zählt, und der Mensch wird nur nach seiner Leistung beurteilt. Aber die entscheidenden Dinge im Leben sind immer ein Geschenk, eine Gnade. Aber die Gnade Gottes will uns dazu bewegen, dass wir mit ihr mitwirken. Der Heilige Geist als ein Geschenk Gottes will uns dazu bewegen, so zu denken, so zu handeln und zu lieben, wie Jesus Christus es getan hat.

 

Er hat meine Augen geöffnet

Am 4. Fastensonntag (A) hören wir im Evangelium von der Heilung des Blindgeborenen. Diese Begebenheit ist ein Bild für unsere Taufe. Sie war am Anfang unseres Lebens ein unverdientes Geschenk. Der Herr hat uns die Augen des Glaubens geöffnet. Aber unser Getauftsein ist nun ein Glaubensweg, an dessen Ziel wir einmal Christus von Angesicht zu Angesicht sehen werden. Einige wichtige Aspekte dieses Glaubensweges werden uns in der Heilung des Blindgeborenen gezeigt.

1.) Der Glaube ist Gnade: Der Blinde hatte gar nicht darum gebeten, dass Jesus ihn heile. Jesus handelt souverän, aus eigenem Antrieb. Wir können den Glauben nicht selber machen, er wird uns von Gott gegeben. Das hat Jesus einmal sehr deutlich ausgesprochen. Als Petrus das Bekenntnis ablegte: „Du bist der Messias, der Sohn des Lebendigen Gottes“, da sagte Jesus zu ihm: „Nicht Fleisch und Blut haben dir das offenbart, sondern mein Vater im Himmel“ (Mt 16,17). Glauben zu können ist also eine Gnade; aber wir müssen mit ihr mitwirken, damit der Glaube stark wird und sich entfaltet.

2.) Der Glaube wächst durch Gehorsam: Der Verlauf der Geschichte zeigt uns, dass der Blindgeborene auch selber etwas zu seiner Heilung tun muss. Jesus gibt ihm den Auftrag, sich im Teich Schiloach zu waschen. Er muss sozusagen im „blinden Gehorsam“ zum Teich gehen und sich waschen, aber dieser Gehorsam öffnet ihm die Augen. Das ist für uns nicht anders. Erst wenn wir im Gehorsam das tun, was Jesus uns aufgetragen hat, uns an seine Gebote halten, werden uns die Augen des Glaubens geöffnet.

3.) Der Glaube wächst durch das Bekenntnis: Zuerst weiß der Blindgeborene gar nicht recht, wie und von wem er geheilt worden ist. Je öfter er aber seine Geschichte erzählt, desto klarer wird ihm, wer ihm die Augen geöffnet hat. Und je mutiger er das ausspricht, desto heller und entschiedener wird sein Glaube an Jesus. Das ist auch für uns so. Wenn wir unseren katholischen Glauben immer bekennen, so wird er gestärkt.

4.) Der Glaube wächst im Leiden. Das Evangelium berichtet uns, dass der Geheilte stark angefeindet, ja schließlich hinausgeworfen wurde. Dieser Widerstand gegen seinen Glauben entmutigt ihn nicht. Schließlich darf er Jesus wirklich begegnen und sehen und er fällt vor ihm nieder, um ihm zu danken. Wer also an Christus glaubt, muss mit Widerstand und Leiden rechnen. Wenn wir aber in allen Leiden und Bedrängnissen im Glauben durchhalten, dann werden wir  am Ende Jesus, unseren Herrn von Angesicht zu Angesicht sehen.

Der hl. Petrus fasst die Gedanken des Evangeliums schön zusammen:  „Deshalb seid ihr voll Freude, obwohl ihr jetzt vielleicht kurze Zeit unter mancherlei Prüfungen leiden müsst. Dadurch soll sich euer Glaube bewähren und es wird sich zeigen, dass er wertvoller ist als Gold, das im Feuer geprüft wurde und doch vergänglich ist. So wird eurem Glauben Lob, Herrlichkeit und Ehre zuteil bei der Offenbarung Jesu Christi“
(1.Petr 1,6f).

 

Kinder des Vaters im Himmel sein

In den Evangelien der Sonntagen im Februar hören wir wichtige Abschnitte aus der Bergpredigt Jesu. Jesus legt uns darin die Gebote, Weisungen und Prinzipien vor, an die wir uns als seine Jünger halten sollen, damit wir wahrhaft Kinder unseres Vaters im Himmel werden (vgl. Mt 5,45).

Eines der Gebote, das für uns menschlich gesehen am schwersten zu verstehen ist, ist das Gebot des Verzichtes auf Rache und der Feindesliebe. Wenn Jesus sagt: „Leistet dem, der euch etwas Böses antut, keinen Widerstand, sondern wenn dich einer auf die rechte Wange schlägt, dann halt ihm auch die andere hin“, oder „Liebt eure Feinde und betet für die, die euch verfolgen“, dann werden wir dem vielleicht theoretisch zustimmen, aber wenn es konkret wird, werden wir vielleicht auch so denken, wie es in der folgenden Begebenheit geschildert wird.

In den 60-er Jahren war der sowjetischen Regierungschefs Nikita Chruschtschow in Frankreich zu Besuch und man hat ihm auch die Kathedrale von Reims gezeigt. Nach der Führung hat er zu dem Prälaten, der ihn begleitet hat, gesagt: „Eigentlich stimme ich mit allem überein, was euer Christus gelehrt hat. Ein Mann mit sozialen Ideen. Ein Mann, der für die Revolution war. Wirklich, euer Christus imponiert mir.“ Aber nach einer Weile machte er doch die bemerkenswerte Einschränkung: „Nur eines verstehe ich nicht an eurem Christus; wenn er sagt: Haut dich einer auf die linke Backe, reich ihm auch die rechte! – Nein, wenn mich einer schlägt, dann mache ich ihn einen Kopf kürzer.“ Er hat genau das ausgesprochen, was in der Welt üblich ist. Hier geht es nicht bloß „Aug um Auge, Zahn um Zahn“, das wäre ja noch gerecht, sonder für eine Ohrfeige macht man den anderen gleich um einen Kopf kürzer.

Aber was ist nun mit dieser anderen Wange gemeint?
Es geht hier ganz offensichtlich um die persönlichen Beleidigungen und Verletzungen, die uns in verschiedenster Weise treffen können.

In solchen Situationen sind wir zwar manchmal nach außen hin fähig, ein Unrecht oder eine Beleidigung zu ertragen – um des Lieben Friedens willen. Aber innerlich haben wir diesen Schlag noch lange nicht überwunden. Wir sind versucht, ganz heftige Gedanken des Zornes, des Hasses, der Rache mit uns herumzutragen, ja vielleicht sogar ein Leben lang, weil wir das Unrecht nicht verzeihen können.

Wenn Jesus hier sagt, wir sollen auch die andere Wange hinhalten, so könnten wir darunter die Gesichtsseite des inneren Menschen verstehen.

Jesus wollte, dass wir jeden Hass auf die Menschen, jeden Gedanken der Rache in der Tiefe unserer Seele von Grund auf überwinden durch das Vergeben und Verzeihen, so wie er es getan hat. Das ist aber nur möglich mit seiner Gnade und in seinem Geist.

 

Advent – Bereitet dem Herrn den Weg!

johannes-baptistaAm 2. Adventssonntag (A) hören wir im Evangelium von Johannes dem Täufer, der die Menschen damals auf das Kommen des Erlösers vorbereitet hat. Und wie hat er dies getan? Indem er sie zur Bekehrung der Herzen aufgerufen hat. Er hat die Menschen an die Gebote Gottes erinnert und auf das kommende Gericht Gottes hingewiesen, das über jene kommt, die von ihren Sünden nicht umkehren wollen.
„Bereitet den Herrn den Weg!“ „Was krumm ist, soll gerade werden“, d.h. die Leute sollen keine krummen Dinge drehen, sie sollen aufhören zu sündigen, „was uneben ist, soll zum ebenen Weg werden“ d.h. sie sollen wieder den Weg der Gebote gehen.
Hier können wir einen wichtigen Zusammenhang erkennen: Als die Leute Johannes gefragt haben, wer er denn sei, was er über sich selber sage, da antwortete er: „Ich bin die Stimme, die in der Wüste ruft.“ Er sagt auch, dass er ein „Zeuge für das Licht“ und ein „Zeuge für die Wahrheit“ sei.

Johannes ist zwar vor 2000 Jahren gestorben, aber seine Stimme, dieser „Zeuge für die Wahrheit“ spricht auch heute noch zu uns. Denn diese Stimme des Johannes hat jeder Mensch in seinem eigenen Herzen. Sie ist nichts anderes als unser Gewissen. Gott hat jedem Menschen ein Gewissen ins Herzen gepflanzt, das ihm befiehlt, das Gute zu tun und das Böse zu meiden. Es erinnert uns an die Gebote Gottes und an unsere Pflichten gegenüber Gott und den Menschen. Genau das hat Johannes als Prophet getan. Er war das lebendige Gewissen der Menschen.

Wenn wir unser Gewissen erforschen und ehrlich über unsere Taten nachdenken, wird das vielleicht unangenehm sein. Die Stimme des Gewissens macht uns so manche Fehler bewusst. Es wird unser unrechtes Tun verurteilen. Wer auf diesen inneren Zeugen der Wahrheit hört, der wird bemerken, dass das Gewissen uns diese Verfehlungen nicht vergeben kann. Aber er wird spüren, dass ihn diese innere Stimme dazu drängt, zu dem zu gehen, der uns die Sünden wirklich vergeben, uns aus unserer Not erlösen und uns wieder ein reines Herz schenken kann. Und das ist Jesus Christus. Unser Gewissen wird uns sagen: ‚Geh wieder zur Beichte, dort wirst du die Erlösende Vergebung empfangen.‘

Genau das hat auch Johannes getan: Er selbst konnte den Menschen die Sünden nicht vergeben, er hat sie nur bewusst gemacht. Aber er wusste, dass Gott selber kommen würde, um die Menschen von ihren Sünden zu erlösen. Darum hat er auf Jesus verwiesen: „Seht das Lamm Gottes, das hinwegnimmt die Sünde der Welt.“ Die Adventszeit ist eine Einladung an uns, die Stimme des Johannes nicht zu überhören, die uns sagt: „Kehrt um! Denn das Himmelreich ist nahe. Bereitet dem Herrn den Weg!“

Il Santo Bambino – Der wahre Friedensfürst

il-santo-bambino-3Im Weihnachtsevangelium wird uns berichtet, dass Jesus zur Zeit des großen Kaisers Augustus geboren wurde. In der Inschrift von Priene, die aus dieser Zeit stammt, wird Kaiser Augustus als der große Heiland, Retter und Friedensbringer gepriesen:

„Die Vorsehung, die über allem Leben waltet, hat diesen Mann zum Heil der Menschen mit solchen Gaben erfüllt, indem sie ihn uns und den kommenden Geschlechtern als Heiland und Retter gesandt hat. Allem Krieg wird er ein Ende setzen und alles herrlich ausgestalten. In seiner Erscheinung (Epiphanie) sind die Hoffnungen, der Vorfahren erfüllt. … Der Geburtstag des Kaisers war für die Welt der Anfang der Freudenbotschaft (Evangelium), die seinetwegen ergangen ist.“

Wir können uns fragen, ob sich diese Hoffnungen in Kaiser Augustus erfüllt haben. Sicher nicht! Aber wir braucht nur den Namen Jesus in die Inschrift einzusetzen, dann stimmen die Verheißungen, die hier ausgesprochen wurden. Jesus Christus, der verborge und unerkannt von den Mächtigen dieser Welt in Bethlehem geboren wurde, er ist der wahre Heiland und Friedensbringer.

Auf dem Kapitolshügel in Rom, auf dem einst auch der Palast des mächtigen Kaisers Augustus stand, steht heute die Basilika Santa Maria in Aracoeli. Hier wird seit einigen hundert Jahren das Jesuskind verehrt, „Il Santo Bambino“. Durch den Glauben an das Christkind, das in dieser Statue dargestellt ist, und an das bis heute noch unzählige Briefe geschrieben werden, sind viele Heilungen, Wunder und Gebetserhörungen geschehen. Wenn wir wie die Kinder an das Christkind glauben, dann wird es uns wunderbare Geschenke bereiten und wir dürfen zu seinem Königreich gehören. Jesus hat ja gesagt: „Amen, das sage ich euch: Wenn ihr nicht umkehrt und wie die Kinder werdet, könnt ihr nicht in das Himmelreich kommen“ (Mt 18,3).

Die ewigen Güter nicht verlieren

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Am 15. September feiert die Kirche das Gedächtnis der Schmerzen Mariens. Die „Sieben Schmerzen Mariens“ sind: 1. die Weissagung Simeons; 2. die Flucht nach Ägypten; 3. das dreitägige Suchen nach Jesus bei der Wallfahrt zum Tempel; 4. der Weg nach Golgota; 5. die Kreuzigung Jesu; 6. die Abnahme Jesu vom Kreuz; 7. die Grablegung Jesu.

Am 25. Sonntag in Jahreskreis (C) hören wir im Sonntagsevangelium das Gleichnis vom unehrlichen Verwalter, das auf den ersten Blick nicht leicht zu versteh ist. Wie sollen wir uns an einem Menschen ein Beispiel nehmen, der fremdes Gut veruntreut und sich auf Kosten seines Herrn Freunde verschafft. Aber Jesus lobt nicht sein Handeln, sondern nur seine Klugheit, mit der er das Beste für sich herausholt.

Davon müssten wir als Jünger Christi lernen. Über kurz oder lang werden wir auch vor dem Gericht Gottes stehen. Und es geht darum, dass wir uns für das ewige Leben absichern.

Wie uns der Herr im Anschluss an das Gleichnis zu verstehen gibt: Wenn wir die ewigen Güter erhalten wollen, kommt es sehr wohl darauf an, dass wir die irdischen Güter sehr gerecht und zuverlässig verwalten.

Worin besteht nun diese vorausblickende Klugheit für die Kinder des Lichtes, damit wir am Ende nicht als die Dummen dastehen?

1) Die Klugheit besteht zuerst darin, dass wir uns das Gericht Gottes vor Augen halten und deshalb immer wieder alles vor Gott in Ordnung zu bringen suchen, z.B. durch eine gute heilige Beichte, durch Schritte des Verzeihens und der Versöhnung.

2.) Die Klugheit besteht weiters darin, dass wir die Zeit, die wir noch haben, im Sinne Gottes gebrauchen. Für so viele unnütze Dinge nehmen sich die Menschen Zeit, aber wenn es um Gott geht, das Gebet, den Gottesdienst, die Weitergabe des Glaubens, so haben sie keine Zeit. „Nutzt die Zeit; denn diese Tage sind böse“ (Eph 5, 16), sagt der hl. Paulus.

3.) Die Klugheit besteht schließlich darin, dass wir uns „mit Hilfe des ungerechten Mammons“ Freunde schaffen, das heißt, dass wir unsere Güter, Fähigkeiten und Talente zu Gunsten des Reiches Gottes und unserer Mitmenschen einsetzen. Das ist nicht immer so einfach. Man braucht nur einmal zu betrachten, wie sehr wir oft an gewissen Habseligkeiten hängen, wie sehr unser Denken, Fühlen und Wünschen um die Dinge dieser Welt und um uns selber kreisen.

Aber hier ist es vor allem die Gottesliebe, die uns die neue Freiheit des Geistes schenkt, so dass wir Gott mit ungeteiltem Herzen dienen und nicht mehr dem Mammon.

Darum soll uns die Bitte ins Herz geschrieben sein, die die Kirche in einem Tagesgebet des Messbuches an Gott, unseren Vater, richtet: „Führe uns in deinem Erbarmen den rechten Weg und hilf uns, die vergänglichen Güter so zu gebrauchen, dass wir die ewigen nicht verlieren.“

 

Bemüht euch mit allen Kräften

Jesus-Christus-pantokrator-st-paulIm Evangelium vom 21. Sonntag im Jahreskreis (C) stellt ein Mann aus dem Volk Jesus die Frage: „Herr, sind es nur wenige, die gerettet werden?“

Jesus gibt darauf keine unmittelbare Antwort, sondern macht seinen Jüngern den Ernst der Lage bewusst. Sie sollen sich nicht mit falschen Spekulationen befassen, sondern sie sollen auf sich selber schauen, ob sie sich ernsthaft anstrengen, in den Himmel zu kommen. „Bemüht euch mit allen Kräften, durch die enge Tür zu gelangen!“ Mit dieser engen Tür meint Jesus sich selbst. „Ich bin die Tür, wer durch mich eingeht, wird gerettet werden“, sagt er an einer anderen Stelle. Durch die enge Tür zu gehen heißt also, Jesus nachfolgen.

Und somit richtet sich auch die Frage an uns: Setzen wir wirklich alle Kräfte daran, den Weg der Nachfolge Christi zu gehen? Halte ich mich an die Gebote des Herrn? Strebe ich nach der Bekehrung des Herzens, nach der Besserung meines Lebens? Suche ich die Gottes- und Nächstenliebe konkret zu verwirklichen? Der Herr macht uns deutlich, dass ein Lippenbekenntnis bei ihm nichts zählen wird.

Und da müssen wir wahrscheinlich zugeben, wenn wir nicht uns selbst und Gott belügen möchten, dass wir noch lange nicht alle Kräfte darauf verwendet haben, Christus nachzufolgen.

Manchmal vertrösten sich die Leute, dass sie später einmal, wenn sie mehr Zeit haben, dies und jenes im Leben ändern werden. Aber wer sagt ihnen, dass sie so viel Zeit haben? Andere vertrösten sich wieder mit dem Argument, dass sie selber viel besser sind als viele andere Menschen. Sie sagen: Ich bin doch ein anständiger Mensch, ein guter Christ!

Aber Jesus warnt uns vor zu großer Selbstsicherheit. All diese Ausreden werden uns beim Gericht nicht helfen, wenn der Herr des Hauses, also Gott, die Tür des Himmels zuschließt und wir ausgeschlossen bleiben.

Die ewige Seligkeit wird uns nicht einfach nachgeworfen, ohne dass wir selbst etwas dazu getan haben. Der heilige Augustinus sagt: Gott hat uns ohne unser Zutun geschaffen, aber er rette uns nicht ohne unser Mitwirken.

Diese Tür der Liebe zu Gott und dem Nächsten ist eng, man muss sich sozusagen oft mühevoll hindurchzwängen. Aber sie führt eben in die Freiheit, sie führt in das Reich Gottes hinein.

Viele Heilige sind uns diesen Weg vorausgegangen und haben diese enge Tür durchschritten. Das ist ein Ansporn und eine Einladung für uns. Es lohnt sich, alle Kräfte darauf zu verwenden, um auf dem Weg der Nachfolge Christi treu zu bleiben.

 

Liebst du mich mehr als diese?

auferstandene-bEine der berührenden Begebenheiten nach der Auferstehung ist die Begegnung und das Gespräch Jesu mit Petrus. Wir hören dieses Evangelium am 3. Sonntag der Osterzeit. Jesus offenbart hier die Güte und Barmherzigkeit Gottes. Gott streicht die Menschen nicht nach ihrem ersten Vergehen aus seinem Buch, sondern er gibt dem Menschen immer wieder eine neue Chance.

Zu seinen Lebzeiten hat Jesus die Menschen oft gefragt: „Glaubst du?“, nie aber: „Liebst du mich?“. Er tut es erst jetzt, nachdem er mit seinem Leiden und Sterben den Beweis erbracht hat, wie sehr er uns liebt. Mit der dreimaligen Frage: „Liebst du mich …?“, gibt Jesus dem Petrus die Möglichkeit, seine dreimalige Verleugnung wieder gutzumachen.

Aber das Bekenntnis der Liebe, dass Petrus nun ablegt, soll nicht bloß in Worten bestehen. Jesus will vielmehr, dass die Liebe zu ihm sich im Dienst an den anderen als echt erweist. Darum gibt Jesus dem Petrus auch den Auftrag: „Weide meine Schafe.“ Nicht er will die Früchte dieser Liebe erhalten, sondern er will, dass diese Liebe zu ihm seinen Schafen zugute kommt. Es ist, als sagte er dem Petrus: „Ich betrachte das, was du für meine Herde tust, als tätest du es für mich“. Jesus bekräftigt damit von neuem die Bestimmung, die er dem Petrus schon von Anfang an gegeben hat, nämlich der Fels für seine Kirche zu sein.

Das Vertrauen und die Vergebung des Meisters haben aus Petrus – trotz aller Schwächen und Begrenzungen, die Petrus auch weiterhin hatte – einen neuen Menschen gemacht. Petrus hat die Herde Christi in den schwierigen Momenten ihrer Anfänge geweidet, als es notwendig war, aus Galiläa hinauszugehen auf die Straßen der Welt. Schließlich wurde Petrus dann auch fähig, sein eigenes Versprechen einzuhalten, nämlich das Leben für Christus hinzugeben.

Das Gespräch zwischen Jesus und Petrus bezieht sich auf jeden von uns. Der heilige Augustinus sagt in seinem Kommentar zu diesem Abschnitt des Evangeliums: „Indem er Petrus fragte, fragte Jesus einen jeden von uns.“ Die Frage: „Liebst du mich?“ ist an jeden Jünger gerichtet. Es geht also in unserem Christsein um eine Freundschaftsbeziehung mit der Person Jesu Christi. Er hat uns dazu erwählt. Der Herr weiß – und dessen sollten wir uns auch selber immer bewusst bleiben, dass wir wie Petrus schwache und unsichere Menschen sind, die den Herrn nur all zu leicht verraten. Trotz allem gibt er uns den Auftrag: „Weide meine Schafe!“ Das heißt: „Übe die Liebe an den Menschen, die ich dir zur Seite gestellt habe.“ Nicht aus eigener Kraft können wir dies tun, sondern weil er uns liebt.