Mit brennenden Lampen

Wir glauben an einen Herrn, Jesus Christus … Er sitzt zur Rechten des Vaters und wird wiederkommen in Herrlichkeit, zu richten die Lebenden und die Toten; seiner Herrschaft wird kein Ende sein (aus dem großen Glaubensbekenntnis).

Im Evangelium des 32. Sonntags im Jahreskreis (A) ruft uns der Herr durch das Gleichnis von den klugen und törichten Jungfrauen zur Wachsamkeit im Glauben auf. Der Herr hat verheißen, dass er am Ende der Zeit mit Macht und Herrlichkeit wiederkommen wird. Wir wissen nicht, wann das sein wird.

Für jeden von uns wird es aber diese Ankunft des Bräutigams geben, wenn wir einmal sterben. Auch hier wissen wir nicht den Tag und die Stunde. Aber wir sollen bereit sein, ihm mit brennenden Lampen entgegengehen.

Mit den 10 Jungfrauen stellt uns der Herr zwei Menschengruppen vor Augen, von denen er die einen als klug und besonnen beurteilt und die anderen als töricht und dumm.

Alle 10 haben ein gemeinsames Ziel, sie wollen den Bräutigam empfangen und an der Hochzeit teilnehmen. Es geht um die ewige Glückseligkeit des Himmels, die wir erlangen sollen. Gott hat uns die Sehnsucht nach diesem Glück ins Herz gelegt.

Aber mit der Sehnsucht allein ist es noch nicht getan. Gott will, dass wir unseren Teil dazu beitragen, damit dieses ewige Glück erlangen. Wenn er uns schon unverdienter Weise eingeladen hat, Gäste bei seiner Hochzeit zu sein, dann sollen wir uns auch entsprechend vorbereiten, um ihm mit brennenden Lampen entgegenzugehen.

Und hier zeigt sich bei uns Menschen eine unterschiedliche Verhaltensweise. Die 5 klugen Jungfrauen nehmen zu ihren Lampen reichlich Öl mit, und die törichten haben zwar ihre Lampen, aber zu wenig Öl dabei. Wenn wir dieses Bild auf unser Leben übertragen, so können wir in den Lampen ein Symbol für den Glauben sehen und im Öl die Liebe.

Jene Menschen, die vor Gott wachsam und klug sind, die kümmern sich darum dass die Lampe des Glauben immer reichlich mit dem Öl der Liebe gefüllt ist: mit der Liebe zu Gott durch ein beständiges Gebet, durch die Treue und Liebe zu seinen Geboten und zur heiligen Kirche, und dann durch die helfende und dienende Liebe, die verzeihende und barmherzige und selbstlose Liebe zu den Mitmenschen. Weil sie aus dem Glauben an Jesus viel Liebe geübt haben, haben sie auch ein erfülltes Leben, sie haben einen großen Vorrat an diesem Öl der Liebe bei sich.

Die törichten hingegen, und darin besteht auch ihre Dummheit in den Augen des Herrn, haben zwar ein gewisses Gottvertrauen, sie glauben an Gott und seine Güte und Liebe, aber sie tun fast nichts, um ihren Glauben bzw.  ihr Leben mit diesem Öl der Güte und Liebe Gottes zu füllen. Sie haben keine Beziehung zu den Sakramenten, durch die Gott uns seine Liebe schenkt. Sie versäumen es jetzt, das Gute zu tun, die verzeihende helfende Güte und Liebe gegen die Mitmenschen zu üben. Sie lassen sich nur von ihren eigenen Wünschen erfüllen von der egoistischen Eigenliebe, die am Ende doch nichts als die innere Leere zurücklassen wir.

Im Gleichnis gibt es für die törichten Jungfrauen kein „Happy End“. Nützen wir also die Zeit, damit wir dem Herrn mit brennenden Lampen entgegengehen können.

 

Jahreszeiten der Seele

Der hl. Pater Pio sagt: Ich stelle fest, dass sich in unserer Seele alle Jahreszeiten widerspiegeln. Manchmal spürt ihr den Winter in seiner ganzen Unwirtlichkeit, Öde, Freudlosigkeit und Langeweile. Dann den Tau des Maimonats mit dem Duft der Blumengewinde. Dann den heißen Wunsch, unserem göttlichen Bräutigam zu gefallen. Nun bleibt nur noch der Herbst, in dem ihr wenig Früchte ernten könnt. Freilich geschieht es mehr als einmal, dass der Getreideacker und der Weingarten mehr einbrachte, als Korn und Traube vor der Reife versprachen. Ihr möchtet gern, dass alles im Frühling und Sommer geschehen solle. Nein meine lieben Kinder! Der Wechsel ist notwendig bei den Dingen in der Natur und den Ereignissen in unserem Innern. Im Himmel ist alles Frühling und damit ist seine Schönheit gemeint. Im Himmel ist alles Herbst und redet so von seiner unaufhörlichen Freude. Im Himmel ist alles Sommer, weil er die herrliche Liebe besitzt und verkündet. Aber im Himmel wird es niemals einen Winter geben. Doch hier auf Erden ist der Winter notwendig, dass wir die Selbstverleugnung lernen und üben und die tausend kleinen Tugenden.

 

Gott, ich weiß, dass du mich nicht verlassen wirst.

Der hl. Pfarrer von Ars sagte einmal treffend: „Die Versuchung ist ein Mittel, den Himmel zu gewinnen. In der Tat ­ welches Verdienst hätten wir, in der kurzen Zeit unseres Lebens Gutes zu wirken, wenn wir keine Versuchungen hätten?“ Wenn wir in der Versuchung standhalten, dann beschenkt uns der Herr oft unerwartet mit einer besonderen Gnade.

Ein Pfarrer aus Spanien erzählt: »Ich befand mich im Pfarrbüro, als ein ausländischer junger Mann eintrat und mich um eine Arbeitsstelle bat. Er brauchte Geld für seine kranke Mutter und erzählte mir, dass ihn eine ausländische Familie für 200 € im Monat bei sich wohnen ließ. Nun aber war er schon drei Monate mit der Miete in Verzug. Ich beschloss, ihm von den Mitteln der Caritas der Pfarrei einen Scheck über 400 € auszustellen, damit er wenigstens zwei Monatsmieten bezahlen könne. Als ich dem jungen Mann den Scheck in die Hand drückte, begann er zu weinen. Da sagte ich zu ihm: „Kommen Sie, Sie brauchen sich doch hierfür nicht zu schämen!“ Er antwortete: „Ich schäme mich nicht, Padre. Ich weine vor lauter Dankbarkeit. Heute war ich nämlich drauf und dran, Geld zu stehlen. Ich stand vor einem Geldautomaten, an dem zwei Frauen zuvor Geld abheben wollten. Er funktionierte aber nicht und sie waren mittlerweile weggegangen. Ein wenig später allerdings spuckte der Automat das Geld doch noch aus und ich überlegte mir, ob ich es behalten solle, weil ich es ja brauchte. Aber meine Mutter hatte mir beigebracht, dass es besser ist, zu betteln, als Geld zu stehlen. Deshalb machte ich mich auf die Suche nach den beiden Frauen. Als ich sie gefunden hatte, übergab ich ihnen die Scheine. Sie bedankten sich nur kurz und verabschiedeten sich sogleich. Da habe ich zu Gott gesagt: ‚Ich habe meine Pflicht getan und du kennst meine Probleme. Ich weiß, dass du mich nicht verlassen wirst.‘ Gott ließ mich nicht lange auf seine Antwort warten. Denn soeben, also noch am selben Tag, haben Sie, Padre, mir genau den Betrag gegeben, den ich hätte stehlen können. Gott sei Dank habe ich es nicht getan!“«

 

Die „Verborgenen Christen“ von Japan

1549 war der heilige Franz Xaver aus dem Jesuitenorden als erster christlicher Missionar nach Japan gekommen. Die Evangelisierung machte schnelle Fortschritte. Um das Jahr 1590 gab es in Japan ca. 220.000 Katholiken, die von etwa 40 Priestern – jesuitische Missionaren – betreut wurden. 1587 begann aber die Christenverfolgung. Niederländische Calvinisten hatten das japanische Shogunat (= Regierung) gegen die katholischen Missionare aufgehetzt, um die spanisch portugiesische Handelskonkurrenz auszuschalten. In Wirklichkeit provozierten sie damit eine generelle Verfolgung des Christentums. 1587 mussten alle ausländischen Missionare das Land zu verlassen. Ein Teil von ihnen ging in den Untergrund.  Ab 1596 wurden aufgegriffene Priester und Ordensleute verhaftet und grausam hingerichtet. Ab 1612 wurde jede christliche Aktivität verboten und mit dem Tod bestraft. Es wurde Jagd auf japanische Katholiken gemacht. Um sie aufzuspüren, mussten sich alle Japaner in buddhistischen Tempeln registrieren lassen. Dabei wurde jeder einzeln gezwungen, auf christliche Symbole oder Bilder zu treten (Tret-Bild, siehe oben). Wer zögerte oder sich weigerte, galt als Christ. Hielten sie am Glauben fest, wurden sie hingerichtet. Schworen sie dem Glauben ab, wurden sie als abgefallene Christen registriert und die ganze Familie für sieben Generationen unter Aufsicht gestellt. In Orten wie Nagasaki, die als christliche Zentren bekannt waren, wurde die Enttarnung von Christen jedes Jahr wiederholt. Japan wurde durch die Regierung vom Ausland abgeschirmt und der christliche Glaube schien völlig ausgerottet zu sein.

Erst 1853 durften wieder Ausländer nach Japan kommen. Pater Petitjean war einer der erste katholischen Missionare. Er hatte auch eine kleine Kirche gebaut zu Ehren der japanischen Märtyrer. Am 17. März 1865 kam es zu einer Begegnung, in der sich ein Wunder offenbarte. Eine Gruppe von etwa 15 Japanern – Männer, Frauen und Kinder – kam zu ihm. Er ging mit ihnen in die Kirche. Er kniete vor dem Hochaltar zu einer kurzen Anbetung nieder und bat den Herrn vertrauensvoll, ihm die rechten Worte einzugeben. Da näherten sich ihm drei Frauen, knieten neben ihm nieder, und eine von ihnen wisperte, die Hand aufs Herz gelegt: „Wir alle haben das gleiche Herz wie Sie.“  Der Pater fragte erstaunte: „Woher kommen Sie denn?“  „Urakami, wo fast alle das gleiche Herz haben“, lautete die Antwort. Dann fragte eine der Frauen: „Wo ist die Statue der hl. Jungfrau Maria?“ Der Priester führte sie zum Marienaltar, wo alle mit ihm niederknieten, vor Freude weinten und ausriefen: „Ja, das ist wirklich Maria mit ihrem göttlichen Kinde in den Armen.“ Sie hatten die wahre hl. Kirche wieder gefunden.
Auf ihrer Suche hatte die  „Verborgenen Christen“, wie man sie auch nannte,  zuerst eine protestantische Kirche entdeckt. Als die Ehefrau des Pastors sie empfing und ihnen Englischen Tee anbot, verließen sie den Ort sofort.

In weiteren Begegnungen stellte sich heraus, dass es in Japan noch etwa 10.000 „Verborgene Christen“ gab, die den katholischen Glauben schon kannten und durch 200 Jahre bewahrt hatten, obwohl sie außer der Taufe keine Sakramente hatten und immerfort von der Verfolgung bedroht waren. Es war ein Wunder des Hl. Geistes.

 

Den katholischen Glauben bewahren

Wie konnten die Christen in Japan während der Verfolgungszeit durch 200 Jahr den katholischen Glauben bewahren? Bei einer Konferenz an der Universität Gregorian in Rom, die im Oktober 2017 stattfand, hat der japanische Professor für Kirchengeschichte Pater Kawmura SJ drei wesentliche Elemente genannt:

  1. Die Bruderschaft der Barmherzigkeit: Der hl. Franz Xaver hat schon bei seiner Missionierung diese Bruderschaft gegründet, die in den einzelnen Gemeinden von Laien geleitet wurde und sich karitativen Werken widmete. Als die Verfolgung begann, wurden diese Bruderschaften zu einem Mittel zur gegenseitigen Hilfe und zur Unterweisung im Glauben durch leitenden Katechisten.
  2. Es gab unter den Christen eine mündliche Tradition mit dem Titel „Prophetie des Katechisten Bastian“, die den verfolgten Christen Hoffnung auf eine künftige Wiedergeburt der Kirche gegeben hat.
    Bastian war ein Katechist, der 1660 den Märtyrertod starb. Er hat vor seinem Tod prophezeit: „Nachdem sieben Generationen vergangen sein werden, wird ein schwarzes Schiff kommen, auf dem einige Beichtväter sein werden. Die Menschen werden dann beichten können, sogar wöchentlich.“ Um zu unterscheiden, ob die Beichtväter wirklich Priester der katholischen Kirche waren, sollten sie ihnen drei Fragen stellen: Lebst du allein? Wie ist der Name deines Führers in Rom? Verehrst du die Hl. Jungfrau Maria?
  3. „Buch der Reue und des Gebets“. Dieses Büchlein bestand aus den Erinnerungen ihrer Vorfahren, die ihnen als Kraftquelle dienten und aus einem Reuegebet, das auf der katholischen Lehre beruhte: Der Sünder könne die Vergebung erlangen, wenn er wahre Reue erweckt und es könne die aktuelle Beichte der Sünde auf die Zeit verschoben werden, bis ein Priester verfügbar sei. So lebten die „Verborgenen Christen“ immer in Beziehung zu den Sakramenten der Kirche. Ein Zeichen auch für uns!

 

Jetzt kann ich ruhig sterben!

Am 8. Dezember feiern wir das Hochfest der unbefleckten Empfängnis der Gottesmutter Maria. Maria war vom ersten Augenblick ihres Daseins an voll der Gnade und ohne die Erbsünde. Darum kann sie auch Mittlerin aller Gnaden sein, weil sie uns Jesus Christus geschenkt hat. Ihre wunderbare Gnadenmittlerschaft wird z.B.  in Lourdes offenbar, wo sie sich ausdrücklich als die Unbefleckte Empfängnis gezeigt hat. Die größten Wunder, die geschehen können, sind immer jene der Bekehrung, dass Menschen ihr Leben ändern und sich ganz zu Gott hinwenden. In den 1950er Jahren hat sie Folgendes zugetragen:

In einem Krankenhaus einer französischen Stadt lag Gabriel,  ein Junge von zwölf Jahren, der über und über von Geschwülsten bedeckt war und sich kaum rühren konnte. Mit ärztlicher Kunst konnte man ihm nicht mehr helfen. Trotzdem war er immer fröhlich und dankbar für jeden Liebesdienst. Er hatte nur einen Wunsch: Er wollte nach  Lourdes zur Grotte kommen, von der er so viel gehört hatte. Sein Vater jedoch war ein eingefleischter Sozialist, der den Glauben ablehnte und auch die Mutter stark beeinflusste; er wollte die Reise nach Lourdes nicht erlauben. Weil er sah, dass seine Weigerung Gabriel Kummer bereitete, gab er endlich nach.

In Lourdes kamen Gabriel und seine Mutter im Hospital bei der Grotte unter und eine Krankenpflegerin nahm sich der beiden liebevoll an. Am dritten Tag sagte die Mutter zur Pflegerin: „Ich habe schon fünfundzwanzig Jahre nicht mehr gebeichtet. Glauben Sie, dass mein Sohn gesund wird, wenn ich die Sakramente empfange?“ Die Pflegerin antwortete, man könne das nicht voraussagen, aber dies sei gewiss, dass Gott ihren guten Willen sicher und reichlich belohnen werde, und zwar in der Weise, wie es für alle am besten ist.
Am Tag darauf hatte die Frau gebeichtet und die hl. Kommunion empfangen und war restlos glücklich darüber. Ihrem Sohn erzählte sie nichts von ihrer Bekehrung, damit er nicht unnötig erregt würde.

Vor der Abreise der beiden fragte die Pflegerin Gabriel : „Wie bist du zufrieden mit deiner Reise nach Lourdes?“ Gabriel antwortete: „Ich habe zur Mutter Gottes gesagt, dass mir viel lieber wäre, meine Mama würde sich bekehren, als dass ich selbst gesund würde.“ Und er weinte. Die Pflegerin fragte den Gabriel: „Kannst du ein großes Geheimnis für dich behalten?“  „Ja“, sagte er.  „Nun schau, Gabriel, deine Mutter ist in Lourdes zur Beichte und Kommunion gegangen.“ Aus dem Knaben leuchtete eine Freude hervor, die ihn zu überwältigen drohte. Endlich sagte er: „Jetzt kann ich ruhig sterben!“, und er versuchte, seine Hände über der Brust zu kreuzen.

Als sie zu Hause angekommen waren, verschlechterte sich der Zustand Gabriels von Tag zu Tag, aber seine Heiterkeit verminderte sich nicht im Geringsten bis er eines Nachts mit einem Lächeln auf den Lippen entschlief. Später erzählte die Mutter einer Krankenschwester: „Hören Sie, es ist ein wahres Wunder geschehen in dieser Nacht. Kaum hatte unser Gabriel seinen letzten Atemzug getan, stand mein Mann auf und sagte zu mir: ‚Ich möchte ihn einmal wiedersehen! Bring mich morgen früh zu einem Priester …'“  Hätte die Mutter Gottes ein größeres Wunder vollbringen können?

 

Rettendes Weihnachtsgeschenk

Sabatina James, die sich heute unter Lebensgefahr für muslimische Mädchen einsetzt, die zwangsverheiratet werden sollen, erzählt von ihrem Weg zum Glauben an Christus, der mit einem Weihnachtsgeschenk begann:

»Zu Weihnachten schenkte Christian [ein Schulfreund] mir eine Bibel. In der Nacht saß ich voller Trauer auf meinem Bett und weinte bitterlich. Ich schrie zu Gott und fragte ihn: „Wer bist du? Allah, Buddha, Krishna oder Jesus?“ Und ich schlug die Bibel wahllos auf und las voller Überraschung folgenden fettgedruckten Vers: „Wenn ihr mich von ganzem Herzen sucht, werde ich mich von euch finden lassen.“ Es kam mir vor, als hätte ich mein ganzes Leben lang Gott angerufen und das erste Mal die richtige Nummer gewählt. Da hat jemand abgehoben am andern Ende. Ich habe mich gefragt: Warum ist das mit dem Koran nicht passiert, in dem ich täglich gelesen habe? Warum hat Allah nicht geantwortet? Und ich habe angefangen, das Neue Testament zu lesen. Dann stieß ich auf Jesus und war fasziniert von seiner Person. …

Als Muslima wurde ich gelehrt, die Feinde des Islam zu hassen und zu verfluchen. Und jetzt lese ich in der Bergpredigt Jesu: „Du sollst deinen Feind lieben.“ Einer von beiden hat unrecht. Dann bin ich auf die biblische Geschichte gestoßen, in der die Pharisäer eine Ehebrecherin steinigen wollen. Und Jesus sagt zu ihnen: „Wer von euch ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein.“ Auch zu Mohammed kommt eine Ehebrecherin, die er aber nicht von ihrer Schuld freispricht, sondern zur Steinigung freigibt. Den menschenfreundlichen Gott fand ich in der Bibel. Gott hat ein Gesicht, und das heißt Jesus Christus. Er vergibt Schuld und führt in die Freiheit. Und danach sehnte ich mich. Er bietet mir seine Gnade an, wenn ich mich für ihn entscheide.«

 

Hl. Mutter Teresa von Kalkutta – Was mich am traurigsten macht

Für die hl. Mutter Teresa von Kalkutta war die Quelle der Kraft für ihren Dienst die Gegenwart des Herrn in der hl. Eucharistie. Sie sagte: „Wir beginnen unseren Tag, indem wir versuche Christus in der Gestalt des Brotes zu sehen. Und während des Tages fahren wir fort, ihm in den ausgemergelten Körpern unserer Armen zu begegnen.“ Pfarrer George William Rutler aus New York berichtete  in einer Predigt (1989), wie sehr Mutter Teresa von Ehrfurcht uns Liebe für die Eucharistie erfüllt war. Er sagt: „Ich werde Ihnen ein Geheimnis erzählen; da wir ja knapp tausend enge Freunde versammelt haben und auch deshalb, weil wir die ‚Missionarinnen der Nächstenliebe‘ bei uns haben, die der Heilige Geist in die Welt gesandt hat, damit sich die Geheimnisse vieler Herzen offenbaren. Es ist nicht sehr lange her, da zelebrierte ich die hl. Messe und predigte für ihre Mutter, Mutter Theresa von Kalkutta. Nach dem Frühstück verbrachten wir eine längere Zeit im Gespräch in einem kleinen Raum. Plötzlich hörte ich mich unwillkürlich fragen – ich weiß nicht, warum: ‚Mutter, was denken Sie, ist eigentlich das größte Problem unserer heutigen Zeit?‘ Sie könnte mehr als jeder andere eine beliebige Anzahl von Anhaltspunkten nennen: Hungersnöte, Pest, Krankheit, das Zusammenbrechen der Familie, Rebellion gegen Gott, Korruption der Medien, die Schulden in der Welt, die nukleare Bedrohung und so weiter. Ohne eine Sekunde zu zögern sagte sie: ‚Wohin auch immer ich in der ganzen Welt komme, das, was mich am traurigsten macht, ist zu sehen, dass Menschen die Heilige Kommunion in der Hand empfangen.'“

 

Im Dienst eines gütigen Herrn

Am 25. Sonntag im Jahreskreis hören wir im Evangelium das Gleichnis von den Arbeiter im Weinberg, die vom Gutsherrn zu verschiedenen Stunden des Tages zur Arbeit angeworben werden und die am Ende alle den gleichen Lohn erhalten. Mit diesem Gleichnis stellt uns Jesus die Güte Gottes vor Augen, die für uns nicht immer so einfach zu verstehen ist.

Es geht hier um das Himmelreich, den Himmel, das ewige Leben, den ewigen Lohn, den wir uns einerseits verdienen müssen, der aber zugleich ein Geschenk ist.

Zuerst zeigt sich die Güte Gottes in seiner Absicht, dass Gott alle Menschen retten will. Deshalb geht er den Menschen immer wieder nach, um sie für die Arbeit an seinem Reich zu gewinnen. Solange wir in diesem Leben sind, kann Gott bis zur letzten Stunde mit dem Ruf seiner Gnade an die Menschen herankommen.

Ein zweiter Beweis seine Güte besteht darin, dass er allen, die seiner Einladung folgen, den Lohn zuteilt, der für sie recht ist. Das Entscheidende vor Gott ist nicht die Größe unserer Leistung, was wir alles vollbringen konnten, sondern dass wir bereit waren, den Willen Gottes zu tun. Wer diesen guten Willen hat, der wird von Gott reich belohnt, auch wenn er nicht mehr viel Zeit hatte, etwas für das Reich Gottes zu tun.

Die Güte Gottes, die ganz anders ist, als wir sie uns vorstellen, sollte uns wirklich mit Freude und Dankbarkeit erfüllen.

Eigentlich hätten die Arbeiter der ersten Stunde anders reagieren müssen. Im Gleichnis könnte auch stehen: „Als die Arbeiter der ersten Stunde die Großzügigkeit und Güte des Gutsherrn sahen, freuten sie sich mit den anderen, die auch den Tageslohn erhielten und dankbar nahmen sie ihren Denar entgegen. Sie waren glücklich, im Dienst eines so gütigen Herrn zu stehen.“

Jesus hat aber das Gleichnis nicht so erzählt: Die Arbeiter der ersten Stunde begannen über die Güte des Gutsherrn zu murren. Jesus offenbart hier die Schwäche des menschlichen Herzens.

Wir tun uns schwer, uns mit dem Glück und dem Erfolg unserer Mitmenschen von Herzen mitzufreuen. Und so können wir auch nicht mehr so richtig dankbar und froh sein über den Segen und die Gnade unseres Glaubens.

Gott hat mit jedem Menschen seinen Plan, hier dürfen wir nicht miteinander vergleichen.

Das Einzige, worum wir uns sorgen sollten ist, dass wir die Einladung des Herrn nicht überhören, mit der er zu jeder Stunde des Tages an uns herantreten kann.

Schließlich werden wir auch von Herzen wünschen und dafür beten und opfern, dass jene, die jetzt noch fern sind vom Reich Gottes, wenigstens in der letzten Stunde gerufen werden und diesen Ruf beantworten können.

Denn es ist das größte Glück für uns, im Dienst unseres so gütigen Herrn und Gottes zu stehen.

 

Von Maria berührt

Als junger Priester nahm ich an einer Wallfahrt der UNITALSI teil, einer italienischen Organisation, welche die Kranken nach Lourdes begleitet. Am ersten Tag in Lourdes war ich enttäuscht, weil der Ort mir mehr vorkam wie ein kommerzieller Betrieb als wie ein Heiligtum. Es war 1970 und wir als junge Priester waren angesteckt vom Klima des Protests, das damals herrschte.

Am nächsten Tag schickten mich die Organisatoren der Wallfahrt zur Beichtkapelle: nach 5 Stunden, in denen ich Sünden vergeben, vor allem aber die wunderbaren Bekehrungen zahlreicher Menschen gehört hatte, verstand ich, dass es Maria war, die ihre Herzen berührt hatte: eine geistliche Erneuerung begann in mir zu wirken. Ich bin seitdem oft nach Lourdes zurückgekehrt, und ich hatte immer das gleiche Gefühl: Maria führt uns zu ihrem Sohn Jesus. Und das ist es, was an allen Heiligtümern geschieht.

Bischof Bernardino Marchió (Brasilien)